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Full text of "Synopsis der mitteleuropaïschen flora"

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THE  LIBRARY 

OF 

THE  UNIVERSITY 

OF  CALIFORNIA 

LOS  ANGELES 


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SYNOPSIS 


DER 


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VON 


PAUL  ASCHERSON 

DR.  MED.  ET  PHIL.,    GEH.  REGIERUNGSRAT 
PROFESSOR   DER   BOTANIK    AN   DER   UNIVERSITÄT   ZU   BERLIN 


UND 


PAUL  GRAEBNER 

Dr.  phil. 
gustos  am  kgl.  botanischen  garten  der  universität  berlin 


DRITTER  BAND 

MONOCOTYLEDONES    (LlLIIFLORAE    [LlLIACEAE;    AmAEYLLIDACEAE 

Dioscoeeaceae;  Ietdaceae],  Scitamineae,  Miceospeemae 
[Oechidaceae]) 


LEIPZIG 

VERLAG    VON    WILHELM    ENGELMANN 

1905—1907 


Es  wurden  ausgegeben: 

Bogen     1—10  (Lieferung  37,  38)  am  25.  Juli   1905 


11—20  (       „ 

40, 

41) 

„  31. 

October  1905 

,       21—30  (       „ 

42, 

43) 

„  15. 

Mai  1906 

„       31—35  (       „ 

46) 

„  20. 

November  1906 

,       36—45  (       „ 

47, 

48) 

„  21. 

Mai  1907 

,       46—50  ( 

53) 

„  24. 

September  1907 

,       51—59  (       „ 

54, 

55) 

„  24. 

December  1907. 

Druck  der  Kgl.  Universitätsdruckeroi  von  H.  Stürtz  in  VOrzburg 


Vorrede. 


Der  vorliegende  Band  hat  einen  etwas  grösseren  Umfang  er- 
reicht als  die  vorhergehenden.  Der  Grund  liegt  in  der  ausführ- 
licheren Behandlung  der  darin  besprochenen  Familien,  die  ein  über 
das  gewöhnliche  Maass  hinausgehendes  Interesse  beanspruchen.  Dies 
trifft  namentlich  auf  die  letzte  Familie  der  Monocotyledones,  auf 
die  Orchidaceen  zu,  über  die  seit  dem  Erscheinen  von  M.  Schulze's 
vortrefflicher  Bearbeitung  der  mitteleuropäischen  Arten  der  Familie, 
nachdem  dadurch  eine  leichte  Uebersicht  über  das  bekannte  Material 
geschaffen  war,  eine  umfangreiche  Litteratur  vorliegt.  Wir  haben 
geglaubt,  bei  dieser  so  allgemein  beliebten  Familie  über  den  Rahmen 
der  sonst  üblichen  Behandlung  hinaus  eine  eingehende  Darstellung 
der  Formenkreise  und  namentlich  der  so  eigenartigen  Hibriden 
geben  zu  sollen,  wobei  uns  Max  Schulze  in  der  liebenswürdigsten 
Weise  unterstützte. 

Eine  weitere  Schwierigkeit  boten  gerade  in  diesem  Bande  die 
so  zahlreichen  Culturpflanzen,  wie  sie  besonders  bei  den  Liliaceae, 
AmaryUidaceae  und  Iridaceae  vorkommen.  Die  Ansichten  unserer 
Freunde,  wie  diese  Gruppen  am  zweckmässigsten  zu  bearbeiten 
seien,  gingen  sehr  auseinander,  denn  während  einige  für  Berück- 
sichtigung möglichst  nur  der  allerwichtigsten  Formen  sich  aus- 
sprachen, war  die  Mehrzahl  für  eine  eingehendere  Bearbeitung 
aller  bekannteren  Culturpflanzen,  die  Letzteren  namentlich  aus 
dem  Grunde,  weil  es  der  Mehrzahl  der  Benutzer  der  Synopsis, 
denen  grössere  Bibliotheken  nicht  zur  Verfügung  stehen,  nicht 
möglich  war,  ihnen  von  Schülern  gebrachte,  resp.  auch  jetzt  in 
kleineren  Handelsgärtnereien  käufliche  Pflanzenarten  zu  bestimmen 
oder   sich   über   die   häufiger    cultivirten    Formenkreise   (wie   etwa 


IV  Vorrede. 

Tulpen,  Hyacinthen,  Crocus,  Narcissen  etc.),  ihre  Herkunft,  Mannig- 
faltigkeit etc.  zu  orientiren.  Wir  haben  uns  nicht  leicht  zur  Auf- 
nahme und  Bearbeitung  der  zahlreichen  Culturpflanzen  entschlossen, 
denn  wir  waren  uns  wohl  klar  darüber,  wie  sehr  wir  die  übernommene 
Arbeitslast  dadurch  vermehrten  (der  Umfang  des  Werkes  wird  nicht 
erheblich  grösser  dadurch,  da  ja  die  weniger  wichtigen  Pflanzen 
nur  mit  kurzen  knappen  Diagnosen  und  mit  kleinem  Druck  auf- 
geführt sind);  wir  haben  es  aber  schliesslich  doch  vorgezogen  die 
Culturpflanzen  eingehender  zu  berücksichtigen,  da  auch  uns  kein 
Buch  bekannt  war,  welches  etwa  als  Ergänzung  der  Synopsis  hätte 
dienen  können.  Der  Procentsatz  der  Culturpflanzen  ist  gerade  bei 
den  im  vorliegenden  Bande  bearbeiteten  grossblüthigen  Familien- 
gruppen sehr  stark,  bei  den  meisten  übrigen  Familien  füllen  die 
Zierpflanzen  nur  Lücken  in  der  Darstellung  der  mitteleuropäischen 
Formen  aus,  treten  also  weniger  in  die  Erscheinung.  —  Bei  der 
Auswahl  der  zu  besprechenden  Arten  hat  uns  Herr  Kgl.  Garten- 
inspector  K.  Peters  in  Dahlem-Berlin  in  liebenswürdigster  Weise 
unterstützt. 

Für  die  Verbreitungsangaben  namentlich  im  südlicheren  Ge- 
biete haben  wir  auch  in  diesem  Bande  viele  werthvolle  Beiträge 
von  den  Herren  von  Samt h ein- Cortina  d'Ampezzo,  Tirol  und 
Maly- Sarajewo  erhalten.  Ihnen  wie  auch  einer  grossen  Zahl 
anderer  Freunde  sei  unser  bester  Dank  dargebracht. 

Bezüglich  der  Verwendung  der  Generalregister  sei  auf 
vielfache  Anfragen  bemerkt,  dass  wir  die  Register  haben  besonders 
paginiren  und  ihnen  später  auch  gemeinsame  Titel  wollen  beigeben 
lassen,  damit  es  möglich  ist,  sie  gesondert  (nicht  am  Ende  des 
Bandes)  binden  zu  lassen.  Für  das  Aufsuchen  einzelner  Arten, 
und  besonders  für  das  Bestimmen  von  Pflanzen  wird  das  jeder 
Schlusslieferung  beigegebene  Gattungs-  und  Sectionsregister  ge- 
nügen, bei  längerer  Beschäftigung  mit  einer  Gattung  oder  Familie, 
wie  auch  zum  Zwecke  der  Ordnung  von  Herbarien  etc.,  wird  es 
aber  zweckmässig  sein,  das  Register  im  besonderen  Bande  neben 
sich  liegen  zu  haben;  ein  am  Schlüsse  fest  geheftetes  General- 
register  bedingt   ein  häufiges   und   lästiges  Hin-  und  Herblättern. 

Zum  Schluss  noch  als  Antwort  auf  zahlreiche  Anfragen,  ob 
die  seit  einiger  Zeit  erscheinende  Illustrirte  Flora  von  Mitteleuropa 
von  Hegi  und  Hunzinger  als  Illustrationswerk  zur  Synopsis  an- 
gesehen werden  könne,    dass   dies  nicht  der  Fall  ist.     In   den  Be- 


Vorrede.  V 

sprechungen  des  Buches  wird  zwar  angegeben,  dass  es  sich  in 
gewissen  Dingen  der  Synopsis  anschliesse,  wir  kennen  aber  das 
Werk  ausser  einem  Probehefte  nicht,  können  also  ein  Urtheil 
nicht  abgeben.  Eine  kritische  Würdigung  schwieriger  Formen- 
kreise scheint  bei  der  geringen  Zahl  der  Tafeln  wohl  nicht  beab- 
sichtigt und  möglich. 

Berlin  und  Gross-Lichterfelde,  den  26.  November  1907. 

P.  Ascherson.    P.  Graebner. 


28.  Familie. 

LILIACEAE. 

([Haller  Enum.  stirp.  Helv.  I.  7279  (1742).  L.  Philos.  bot.  28  (1751)] 
Adans.  Farn.  IL  42  [1763].  Lindl.  Nat.  Syst.  ed.  2.  351  [1836].  Engl. 
Nat.  Pfl.  IL  5.  10  [1887].  Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  Siph.  60.  Lilia 
[Gmel.  Fl.  Sib.  I.  34  (1747)].  Juss.  Hort.  Triam  [1759].  Gen.  S.  LXIV. 

48  [1789]). 

S.  IL  2.  S.  413.  Meist  kleine  bis  ansehnliche,  ausdauernde,  selten 
einjährige  Kräuter,  selten  Holzgewächse.  Unterirdische  sehr  häufig 
zwiebeltragende,  knollige  oder  kriechende  Grundachse  meist  vorhanden. 
Blätter  meist  flach,  mit  selten  scharf  abgegrenzter  Scheide  oder  ge- 
stielter Spreite.  Blüthen  meist  ziemlich  gross  oder  gross,  zweigeschlecht- 
lich, seltener  durch  Fehlschlagen  des  einen  Geschlechts  eingeschlechtlich, 
meist  aktinomorph  mit  2  meist  3-  (sehr  selten  2-  oder  4-)  zähligen  Perigon- 
kreisen,  beide  gleichartig,  selten  mehr  oder  weniger  verschieden  gestaltet, 
hoch-  oder  blumenblattartig.  Staubblätter  fast  stets  6  in  2  Kreisen, 
selten  mehr  oder  durch  Fehlschlagen  weniger.  Fruchtknoten  fast  stets 
aus  3  verbundenen  Fruchtblättern  gebildet,  oberständig,  fast  stets  3- 
(sehr  selten  2-  od.  4-) fächerig  mit  meist  mehrsamigen  Fächern.  Samen- 
anlagen in  2  Reihen  in  jedem  Fach,  fast  immer  anatrop.  Frucht  meist 
eine  Kapsel,  fach-  oder  scheidewandspaltig,  seltener  eine  Beere.  Samen 
mit  reichlichem,  fleischigem  oder  knorpeligem  Nährgewebe  und  kleinem 
geraden  oder  gekrümmten  Keimling  in  der  Achse  des  Nährgewebes. 

Etwa  2600  Arten  fast  über  die  ganze  Erdoberfläche  verbreitet. 

Uebersicht  der  Unterf amilien. 

1.  Grundachse  kriechend  oder  knollig  (selten  Zwiebel),  mit  endstän- 
digem Blüthenstengel.  Antheren  extrors  oder  intrors.  Griffel  3, 
getrennt  oder  wenn  fehlend,  3  sitzende  getrennte  Narben,  selten 
ein  Griffel  mit  3  Narben.  Frucht  eine  fach-  oder  scheidewand- 
spaltige  Kapsel  (keine  Beere)  mit  oberwärts  getrennten  Frucht- 
blättern. Melanthioideae. 

Ascherson  u.  Gracbner,  Synopsis.  III.  1 


J  Liliaceae. 

2.  Grundachse  kurz,  aufrecht  oder  kriechend,  mit  grundständigen 
Blättern,  selten  stanimbildend.  Blüthenstengel  endständig,  seltener 
seitlich,  meist  traubig,  ährenartig  oder  rispig  verzweigt.  Blüthen- 
stiele  von  der  Blüthe  abgegliedert  oder  unterhalb  derselben  gegliedert. 
Perigonblätter  frei  oder  verbunden.  Staubbeutel  nach  innen  (mitunter 
an  der  Spitze)  aufspringend.  Frucht  eine  Kapsel,  sehr  selten  Beere. 
Samenschale  schwarz,  krustig.  Asphodeloideae. 

3.  Zwiebel  oder  kurze  Grundachse.  Blüthenstand  aus  zu  einer  Schein- 
dolde verbundenen  Schraubein  gebildet,  meist  von  2  breiten,  bis- 
weilen verbundenen  Hüllblättern  mehr  oder  weniger  umschlossen, 
selten  mit  2  schmalen  Hüllblättern  und  auf  wenige  oder  einzelne 
Blüthen  beschränkt.  Allioideae. 

4.  Zwiebel.  Blüthenstengel  endständig.  Blüthenstand  traubig.  Perigon- 
blätter frei  oder  verbunden.  Staubblätter  der  Blüthenachse  oder 
ganz  am  Grunde  der  Perigonblätter  eingefügt.  Staubbeutel  stets  nach 
innen  aufspringend.  Frucht  fast  stets  eine  fachspaltige  Kapsel. 
Samen  meist  zahlreich,  zusammengedrückt.  Samenschale  gelblich 
oder  hellbraun,  schwammig  oder  hart.  Lilioideae. 

5.  Aufrechter,  bisweilen  kurzer,  oberwärts  beblätterter  Stamm  oder 
kriechende  Grundachse  mit  büschelig  gestellten  grundständigen 
Blättern  (niemals  Zwiebel).  Blätter  nicht  fleischig,  öfter  lederartig. 
Perigonblätter  frei  oder  am  Grunde  verbunden.  Staubbeutel  nach 
innen  aufspringend.     Frucht  eine  Beere  oder  Kapsel. 

Dracaenoideae. 

6.  Grundachse  kurz  oder  kriechend,  verlängerte  beblätterte  blüthen- 
tragende  Stengel  treibend,  die  Stengel  end-  oder  seitenständig. 
Frucht  eine  Beere.  Asparagoideae. 

7.  Grundachse  kurz,  mitunter  Ausläufer  treibend  mit  schmalen,  grund- 
ständigen  Blättern.  Perigonblätter  frei  oder  verbunden.  Staubbeutel 
ganz  oder  halb  nach  innen  aufspringend.  Frucht  dünnwandig, 
zerfliessend  oder  aufbrechend.  Samen  wenige,  mit  fleischiger  Samen- 
schale. Ophiopogonoideae. 

8.  Grundachse  kurz,  mit  schmalen  grundständigen  Blättern.  Perigon- 
blätter verbunden.  Staubbeutel  halb  nach  innen  aufspringend. 
Fruchtknoten  halbunterständig.  Frucht  eine  fachspaltige  Kapsel. 
Samen  zahlreich  mit  dünner  Samenschale.  Aletridoideae. 

9.  Sträucher  oder  J  bilb-träucher  mit  aufrechten  oder  kletternden  Zweigen. 
Blüthen  meist  zu  mehreren  trugdoldig  angeordnet,  seltener  einzeln, 
am  Grunde  mit  einem  hochblattartigen  Deckblatte.  Perigonblätter 
frei,  selten   verbunden.     Frucht  eine  Beere.  Luzuriagoideae. 

10.  Sträucher  oder  Halbsträucher  mit  kletternden  Zweigen.  Blätter  netz- 
nerviir  mit  3 — 5  Hauptnerven.  Blüthen  klein  in  achselständigen 
Trugdolden  oder  Trauben,  seltener  in  endständiger  Rispe.  Perigon- 
blätter frei  oder  verbunden.    Frucht  eine  Beere  mit  wenigen  Samen. 

Smilacoideae. 


Schlüssel  zum  Bestimmen  der  Liliaceen-Gattungen 
nach  leicht   auffindbaren  Merkmalen  siehe  am  Schlüsse  der  Familie. 


Melanthioideae.  3 

1.  Unterfamilie. 

MELANTHIOIDEAE1). 

(Engl,  in  Nat.  Pfl.  IL  5.  17  [1887].  A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flachl. 
180.  Dalla  Torre  u.  Hanns  Gen.  siph.  60.  Melanthia[ceae]  Batsch 
Tab.  äff.  133  [1802].  [Schlechtem!.  Linnaea  I.  78  (1«26)  veränd.]. 
Lindl.  Nat.  Syst.  ed.  1.  clav.    [1830].    Nix.  34    [1833].     Aschers.   Fl. 

Brand.  I.   730.) 
S.  S.  1. 

Uebersicht  der  Tribus. 

A.  Blüthen  nicht  mit  langer  Perigonröhre. 

L  Blüthen  in  besonderen  Blüthenständen,  meist  ziemlich  klein.  Kapsel 
Scheidewand-  oder  fachspaltig.  Samen  länglich,  flach  und  geflügelt 
oder  kantig. 

a.  Stengel  unbeblättert  oder  mit  von  den  Grundblättern  verschieden 
gestalteten  Blättern. 

1.  Blätter  zweizeilig,  ungestielt,  reitend  (wie  bei  Iris).  Grund- 
achse kurz  oder  kriechend.  Staubblätter  6,  selten  9.  Staub- 
beutel eiförmig  bis  linealisch,  nach  innen  aufspringend.  Griffel 
getrennt  oder  vereint  die  Narben  am  Ende  tragend  oder  fehlend. 

Tofieldieae. 

2.  Blätter  spiralig.  Grundachse  kurz  oder  kriechend.  Staub- 
blätter 6.  Staubbeutel  eiförmig  bis  fast  kugelig,  nach  aussen 
aufspringend.  Griffel  getrennt,  die  Narben  dann  auf  der 
Innenseite  tragend,  oder  verbunden  mit  3  lappiger  Narbe. 

Helonieae. 

b.  Stengel  (bei  uns)  mit  den  Grundblättern  gleich  gestalteten 
Blättern  besetzt.  —  Grundachse  dick  bis  zwiebelartig.  Staub- 
blätter 6.     Staubbeutel  fast  kugelig,  zuletzt  schildförmig. 

Veratreae. 
IL  Blüthen  einzeln,  endständig  oder  in  den  Achseln  von  Laubblättern» 
öfter  gross.  —  Grundachse  kurz  oder  kriechend.  Stengelblätter 
ziemlich  gross,  sitzend,  stengelumfassend.  Staubbeutel  länglich  oder 
linealisch,  nach  aussen  aufspringend.  Kapsel  meist  fachspaltig. 
Samen  fast  kugelig  oder  kreisförmig-flach.  Uvularieae. 

B.  Blüthen  (bei  uns)  mit  langer,  schmaler  Perigonröhre.  Grundachse 
kurz,  knollig  verdickt.  Blätter  zu  1-  bis  wenigen  grundständig  oder 
nur  wenig  über  den  Boden  erhoben.  Staubbeutel  nach  aussen  oder 
innen  aufspringend.  Kapsel  scheidewandspaltig.  Griffel  einwärts 
unter  der  Spitze  die  Narbe  tragend.  Colehiceae. 


i)    Nach    der   nordamericanischen  Gattung  Meldnthium    (Clavt.  in  L.  Gen. 
pl.  ed.  2.  524  ed.  5.  157  [1754]). 


4  Liliaceae. 

1.  Tribus. 
TOFIELDIEAE. 

(Kunth  Enum.  pl.  IV.  1G5  [1848].  Aschers.   Fl.  Brand.  I.   731.  Engl. 
Xat.  Pfl.  II.  5.    17.    19.  DaUa  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  60.) 

S.  S.  3.  Grundachse  kurz  oder  (bei  uns)  kriechend.  Blätter  zwei- 
zeilig, am  Grunde  gedrängt,  die  stengelständigen  klein.  Blüthenstände 
(bei  uns)  Trauben,  seltener  Aehren  oder  Rispen.  Perigonblätter  bleibend, 
sitzend.  Staubbeutel  eiförmig,  länglich  oder  linealisch,  nach  innen  auf- 
springend, mit  ihrem  Grunde  den  Staubfäden  ansitzend.  Griffel  ge- 
trennt oder  vereint  an  der  Spitze  die  Narbe  tragend  oder  fehlend. 

5  Gattungen  mit  über  20  Arten.     In  Europa  nur  unsere  Gattungen. 

Uebersicht  der  Gattungen. 

A.  Griffel  3.     Kapsel  scheidewandspaltig.  Tofieldia. 

B.  Griffel  1.     Kapsel  fachspaltig.  Narthecium. 

150.  TOFIELDIA1). 

(Huds.  Fl.  Angl.  ed.  2.  I.  157  [1778].  Nat.  Pfl.  II.  5.  20.  Heriteria2) 
Schrank  Baier.  Fl.  I.  133  [1789].  Hebelia*)  Gmel.  Fl.  Bad.  IL  117 
[1806].  Tofieldia  Schrank  Denkschr.  Akad.  Münch.  1813.  94  [1814]. 
Ci/mba4)  Dulac  Fl.  Hautes-Pyr.  117  [1867].  Triäntha'0)  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XVII.  490  [1879]). 

(Liliensimse,  Torflilie,  Hunggräs,  Sauspeik ;  it.:  Falso  Asfodello;  poln.: 
Kosatka;  böhni. :  Kohätka,  Horna.) 

S.  oben.  Grundachse  kurz,  etwas  verzweigt,  durch  die  faserigen 
Reste  der  vorjährigen  Blätter  schopfig.  Pflanze  kahl.  Blüthen Stengel 
unverzweigt,  unterwärts  eine  Anzahl  schwertförmiger  zweizeiliger  Laub- 
blätter  tragend.  Knospen  in  den  Achseln  unterer  Laubblätter,  das 
zweite  Blatt  derselben  vor  dem  ersten.  Blüthen  klein,  (bei  uns)  einzeln 
oder  zu  3  in  den  Achseln  kleiner  Hochblätter,  am  Grunde  meist  noch 
mit  einem  häutigen,  mehr  oder  weniger  tief  3  teiligen  Vorblatt  (Aussen- 
kelch).   Perigonblätter  gefärbt,  bleibend,  getrennt,  vertieft.    Staubblätter 


i)  Nach  einem  Mr.  Tofield  (spr.  Tofild)  in  Doncaster  (Yorkshire),  der  um 
1778  mit  Hudson  in  brieflichem  Verkehr  stand  (Britten  u.  Boulger  Journ. 
of  Bot.  XXIX.   18). 

-)  Nach  Charles  Louis  L' He riti er,  Mitglied  des  Instituts,  *  1746  f  1(5.  Aug. 
1800  Baris  (auf  der  ^lra>se  ermordet),  besonders  um  die  Kcnntniss  der  Gartenpflanzen 
verdient,  Verf.  der  wichtigen  Kupferwerke  Stirpes  uovae  vel  minus  cognitae  Paris 
17s4— 5.  Geraniologia  Paris  1787—8.  Sertum  anglicum  Paris  1788. 

3)  Nach  dem  gemüthvollen  Volksschriftsteller  und  Dialektdichter  Johann  Peter 
Hebel,  *  1760  Basel,  f  ls_Mi  Schwetzingen,  Professor  und  Prälat  in  Karlsruhe, 
der  sich  nach  Gmelin  (a.  a.  < ).  119)  auch  auf  dem  Gebiete  der  Botanik  Verdienste 
eiworben   hat. 

•i|  Cymba  (griech.   y.iu  ttj)  der   Kahn. 

ö)  Von  TQeig  drei  und  äv&og  Blume. 


Tofieldia.  5 

dem  Grunde  der  Perigonblätter   eingefügt.     Staubfäden   pfriemenförmig. 
Griffel   kurz.     Früchtchen    am  Grunde    verbunden,    an   der  Spitze   ein- 
wärts aufspringend.     Samen  zahlreich,  spindelförmig. 
In  Europa  nur  unsere  Arten. 

725.  (1.)  T.  calyculäta.  2|_.  Grundachse  mehr  oder  weniger  ver- 
zweigt, nur  kleine  Rasen  bildend.  Stengel  meist  starr  aufrecht,  oft 
etwas  geschlängelt,  meist  1,5—  3  dm  hoch.  Blätter  aufrecht  abstehend, 
reitend,  flach,  linealisch,  allmählich  in  eine  scharfe  Spitze  zugespitzt. 
Untere  Stengelblätter  den  grundständigen  ähnlich,  obere  klein,  hoch- 
blattartig, bis  fast  nadeiförmig,  die  obersten  den  Tragblättern  der  Blüthen 
ähnlich.  Blüthenstand  eine  Traube,  meist  cylindrisch,  ährenförmig,  meist 
4 — 6  (bis  10)  cm  lang,  selten  verzweigt,  am  Grunde  locker,  oberwärts 
mehr  oder  weniger  dicht,  selten  kopfförmig.  Blüthen  in  der  Achsel  von 
eiförmigen  bis  eiförmig-lanzettlichen,  breit-hautrandigen  Hochblättern, 
kurz  gestielt.  Blüthen  stiele  kürzer  als  die  Blüthe,  am 
Grunde  der  Blüthe  ein  dreilappiges  Vorblatt  tragend. 
Perigonblätter  meist  gelblich-weiss.  Früchte  eiförmig  bis  kugelig-eiförmig, 
plötzlich-  bis  etwas  abgestutzt-kurz-zugespitzt,  die  3  Griffel  tragend. 

Trockene  meist  fruchtbare  Wiesen,  steinige  Abhänge,  oft  auf  Kalk, 
meist  gesellig.  Tm  ganzen  Alpengebiet!!  von  der  Dauphine  und  Pro- 
vence bis  Bosnien,  nördlich  bis  zum  Jura  (auch  im  Sundgau)  und  der 
Donau!!  verbreitet,  in  Wallis  bis  2600  m  (Jaccard  352)  in  Tirol  bis 
2200  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend,  im  Karpatengebiet  in  N.W.- 
Ungarn, Galizien,  Siebenbürgen,  in  der  Pfalz,  bei  Darmstadt!  in 
Baden!  Nord- Württemberg,  Nord-Bayern  (selten),  in  Böhmen!  Mähren 
und  Schlesien!  mehrfach,  in  Thüringen  bei  Jena!  und  früher  bei  Kelbra, 
bei  Querfurt,  Delitzsch!  und  Leipzig,  in  der  nördlichen  Ebene  nur  öst- 
lich der  Elbe,  nördlich  bis  Berlin ! !  Meseritz,  Konitz,  Bromberg,  Lötzen 
und  Lyck!     Bl.  Juni,  Juli,  vereinzelt  bis  Herbst. 

T.  calyculäta  Wahlenb.  Veg.  Helv.  68  (1813).  Koch  Syn.  ed.  2. 
836.  Nyman  Consp.  745.  Suppl.  311.  Richter  PI.  Eur.  I.  187.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCXX  fig.  930 — 933.  Änthericum1)  calyculdtum  L.  Spec. 
pl.  ed.  1.  311  (1753).  Änthericum  Pseudoasphödelus2)  Jacq.  Enum. 
stirp.  Vindobon.  233  (1762;.  Scheuchzeria*)  Pseud-Asphodelus  Scop. 
Fl.  Carn.  ed.  2.  I.  263  (1772).  Narthecium  calyculätum  All.  Fl. 
Pedem.  IL  165  (1785).  Narthecium  iridifölium  Vill.  PI.  Dauph.  IL 
225  (1787).  Heriteria  anthericoides  Schrank  Baier.  Fl.  I.  629  (1789). 
Änthericum  calycinum  Braune  Fl.  Salzb.  I.  317  (1797).  Helonias 
horealis  Willd.  Spec.  pl.  IL  274  (1799).  Narthecium  flavescens 
Wahlenb.  Nov.  Act.  Holm.  XXVI.  24  (1805).     Hebelia  collina  und 


1)  &v&eQt,y,og  u.  äv&EQim],  hei  Theophrastos  der  Getreidehalm,  auch  ein 
Zwiebelgewächs,  bei  Nikandros  der  Blüthenstengel  des  jisphodelus.  Die  der  bei  den 
Neuern  üblichen  Schreibweise  Änthericum  entsprechende  Form  äv&eQixov  ist  nicht 
aus  dem  Alterthum  überliefert. 

2)  Von  ipevöopat,  ich  täusche  und  Asphodelus. 

3)  S.  I.  S.  374  Fussn.    1. 


6  Liliaceae. 

H.  dllemarmica1)  Gmel.  Fl.  Batl.  IL  117,  118  (1806)  (letzteres  kleine 
zierliche  Form).  Tofieldia  palustris  Willd.  in  Mag.  nat.  Freunde  II. 
28  (1808).  Hoppe  u.  Sternb.  Denkschr.  Regensb.  I.  153  (1815)  nicht 
Huds.  Tof.  alpina  Smith  in  Transact.  Linn.  Soc.  XII.  241  (1816). 
Tof.  allemanica  Bluff  u.  Fingerhuth  Fl.  Germ.  478  (1825). 

In  der  Grösse  und  der  Gestalt  des  Blüthenstandes  einigermaassen  veränderlich. 

B.  capi t ät a.  Blüthenstand  dicht  gedrängt,  kurz,  kopfig.  Pflanze  schmächtig, 
Blatter  schmäler.  —  So  auf  moorigem  Boden.  —  T.  calyculata  a.  capitata 
Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  97  (1830)  (vgl.  Koch  in  M.  u.  K.  Deutschi.  Fl.  II.  623 
[1826].  Syu.  ed.  2.  S.'iT).  Richter  PI.  Eur.  I.  187.  T.  palustris  y.  capitata  Hoppe 
Flora  IV  (1821)  189  t.  1  fig.  4. 

Hierzu 
b.  glaeiälis.  Pflanze  klein,  von  der  Tracht  der  folgenden  Art.  —  In  der  alpinen 
Region,  in  Wallis  zwischen   1700  und  2600  m  (Jaccard  352).  —  T.  calyculata 
ß.  glaeiälis   Rchb.   Ic.  X.   1    t.  CCCCXX   fig.  933    (1848).    T.   glaeiälis   Gaud. 
Fl.  Helv.  II.  596    (1828).     Nyman  Consp.  745.     Richter  PI.  Eur.  I.  187. 

C.  colli  na.  Blüthenstand  locker,  öfter  verlängert.  Blüthen  mehr  oder  weniger 
entfernt.  —  Zerstreut,  besonders  an  grasigen  Orten.  —  T.  calyculata  d)  collina 
Richter  PI.  Eur.  I.  188  (1890).  Hebelia  collina  Gmel.  Fl.  Bad.  II.  117  (1806). 
Anthaicum  calyculatum  ß.  collinum  Schultes  Fl.  Austr.  ed.  2.  I.  581  (1814). 
T.  racemdsa  Hoppe  u.  Hornsch.  PI.  sei.  T.  palustris  6.  racemosa  Hoppe  Dec. 
no.  86.  T.  palustris  ö.  collina  Hoppe  Flora  IV  (1821)  188  t.  1  fig.  5.  T. 
calyculata  b.  racemosa  Rchb.  Fl.  Germ.  Exe.  97  (1830)  vgl.  M.  u.  K.  Deutschi. 
Fl.  II.  623  (1826).  T.  calyculata  var.  sparsiflora  Sonder  in  Koch  Syn.  ed.  2. 
837.    Aschers.  Fl.  Brand.  I.  732. 

Sehr  auffällig  ist  1.  ramdsa  (Hoppe  in  Koch  Syn.  ed.  2.  837  [1844] 
vgl.  Flora  IV  [1821]  189  t.  1  fig.  3,  6.  Koch  Syn.  ed.  2.  837.  Aschers.  PI. 
Brand.  I.  732).  Blüthenstand  verzweigt,  die  untersten  Seitenäste  2 — 15  blüthig, 
öfter  fast  alle  bis  auf  die  obersten  mehrblüthig,  untere  Tragblätter  oft  verlängert. 
—  Selten. 

Durch  die  Farbe  ist  ausgezeichnet : 
II.  rubra    (Friederich  v.    Braun    Flora    III    [1820]    469.     Nyman    Consp.    745. 
Richter  PI.  Eur.  I.  187.     T.  palustris  ß.  rubescens  Hoppe  Flora  IV  [1821] 
188  t.  1  fig.  2.)     Blüthen  röthlich,    besonders  Kapsel  rothbraun.    —    Alpen, 
selten. 

(Pyrenäen;  Russland:  Wolhynien;  Tsehernigow;  Charkow;  Mohi- 
lew;  Livland  und  Ehstland;  Inseln  Ossel  und  Gottland.)  *_ 

725.  X   ^26.    T.  calyculata  X  palustris  s.  S.  7. 

726.  (2.)  T.  palustris.  2|-.  Pflanze  meist  niedrig,  höchstens  nicht 
viel  über  1  dm  hoch.  Stengel  nur  ganz  am  Grunde  beblättert,  mittlere 
und  obere  (hochblattartige)  Blätter  fehlend.  Blätter  schmäler  als  bei 
voriger,  meist  3  nervig.  Blüthenstand  meist  nicht  vielblüthig,  selten  er- 
heblich über  10  Blüthen  tragend,  meist  dicht  oder  die  unteren  Blüthen 
etwas  entfernt,  meisl  nur  1 — 2  cm  lang.  Blüthen  in  der  Achsel  von 
sehr  kleinen,  häutigen,  dreilappigen  Hochblättern.  Blüthenstiele 
am  Grunde  der  Blüthe  kein  Vor  Matt  tragend.  Perigon- 
blätter  weiss. 


i)  Anspielung  auf  Bebel'a  „Alemannische  Gedichte". 


Tofieldia.     Narthecium.  7 

An  sumpfigen,  moorigen  Orten  in  den  Hochalpen  bis  an  die 
Grenze  des  ewigen  Schnees,  in  Wallis  zw.  2000 — 2500  m  (Jaccard 
352)  in  Tirol  1800—2400  m  (Sarnthein  br.j.  Nur  in  den  Alpen 
von  der  Dauphine  bis  Oberösterreich,  Steiermark  und  Kärnten.  Bl. 
Juli,  August. 

T.  palustris  Huds.  Fl.  Angl.  ed.  2.  I.  157  (1778).  Richter  PI. 
Eur.  I.  187.  Anthericum  calyculatum  ß.  L.  Fl.  Suec.  ed.  2.  108 
(1855).  Helonias  borealis  Willd.  Spec.  pl.  II.  274  (1799).  Narthecium 
formte  Wahlenb.  Nov.  act,  Holm.  XXVI.  24  (1803).  Tofieldia  borealis 
Wahlenb.  Fl.  Läpp.  89  (1812).  Koch  Syn.  ed.  2.  837.  Nyman  Consp. 
745.  Suppl.  311.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXX  fig.  334,  335.'  Tof.  alpina 
Hoppe  u.  Sternb.  Denkschr.  Regensb.  I.  152  (1815).  T.  palustris  v. 
alpina  Gaud.  Fl.  Helv.  II.  255  (1828). 

Durch  die  Blüthenfarbe  und  das  Fehlen  der  Vorblätter  am  Grunde  der  Blüthe, 
sowie  der  kleinen  Hochblätter  am  oberen  Theile  des  Stengels  sehr  leicht  kenntlich. 

(Grossbritannien ;  Island ;  Spitzbergen ;  Norwegen ;  nördliches  Schweden 
und  Finnland;  nördlichstes  Russland;  Nord- America.)  _* 

725.   X   726.    T.  calyculäta  X  palustris  s.  unten. 

725.  X  726.  (3.)  T.  calyculäta  X  palustris.  4.  In  der  Tracht 
kleineren  Exemplaren  der  T.  calyculäta  ähnlich.  Hochblätter  am  Grunde 
der  Blüthcnstiele  öfter  mit  2  seitlichen  Oehrchen.  Vorblätter  am 
Grunde  der  Blüthen  vorhanden,  aber  sehr  klein,  meist 
kaum   r5  so  lang  als  die  Perigonblätter. 

Mit  den  Erzeugern  selten,  bisher  nur  in  Tirol  z.  B. :  Virgen,  Berger- 
kofi auf  Kalkgeröll  in  etwa  2000  m  (Ausser d  orf  er!).     Bl.  August. 

T.  calyculäta  X  palustris  A.  u.  G.  Syn.  III.  7  (1905)  vgl. 
Kerner  ÖBZ.  XX  (1870)  251.  T.  hibrida  (T.  borealis  X  glacialis) 
Kerner  Exs.  (1876).  T.  calyculäta  X  borealis  =  T.  hybrida  Kern, 
bei  Murr  ÖBZ.  XXXVIII  (1888)  238  DBM.  XII  (1894)  100. 


151.   NARTHECIUM1). 

([Moehring  Act.  Acad.  nat.  curios.   1742.   389  t.  5  fig.   lj.     Huds.  Fl. 
Angl.   128  [1762J.  Nat.  Pfl.  II.   520.    Äbama2)  Adans.  Farn,  des  pl. 

II.  47   [1763]). 

(A ehren-    oder   Stablilie,    Schoosterknief ;    niederl.   u.  vlaem.:    Cipelgras; 

dän. :  Benbraek.) 

S.  S.  4.  Ausdauernde  Kräuter  von  der  Tracht  einer  kleinen  Iris. 
Blüthenstand  traubenförmig.  Perigon  6  blättrig.  Nektarien  fehlend.  Staub- 
fäden wollig  behaart.    Griffel  ungetheilt,  mit  dreilappiger  Narbe.    Kapsel 

')  Von  vd()&)i$,  altgriechischem  Namen  der  Umbellifere  Fcrula,  die  u.  a.  zu 
Wanderstäben  benutzt  wurde  ;  auch  der  berühmte  Thyrsusstab  der  Bacchanten  war 
ein  .Fmt/a-Stengel,    vgl.  Th.  v.  Held  reich  Sitzb.  Bd.  V.  Brand.   XXIH.  XX  ff. 

-')   Wie  viele  Namen  dieses  Autors  ohne  Bedeutung. 


8  Liliaceae. 

fachspaltig.    Samen  mit  lockerer  Schale,  am  Grunde  und  an  der  Spitze 
mit  fadenförmigem  Anhängsel. 

6  Alton  in  der  nördlichen  Hemisphäre.  In  Europa  ausser  unserer  Art  noch 
N.  Reverehdnil)  (Öelak.  ÖBZ.  XXXVII  [1887]   154)  in  Corsica. 

Ueher  die  Sprossfolge  unserer  Art  vgl.  Buchenau  B.  Z.  XVII  (1859)  161 
Taf.  VII.  Jeder  Blüthentrieb  braucht  mehrere  Jahre  zur  Erstarkung,  setzt  sich 
daher  aus  mehreren  nionopedial  verketteten  Jahrestrieben  zusammen,  deren  untere 
Blätter  Nieder-  die  oberen  Laubblätter  sind;  im  Blühjahre  werden  keine  Seiten- 
sprosse gebildet;  diese,  die  nach  mehreren  Jahren  wieder  zur  Blüthe  gelangen,  bilden 
sieh    in   den   Achseln  der  beiden  obersten   Laubblätter  der  früheren  Jahrestriebe. 

727.  N.  ossifragum.  21.  Grundachse  kriechend.  Stengel  meist 
starr  aufrecht,  am  Grunde  etwas  gebogen,  meist  1 — 3  dm  hoch,  am 
Grunde  mit  einigen  Scheidenresten,  sonst  nur  mit  sehr  kurzen,  oft 
fast  ganz  auf  die  Scheide  reducirten  unteren  Blättern  besetzt. 
Grundständige  Blätter  linealisch-schwertförmig,  oft  den  Stengel  über- 
ragend, vom  oberen  Drittel  ab  zugespitzt.  Obere  Stengelblätter  kurz, 
linealisch,  die  obersten  den  Tragblättern  der  Blüthen  ähnlich  gestaltet. 
Blüthenstand  meist  nicht  über  6 — 7  cm  lang,  meist  wenigstens  am 
Grunde  etwas  locker.  Blüthen  ziemlich  lang  gestielt,  der  Stiel  meist 
so  lang  oder  länger  als  die  Blüthen,  mehr  oder  weniger  aufrecht 
anliegend.  Perigonblätter  linealisch  bis  linealisch-lanzettlich,  gelb,  mit 
dunklerem  aussen  in  der  Knospe  und  zuletzt  grünem  Mittelstreifen, 
bleibend,  sich  später  zusammenfaltend.  Staubbeutel  ziegelroth.  Kapsel 
schlank  zugespitzt,  wenig  bis  um  die  Hälfte  länger  als  die  Perigon- 
blätter, schön  röthlich-gelbbraun. 

In  Heidemooren,  zwischen  Sphagnum  und  auf  schlammig-moorigem 
Boden,  meist  gesellig,  oft  kleinere  Strecken  dicht  rasenförmig  überziehend, 
oft  an  unzugänglichen  Stellen,  mit  Sicherheit  nur  in  dem  im  Bereiche 
des  atlantischen  Klimas  gelegenen  nordwestlichen  Theile  des  Gebiete-!! 
wo  es  sich  auch  auf  den  West-  und  Nordfriesischen  Nordseeinseln  findet, 
nur  in  Belgien  und  Rheinland  in  das  Bergland  eindringend,  doch  kaum 
über  600  m,  landeinwärts  bis  Belgisch-  und  Grossh.  Luxenburg,  Eifel  bei 
Junkerath  bei  Hillesheim  Kr.  Dann  (F.  Wirt  gen  br.),  Siegburg  (früher)! 
Hilden  b.  Düsseldorf,  Dülmen,  Münster,  Gütersloh,  Osnabrück,  Celle, 
Bodenteich,  Mölln;  in  Böhmen  vor  Jahren  von  Cenek  bei  Slatinan  unw. 
Chrudim  gesammelt  aber  neuerdings  vergeblich  gesucht  (Celakov>  k  y 
Sitzb.  Böhm.  des.  Wiss.  1887.  (122).  Die  Angaben  in  Ungarn,  Galizien 
und  Polen  sind  unglaubwürdig.    Bl.  Juli,  August,  vereinzelt  auch  später. 

N.ossifragum  Huds.  FL  Angi.  128  (1762)  ed.  2.  I.  145  (1778). 
Koch  Syn.  ed.  2.  824.  Nyman  Consp.  745.  Sui.pl.  311.  Richter  PL 
Eur.  [.  188.  Fl.  Dan.  t.  l_\  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXX  fig.  936. 
Anflu ihiiiii  ossifragum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  311  (1753).   Abama  ossi- 


i)  Nach  ßlisee  ßeverchon,  *  1835  Lyon  (br.),  auch  jetzt  daselbst  wohnhaft, 
welcher  aus  einem  grossen  Theile  des  Mittelmeergebiete,  aus  Algerien,  Spanien, 
Corsica,  Sardinien,  Kreta  werthvolle  käufliche  Sammlungen  zusammenbrachte;  auch 
um  die  Flora  Frankreichs,  besonders  der  Alpen  und  des  Ccntralplateaus  hat  er  sich 
verdient   gemacht. 


Nartheciuui.     Helonias.  9 

fraga  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  171  (1805).  Nartheciam  antheri- 
coides  Hoppe  nach  Mert.  u.  Koch  DeütschL  Fl.  II.  559  (1826)  Tofieldia 
ossifraga  Nein,  in  Chaub.  Act.  Soc.  Linn.  Bordeaux  XIX.  228  (1853). 

Aendert  ziemlich  wenig  ab;  je  nach  dem  Staudort  sind  die  Pflanzen  grösser 
oder  kleiner,  mit  der  Grösse  geht  gewöhnlich  auch  ein  Schwanken  der  Blattbreite 
Hand  in  Hand.  Ausserdem  haben  die  Pflanzen  offener  Orte  meist  starrere  mehr 
säbelförmige  Blätter,  während  die  zwischen  anderen  Pflanzen  (auch  Spkagnum) 
stehenden  meist  schlaffere,  linealische  verlängerte  Blätter  besitzen.  An  offenen 
trockneren  Stellen,  werden  die  Blätter  oft  sehr  kurz,  schmal  und  starr  und  erinnern 
dann  an  Tofieldia,  von  der  die  Pflanze  aber  schon  durch  die  am  Grunde  des  Stengels 
fast  auf  eine  Scheide  reducirten  kurzen  Blätter  verschieden  ist. 

Dieser  Pflanze  wurden  früher  giftige  Eigenschaften  zugeschrieben,  namentlich 
sollte  sie  bei  dem  Vieh,  welches  sie  gefressen  hat,  eine  Erkrankung  der  Knochen 
hervorrufen.  Diese  Angaben  beruhen  hauptsächlich  auf  die  Autorität  der  dänischen 
Aerzte  Simon  Paulli  und  Thomas  Bartholinus  im  17.  Jahrh.,  deren  ersterer 
ihr  den  Namen  Gramen  Norvcgicum  ossifragum  gab.  Neuerdings  wurde  in  dem 
Landwirtschaftlichen  Blatte  des  Vereins  für  den  Landdrosteibezirk  Stade  Bremer- 
vörde 1.  Jahrg.  Nr.  6  (1857)  vom  Apotheker,  späteren  Landtagsabgeordneten  F. 
Wattenberg  in  Rothenburg  ein  Fall  mitgetheilt,  in  dem  mehrere  Stücke  Bind- 
vieh,  die  mit  dem  Kraut  gefüttert  worden  waren,  erkrankten  und  einige  starben 
(Buchenau  B.  Z.  XVIII.  169).  Wiederholte  genauere  Untersuchungen  sind  jeden- 
falls noch  erforderlich.  Die  Pflanze  enthält  nach  Walz  (Neues  Jahrb.  Pharm.  XIV.) 
die  krystallisirende  Nartheciumsäure  und  das  gleichfalls  saure  Narthecin. 

(Iberische  Halbinsel;  Pyrenäen;  Frankreich;  Britische  Inseln; 
Dänemark;  Skandinavische  Halbinsel;  [Russland?]  Nordost-Kleinasien 
[ob  nicht  eher  Reverchoni?  s.  Celakovsky  a.  a.  O.   155]).      *  ? 


Tribus 

HELONIEAE. 

(Rchb.  Consp.  63    [1828]    z.  T.     Kunth    Enum.    pl.    IV.    174    [1843]. 
Nat.  Pfl.  IL  5.  21.   Dalla  Torre  und  Harms  Gen.  siph.  60.) 
S.  S.  3. 

Nur  die  Gattung 

*   HELÖNIASi). 

(L.  [Chenon  Nov.  pl.  Gen.   17  (1751)].    Gen.  pl.  ed.  5.   159  [1754].     Amoen.    acad. 
III.   12  [1756].    Nat.  Pfl.  II.   5.  22.) 

Ausdauernde  Pflanze  mit  kurzer  knolliger  Grundachse.  Grundblätter  gestielt. 
Stengelblätter  schuppenförmig.  Blüthen  zweigeschlechtlich.  Fruchtknoten  tief  3  lappig. 
Samen   an  beiden   Enden  mit  durchsichtigem  Anhängsel. 

Nur  1   Art, 

*  H.  blllläta.  9| .  Grundblätter  kurz  gestielt,  Stengel  mit  zahlreichen  kleinen 
Schuppenblättern,  Blüthentraube  länglich,  dicht.  Perigonblätter  ausgebreitet,  3- 
nervig,  rosa.     Griffel  3,  kurz,  zurückgebogen. 

Im  Atlantischen  Nordarnerica  heimisch,  bei  uns  mitunter  als  Zierpflanze  in 
Gärten.     Bl.  April,   Mai. 

H.  bullata  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  342  (1753).  Brittou  u.  Brown  111.  Fl.  N.  Stat. 
I.  402. 


i)  Von  Linne  sehr  willkürlich  aus  e'Äog  Sumpf  gebildet, 


10  Liliaceac. 


2.  Tribus. 


VERATREAE. 
(Rchb.  Consp.  63  [1828|  veränd.   Benth.  in  Benth.  u.  Hook.  Gen.  pl. 
III.   762  [1883].     Nat   Pfl.    II.    5.    22.     Dalla  Torre  u.  Harms   Gen. 

siph.  ()(i). 

S.  S.  3.  Meist  ansehnliche,  meist  giftige  Pflanzen  mit  dicker 
Grundachse  oder  Zwiebel.  Perigonblätter  mehrnervig,  häufig  am  Grunde 
mit  dem  Fruchtknoten  verbunden.  Staubbeutel  nach  aussen  aufspringend. 
Narben  endständig.   Kapsel  scheidewandspaltig.    Samen  ohne  Anhängsel. 

Von  hierhergehiirigeu  Gattungen  werden  mitunter  Arten  von  Zy  g  ddenu 8  ') 
(Ziyadcnus  Mich.  Fl.  bor.  Am.  I.  213  t.  22  [1803])  besonders  der  vestlich-auieri- 
canischni  Z.  (leg ans  (Pursh  Fl.  Am.  Sept.  I.  241  [1814])  in  Gärten  gepflanzt. 
Zwiebelgewächs.  Blätter  liuealisch.  Blüthen  lang  gestielt,  grünlich  und  weiss  in 
Trauben.     Andere  Arten  weissblühend.  —  In  Europa  nur  die  Gattung 

152.  YERATRU3I2). 

([Tourn.  Inst.   145]  L.   [Syst.  ed.  1.  (1735)]  Gen.  pl.  [ed.  1.  316]  ed.  5. 
468  [1754].    Nat,  Pfl.  II.  524.) 

(Germer,  Lauskraut,  Weisse  Nieswurz;  in  Oesterreich :  Hematwurzn; 
franz.:  Yanure;  it.:  Elabro  bianco  (bez.  V.  nigrnm  E.  nero),  Veladro; 
rinn. :  Strigoae,  Steregoae;  poln.:  Wstawacz,  Cicmierzyca ;  böhm.:  Ky- 
chavice;  kroat. :  Cemerika,  Zdravac,  Kukurjak;  serb. :  xIenepiiKa; 
russ. :  lIejiepnn,a;    ung. :  Zäszpa.) 

Ansehnliche,  ausdauernde  Kräuter  mit  kräftigem,  aufrechtem,  be- 
blättertem Stengel  und  spiralig  gestellten  mehr-  bis  vielnervigen,  stark- 
gerippten,  oft  breiten  Blättern.  Blüthenstand  eine  Rispe.  Blüthen  öfter 
durch  Fehlschlagen  eines  Geschlechtes  eingeschlechtlich.  Perigon  6  blättrig. 
Staubblätter  mit  nieren  form  igen,  quer  zu  einem  schüsselförmigen  Gebilde 
aufspringenden  Staubbeuteln.  Fruchtblätter  3,  nur  am  Grunde  später 
höher  hinauf,  zur  Zeit  der  Fruchtreife  oft  fast  ganz  verbunden,  am 
freien  Theile  nach  innen  aufspringend,  vielsamig.  Samen  an  der  Spitze 
flach  zusammengedrückt  oder  geflügelt. 

9  Arten  in  der  ganzen  nördlichen  gemässigten  Zone.  In  Europa  nur  unsere  Arten. 

728.  (1.)  V.  nigrum.  2J-.  Grundachse  kurz,  dick,  von  den  Resten 
vorjähriger  Blätter  faserig-schopfig.  Stengel  stielrund,  hohl,  meist  0,5 
bis  1,0  m  hoch,  weichhaarig.  Untere  Blätter  breit-elliptisch,  obere 
Lanzettlich  bis  linealisch-lanzettlich,  sehr  stark  faltig,  nervig-gerippt, 
beiderseits  kahl.  Blüthenstand  schmal,  oberwärts  (oft  über  die 
Hälfte  der  Länge)  ährenförmig,  ziemlich  stark  behaart;  Bispenäste 
kurz,  meist  einfach  ährenförmig.  Blüthen  ziemlich  klein,  meist  nicht 
viel  nlier  1  cm  im  Durchmesser,  mit  etwa  die  Länge  derPerigon- 
blätter   erreichenden  Stielen,    in    den  Achseln   von    die  Länge 


l)  Von   £vyög  Joch,    Wage,    bei  den   Neueren   auch    für   Paar  gebraucht    uud 
ü.d>\r   Drüse. 

8)  Name  dieser  Gattung  bei   (flsus. 


Veratrum.  11 

der  Blüthenstiele  nicht  erreichenden,  schmalen,  weichhaarigen  Hoch- 
blättern. Perigonblätter  elliptisch,  vollständig  ganzrandig,  dunkel- 
purpurn, weit  abstehend  oder  zurückgeschlagen. 

In  Bergwäldern,  in  Gebüschen,  an  Abhängen  der  unteren  und 
Bergregion,  nicht  über  1600  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend,  im  süd- 
lichen und  östlichen  Alpengebiet  in  Tessin,  Süd-Tirol,  Venetien,  Kärnten, 
Krain,  Küstenland,  Kroatien,  Slavonien,  SW.Ungarn,  Bosnien,  Herce- 
govina,  Dalmatien  und  Montenegro,  in  Steiermark,  Nieder-  und  Ober- 
Oesterreich,  vereinzelt  in  Böhmen  bei  Bilichau  bei  Schlan  (Cela- 
kovsky  Böhm.  Ges.  Wiss.  1885.  5),  im  Karpatengebiet  in  NO. Ungarn, 
Siebenbürgen,  Ost-Galizien  und  im  südlichen,  besonders  südöstl.  Polen 
bis  Kielce,  Sandomierz,  Lublin  (Rostafinski  108,  109).  Bl.  Juli, 
August. 

V.  nigrum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  1044  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
836.  Nyman  Consp.  745.  Suppl.  311.  Richter  PI.  Eur.  I.  188.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCXXIII  fig.  939.  Melänthium  nigrum  Thunb.  Diss.  d. 
Melanth.  4  (1797).  Helonias  nigra  Ker-Gawl.  Journ.  of  scienc.  II. 
184  (1816). 

(Italien;  Balkanhalbinsel;  Russland;  Sibirien;  Kamtschatka.) 

|¥ 

729.  (2.)  V.  album.  2J_.  Der  vorigen  Art  sehr  ähnlich,  von  ihr 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Stengel  meist  höher  und 
kräftiger,  meist  0,5 — 1,5  m  hoch,  besonders  oberwärts  dicht  behaart. 
Untere  Blätter  meist  schmäler,  meist  elliptisch  bis  elliptisch-lanzettlich, 
die  mittleren  elliptisch  bis  breit-elliptisch,  die  oberen  lanzettlich,  alle 
unterseits  weichhaarig.  Blüthenstand  schlank  pyramidal,  mehr 
oder  weniger  stark  behaart,  meist  nur  im  obersten  Theile  ährenförmig, 
Rispenäste  mehr  oder  weniger  verlängert,  die  unteren  und  mittleren 
meist  verzweigt.  Blüthen  ziemlich  gross,  meist  über  1,5  cm  im  Durch- 
messer, mit  nur  etwa  1/3  der  Länge  der  Perigonblätter  er- 
reichenden Stielen,  in  der  Achsel  von  die  Blüthenstiele  an  Länge 
übertreffenden  breit-eiförmigen  behaarten  Hochblättern.  Perigonblätter 
länglich-lanzettlich,  fein  gezähnelt,  aufrecht  abstehend,  behaart,  meist 
innen  weisslich,  aussen  grün,  seltener  ganz  gelblich-grün  bis  grün. 
Kapsel  eiförmig-ellipsoidisch,  von  der  Mitte  an  verschmälert,  zerstreut 
flockig. 

Auf  sumpfigen  Wiesen  und  Waldstellen,  in  Lichtungen,  an  quelligen 
Berglehnen  von  der  Ebene  bis  ins  Hochgebirge,  im  Wallis  bis  2400  m 
(Jaccard  352),  in  Tirol  bis  2200  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend.  Im 
ganzen  Alpen-!!  und  Karpatengebiet!!  verbreitet,  nördlich  bis  Ober- 
baden,  der  Rauhen  Alb  (selten),  den  Sudeten!!  incl.  Lausitzer  Gebirge 
und  der  Ebene  Oberschlesiens  und  Süd-Polens.  Bl.  Ende  Juni  bis 
August. 

V.  album  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  1044  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  836. 
Nyman  Consp.  744.  Suppl.  311.   Richter  PI.  Eur.  I.   188.    Rchb.  Ic.  X 


1 2  Liliaceae. 

t.  ('(•('(  XXII  fig.  937.  Helleborus1)  albus  Güldenstaedt  Reise  II.   L96 
(1791).    Mdänthium  »/hin»  Thunb.  Diss.  d.  Melanth.  3  (1797). 

Im  oichtbl  übenden  Zustande  einer  Epipactia  oder  Gentiana  lutea  sehr  ähnlich. 
Hierzu  die  Abarten: 

II.  Bpatbulatum.  Perigonblätter  verkehrt-eiförmig.  —  So  in  Nieder-Oester- 
reich  und  annähernd  in  Bosnien.  —  V.  album  y.  spathulatum  Beck  Fl. 
NÖ.  177  (1890).  V.  album  a.  typicum  f.  spathulatum  Beck  Glasnik  zem. 
raus.  Bosn.  i  Herc.  XV.  200  [64]  (1903).  Wiss.  Miitli.  Bosn.  IX.  481  (1904). 
III.  Croäl  ieum.  Blätter  und  ihre  Scheiden  kahl  oder  spärlich  behaart.  Perigon- 
blätter spärlich  behaart.  —  Dinarische  Alpeu.  —  V.  album  a.  typicum  f. 
croaticum  Beck  Glasnik  a.  a.  O.  (1903).    Wiss.  Mitth.  a.  a.  O.   (1904). 

B.  Löbelianum2).     Perigon  gelblich-grün  oder  trübgrün. 

So  in  den  Sudeten  und  in  der  Oberschlesisch-polnischen  Ebene 
allein  vorkommend,  im  übrigen  Gebiet  mit  dem  Typus,  meist  häufiger 
als    dieser. 

V.  album  *  Löbelianum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  III.  S.  X 
(1833)  vgl.  a.  a.  O.  I.  97  (1830).  Koch  Svn.  ed.  2.  836. 
Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXXII  fig.  938.  Richter  PI.'  Eur.  I.  188.  V. 
Löbelianum  Beruh.  Schrad.  N.  Journ.  II.  356  (1807)  in  Tromms- 
dorf  Journ.  XVI.  206  (1808).  Nyman  Consp.  745.  SuppL  311. 
Fiek  Fl.  Schles.  460.  V.  viride  Roehl.  Deutschi.  Fl.  2.  Aufl.  237 
(1812—13).  V.  album  ß.  viride  Lap.  Hist.  abr.  Pyren.  611  (1813). 
V.  album  ß.  viridiflörum  Mert.  u.  Koch  Deutschi.  Fl.  IL  625 
(1826).    V.  album  A.  virescens  Gaud.  Fl.  Helv.  VI.  311   (1830). 

Hierzu 

II.  ohovatum.     Perigonblätter  breit-verkehrt-eiförmig.  —  Hercegovina.   —    V. 
album  ß.  Löbelianum  f.  obovatum  Beck  a.  a.  O.   (1903,  bez.   1004). 

(Verbreitung  der  Rasse:    Lappland,    Ost-Finnland;    Pyrenäen.) 

C.  Bosniacum.  Blätter  unterseita  auf  den  Nerven  spärlich  behaart 
oder  fasl  kahl;  Perigonblätter  grünlich  weiss,  fasl  ganzrandig,  ziem- 
lich kahl  oder  spärlich  behaart.  Kapsel  ellipsoidisch,  in  der  Mitte 
verdickt,  nach  der  Spitze  wenig  verschmälert. 

Bosnien :  Montenegro. 

I".  album  var.  V.  bosniacum  Beck  Ann.  nat  Hofm.  Wien 
IL  50  [72]  (1887).  I".  album  ß.  bosn.  Beck  Glasnik  zem.  min. 
Bosn.  i.  BercXV.  200  [64] (1903).  Wiss.  Mitth.  IX.  181  [75]  (1904). 

(Nur  im  Gebiet)  f#] 

Off.  die  Grundachse,  Rhizoma  Veratri,  Rhizomata  Veratri  albi, 
Radix   Bellebori  albi,  Hellebore  blanc  (souche).    Ph.  Austr.,  Belg.,  Dan., 

')  iAA^ßoQos  Aevxög  beissl  diese  Gattung  schon  bei  Dioskorides  (IV. 
148),  der  :ils  lateinisches  Synonym  veratrum  aufführt;  dieser  Name  ist  noch  heute 
nicht  aus  der  pharmaceutischen  Nomenclatnr  verschwanden  (s.  oben).  Der  Ver- 
gleich mit  der  Ranunculaceen-Gattung  Helleborus,  die  ja  deutsch  auch  Nieswurz 
heisst,  beziebl   Bich  auf  ähnliche  physio-  und  toxikologische  Wirkungen. 

2)  S.  I.  S.  249  Fussn.  2. 


Uvularia.     Veratrum.  13 

Gall.,  Germ.,  Helv.,  Neerl.,  Russ.  Enthält  die  Alkaloide  Jervin,  Vera- 
troidin,  Pseudo-  und  Rubijervin,  das  amorphe  Veratralbin  und  das  Glykosid 
Veratramarin,  aber  kein  Veratrin,  welches  sich  in  dem  officinellen  Semen 
Sabadillae  l),  findet,  dem  Samen  der  nahe  verwandten  von  Mexico  bis 
Venezuela  verbreiteten  Sabadilla  officinalis  Engl.  Syll.  2.  Aufl.  88 
(1898).  Veratrum  officinale  Schlechtd.  u.  Cham.  Linnaea  VI.  45 
(1831).  Sabadilla  officinarum  Brandt  u.  Ratzeb.  in  Hayne  Arzneig. 
XIII  t.  27  (1836  od.  Anf.  1837).  Schoenocaülon2)  officinale  A. 
Gray  in  Benth.  PI.  Hartw.  29  (1839).  Asagraea3)  officinalis  LindL 
Bot.  Reg.  XXV  t.  33  (1839). 

(Verbreitung  der  Art:  Iberische  Halbinsel;  Pyrenäen;  Frankreich; 
Italien;  Balkanhalbinsel;  Russland;  [Lappland;  Finnland  nur  die 
Rasse  B];   gemässigtes  Asien.)  * 

Tribus 

UVULARIEAE. 

(Endl.  Gen.  Suppl.  I.  1357  [1841].    Xat.  Pfl.  II.  5.  24.    Dalla  Torre 
u.  Harms  Gen.  siph.  61.) 
S.  S.  3. 

U  e  b  e  r  s  i  c  h  t  der  Gattungen. 

A.  Blüthen  hängend,  gelb.     Kapsel  fachspaltig.  Uvularia. 

B.  Blüthen    aufrecht,    zierlich    gefleckt.     Kapsel    scheidewandspaltig. 

Tricyrtis. 

*  UVULARIA 4). 

(L.  Gen.  pl.  [ed.   1.  93]  ed.  5.   144  [1754].  Nat.  Pfl.  IL  5.  27.) 

(Zäpfchenblume,  russ.:  rp03ÄHHKa.) 

S.  oben.  Ausdauernde  Pflanzen  mit  kriechender  Grundachse.  Stengel  einfach 
oder    verzweigt,    bis    oben    beblättert.      Blätter   eiförmig   oder   lanzettlich.      Blüthen 

i)  Dieser  spanische  Name  (eigentlich  cebadilla  zu  schreiben,  Deminutiv  von 
cebada,  Gerste)  findet  sich  schon  bei  Monardes,  der  den  Fruchtstand  mit  einer 
Gerstenähre   verglirh. 

2)  Von  ayolvoc,  Binse  und  y,avA6g  Stengel  (die  Pflanze  erinnert  in  der  Tracht 
eher  an   Typha). 

:')  Nach  Asa  Gray,  *  18.  Nov.  1810  Utica  (New  York)  f  30.  Jan.  1888 
Cambridge  (Massachusetts),  Professor  der  Botanik  und  Director  des  Botanischen 
Gartens  der  Harvard  University,  dem  bedeutendsten  Botaniker,  den  America  bisher 
hervorgebracht  hat,  besonders  Systematiker  und  Pflanzengeograph.  Unter  seinen 
zahlreichen  Schriften  nennen  wir  nur  die  auch  in  Europa  viel  benutzten  Floren- 
werke Flora  of  North  America  (mit  Torrey)  2  Bände  New  York  (London)  1838 
bis  1843.  Synoptical  Flora  of  North  America  New  York  1878.  3  ed.  (von  Sereno 
"Watson  u.  Robinson)  1895.  Manual  of  the  Botany  of  the  Northern  United 
States.  Boston  u.  Cambridge  1848  6.  ed.  von  S.  Watson  and  Coulter  New 
York  u.  Chicago  1890. 

4)  Von  uvula,  dem  Zäpfchen  im  Munde,  weil  die  Blüthen  wie  dieses  herab- 
hängen (L.  Hort.  Cliff.   121). 


14  Liliaceae. 

einzeln    oder    zu    zwei   au  langen  zurücktrebogenen  Stielen  hängend.     Perigonblätter 
alle   zu  einer  Glocke  zasammenneigend  mit  Honiggruben  am  Grunde.     Staubbeutel 
mit  meist  zugespitztem   Mittelbande.     Kapsel  3  kantig. 
4  Arten  im  östlichen  Nordamerica. 

*  ü.  gramliflüra.  %•  Stengel  verzweigt,  ohne  oder  mit  1 — 2  Blättern  unter 
■der  Verzweigung.  Blätter  Stengeln m fassend,  länglich  bis  eiförmig.  Blüthen  etwas 
braungelb.     Perigonblätter  schmal,  lanzettlich.     Kapsel  stumpf  3  kantig. 

In  Widdern  des  Atlantischen  Nordamerica  heimisch,  bei  uns  beliebte  Früh- 
jahrspflanze für  schattige  Gärten  und  Baumgruppen.     Bl.  April  bis  Juni. 

U.  grandifldra  J.  E.  Smith  Ex.  Bot.  I.  99  t.  51  (1804—5).  Britton  u.  Brown 
111.  Fl.  N.  St.  I.  409. 


*   TRICYRTIS'). 

(Wall.  Tent.  Fl.  Nep.  II.  61  t.  4(5  [1826].   Nat.  Pfl.  II.  5.  27.) 
(Dreisporn,  russ:  TpexinnopKQ.) 

S.  S.  13.  Ausdauernde  Pflanzen  mit  kurzer  kriechender  Grundachse.  Stengel 
beblättert,  nur  im  Blüthenstande  verzweigt.  Blüthen  ziemlich  gross,  lang  gestielt, 
in  trugdoldigen  Blüthenständen,  meist  gefleckt.  Aeussere  Perigonblätter  mit  starker 
Aussackung  am  Grunde,  lanzettlicb.  Staubfäden  flach,  zu  einer  Röhre  zusammen- 
neigend.    Kapsel  lang  und  schmal. 

4  Arten  in  Asien.  Die  der  T.  hirta  sehr  ähnliche  und  verwandte  T.  pilosa 
(Wall.  Tent.  Fl.  Nep.  II.  62  t.  46  [1826])  aus  dem  Himalaja  mit  zahlreicheren 
kleineren  Blüthen  mit  kaum  2  cm  langen  Perigonblättern ,  seltener  gepflanzt. 
Häufiger: 

*  T.  hirta.  %.  Stengel  ziemlich  dicht  beblättert  bis  8  dm  hoch,  borstlich 
behaart.  Blätter  herzförmig-stengelumfasseud,  zugespitzt,  locker  behaart.  Blüthen 
xu  6 — 15.  Perigonblätter  etwa  2,5  cm  lang,  weiss,  die  äusseren  mit  grossen,  pur- 
purnen Punkten. 

In  Japan  heiniisch.     Bl.  Mai. 

T,  hirta  W.  J.  Hook.  Bot.  Mag.  t.  5355  (1863).  Uvularia  hirta  Thumb.  Fl. 
Jap.  36  (1784). 

Aus  der  Tribus  Anguillari'eac?)  (D.  Don  Transact.  Linn.  Soc.  XVIII. 
514  [1841])  in  Europa  eine  Art  der  Gattung  Androc  y  inhium'A)  (Willd.  Magaz. 
Ges.  naturf.  Freunde  Berlin  II.  21  t.  2  [1808])  und  zwar  aus  der  Section  A.  Ery- 
throntictus*)  (Schlechtend.  Linnaea  I.  90  [1826]  als  Gatt.  Benth.  in  Benth.  u. 
Hook.  Gen.  pl.  III.  822  [1883]  als  Section):  A.  Europaeum  (Richter  PI.  Eur.  I. 
188  [1890].  Erythrostictus  europaeus  Lange  Nat.  For.  Kiob.  2.  Aart.  II.  69  [1860]) 
im  südöstlichen  Spanien. 


t)  Von  TQeTg    drei   und    v.vQxög   krumm,    buckelig,    wegen   der  Auszackuugen 
der  drei  äusseren  Perigonblätter. 

Nach  der  Australisch-Tasmanischen  Gattung  Anguilldria  (R.  Br.  Prodr. 
273  [1810]).     In   Betreff-  des  Namens  s.  II.  2  S.  383  Fussn.  2. 

B)  ^  on  äi'ijQ  Gen.  ävÖQÖg  Mann  und  %iußr)   Becher,    Ränzel,    Kahn,    wegen 
•der  auf  den  kappenförmigen   Nektarien  eingefügten  Staubblätter. 

*)  Von  ifiv&QÖs  roth  und  any.zög  punktirt,  wegen  der  Blüthenfarbe. 


Uvularia.     Tricyrtis.  15 


3.  Tribus. 

COLCHICEAE. 

(Rchb.  Consp.  64  [1828].    Nat.  Pfl.  II.  5.  28.    Dalla  Torre  u.  Harms 

Gen.  siph.  61.) 

S.  S.  3. 

Ausser  unseren  Gattungen  nur  noch  die  vom  südlichen  Europa  bis  Abys- 
sinien  und  Affghanistan  verbreitete,  mitunter  auch  im  Gebiete  in  Gärten  angepflanzte, 
von  Bulbocodium  durch  3  vom  Grunde  an  getrennte  Griffel,  von  Colchicum  durch  das 
tief  6  spaltige  Perigon  mit  lang  benagelten  Perigonabschnitten  ausgezeichnete  Me- 
renderal)  (Ramond  Bull.  Soc.  philom.  II.  178  [1798].  Nat.  Pfl.  II.  5.  29)  mit: 
M.  montäna  (Lange  in  Willk.  u.  Lange  Prodr.  Fl.  Hisp.  I.  193  [1861].  Richter 
PI.  Eur.  I.  188.  Colchicum  montanum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  342  [1753]  z.  T.  Colch. 
pyrendicum  Pourr.  Mein.  Acad.  Toul.  III.  305  [1784].  Colch.  autumndlc  ß.  Lam. 
Encycl.  II.  54  [1786].  Merend.  Bulbocodium  Eamond  Bull.  Soc.  philom.  II.  178 
[1798].  Nyman  Consp.  714.  GedphilaZ)  pyrenäica  Berg.  Pyren.  II.  184  [1803]. 
Merend.  bulbocodioides  Willd.  Mag.  Ges.  naturf.  Freunde  Berl.  IL  27  [1808].  Bulbo- 
codium autumndle  Lapeyr.  Hist.  abr.  Pyren.  202  [1813],  Colch.  hexapc'talum  2)  Pour. 
in  R.  u.  S.  Syst.  Veg.  VII.  1521  [1830])  auf  der  Iberischen, Halbinsel  und  in  den  Pyrenäen 
(mitunter  in  Gärten)  mit  der  Rasse  B.  bulbocodioides  (Richter  PI.  Eur.  I.  189 
[1890]  conf.  Nyman  Consp.  744.  Colchicum  bulbocodioides  Brot.  Fl.  Lusit.  I.  597 
[1809].  tMer.  bulbocodioides  Steud.  Nomen cl.  524  [1821]  nicht  Willd.  Bulbocodium 
colchicoides  Nyman  Syll.  379  [1854  —  55].  Bulbocodium  Berte'roi*)  Welw.  Exs.  Lusit. 
1851  no.  384.  Nyman  Consp.  745  [1878 — 82])  auf  der  Iberischen  Halbinsel  und  den 
Balearen.  —  M.  filifölia  (Cambess.  Mem.  Mus.  XIV.  319  [1827].  Bulbocodium 
vernum  Desf.  Fl.  Atl.  I.  284  [1798]  nicht  L.  Bulb.  baledricum  Nyman  Syll.  379 
[1854 — 55])  auf  den  Balearen  (und  in  Algier).  —  M.  Attica  (Boiss.  u.  Sprun. 
Diagn.  PI.  Or.  I.  5.  67  [1844].  Colchicum  cauedsicum  Bory  u.  Chaub.  Fl.  Pelop. 
24  [1838].  Colch.  atticum  Sprun.  nach  Tommas.  Flora  XXIII  [1840]  730.  Bulbo- 
codium atticum  Nyman  Syll.  379  [1854 — 55].  Merendera  caucasica  Sprun.  Exs. 
1842.  Nyman  Consp.  744  [1878—82  nicht  M.  Bieb.])  in  Griechenland.  —  M.  so- 
bolifera  (C.  A.  Mey.  Ind.  hört.  Petrop.  I.  24  [1834].  Bulbocodium  hastuldtum 
Friv.  Fl.  XIX  [1836]  434.  Bulb.  trigynum^)  Griseb.  Spicil.  fl.  Rum.  Bith.  IL  340 
[1844])  in  Thracien  und  Bulgarien  (Vordcr-Asien).  —  M.  Caucasica  (M.  Bieb. 
Fl.  Taur.-Cauc.  I.  293  [1808].  Bulbocodium  trigynum  Adam  in  Weber  Cat.  I.  47 
nach  Schult,  f.  Syst.  VII.  1524  [1830]  nicht  Griseb.)  in  Bulgarien,  Taurien.  —  M. 
Rhodopea  (Velenovsky  Fl.  Bulg.  Suppl.  I.  280  [1898])  in  Bulgarien. 


Uebersicht  der  Gattungen. 

A.  Perigon  tief  6  spaltig.     Perigonabschnitte  lang  benagelt.     1   Griffel, 
an  der  Spitze  3  spaltig.  Bulbocodium. 

B.  Perigon  mit  langer  Röhre,  Perigonabschnitte  nur  oben  frei.    3  Griffel. 

Colchicum. 


1)  Angeblich  von  quita  meriendas,  einem  spanischen  Namen  von  Colchicum 
auctumnale  abgeleitet;  vielleicht  eher  spanischer  Dialektname  einer  hierher  ge- 
hörigen Art. 

2)  Von  i§  sechs  und  nezaÄov   Blumenblatt. 

3)  Von  yfj  Erde  und  cpCÄog  liebend. 

4)  S.  IL   1   S.   61   Fussnote  3. 

5)  Von  tqi-  drei-  und  yvvr)  Weib  d.  h.  Griffel. 


16  Liliaceae. 

153.  BULBOCODIUM1). 

(L.   [Coroll.  gen.  6]    Gen.  pl.  ed.   5.   142   [1754].     Nat.  Pfl.  IL  5.  29. 

Celsia'2)  Boehm.  in  Luchv.  Defin.  gen.  pl.  370   [1760].     Abandnim3) 

Adans.   Farn.  II.   54  [1763]). 

(Lichtblume;  it.:  Fulso  Colchico ;  russ. :  BpLiiuyniKa.) 

S.  dli.n.  Ziemlich  kleines  Gewächs  mit  schmalen,  linealischen  bis 
züngenförmig-lanzettlichen  Blättern.  Perigon  im  oberen  Theile  gespalten, 
im  unteren  röhrenförmig,  daher  die  Perigonblätter  lang  benagelt,  am 
Schlünde  jederseits  mit  einem  Zahn.  Staubblätter  am  oberen  Ende  .des 
Nagels  entspringend.  Griffel  an  der  Spitze  3  spaltig,  sonst  ungetheilt. 
Kapsel   fachspaltig,  nur  an  der  Spitze  aufspringend. 

Nur  unsere  Art. 

730.  B.  vernum.  2|-.  Knolle  massig  gross,  meist  kaum  3  cm 
dick,  mit  braunen  bis  braunschwarzen,  schwach  glänzenden  Häuten 
bekleidet.  Blätter  gleichzeitig  mit  den  Blüthen  erscheinend,  linealisch- 
lanzettlich  stumpf,  an  der  Spitze  kappenförmig  eingezogen,  aufrecht  oder 
übergebogen  bis  ausgebreitet  bis  über  2  dm  lang  und  bis  über  1,5  cm 
breit,  Unterseite  dunkler  grün.  Blüthen  meist  zu  1 — 2  (bis  3)  gleich- 
zeitig erscheinend,  wenig  länger  als  die  alsdann  noch  kurzen  Blätter, 
meist  0,8 — 1,3  dm  hoch,  rosenroth,  selten  weiss.  Perigonabschnitte 
lanzettlich  bis  breitdinealisch-lanzettlich,  spitz  oder  spitzlich,  am  Grunde 
mit  spitzen  Zähnen,  mitunter  an  der  Spitze  mehr  oder  weniger  kappen- 
förmig eingezogen.  Staubbeutel  länglich  bis  linealisch.  Griffel  an  der 
Spitze  in  3  linealische  bis  etwa  6  mm  lange  Narbensehen kel  getheilt. 
Frucht  länglich-eiförmig,  meist  am  Grunde  mehr  oder  weniger  ver- 
schmälert. 

Auf  Wiesen,  an  Hügeln  nur  im  süd-westlichen  Alpen-Gebiete,  in 
den  Seealpen,  der  Provence,  Dauphine,  Savoyen  (auch  noch  Vuache 
bei  Genf),  in  Wallis  im  Rhönethale  bis  Brieg  und  im  Saasthale  bis 
oberhalb  Baas  (1900m  Jaccard  35).  Auch  auf  der  Piemontesischen 
Seite  von  den  Cottischen  Alpen  bis  zum  Monte  Rosa.  Die  Angabe  im 
Kroatischen  Litorale  bezieht  sich  auf  Eomulea  bulbocodium  (Hirc  br.). 
Bl.   Februar,    März. 

/>'.  vernum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  294  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
835.  Nyman  Consp.  744.  Richter  PI.  Eur.  I.  189.  Rchb.  Ic.  X 
t.  CCCCXXVIII  fig.  953—955.  Colchicum  Bulbocodium  Ker-Gawl. 
Bot.  Mag.  t.    L028  (1807). 

')  Zuerst  bei  Caspar  Bauhin,  der  rö  zov  ßoÄßov  y.wdcov  Theophrastos 
IIi>t.  pl.  VI.  8,  1,  womit  zweifellos  der  Blütheustand  von  Alliiim  cepa  gemeint  ist, 
auf  eine  Afarcwaus-Art  bezieht  (II.  Bretzl  br.). 

Nach  olaf  Celsius,  *  1670  f  1756  Upsala,  Professor  der  Theologie  da- 
selbst, wegen  seines  umfassenden  Wissens  der  nordische  Plinius  genannt,  Lehrer 
Linne's,  Verf.  von  Hierobotanicon  sive  de  plantis  sacrae  scripturae.  2  Bde.  Ups. 
1745  —7.  Die  nach  ihm  benannte  Thermometerscala  wird  neuerdings  in  ihrer 
heutigen  Gestalt  auf  Linne  zurückgeführt. 

3)  S.   S.    7   Fussn.   2. 


Bulbocodium.  17 

In  der  Tracht  den  Colchicum- Arten  ausserordentlich  ähnlich,  von  ihnen  aber 
leicht  durch  die  langbenagelten  Perigonblätter  und  den  einen  nur  an  der  Spitze 
3  spaltigen  Griffel  zu  unterscheiden. 

In  der  Länge  und  Breite  der  Blätter  sowie  in  der  Gestalt  und  Grösse  der 
Blüthen  ziemlich  veränderlich.  Besonders  auffällig  ist  die  Veränderlichkeit  in  der 
Länge  der  Griffelschenkel  und  in  der  Gestalt  der  Antheren,  die  von  elliptischer 
bis  schlank-linealischer  Form  abändern,  "Weitere  Untersuchungen  müssen  lehren, 
ob  sich  dabei  unterscheidbare  oder  gar  constante  Formen  festhalten  lassen.  Mit  der 
Schlankheit  der  Antheren  scheint  auch  eine  Verschmälerung  der  Blätter,  die 
gleichfalls  ziemlich  veränderlich  sind,  Hand  in  Hand  zu  gehen,  doch  lässt  sich  Be- 
stimmtes darüber  nach  Herbarrnaterial  schlecht  entscheiden.  —  Beruerkenswerth  ist 

B.  versicolor.  Pflanze  meist  in  allen  Theilen  feiner  und  zierlicher. 
Blätter  meist  schmal  linealisch,  aufrecht,  meist  nur  5 — 8mm, 
selten  vereinzelt  bis  über  1,5  cm  breit.  Perigo nabschnitte 
schmal  linealisch-lanzettlich,  am  Grunde  mit  stumpfen 
rundlichen  oder  undeutlichen  Zähnen.  Frucht  kleiner,  länger 
gestielt,  länglich-eiförmig  mit  abgerundetem  Grunde,  länger  zu- 
gespitzt. 

Auf  Bergwiesen,  im  südöstlichen  Karpatengebiet.  Im  centralen 
Siebenbürgen  (Mezöseg)  bei  Klausenburg!  Kolos  und  Torda,  in  der 
Biharia,  im  Biliarer  Comitat  z.  B.  bei  Debrecin  (?),  im  Banat  bei 
Herculesbad  (?)  (vgl.  Neilreich  Ungarn  Nachtr.  16).  Bl.  März, 
April. 

B.  vernum  b.  versicolor  Richter  PI.  Eur.  I.  189  (1890). 
Colchicum  versicolor  Ker-Gawl.  Bot.  Reg.  t.  571  (1821).  Bulboc. 
versicolor  Spreng.  Syst.  veg.  II.  40  (1825).  B.  ruthenicum  Bunge 
Del.  Sem.  hört.  Dorp.  1837.  12.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  170.  Nyman 
Consp.  744.  Suppl.  311,  374.  B.  vernum  e  Hungaria  Rchb.  Ic. 
X  t.  CCCCXXVIII  fig.  955  (1848).  B.  edentätum  Schur  Verh. 
Sieb.  Ver.  IL  165  (1851).  Merendera  caucäsica  Schur  Verh. 
Sieb.  Ver.  V.  84  (1854)  nicht  M.  B.  Bulboc.  trigynum  Janka 
ÖBZ.  V  (1855)  230  nicht  Adam. 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  nähereu  Studiums  bedarf.  So  charakteristisch 
die  Mehrzahl  der  Pflanzen  des  südöstlichen  Gebietes  durch  ihre  Kleinheit,  schlankere 
Tracht,  schmälere  linealische  Blätter  und  um  die  Hälfte  kleinere  Früchte  von  denen 
der  südwestlichen  Alpen  abweichen,  konnten  wir  doch  keines  der  angegebenen  Merk- 
male als  völlig  constant  feststellen,  denn  einerseits  sahen  wir  ebenso  zierliche  und 
schmalblätterige  kleinfrüchtige  Formen  aus  dem  Wallis,  andererseits  finden  sich 
Siebenbürgische  Pflanzen,  die  an  Höhe,  an  kräftigem  Wuchs,  Breite  der  Blätter 
etc.  nicht  hinter  solchen  des  Westens  zurückblieben.  Auch  die  spitze  Form  der 
Zähne  an  den  Perigonabschnitten  der  westlichen  Pflanzen  fanden  wir  keineswegs 
constant.  Wir  haben  uns  deshalb  nicht  entschliessen  können  die  Pflanze  als  Art 
zu  betrachten. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Serbien;  Moldau;  Süd-Russland;  Trans- 
kaukasien.)  \"£ 

(Verbreitung  der  Art:  Pyrenäen;  Serbien;  Moldau;  Süd-Russland; 
Transkaukasien.)  ~* 


Aschers on  u.  Graehnsr,   Synopsis.  III. 


18  Liliaceae. 

154.   COLCHICUM1). 

([Tourn.  Inst.  346  t.   181,  182].    L.  Gen.  pl.    [ed.   1.   107]    ed.   5.   150 
[1754].    Nat.  Pfl.  IL  5.  29  . 

(Zeitlose;  niederl.  u.  vlaem. :  Tijdeloos;  dän. :  Tidlos;  franz.:  Colchique; 

it.:    Colchico,    Zafferano    selvatico,    Efemero;    rum.:    Bälurä,   Brinduse- 

de-tömnä;    poln.:    Zimowit;    böhm. :    Ocün;    kroat. :    Kachjun,    Baluska, 

Cunjec  [Frucht];  serb. :  Mpa.30Baii;  russ.:  Occhhiikt.;  ung. :  Kikirics.) 

S.  S.  5.  Kleine,  mittelgrosse  bis  ziemlich  ansehnliche,  meist  kahle 
Gewächse.  Perigon  mit  langer  Röhre  und  6  glocken-  trichterförmig 
gestellten  Abschnitten.  Staubblätter  am  Schlünde  eingefügt,  die  inneren 
länger,  alle  kürzer  als  das  Perigon.  Staubfäden  fadenförmig,  innen  am 
Grunde  mit  einer  Honigdrüse.  Griffel  getrennt,  sehr  lang,  an  der  Spitze 
auswärts  gekrümmt.  Kapsel  eiförmig  oder  länglich,  aufgeblasen,  die  3 
Fruchtblätter  oberwärts  zuletzt  auseinandertretend  und  einwärts  auf- 
springend.    Samen  zahlreich,  fast  kugelförmig,  runzelig. 

An  der  blühenden  Pflanze,  welche  in  einer  Furche  der  flachen  Seite  der 
eiförmigen  Knolle  liegt  und  mit  derselben  nur  an  einer  kleinen  kreisförmigen  Stelle 
zusammenhängt  befinden  sich  (bei  C.  auctumnale  2)  Scheidenblätter  (das  zweite  steht 
vor  dem  ersten,  wie  bei  Calla  und  Tofieldia)  und  eine  Anzahl  noch  unentwickelter 
Laubblätter.  Das  erste  Laubblatt  trägt  in  seiner  Achsel  die  im  nächsten  Herbste 
blühende  Knospe,  das  zweite  in  einen  Kanal  wie  bei  Gagea  pratensis  versenkt 
ebenfalls  eine  Knospe,  die  folgenden  meist  1  oder  bis  4  sehr  kurzgestielte  Blüthen. 
Von  der  ganzen  Pflanze  kommen  bei  den  meisten  Arten  im  Herbst  nur  die  Blüthen 
und  auch  diese  nur  mit  Ausnahme  des  den  Fruchtknoten  enthaltenden  unteren  Theils 
über  den  Boden.  Im  Frühjahr  wachsen  die  Laubblätter  aus,  das  Stengelglied  zwischen 
dem  zweiten  und  dritten  Laubblatte  streckt  sich  und  hebt  die  Frucht  über  den  Boden, 
dasjenige  zwischen  dem  ersten  und  zweiten  Laubblatte  wird  zur  neuen  Knolle,  welche 
am  Grunde  die  Hauptknospe,  die  im  Herbste  blüht,  und  oberwärts  die  Knospe  des 
zweiten  Laubblattes  trägt,  welche  sich  erst  später  oder  gar  nicht  entwickelt  (vgl. 
die  Fig.  19  B  in  Nat.  Pfl.  II.  5.  30).  Die  Scheide  des  ersten  Laubblattes  wird  zu 
einer  derben  dunkelbraunen,  die  Knolle  mit  der  nächstjährigen  Pflanze  umschliessen- 
den  Hülle  (Knollenhaut),  welche  oft  mehrere  Jahre  bleibt.  —  Von  dem  so  auffallen- 
den Verhalten  der  Blüthezeit  bei  den  meisten  Arten,  welche  später  im  Jahre  eintritt 
als  die  Fruchtreife  stammt  der  deutsche  Name  des  C.  auctumnale  und  die  Bezeich- 
nung bei  den  alten  Botanikern  :  Filius  ante  patrem,  von  dem  seltsamen  Aussehen 
der  ohne  Blätter  gleichsam  nackt  und  bloss  hervortretenden  Blumen  die  derben 
Bezeichnungen  von   C.  auctumnale  s.  S.  23. 

Etwa  30  Arten  in  Europa,  dem  westlichen  und  mittleren  Asien  und  in  Nord- 
Africa,  die  meisten  im  Orient.  —  In  Europa  noch  die  durch  kriechende  Grund- 
achse ausgezeichnete  Section  Blastodes-)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  155,  156  [1884]) 
mit  G.  BoiasieriS)  (Orph.  Atti  Congr.  Firenze  1874.  31   [1876]).    C.  Zahnii*) 


')  v.oÄyixöv  bei  Dioskorides  (IV,  84),  Name  dieser  Gattung  wohl  nach 
der  Landschaft  Kolchis  (jetzt  Guriel)  an  der  Ostküste  des  Schwarzen  Meeres  benannt, 
welche  als  Beimal  dir  Gifte  und  Giftmischerinnen  schon  in  der  griechischen  Mytho- 
logie (Medea!)  genannt  wird. 

'-)  Von  [lAdazi}  Keim,   Blatt,  Zweig. 

3)  S.  II.  1.  S.  535  Fussn.   1. 

4)  Nach  Heinrich  Zahn.  Kaufmann  in  Kalamata  (Messenien),  um  die  Flora 
seiner  Gegend  verdient. 


Colchicum.  19 

(Heldr.  Herb.  norm.  No.  1586.  Haläcsy  Consp.  Fl.  Graec.  III.  273  [1904])  und  C. 
Psdridisl)  (Heldr.  Herb.  norm.  No.  982.  Haläcsy  a.  a.  O.  274  [1904])  im  süd- 
lichen Peloponnes.    Bei  uns  nur  die  Section 

Eucölchicnm  (Boiss.  Fl.  Or.  V.   157  [1884]).    Grundachse  eine 
aufrechte  Knolle  darstellend,  nicht  kriechend. 

A.   Synänthia2)   (A.  u.  G.    Syn.  III.    19    [1905]).     Blätter  gleich-     A. 
zeitig  mit  den  Blüthen  erscheinend. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  Dach  Nyman  Consp.  742  das  mit  C. 
Bertolonii  nahe  verwandte  C.  Steveni^)  (Kunth  Enum.  pl.  IV.  144  [1841]. 
C.  Cupdnii)  Guss.  Fl.  Sic.  prodr.  I.  450  [1827]  z.  T.?  C.  parviflorum  Biv. 
Piante  ined.  9  [1838].  C.  Valery  *)  Tin.  in  Guss.  Syn.  fl.  Sic.  II.  818  [1844]. 
C.  polyphijUum  6)  Boiss.  u.  Heldr.  Diagu.  Ser.  2.  IV.  121  [1859])  in  Unter- 
Italien, Sicilien,  Malta  und  den  Griechischen  Inseln,  welches  aber  Boissier 
(Fl.  Or.  V.  165)  nur  aus  Vorderasien  angibt  und  auch  v.  Haläcsy  nicht 
aus  Griechenland  kennt  vgl.  auch  Nyman  Consp.  Suppl.  310  und  S.  20  unter 
732,  ferner  C.  indessen  glossophyllum"')  (Heldr.  Herb.  norm.  No.  1495. 
Haläcsy  Consp.  Fl.  Graec.  III.  274    [19Ö4])  in  Griechenland. 


Gesammtart  C  montan  um  (731,  732). 

731.  (1.)  C.  montaiium.  %.  Knolle  ziemlich  kurz,  meist  nicht 
viel  über  3  cm  lang,  eiförmig,  mit  oberwärts  nicht  sehr  stark  ver- 
längerten Häuten.  Blätter  meist  zu  3  aufrecht-abstehend,  linealisch- 
lanzettlich,  rinnig-gefaltet,  am  Rande  glatt  oder  etwas  rauhhaarig  be- 
wimpert, zuletzt  unregelmässig  gekrümmt  bis  gerollt.  Blüthen  zu 
1 — 8,  sich  im  ersten  Frühjahr  entwickelnd.  Perigon  mit 
sehr  langer  Röhre  und  vielmals  kürzeren  länglich-elliptischen,  stumpf- 
lichen, 10 — 15  nervigen  am  Grunde  mit  2  mehr  oder  weniger  deut- 
lichen Längsfalten  versehenen  rosa-violetten  Abschnitten.  Staubblätter 
etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonabschnitte  mit  nach  dem  Grunde 
zu  verdickten,  oft  rauhhaarigen  Fäden  und  mehrmal  kürzeren  länglich- 
linealisehen  purpurbraunen  Staubbeuteln.  Griffel  kaum  so  lang  als  die 
Staubblätter  mit  sehr  kurzen  Narben.    Frucht  länglich-eiförmig,  spitzlich. 

Auf  Bergwiesen,  in  Gebüsch  oder  auch  zwischen  Geröll  nur  im 
südöstlichen  Gebiete  sehr  selten.  SAV. Ungarn:  Ct.  Baranya:  Siklos 
(Janka  1867!  Neilr.  Diagn.  126).    Bl.  Februar,  März.  Frucht  im  Mai. 


i)  Nach  Psarides,  von  welchem  wir  von  Herrn  v.  Haläcsy  nur  erfahren 
konnten,  dass  er  in  Athen  Medicin  studierte  und  jung  gestorben  ist. 

2)  Von  avv  zusammen   und  äv&og  Blume. 

3)  Nach  Christian  von  Steven,  *  19.  Jan.  1781  Fredrikshamn  (Finnland) 
f  17.  Apr.  1863  Sympheropol  (Krim),  Staatsrath  und  Akademiker,  Director  des 
Botanischen  Gartens  in  Nikita  (Krim),  hochverdient  um  die  Erforschung  der  Flora 
Tauriens  und  des  Kaukasus,  die  er  mit  Marschall  von  Bi eberstein  (s.  II.  1. 
S.  192  Fussn.  4)  studierte.  Sein  Herbar  schenkte  er  der  Universität  Helsiugfors 
(Lindemann  Bull.  Soc.  N.  Mose.  LXI.  73). 

4)  S.  II.   1   S.  284  Fussn.   1. 

5)  Auch  über  Valery  ist  es  uns  nicht  gelungen,  etwas  zu  erfahren. 

6)  7ioÄvtpvÄÄos  vielblättrig. 

7)  Von  yÄwooa  Zunge  und  <pvAAov  Blatt. 

2* 


20  Liliaceae. 

C.  montanum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  342  (1753)  z.  T.r  Boiss.  Fl. 
Or.  V.  164.  Richter  PL  Kur.  I.  191  (z.T.).  C.  bulbocodioides  M.  Rieb. 
Fl.  Taur.-Cauc.  I.  293  (1808).  Nyman  Consp.  742.  Suppl.  310.  C. 
holophyllum1)  Coss.  u.  Dur.  Bull.  SB.  France  IV.  489  (1857).  C. 
('/( mriitei'2)  Graells  Kamill.  26.  (1852).  C.  triphyllum2)  Kunze  Flora 
XXIX  (1846)  755.  Nyman  Consp.  742.  C.  Catacuzenium*)  Heldr. 
Berb.  norm.  No.  628  (1857).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  165.  0.  nirälc  Roiss. 
u.  Huet  nach  Boiss.  a.  a.  O.  (1884).  C.  hungäricum  Janka  Term.  Füz. 
X.   75  (1886).     Nyman  Consp.  Suppl.   310." 

(Spanien;  Balkanhalbinsel;  Rumänien;  Süd-Russland;  Nord-Africa; 
Vorder-Asien.)  f^j 

732.  (2.)  C.  Bertolönii5).  ^1-.  Der  Leitart  ziemlich  ähnlich,  von 
ihr  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Blätter  meist  zu  2  oder 
3,  meist  schmal-,  seltener  breiter  linealisch-lanzettlich.  Blüthen  zu 
1  bis  5,  sich  im  Spätherbst  entwickelnd.  Perigon  mit 
schmalen,  elliptisch-linealischen,  5 — 7nervigen,  stumpfen 
oder  spitzlichen  Abschnitten.  Staubblätter  mit  länglichen,  roth- 
braunen Staubbeuteln.     Griffel  meist  länger  als  die  Staubblätter. 

Auf  trockenen  Wiesen,  an  steinigen  Abhängen.  Bisher  nur  im 
Gebiet  der  Adria  in  Kroatien,  Dalmatien!  der  Hercegovina  und  Monte- 
negro. Die  Angabe  in  Kroatien  bezieht  sich  nach  Hirc  br.  auf  C. 
Kochii.     Bl.  October,  November,  selten  December  oder  Januar. 

C.  Bertolönii  Steven  Mem.  Mose.  VII.  72  (1829).  Nyman  Consp. 
742.  Suppl.  310.  Boiss.  Fl.  Or.  IV.  165.  C.  montanum  L.  Herb,  (nicht 
Sp.  pl.).  Bertol.  Rar.  Lig.  pl.  dec.  III.  19  (1803)  nicht  Anderer.  C. 
putittum  Sieb.  Flora  V  (1822)  248.  Nyman  Consp.  742.  Suppl.  310. 
C.  Cupäni  Guss.  FL  Sic.  Prodr.  I.  452  (1827)  z.  T.  C.  montanum  a. 
C.  Bertolönii   Rchb.  Ic.  X.  2    t.  CCCCXXIV  fig.  940,  941    (1848). 

In  der  Breite  der  Blätter  und  der  Behaarung  des  Blattrandes  ähnlich  wie  auch 
die  Leitart  veränderlich,   es  sind  unterschieden  Morden : 

B.  Cupäni  (Pari.  Fl.  It.  III.  190  [1858].  Arcangeli  Comp.  Fl.  It.  708  [1882]. 
C.  Cupäni  Guss.  a.  a.  O.  [1827]  im  engeren  Sinne.  C.  Steveni  Kunth  Emmi, 
pl.  IV.  144  11843].  C.  Valery  Tin.  in  Guss.  Fl.  Sic.  Syn.  II.  818  [1844].  C. 
■montanum  ß.  C.  Cupäni  Rchb.  Ic.  X.  2  t.  CCCCXXIV  fig.  942,  943  [1848]). 
Blätter  auch  in  der  Jugend  am  Rande  glatt  oder  kaum  rauh.     S.  S.   19. 

C.  angu8tifdlium  (Pari.  Fl.  It.  III.  190  [1858]).  Blätter  schmal,  nur  3  — 5  mm 
breit,   meist   kaum   oder  nicht    bewimpert.   —   Selten. 

Von  Weiss  im  Januar  bei  Ragusa  gesammelte  blühende  Exemplare  unter- 
BCh<  iden  sich  nur  durch  die  Blütheeeit   und  etwas  schmälere  Perigonabschnitte. 


1)   Von   öAog  ganz  und   <jvA?.ov  Blatt. 
■-')  S.  II.  1   S.   176  Fussn.   1. 
3)  Von  tQetg  drei  und  (fvAAov  Blatt. 

I)   Na.li    Konstantin   .1.  Katakuzenos,  *  15.  27.  Mai  1839  Triest,  Apotheker 
in  Athen,  dem  Schwager  Th.  v.  Heldreich's  (v.  Hal&csy  br.) 
•r>)  S.  II.   1   S.   142   Fussn.   1. 


Colchicum.  21 

Letztere  Erscheinung  scheint  bei  spätblühenden  Formen  in  der  ganzen  Gattung 
verbreitet. 

(Italien   einschliesslich    der   Inseln;    Balkanhalbinsel    einschliesslich 
der  Inseln  ;  Kreta ;  Nord-Africa.)  \#\ 

B.    Hysteränthia1)   (A.  u.  G.   Syn.  III.    21    [1905]    vgl.   Nyman     B. 
Consp.  743.  Boiss.  Fl.  Or.  V.   156,  157.)    Blüthen  im  Herbst  ohne 
Blätter  erscheinend.     Blätter  erst  im  Frühjahr  hervorbrechend. 

In  Europa  ausser  unseren  noch  eine  Anzahl  von  Arten,  die  wohl  nicht  alle 
werden  aufrecht  erhalten  werden  können:  C.  varieg  dtum  (L.  Spec.  pl.  ed.  1. 
342  [1753])  in  Griechenland  und  auf  Kreta  mit  dem  sehr  nahe  verwandten 
C.  Parkinsönii-i)  (C.  Parkinsoni  Hook.  fil.  Bot.  Mag.  t.  6090  [1874].  C. 
variegatum  b)  Parkinsonii  Richter  PI.  Eur.  I.  189  [1890].  C.  Fritillaricum 
Chiense  Parkins.  Parad.  155  fig.  5)  auf  den  Cycladen,  Sporaden  und  in  Klein- 
asien. —  C.  amdbile  (Heldr.  [Herb.  norm.  No.  764  (1858)].  Atti  congr. 
Fireuze  1874.  228.  C.  pulchrum  Herb,  nach  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVII. 
427  [1880]?  vgl.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  158  Cephalonia  und  Epirus)  auf  Euboea.  — 
C.  LusitdnumZ)  (Brot.  Phvt.  Lusit.  II.  211  [1827].  C.  Todarii)  Pari.  Fl. 
It.  III.  178  [1858] ?  nach  Janka  ÖBZ.  XXV  [1875]  82)  mit  G.  Bisigndni^) 
Ten.  ined.  identisch.  C.  Bivdnae  Willk.  u.  Lange  Prodr.  Fl.  Hisp.  I.  194 
[1870]  nicht  Guss.)  Iberische  Halbinsel,  Italien?  —  G.  latifölium  (Sibth.  u. 
Sm.  Fl.  Graec.  IV.  43  t.  350  [1823]  z.  T.  Boiss.  Fl.  Or.  IV.  159.  C.  SibthdrpüG) 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVII.  437  [1880])  auf  der  Balkanhalbinsel  mit  der 
Rasse  Euboenm  (Boiss.  Fl.  Or.  IV.  159  [1884].  G.  euboeum  Orph.  Atti 
Congr.  Firenze  1874.  29)  auf  Euboea.  —  G.  Levie  ri  ?)  (Janka  ÖBZ.  XXV 
[1875]  82)  in  Toscana.  —  G.  variopictum  (Janka  a.  a.  O.  83  [1875])  in  Süd- 
Italien.  —  G.  Illyricum  (Friv.  in  Kunth  Enum.  pl.  IV.  140  [1841].  C.  lati- 
fölium Griseb.  Spie.  Fl.  Rum.  Bith.  IL  378  [1844]  nicht  Sibth.  u.  Sm.)  in  Mace- 
donien.  —  G.  Tendrii»)  (Pari.  Fl.  It.  III.  157  [1858].  G.  Bivonae  Ten.  Fl. 
Xap.  prodr.  App.  V.  11  [1826].  C.  byzantinum  Ten.  Fl.  Nap.  III.  397  [1824 
bis  1829]  in  Süd-Italien.  —  C.  Turcicum  (Janka  ÖBZ.  XXIII  [1873]  242) 
in  der  Türkei.  —  C.  linguldtum  (Boiss.  u.  Sprun.  Diagn.  pl.  Or.  Ser.  1.  V. 
66  [1844])  in  Attika.  —  C.  Parnd  ssicum  (Sart.,  Orph.  u.  Heldr.  in  Boiss. 
Diagn.  pl.  Or.  Ser.  2.  IV.  122  [1859])  auf  den  Griechischen  Gebirgen.  —  C. 
Parlatdris^)  (Orph.  Atti  Congr.  Firenze  1874.  32)  auf  dem  Peloponnes,  dem 
C.  Neapolitanum  näher  verwandt.  —  G  Cdrsicum  (Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XVII.  431  [1880])  auf  Corsica.  —  C.  umbrdsum  (Stev.  Mein.  Mose.  VII.  68 
t.  14  [1829].  C.  autumndle  M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  III.  281  [1819]  z.  T.  C. 
arendrium  var.  tanricum  Ker-Gawl.  Bot.  Reg.  t.  541  [1821].   C.  TrapezdntinumlO) 


1)  Von  voiEOog  später  und  äv&og  Blume. 

2)  Nach  John  Parkinson,  *  1567  Nottinghamshire  (?)  f  Aug.  1650  London, 
Apotheker  und  „The  King's  Herbarist"  (Botanicus  Regius),  Besitzer  eines  reichhaltigen 
Botanischen  Gartens,  dessen  Pflanzen  er  in  zwei  wichtigen  Kupferwerken  Paradisus 
terrestris  London  1629  und  Theatrum  botauicum  Lond.  164  beschrieben  hat  (Britten 
u.  Boulger  Journ    of  Bot.  XXVIII.  117). 

3)  Lusitauia  Portugal. 

4)  S.  IL   1.  S.  282  Fussn.  2. 

ä)  Nach  dem  Principe  di  Bisignano,  der  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts 
in  La  Barra  bei  Neapel  einen  botanischen  Garten  besass  (Saccardo  I.  31). 

6)  S.  IL   1.  S.  22  Fussn    1. 

7)  S.  VI.  1.  S.  267  Fussn.  2. 
P)  S.  IL  1.  S.  280  Fussn.  2. 
9)  S.  IL   1.  S.  240  Fussn.  3. 

i")   Bei    Trebisondi    (im    Alterthum    Trapezus-untis)    im    nördlichen    Kleinasien 
gefundan. 


22  Liliaceae. 

Boiss.  Fl.  Or.  V.  162  [1884])  auf  der  Krim  und  in  Klein-Asien.  —  C.  micr- 
dnthuml)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  162  [1884].  C.  parvulum  Janka  Brev.  II.  8 
[1872]  nicht  Ten.)  in  der  Türkei.  —  Das  C.  alpinum  nahe  verwandte  C.  par- 
vulum (Ten.  Fl.  Nap.  III.  339  [1824—29],  C.  alpinum  b)  parvulum  Richter 
PI.  Eur.  I.  191  [1890])  in  Süd-Italien.  —  Ueber  C.  Castrense  (De  Laranib. 
Ball.  SB.  Frauce  II.  688  [1853])  s.  S.  27. 

I.  I.  Griffel  an  der  Spitze    mehr   oder  weniger  verdickt   und   gebogen, 

mit  verlängerter  herablaufender  Narbe. 

a.  a.  Blüthen  mit  deutlich  scheckig  gewürfelten,    mit  dunkleren    und 

helleren  Feldern  versehenen  Perigonabschnitten.    Pflanze  kräftig. 

733.  (3.)  C.  Bivonae2)  (kroat. :  Protac,  Kachina).  2J-.  Knolle 
ziemlich  gross,  mit  mehr  oder  weniger  nach  oben  vorgezogenen  Häuten. 
Blätter  schmal,  linealisch-lanzettlich,  nicht  rinnig  zusammen- 
gefaltet, fast  flach.  Blüthen  zu  1 — 7,  gross.  Perigon  mit  4-  bis 
5  mal  die  Abschnitte  an  Länge  übertreffender  Röhre  und  breit-elliptischen, 
spitzlichen,  purpurvioletten,  +.  deutlich  gewürfelten  Abschnitten.  Staub- 
blätter etwa  8/s  so  lang  als  die  Perigonabschnitte  mit  gelben,  linealischen 
Staubbeuteln.  Griffel  länger  als  die  Staubblätter,  oberwärts  auswärts 
gebogen  mit  langen  Narben. 

An  trockenen  Abhängen  nur  im  Gebiete  der  Adria,  Kroatien, 
Dalmatien,  Hercegovina,  Montenegro.     Bl.  September — October. 

C.  Bivönae  Guss.  Cat.  hört.  Boccad.  72  (1821).  Nyman  Consp. 
743.  Suppl.  310.  Richter  PI.  Eur.  I.  189.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXXVII 
fig.  952.  C.  tessidätum  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  no.  4  (1768)?  C. 
variegatum  Biv.  Sic.  pl.  Cent.  I.  27  (1806)  nicht  L.  C.  Visiänii3) 
Pari. 'Fl.  It.  III.   175  (1858). 

(Italien  einschliesslich  Sicilien.  Die  Angaben  auf  der  Balkanhalb- 
insel beziehen  sich  nach  Boissier  [Fl.  Or.  V.  159]  auf  C.  latifolium.) 

r*i 

b.  b.  Blüthen  mit  nicht  oder  undeutlich  scheckig  gewürfelten,  sondern 

gleichfarbigen,   höchstens   am  Grunde  etwas  dunkleren  Perigon- 
abschnitten. 
1.  1.  Pflanze  gross  und  kräftig.    Blätter  etwa  3 — 5  cm  breit  (selten 

einzelne  erheblich  schmäler,  meist  über  2  dm  lang,  länglich 
oder  länglich-lanzettlich,  nicht  linealisch.  Blüthen  meist  weit 
über  1  dm  aus  dem  Boden  hervorragend,  mit  4  cm  langen 
oder  längeren   Perigonblättern. 

*  C.  Byzantinuni.  %..  Knolle  sehr  gross,  mitunter  bis  über  1  dm  lang. 
Blätter  meist  zu  5,  länglich  bis  länglich-lanzettlich,  mehrfach 
stark  längs  faltig.  Blüthen  meist  zahlreich,  sich  mehr  oder  weniger  nach- 
einander entwickelnd.  Perigon  mit  weisslicher  Röhre  und  länglich-verkehrt- 
eiförmigen,   ganz  Btumpfen,    hell  rosagefärbten,    inwendig    am  Grunde   etwas  be- 


■i   Von   uixQÖg  klein  und  äv&og  Blume. 

-i  s.   II.'  1.   s.  391   Fussn.  3. 
■i)  S.  I.  S.  88  Fussn    1. 


Colchicum.  23 

haarten,  dunkler  gestreiften  Abschnitten.  Staubblätter  etwa  -'3  so  lang  als  die 
Perigonabschnitte  mit  gelben,  kurz  linealischen  Staubbeuteln.  Griffel  etwa  so  lang 
als  das  Perigon  an  der  Spitze  schwach  verdickt  und  kurz  zurückgekrümmt. 

Im  Orient  heimisch,  bei  uns  jetzt  häufig  gepflanzt,  im  Herbste  in  grossen 
Mengen  in  die  Grossstädte  eingeführt.     Bl.  September,  October. 

C.  byzantinum  Ker-Gawl..Bot.  Mag.  Text  zu  t,  1028  (1807,  ohne  Beschr.)  t. 
1122  (1809).  Park.  Theatr.  154  fig.  2.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  160.  Nyman  Consp.  743. 
Suppl.  311.  Richter  PI.  Eur.  I.  190.  C.  Byzantinum  latifolium  Clus.  Hist.  I.  198 
(untere  Figur)  t.  200  (linke  Figur).  C.  floribiindum  Laws.  Cat.  6  (vor  1812).  C. 
nuiuiiinale  var.  latifolium  Red.  Lil.  t.  468  (1816).  G.  latifolium  Sibth.  u.  Sm.  Fl. 
Graec.  IV.  43  t.  350  (z.  T.;  die  Blätter)  (1823).  C.  aestiväle  Bor.  Fl.  Centr.  Fr.  ed. 
3.   II.  602  (1857).   G.  persicum,   C.  Szovitsianuvil)  und  C.  autumnale  vieler  Gärten. 

Die  Knollen  werden  wie  bemerkt  im  Herbst  in  grossen  Mengen  in  die  Gross- 
städte eingeführt  und  dort  als  G.  autumnale,  Wunderblume  etc.  feilgeboten,  weil  die 
Knolle  in"  dieser  Jahreszeit  in  trockenem  Zustande  ohne  Wasser  und  Erde  ihre 
Blüthen  zu  vollständiger  Entfaltung  gelangen  lässt. 

Durch  die  breiten  scharf  längsgefalteten  Blätter,  die,  wie  bereits  Boissier 
bemerkt,  lebhaft  an   Veratrwm  erinnern,  sehr  leicht  kenntlich. 

734.  (4.)  C.  auctumiiäle  (die  meisten  der  S.  18  für  die  Gattung 
angeführten  Namen  beziehen  sieh  speciell  auf  diese  am  weitesten  ver- 
breitete Art;  ausserdem  heisst  sie  auch  u.  a.  Herbst-Zeitlose,  nackte 
Jungfer  [und  noch  derbere  Ausdrücke  vgl.  Pritzel  und  Jessen  105, 
106],  Herbst-  oder  Michelsblume;  franz.:  Tue-chien,  Mort-au-chien). 
2\-.  Knolle  ziemlich  gross,  bis  7  cm  lang.  Blätter  länglich -lan- 
z ertlich,  nicht  oder  nur  einmal  gefaltet,  bis  über  3  dm 
lang,  beiderseits  versehmalert,  stumpf.  Blüthen  meist  1 — 2,5  dm  hoch, 
schwach  wohlriechend.  Perigon  mit  bleicher  Röhre  und  elliptischen 
bis  lanzettliche 21  (die  äusseren  breiter),  stumpfen,  helllila-rosa  ge- 
färbten, selten  weissen,  von  deutlich  geschlängelten  Nerven  durchzogenen 
innen  behaarten  Abschnitten.  Innere  Staubblätter  höher 
eingefügt  als  die  äusseren,  etwa  2/3  so  lang  als  die 
Perigonabschnitte  mit  länglich-linealischen,  gelben  Staubbeuteln. 
Griffel  zuletzt  fast  so  lang  als  das  Perigon,  zuerst  kürzer, 
an  der  Spitze  stark  verdickt,  stumpf,  spreizend  oder  zuletzt 
zurückgebogen.  Frucht  länglich-eiförmig,  spitz,  meist  etwa  3  cm  lang, 
auf  kurzem  oder  bis  über  1  dm  hohem  Stengel. 

Auf  fruchtbaren,  meist  feuchten  Wiesen,  meist  sehr  gesellig  und 
im  südlichen  und  mittleren  Gebiet  allgemein  verbreitet,  in  Wallis  bis 
2200  m  (Jaccard  351),  in  Tirol  bis  1900  m  (Sarnthein  br.)  an- 
steigend, in  der  nördlichen  Ebene  selten,  nördlich  bis  Gifhorn,  Stendal, 
Tangermünde,  Rathenow,  Nauen  (früher),  Berlin!!  Frankfurt  (Oder), 
Koschmin ;  doch  sind  einzelne  dieser  Vorkommnisse  hinsichtlich  des 
Indigenats  nicht  sicher;  vorgeschobene  Posten  in  Holstein  und  West- 
preussen  beruhen  wohl  nur  auf  Verwilderung.  Die  Pflanze  erreicht 
(abgesehen  von  dem  Vorkommen  in  Dänemark)  bei  uns  die  Polargrenze 
der  Gattung.     Bl.  August — November,  selten  im  Frühjahr. 

C.  autumnale  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  341  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
835.    Nyman    Consp.    743.    Richter  PI.  Eur.  I.    190.     Rchb.    Ic.   t.  X 


i)  S.  I.  S.  90  Fussn.   1. 


24  IJliaceae. 

t.  CCCCXXVI  fig.  949—951.  C.  multiflönm  Brot.  Fl.  Lus.  I.  597  (1804 

einblüthige  Form).    C.  crociflörum  Andere  Bot.  Mag.  t.  2673  (182(>)? 

Acmlert   ziemlich  wenig  ab;  «ine  Form  mit  durch  das  nahe  Ende  der  Blüthezeit 

Btark  verlängerten,  an  der  Spitze  spreizenden  Griffeln  und  weit  spreizenden  Perigon- 

abschnitten   i-t  V.  patens  (F.  Schultz  Flora  IX  [1826J   132).    Wohl  nur  durch  Stand- 

örtaverhältnisse  hervorgerufen  ist: 

B.   vernum  (Rchh.  Ic.  X.  3  t.  CCCCXXVI  fig.  951   [1848].    Richter  PI.  Eur.  I. 

190.    C.  vernum  Schrank  Baier.  Fl.  I.  1531  [1789].   C.  verndle  Hoffmann  Deutsche 

Fl.  ed.  1.  I.  1.  174  [1791].  Koch  Syn.  ed.  2.  835.  Nyman  Consp.  743.    C.  praecox 

Bpenn.  Fl.  Frib.  215  [1825]).  Blüthen  sich  erst  im  Frühjahr  entwickelnd,  meist 

kleiner.     Perigonblätter   schmaler.     Staubblätter  und  Griffel   oft  verkümmernd. 

—  Ziemlich  selten,    meist  an  solchen  Orten  entstehend,    wo    die  Herbstblüthen 

durch    frühzeitige    Ueberschwemmungen,    Schneefall    etc.    an    der    Entwickelung 

verhindert  waren.     Wohl  nirgend  constant. 

Eine    vielblüthige  Form    nennt    Schur    (Enum.    pl.  Transs.    679    [1866]) 
a.  polydnthumi)  (C.  auiumnalc  polyanthot  Clus.  Hist.   198,  199). 
Sehr  auffällig  ist 

in.  sperlosissimum  (Bubela  ÖBZ.  XXXIV  [1884]  426).  Perigon- 
blätter in  Ins  13  cm  lange,  schmale,  grüne  Laubblätter  umgewandelt.  Staub- 
blätter mehr  oder  weniger  entwickelt.  —  Blüthen  im  Frühjahr  erscheinend.  — 
Sehr  selten. 

Gefüllte  Formen  selten  in  Gärten. 

Hierher  die  Unterart : 

JB.  ('.  PffiiitoniciUH2).  2\-.  Dem  Typus  sehr  ähnlich,  von  ihm 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Knolle  ziemlich  gross  bis 
etwa  ä  cm  lang,  eiförmig,  mit  sehr  lang  nach  oben  verlängerten  Häuten. 
Blätter  lanzettlich,  meist  bis  etwa  3  bis  über  5  cm  breit  und  1,5 
bis  3  dm  lang,  beiderseits  verschmälert,  oberwärts  schneller  zugespitzt, 
stumpflich,  meist  an  der  Spitze  etwas  kappenförmig  eingezogen.  Blüthen 
meisl  zu  1 — 2.  Perigon  mit  ziemlich  derber  Röhre  und  länglich- 
elliptischen bis  schmal-elliptischen,  bis  fast  5  cm  langen, 
stumpflichen,  vielnervigen,  helllilarosa  gefärbten  Abschnitten.  Staub- 
blätter (die  längeren)  kaum  halb  so  lang  als  die  Perigonabschnitte. 
Griffel  viel  kürzer  als  das  Perigon,  bis  zu  8/s  die  Perigon- 
abschnitte erreichend,  an  der  Spitze  stark  gebogen,  mehr  oder  weniger 
verdickt,  oberwärts  wieder  deutlich  hornförmig  verschmälert, 
spitz.     Frucht  eiförmig. 

Auf  Bergwiesen  nur  im  südöstlichen  Gebiete.  Kroatien:  Liburnisches 
Karstplateau  (Hirc  br.).  Ungarn!!  Siebenbürgen.  Hercegovina  (Beck 
Glasnik  zemlj.  Mus.  Bosn.  i  Herc.  XV.  200  [64]).  Bl.  August  bis  Oetober. 
C.  p(i)tnonicnm  Griseb.  u.  Schenk  in  Wiegm.  Arch.  I.  35!)  (1852). 
Nyman  Consp.  743.  Suppl.  311.  Richter  PI.  Eur.  I.  190.  C  poly- 
änthon1)  Ker-Gawl.  Text  zu  Bot  Mag.  t.  1028  (1807,  ohne  Beechr.) ? 
('.  multiflörum  Schur  Enum.  pl.  Transs.  678  (1866).  C.  transsil- 
vanicum  Schur  a.  a.  <).  679  (l8o(>)  (grosse  breitblättrige  Formen).  C. 
cmtumnale  f.  pannonicum  Beck  a.  a.  O.  (1903).  Wiss.  Mitth.  aus 
Bosn.  IX.    182  [76]  (1904). 

')  Von  noXig  viel   und  üvO-o^   Blume. 
?)  S.  I    S.   140  Fussn.   1. 


Colchicum.  25 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  auf  den  ersten  Anblick  wohl  den  Eindruck 
einer  eigenen  Art  macht,  die  aber  wenig  scharfe  Merkmale  gegenüber  C.  auctinn- 
nale  aufweist.  Wir  haben  deshalb  lange  geschwankt  wie  wir  sie  bevverthen  sollen ; 
glauben  aber,  dass  ihr  wegen  der  geographischen  Isolirung  und  des  coustanten  Vor- 
kommens einer  Reihe  von  Merkmalen,  die  allerdings  vereinzelt  z.  T.  auch  an  un- 
bedeutenden Formen  des  C.  audumnale  wiederkehren,  eine  grössere  systematische 
Selbständigkeit  zukommt.  Ausgezeichnet  ist  sie  in  der  Tracht  durch  die  Schmal- 
heit der  Perigonabschnitte.  Die  auch  zuletzt  kurzen  Staubblätter  und  Griffel 
und  besonders  die  spitze  Griffelspitze  scheinen  sie  von  C.  audumnale  stets  zu 
scheiden.     Jedenfalls    bedarf  die  Pflanze  weiterer  Beobachtung. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Balkanhalbinsel.)  jljTj 

Die  sehr  giftige  Pflanze  wird  frisch  vom  Vieh  nicht  berührt,  kann  aber  im 
Heu  zu  Vergiftungen  Anlass  geben.  Sie  ist  deshalb  und  weil  sie  gute  Futtei'gräser 
verdrängt,  eines  der  verhasstesten  Wiesenunkräuter,  das  aber  durch  consequentes 
Abreissen  der  Blüthen  und  Fruclitstengel  in  Schranken  gehalten  werden  kann. 

Off.  die  Blüthen  (Colchique),  Ph.  Gall.  und  die  Samen,  Semina 
Colchici,  Colchici  seinen,  Colchicum  (seinen),  Colchique  (semence),  Col- 
chicu  (sementele).  Ph.  Austr.,  Belg.,  Dan.,  Gall.,  Germ.,  Helv.,  Hung., 
Neerl.,  Rom.,  Russ. ;  enthalten  den  Bitterstoff  Colchicin. 

(Verbreitung  der  Art:  Dänemark;  Britische  Inseln;  Frankreich; 
Iberische  Halbinsel;  Italien;  Serbien;  Rumänien;  die  übrigen  Angaben 
auf  der  Balkanhalbinsel  sind  irrthümlich;  Süd-Russland.)  * 


2.  Pflanze  mittelgross  bis  niedrig,  Blätter  nicht  2  cm  breit  (bei 
uns  selten  einzelne  bis  über  1,5  cm)  meist  nicht  bis  2  dm 
lang,  schmal-lanzettlich  oder  meist  deutlich  linealisch.  Blüthen 
meist  1  dm  aus  dem  Boden  hervorragend  (selten  an  schattigen 
Orten  oder  zwischen  dichtem  Gras  durch  Verlängerung  der 
Perigonröhre  höher)  mit  höchstens  3  (bis  3,5)  cm  langen 
Perigonabschnitten  (vgl.  jedoch  C.  Neapolitanum) ,  wenn 
länger,  dann  meist  sehr  schmal.  Blätter  dann  jedenfalls 
schmal,  linealisch  bis  linealisch-lanzettlich. 
a.  Längsnerven    in    den   Perigonabschnitten    in    deutlichen    oft 

groben   Wellenlinien    verlaufend,    die  Wellenbogen    oft   fast 

halbkreisförmig. 

735.  (5.)  C.  Neapolitanum.  2\.  Blätter  meist  zu  3 — 4, 
linealisch  bis  linealisch-lanzettlich,  stets  deutlich  linealisch, 
stumpflich,  meist  1,3 — 2  dm  lang,  etwa  1  bis  fast  2  cm  breit,  rinnig, 
zuletzt  abstehend.  Blüthen  meist  zu  1 — 2,  selten  zu  3 — 4, 
etwa  1 — 1,5  dm  hoch.  Perigon  mit  länglichen  bis  linealisch- 
lanzettlichen,  etwa  4  cm  langen,  stumpfen  bis  spitzlichen,  rosa- 
violetten, vielnervigen  Abschnitten,  deren  innere  etwas  kürzer 
und  schmäler  sind.  Innere  Staubblätter  etwas  höher  als  die  äusseren, 
nicht  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  linealischen,  etwa  6 — 7  mm 
langen  Staubbeuteln.    Staubbeutel  dunkel.    Griffel  zuletzt  länger 


26  Liliaceae. 

als  die  Staubblätter,  an  der  Spitze  gebogen.  Frucht  länglich- 
eifönnig,  zugespitzt,  etwa  3  bis  fast  4  cm  lang. 

Die  typische  Form  bisher  nur  auf  Wiesen  am  Meere  in  Dalmatien : 
Salona  (Studniczka).     Bl.  September,  October. 

C.  neapoUtanum  Ten.  Fl.  Neap.  prodr.  App.  V.  11  (1826).  Fl. 
Nap.  III.  398  t.  221  fig.  2.  Pari.  Fl.  It.  III.  182.  Richter  PI.  Eur. 
I.  191.  C.  autumnale  var.  neapoUtanum  Ten.  Cat.  sem.  Hort.  Neap. 
11  (1825).  C.  autumnale  Bert,  Fl.  It.  IV.  272  (1839)  z.  T.  G. 
Jankae1)  Freyn  ÖBZ.  XXVII  (1877)  361. 

Bereits  Richter  (PI.  Eur.  I.  191)  hat,  allerdings  neben  mehreren  irrthünilich 
hierhergerathenen  Namen,  C.  Jankae  als  Synonym  zu  C.  NeapoUtanum  gestellt.  Wir 
haben  die  F  re  yn  'sehe  Pflanze  nicht  gesehen,  zweifeln  aber  nicht,  dass  diese  Identi- 
fication richtig  ist,  denn  die  ausserordentlich  ausführliche  Diagnose  und  Beschreibung, 
sowie  der  Vergleich  mit  anderen  erwähnten  verwandten  Arten  und  die  Maasse  stimmen 
ganz  vollständig  mit  den  uns  vorliegenden  Exemplaren  des  Typus  überein.  Die  harten, 
spröden,  schwärzlichen  Häute  der  Knolle,  die  nach  oben  weit  vorgezogen  sind,  die  4 
aus  bis  über  2  cm  verbreitertem  Grunde  allmählich  zugespitzten  Laubblätter,  die 
sehr  schmalen,  spitzlichen,  bis  4  cm  langen  Perigonblätter,  die  verschiedenlangen 
Staubblätter,  die  hakig  gebogenen  Griffelspitzen  mit  den  einseitigen  Narben,  die  harte 
Dicht  schwammige  Frucht,  alles  dies  ist  auch  bei  C.  NeapoUtanum  vorhanden.  Dass 
Freyn  bei  dem  Vergleiche  seiner  Pflanze  mit  anderen  Arten  C.  NeapoUtanum 
überhaupt  nicht  erwähnt,  beweisst,  dass  er  von  dieser  Art,  die  in  den  Herbarien 
übrigens  meist  nicht  richtig  vertreten  ist  (vgl.  die  Bemerkungen  bei  den  verwandten 
Arten)  kein  Vergleichsmaterial  gehabt  hat. 

Hierher  gehört : 

B.  Haynäldi2).  Meist  in  allen  Theilen  zierlicher.  Blätter  im  Durch- 
schnitt schmäler,  fast  stets  nur  1 — 1,5,  selten  vereinzelt  bis  fast  2  cm 
breit.  Griffel  an  der  Spitze  stark  verdickt,  ganz  stumpf,  stark 
gebogen.     Frucht  kleiner,  meist  nur  3  cm  lang,  schmäler,  länglich. 

Bisher  nur  im  Banat:  auf  Beigwiesen  bei  Svinica!  Bl.  Sep- 
tember, October. 

C.  NeapoUtanum  B.  Haynäldi  A.  u.  G.  Syn.  III.  26  (1905). 
C.  Haynäldi  Heuff.  Enum.  pl.  Banat  ZBG.  Wien  VIII.  177  (1858). 

Gleichfalls  eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  weiteres  Studium  bedarf.  Gleicht 
fast  in  der  Blüthe  dem  Typus  des  C.  NeapoUtanum  und  C.  Pannonicum,  weicht 
aber,  abgesehen  von  der  bei  den  meisten  Exemplaren  vorhandenen  schlankeren 
Tracht  durch  die  in  der  Form  fast  völlig  der  von  C.  auctumnale  gleichenden 
Griffelspitze  von  C.  NeapoUtanum  ab.  Die  Blätter  sind  denen  von  C.  Nea- 
poUtanum fast  völlig  ähnlich,  nur  schmäler. 

(Verbreitung  der  Rasse:   Bisher  nur  im  Gebiete.)  j"ijT| 

(Verbreitung  der  Art:  Italien  einschliesslich  der  Inseln;  die  An- 
gaben  in  Südfrankreich  beziehen  sich  auf   C.   longlfol/uin.)  j~*j 

736.  (6.)  C  longiföliuin.  2J-.  Knolle  ziemlich  klein,  meist  nicht 
viel  über  2  cm  lang  mit  stark  nach  oben  verlängerten  mattglänzenden 
braunen  bis  rötldich  -  braunen  Häuten.  Blätter  2 — 3 ,  schmal- 
linealisch,    bis  über  2   dm  lang    und    meist   0,6 — 1,2  cm  breit, 

1)  S.  VI.  1.  S.  774  Fussn.   1. 

2)  S.  II.   1   S.  321   Fussn.   1,  S.  671   Fussn.  3. 


Colchicum.  27 

stark  gebogen,  ziemlich  plötzlich  verschmälert,  spitzlich,  steif.  Blüthen 
meist  einzeln.  Perigon  mit  sehr  schlanker  Röhre  und  lanzettlichen 
bis  linealisch-lanzettlichen,  meist  3 — 3,5,  selten  (schmale  Ab- 
schnitte) bis  über  4  cm  langen,  stumpflichen,  hellrosa  gefärbten,  meist 
9 — 11  nervi  gen  Abschnitten.  Staubblätter  verschieden  lang,  die 
längeren  kaum  halb  so  lang  als  die  Perigonabschnitte  mit  linealischen, 
etwas  über  5  mm  langen  Staubbeuteln.  Griffel  bis  etwa  2/s  der  Länge 
der  Perigonabschnitte  reichend;  an  der  Spitze  gebogen,  stumpf.  Frucht 
bis  etwa  2,5  cm  lang,  länglich-eiförmig,  spitz. 

An  zeitweise  überschwemmten  Orten  nur  in  der  Provence  und  an 
der  Riviera  bei  Nizza  und  Mentone!  verbreitet.  Bl.  September — November. 
Fruchtreife  im   Mai. 

C.  longifolium  Castagne  Cat.  Marseille  135  (1845).  Nyman  Consp, 
743.  Suppl.  311.  C.  arenärium  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  170 
(1856).  Willk.  u.  Lange  Prodr.  Fl.  Hisp.  I.  194?  nicht  Waldst.  u. 
Kit,     C.  provinciäle  Loret  Bull.  Soc.  bot.  France  VI.  459  (1859). 

Mit  C.  yeapolitanum  kann  diese  Art  unmöglich  vereinigt  werden,  wie  es  nach 
Pariatore  (Fl.  It.  III.  182)  viele  neuen  Schriftsteller  thun,  denn  ahgesehen  von- 
der  geringeren  Grösse  ist  sie  durch  die  schmal-linealischen  Blätter,  die  schmalen 
Perigonblätter,  die  kleine  Knolle  und  Frucht  sehr  verschieden. 

Wie  uns  vorliegende  Exemplare  des  C.  longifolium  von  Marseille,  Toulon,  Aix 
etc.  beweisen,  ist  die  Pflanze  in  allen  Theilen  absolut  mit  C.  provinciäle  identisch, 
die  von  Loret  angegebenen  Merkmale  des  anderen  Verlaufes  der  Quer-Nerven,  die 
schmäleren  welligen  am  Boden  ausgebreiteten  Blätter,  die  grössere  Knolle,  die  am 
Grunde  weniger  verschmälerte  Frucht,  fanden  wir  bei  beiden  wenig  beständig.  Die 
Blätter  schwanken  (mitunter  an  einem  Exemplar)  in  der  Breite  von  wenigen  mm 
bis  zu  über  1  cm.  Der  Unterschied  des  Standortes,  dass  C.  provinciäle  an  mitunter 
im  Winter  von  Wasser  überfluteten  Stellen  vorkommen,  C.  longifolium  dagegen  an 
trockneren  Orten  wachse,  kann  gleichfalls  nicht  ausschlaggebend  sein,  da  wir  bei- 
spielsweise C.  Kochii  auf  der  Insel  Lussin  zahlreich  an  oft  von  Meerwasser  über- 
fluteten Stellen   sahen. 

C.  Castre'nse  ')  (De  Larambergue  Bull.  Soc.  Bot.  France  II.  688  [1855])  aus  dem 
südwestlichen  Frankreich  ist  dieser  Art  zweifellos  nahe  verwandt,  doch  wagen  wir 
sie  wegen  zu  vieler  abweichender  Merkmale ,  die  die  uns  vorliegenden  Original- 
pflanzen zeigen,  nicht  mit  ihr  zu  vereinigen.  Die  Knolle  ist  grösser,  dunkelroth- 
braun.  Die  Blätter  sind  breiter,  gerade,  am  Grunde  deutlich  verschmälert,  fast 
abgerundet,  stumpf.  Die  Perigonröhre  ist  länger,  die  Perigonabschnitte  kürzer, 
kaum  bis  3  cm  lang,  lang,  stumpf,  die  äusseren  an  der  Spitze  deutlich  eingekerbt. 
Die  Frucht  ähnlich. 

(Languedoc;   Corsica;    [Spanien?    vgl.   Willk.  u.    Lange  a.  a.  O.]). 

b.  Längsnerven  in  den  Perigonabschnitten  ganz  oder  fast  gerade     J. 
verlaufend,    nur   hin   und  wieder  in  undeutlichen  Zickzack- 
nie  in  deutlichen  Wellenlinien  verlaufend. 

737.  (7.)  C.  Köchii2).  4.  Knolle  der  der  vorigen  Art  meist  ähn- 
lich, oft  dicker,  mit  gleichfalls  lang  nach  oben  verlängerten  Häuten. 
Blätter  zu  3—5,  schmal-lanzettlich  bis  linealisch-lanzettlich,  nicht  1  cm 


1)  Bei  Castres  (Dep.  Tarn)  gefunden. 

2)  S.  II.  S.  322  Fussn.  3. 


28  Liliaceae. 

breit  (höchstens  ein  unteres  breiter),  rinnig,  beiderseits  (nach  dem  Grunde 
schwächer  oder  nicht)  verschmälert,  spitz,  zuletzt  meist  ausgebreitet. 
Blüthen  meist  einzeln,  seltener  zu  2.  Perigon  mit  ziemlich  langer, 
schlanker  Röhre  und  länglichen  bis  lanzettlich-linealischen,  spitzlichen, 
hdllila,  selten  weiss  gefärbten  Abschnitten.  Staubblätter  etwa  1js 
so  lang  als  die  Perigonabschnitte  mit  lang-linealischen,  fast  die 
Länge  der  Fäden  erreichenden  Staubbeuteln.  Griffel  erheblieh 
länger  als  die  Staubblätter,  an  der  Spitze  keulenförmig  ver- 
dickt und  sichelförmig  gebogen.  Frucht  ziemlich  gross, 
bis  über  3  cm  lang,  länglich-verkehrt-eiförmig,  mehr  oder  weniger  über 
den  Boden  erhoben. 

An  buschigen  Abhängen,  zwischen  Geröll,  in  C istii s-Maceh\en  etc. 
Nur  im  Gebiete  der  Adria :  Süd-Istrien  nebst  den  Inseln!!  Kroatisches 
Küstenland,  am  Velebit  bis  924  m  ansteigend  (Hirc  br.),  Dalmatienü 
Bl.  September,  October. 

C.  Kochii  Pari.  Fl.  It.  III.  118  (1858).  Nyman  Consp.  743. 
Suppl.  311.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  162.  C.  arenärkim  Koch  Syn.  ed.  2. 
836  (1844)  nicht  W.  K.  C.  neapolitänum  Richter  PI.  Em*.  I.  191 
(1890)  z.T.,  Brand  in  Halber- Wohlfarth  Koeh's  Synopsis  2499  (1905) 
nicht  Ten. 

Von  den  beiden  ähnlichen  folgenden  Arten  durch  die  an  der  Spitze  stark 
gebogenen  nicht  mit  kopfförmiger  Narbe  versehenen  Griffel  verschieden.  Blüthen 
in  der  Form  besonders  dem  G.  alpinum  ähnlich.  Das  gleichfalls  sehr  ähnliche  C. 
longifolium  ist  durch  die  stark  geschlängelten  Längsnerven  desPerigons  leicht  kenntlich. 

(Griechenland  einschliesslich  der  Inseln.)  \%~\ 

II.         II-  Griffel    bis   fast   zur  Spitze   gerade,    wenig   gebogen    mit    kleiner, 
kopfförmiger  Narbe. 

738.  (H.)  C.  alpinum.  %..  Knolle  ziemlich  klein,  meist  nicht  er- 
heblich über  2  cm  lang.  Blätter  linealisch-lanzettlich,  stumpf,  nach  dem 
Grunde  verschmälert.  Blüthe  fast  stets  einzeln.  Perigon  mit  ziemlich 
dünner  bleicher  Röhre  und  kaum  3  cm  langen  lanzettlichen  bis  länglich- 
Linealischen,  stumpfen,  helllila  gefärbten,  meist  9 — 11  (und  mehr-)  nervigen 
Abschnitten.  Staubblätter  etwa  in  gleicher  Höhe  eingefügt,  kurz, 
meist  nur  l/s  so  lang  als  die  Perigonabschnitte,  am  Grunde  kaum  ver- 
breitert, mit  kurz-linealischen,  nicht  viel  über  2  mm  langen  gelben 
Staubbeuteln.  Griffel  kürzer  als  die  Staubblätter.  Kapsel 
länglich  bis  länglich-verkehrt-eiförmig,  etwa  2  cm  lang,  stumpf  mit 
aufgesetztem   Griffelrest,  im   Frühjahr  reifend. 

Auf  Alpenwiesen,  zwischen  Geröll,  auf  kalkarmem  Substrat,  in 
Wallis  zwischen  600—2000  m  (Jaccard  352).  Nur  in  den  TVest- 
Alpen  von  den  Seealpen  an,  östlich  bis  Wallis  (südliche  Kette!)  und 
Tessin.     Bl.  Juli — September. 

C.  alpinum  Lam.  u.'DC.  Fl.  Franc.  III.  195  (1805).  Koch  Syn. 
ed.  2.  835.  Nyman   Consp.   744.  Suppl.  311.    Richter  PI.  Eur.  I.   191. 


Colchicum.  20 

Rchb.  Ic.  X   t.  CCCCXXV  fig.  946—948.     C.  montanum   All.    Fl. 
Pedem.  I.   117  (1785)  nicht  L. 

Von  C.  auctumnale  abgesehen  von  der  Grösse  durch  die  schmalen  Perigon- 
abschnitte  und  die  ziemlich  gleich  hoch  eingefügten  Staubblätter  leicht  zu  unter- 
scheiden. 

(Nord-Italien  [Apenninen];  das  von  vielen  Schriftstellern  mit  dieser 
Art  vereinigte  C.  parvtihim  [s.  S.  22]  auch  in  Mittel-  und  Süd-Italien 
und  auf  den  Inseln.)  jTjT| 

739.  (9.)  C.  arenarium.  2J_.  Knolle  ziemlich  klein,  meist  schlank, 
bis  über  3  cm  lang,  ziemlich  schmal  mit  meist  lang  nach  oben  ver- 
längerten Häuten.  Blätter  meist  zu  3,  schmal-lanzettlich  bis  linealisch- 
lanzettlich,  beiderseits  etwa  von  der  Mitte  ab  verschmälert,  am  Grunde 
oft  fast  gestielt,  stumpflich,  meist  nicht  viel  über  5  cm  lang.  Blüthen 
meist  einzeln.  Perigon  mit  sehr  schmaler  schlanker  Röhre  und  schmalen, 
lanzettlich-linealischen,  stumpflichen,  helliila  gefärbten,  meist  7 — 9- 
nervigen,  oft  zuletzt  fast  sternförmig  ausgebreiteten,  meist  etwa  3  bis 
3,5  cm  langen  Abschnitten.  Nerven  in  den  Perigonabschnitten 
ganz  oder  fast  gerade  nur  hin  und  wieder  in  undeutlichen  kleinen 
Zickzack- nie  in  deutlichen  Wellenlinien  verlaufend.  Staubblätter 
etwa  gleichhoch  eingefügt,  meist  etwa  xl%  (bis  etwas  mehr)  so  lang  als 
die  Perigonblätter,  mit  schmalen,  am  Grunde  kaum  verbreiterten  Fäden 
und  schlank  linealischen,  etwa  5  mm  langen  (wenigstens  6 mal 
so  lang  wie  ihre  Breite)  gelben  Staubbeuteln.  Griffel  schlank,  bis 
etwa  2/3  der  Länge  der  Perigonblätter  reichend,  viel  länger  als  die 
Staubblätter.  Frucht  sehr  klein,  bis  nicht  viel  länger  als 
1  cm,  eiförmig-  rhombisch,  beiderseits  verschmälert,  s  p  i  t  z ,  fast  auf 
dem  Boden  sitzend. 

Auf  sandigen  Steppen,  an  dünnbegrasten  Orten.  Nur  in  der 
Grossen  Ungarischen  Ebene ! !  und  in  der  Kleinen  westlich  bis  Komorn. 
Bl.  September,  October. 

C.  arenarium  Wählst,  u.  Kit.  PI.  rar.  Hung.  IL  195  (1805). 
Nyman  Consp.  744.  Suppl.  311.  Richter  PI.  Eur.'I.  191.  Rchb.  Ic. 
X  t.  CCCCXXV  fig.  944,  945  nicht  Koch  Syn. 

Durch  die  schmalen  zuletzt  oft  fast  sternförmig  ausgebreiteten  Perigonblätter, 
die  Gestalt  der  Blätter  und  Grösse  der  Kapsel  sehr  auffällig.  Von  C.  alpinum,  dem 
die  Art  in  der  Grösse  ähnlich  ist,  ausser  durch  das  obengenannte  Merkmal  durch 
die  langen  Staubbeutel  und  Griffel  leicht  zu  unterscheiden.  Von  C.  Koehii  durch 
die  fast  geraden  (nicht  sichelförmig  gekrümmten)  Griffel  mit  köpf  förmigen,  nicht  au 
einer  Seite  des  Griffels  herablaufenden  Narben  verschieden. 

(Serbien ;  Bulgarien.)  j^jTj 


30  Liliaceae. 

2.  Unterfamilie. 
ASPHODELOIDEAE. 

(Vent.  Tabl.  II.   162  [1799|.    Endl.  Gen.  pl.  1  A4  \AsphocMeue\  [1836] 
veränd.  Engl.  Bot.  Führer  Bot.  Gart.  Breslau  24  [1886J.   Nat.  Pfl.  II. 
5.  17.    Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  62.) 
S.  S.  2. 

Uebersicht  der  Tribus. 

A.  Blüthen   in  Trauben,  Aehren  oder  Rispen,  selten  in  Trugdolden. 

I.  Perigonblätter  (bei  uns)  getrennt  oder  nur  ganz  am  Grunde  etwas 
verbunden.  Asphodeleae. 

II.  Perigonblätter  mehr  oder  weniger  zu  einer  Röhre  verbunden. 

a.  Perigonblätter  nur  unterwärts  in  eine  Röhre  vereinigt,  oben 
frei.  Perigon  häufig  gekrümmt.  Staubblätter  häufig  nach  unten 
gebogen  (schwach  zygomorph),  unterwärts  mehr  oder  weniger  mit 
der  Perigonröhre  verbunden  (vgl.  indessen  Hostä). 

Hemerocallideae. 

b.  Perigonblätter  zum  grössten  Theile  mit  einander  verbunden,  bis- 
weilen etwas  zygomorph.  Staubblätter  gar  nicht  oder  doch  nur 
am  Grunde  etwas  mit  der  Perigonröhre  verbunden.         Aloeae. 

B.  Blüthen  einzeln  oder  zu  2,  in  scheinbar  endständigen  Köpfchen,  von 
1  —  3  freien  und  5  miteinander  verbundenen  Hochblättern  umschlossen. 
Fächer  des  Fruchtknotens  mit  je  einer  centralen  Samenanlage. 

Aphyllantheae. 

1.  Tribus. 
ASPHODELEAE. 

(Koch    Syn.   ed.    1.    709    [1837].    Nat.  Pfl.  II.  5.   17.    Dalla  Torre  u. 
Harms  Gen.  siph.  62.) 
S.  oben. 

Uebersicht  der  Subtribus. 

A.   Blätter  mehrreihig  bis  spiralig. 

I.  Grundachse  keine  Zwiebel  bildend.  Staubfäden  sehr  häufig  in 
einem  am  Grunde  oder  in  der  Mitte  befindlichen  Grübchen  der 
Staubbeutel  eingefügt. 

a.  Blüthen  in  Trauben  oder  rispig  angeordneten  Trauben.  Perigon 
trichterförmig  oder  glockig.  Asphodelinae. 

b.  Blüthen  meist  entfernt,  in  Trauben,  rispig  angeordneten  Trauben 
oder  traubig  angeordneten  Büscheln,  selten  einzeln.  Perigon  rad- 
förmig  ausgebreitet.  Anthericinae. 

II.  Zwiebel  oder  Knolle.  Stengel  am  Grunde  mit  einigen  frühzeitig 
absterbenden   Blättern  oder  zur  Blüthezeit  ohne  solche.     Blüthen- 


Asphodeleae.  31 

schaft  einfach  oder  verzweigt    mit   langen  Blüthen  stielen.     Staub- 
beutel am  Grunde  angeheftet,  ohne  Grübchen.     Eriosperminae. 
B.    Blätter  zweireihig.     Grundachse  keine  Zwiebel  oder  Knolle  bildend. 
Blüthen  in  Rispen.    Staubfäden  verdickt  oder  wollig.    Dianellinae. 


1.  Subtribus. 

ASPHODELINAE. 
(Engl.  Nat.  Pfl.  II.   5.   18.   31    [1888].     Dalla  Torre    u.    Harms    Gen. 

siph.  62.) 

S.  S.  30.  Grundachse  kurz  oder  etwas  verlängert,  oft  stark  ver- 
zweigt. Stengel  einfach  oder  oberwärts  verzweigt.  Blüthenstand  eine 
Traube  oder  aus  verkürzten  Schraubein  zusammengesetzte  Traube,  oder 
aus  einfachen  oder  zusammengesetzten  Trauben  gebildete  Rispe.  Perigon- 
blätter  trichterförmig  oder  glockig  zusammenneigend.  Staubfaden  in  einem 
Grübchen  der  Staubbeutel  eingefügt.  Fruchtknoten  mit  2  bis  mehreren 
Samenanlagen  in  jedem  Fach.  Kapsel  fachspaltig  mit  2  oder  mehreren 
dreikantigen,  schwarzen  Samen. 

In  Europa  nur  unsere  Gattungen. 

Uebersicht  der  Gattungen. 

A.  Staubfäden  am  Rücken  der  Staubbeutel  in  einem  Grübchen  angeheftet. 
I.  Blüthen  allerseits  wendig. 

a.  Stengel  oberwärts  nicht  beblättert.  Staubblätter  ziemlich  gleich- 
lang. Asphodelus. 

b.  Stengel  bis  zum  Blüthenstande  oder  nur  am  Grunde  beblättert. 
Staubblätter  ungleich,  herabgebogen,  bisweilen  die  3  inneren 
länger  und  allein  fruchtbar.  Asphodeliiie. 

IL  Blüthen  einerseitswendig.  Paradisia. 

B.  Staubfäden    am    Grunde    der   Staubbeutel    in    einem  Grübchen    ein- 
gefügt. —  Culturpflanzen.  Eremurus. 

155.  ASPHODELUS1). 

([Tourn.  Inst.  178].  L.  [Syst.  ed.  1].  Gen.  pl.  ed.  5.,  146  [1754]  z.  T. 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  313.  Nat.  Pfl.  IL  5.  31.  Asphodelö'ides  Moench  Meth. 
634  [1794].    Asphodelus   Sect.  I.    Ehizophylli  Koch  Syn.  ed.  2.  8l3 

[1843]). 

(Affodill,  Goldwurz;  franziAsphodele;  ital. :  Asfodillo,  Porraccia;  poln.: 

Ztotoglmv;  kroat.  u.  serb.:  Ceparljak,  Cepljis,  Morodak,  Capljan,  Kukaöa; 

russ. :  ILapcKift  iKesjrb.) 

S.   oben.      Ausdauernde    bis    einjährige   Kräuter    mit    mehr    oder 

weniger    verdickter    Grundachse    und    knolligen    oder    dünnen   Wurzeln 


*)  ä(jq>66eAog  Name  des  A.  ramosus  schon  bei  Homer  und  Hesiod. 


32  Liliaceae. 

mit  büschelig  gestellten  Trieben  oder  (die  einjährigen)  ohne  solche. 
Stenge]  blattlos.  Blüthenstände  traubig  oder  rispig.  Blüthenstiele  über 
dem  ( irunde  oder  etwa  zur  Mitte  hin  gegliedert.  Perigonblätter  fast 
ganz  gleichgestaltet,  einnervig,  spreizend,  nur  ganz  am  Grunde  ver- 
bunden, weiss.  Staubblätter  mit  am  Grunde  verbreiterten,  dort  con- 
caven,  dein  Fruchtknoten  umfassenden,  oberwärts  linealischen,  aufrechten 
Fäden  und  am  Kücken  angehefteten  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  3- 
fächerig.  Griffel  fadenförmig  mit  schwach  dreilappiger  kopfförmiger 
Narbe.  Frucht  eine  Kapsel,  lederartig,  fachspaltig.  Samen  scharf  drei- 
seitig, am  Rücken  quer  gefurcht. 

G — 7  Arten  im  Mittelineergebiete,  dem  gemässigten  Asien,  Ost-Indien  und  auf 
den  Mascarenen.     Beide  Sectionen  im  Gebiete. 

A.  A.  Gamön1)  (J.  Gay  Bull.  Soc.  bot.  France  IV.  607  [1857].  Boiss. 
Fl.  Or.  V.  313).  Pflanze  ausdauernd.  Grundachse  mit  büschelig 
gestellten  Trieben,  ausser  den  Blüthenstengeln  nichtblühende  Sprossen 
treibend.  Wurzeln  dick  spindel-  oder  rübenförmig  verdickt,  aussen 
dunkelbraun,  innen  goldgelb.  Blätter  3  kantig  oder  flach  mit  stark, 
fasl  flügelartig  vorspringenden  Mittelnerven. 
In  Europa  nur  unsere  Arten. 
I.  I.  Blüthenstand  stets  rispig,  mit  stark  verlängerten,  der  Endtraube  an 

Länge  kaum  nachstehenden,  dieselbe  oft  übertreffenden  traubigen 
Aesten. 

Gesammtart  A.  ramösus  (740,   741). 
(Die  S.  31  mitgetheilten  deutschen  und  fremdsprachlichen  Namen  beziehen  sich  speciell 

auf  diese  Gruppe.) 

740.  (1.)  A.  microcarpus 2).  2J..  Pflanze  sehr  gross  und  kräftig. 
Wurzeln  sehr  dick  knollig  bis  rübenförmig.  Stengel  aufrecht,  bis  1  m 
hoch.  Blätter  flach  mit  rückenseits  stark  vorspringendem  Mittel- 
nerven, sehr  breit-linealisch  bis  linealisch-lanzettlich,  bis  über  3  cm 
breit,  dick,  lederartig,  lang  zugespitzt.  Blüthenstand  mit  ziemlich  zahl- 
reichen Aesten,  die  Aeste  bis  über  3  dm  lang,  traubig,  ziemlich  dicht 
(die  unteren  am  Grunde  nicht  oder  nur  locker)  mit  Blüthen  besetzt, 
aufrecht  abstehend.  Blüthen  in  den  Achseln  von  häutigen,  bleichen 
bis  bräunlichen  mit  derbem  Mittelnerven  versehenen  scharf  zugespitzten 
Hochblättern,  mit  bis  über  1  cm  langen,  dünnen,  in  der  Frucht  derberen, 
dicht  über  dem  Grunde  gegliederten  Stielen.  Perigonblätter  lanzettlich 
bis  länglich-linealisch,  weisshäutig  mit  dunklem,  derbem,  an  der  Spitze 
verdicktem,  meist  röthlichen  Mittelstreifen,  stumpf.  Staubfäden  aus 
rundlich-eiförmigem,  in  der  Mitte  längsfurchigem  Grunde, 
ganz  plötzlich  verschmälert,  im  unteren  schmalen  Theile  warzig- 
rauh, kürzer  als  die   Perigonblätter.     Griffel  kürzer  oder  länger  als  die 


1)  Spanischer  Name    der  hierhergehoriirou  Arten    vgl.  Willk.  u.  Lange  Prodr. 
Fl.  Hisp.   I.  203. 

*)   Von  fiiKQÖg  klein   und   y.uQTrög  Frucht. 


Asphodelus.  33 

Perigonblätter.  Frucht  klein,  kugelig- verkehrt-eiförmig  bis  verkehrt- 
eiförmig, an  der  Spitze  eingedrückt,  meist  7 — 8  mm  (bis  etwa  1  cm) 
lang  und  5  —  6  mm  breit.     Samen  etwa  0,6  cm  lang. 

Auf  steinigen  Hügeln,  an  Abhängen,  in  Gebüschen  nur  in  der 
immergrünen  Region  des  Mittelmeergebiets:  Provence:  Hyeres,  Frejus. 
Istrien  von  Parenzo  an  südwärts!!  nebst  den  Inseln.  Kroatisches  Lito- 
rale.   Dalmatien.  Hercegovina.  Montenegro.     Bl.  Apr.,  Mai. 

A.  microcarpus  Salzm.  u.  Viv.  Fl.  Cors.  5  (1824).  Gay  Bull. 
Soc.  bot,  France  IV.  609  (1857).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  313.  Nyman 
Consp.  719.  Suppl.  300.  Richter  PI.  Eur.  I.  192.  A.  ramosus  L. 
Spec.  pl.  ed.  1.  310  (1753)  wohl  zum  grössten  Theile.  Koch  Syn. 
ed.  2.  819.  Rchb.  Ic.  X  t.  DXIV  fig.  1118.  A.  aestivus  Brot.  Fl. 
Lusit.  525  (1804).  A.  racemösus  Link  Enum.  hört.  Berol.  I.  328 
(1821).  A.  AnäibertiV)  Req.  nach  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  2.  1695 
(1830).  A.  afinis  Pari.  Fl.  It.  II.  597  (1852).  A.  infestus  Pari, 
a.  a.  O.  600  '(1852).  A.  africänus  Jord.  Bull.  SB.  France  VII.  730 
(1860).  A.  pratensis  Pourr.  Herb,  nach  Willk.  u.  Lange  Prodr.  Fl. 
Hisp.  I.  203  (1861). 

Hierher  gehören : 

B.  crinipes  (A.  crinipes  Jord.  Bull.  Soc.  bot.  France  VII.  729  [1860].  Nyman 
Consp.  789).  Fasern  der  abgestorbenen  Blätter  sehr  zahlreich,  dünn,  roth- 
braun. Blüthen  ziemlich  klein,  kurz,  die  inneren  Perigonblätter  breiter.  — 
Toulon. 

C.  litordlis  (A.  litoralis  Jord.  a.  a.  O.  [1860])  der  vorigen  ähnlich.  Rispenäste 
sehr  verlängert,  abstehend.  Hochblätter  kürzer.  Blüthenstiele  unter  der  Mitte 
gegliedert.     Staubbeutel  heller.     Samen  etwa  um  */s  kleiner.  —  Hyeres. 

Die  Pflanze  wird  vom  Vieh  meist  nicht  gefressen,  ist  daher  den  Hirten  ver- 
liasst.  Die  Stärke,  Dextrin  und  Zucker  enthaltenden  Wurzelknollen  wurden  jeden- 
falls aber  im  Alterthum  als  Nahrungsmittel  benutzt;  sie  galten  als  Todtenspeise, 
weshalb  die  Pflanze  auch  auf  Gräbern  gepflanzt  wurde.  Homer  lässt  die  Schatten 
der  Unterwelt  auf  einer  „Asphodelusvriese*  (ä(J<poöaÄ6g  Äeificov)  wandeln.  Jetzt 
wird  an  verschiedenen  Stellen  des  Mittelmeergebiets,  u.  a.  in  Italien,  Griechenland, 
Syrien  das  Pulver  der  gedörrten  Knollen  zur  Herstellung  von  Kleister  benutzt, 
Versuche,  Alkohol  im  Grossen  daraus  herzustellen,  hatten  in  Süd-Frankreich,  Spanien, 
Algerien,  Griechenland  wenig  Erfolg  weil  es  nicht  gelang  denselben  von  einem  un- 
angenehmen Beigeschmack  zu  befreien.  Näheres  bei  Wittmack,  Nat.  Fr.  Berlin 
1884.  139  s.  auch  Th.  v.  Heldreich,  Deutscher  Garten  (1881)  379. 

(Iberische  Halbinsel ;  Pyrenäen ;  Languedoc ;  Italien  einschliess- 
lich der  Inseln;  Balkanhalbinsel;  Kleinasien;  Syrien;  Nord-Africa;  Ca- 
narische  Inseln.)  |#"| 

741.  (2.)  A.  cerasifer  (südfranz.  Aledas).  2|-.  Der  Leitart  sehr 
ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Blüthen- 
stand  weniger  verzweigt,  öfter  einfach,  meist  nur  mit  wenigen  Aesten. 
Staubfäden  am  schmalen  fadenförmigen  Theile  glatt  oder  nur  ganz  am 
Grunde  etwas  warzig  rauh.  Frucht  gross,  kugelig,  etwa  1,5 
bis  2  cm  lang  und  breit. 


i)  Nach  Audibert,  Baumschulbesitzer  in  La  Tonnelle  bei  Tarascon  (Bouches 
du  Rhone),  welcher  1822  Requien  (s.  II.  1.  623  Fussn.  1)  auf  dessen  erster 
Reise  nach  Corsica  begleitete. 

Aschers on  a.  Gra ebner,   Synopsis.  III.  3 


34  Liliaceae. 

An  ähnlichen  Orten  wie  voriger,  nur  im  südwestliehen  Gebiete. 
Mit  Sicherheit  nur  in  der  Provence  und  Riviera.     Bl.  März — Mai. 

A.  cerasiferus  Gay  Bull.  »Soc.  bot.  France  IV.  (510  (1857).  Richter 
PI.  Eur.  I.  192  [cerasifer]  Loret  u.  Barrandon  Fl.  de  Montpell.  634 
(1876).  A.  ramosus  L.  a.  a.  O.  (1753)  z.  T.  Gouan  Fl.  Monsp.  40 
(17üö).    Nyman  Consp.  719.  Suppl.  300. 

In  der  Tracht  etc.  ziemlich  veränderlich.    Zu  bemerken  sind  folgende  Formen: 
B.  comösus  (A.  comoms  Jord.  Bull.  SB.  France  VII.  737   [1860]).  Hochblätter 
stark   verlängert,  in  der  Jugend  die  Knospen  schopfig  überragend.   —  Marseille 
und  Toulon. 
II.  virgdtus  (A.  virgatus  Jord.  a.  a.  O.  738  [1860]).    Pflanze  grasgrün.    Blüthen- 
Btand   verlängert  mit  zierlichen  Aesten.  —  Nimes. 
III.  g  lauce's  cens  (A.  glaucescens  Jord.  a.  a.  O.  739  [1860]).  Pflanze  stark  grau- 
grün.    Blätter   sehr   schmal.     Hochblätter  kurz  und  blase.     Frucht    sehr   gross 
18 — 20  mm  lang  und  bis  22  mm  breit.  —  Nimes. 

Eine  sehr  kräftige  Form  ist 
b.  inlidus  (A.  vdlidus  Jord.  a.  a.  O.   740  [1860].  Nyman   Consp.  719).    Pflanze 
sehr  hoch.     Blätter  breit;  Kapsel  sehr  gross,   17  -18  mm  lang  und  bis  21  mm 
breit.  —  Narbonne. 

Durch  die  braune  Farbe  der  Hochblätter  ist  ausgezeichnet 
2.  RoiixiH)  {A.  Rouxii  Jord.  a.a.O.  738  [1860]).    Staubbeutel  kurz  und  breit, 
grünt  sehr  spät.    —    Marseille  (Rom).    —    Vielleicht  eine  selbständige  Form. 

Ueber  den  Werth  der  Formen  dieser  Art  ebenso  wie  der  Verwandten  ist  es 
sehr  schwer  ein  Urtheil  zu  bilden.  Jordan  fand  bei  Culturen  in  seinem  Garten 
die  unbedeutendsten  Formen  mehr  oder  weniger  constant  und  beschrieb  sie  alle  als 
Arien  mit  zahlreichen  Merkmalen  über  deren  Werth  nur  eine  erneute  langjährige 
Cultur  Auskunft  geben  kann,  au  Herbarexemplaren  ist  ein  Urtheil  kaum  möglich. 
Wir  haben  versucht  die  wichtigeren  der  Formen  herauszuschälen  und  zu  beschreiben. 

—  Ausser  den  genannten  hat  Jordan  noch  folgende  Arten  beschrieben:  A.  protero- 
phyllus?)   (Bull.  SB.  France  VII.  737  [1860]).    Blätter  sich  im  Herbst  entwickelnd. 

—  Toulon.  —  A.  cdrsicus  (a.  a.  O.  739.  Nyman  Consp.  719.  Suppl.  300)  aus  Corsica. 
A.  austrdlis  Jord.  u.  Fourr.  Breviar.  IL  124  (1868).  A.  grandißdrus  Jord.  u.  Fourr. 
a.  a.  O.   (1868).     A.  proce'rus  Jord.  u.  Fourr.  a.  a.  O.  (IS 


(Iherische  Halbinsel;  Balearen ;  Languedoc;  Corsica;  Nord-Africa.) 

Fl 

740.  X   741.    A.  microcarpus  X  cerasifer  s.  unten. 

741.  X   742.    A.  cerasifer  X  albus?  s.  S.  37. 

Bastard. 

A.  I. 

740.  X  741.  (3.)  A.  microcarpus  X  cerasifer.  4-.  Stengel  ober- 
wärts  verzweigt  mit  kurzen  Aesten.  Blüthenstand  ziemlich  dicht,  bis 
locker.  Hochblätter  trüb-graubräunlich  werdend,  zugespitzt,  am  Grunde 
mit  rundlichen  Oehrchen.  Blüthenstiele  kurz,  in  der  Mitte  gegliedert. 
Blüthen  ziemlich  klein.    Perigonblätter  kurz,  ziemlich  breit,  hellrosa,  die 


1)  S.  II.   1.  S.  667  Fussn.   2. 

2)  Von  KQÖzeQog  früher  und  (pvAP.ov  Blatt. 


Asphodelus.  35 

inneren  länglich -eiförmig.  Staubfäden  mit  eiförmigem,  plötzlich  ver- 
schmälertem Grunde.  Staubblätter  viel  kürzer  als  der  Griffel.  Frucht 
rundlich,  stumpf-dreikantig,  etwa  1,2  cm  lang  und  breit,  mit  4 — 6  Quer- 
runzeln, am  Grunde  etwas  eingedrückt. 

Provence:  Insel  Port-Cros  bei  Hyeres  (Chambeiron).    Bl.  spät. 

A.  microcarpits  X  cerasifer  A.  u.  G.  Syn.  III.  34  (1905). 
A.  Morisiänus1)  Pari.  Fl.  Ital.  IL  296  (1852)?  Nyman  Consp.  720. 
Suppl.  300.  A.  Chambeiröni2)  Jord.  Bull.  SB.  France  VII.  736 
(1860).  A.  ämhigens  Jord.  a.  a.  O.  735  (1860).  A.  tordiflörus  Jord. 
a.  a.  O.  786  (1860).  A.  olbiensis3)  Jord.  u.  Fourr.  Breviar.  II.  122 
(1866).    A.  stoechadensis*)  Jord.  u.  Fourr.  a.  a.  O.  (1868). 

Hält  wie  Jordan  (a.  a.  O.)  bemerkt,  etwa  die  Mitte  zwischen  A.  micro- 
carpus  und  A.  cerasifer.  Ihm  nahestehend  und  deshalb  von  Jordan  in  eine 
Gruppe  („Type  A.  Chambeiröni*  Jord.  a.  a.  O.  735  [1860])  gebracht,  sind  A.  tardi- 
florus  und  A.  ambigens,  beide  aus  botanischen  Gärten,  die  auch  sehr  wohl  Bastarde 
darstellen  können. 

(Süd-Frankreich ;  Italien.)  |~| 

IL  Blüthenstand  eine  einfache  Traube  ohne  Seitenäste  oder  am  Grunde     IL 
mit  solchen,  dann  aber  die  Seitenäste  vielmal  kürzer  als  die  End- 
traube. 

742.  (4.)  A.  albus.  2J_.  Grundachse  dick.  Wurzeln  verlängert- 
rübenförmig.  Stengel  aufrecht,  meist  6  dm  bis  über  1  m  hoch.  Blätter 
linealisch,  stark  verlängert,  bis  über  6  dm  lang,  bis  etwa  1,5  cm  breit, 
durch  den  grossen  Kiel  3  kantig,  allmählich  in  die  schlanke  Spitze  ver- 
schmälert. Blüthenstand  sehr  dicht.  Tragblätter  aus  eiförmigem  Grunde 
lanzettlich,  länger  als  die  Blüthenstiele,  krautig,  fast  undurchsichtig. 
Blüthenstiele  aufrecht  bis  abstehend,  etwas  kürzer  als  die  Blüthen,  im 
unteren  Theile  bis  gegen  die  Mitte  hin  gegliedert,  oberwärts  verdickt. 
Blüthen  ansehnlich.  Perigon  trichterförmig,  mit  länglich-linealischem, 
stumpfen,  zuletzt  spreizenden,  bis  fast  3  cm  langen  Blättern  mit  grünem 
Mittelnerven.  Staubfäden  aus  länglich-dreieckigem  Grunde 
allmählich  verschmälert,  erheblich  länger  als  die  Perigonblätter. 
Griffel  zur  Zeit  des  Ausstäubens  des  Pollens  hakig  zurückgebogen,  sich 
später  streckend.  Frucht  breit-eiförmig,  etwa  1 — 5  cm  lang,  6  eckig, 
etwa  6 — 10  mm  breit,  mit  meist  7 — 8  Querrunzeln.  Samen  etwa  6  mm 
lang,  scharf-dreikantig. 

An  grasigen  Orten,  auf  Weiden,  an  buschigen  Abhängen  besonders 
in  Gebirgslagen  des  südlichen  Alpengebiets,  in  Wallis  1100 — 2000  m 
(Jaccard  347),  in  Tirol  1000—1600  m  (Sarnthein  br.),  in  Pro- 
vence,   Riviera,    Dauphine,    Savoyen,    Wallis,    Tessin,    Süd-Tirol,    Lom- 


i)  S.  II.  1   S.  264  Fussn.  2. 

2)  Nach  einem  Herrn  Chambeiron  in  Toulon,    der  für  Jordan  sammelte 
(Saint-Lager   br.). 

3)  S.  II.  2.  S.   186  Fussn.   1. 

4)  Auf    den    Hyeresischen    Inseln    (im  Alterthum    2iot%d8££    vfjaoi   s.    II.  2. 
S.  497  Fussn.   1)  gefunden. 

3* 


36  Liliaoeae. 

bardisch-Venetianische  Alpen,  Krain,  Küstenland,  Kroatien,  Süd-Steier- 
mark bei  Cilli  (Heinricher  N.  V.  Steierm.  XXV.  CII),  SW. Ungarn 
in  den  Comitaten  Kaab,  Eisenburg,  Veszprim!  Zala  und  Somogy,  in 
Bosnien,  Hercegovina,  Dalmatien  und  Montenegro.  Die  Angabe  im  öst- 
lichen Ungarn    schwerlich    richtig    (s.  Neilreich  55).     Bl.  Mai,  Juni. 

A.  albus  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  3  (1768).  Koch  Syn.  ed.  2. 
819.  Nyman  Consp.  719.  Suppl.  300.  Richter  PL  Eur.  I.  192.  Rchb. 
Ic.  X  t.  DXV  fig.  1119.  A.  Deseglisei1)  Jord.  u.  Faurr.  Breviar. 
II.  121  (1868).  A.  macrocärpus  Pari.  Fl.  Ital.  IL  603  (1852).  Nyman 
Consp.   720? 

Eiuigermassen  veränderlich,  sowohl  in  der  Grösse  als  in  der  Breite  der  Blätter, 
der  Blüthenform  und  Grösse  etc.    Bemerkenswerth  erscheinen: 

A.   Frucht  mittelgross  etwa  1  cm  lang,  eiförmig-elliptisch.    Blüthenstand 
sehr  dicht. 

D  e  1  p  h  i  n  e  n  s  i  s  2).  Blätter  ziemlich  breit,  kurz,  lebhaft 
graugrün.  Hochblätter  kurz  zugespitzt.  Blüthenstiele  angedrückt, 
unter  der  Mitte  undeutlich  gegliedert.  Perigonblätter  bleich,  lange 
bleibend,  die  inneren  an  der  Spitze  schwach  gezähnt.  Staubblätter 
am  Grunde  lanzettlich  mit  rothgelben  Staubbeuteln,  etwa  so  lang 
als  das  Perigon.  Frucht  schwach-kantig,  etwa  1,2  cm  lang  und  9 
bis  10  mm  breit  mit  6 — 8  Querrunzeln. 
In  den  westlichen  Alpen  mehrfach. 

A.  albus  A.  Delphinensis  A.  u.  G.  Syn.  III.  36  (1905).  A.  Bel- 
phinensis  Gren.  u.  Godr.  Mein.  Soc.  emul.  Doubs.  2.  Ser.  VI  f.  1854. 
13  (1855).  A.  subalpinus  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  224  (1855). 
Jordan  Bull.  Soc.  bot.  France  VII.  732  (1860).    Nyman  Consp.  720. 

Hierher  gehören : 
I.  monticola  (A.  monticola  Jord.  a.  a.  O.  733  [1860]).  Mehr  hellgrün. 
Blüthenstiele  etwa  in  der  Mitte  gegliedert.  Frucht  kleiner,  rundlich.  —  Mont 
Seüse  bei  Gap. 
II.  Ozanön  £3)  (A.  Ozanoni  Jord.  a.  a.  O.  [1860]).  Blätter  schmal.  Blüthen- 
stiele über  die  Mitte  gegliedert.  Kapsel  klein,  rundlich,  fast  stielrund.  — 
Aude. 

B.    Kapsel    1,2 — 1,5  cm    lang.     Blüthenstand  etwas  dicht  oder   locker. 
I.  Blüthenstiele  deutlich  unter  der  Mitte  gegliedert. 

a.  typicus.  Blüthenstand  dicht  oder  etwas  locker.  Blüthenstiele  unter  der 
Mitte  gegliedert.  Perigonblätter  weiss.  Frucht  breit-eiförmig  mit  7 — 8 
Querrunzeln.  —  Die  verbreitetste  Form.  —  A.  albus  B.  I.  a.  typicus 
A.  u.  G.  Syn.  III.  36  (1905).  —  Hierzu  gehört 

2.  neglectus  (A.  neglectus  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1.  488  [1829]. 
Koch  Syn.  ed.  1.  709  vgl.  ed.  2.  819).  Blüthenstand  am  Grunde  ver- 
zweigt. —  Mitunter  mit  dem  Typus. 

b.  occiden t ;ilis.  Blüthenstand  etwas  locker.  Blüthenstiele  unter  der  Mitte 
gegliedert,  oberwärts  allmählich  verbreitert,  oft  kürzer.  Perigonblätter 
etwas  rosa  gefärbt.  Frucht  eiförmig-elliptisch,  fast  stielrund  mit  5 — 6 
Querrunzeln.  —  Bretagne:  Ille-et-Vilaine.  —  A.  albus  A.  I.  b.  occidentalis 
A.  u.  G.  Syn.  III.  36  (1905).     A.  occidentalis  Jord.  a.  a.  O.  731  (1860). 

i)  S.  VI.   1.  S.   179  Fussn.   1. 

2)  S.  VI.   1.  S.  773  Fussn.   1. 

3)  S.  VI.   1.  S.  314  Fussn.   1. 


Asphodelus,  37 

II.  Blüthenstiele  in  der  Mitte  gegliedert. 

Pyrenaicus.  Blüthenstand  locker.  Staubfäden  am  Grunde  lanzettlich, 
bis  zur  Mitte  warzig-rauh.  Frucht  rundlich-elliptisch  mit  5 — 6  Querrunzeln. 
—  Bisher  nur  in  den  Pyrenäen.  —  A.  albus  A.  II.  Pyrenaicus  A.  u.  G. 
Syn.  III.  37  (1905).     A."  Pyrenaicus  Jord.  a.  a.  O.  732  (1860). 

(Verbreitung  der  Rasse:  West-  und  Südwest-Frankreich;  Pyrenäen.) 

¥| 

In  ihrer  Stellung  einigermassen  zweifelhaft,  am  besten  hier  als  Unterart  (oder 
Rasse)  anzugliedern  sind : 

B.  A.  Villa rsii1).  Stengel  meist  einfach  oder  schwach  ver- 
zweigt. Blüthenstand  dicht  oder  etwas  locker.  Hochblätter  dunkel- 
braun. Blüthenstiele  in  oder  etwas  unter  der  Mitte  gegliedert.  Frucht 
grösser,  rundlich-eiförmig,  meist  1,7 — 1,9  cm  lang,  tief  grün,  mit  7 — 8 
Querrunzeln. 

Seealpen,  hier  nachArdoino  382  bis  1200  m  ansteigend;  in  der 
Dauphine  zerstreut!  Savoyen   (Saint-Lager  Cat.   710). 

A.  Villarsii  Verlot  in  Bill.  Ann.  109  (1855).  Jord.  Bull.  SB. 
France  VII.  734  (1860).  A.  cerasiferus  intermedias  Gay  Bull.  SB. 
France  V.  252  (1858).  A.  cerasiferus  b)  Villarsii  Richter  PI.  Eur. 
I.  92  (1890). 

Steht  wie  Jordan  a.  a.  O.  bemerkt,  entschieden  dem  A.  albus  näher  wegen 
seiner  ganzen  Tracht,  seiner  meist  unverzweigten  Blüthenstände,  der  dunklen  Hoch- 
blätter und  der  dunkelgrünen  Früchte.  Vielleicht  z.  T.  ein  Bastard  A.  cerasiferus  X 
albus.  Zu  dieser  Unterart  gehört  wohl  auch  die  von  Bicknell  (Fl.  Bordigh.  277) 
als   „intermediate  between  A.  albus  and  A.  cerasiferus"   bezeichnete  Pflanze. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Apenninen?  vgl.  Jordan  a.  a.  O.  735.) 

C.  A.  sphaevoctirpus.  %.  Stengel  aufrecht,  bis  über  1  m  hoch,  ein- 
fach, selten  oberwärts  mit  kurzen  Aesten.  Hochblätter  lanzettlich,  so  lang  oder 
länger  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstiele  aufrecht  bis  fast  augedrückt,  an  der 
Spitze  etwas  verdickt,  im  unteren  Drittel  gegliedert.  Frucht  klein, 
fast  kugelig,  etwa  7  mm  lang  und  breit,  an  der  Spitze  abgerundet  mit  4 — 5 
Querrunzeln. 

Bisher  nur  im  westlichen  Frankreich. 

A.  sphaerocarpus't)  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  225  (1855).  Jord.  Bull.  SB. 
France  VII.   131   (1860).    Nyman  Consp.  719. 

Diese  Pflanze  ist  bemerkenswerth,  weil  sie  in  fast  allen  Theilen  zwischen  A. 
microcarpus  und  A.  albus  steht,  so  dass  man  geneigt  wäre  sie  als  Bastard  beider 
anzusehen,  eine  Aunahme,  die  aber  in  der  geographischen  Verbreitung  der  Arten 
keine   Stütze   findet. 

(Verbreitung  der  Art:  Spanien;  Pyrenäen;  Süd-  und  West-Frank- 
reich; Italien.)  !j7| 

140.  X    142.    A.  microcarpus   X   albus???  s.  oben. 

141.  X   142.    A.  cerasifer  X  albus?  s.  oben. 


i)  S.  I.  S.  261   Fussn.   1   und  II.   1.  S.  422  Fussn.  4. 
2)  Von  oyaiQU  Kugel  und  y.aQ7iög  Frucht. 


Liliaceae. 

B.  B.  Ve rinea1)  (Pomel  Mat.  Fl.  Atl.  1  [1860]  als  Gatt.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XV.  2  [1876].  Boiss.  Fl.  Or.  V.  314  als  Section.  Ophio- 
prason2)  Salisb.  Gen.  pl.  72  [1866J.)  Pflanze  nur  einmal  bühend. 
Grundachse  sehr  klein,  kurz,  keine  nichtblühenden  Sprosse  neben  dem 
Blüthen Stengel  treibend.  Wurzeln  dünn.  Blätter  binsenartig,  röhren- 
förmig. 

In  Europa  nur  unsere  Arten. 

743.  (5.)  A.  flstulÖSUS.  O,  0  bis  O — O  (3  jährig).  Stengel  einzeln 
oder  zu  mehreren  aufrecht  oder  aufsteigend,  meist  2 — 4  dm  hoch,  mehr 
oder  weniger  reich  verzweigt.  Blätter  zahlreich,  schmal-linealisch, 
schwach  dreikantig,  unterseits  gekielt,  an  den  Rändern  etwas  rauh, 
pfriemlich  zugespitzt,  aufrecht,  viel  kürzer  als  der  Stengel.  Blüthen- 
stand  mit  verlängerten,  in  lockeren  Trauben  endigenden,  aufrechten 
oder  fast  aufrechten  Aesten,  selten  (an  schwachen  Individuen)  eine  ein- 
fache Traube  darstellend.  Hochblätter  aus  breiterem  Grunde  lanzett- 
lich,  lang  zugespitzt,  häutig,  so  lang  oder  kürzer  als  der  Blüthenstiel. 
Blüthenstiele  etwa  in  der  Mitte  gegliedert,  erheblich  kürzer 
als  die  Blüthe.  Blüthen  weiss  oder  rosa  bis  etwa  2  cm  im  Durch- 
messer. Perigon  in  der  Blüthe  fast  flach  ausgebreitet,  mit 
elliptischen,  stumpfen,  mit  einem  grünen  bis  purpurnen  Mittelstreifen 
versehenen  Blättern.  Staubfäden  aus  länglichem  behaarten  Grunde,  plötz- 
lich verschmälert,  nach  der  Spitze  zu  spindelförmig  verdickt.  Frucht  auf 
oberwärts  stark  verdicktem,  etwa  doppelt  so  langem  Stiele,  kugelig,  etwa 
5 — 7  mm  lang,  auf  jeder  Klappe  mit  2 — 3  Querrunzeln.  Samen  etwas 
glänzend,  am  Rücken  mit  2 — 3  Furchen,  seitlich  mit  je  2 — 3  Gruben. 

Auf  Aeckern,  an  Wegen,  an  steinigen  Abhängen,  besonders  in 
der  Nähe  der  Küsten,  nur  im  Mittelmeergebiete.  Provence;  Riviera. 
Am  Gardasee  und  um  Verona.  Süd-Istrien  (vielleicht  von  da  nach  dem 
Campo  Marzio  bei  Triest!  verschleppt,  dort  lange  beobachtet  aber  neuer- 
dings verschwunden  (Marchesetti  Fl.  Trieste  570).  Dalmatien!  Herce- 
govina.     Bl.  März  bis  Mai. 

A.  fistulosus  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  309  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
819.  Nyman  Consp.  720.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  314.  Richter  PI.  Eur.  I. 
193.  Rchb.  Ic.  t.  DXIII  fig.  1117.  Asphodeloidcs  ramösa  Moench 
Meth.  634  (1794).  Verinea  fistulosa  Pomel  Mat.  Fl.  Atl.  2  (1860). 
Ophiöprason2)  fistulosum  Salisb.  Gen.  pl.  72  (1866). 

Aendert  ab 
B.    grandif lorus.     Blüthen  um  ein  Drittel  grösser.     Staubfäden  auf 
dem  Rücken  etwas  behaart.     Früchte  oft  zurückgebogen. 
Marseille  (Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  223).' 
A.  fistulosus  ß.  grandifiora   Gren.  u.   Godr.   Fl.  France  III. 
223    (1855).     A.  approximätus   Gren.    u.  Godr.   a.  a.  O.    (1855). 
Nyman   Consp.    721.     A.  fistulosus  b)  approximätus   Richter   PI. 
Kur.   I.    193  (1890). 

1)  Pomel  giebt  a.  a.  O.  über  den  Grund  dieser  Benennung  nichts  an;  nach 
Trabut  (br.)  hat  er  die  Gattung  einein  Freunde  gewidmet. 

2)  Von  ötpig  Schlange  und  ttqüoov  Lauch. 


Asphodelus.     Asphodeline.  39 

(Verbreitung  der  Rasse:  Corsica.) 

(Verbreitung  der  Art :  Iberische  Halbinsel;  Languedoc;  Italien  ein- 
schliesslich der  Inseln,  Balkanhalbinsel  einschliesslich  der  Inseln;  Klein- 
asien; Cypern;  Syrien;  Nord-Afriea.)  pT| 

f  A.  tennifölius.  0.  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch 
Folgendes  verschieden :  Stengel  meist  aufrecht,  am  Grunde  etwas  3kantig,  rauh, 
meist  verzweigt.  Blätter  sehr  dünn,  schmal-liuealisch  in  eine  pfriemliche  Spitze 
verschmälert,  fast  halbstielrund,  am  Rande  deutlich  rauh,  viel  kürzer  als 
der  Stengel.  Blüthenstand  mit  zuletzt  sehr  stark  verlängerten  Aesten.  Huchblätter 
aus  breit  dreieckigem  Grunde  zugespitzt.  Blüthen  stiele  unter  der  Mitte 
gegliedert.  Blüthen  weiss,  viel  (um  die  Hälfte  oder  mehr)  kleiner. 
Perigon  in  der  Blüthe  glockig,  mit  mit  purpurnem  Mittelstreifen  versehenen 
Blättern.  Staubfäden  aus  eiförmigem  Grunde  plötzlich  verschmälert.  Frucht 
klein,  kugelig  eiförmig.  Samen  fein  punktirt,  nicht  glänzend,  am  Rücken  mit 
2 — 3  Querfurchen,  seitlich  mit  je  3 — 4  Gruben. 

Von  den  Canarischen  Inseln  und  Madeira  über  das  ganze  südliche  Mittelmeer- 
gebiet (in  Europa  nur  in  Spanien,  Linosa  und  Griechenland)  und  dem  Orient 
bis  nach  Indien,  auch  auf  Mauritius,  bei  uns  nur  mit  Getreide  eingeschleppt  unter 
dem  Wittmack  den  Samen  nachwies  (vgl.  Asche rson  in  Potonie  Naturw. 
Wochenschrift  IX  [1894]  18).  Niederlande  bei  Amersfort,  Hilversum,  Dortrecht, 
Maastricht  (Heukels  Schoolflora  9.  Druk  108  als  A.  fixtulosus !).  Belgien:  Verviers. 
Hamburg.  Berlin :  Tegeler  Strasse ;  Rüdersdorf,  hier  in  solcher  Menge,  dass  die 
Pflanze  von  den  Anwohnern  bemerkt  und  als  „wilder  Lauch"  bezeichnet  wurde 
(R.  und  O.  Schulz!!).  Mannheim!  vgl.  Hock  Bot.  Centr.  Beih.  XV.  406.  Bl. 
April,  Mai,  bei  uns  später,  oft  erst  August,  September. 

A.  tenuifolius  Cav.  An.  Cicnc.  nat.  III.  46  t.  27  (1801).  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
314.  Nyman  Consp.  720.  Suppl.  301.  A.  intenncdius  Hörnern.  Hort,  Hafn.  Suppl. 
131  (1819)?  A.  aeslivus  Rchb.  PI.  crit.  t.  451  (1827)  nicht  Brot,  A.  microcdrpus 
Rchb.  Ic.  X.  30  t.  DXIII  fig.  1116  (1848)  nicht  Viv.  Verinea  tenuifolia  Pomel 
a.  a.  O.  2  (1860).     A.  fistulosits  c)  tenuifolius  Richter  PI.  Eur.  I.   193  (1890). 

Von  der  vorigen  ausser  durch  die  absolute  Einjährigkeit,  leicht  durch  die  an- 
gegebenen Merkmale  von  denen  die  Kleinheit  der  Blüthen  das  auffälligste  ist,  zu 
unterscheiden. 

156.  ASPHODELINE1). 

(Rchb.  Fl.  Germ.  exe.   116  [1830J.  Nat.  Pfl.  II.  5.  31.  Heroion2)  Raf. 

Fl.  Tellur.  IV.    12    [1836].     Asphodelus   Sect.  II.    Coleophylli   Koch 

Syn.  ed.   1.  710  [1837]  ed.  2.  819.) 

(Junkerlilie;    kroat. :  Zlatoglav,  Pecak.) 

S.  S.  31.  Meist  ausdauernde  (so  bei  uns)  oder  zweijährige,  selten 
einjährige  Arten  mit  oft  fleischigen,  rübenförmigen  Wurzeln.  Stengel 
blattlos  oder  z.  T.  oder  ganz  beblättert,  Blüthenstand  eine  einfache 
Traube  oder  aus  Trauben  zusammengesetzte  Rispe.  Perigonblätter  in  der 
Blüthe  abstehend,  einnervig,  am  Grunde  kurz  verbunden,  das  unterste 
von  den  übrigen  abstehend,  schmäler,  am  Grunde  mehr  verschmälert. 
Staubfäden  am  Grunde  verbreitert,  den  Fruchtknoten  bedeckend,  dann 
verschmälert,  gebogen  aufsteigend,  die  äusseren  oft  viel  schmäler.  Staub- 
beutel der  inneren  längeren  Staubblätter  viel  grösser,  elliptisch-linealisch, 

1)  dacpoöeÄivtj  bei  Lukianos  von  ^4sp/iO(/e/«s-Stengeln  gemacht,  von  einem 
Schiffe  gesagt. 

2)  ijodjios  =   i/QöJog  auf  einen  Heros  bezüglich. 


4U  Liliaceae. 

in  der  Mitte  des  Rückens  augeheftet,  die  der  äusseren  eiförmig,  Behr 
klein  (fehlschlagend?)  am  Grunde  angeheftet,  dort  oft  verdickt.  Frucht- 
knoten 3 fächerig  mit  je  2  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Griff el  faden- 
förmig mit  kopfförmiger  Narhe. 

14  Arten  im  Mittelmeergebiete  und  im  Orient.  Man  unterscheidet  2  Sectionen, 
von  denen  B.  Dendrasphodc'l ine  > )  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XV.  274  (1876J) 
mit  oberwärts  verzweigtem  Stengel  nur  asiatische  Arten  umfasst,   bei  uns  nur: 

\.  Borydium  3)  (Salisb.  Gen.  of  pl.  72  [1866]  als  Gatt.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XV.  •_>7:>  [1876]  als  Sect.).  Blüthenstand  eine  einfache 
Traube.  Staubblätter  sehr  ungleich  lang.  Blüthen  bei  unseren 
Arten  gell). 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch  A.  Tavrica  (Kunth  Euum.  IV. 
561  [184:;].  Asphodelus  tauricus  Pall.  Nov.  Act.  Petrop.  X.  309  [1792]  M.  I'.. 
Fl  Taur.  Cauc.  I.  279  [1808])  in  Bulgarien,  auf  der  Krim  und  in  Vorderasien 
und  die  etwas  fragliche  A.  parvi/ldr a  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XV.  27G 
[1877])  in   der  Türkei. 

744.  (1.)  A.  lutea.  2[.  Wurzeln  fleischig,  cylindrisch  bis  lang 
rübenförmig.  Stengel  kräftig,  aufrecht,  meist  6 — 8  dm  hoch,  in  seiner 
ganzen  Länge  bis  zum  Blüthenstan  de  dicht  beblättert. 
Blätter  schmal-linealisch,  pfriemenförmig,  dreikantig,  glatt,  am  Grunde 
in  eine  Scheide  verbreitert,  allmählich  zugespitzt.  Blüthenstand  dicht, 
lang.  Hochblätter  eiförmig,  zugespitzt,  dünnhäutig,  weisslieh,  mit  dunklen 
Mittelstreifen,  länger  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstiele  aufrecht,  unter 
der  Mille  gegliedert.  Perigonblätter  länglich-lanzettlich,  gelb  mit  grünem 
Mittelstreifen.  Staubblätter  sehr  ungleich,  lang,  die  inneren  etwa  so  lang 
als  die  Perigonblätter,  die  äusseren  etwa  halb  so  lang.  Griffel  an  der 
Spitze  etwas  verdickt,  gebogen,  etwas  länger  als  die  Perigonblätter. 
Frucht  gross,  kugelig,  etwa  1,5  cm  lang,  grob  und  unregelmässig  runzelig. 

An  felsigen  Orten,  zwischen  Gerolle  im  Gebüsch.  Nur  im  Küsten- 
gebiet der  Adria,  in  Süd-Istrien !  (von  da  nach  dem  Campo  Marzio  bei 
Triest  verpflanzt!)  und  den  Inseln,  im  Kroatischen  Litorale,  in  Dal- 
matienü  Hercegovina  und  Montenegro.     Bl.  April,  Mai. 

A.  lutea  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  116  (1830).  Ic.  X  t.  DXVII  fig. 
1121.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  316.  Nyman  Consp.  720.  Suppl.  301.  Richter 
PI.  Eur.  I.  193.  Asphodelus  kdeus  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  309  (1753). 
Koch  Syn.  ed.   2.   819. 

(Italien;  Balkanhalbinsel;  Krim;  Kleinasien;  Kaukasusländer; 
Syrien;    Algerien.)  [*"} 

745.  (2.)  A.  Libürnica3).  2J-.  Wurzeln  ziemlich  dick,  cylindrisch, 
allmählich  zugespitzt.  Stengel  aufrecht,  schlank,  meist  4 — 6  dm  hoch, 
im  unteren  Drittel  oder  bis  etwa  zur  Mitte  beblättert,  ober- 
wärts blattlos.  Blätter  dünn,  fadenförmig,  schmal  pfriemlich, 
dreikantig,    allmählich   zugespitzt,    an    den  Rändern    rauh.     Blüthen- 

•  )  Von  öt'rÖQor  Baum  und  Asphodeline. 

*)  Deminutiv   von  Söuv  Spie>s 

3)  Libumi,  Illyrischer  Stamm  am  heutigen  Quaruerischeu  Meerbusen. 


Asphodeliue.     Paiadisia.  41 

stand  eine  etwas  lockere,  einfache  Traube,  selten  am  Grunde  spärlich 
ästig.  Hochblätter  klein,  dreieckig-eiförmig,  zugespitzt,  mit  langer,  dünner 
Spitze,  ohne  die  Spitze  viel  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthen  einzeln 
oder  zu  zweien  stehend.  Blüthenstiele  aufrecht,  dicht  über  dem  Grunde 
gegliedert.  Perigonblätter  linealisch-lanzettlich,  gelb  mit  grünem  Streifen. 
Staubblätter  sehr  ungleich  lang,  die  inneren  etwas  kürzer  als  die  Perigon- 
blätter, die  äusseren  über  halb  so  lang.  Frucht  kugelig  querrunzelig. 
Samen  ausser  den  Querfurchen  fein  runzelig. 

In  Wäldern,  in  Gebüschen,  auf  Weiden,  an  Abhängen  und  auf 
Geröll,  ebenfalls  nur  im  Adriatischen  Küstengebiet;  Süd-Istrien ;  Kroa- 
tisches Litorale !  Dalmatien !  Montenegro.    Bl.  Mai,  Juni. 

A.  Libumica  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  116  (1830).  Ic.  X  t.  DXVI 
fig.  1120.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  316.  Nyman  Consp.  720.  Suppl.  301. 
Richter  PI.  Eur.  I.  193.  Asphodelus  liburnicus  Scop.  Fl.  Garn.  ed.  2 
I.  245  (1772).  Koch  Syn.  ed.  2.819.  Asphodelus  creticus  Lam.  Encycl. 
I.  300  (1783).  Asphodelus  tenüior  Fisch.  Cat.  Hort.  Gor.  1812.  9.  As- 
phodelus capillaris  Red.  Lil.  t.  380  (1813).  Asphodelus  aesüvus  Brign. 
Stirp.  rar.  I.  5  (1816).  Asphodeline  capillaris  Kunth  Enum.  IV.  562 
(1841).    Asphodeline  cretica  Vis.  Fl.  Dalm.  I.  172  (1842). 

Von  voriger  ausser  durch  den  viel  lockereren  Blüthenstand  durch  den  schlankeren 
Wuchs  und  besonders  den  oberwärts  unbeblätterten  Stengel  sehr  leicht  zu  unterscheiden. 

(Süd-Italien;  Balkanhalbinsel;  Kreta;  Rhodos;  Cypern.)  Y*\ 

157.  PARADISIA1). 

{[Paradisea]  Mazzucato  Viagg.  alle  Alp.  Giul.  27  [1811].  [ParadisiaJ 
Bertol.  Fl.  Ital.  IV.  132.  Nat.  Pfl.  II.  5.  32.  Gzäckia2)  Andrz. 
Czackia  [1818].  Allobrögia3)  Tratt.  Fl.  Oesterr.  Kaiserth.  IL  71  [1820]. 
Lüiästrum 4)  [Tourn.  Instit.  369  t.  194.  Ludwig  Defin.  gen.  pl.  63 
(1737)].  Link  Handb.  I.  173  [1829].  Alloborgia  Steud.  Nomencl. 
ed.  2.  I.  55    [1840].     Hyperögijneb)   Salisb.  Gen.   of  pl.  81    [1866]). 

(Trichterlilie;  it.:   Giglio  di  monte.) 

S.  S.  31.   Charakter  der  Art, 

746.  P.  liliastrum.  2\-.  Wurzeln  ziemlich  dünn,  Grundachse 
kurz,  Stengel  aufrecht,  schlank,  meist  3  —  4  dm  hoch,  unbeblättert, 
Blätter  linealisch,  grasartig,  am  Grunde  in  eine  Scheide  verbreitert,  all- 
mählich zugespitzt,  glatt,  flach,  meist  nicht  über  5  mm  breit.  Blüthen- 
stand locker,  meist  wenigblüthig,    meist  mit  3 — 4,    selten  bis  gegen   20 


i)  Nach  dem  Grafen  Giovanni  Paradisi,  *  1760  f  26.  Aug.  1826  Modena, 
Senator  daselbst,  Gönner  Mazzucato's. 

2)  S.  VI.   1.  S.  50  Fussn.   1. 

3)  Allobroges,  Gallischer  Stamm  an  der  oberen  Rhone.  Die  Pflanze  wurde 
von  Clusius  von  der  Grande  Chartreuse  bei  Grenoble  als  Phalangium  allobrogicum 
hiajns  beschrieben. 

4)  Von  Tournefort  gebildet  aus  Lilium  und  dem  Suffix  astrum  S.  I.  S.  '211 
Fussn.  3. 

ä)  Von  vneQ  über   und  yvvt'j  Weib. 


42  Liliaceae. 

Blüthen.  Hochblätter  aus  eiförmigen,  halbstengelumfassenden  Grunde 
allmählich  zugespitzt,  mehrmals  Langer  als  die  Blüthenstiele,  oft  länger 
als  die  Blüthe.  Blüthen  sehr  ansehnlich,  ziemlich  kurz  gestielt,  trichter- 
förmig. Perigonblätter  aus  schmalem  Grunde  lanzettlich,  obcrwärts 
ziemlich  plötzlich  verschmälert,  spitz,  meist  etwa  5  cm  lang,  mit  3  an 
der  Spitze  wieder  zusammenlaufenden  Nerven.  Staubblätter  ungleich  lan»;, 
alle  viel  kürzer  als  die  Perigonblätter.  Griffel  etwa  so  lang  als  die 
Perigonblätter,  obcrwärts  verbreitert.  Frucht  eiförmig  bis  länglich- 
eiförmig,  etwa  1,3  cm  lang,  querrunzelig. 

Auf  Weiden  und  Triften,  an  buschigen  Hängen  der  West-  und 
Süd-Alpen,  in  Wallis  von  1000  —  2400  m  (Jaccard  348),  in  Tirol 
950 — 1800  m  (Sarnthein  br.).  Verbreitet  von  den  See- Alpen  bis 
Savoyen,  Schweiz!  (auch  im  Jura  auf  der  Dole!),  in  der  Lombardei; 
Süd-Tirol!  Venetien ;  Kärnten  und  Krain.  Ueber  die  völlig  unwahr- 
scheinliche Angabe  in    Polen    s.    Rostafinski    111.     Bl.   Juni,  Juli. 

P.  Liliastrum  Bert.  Fl.  It.  IV.  133  (1839).  Koch  gyn.  ed.  2. 
820.  Nyman  Consp.  718.  Suppl.  300.  Richter  PL  Eur.  I.  193. 
Hemerocallis  Liliastrum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  324  (1753).  Anthericum 
Liliastrum  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  445  (1762).  Ornithögalum  liliiförme 
Lam.  Fl.  Franc.  III.  278  (1778).  Phalänqium  Liliastrum  Red.  Lil. 
V  t.  255  (1809).  Paradisea  hemeroanthericoides A)  Mazzuc.  Viagg. 
alp.  Giul.  27  (1811).  Czäckia  Liliastrum  Andrz.  Czackia  (1818). 
R.  u.  S.  Syst,  Veg.  VII.  424.  Koch  Syn.  ed.  1.  710.  Rchb.  Ic  X 
t.  DIX  fig.  1111.    Liliastrum  album  Link  Handb.  I.  173  (1829). 

Eine  der  schönsten  Pflanzen  unserer  Flora,  durch  die  grossen  weissen  an 
Lilium  oder  Hemerocallis  erinnernden  Blüthen  in  dem  einerseitswendigen  Blütuen- 
stande  sehr  auffällig. 

(Iberische  Halbinsel;  Pyrenäen;  Apenninen.)  \$T\ 

*   EREMURUS2). 

(M.  Bieb.  Cent.  PI.  Boss.  t.  61  [1818].  Fl.  Taur.  Cauc.  III.  269.  Boiss.  Fl.  Or. 
V.  321.  Nat.  Pfl.  II.  5.  32.  Henningia*)  u.  Ammolirion*)  Kar.  u.  Kir.  Bull. 
Soc.  nat.  Mose.   XV.  515    [1892].     Seldnia^)   Begel    Bull.    Soe.   nat.  Mose.  XLI.    1. 

457  [1868]). 

(Steppenlilie;  russ. :   IiriipillIlT..) 

S.  S.  31.  Ausdauernde,  ansehnliche  bis  6ehr  grosse  Kräuter  mit  kurzer,  off 
dicker  (Irundachse.  Blätter  linealisch,  verlängert.  Blüthenstand  eine  reichblüthige, 
(lichte,  anverzweigte  Traube.  Blüthenstiele  sehr  oft  gegliedert.  Blüthen  weiss  oder  gell». 
Perigou  trichterförmig,  mit  am  Grunde  etwas  verbundenen,  öfter  etwas  ungleich 
gestalteten  einnervigen   oder  am  Grunde  3 — 5  nervigen  Blättern.     Staubbeutel    über 


i)   Wohl  eine  Art   „Telegramm-Adresse"   aus  Hemerocallis  und  Anthericum. 

2)  Von  eQ7if.iog  Einöde,  Wüste  und  ovqü  Schwanz. 

'•'>)  Nach  Johann  Henning,  f  um  1810,  Vicedirector  der  Gartenbaugesell- 
schaft in  Moskau,  welcher  daselbst  und  am  Don  botanisierte  (Lindemann  Soc. 
Imp.  Nat.  Mose.  LX.  303). 

*)  Von  äpfiog  Saud  und   AeiQiov  Lilie. 

ä)  Nach  Alexander  Alexjewitsch  Selenoi  (spr.  Selonoi),  f  9./21.  März  1880, 
General-Adjutant,  1862 — 72  Minister  der  Reichsdomänen  (B.  Fedtschenko  br.), 
Gönner  und   Beschützer  der  Naturwissenschaften  (E.  Regel). 


Paradisia.     Eremurus.  43 

dem  Grunde  in  einer  kleinen  Vertiefung  angeheftet.  Fruchtknoten  dreifäeherig  mit  2 — 4 
Samenanlagen  in  jedem  Fach.  Griffel  fadenförmig,  während  der  Anthese  herabgebogen, 
mit  punktförmiger  Narbe.  Kapsel  dünn  lederartig.  Samen  scharf  dreikantig,  mit 
mehr  oder  weniger  geflügelten   Seiten. 

Etwa  18  Arten  in  West-  und  Mittel- Asien,  besonders  in  Persien  und  Turkestan, 
fast  alle  auf  Steppen.     Eine  Reihe  von  Arten  sind  bei  uns  in  Gärten. 

In  Europa  ausser  dem  unten  erwähnten  E.  spcctdbilis  nur  noch  E.  Tauricus 
(Stev.  Bull.  Soc.  nat.  Mose.  IV.  253  [1832].  E.  speetabilis  var.  tauricus  Ave-Lallem. 
Ind.  sem.  hört.  Petrop.  XI.  68  [1845])  in  der  Krim  und  E.  Inder iensis  (Regel 
Gartenflora  XXII  [1873]  259)  in  der  Kaspischen  Steppe. 

A.  Blüthen  weiss  oder  rosafarben. 

Hierher  gehören  noch  E.  Korolköwi^)  (Regel  Act.  Hort.  Petr.  III.  116 
[1875])  mit  hellrosa  Blüthen  und  der  weissblühende  E.  Olgae*)  (Regel  Garten fl. 
XXII.  260  [1873])  mit  rauhen   zurückgekrümmten  Blättern. 

*  E.  robüstus.  91.  Stengel  sehr  hoch  bis  über  2,5  m  lang.  Blätter  ziemlich 
zahlreich  bis  7  dm  lang  und  1  dm  breit,  lebhaft  grün.    Blüthen  weiss  oder  fast  weiss. 

In  Turkesian  heimisch,  neuerdings  häufiger  gepflanzt.  Bei  weitem  die  grösste 
aller  Arten. 

E.  robüstus  Regel  Gartenfl.  XXII.  257  (1873).  Bot.  Mag.  t.  6726.  Henningia 
robusta  Regel  Bull.  Soc.  nat.  Mose.  XLI.   1.  457  (1868). 

*  E.  Himaläicus.  9| .  Stengel  meist  nicht  über  4 — 5  dm  hoch.  Blätter  zu- 
gespitzt, glatt,  etwa  2 — 3  dm  lang.  Traube  sehr  dicht.  Blüthen  weiss,  sternförmig 
ausgebreitet. 

Im  Himalaja  heimisch,  seit  lange  in  Gärten. 

E.  himalaicus  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XV.  283  (1876).  Gard.  Chron.  N.  S. 
XVI.   49. 

B.  Blüthen  gelb  oder  bräunlich. 

*  E.  speetäbilis.  Dl.  Stengel  bis  etwa  6  dm  hoch.  Blätter  breit-linealisch, 
spitz,  an  den  Rändern  rückwärts  rauh,  etwas  kürzer  als  der  Stengel.  Traube  ver- 
längert, cylindrisch,  vielblüthig,  zuletzt  sehr  verlängert.  Blüthenstiele  nicht  ge- 
gliedert. Perigonbl  ätte  r  schwefelgelb,  länglich-linealisch,  zuletzt  umgerollt, 
bräunlich.  Staubblätter  doppelt  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  länglichen 
Staubbeuteln.     Kapsel  kugelig,  querrunzelig.     Samen  kaum  geflügelt. 


i)  Nach  dem  jetzigen  General  Nikolai  Iwano witsch  Korolkow,  *  — '—= — —«005 

(B.  Fedtschenko  br.),  Gouverneur  des  Sirdarja-Gebiets  in  Margelan,  um  die  Flora 
Turkestans  verdient. 

i)  Nach  Frau  Olga  Fedtschenko  geb.  Armfeld,  *  18./30.  Nov.  1845  Moskau, 
welche  1868  —  71  mit  ihrem  Gatten  Alexei  Pawlowitsch  F.  (*  7./19.  Febr.  1844  Irkutsk 
f  15.  3.  Sept.  1873  bei  einer  Montblancbesteigung)  Central-Asien,  1891 — 1901  das 
Europäische  Russland,  den  Kaukasus,  Centralasien  bis  zum  Pamir  (z.  T.  mit  ihrem 

Sohne  Boris  Alexjewitseh  F.,  *    ~ — — 10„0    Leipzig)    bereiste    und  die  von  ihr  ge- 

8.  Jan.  lo7o 

machten  Pflanzensammlungen  grösstentheils  selbst  bearbeitete.    Verf.  von  Flora  von 

Pamir  nebst  Nachträgen  Acta  Horti  Petropolitani  XXI — XXIV.  Conspectus  Florae 

Turkestanicae  (erscheint  in  den  Beiheften  zum  Botanischen  Centralblatt).    Die  Reisen 

Alexei  Fedtschenko 's  sind  nach  seinem  Tode  von  seiner  Witwe  in  24  Lieferungen 

St.  Petersburg  1874 — 1902  in  russischer  Sprache  veröffentlicht.     Die   24.  Lieferung 

enthält  die  von  Olga  F.  verfasste  Aufzählung  der  gesammelten  Pflanzen.    Boris  F., 

Oberbotaniker  am  Kaiserl.  Botanischen  Garten    in    St.    Petersburg,    dessen  Güte  wir 

die  vorstehenden  und  manche  andere  Mittheilungen  verdanken,  veröffentlichte  bisher 

namentlich:    Uebersicht    der    Arten   von  Hedysarum    Acta  Hort.  Petr.  XIX    (1902) 

Nachtr.  XXI   (1904).    Flora  des  westlichen  Tianschan  (a.  a.  O.  XXII  [1904]).    Flora 

von  Schugnau  (Abh.  Kais.  Akad.  St.  Petersburg  1902). 


44  Liliaceae. 

In  Vorderaaien  heimisch,  bei  uns,  besonders  im  südlichen  Gebiete  die  häufigste 
Art  der  Gattung  in  Gärten.     111.  Juni. 

/:.  spectabüis  M.  Bieb.  Cent.  PI.  Ross.  t.  Gl  (1818).  Fl.  Taur.-Cauc.  III.  269 
(1819).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  322.  Bot.  Mag.  t.  487".    Nyman  Consp.  720. 

(Jeber  die  sehr  bemerkcnswerthe  Bestäubung  diestr  Pflanze  vgl.  II  i  ld  e  b  ran  d 
Flora  LXIV  (1881)  497  tab.  X.  In  den  eben  geöffneten  ansehnlichen  Blütheu  ist 
für  die  Insecten  weder  Pollen  noch  Honig  vorhanden.  Erst  nachdem  sich  die  Perigon- 
blätter  eingerollt  haben  und  die  Blüthe  so  viel  unscheinbarer  geworden  ist,  springen 
die  8 taubbeutel  auf  und  am  Grunde  des  Fruchtknotens  wird  Saft  ausgeschieden.  Nun 
krümmt  sieh  der  Griffel  nach  unten  nud  erhebt  sich  erst  wieder  nach  dem  Verstäuben 
der  Staubbeutel,  um  deren  Platz  einzunehmen.  H.  Müller  (Bot.  Zeit.  XL  [1882] 
278)  vergleicht  dies  Verhalten  treffend  mit  dem  Farbenwechsel  in  den  Blüthen  von 
Pulmonaria,  Ribcs  aureum,  Aesculus,  nur  dass  das  ansehnliche,  aber  für  die  In- 
secten unergiebige  Stadium  hier  dem  für  die  Besucher  ergiebigen  vorausgeht,  bei 
den  genannten  Pflanzen  aber  nachfolgt.  Aehnliches  beobachtete  U.  Dammer  (Flora 
LXXI.  185)  an  der  nahe  verwandten,  zuerst  bekannt  gewordenen  Art  der  Gattung 
E.  AUaiciLs  (Steven  Bull.  S.  Nat.  Mose.  IV.  255  [1832].  Asphodelus  altaicns  Pallas 
Act.  Ac.  Petr.  pro  1782.  II.  258  t.  X). 

*  E.  Turkestänicus.  9j.  Stengel  verlängert,  bis  1,5  m  hoch.  Blätter  breit- 
linealisch,  spitz.  Aehre  sehr  lang  und  dicht.  Perigoublätter  röthlich-hell- 
braun  mit  weissen  Rändern. 

In  Turkestan  heimisch,  hin  und  wieder  bei  uns  in  Gärten. 

E.  turkestänicus  Regel  Gartenfl.  XXII.  260  (lö73).    R.  G.  997. 


2.  Subtribus. 

ANTHERICINAE. 
(Engl.  Nat.  Pfl.  IL  5.  32  [1887].    Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  62.) 

S.  S.  30.  Pflanzen  mit  meist  kurzer  Grundachse.  Blüthen  meist 
in  einfachen  Trauben,  oder  in  Rispen  angeordneten  Trauben,  seltener  in 
Büscheln  oder  einzeln.  Perigonblätter  frei,  in  der  Blütlie  radförmig  aus- 
gebreitet. Staubbeutel  meist  mit  einem  Grübchen  versehen,  dort  am 
Staubfaden  befestigt.  Fächer  des  Fruchtknotens  mit  2  bis  mehreren 
Samenanlagen.     Frucht  eine  fachspaltige  Kapsel. 

In  Europa  nur  unsere  Gattungen.  Ausser  den  aufgeführten  noch  einige  ausser- 
europäische  in  Gärten.  Zu  erwähnen  wäre  noch:  Bo  ttio  n  ae'a  i)  {[Bottinaea]  Colla 
Hern.  acad.  Torin.  XXXVII.  43  t.  1  [1834].  Trichnprtalum'2)  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  1535 
1  332]  nur  der  Name)  mit  schmalen,  dicht  gefransten,  inneren  Perigonblättern,  langen, 
fasl  linealischen  Kapseln  und  in  Büscheln  stehenden  Blüthen,  die  in  lockeren  Trauben 
angeordnet  sind  mit  B.  plumdsa  (A.  u.  G.  Syn.  III.  44  ,[1005].  Anthcricum 
plumonwm  Euiz  u.  Par.  Fl.  Per.  III.  68  [1802].  B.  thjsanihoUes  Colla  a.  a.  0.  41 
t.   1    [1834].   Trichopetahi ,„   stelldtum  Lindl.  Bot,  Reg.  t.  1535  [1832])  in  Chile. 


l)  Nach  der  botanischen  Malerin  Maria  Angela  Bot  tione-Rossi ,  welche  wie 
1767— 1802  ihr  Vater  Giovanni  Antonio  Bottione  von  Viü,  f  vor  1814,  1802—37  au 
der  berühmten  iconographia  plantarum Tauriuensis,  die  von  1752  — 1868  am  botanischen 
Garten  in  Turin  hergestellt  wurde,  thätig  war;  Verf.  von  Stirpes  quas  annis  1800  —  1812 
vivas  pinxit.  Taur.  1813.   Vgl.  Irene  Chiapusso-Vola  Malpighia  (1904)  325—32. 

'*)  Von  &Qi$  Haar  und  niiaXov  Blumenblatt. 


Ereruurus.     Symaethis.  4> 

Uebersicht  der  Gattungen. 

A.  Staubfäden  wollig  behaart.    Staubbeutel  in  einem  in  der  Mitte  der- 
selben befindlichen  Grübchen  an  den  Staubfäden  befestigt. 

Symaethis. 

B.  Staubfäden   (bei   uns)   kahl.    Staubbeutel  in  einem  am  Grunde  der- 
selben befindlichen  Grübchen  den  Staubfäden  eingefügt. 

I.  Innere  und  äussere  Perigonblätter  fast  gleich  gestaltet,    wenn  die 
inneren  viel  breiter,  dann  doch  gleich  gefärbt. 

a.  Frucht  eine  stumpfkantige,  nicht  gelappte  Kapsel.     Staubfäden 
fadenförmig.  Aiithericus. 

b.  Frucht  eine  deutlich  dreilappige  oft  scharfkantige  Kapsel.    Staub- 
fäden etwa  in  der  Mitte  mehr  oder  weniger  verbreitert. 

Chlorophytum. 

II.  Innere    Perigonblätter   viel    breiter    und    anders    gefärbt    als    die 

äusseren,  am  Rande  häufig  kraus.  Dichopogon. 

158.  SYMAETHIS1). 

(Simethis  Kunth  Enum.  pl.  IV.  618  [1843].  Nat.  Pfl.  II.  5.  34. 
PuUJäria2)  Raf.  Fl.  Tellur.  II.  27  [1836].  Morgägnia3)  Bubani 
Sched.  crit.  6  [1842].  Nuov.  ann.  sc.  nat.  Bologna  IX.  92  [1843] 
nur  der  Name.  Sieböldia*)  Heynh.  Nom.  IL  664  [1846|.  Pogonilla'") 
Salisb.  Gen.  of  pl.  70  [1866]). 

(It.:  Falangio  giunchino.) 

S.  oben.  Ausdauerndes  massig  ansehnliches  Kraut  mit  kurzer 
Grundachse.  Laubblätter  grasartig,  linealisch,  sämmtlich  grundständig. 
Blüthenstand  eine  Rispe.  Perigonblätter  fast  gleichgestaltet,  5 — 7-  (bis 
mehr-)  nervig,  in  der  Blüthe  breit  trichterförmig  bis  abstehend.  Staub- 
blätter unter  den  Fruchtknoten  entspringend.  Staubfäden  fadenförmig, 
oberwärts  etwas  verdickt,  den  Staubbeuteln  in  einer  etwa  in  der  Mitte 
derselben  befindlichen  Grube  eingefügt,  wollig  bebärtet.  Fächer  des  Frucht- 
knotens mit  2  Samenanlagen.  Frucht  eine  dünnlederartige  Kapsel,  fast 
kugelig,  mit  1  —  2  Samen  in  jedem  Fach.  Samen  kugelig-eiförmig,  mit 
glänzender  Samenschale. 


!)  Kunth  erklärt  den  Namen,  den  er  wie  mit  ihm  alle  Folgenden,  Simethis 
schreibt,  als  „Acidis  amica".  Diese  Angabe  ist  aber  noch  weniger  zutreffend  als 
die  offenbar  durch  eine  französische  Uebersetzung  beeinflusste  Orthographie  des 
Namens;  in  Ovid  Metamorph.  XIII.  750  heisst  es:  Acis  erat  Fauno  Nymphaque 
Symaethide  cretus.  Symaithis,  eine  Tochter  des  Flussgottes  Symaithos  (der  an  der 
Ostküste  Siciliens  mündende  Fluss  heisst  noch  jetzt  Simeto)  war  also  die  Mutter 
des  Akis,  deasen  Geliebte  bekanntlich  die  Nereide  Galateia  war  (Spribille  br.)., 

2)  Die  Bedeutung  dieses  Namens,  falls  er  eine  hat,  ist  uns  unbekannt. 

3)  Nach  Giovanni  Battista  Morgagni,  *  1682  Forli  f  1771  Padua,  seit  1711 
Professor  der  Anatomie  daselbst,  Begründer  der  pathologischen  Anatomie.  Sein  Haupt- 
werk ist  De  sedibus  et  causis  morborum  per  auatomen  indagatis.   Venet.   1761. 

4)  S.  I.  S.  188  Fussn.   1. 

5)  Von  Tiwycov  Bart,  wegen  der  bebarteten  Staubfäden. 


46  Liliaceae. 


Nur  unsere  Art. 


Der  Name  Symnethis  ist  dein  etwas  früheren  Namen  Morgagnia  vorzuziehen, 
da  letzterer  ohne  Gattungscharakter  veröffentlicht  ist.     Pubilaria  ist  verjährt. 

747.  S.  planifolia.  %.  Grundachse  kurz  und  <lick,  mit  zahlreichen, 
büschelig  gestellten,  fleischigen,  fast  cylindrischen  Wurzeln.  Stengel  auf- 
recht oder  etwas  schlaff  aufsteigend,  von  der  Mitte  ab  oder  oberwärts 
verzweigt.  Blätter  schmal-linealisch,  verlängert,  nieist  5 — 7  mm  breit, 
flach,  ganz  glatt  mit  scheidenförmigem,  etwas  verschmälertem  Grunde, 
allmählich  zugespitzt  mit  stumpflicher  Spitze.  Aeste  des  Blüthenstandes 
schlank,  oberwärts  mit  mehreren  wenigblüthigen  Seitenzweigen,  in  der 
Achsel  lanzettlicher,  krautiger  oder  oben  kleinerer  häutiger  Hochblätter. 
Blüthen  lang  (bis  3  cm)  und  dünn  gestielt,  ziemlich  klein.  Perigonblätter 
kaum  1  cm  lang,  linealischdanzettlich,  stumpflich,  weiss,  aussen  rosa. 
Fruchtknoten  klein.  Staubblätter  etwa  3U  so  lang  als  die  Perigonblätter. 
Griffel  kürzer  als  die  Perigonblätter,  länger  als  die  Staubblätter  mit 
etwas  spreizenden  Narben. 

An  sandigen  Abhängen,  an  grasigen  krautigen  Orten  nur  im  süd- 
westlichsten Gebiet  und  zwar  nur  in  den  Departements  Var  und  Alpes 
maritimes:  Coudon,  Hyeres,  Leoubes,  Carqueiranne,  Bregancon  zw.  Agay 
und  Theoules,  Cannes:  Cap  Croisette,  Golfe  Jouan,  Antibes  (Saint  - 
Lager  710,  Ardoino  383).     Bl.  März — Mai. 

Simethis  planifolia  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  222  (1855). 
Bonnet  u.  Barratte  Cat.  pl.  Tunis.  418.  Richter  PI.  Eur.  I.  194.  Antheri- 
cxni planifolium  Vand.  in  L.  Mant.  II.  224  (1771).  Desf.  Fl.  Atl.  I. 
304  t.  90.  Anth.  Mattidzsi1)  Vand.  PI.  Lusit.  Hisp.  57  (1771). 
A.  bicolor  Desf.  Fl.  Atl.  I.  304  (1798).  A.  ericetorum  Bory  PL 
Pyren.  II.  168  (1803).  Phalangium  bicolor  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc. 
III.  209  (1805).  Phal  planifolium  Pers.  Syn.  I.  367  (1805).  Bid- 
bine2)  planifolia  Spreng.  Syst.  I.  86  (1825).  Morgagnia  bicolor 
Bubani  Sehed.  crit.  6  (1842).  Simethis  bicolor  Kunth  Enum.  pl.  IV. 
618  (1843).    Nyman    Consp.    718.    Suppl.  300. 

Eine  sehr  eigenartige  Pflanze,  in  der  Tracht  dem  Anthericnw  ramosvs  nicht 
unähnlich,  aber  abgesehen  von  der  Blüthenfarbe  durch  die  eigenthümlich  wieder 
verzweigten  Rispenäste  leicht  kenntlich. 

(Iberische  Halbinsel;  Irland  [Kerry];  England  [Dorset];  West- 
und  Central -Frankreich;  Toscana;  Corsica,  Sardinien;  westl.  Nord- 
Africa  östlich  bis  Tunesien.)  #"| 


')  lieber  Mattiazzi  haben  wir  nichts  ermittelt. 

2)  Die  Gattung  Bulbine  ([L.  Gen.  pl.  ed.  1.  95].  Wühl.  En.  hört.  Berol. 
372  [1809])  findet  sich  in  Süd-Africa,  Abyssinien  und  Australien.  Der  Name  findet 
*ich  bei  Plinius  (XIX,  30,  XX,  41)  für  ein  Zwiebelgewächs. 


Syiinietliis.     Anthericus.  47 

159.  ANTHERICUS1). 

({Änthericum]  L.  [Syst.  ed.  1].  Gen.  pl.  ed.  1.  106  ed.  5.  146  [1754]. 
Nat.  Pfl.  II.  5.  34  [Anthericus]  Aschers.  Fl.  Brand.  I.  727.  A.  u.  G. 
Fl.  Nordostd.  Flachl.  182.  Stellarioides^  Medik.  Act.  Acad.  Theod. 
Palat.  VI.  Phys.  369  [1790].    Phalangänthus2)  Schrank  in  Haw.  Syn. 

pl.   succ.  67   [1819]). 

(Zaunblume,  Zaun-  oder  Graslilie;  nieder!.:  Berglelie;  dän.:  Edderkopurt; 

franz.:  Phalangere,  Herbe  ä  l'araignee  ;  it. :  Lilioasfodello ;  rum.:  Liliutä, 

Painginel;  poln. :  Pajecznica ;  bölim. :  Belozäfka;   kroat. :  Kosatik :  russ. : 

BuHeTOiiKt ;  ung. :  Holye.) 

S.  S.  45.  Mittelgrosse,  ausdauernde,  kahle  Kräuter  mit  kurzer 
etwas  schiefer  Grundachse  und  massig  dicken  fleischigen  Wurzeln. 
Laubblätter  grundständig,  spiralig  gestellt,  eine  Rosette  bildend,  rinnig. 
Hauptknospe  in  der  Achsel  des  obersten  Laubblattes,  im  Herbste  ein 
2  kieliges  Vorblatt  im  Frühjahr  unter  den  Laubblättern  einige  Schuppen- 
blätter entfaltend.  Blüthen  mittelgross.  Blüthenstiel  über  dem  Grunde 
gegliedert.  Perigonblätter  getrennt,  in  der  Blüthe  weit  abstehend.  Staub- 
blätter der  Blüthenachse  eingefügt.  Staubbeutel  am  Grunde  des  Rückens 
befestigt.  Griffel  fadenförmig.  Narbe  stumpf.  Frucht  eine  lederartige 
Kapsel  mit  4 — 6 sämigen  Fächern.    Samen  kantig,  matt,  nicht  glänzend. 

Etwa  50  Arten  in  Europa,  America,  dem  tropischen  und  subtropischen  Africa- 
In  Europa  nur  die  Sect.  Phalangium^)  (L.  Spec.  pl.  ed.  1.  310  [1753].  Juss- 
Gen.  52  [1789].  Kunth  Enum.  pl.  IV.  593  [1843]  als  Gatt.  vgl.  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XV.  301  [1876].  Lilidgo  und  Pessularia*)  Salisb.  Gen.  pl.  70  [1866].  Phalangion 
St.  Lager  Ann.  SB    Lyon  VII.   131   [1880]). 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch  der  zu  der  folgenden  Gesammtart  ge- 
hörige A.  Baeticusb)  (Änthericum  baeticum  Boiss.  Voy.  Esp.  II.  619  [1845]. 
Phalangium  baeticum  Boiss.  Eleuch.  84  [1838])  in  Süd-Spanien. 

Gesammtart  A.  liliago  (748,  749). 

748.  (1.)  A.  liliägo6).  %.  Stengel  aufrecht  oder  aufsteigend, 
meist  3 — 6  dm  hoch,  fast  stets  unverzweigt,  bis  zum  Blüthenstande 
meist  ganz  unbeblättert,  nur  ganz  am  Grunde  eine  Rosette  von  Laub- 
blättern und  unter  dem  Blüthenstande  meist  einige  Hochblätter  tragend. 
Blätter  kürzer  als  der  Blüthenstengel,  schmal  linealisch,  meist  nicht  über 
5,  seltener  bis  7  mm  breit,  grasartig,  mit  dünnhäutiger  Scheide,  ganz 
allmählich  in  die  schlanke  Spitze  verschmälert,  ganz  glatt.  Blüthenstand 
fast  stets  eine  einfache  Traube.  Hochblätter  aus  eiförmigem  bis  lanzett- 
lichem Grunde  ganz  allmählich  in  die  pfriemliche  Spitze  verschmälert, 
häutig,  mehrnervig  mit  derbem  Mittelstreifen,  kürzer  als  die  Blüthenstiele. 

3)  S.  S.  5  Fussn.   1. 

2)  In  Anlehnung  von  Phalangium  mit  äv&og  Blume  gebildet. 

3)  cpaÄäyyiov,  bei  Dioskorides  (III,  112)  eine  Pflanze  mit  weissen  lilien- 
ähnlichen Blumen,  Heilmittel  gegen  den  Biss  der  ebenso  benannten  Spinne. 

4J  Von  pessulum  Mutterzäpfchen. 

5)  Baetica,  antiker  Name  von  Andalusien,  vom  Flusse  Baetis,  jetzt  Guadalquivir. 

6)  Dieser  Name  findet  sich  zuerst  bei  C e  s  a  1  p  i  n  o  für  Hemerocallis ;  von  Lilium 
und  dem  Suffix  -ago,  welches  wie  -astrum  eine  abweichende  Form  bedeutet,  gebildet. 


48  Liliaoeae. 

Blüthenstiele  zuletzt  aufrecht-abstehend.  Pcrigonblätter  länglich- 
linealisch  bis  fast  3  cm  lang,  stumpf,  weiss,  in  der  Mitte  mit  3 
genäherten  Längsnerven.  Staubblätter  verschieden  lang,  alle  viel  kürzer 
als  die  Perigonblätter.  Griffel  aufsteigend,  etwas  kürzer  als  die 
Perigonblätter.     Kapsel  eiförmig,  spitz. 

In  trockenen  Wäldern,  an  und  auf  sonnigen  (Pontischen)  Hügeln 
durch  den  grössten  Theil  des  Gebiets  verbreitet,  in  Belgien  nur  (sehr 
selten)  im  Berglande,  fehlt  im  Nordwestdeutschen  Flachlande  westlich 
von  Celle,  Lüneburg  und  Harburg,  in  Posen,  West-  und  Ostpreussen, 
für  Polen  zweifelhaft  (Rostafinski  109),  fehlt  auch  in  Mähren  und 
Krain  (Pauli  n  br.).  In  Wallis  bis  1800  m  (Jaccard  347),  in  Tirol 
bis   1400  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend.     Bl.  Mai,  Juni. 

A.  Liliago  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  310  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  819. 
Nyman  Consp.  719.  Suppl.  300.  Richter  PI.  Eur.  I.  194.  Rchb.  Ic.  X 
t.  DXII  fig.  1115.  Phalangium  Liliago  Schreb.  Spicil.  36  (1771). 
Omithogalum  gramineum  Lam.  Fl.  Franc.  III.  278  (1778).  Antheri- 
cum  non  ramösum  Gilib.  Exerc.  phyt.  II.  465  (1792). 

Ziemlich  wenig  veränderlich.  Bemerkenswert!!  ist 
B.  fallax.  Blüthenstand  am  Grunde  mit  wenigen,  selten  bis  zu  4  kürzeren  oder 
längeren  Aesten,  die  aber  stets  erheblich  kürzer  oder  schwächer  als  die  End- 
traube sind.  —  Selten  mit  dem  Typus,  anscheinend  nach  von  Zabel  cultivirten 
Exemplaren  ziemlich  constant.  —  A.  Liliago  var.  faüax  Zabel  Herb.  Paeske 
BV.  Brand.  XXV.  f.  1883.  207  (1884).  A.  Liliago  v.  ramosa  Wiesb.  Gen. 
Doubl.  Verz.  Schles.  Tausch- Verein  1885/6.  —  Kann  leicht  mit  folgender  ver- 
wechselt werden,  aber  abgesehen  von  der  grösseren  Blüthe,  dem  Griffel  etc.  leicht 
daran  kenntlich,  dass  die  Endtraube  die  Seitentrauben  an  Stärke,  Länge  und 
Blüthenzahl  bei  weitem  übertrifft,  während  bei  A.  ramosus  die  Verzweigungen 
ziemlich  hoch  im  Blüthenstande  heraufrücken,  die  Endtraube  daher  nur  wenig 
länger  oder  gar  kürzer  ist  als  die  untersten  Verzweigungen.  Macht  den  Ein- 
druck eines  Bastardes  zwischen  beiden  Arten  und  ist  mitunter  vielleicht  auch 
hibrider  Abstammung. 

(Süd-Schweden;  Dänemark;  Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien; 
Balkanhalbinsel;  Süd- und  Mittel-Russland  ;  Klein- Asien ;  Nord-Africa.) 

748.  X   749.    A.  liliago  X  ramosus?  s.  oben. 

749.  (2.)  A.  ramosus.  2\..  Dem  vorigen  sehr  ähnlich,  von  ihm 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Stengel  aufrecht,  meist 
schräg,  meist  3  —  9  dm  hoch,  ästig,  unter  dem  Blüthenstande  oft  ein 
kleines  Laubblatt  tragend.  Laubblätter  meist  noch  schmäler  als  bei 
voriger,  meist  nicht  5  mm  breit.  Blüthenstand  aus  in  einer  Rispe  an- 
geordneten Trauben  bestehend.  Hochblätter  lanzettlich-pfriemlich,  kurz. 
Blüthenstiele  aufrecht  bis  zidetzt  weit  abstehend-  Perigonblätter  läng- 
lich bis  länglich- verkehrt-eiförmig,  bis  1,3  cm  lang,  weiss,  die  inneren 
deutlich  breiter.  Staubblätter  fast  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Griffel 
gerade,  etwas  länger  als  die  Perigonblätter.  Kapsel  kugelförmig, 
stumpf,  stachelspitzig. 

An  ähnlichen  Orten  wie  vorige,  fehlt  im  Belgisch-Niederländischen 
Flachlande  und  auf  den  Nordseeinseln,  in  Schleswig  und  Ost-Holstein; 


Anthericus.     Chlorophytum.  40 

steigt  in  Wallis  bis  1400  m  (Jaccard  348),  in  Tirol  bis  1560  m 
(Sarnthein  br.).     Bl.  Ende  Juni  bis  Anfangs  August. 

A.  ramosum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  310  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
819.  Nyman  Consp.  719.  Suppl.  300.  Richter  PI.  Eur.  I.  194.  Rchb. 
Ic.  X  t.  DXI  fig.  1114.  Ornithogalum  ramosum  Lam.  Fl.  Franc. 
III.  279  (1778).  Phalangium  ramosum  Poir.  Encycl.  V.  250  (1804). 
Pessularia  ramosa  Salisb.  Gen.  pl.  70  (1866). 

Aendert  ab: 

B.  simplex.  Stengel  einfach,  unverzweigt.  Blüthenstand  eine  einfache  Traube. 
—  Selten  mit  dem  Typus.  —  A.  ramosum  ß.  simplex  Klinggr.  Fl.  v.  Preuss. 
412  (1849).  Fritsch  Abb.  ZBG.  Wien  XXXVIII.  80  (1888).  A.  u.  G.  Fl. 
Nordostd.  Flachl.  183.  A.  ramosum  b.  fallax  Zabel  Arch.  V.  Fr.  Naturg. 
Mekl.  XIII.  53  (1859).  A.  ramosum  ß.  JPseudo-Liliago  Lange  Haandb.  i  den 
Danske  Fl.  2  Udg.  232  (1856).  —  Wird  leicht  mit  voriger  Art  verwechselt, 
ist  aber  durch  die  kleinen  Blüthen,  den  die  Länge  der  Perigonblätter  übertreffende 
Griffel  und  die  Form  der  Kapsel  leicht  zu  unterscheiden. 

C.  scaberulus.  Blätter  schmäler,  steifer,  von  spitzen  Papillen  etwas  rauh.  — 
Venetianische  Alpen.  Hercegovina.  —  Anthericum  ramosum  f.  seaberulum  Beck 
Glasnik  zemaljskog  Mus.  Bosn.  i  Herc.  XV.  201  [65]  (1903)  Wiss.  Mitth.  IX. 
483  [77]  (1904)  vgl.   Murbeck  Fl.  Südbosn.  36. 

(Süd-Schweden;  Dänemark;  Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  nörd- 
liches Italien;  nördliche  Balkanhalbinsel;  südliches  und  mittleres  Rusa- 
land;  Krim;  Kaukasus.)  * 

748.  X   749.    A.  liliago  X  ramosus?  s.  S.  48. 

*  CHLOROPHYTUM  i). 

(Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1071  [1808].  Nat.  Pfl.  II.  5.  34.  Hartwegia^)  Nees  Nov. 
act.  nat.  cur.  XV.  2.  372  [1831].  Schidospermum  3)  Griseb.  in  Lechl.  Herb.  Am. 
austr.  56   [1857].     Asphodeldpsis  *)  Steud.  nach  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XV.  321 

[1876]). 

S.  S.  45.  In  der  Tracht  dem  nahe  verwandten  Anthericus  sehr  ähnlich,  von 
ihm  fast  nur  durch  die  in  der  Mitte  mehr  oder  weniger  verbreiterten  Staubfäden,  die 
deutlich  dreilappige  bis  scharfkantige  Kapsel  und  scheibenförmige  Samen  verschieden. 

Etwa  50  Arten  in  den  Tropen,  bis  zum  Cap  der  guten  Hoffnung,  Tasmanien 
und  Peru  verbreitet. 

*  C.  COmösnm.  9|.  Blätter  gekielt,  linealisch-lanzettlich,  zugespitzt.  Blüthen- 
stand verlängert,  bis  über  1  m  lang  eine  sehr  lockere  Rispe.  Blüthen  ziemlich 
klein,  weiss. 

Im  Caplande  heimisch,  bei  uns  im  südlichen  Gebiete  nicht  selten  angepflanzt, 
im   nördlichen  Gebiete   häufig    in  Gewächshäusern    und  Zimmern    als  Ampelpflanze. 

C.  comosum  Baker  Gard.  Chron.  1873.  75.  Anthericum  comosum  Thunb.  Prodr. 
PI.  Cap.  63  (1794).  Sternb.  Anth.  com.,  eine  neue  Pfl.art  (1828).  Anthericum  Stern- 


•)  Von  %Aco()6g  grün  und  cpvzöv  Pflanze. 

2)  Nach  Karl  Theodor  Hartweg,  *  1812  Karlsruhe  f  18.  Febr.  1871 
Schwetzingen,  Grossh.  Hofgarten-Inspector  daselbst,  welcher  1836 — 43  Mexico, 
Centr.-America  und  Columbia  und  1845 — 8  Californien  und  wieder  Mexico  bereiste 
und  dort  sehr  reiche  Sammlungen  lebender  und  trockener  Pflanzen  zusammenbrachte 
(Ben  t harn  Plantae  Hartwegianae.  London  1839 — 57).  (K.  Koch  Dendrologie 
IL  2.  149). 

3)  Von  a%i8rj  Schindel  und  cmEQjAa  Samen. 

4)  Von  äacpööeÄog  und  oxpig  Aussehen. 

Ascherson  u.  Graebner,  Synopsis.  III.  4 


50  Liliaceae. 

bergianum  l)  Schult,  in  R.  u.  S.  Syst.  Veg.  VII.  1693  (1830).  Chloroph.  Sternbergi- 
a'innn  Steud.  Noniencl.  ed.  2.  I.  354  (1840)  und  fast  aller  Gärten.  Chloroph.  eldtum 
vieler  Gürten  nicht  R.  Br.    Cordyline  '-)  vivipara  der  Gärten. 

Acndert  ab  mit  weiss  gestreiften  und  berandeten  Blättern  B.  v  ar  iegatum 
(Ch.   varier/atum  der  Gärten). 

*   DICHOPÖGON3). 

(Kunth  Enuui.  pl.  IV.  622  [1843].    Nat.  Pfl.  II.  5.  35.     Siona*)    Salisb.   Gen.    pl. 

fragm.  67  [1866]). 

S.  S.  45.  Ausdauerndes  Kraut.  Blüthen  in  lockeren  Trauben  oder  Büscheln. 
Blätter  der  Blüthenhülle  5 — 7  nervig,  ziemlich  gleichlang,  die  inneren  viel  breiter 
und  anders  gefärbt,  häufig  am  Rande  kraus.  Staubbeutel  linealisch,  am  Grunde 
beiderseits  mit  einem  gekrümmten  Anhängsel.  Fächer  des  Fruchtknotens  mit  mehreren 
Samenanlagen. 

2   Arten  in   Ostaustralien. 

*  D.  strictllS.  9| .  Stengel  aufrecht,  schlank,  länger  als  die  bis  4  dm  langen, 
etwa  1  cm  breiten,  grasartigen,  mit  scheidigem  Grunde  versehenen  Blätter.  Blüthen- 
stand  eine  ca.  8 — 20  cm  lange  Traube  oder  Rispe.  Blüthen  nach  Heliotrop  duftend, 
heller  oder  dunkler  lilaroth  bis  3,5  cm  im  Durchmesser.  Perigonblätter  weit  ab- 
stehend,   die  inneren  doppelt  so  breit  als  die  äusseren.      Wurzeln   knollig    verdickt. 

In  Ostaustralien  heimisch,  bei  uns  im  südlichen  Gebiete  mitunter  ihrer  Schön- 
heit wegen  in  Gärten.     Bl.  November. 

D.  strictus  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XV.  319  (1876).  Bot.  Mag.  t.  6746. 
Nichols.  Dict.  gard.  Suppl.  I.  320.  Arthropddium  *>)  strictum  R.  Br.  Prodr.  276 
(1810).  Anthericum  strictum  Steud.  Noniencl.  ed.  1.  54  (1821).  D.  undulntus 
Regel  Gartenfl.  II.   1  t.  37  (1853). 

Subtribus. 

ERIOSPERMINAE. 

(Engler  Nat.  Pfl.fam.  IL  5.    37    [1887].    Dalla  Torre   u.  Harms    Gen. 

siph.  63.) 

S.  S.  31.  Ausdauernde  Kräuter  mit  Knollen  oder  Zwiebeln. 
Stengel  am  Grunde  mit  einigen  frühzeitig  absterbenden  Blättern  oder 
zur  Blüthezeit  ohne  solche.  Blüthenstand  eine  einfache  Traube  oder 
verzweigt.  Blüthenstiele  lang.  Perigonblätter  getrennt,  abstehend  bis 
zurückgeschlagen.  Staubbeutel  ohne  Grübchen,  am  Grunde  eingefügt. 
Fächer  des  Fruchtknotens  meist  mit  mehreren  Samenanlagen,  selten 
mit  nur  2.     Frucht  eine  3  kantige  Kapsel. 

Alle  Gattungen  im  südlichen  Africa. 

Uebersicht  der  Gattungen. 
A.    Blüthenstengel  reich  verzweigt,    windend,    die   unteren   Zweige  ohne 
Blüthen.  —  Zwiebelgewächs.  Bowiea. 

i)  S.  VI.  1.  S.  303  Fussn.  2. 

2)  Die  tropische  Gattung  Cordyline  (Commers.  in  Juss.  Gen.  pl.  41  [1789]) 
gehört  zu  den  Dracaeneae. 

8)    Von  o~[ya  zweifach  und  ndtyiüv  Bart,  wegen  der  Autherenanhängsel. 

4)  Die  Bedeutung  dieses  Namens  ist  uns  nicht  bekannt. 

5)  Die  Gattung  Arthropodium  (R.  Br.  Prod.  Fl.  N.  Holl.  276  [1810])  findet 
sieb  in  Australien.  Der  Name  von  üq&qov  Gelenk  und  novg  Fuss  wegen  des  ge- 
gliederten  Blüthenstiels. 


Chlorophytuin.     Dichopogon.     ßowiea.     Eriospermuni.  51 

B.   Blüthenstand  eine  einfache  aufrechte  Traube.  Samen  wollig.  Knollen- 
gewächs. Eriosperiuum. 

*  BOWIEAi). 

(Harvey  in  Hook.  f.  Bot.  Mag.  t.  5690  [1867].    Nat.  Pfl.  IL  5.  38.) 

S.  S.  50.  Ausdauerndes  Kraut  mit  sehr  grosser  kugeliger  aus  wenigen  fleischigen 
Niederblättern  bestehender  Zwiebel.  Stengel  hoch  windend,  die  unteren  Zweige  ohne 
Blüthen.  Blüthenstiele  lang.  Blüthen  vielehig.  Staubfäden  am  Grunde  etwas  ver- 
breitert.    Fruchtknoten  mit  mehreren  Samenanlagen  in  jedem  Fache. 

Nur  1  Art,  über  welche  I r  m  is  c h  seine  letzte  Arbeit  (NV.  Bremen  VI.  433 
Taf.  V)  verfasste. 

*  B.  volübilis.  Ol.  Schuppenblätter  kurz,  aufrecht,  bald  abfallend.  Stengel 
reich  verzweigt,  grün,  fleischig,  die  unteren  blüthenlosen  Zweige  sehr  ästig,  verstrickt, 
gewunden,  die  oberen  weniger  verzweigt,  verlängert,  hin-  und  hergebogen.  Frucht 
eine  fast  pyramidenförmige  Kapsel.  Samen  länglich ,  etwas  zusammengedrückt. 
Perigonblätter  länglich  lanzettlich,  grün,  bleibend.     Grundblätter  lang,  linealisch. 

In  Süd-Africa  heimisch,  bei  uns  im  südlichen  Gebiete  nicht  selten  gepflanzt, 
im  Norden  nur  in  Gewächshäusern.     Bl.  October. 

B.  volübilis  Harvey  a.  a.  O.  t.  5690  (1867).    Nichols.  Gard.  dict.  I.  208. 

*   ER10SPERMUM2). 

(Jacq.  Coli.  V.  Suppl.  72  [1796].    Nat.  Pfl.  II.  5.  38.     Phylloglottis  3)  Salisb.  Gen. 

pl.  fragm.  15  [1866]). 

S.  oben.  Knolle  ziemlich  gross.  Blätter  zu  1 — 3,  linealisch,  lanzettlich  bis 
eiförmig,  ziemlich  dick,  grundständig.  Stengel  am  Grunde  nur  mit  Niederblättern. 
Blüthen  kurz  oder  lang  gestielt.  Perigonblätter  länglich-eiförmig  oder  linealisch, 
1  nervig.     Frucht  eine  fast  kugelige  Kapsel.     Samen  dicht  wollig. 

Etwa  25  Arten  in  Africa,  zumeist  im  Capland,  einige  Arten  bei  uns  an- 
gepflanzt, am  häufigsten : 

*  E.  pubescens.  %.  Blätter  schwach  herzförmig,  spitz,  behaart.  Blüthen 
weisslich-grün. 

Im  Capland  heimisch. 

E.  pubescens  Jacq.  Hort.  Schoenbr.  III.  8  t.  264  (1798).  Bot.  Reg.  t.  578. 
Nichols.  Dict.  gard.  I.  528. 

*  E.  Bellendem  4).  QJ .  Stengel  bis  etwa  3  dm  hoch.  Blätter  rundlich,  zu- 
gespitzt, kahl.     Blüthen  hellblau. 

Im  Capland   heimisch. 

E.  Bellendeni  Sweet  Hort.  Brit.  ed.  1.  420  (1827).  Nichols.  Dict.  gard.  I» 
528.     E.  latifolium  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1382  (1811)  nicht  Jacq. 


l)  Nach  James  Bowie,  *  um  1790  London  f  1853  in  der  Cap-Colonie,  Ober- 
gärtner des  Baron  Ludwig  in  Capstadt,  verdient  als  Sammler  auf  Reisen  in  Brasilien 
1814—7  und  in  Südafrica  1817 — 23  und  von  1827  an  (Britten  u.  Boulger  Journ. 
of  Bot.  XXVI.  145). 

-)  Von  e'qlov  Wolle  und  aneg/^a  Samen. 

3)  Von  cpvAÄov  Blatt  und  yAwaoa  Zunge. 

4)  Nach  John  Bellenden  Ker  (früher  Gawler),  *  17  f  1871  Cannes, 
1815 — 1824  Herausgeber  des  Botanical  Register,  vorzüglichem  Kenner  der  Lilii- 
florae,  u.  a.  Verf.  von  Iridearum  genera  Bruxelles  1827  (Britten  u.  Boulger 
Journ.  of  Bot.  XXVII.  215).  Seiner  wissenschaftlichen  Thätigkeit  wurde  schon  vor 
1851   durch  Geisteskrankheit  ein  Ziel  gesetzt  (Pritzel  Thes.  ed.   1.   138). 


52  Liliaceae. 

Subtribus. 

D IAN  ELLIN  AE. 

(Engl.  Nat.  Pfl.  IL  5.  38  [1887].  Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  63.) 
S.  S.  31.  Grundachse  meist  kurz,  aufrecht.  Blätter  2 reihig. 
Bliithen  in  Rispen.  Perigonblätter  getrennt,  3 — 7  nervig.  Staubfäden 
verdickt  (so  bei  uns)  oder  wollig.  Fruchtknoten  mit  zahlreichen  Samen- 
anlagen in  jedem  Fache. 

Angepflanzt  bei  uns  fast  nur 

*  DIANELLAi). 

(Lam.  Encycl.  II.  276  [1786].   Nat.  Pfl.  II.  5.  39.) 

Kräuter  (bei  uns)  oder  Halbsträucher.  Blüthenstand  eine  lockere  Rispe  mit- 
unter bis  über  1  m  lang.  Perigonblätter  3  —  7 nervig.  Staubfäden  verdickt.  Staub- 
beutel mit  Poren  aufspringend.  Frucht  eine  fast  kugelige  oder  länglich-eiförmige 
bläuliche  Beere   mit   wenigen    schwarzen,   glänzenden,    zusammengedrückten  Samen. 

11  Arten  auf  den  Südsee-Inseln,  Australien  bis  zum  Himalaja,  bei  uns  besonders 
gepflanzt : 

*  D.  caerulea.  3|.  Stengel  meist  5 — 6  dm  hoch.  Blätter  zahlreich,  ver- 
längert, säbelförmig,  an  den  Rändern  und  am  Kiele  rauh.  Aeste  der  Rispe 
kurz.     Bliithen  blau. 

In  Neusüdwales  heimisch,  im  Mittelmeergebiete  öfter  angepflanzt.     Bl.  Mai. 
D.  caerulea  Sims  Bot.  Mag.    t.   505    (1801).     Willd.  Enum.  Hort.  Berol.  375 
(1809)  [cocrulea].    Nichols.  Dict.  Gard.  I.  461. 

*  D.  revollita.  9J.  Blätter  starr  bis  8  dm  lang,  an  den  Rändern  stark 
zurückgerollt,  scharf  gekielt.  Blüthenstand  lockerer,  stärker  spreizend  als  bei 
voriger.     Blüthen  dunkler  blau. 

In  Ostaustralien  heimisch,  wie  die  vorige  angepflanzt.     Bl.  August. 

D.  revoluta  R.  Br.  Prodr.  280  (1810).  Nichols.  Dict.  gard.  Suppl.  I.  319.  D. 
divariedta  R.  Br.  a.  a.  O.  (1810).  D.  longifulia  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  734  (1823) 
nicht  R.  Br. 

2.  Tribus. 

HEMEROCALLIDEAE. 

(R.  Br.  Prodr.  295  [1810].  Dumort.  Anal.  Farn.  60  [1829J.  Nat.  Pfl. 
II.  5.  39.  Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  63.) 
S.  S.  30.  Grundachse  (bei  uns)  kriechend  oder  aufrecht  (selten 
•Zwiebel).  Blätter  zweizeilig  oder  mehrreihig.  Blüthenstand  Traube,  lockere 
Rispe  oder  trugdoldig.  Blüthen  gross.  Perigonblätter  am  Grunde  zu  einer 
Röhre  verbunden,  oberwärts  getrennt,  oft  deutlich  zygomorph.  Staubblätter 
oft  abwärts  gebogen,  meist  mehr  oder  weniger  mit  der  Röhre  verbunden. 
Staubbeutel    meist   mit   einem  Grübchen    an    den   Staubfäden    befestigt. 

Uebersicht  der  Gattungen. 
A.   Blätter  spiralig,  gestielt,  länglich-lanzettlich  bis   herzförmig.     Staub- 
blätter herabgebogen.  Hosta. 

l)  Deminativ  von  Diana ;  mit  dem  Namen  dieser  Göttin  bezeichnete  der 
Reisende  Commerson  diese  Gattung. 


Dianella.     Hosta.  53 

B.    Blätter  zweizeilig,  nicht  gestielt,  linealisch  bis  säbelförmig. 

I.  Blätter  grasartig,  weich,  schmal,    biegsam,    in  eine  scharfe  Spitze 

verschmälert.     Pflanze  mittelgross.  Hemerocallis. 

II.  Blätter  säbelförmig,  starr,  bleibend.    Pflanze  gross.       Phormium. 

*t   HOSTA'). 

(Tratt.  Arch.  Gew.kunde  I.  55  [1812].  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  728.  Nat. 
Pfl.  IL  5.  39.  Saussürea*)  Salisb.  Transact.  Linn.  Soc.  VIII.  11  [1807]  nicht  DC. 
oder  Moench.  Fünkia*)  Spreng.  Anleit,  2.  Aufl.  246  [1817].  Syst.  II.  40  [1825]. 
L'bc'rha-i)    Dum.    Comm.    bot.    9    [1822],     Funckia   Dum.  Anal,  famil.   60  [1829]). 

S.  S.  52.  Mittelgrosse  Kräuter  mit  kurzer,  dicker,  holziger  Grundachse.  Blätter 
grundständig,  eine  Rosette  bildend,  gestielt,  lanzettlich  oder  meist  breiter,  eiförmig 
bi*  herzförmig.  Blüthenstand  eine  einfache  einerseitswendige  Traube.  Blüthen  ziem- 
lich gross,  hängend  oder  übergebogen,  weiss  oder  blau.  Perigon  trichterförmig  mit 
kürzerer  oder  längerer  am  Schlünde  erweiterter  Bohre.  Staubblätter  mit  der  Perigon- 
röhre  am  Grunde  verbunden  oder  frei,  abwärts  gekrümmt.  Staubfäden  in  einem 
in  der  Mitte  der  leicht  beweglichen  Staubbeutel  befindlichen  Grübchen  befestigt. 
Fruchtknoten  mit  zahlreichen  Samenanlagen  in  jedem  Fache.  Frucht  eine  längliche 
oder  linealische  Kapsel.     Samen  zahlreich,  flach,  nach  unten  geflügelt,  schwarz. 

Alle  5  Arten  in  China  und  Japan,    die  meisten  bei  uns  als  Zierpflanzen. 

A.  Xtobeö)  (Salisb.  Transact.  Hort.  Soc.  I.  335  [1812].  Gen.  of  pl.  82  [1866]  als 
Gatt.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL  367  [1871].  Nat.  Pfl  IL  5.  40).  Blüthenstiel 
am  Grunde  mit  einem  kleinen  Vorblatte  versehen,  daher  2  Hochblätter  unter 
jeder  Blüthe.  Perigonröhre  in  der  Mitte  etwa  4  mm  weit,  sich  oberwärts  all- 
mählich erweiternd. 

*f  H.  plantaginea.  Qj..  Stengel  meist  3 — 6  dm  hoch.  Blätter  herz-eiförmig, 
meist  1,5  bis  über  2  dm  lang  und  8 — 13  mm  breit,  ziemlich  lang  gestielt,  jederseits 
mit  6—8  Längsnerven.  Blüthenstand  9 — löblüthig  Hochblätter  lanzettlich,  auf- 
recht-abstehend, die  unteren  bis  5  cm  lang.  Blüthenstiele  1 — 2,5  cm  lang.  Blüthen 
schwach  wohlriechend.  Perigon  weiss,  bis  über  1  dm  lang  mit  1 — 2  cm  breiten 
Abschnitten.     Frucht  beiderseits  verschmälert  bis  5  cm  lang. 

In  China  und  Japan  heimisch,  bei  uns  viel  in  Gärten,  häufig  zu  Einfassungen 
verwandt,  leicht  verwildernd.     Bl.  Juli,  August. 

H.  plantaginea  Aschers.  Bot.  Zeit.  XXI.  53  (1863).  Fl.  Brand.  I.  728  (1864). 
Hemerocallis  plantaginea  Lam.  Enc.  III.  103  (1789).  Hemerocallis  japönica  Banks 
in  Kaempfer  Ic.  select.  pl.  Jap.  t.  11  (1791).  Thunb.  Transact.  Linn.  Soc.  IL  335 
(1794)  nicht  FL  Jap.  Hemer,  alba  Andrews  Bot.  ßep.  t.  194  (1801).  Hemero- 
callis cordata  Cav.  Descr.  124  (1801).    Hosta  japönica  Tratt.  Obs.  bot.  IL  56  (1812). 


i)  S.  IL   1.  S.  35  Fussn.  1. 

ü)  Nach  Horace-Benedict  de  Saussure,  *  1740  f  1799  Genf,  Professor  au 
der  Universität  daselbst,  dem  berühmten  Erforscher  der  Alpen  (Voyages  dans  les 
Alpes.  4  Bde.  Neufchatel  1779—96).  Die  viel  bekanntere  gleichnamige  Compositen- 
gattung  wurde  von  De  Candolle  (Ann.  Mus.  XVI.  156  [1810]  nach  H.  B.'s  Sohn, 
Yicolas-The'odore  de  S.,  *  1767  f  1845  Genf,  gleichfalls  Professor  daselbst,  benannt. 
Vater  und  Sohn  haben  auch  einige  botanische  Abhandlungen  veröffentlicht. 

3)  Nach  Christian  Heinrich  Fun  ck,  *  22.  Nov.  1771  f  14.  Apr.  1839  Gefrees 
im  Fichtelgebirge,  Apotheker  daselbst,  welcher  wiederholt  die  Alpen  und  das  Riesen- 
gebirge bereiste  und  von  da  treffliche  Exsiccaten  käuflich  herausgab.  Er  war  ein 
hervorragender  Kryptogamenkenner :  Kryptugamische  Gewächse  bes.  des  Fichtel- 
gebirges. 3.  Aufl.  42  Hefte.  Leipzig  1806—38.  Vgl.  Alb.  Schmidt  in  Flora  LXII. 
(1879)  97. 

4)  S.  IL   1.  S.  600  Fussn.  3. 

5)  Name  der  aus  der  Griechischen  Mythologie  bekannten  Tochter  des  Tantalus, 
Gattin  des  Königs  Amphion  von  Theben. 


54  Liliaeeae. 

Ausg.  Taf.  Arch.  der  Gewächsk.  t.  52  (1812).  Xiobc  cordifdlia  Salisb.  Trans.  Host. 
Soc.  I.  335  (1812).  Fwnkia  mbcorddta  Spreng.  Syst.  II.  41  (1825).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XI.  367   (1871). 

Eine  kräftigere  grossblüthige  Gartenform  ist  B.  grandifldra  (Funkia 
grandiflora  Sieb.  u.  Zucc.  Fl.  des  serres  t.   158,   159  [1846]). 

B.  B.  Bryoclesi)  (Salisb.  Transact.  Hortic.  I.  335  [1812].  Gen.  of  pl.  81  [1866] 
als  Gattung.  Baker  Journ.  Liun.  Soc.  XI.  367  [1871].  Nat.  Pfl.  II.  5.  40). 
Blütbenstiel  ohne  Vorblatt,  daher  nur  1  Hochblatt  am  Grunde  des  Blüthen- 
stiels.     .Staubfäden  frei,  nicht  mit  der  Perigonröhre  verbunden. 

I.  I.  Blätter  gross,  graugrün,  beiderseits  mit  12—13  Längsnerven. 

*  H.  Sieboldiana ä).  9\.  Stengel  kaum  länger  als  die  Blätter.  Blätter  herz- 
eiförmig bis  3  dm  lang  und  bis  2  dm  breit  mit  bis  3  dm  langen  Stielen ,  beider- 
seits graugrün.  Blüthenstand  10  —  15blüthig.  Hochblätter  bis  7  cm  lang,  zuletzt 
etwas  abstehend.  Blüthenstiele  bis  über  1  cm  lang,  die  unteren  nickend.  Perigon 
hell-lila,  bis  etwa  6  cm  lang  mit  bis  8  mm  breiten  Abschnitten.  Frucht  hängend, 
bis  über  3  cm  lang. 

In  Japan  heimisch,  bei  uns  gern  wegen  der  schön  graugrünen  bis  blaugrünen 
Blätter  gepflanzt.     Bl.  Juli. 

H.  Sieboldiana  Engl.  Nat,  Pfl.  II.  5.  40  (1888).  Funckia  Sieboldiana  Hook. 
Bot.  Mag.  t.  3663  ^838).  Kunth  Enum.  pl.  IV.  592.  Baker  Gard.  Chron.  1868. 
1015.  Journ.  Linn.  Soc.  XL  367  (1871).  Funkia  Sieboldii  Lindl.  Bot.  Eeg.  XXV 
t.  50  (1839).    Hosta  Sieboldii  der  Gärten. 

Aendert  ab 
B.  Fortunei3).    Blätter  rundlich-herzförmig,  stark  blaugrün.    Blüthen  weiss.    — 
F.  Sieboldiana  b)  Fortunei    Gaerdt    in   Wredows   Gartenfreund    17.    Aufl.    448 
(1886).     F.  Fortunei  der  Gärten. 

IL  IL  Blätter  lebhaft  grün,  beiderseits  mit  nur  4 — 8  Längsnerven. 

Gesammtart  H.  Japonica. 

(Aschers.  Bot.  Zeit.  XXI  [1863]  53.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  728  [1864].  Hemerocallis 
japonica  Thunb.  Fl.  Jap.  [1784]  erw.   Funkia  ovata  Kunth  Enum.  IV.  591   [1843]). 

*f  H.  coenilea.  3| .  Stengel  meist  3 — 4,5  dm  hoch,  die  Blätter  weit  über- 
ragend. Blätter  breit-eiförmig  bis  fast  herzförmig,  bis  über  2  dm 
lang  und  etwa  12  cm  breit  mit  bis  fast  3  dm  langen  Stielen,  jederseits  mit  6 
bis  8  Längsnerven.  Blüthenstand  locker  10— 15  blüthig.  Untere  Hochblätter 
selten  über  2,5  cm  lang.  Blüthenstiele  bis  8  mm  lang,  die  unteren  nickend.  Perigon 
heller  oder  dunkler  blauviolett,  bis  5  cm  lang  mit  bis  1,2  cm  breiten  Ab- 
schnitten.    Frucht  hängend  bis  über  3  cm  lang. 

Im  östlichen  Sibirien,  Nord-China  und  Japan  heimisch,  bei  uns  häufig  au- 
gepflanzt,  leicht   verwildernd.      Bl.   Juli,   August. 

H.  coendca  Tratt.  Arch.  der  Gewächsk.  t.  189  (1813).  Hemerocallis  coerulca 
Andrews  Bot.  Rep.  t.  6  (1797).  Bryoclcs  rentriedsa  Salisb.  Trans.  Hort.  Soc.  I.  325 
(1812).  Funkia  ovata  Spreng.  Syst.  IL  240.  Baker  Gard.  Chron.  1868.  1015.  Journ. 
Linn.  Soc.  XL  367  (1871).  Ftmkia  ovata  a.  Kuuth  Enum.  IV.  591  (1843).  Hosta 
japonica  b.  cocrulea  Aschers.  Bot.  Zeit.  XXI  (1863)  53.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  728 
11864). 

Aendert  ab 
B.  intermedia  (Funkia  ovata  b.  interm.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  368  [1871]). 
Blätter  doppelt   so  lang  als  breit,   eiförmig,  am  Grunde  allmählich  verschmälert, 
jederseits  mit  <>  Nerven.  —  Japan.  —  Vielleicht  ein  Bastard  mit  folgender?  — 
Hierher  gehör!  : 


')  Saliubury  triebt  a.  a.  O.    keine  Erklärung  dieses  Namens    (Stapf   br.). 
*)  S.  I.  S.   188  Fussn.   1. 
S)  S.  I.  S.   181   Fussn.  2. 


Hosta.  55 

1.  margindta  (Funkia  marginata  Siebold  bei  Miq.  Verb.  Kon.  Ak.  Wet. 
II.  302  [1869])  mit  breit  weissgeränderten  und  öfter  auch  etwas  gestreiften 
Blättern.  —  Häufige  Culturforrn,  gern  im  Winter  zum  Treiben  in  Töpfen 
verwandt. 

C.  minor  (Baker  a.  a.  0.  [1871]).  Pflanze  viel  kleiner.  Stengel  5 — 8mal  länger 
als  die  Blätter.  Blätter  eiförmig,  bis  8  cm  lang,  am  Grunde  breit  abgerundet, 
jederseits  mit  5 — 6  Nerven.  —  Inseln  bei  Korea;  bei  uns  gern  als  Einfassungs- 
pflanze verwendet. 

Buntblätterige  Gartenformen  s.  auch  Gaerdt  in  Wredow's  Gartenfreund. 
17.  Aufl.  448  (1886).  Bei  dieser  Art  findet  die  Entwickelung  von  Nucellar- 
embryonen  statt.  In  einem  Samen  entwickeln  sich  (nicht  aus  der  eigentlichen 
Eizelle)  fast  immer  2 — 6  (selten  bis  10)  Keimlinge  (vgl.  A.  Braun,  Ueber 
Polyembryonie.  Abb.  Akad.  Wiss.  Berlin  1860.  146.  Strasburger,  Ueber 
Befruchtung  und  Zelltheilung  82^  Taf.  VI.  Fig.  25—30). 

*f  H.  Japonica.  Q[.  Der  Leitart  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch 
Folgendes  verschieden:  Stengel  bis  etwa  3  dm  hoch.  Blätter  lanzettlich,  bis 
1,2  dm  lang  und  5  cm  breit,  mit  bis  über  2  dm  langen  Stielen,  jederseits  mit 
4 — 5  Längsnerven.  Blüthenstand  meist  6 — lOblüthig.  Perigon  weiss,  bis 
ganz  bleich-violett,  kaum  bis  4  cm  lang. 

In  Japan  heimisch,  bei  uns  nicht  selten  gepflanzt.     Bl.  Juli,  August. 

H.  japonica  Aschers.  Bot.  Zeit.  XXI  (1863)  53  im  engeren  Sinne.  Hemero- 
callis  japonica  Thunb.  Fl.  Jap.  142  (1784)  im  engeren  Sinne  nicht  Transact.  Linn. 
S.  Hcmerocallis  lancifölia  Thunb.  Transact.  Linn.  Soc.  II.  335  (1794).  Funkia 
lancifölia  Spreng.  Syst.  IL  41  (1825).  Funkia  ovata  ß.  Kunth  Enum.  pl.  IV.  592 
(1843).  Hosta  japonica  b)  lancifölia  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  729  (1864).  H. 
lancifölia  Engl.  Nat.  Pfl.  IL  5.  40  (1888). 

Die  Nomenclatur  dieser  Art  ist  einigermassen  verwirrt.  Thunberg  beschrieb 
in  seiner  Flora  Japonica  1784  ganz  deutlich  in  ausführlicher  Diagnose  diese  Art 
als  Hemerocallis  japonica.  1791  hatte  nun  aber  Banks  bei  Herausgabe  der 
Kämpf  er 'sehen  Icones  select.  pl.  Jap.  die  auf  der  Tafel  11  abgebildete  Pflanze, 
die  H.  plantaginea  darstellt,  für  die  Th  u  n  berg'sche  Hern,  japonica  gehalten. 
Thunberg  übertrug  deshalb  den  Namen  Hern,  japonica  auf  diese  Pflanze  und 
nannte  seine  frühere  Hern,  japonica  jetzt  H.  lancifölia.  Da  der  ganz  zweifellose 
Name  H.  japonica  durch  spätere  Verwechselung  unmöglich  die  Priorität  verlieren 
kann,  muss  unsere  Art  diesen  Speciesnamen  behalten.  Ascherson  vereinigte  (Bot. 
Zeit.  XXI  [1863]  53)  die  zweifellos  sehr  nahe  verwandten  Arten  H.  coerulea  und 
H.  Japonica  als  H.  Japonica.  Neuerdings  erscheint  es  uns  richtiger  beide  Arten 
als  Arten  einer  Gesammtart  (oder  als  Unterarten  einer  Art?)  zu  vereinigen. 

Aendert  ab 
B.  angustifdlia    (Gaerdt    in    Wredow's    Gartenfreund.    17.    Aufl.    448    [1886]). 
Blätter    schmal,    lanzettlich,    bis    zum    Blattstielgrund    allmählich    verschmälert, 
flach,  grün. 

Von  Gartenformen  dieser  Art  sind  besonders  bemerkenswert!! : 
1.  alb  imargindta  (Funckia  albomarginata  Hook.  Bot.  Mag.  t.  3663  [1838]. 
Kunth  Enum.   pl.   IV.  592).    Pflanze  kräftig.    Blätter  mit  ziemlich  schmalen,   weissen 
bis  gelblichen  Rändern.  —   Kommt  auch  mit  ziemlich  deutlich  gelber  und  gelbgrüner 
Berandung  vor. 

1.  unduldta  (Funkia  undulata  Otto  u.  Dietr.  Gartenzeit.  1833.  120.  Kunth 
a.  a.  O.).  Blätter  kraus,  wellig  gefaltet,  sehr  stark  weissstreifig  mit  verkürzten 
geflügelten  Stielen.  Sehr  schöne  und  beliebte  Zierform,  besonders  häufig  zur  Treiberei 
im  Winter  verwandt. 

Weitere  Gartenformen  dieser  Art  s.  Gaerdt  in  Wredow's  Gartenfreund  17.  Aufl. 
448  (1886). 


5(j  Liliaeeae. 

160.  HEMEROCÄLLIS1). 

(L.    [Syst.  ed.   1.]    Gen.  pl.  [ed.    1.  98]   ed.  5.   151    [1754]    z.  T.  Nat. 
Pfl.  IL  5.    40.    Cameräria2)  Boehm.  in  Ludw.  Ken.   pl.  50  [1760]. 

Hemerocalis  Murr.  Syst.  ed.  14.  339  [1784]). 

(Taglilie,  Tagsehöne;  niederl. :  Daglelie;   it.:  Giglio  turco;    rum. :  Crini- 

galbeni;  böhni. :  Denfvka;  kroat. :  Ljiljanka;  russ. :   JIiuieiiHiiK'6.) 

S.  S.  53.  Ausdauernde  kahle  Kräuter  mit  kurzer  Gruudacb.se 
und  mehr  oder  weniger  fleischigen,  verdickten  Wurzeln.  Laubblätter 
grundständig,  zweizeilig,  schmal,  fast  grasartig,  gekielt.  Hauptknospe 
in  der  Achsel  des  obersten  Laubblattes,  ihr  2  kieliges  Vorblatt  schon 
znr  Blüthezeit  entwickelnd.  Blüthen  gross,  in  2  an  der  Spitze  des 
Stengels,  welcher  keine  Gipfelblüthe  trägt,  stehenden  Schraubein.  Oft 
traut  noch  ein  unter  den  Tragblättern  dieser  Schraubein  befindliches 
Hochblatt  in  seiner  Achsel  eine  ähnliche  Doppel schraubel.  Perigon 
trichterförmig,  unterwärts  schmal -röhrenförmig,  am  Grunde  mit  dem 
Fruchtknoten  verbunden  mit  6theiligem  Saume  und  vielnervigen  Ab- 
schnitten. Staubblätter  am  Schlünde  eingefügt,  vorn  aufsteigend.  Staub- 
beutel länglich-linealisch  am  Rücken  befestigt.  Griffel  fadenförmig.  Narbe 
stumpf.  Frucht  eine  fleischig-lederartige  Kapsel  mit  wenigsamigen  Fächern. 
Samen  kugelförmig  oder  kantig,  schwarz,  glänzend. 

5 — 6  Arten,  im  Himalaja,  Sibirien  und  Ostasien  verbreitet.  In  Europa  nur 
unsere  Arten. 

Das  Indigenat  unserer  beiden  Arten  wird  neuerdings  vielfach  augezweifelt,  so 
besonders  von  Beck  Fl.  v.  NÖ.  164,  welcher  ihre  Heimat  in  Ost -Asien  vermuthet; 
manche  Angaben  neuerer  Floren  scheinen  auch  durch  diese  Zweifel  beeinttusst.  Wir 
schliesBen  uns  indess  der  Ansicht  des  besten  Kenners  der  Gattung,  W.  O.  Focke 
an.  welcher  diese  Bedenken  nicht  theilt  und  das  Vorkommen  dieser  Arten  in  Europa 
mit  dem  von  Philadelphus  und  den  S)>iraea-Arten  vergleicht,  dem  man  auch  die 
neuerliche  Entdeckung  der  Forsythia  Europaea  in  Albanien  beifügen  könnte.  Die 
systematischen  Studien  Focke's  finden  sich  in  Abh.  NV.  Bremen  X.  156  (1888), 
und  XIV.  274,  über  die  blüthenbiologischen  einige  Andeutungen  a.  a.  O.  XI.  415, 
XII.  345  Fussn.  1  und  415,  416.  H.  flava  setzt  spontan  selten  und  II.  fulva  fast 
nie  Frucht  au,  und  bei  ersterer  sind  die  Keimlinge  oft  ohne  Chlorophyll,  lebens- 
unfähig. Diese  Sterilität  rührt  von  Unwirksamkeit  des  eigenen  Pollens  her;  mit 
Pollen  eines  fremden  (nicht  von  demselben  Samenkorn  abstammenden)  Stocks  be- 
st raubt,  ist  dagegen  erstere  vollkommen  fruchtbar. 

750.  (1.)  H.  ilava.  2|_.  Stengel  länger  als  die  Blätter.  Blätter 
linealisch,  meist  4 — 6  dm  lang,  und  bis  1,5  cm  breit,  grasgrün.  Blüthen- 
stand  meist  6 — 9  blüthis:.     Hochblätter  klein,  lanzettlich.    Blüthenstiele 


])  1/fitQov.aAJ.i's  bei  Dioskorides  III,  127,  Name  einer  gelbblüheudeu  Lilie, 
wohl  verschieden  von  dem  bei  Theophrastos,  bei  Plinius  und  Athenaios 
Torkommendem  i^itt  (foxaAAeg.  Der  Name  bedeutet,  dass  die  Blume  nur  einen  Tag 
blüht   (itutQa  Tag,  y.dAAog  Schönheit). 

-')  Nach  der  Gelehrtenfamilie  der  Camerarius,  welche  von  dem  Humanisten 
Joachim  (eigentlich  Liebhard),  *  1500  Bamberg  f  1574  Leipzig  abstammten.  Als 
Botaniker  haben  sich  Verdienste  erworben  dessen  Sohn  Joachim,  *  1534  f  1598 
Nürnberg,  Arzt  daselbst,  Verf.  von  llortus  medicus  et  philosophicus  Francof.  1588 
und  besonders  Rudolf  Jakob,  *  1665  f  1721  Tübingen,  Professor  der  Mediein  da- 
selbst, der  experimentelle  Begründer  der  Lehre  von  der  Sexualität  der  Pflanzen  (De 
sexu  plantarum.  Epistola  ad  D.  Mich.  Bern.  Valentini.  Tueb.  16!»4). 


Heineroeallis.  57 

meist  2  bis  fast  5  cm  lang.  Blüthen  nach  Orangenblüthen 
duftend,  hellgelb.  Perigon  bis  1  dm  lang,  mit  cylindrischer 
Röhre  und  flachen,  spitzen,  von  un verzweigten  Nerven 
durchzogenen,  bis  8  mm  breiten  Abschnitten  (die  inneren 
etwas  breiter,  abgestutzt  und  kurz  zugespitzt). 

An  sumpfigen,  schattigen  Orten  fast  nur  im  südlichen  Alpengebiete 
wenig  verbreitet.  Schweiz:  Wallis  (ob  einheimisch?);  Süd-Tirol!  bis  660  m; 
Venetien;  Kärnten;  Krain!  Unter-Steiermark:  Steinbrück;  Görz;  Kroatien: 
Südwest-Ungarn:  so  auf  Sumpfwiesen  bei  Güssing  im  Eisenburger  Comitat 
von  Clusius  beobachtet;  Ct.  Veszprim  und  Somogy.  Als  Zierpflanze  in 
Gärten,  einzeln  oder  in  Menge  verwildert,  zuweilen  völlig  eingebürgert, 
so  bei  Bregenz  (kaum  einheimisch),  München  und  bei  Leitomischel  in 
Böhmen  (Celakovsky  Prodr.  755).     Bl.  Juni  (Juli). 

H.  flava  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  462  (1762).  Koch  Syn.  ed.  2.  833. 
Nyman  Consp.  718.  Suppl.  300.  Richter  PI.  Eur.  I.  194.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XI.  358  (1871).  Rchb.  Ic.  X  t.  DX  fig.  1112.  Freyn 
ÖBZ.  XL  (1890)  225  Fig.  3.  H.  Lüio-Asphödelus  a.  flavus  L.  Spec. 
pl.  ed.  1.  324  (1753).    H.  fulva  ß.  flava  Poll.  Fl.  Veron.  I.  438  (1822). 

(Süd-Frankreich;  Italien;    Kaukasus;  westliches  Sibirien;    [Japan]). 

"I 

751.  (2.)  H.  fulva.  2|.  Stengel  bis  fast  1  m  hoch.  Blätter  breit- 
linealisch  bis  über  6  dm  lang  und  bis  3  cm  breit,  anfangs  unterseits 
graugrün.  Blüthenstand  6 — 12blüthig,  mit  kleinen  lanzettlichen  Hüll- 
blättern. Blüthenstiele  kurz.  Blüthen  geruchlos,  rothgelb, 
aussen  gelb.  Perigon  bis  1  dm  lang,  mit  kürzerer  Röhre  und 
von  mit  Queradern  verbundenen  äusseren  Nerven  durch- 
zogenen Abschnitten,  von  denen  die  äusseren  flach  spitzlich, 
die  inneren  breiter  (bis  über  2  cm  breit),  am  Rande  wellig  und 
stumpf  sind. 

Auf  Wiesen,  an  felsigen  grasigen  Orten  nur  im  südlichen  Gebiete, 
häufiger  als  die  vorige,  doch  öfter  von  zweifelhaftem  Indigenat.  Provence 
(einheimisch  ?),  Wallis  und  Tessin  (einh.  ?).  Salzburg,  Ober-  und  Nieder- 
Oesterreich  (einh.?).  Süd-Tirol;  Kärnten;  Krain  (einh.?);  Küstenland. 
Als  Zierpflanze  viel  verbreiteter  als  die  vorige,  nicht  selten  verwildert, 
stellenweise,  besonders  an  alten  Burgen  völlig  eingebürgert.  Bl.  Juli, 
August. 

H.  fulva  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  462  (1762).  Koch  Syn.  ed.  2.  833. 
Nyman  Consp.  718.  Suppl.  300.  Richter  PI.  Eur.  I.  194.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XL  359  (1871).  Rchb.  Ic.  X  t.  DX  fig.  1113.  Freyn 
a.  a.  O.  Fig.  1.  H.  Lüio-Asphödelus  p1.  fulvus  L.  Spec.  pl.  ed.  1. 
324  (1753).    H.  cröcea  Lam.  Fl.  Franc.  III.   267  (1778). 

(Südliches  Frankreich;  Italien;  mittleres  und  südliches  Russland, 
Transkaukasien.     Ausserdem  wie  auch  vorige  vielfach  verwildert.)    "jjT 


58  Liliaceae. 

*   PHÖRMIUMi). 

(Forster  Char.  gen.  47  t.  24    [1776].     Nat.  Pfl.  II.  5.  41.     Chlamydia!)    Banks   in 

Gaertn.  Fruct.  sein.  I.  71   [1788]). 
(Flachslilie,   Neuseeländischer   Flachs;    frauz. :    Phormier;     russ. :    Il0B03eJiaHJCKiä 

Äeui>.) 

S.  S.  53.  Ansehnliche  Kräuter.  Grundachse  kurz,  dick,  verzweigt,  kriechend. 
Blätter  zweizeilig,  säbelförmig-linealisch,  hart  lederartig,  sehr  zähe.  Blüthenstand 
eine  zusammengesetzte  Rispe.  Hochblätter  häutig.  Blüthenstiele  ungleich  lang,  ge- 
gliedert. Blüthen  büschelig  gestellt.  Perigon  gekrümmt  mit  kurzer  kreiseiförmiger 
Röhre  und  3  ziemlich  starren  äusseren  und  3  zarteren,  etwas  längeren  inneren  Ab- 
schnitten. Staubfäden  dünn.  Staubbeutel  länglich-linealisch.  Fruchtknoten  3  kantig, 
mit  zahlreichen  Samenanlagen.  Griffel  dick,  mit  kleiner,  kopfförmiger  Narbe.  Samen 
länglich,  zusammengedrückt,  mit  schwarzer,  ringsum  flügelartig  verbreiterter  Schale. 

2  Arten  in  Neu-Seeland. 

*  Pll.  tenax.  %.  Blätter  aufrecht,  bis  weit  über  1  m  lang,  4 — 6  cm  breit, 
besonders  unterseits  graugrün,  an  den  Rändern  und  am  Kiel  oft  roth  überlaufen, 
an  der  Spitze  aufspaltend.  Blüthenstengel  bis  2  m  hoch.  Blüthen  gross,  gelblich- 
röthlich.  Frucht  6 — 10  cm  lang  und  1 — 1,5  cm  dick.  Samen  oft  vor  dem  Aus- 
fallen keimend. 

In  Neuseeland  und  auf  der  Norfolk-Insel  heimisch,  im  Mittelmeergebiete  häufig 
in  Gärten,  besonders  in  einer  Form  mit  gelbgestreiften  Blättern  (B.  v arieg atuvi 
Gaerdt  in  Wredow's  Gartenfr.  17.  Aufl.  457  [1886]).  Auch  versuchsweise  in  Süd- 
Frankreich  und  Dalmatien  als  Faserpflanze  angebaut. 

P.  tenax  Forster  Char.  gen.  48  (1776). 

Die  ausserordentlich  zähen  Blätter  stellen  wohl  mit  die  zugfestesten  Körper 
im  Pflanzenreich  dar.  Die  Faser  wird  daher,  namentlich  in  England,  besonders  zu 
Tauwerk  und  Segeln  verarbeitet.  —  Auch  huntblättrige  Formen  des  P.  Cooki- 
anum*)  (Le  Jolis  in  Hook.  Lond.  .Tourn.  Bot.  VII.  536  [1S48].  P.  Colensoi  4) 
Hook.  fil.  in  Raoul  Choix  pl.  Nouv.  Holl.  41  [1846]  mitunter  in  Gärten,  meist 
schöner  weiss  als  von  voriger. 

Tribus. 

ALÖEAE. 

(A.  u.  G.   Syn.  III.    30    [1905].    Aloineae  Engl.  Nat.  Pfl.  IL  5.  42. 
Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  64). 

S.  S.  30. 

')  cpOQ/Licov  Flechtarbeit,  auch  Pflanzenname  vielleicht  =  ÖQpivov. 

2)  Von  %Aatuvg  Mantel,  wegen  Verwendung  der  Faser  zur  Bekleidung. 

3)  Nachdem  berühmten  Seefahrer  James  Cook,  *  1728  in  Yorkshire  f  14.  Febr. 
1779  auf  Hawai  von  Eingeborenen  erschlagen,  dessen  drei  grosse  Reisen  1769 — 71, 
1772 — 5  und  1776  —  9  besonders  für  die  Erforschung  des  Stillen  Oceans,  seiner  Küsten 
und  Inseln  Epoche  machten.  Auf  der  ersten  wurde  er  von  Banks  (s.  I.  S.  211  Fussn.  1) 
und  Solander,  auf  der  zweiten  von  Johann  Reinhold  und  Georg  Föi  s  t  e  r  (s.  II.  1 
S.  188  Fussn.  1)  begleitet  und  so  auch  für  die  Botanik  kostbares  Material   gewonnen. 

i )  Nach  l!ev.  William  Colenso,  *  1811  Penzance  (Com  wall)  f  gegen  Ende 
1898  Napier  (Hawkes  Bay)  in  Neuseeland,  welcher  18.T3  von  der  Church  Missionary 
Society  zur  Errichtung  einer  Buchdruckerei  nach  dieser  Inselgruppe  gesandt  wurde, 
später  aber  selbst  als  Missionär  und  Geistlicher  wirkte.  C.  hat  sieh  um  die  Landes- 
und Volkskunde  und  Sprachwissenschaft  Neuseelands  die  grüssten  Verdienste  er- 
worben; namentlieli  hat  auch  die  Kenntniss  der  Flora  ihm  viel  zu  verdanken;  vgl. 
Nature  LIX  (1899)  420.  J.  Hector  u.  a.  in  Trans,  and  Proc.  of  the  New  Zeal.  Inst. 
XXXI  (1699)  722—4   (L.  Di  eis). 


Phormiuni.     Kniphofia.  59 

Uebersicht  der  Subtribus. 

A.  Blüthenstand  endständig,  dicht,  dick-ährenförmig.        Kiiiphofiinae. 

B.  Blüthenstand  seilen  ständig,    meist  lockerblüthig,    traubenförmig  oder 
rispig.     Pflanzen  nicht  selten  stammbildend,  verzweigt.        Aloinae. 

Subtribus. 

KNIPHOFIINAE. 
(Engler  Nat.  Pfl.  II.   5.   18,  42  [1888].    Dalla  Torre   u.   Harms    Gen. 

siph.  64.) 

S.  oben.  Grundachse  kurz.  Laubblätter  zahlreich,  grundständig, 
schmal,  fast  grasartig,  lederartig.  Blüthenstengel  starr  aufrecht  mit 
einer  dichten  Traube  oder  Aehre  abschliessend.  Perigon  mit  glocken- 
förmiger oder  cylindrischer  Röhre  und  kurzen  einnervigen  Abschnitten. 
Staubblätter  am  Grunde  des  Perigons  eingefügt  mit  dünnem  Staub- 
faden und  länglichem  bis  linealischem  mit  einem  Grübchen  am  Rücken 
angehefteten  Staubbeutel.  Fruchtknoten  mit  zahlreichen  Samenanlagen. 
Samen  kantig  mit  dunkler  Schale. 

2  Gattungen,  bei  uns  in  Gärten  fast  nur 

*f  KNIPHOFIA'). 
(Moench  Metb.   631    [1794].    Nat.  Pfl.  II.  5.  42.     Tritoma.2)   Ker-Gawl.   Bot.   Mag. 
t.  744  [1805].    Tritomdnthc*)  Link  Enum.  I.  333  [1821].    TritdmiumZ)  Link  Handb. 

I.   170   [1829]). 

Grundblätter  sehr  lang  und  schmal.  Hochblätter  häutig.  Blüthen  sitzend  oder 
kurzgestielt,  in  der  Bliithe  herabgebogen.  Perigon  cylindrisch  oder  oberwärts  etwas 
erweitert,  gelb  mit  roth.     Samen  schwarzbraun. 

16 — 18  Arten  im  Caplande,  Ostafrica  und  Madagascar.  Die  von  Gaerdt 
(Wredow's  Gartenfreund  17.  Aufl.  449)  als  schönste  und  eleganteste  Art  genannte 
K.  Quartiniana^)  (Rieh.  Tent.  Fl.  Abyss.  II.  353  [1851])  nur  seltener  gepflanzt. 
Bei  uns  am  meisten  in  Gärten : 

A.  Perigon  3  cm  lang  oder  länger.  A. 

I.  Blätter  graugrün.    Staubblätter  zuletzt  länger  als  das  Perigon,  hervorragend.       I. 

*f  K.  nväria*).  2| .  Stengel  meist  1  —  1,5  (an  Culturformen  oft  2—3)  m  hoch. 
Blätter  0,5  bis  über  1  m  lang  und  1,5  —  2,5  cm  breit,  am  Rande  rauh  oder  glatt, 
jederseits  mit  12 — 15  Nerven.  Blüthenstand  sehr  dicht.  Hochblätter  lanzettlich, 
6 — 8  mm  lang,  2 — 3  mal  länger  als  die  Blüthenstiele.  Perigon  meist  3 — 3,5  cm 
lang,  über  den  Fruchtknoten  schwach  zusammengezogen.  Fächer  des  Fruchtknotens 
mit  je  12 — 15  Samenanlagen. 

Im  Caplande  heimisch, 'bei  uns  sehr  häufig  in  vielen  Culturformen  in  Gärten, 
im  südlichen  Gebiete  leicht  verwildernd.     Bl.  (bei  uns)  im  August,  September. 


1)  Nach  Johann  Hieronyruus  Kniphof ,  *  1704  f  1763  Erfurt,  Professor  der 
Medicin  an  der  Universität  daselbst,  Verf.  mehrerer  botanischer  Schriften,  u.  a.  Bo- 
tanica  in  originali.  12  Conturien.  Folio-Abbildungen,  die  durch  Abdruck  getrockneter 
Pflanzen  hergestellt  wurden.  Erfurt  1747.  2.  Aufl.  Halae  1757—64. 

ä)  TQiTopoc  dreispaltig,  äv&i]  Blüthe. 

3)  S.  II.  2."  466  Fussn.    1. 

4)  Kommt  in  der  Theophrast- Ausgabe  des  Bodaeus  von  Stapel  1664  als 
Iris  uvaria  promontorii  bonae  spei  vor. 


G<>  Liliaceae. 

K.  uvaria  Hook.  Bot.  Mag.  t.  4s  16  (1854).    Aloe  Uvaria  L.  Spec.  pl.  ed.  1. 

4ü0  (1753).  Alctrisi)  Uvarin  L.  Maut.  II.  :;08  (1771).  Kniphoßa  aloides  Moench 
Meth.  631  (1794).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI  (1871)  364.  Tntoma  Uvaria  Ker- 
Gawl.  Bot.  Mag.  t.  744?  758  (1804). 

Eine  kleine  Form  ist 
B.  minor    (K.  aloides  var.  ß.  minor    Baker  Journ.    Linn.  Soc.  XI.  364    [187  lj). 

Blatter  nur  etwa  6  mm  breit.    Blüthen  dunkler  rothgefärbt. 
II.  glauca  (Gaerdt  in  Wredow's  Gartenfr.  17.  Aufl.  440   [1886]).  Blätter  schmäler, 

graugrün.    Blüht  sehr  reichlich. 

II.  II.  Blätter  hellgrün.    Staubblätter  nicht  oder  kaum  hervorragend. 

*  K.  praecox.  Blätter  bis  fast  3  cm  breit,  am  Rande  rauh,  jederseits  mit  12 
iii-  1")  Nerven.  Hochblätter  lanzettlich,  2 — 3mal  länger  als  die  Blüthen- 
stiele. 

Im  Caplande  heimisch,  bei  uns  hin  und  wieder  in  Gärten.     Bl.  Mai,  Juni. 

K.  praecox  Baker  in  Saund.  Ref.  Bot.  t.  168  (1870).  Journ.  Linn.  Soc.  XI. 
363  (1871). 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  der  K.  uvaria  zweifellos  nahe  steht,  aber 
besonders   durch    die  Farbe   der  Blätter   und    die    frühe  Blüthezeit    verschieden    ist. 

*  K.  Burchellii-).  Blätter  nicht  bis  2  cm  breit.  Blüthenstand  etwas  lockerer. 
Hochblätter  länglich-lanzettlich,  kaum  länger  als  die  Blut  hen stiele. 

Im  Caplande   heimisch,    bei  uns  hin  und  wieder  angepflanzt.     Bl.  September. 

K.  Burchellii  Kuuth  Enum.  IV.  552  (1843).  Baker  Journ.  Linn.  Soe.  XI. 
363  (1871).  Tritoma  Ihtrchelli  Herbert  in  Sweet  Hort.  Brit.  ed.  2.  517  (1830) 
nur  der  Name.    Liudl.  Bot.  Reg.   1745  (1835).    K.  laxißora  Kunth  a.  a.  O.  (1843). 

B.  B.  Perigon  kaum  über  2  cm  lang. 

*  K.  pumila.  91.  Blätter  kaum  bis  4  dm  lang,  jederseits  mit  10 — 12 
Nerven,  graugrün,  am  Rande  rauh.  Blüthenstand  die  Blätter  weit  überragend. 
Hochblätter  linealisch,  zugespitzt,  8 — 12  mm  lang,  etwa  4 — G  mal  länger  als  die 
2  mm  langen  Blütheustiele.  Perigon  nur  1.2 — 1,5  cm  lang,  über  dem 
Fruchtknoten  stark  zusammengezogen.  Staubblätter  und  Griffel  zuletzt 
weit  aus  dem   Perigon  hervorragend. 

Im  Caplande  heimisch,  bei  uns  seltener  in  Gärten. 

K.  pumila  Kunth  Enum.  pl.  IV.  552  (1843).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL 
363  (1871).  Aletris  pumila  Ait.  Hort.  Kew.  I.  464  (1789).  Veltheimia  3)  pumila 
Willd.  Spec.  pl.  IL  182    (1799).     Tritoma  pumila    Curt.  Bot.  Mag.   t.  764    (1804). 


i)  Die  Gattung  Aletris  (L.  Diss.  Chenon  15  Gen.  pl.  ed.  V.  149  [1754])  vertritt 
allein  die  Unterfamilie  Alelridoideae.  Der  Name  äÄerQig  die  Müllerin,  bezieht  sich 
auf  die  wie  mit  Mehl  bestäubt  aussehende  Oberfläche  des  Perigons  von  A.  fariimsa. 

*)  Nach  William  John  Burchell,  *  1781  oder  1782  f  23.  März  1863 
Fulhani  bei  London,  welcher  1805 — 10  auf  St.  Helena  (als  „Schoolmaster  and 
acting  botanist),  1811 — 5  in  Süd-Africa,  1825 — 1829  in  Süd-America  reiche  bo- 
tanische  Sammlungen   machte  (Britten   und   Boulger  Journ.  of  Bot.  XXVI.  182). 

B)  Die  Gattung  Veltheimia  (Gleditsch  Act.  Berol.  pro  1769.  67  [1771])  gehört 
zu  den  Scilleae.  Sie  ist  beuanut  nach  August  Ferdinand  Graf  von  Veitheim, 
*  18.  Sept.  1741  Harbke  (Kr.  Neuhaldenaleben)  bei  Helmstedt  f  2.  Oct.  1801 
Braunschweig,  bis  1>77  Hannoverischer  Kammerrath  u.  Vice-Bergliauptmann,  ver- 
dient als  Mineral-,  Geo-  und  Archäolog,  welcher  in  Harbke  eine  reiche  Gehölzsamm- 
lung  zusammenbrachte,  die  ycm  Johann  Philipp  Du  Roi,  *  2.  Juni  1741  f  8.  Dec. 
1785  Brau nsch weig,  Arzt  daselbst,  in  dem  Werke  „Die  Harbke'sche  wilde  Baum- 
zucht*. 2  Bände.  Braunsehw.  1771—2.  2.  Aufl.  von  Job.  Friedr.  Pott.  3  Bände. 
Braunschw.   1791  — 1800  beschrieben  wurde. 


Kniphofia.  61 

*  K.  sarmentösa.  QJ.  Blätter  schmal,  graugrün,  glatt.  Hochblätter 
lanzettlich  6 — 10  mm  lang,  2-  bis  höchstens  3  mal  länger  als  die  Blüthenstiele. 
Perigon  bis  2  cm  lang,  über  den  Fruchtknoten  kaum  zusammen- 
gezogen.    Staubblätter  und  Griffel  zuletzt  hervorragend. 

In  Natal  und  im  Caplande  heimisch,   bei  uns  seltener  in  Gärten. 

K.  sarmentösa  Kunth  Enum.  pl.  IV.  552  (1843).  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XI.  362  (1871).  Aletris  sarmentösa  Andr.  Bot.  Rep.  t.  54  (1799).  Triloma  media 
Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  744  (1804).  Veltheimia  sarmentösa  Willd.  Enum.  pl.  380 
(1809). 


Subtribus. 

ALÖINAE. 

(Link  Handb.  I.  188  [1829].    Nat.  Pfl.  II.  5.  42.   Dalla  Torreu.  Harms 

Gen.  siph.  64.) 

S.  S.  59.  Ausdauernde  Kräuter  mit  grundständiger  Blattrosette 
oder  stammbildend,  dann  oft  gabelästig,  seltener  fast  baumartig.  Blätter 
fast  stets  gedrängt,  zweizeilig  oder  spiralig,  meist  dick,  fleischig,  seltener 
lederartig.  Perigon  mit  cylindrischer  Röhre,  mit  kurzen  Abschnitten  oder 
mit  freien  röhrenförmig  zusammenneigenden  Perigonblättern.  Staubbeutel 
mit  einem  am  Rücken  befindlichen  Grübchen  an  den  Staubfäden  befestigt. 
Frucht  eine  fachspaltige  Kapsel,  selten  fleischig.  Samen  zusammengedrückt 
oder  dreikantig,  schwarz,  bei  Aloe  oft  dreiflügelig. 

Uebersicht  der  Gattungen. 

A.  Perigon  mit  deutlicher  Röhre.     Frucht  trocken,  eine  Kapsel. 
I.  Perigonabschnitte  gerade  vorgestreckt,  nicht  spreizend. 

a.  Blätter  fleischig,  oft  stachlig-gezähnt,  spitz.  Perigonröhre  cylind- 
risch  oder  glockig,  wenig  gekrümmt.  Staubblätter  so  lang  als 
das  Perigon.  Aloe. 

b.  Blätter  oft  zweizeilig,  dick  lederartig,  meist  stumpf,  nicht  gezähnt, 
oft  warzig.  Perigonröhre  unterwärts  bauchig,  oben  cylindrisch, 
gekrümmt.     Staubblätter  kürzer  als  das  Perigon.  Gasteria. 

II.  Perigonabschnitte  abstehend,  spreizend. 

a.  Perigonabschnitte  fast  gleichlang,  sternförmig  spreizend.  —  Ziem- 
lich kleine  Pflanzen  mit  dicht  beblätterten  Stamm.  Blätter  spiralig, 
dick,  breit,  niemals  stachlig-gezähnt.  Blüthenstand  einfach  oder 
gabelig  verzweigt.  Apicra. 

b.  Perigonabschnitte  zweilippig,  die  oberen  Abschnitte  gerade  vor- 
gestreckt,  die  unteren  sparrig  abstehend.  Haworthia. 

B.  Perigonblätter  frei,  zu  einer  Röhre  zusammenneigend.  Frucht  fleischig, 
zuletzt  aufspringend.  Lomatophyllum. 


62  Liliaceae. 

ÄLOEi). 

([Tourn.  Iostit.  191].  L.  Gen.  pl.  [ed.   1.  99]  ed.  5.   150  [1754].  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.   XI.   152   [1871].  Nat.  Pfl.  II.  5.  44.  Berger  in  Engl.  Bot.  Jahrb.  XXXVI.  42 

[1905]). 
(Aloe,  in  allen  Sprachen  des  Gebiets.) 

S.  S.  01.  Ausdauernde  Pflanzen  mit  kurzer  Grundachse  oder  verlängerten, 
■dann  oft  gabelig  verzweigtein  Stamm,  öfter  fast  baumartig.  Blätter  dick,  fleischig, 
meist  gedrängt,  eine  Rosette  bildend  oder  seltener  zweizeilig.  Blüthenstand  eine 
einfache  Traube  oder  eine  in  Trauben  endigende  Rispe.  Perigon  mit  cylindrischer 
oder  glockenförmiger  gerader  oder  wenig  gekrümmter  Röhre,  mit  grün  beränderten 
Abschnitten.     Staubblätter  ebensolang  oder  etwas  länger  als  das  Perigon. 

Gegen  100  Arten  die  Mehrzahl  im  Caplande  heimisch,  die  übrigen  in  Africa 
und  den  Inseln  bis  zum  Mittelmeergebiet  und  den  Canarischen  Inseln.  Eine  Art 
jetzt  in  allen  wärmeren  Ländern  eingebürgert,   eine  auch  in  China. 

Diese  Gattung  liefert  ein  wichtiges  Arzneimittel,  die  schon  im  Alterthum  ge- 
bräuchliche, in  allen  Pharmakopoeen  vorgeschriebene  Aloe,  Succus  Aloes  inspis- 
satus,  der  zur  Trockenheit  eingedickte  Saft,  der  frisch  gelb  gefärbt,  in  eigenen  auf 
4er  Aussenseite  der  Gefässbündel  des  Blattes  gelegenen  Secretzellen  enthalten  ist. 
Derselbe  kommt  aus  Westindien,  wo  A.  vera  in  der  Form  A.  Barbadensis  (S.  64) 
schon  seit  mindestens  300  Jahren  angebaut  wird,  aus  dem  Caplande,  wo  A.  arbores- 
cens  (S.  64),  A.  Succotrina  (S.  65),  A.  purpurascens  (S.  65),  A.  viitriformis  (S.  65), 
A.  ferox  (S.  66),  A.  Africana  (S.  66),  A.  spicata  (L.  fil.  Suppl.  205  [1781]),  A. 
plicatilits  (S.  67)  und  Gasteria  disticha  (S.  68)  als  die  Droge  liefernd  genannt  worden, 
von  der  Insel  Sokotra,  deren  Droge  von  A.  Pc'rryi'2)  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII. 
161  [1880])  stammt,  aus  Natal,  von  der  zu  A.  Bainesii'^)  (This.  Dyer  Gard.  Chron. 
1874.  1.  507,  568)  gehörigen  A.  Bdrbcrae*)  (This.  Dyer  a.  a.  O.  566,  568)  und  aus 
Ostindien,  wo  die  wohl  nur  als  Formen  von  A.  vera  zu  betrachtenden  A..  Indien 
(Royle  111.  Himal.  390  [1839])  and  A..  litoralis  (Koenig  nach  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XVIII.  176  [1880])  sowie  eine  von  Dymock  bei  Flückiger  Pharmakogn. 
2.  Aufl.  S.  189  als  A.  striaiula  Kth.  bezeichnete  Art  die  Droge  liefern  (A.  striatula 
[Haw.  Phil.  Mag.  1825.  281]  ist  aber  eine  Cap-Art). 

Man  unterscheidet  die  amorphe,  fast  schwarze,  glasglänzende,  kantendurch- 
scheinende  Aloe  lucida  (so  meist  die  Cap-Aloe)  und  die  kristallinische,  leberbraune, 
undurchscheinende  Aloe  hepatica  (dAdrj  it7iaziii£  schon  bei  Dioskorid  es).  Die 
wirksamen,  sehr  bitter  schmeckenden  kristallinischen  Stoffe  Capaloin,  Curaealoin, 
Barbalo'in,  Secaloin,  Zanzabün  und  Nataloin  sind  aus  der  Cap-Curayao-Barbados- 
Sokotra-Zanzibar-  und  Natal-Aloe  dargestellt  worden. 

A.  A.  Blätter  spiralig  (3-  oder  meist  vielzeilig)  gestellt.  Alle  Abschnitte  des  Perigons 
(bei  uns)  wenigstens  am  Grunde  verbunden  mit  freien  Spitzen. 

I.  I.  Eualoe    (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.    153  [1880]    veränd.     Berger    in 

Engl.  Bot.  Jahrb.  XXXVI.  46,  48  [1905]).  Stammlos  oder  stammbildend 
mit  dicht  rosettenartig  gedrängten  Blättern  oder  stammbildend  mit  entfernten 
Blättern  oder  strauchig,  aus  dem  Grunde  oder  seitlich  aus  dem  Stamme  un- 
regelmässig verzweigt,  sehr  selten  Stamm  dauernd  einfach,  niemals  gabel- 
ästig. Perigon  cylindrisch,  nur  am  Grunde  verbunden.  Perigonröhre  gerade 
mit  nicht  hervortretenden  oder  hervortretenden  Staubblättern.  Aus  dieser 
Gruppe  ist  A.  humilis  (L.  Spec.  pl.  ed.  1.  320  [1753])  in  Kreta  eingebürgert. 


*)  äAöi],  bei  Dioskorides  (III,  22)  Name  dieser  Gattung,  von  der  schon 
damals  eine  Art,  doch  wohl  A.  vera,  auf  der  Griechischen  Insel  Andros  vorkam, 
wohl,   wie  Sprengel  verinuthet,  durch  die  Phoenikier  eingeführt. 

8)  Nach  Wykeham  Perry,  der  1878  die  ersten  Exemplare  der  Sokotra-^47o<v 
nach  Kew  brachte. 

3)  S.  I.  S.  255   Fussn.  4. 

■*)  Nach  Mrs.  B  arber  geb.  Bowker,  welche  eine  grosse  Zahl  neuer  und 
interessanter  Pflanzen  aus  Süd-Africa  lebend  an  englische  Gärten  einsandte  (J.  G. 
Baker  br.). 


Aloe.  Gc 


a. 


a.  Blätter  vielzellig  (sehr  selten  2  zeilig). 

1.  Blätter  dicht  rosettenförmig  gedrängt.  1 

a.  Hümiles  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  46,  58  [1905]).  Pflanze      a 
ohne    oder    mit   kurzem    (kaum    über    2    [bis  3]  dm    langen)    Stamm. 
Blätter  ungefleckt  oder  längs  gestreift,  dreieckig-lanzettlich.     Blüthen- 
stand  eine  verlängerte  Traube. 

*  A.  lineäta.  |).  Stamm  1  bis  kaum  3  dm  hoch.  Blätter  lanzettlich  bis 
fast  3  dm  lang,  hellgrün,  deutlich  dunkelgrün  gestreift,  mit  3 eckig  lanzett- 
lichen, röthlichen  Zähnen.  Blüthenstand  bis  über  3  dm  hoch.  Blüthenstiele  nickend 
bis  über  3  dm  lang.  Perigon  röthlich,  bis  über  3  cm  lang,  mit  länglich-lanzettlichen 
Abschnitten. 

Im  Caplande  heimisch,  bereits  gegen  Ende  des  18.  Jahrhunderts  in  die 
Europäischen  Gärten  eingeführt. 

A.  lineata  Haw.  Transact.  Linn.  Soc.  VII.  18  (1804).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XVIII.  159  (1880). 

*  A.  glanca.  jj.  Blätter  sehr  zahlreich,  lanzettlich  bis  etwa  2  dm  lang, 
lebhaft  graugrün,  undeutlich  längsstreifig  mit  ungleichen,  dreieckigen, 
rothbraunen  Zähnen.  Blüthenstiele  bis  fast  4  cm  lang.  Perigon  mit  sehr  kurzer 
Bohre  und  bis  über  3  cm  verlängerten  Abschnitten. 

Im  Caplande  heimisch,  bereits  im  ersten  Drittel  des  18.  Jahrhunderts  ein- 
geführt.    Bl.  Juni,   Juli. 

A.  glauca  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  16  (1768).  Kunth  Enum.  pl.  IV.  520. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVII.  160  (1880).  A.  rhodacdntha  l)  DC.  Plant,  grass. 
t.  44  (vor  1810).    Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1278  (1810). 

Von  verwandten  gleichfalls  vom  Cap  der  guten  Hoffnung  stammenden  Arten 
werden  noch  öfter  angepflanzt: 

*  A.  brevifdlia  (Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  8  [1768].  DC.  Plant,  grass. 
t.  81.  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  996.  A.  prolifera  Haw.  Transact.  Linn.  Soc.  VII.  16 
[1804].)  Blätter  lanzettlich  nur  etwa  1  dm  lang,  graugrün  ungefleckt  mit  hellen, 
dreieckig-lanzettlichen  Zähnen.  Blüthenstiele  bis  2,5  cm  lang.  Perigon  roth,  über 
3  cm  lang  mit  lanzettlichen,  die  Bohre  an  Länge  übertreffenden  Abschnitten. 

*  A.  serra  (A.  Serra  DC.  Plant,  grass.  t.  81  [zw.  1810  u.  1829].  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  160  [1880]).  Stamm  sehr  kurz.  Von  voriger  hauptsäch- 
lich durch  die  zahlreichenen  am  Grunde  zu  einer  weisslichen  hornigen  Linie  zu- 
sammenfliessenden  Zähne  verschieden.  Perigon  leuchtend  roth.  —  Bereits  Anfang 
des  19.  Jahrhunderts  eingeführt. 

Von  den  von  voriger  Gruppe  hauptsächlich  durch  über  dem  Fruchtknoten 
zusammengezogenes  (nicht  cylindrisches)  Perigon  mit  längerer  Röhre  verschiedenen, 
mit  lang  dornjg  zugespitzten  Blättern  und  langgestielten  Blüthen  versehenen  Aris- 
tdtae  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  46  [1905])  ist  bemerkenswerth  die  Capen- 
sische  A.  aristdta  (Haw.  Phil.  Mag.  280  [1825]).  Blätter  lanzettlich  bis  über  1  dm 
breit,  am  Rücken  warzig  mit  spärlichen  1  mm  langen  weisslichen  Zähnen.  Blüthen- 
stiele bis  über  3  cm  lang.    Perigon  roth  bis  3  cm  lang. 

6.  Stamm  verlängert,    bis    über    5  dm    lang.     Blätter   ungefleckt  oder  in 
der  Jugend  schwach  unregelmässig  gefleckt. 
1.  Blätter  säbelförmig. 
a.    Verae  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  47,62   [1905]).    Stamm 
bildend.    Blätter  dicht  gestellt.    Blüthenstengel  gabelästig  mit  ver- 
längerten Trauben.  Hochblätter  zurückgebogen.  Blüthenstiele  kurz. 
Perigon  keulig-cylindrisch,  an  der  Spitze  etwas  zurückgekrümmt. 


1)  Von  qööov  Rose  und  änav&a  Stachel,  wegen  der  Farbe  der  Zähne. 


(>4  Liliaceae. 

*  A.  vera.  |/.  Stamm  bis  6  dm  hoch,  meist  unverzweigt.  Blätter  bis 
über  5  dm  lang,  hell-  und  schwach  graugrün,  in  der  Jugend  etwas  weiss  gefleckt, 
mit  kurzen  (kaum  3  cm  langen)  dreieckigen  braunen  Zähnen.  Blüthenstengel  bis 
über  1  m  bocb,  traubig  oder  rispig.  Blüthenstiele  bis  4  mm  lang,  nickend, 
hall)  so  lang  als  die  lanzettlichen,  spitzen,  nach  der  Blüthe  zurückgeschlagenen  Hoch- 
blätter. Perigon  gelb,  bis  2,5  cm  lang  mit  die  Röhre  an  Länge  3  mal  übertreffenden 
Abschnitten.  Staubblätter  und  Griffel  weit  aus  dem  Perigon  hervor- 
ragend. 

Vom  südlichen  Gebiet  des  Rothen  Meeres  bis  Süd-Africa  und  Ostindien  ein- 
heimisch, in  Aegypten  allgemein  auf  Gräbern  angepflanzt!!  Im  südlicheren  Mittel- 
meergebiete s.  S.  02  Fussn.  1  und  auf  den  Canarischen  Inseln  wohl  schon  seit  dem 
Alterthum  eingebürgert,  bei  uns  nur  angepflanzt.    Bl.  März — Mai. 

A.  vera  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  320  (1753).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  176 
(1880).  A.  perfoliata  a.  vera  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  458  (1762).  A.  barbadensis*)  Mill. 
Gard.  Dict.  ed.  8  No.  2  (1768).  A.  vacillans  Forsk.  Fl.  Aeg.  74  (1775)?  A.  vul- 
garis Lam.  Encycl.  I    86  (1783).    Salm  Dyck  Aloe  sect.  XVIII  flg.  2. 

Aendert  ab: 

B.  elongiita  (A.  elongata  Murr.  Comm.  Goett.  IX.  191  t.  2  [1789]).  Blätter 
länger,  schmäler. 

C.  officiniilis  (A.  officinalis  Forsk.  Fl.  Aeg.  73  [1775J.  A.  vera  var.  A.  offi- 
cinalis  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  176  [1880]).  Blätter  roth  gefärbt. 
Blüthen  leuchtend   rothgelb. 

ß.  Arborescentes  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  48  [1905]). 
Baumartig  werdend.  Stämme  vom  Grunde  aus  oder  unregelmässig 
verzweigt.  Blüthenstand  eine  Traube  oder  verzweigt  mit  breiten 
von  der  Blüthe  sich  deckenden  Hochblättern.  Staubblätter  kaum 
hervorragend. 

*  A.  arborescens.  |).  Stamm  bis  über  3m  hoch,  un verzweigt.  Blätter 
bis  über  5  dm  lang,  dunkel,  etwas  graugrün,  ungefleckt,  mit  zahlreichen  dreieckigen 
bis  4  mm  langen,  am  Grunde  grünen,  oberwärts  bleich  hornartigen  Zähnen.  Blüthen- 
stengel bis  5  dm  lang,  einfach  oder  verzweigt.  Blüthenstiele  bis  3  cm  lang 
aufsteigend,  nickend,  etwa  doppelt  so  lang  als  die  keilförmig  -  verkehrt- 
eiförmigen Hochblätter.  Perigon  roth,  bis  3  cm  lang  mit  sehr  kurzer  Röhre 
und  lanzettlichen  Abschnitten.  Staubblätter  und  Griffel  kaum  hervor- 
ragend. 

Im  Caplande  heimisch,  bereits  Ende  des  17.  Jahrhunderts  in  Europa  ein- 
geführt, im  Mittelmeergebiete  häufig  gepflanzt,  in  Gibraltar  eingebürgert. 

A.  arborescens  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  3  (1708).  Sims  Bot.  Mag.  t.  1306. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  175  (1880).  A.  perfoliata  var.  arborescens  Soland. 
in  Ait.  Hort.  Kew.  I.  466  (1789).  A.  fruticosa  Lam.  Encycl.  I.  87  (1783).  A. 
arbdrea  Medik.  Bot.  Beob.  305  (1783). 

Aendert  ab: 

B.  frutescens  (Salm  Dyck  Verz.  30  [1817]).  Niedriger,  zahlreiche  Ausläufer 
treibend,  Gebüsche  bildend.  Stengel  öfter  verzweigt.  Blätter  kürzer,  graugrün. 
—  So  öfter  in  Gärten.  —  Ob  ein  Bastard? 

Von  den  in  Gärten  angepflanzten  Arten  mit  säbelförmigen  Blättern  ist  noch 
zu  erwähnen  die  zu  den  Purpur asce'ntes  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  47, 
66  [1905]  von  voriger  Gruppe  durch  kürzeren  Wuchs,  strauchige  Tracht,  stets  un- 
verzweigten Blüthenstand  verschieden)  gehörige 


l)   1596  von  der  Westindischen  Insel  Barbados  in  die  Englischen  Gärten  ein- 
geführt. 


Aloe.  65 

*  A.  Succotrina^)  (A.  succotrina  Lam.  Encycl.  I.  85  [1783].  A.  perfoliata 
var.  sttccotrina  Curt.  Bot.  Mag.  1.  472  [1800].  A.  sinudta  Thunb.  Diss.  no.  5  [1785] 
z.  T.)  mit  bis  1,5  in  hohem  Stamm,  oft  verzweigten,  zahlreichen  (bis  40)  4 — 6  dm 
langen,  dunkelgrünen,  etwas  graugrünen,  oft  etwas  weissgefleckten  Blättern  mit  zahl- 
reichen kleinen,  etwa  2  mm  langen,  bleichen,  dreieckigen  Zähnen  und  schwachrothen 
Perigon  mit  sehr  kurzer  Röhre.  —  Capland.  —  Die  verwandte  A.  purpurdscens 
(Haw.  Trans.  Linn.  Soc.  VII.  20  [1804])  ist  in  Spanien  verwildert. 

2.  Principäles  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  66  [1905]).  Blätter      2. 
nicht    säbelförmig,    Blüthenstand  vielblüthig.    Staubblätter  weit  aus 
dem  Perigon  hervorragend. 

*  A.  cac'sia  (Salm-Dyck  Verz.  29  [1817].  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII. 
172  [1880]).  Stamm  bis  über  4  m  hoch.  Blätter  lanzettlich  bis  4,5  dm  lang,  lebhaft 
graugrün,  ungefleckt,  in  der  Jugend  roth  berandet,  mit  bis  etwa  3  mm  langen,  röth- 
lichen,  dreieckigen  Zähnen.  Perigon  roth.  Im  Caplande  heimisch.  Ziemlich  ver- 
breitet in  Gärten. 

2.  Mitrifdrmes    (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  47  [1905]).     Blätter       2. 
am  Stamme  locker  gestellt,  deutlich  entfernt,  ungefleckt.     Blätter    dick, 
eiförmig-lanzettlich,  mit  kräftigen,  hornigen  Zähnen.  Blüthen  lang  gestielt. 
Perigon  mit  sehr  kurzer  Röhre. 

Gesammtart  A.  mit rif öl" Ulis. 

*  A.  distans.  fj.  Stamm  kurz  mit  lebhaft  grün  gestreiften  bleichen  Stengel- 
gliedern, die  Blätter  auf  ein  bis  6  dm  langes  Stück  vertheilt.  Blätter  lanzettlich- 
eiförmig,  bis  etwa  1,3  dm  lang,  dunkelgrün,  etwas  graugrün  mit  zahlreichen  bis 
3  mm  langen,  weisslichen,  dreieckigen  Zähnen.  Blüthenstand  dicht,  kopfförruig. 
Perigon  hellroth. 

Im  Caplande  heimisch,  im  Anfange  des  18.  Jahrhunderts  in  unseren  Gärten 
eingeführt. 

A.  distans  Haw.  Syn.  pl.  Succ.  78.  12  (1812).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII. 
171  (1880).  A.  brevifolia  Haw.  Trans.  Linn.  Soc.  VII.  23  (1804)  nicht  Syn.  A. 
mitriförmis  var.  brevifolia  Sims  Bot.  Mag.  t.   1362  (1811). 

*  A.  mitriförmis.  ft.  Stamm  bis  über  1  m  lang,  mit  dunkelgrün  gestreiften 
Stengelgliedern.  Blätter  lanzettlich,  aufrecht,  bis  1,5  dm  lang  mit  massig  vielen, 
etwa  3  mm  langen  bleichen,  hornartigen  Zähnen,  an  der  Spitze  mit  kurzem  Hörn. 
Blüthenstand  oft  verzweigt,  dicht  rispig.  Perigon  leuchtend  roth  bis  über  4  cm 
lang  mit  lanzettlichen  Abschnitten. 

Am  Capland  heimisch,  im  Mittelmeergebiete  in  Gärten  nicht  selten.  Bl. 
Juni,  Juli. 

A.  mitriförmis  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  1  (1768).  Sims  Bot.  Mag.  t.  1270. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  171  (1880).  A.  CommelyniZ)  Willd.  in  Mag.  Ges.  nat. 
Fr.  V  (1811)  282.  A.  xanthacantha  3)  Salm-Dyck  Aloe  sect,  XXIV  fig.  3  (1836—42). 

In  zahlreichen  Formen  in  Cultur,  am  auffälligsten  sind  : 

B.  xanthacantha^)  (A.  mitriförmis  var.  A.  xanthacantha  Baker  a.  a.  O.  172 
[1880].  A.  xanthacantha  Willd.  Mag.  nat.  Freunde  Berl.  5.  282  [1811]).  Blätter 
dicker,  mehr  abstehend,  mit  gelblichen  kleineren  Zähnen. 

C.  flavispina  (Baker  a.  a.  O.  171  [1880].  A.  flavispina  Haw.  Trans.  Linn. 
Soc.  VII.  22  [1804])  gleichfalls  aus  dem  Caplande  unterscheidet  sich  von 
voriger  hauptsächlich  durch  die  zahlreicheren,  längeren,  zugespitzten  bis  4  mm 

i)  Lamarck  hielt  irrthümlich  die  Insel  Sokotra  für  die  Heimat  dieser  Art. 
Die  auf  dieser  Insel  einheimische  Art  ist  A.  Perryi  (s.  oben  S.  62). 

2)  S.  II.  2.  S.  408  Fussn.  1. 

3)  Von  gav&ög  hellgelb  und  äxav&a  Dorn. 

Ascherson  u.  Graebner,  Synopsis.  III.  5 


6G  Liliaceae. 

langen,  hörn  förmigen,  weisslichen   Zähne  der  Blätter.     Blüthenstand  eine  dichte 
Aehre. 

b.  b.   Serrula tae  (Berger  in  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  46,  58  [1905].    Subgenus 

Gonia'hei)  Baker  Journ.  Linn.  Soc  XVIII.  155  [1880]).  Blätter  3  zeilig, 
klein  gezähnt,  meist  gefleckt.     Blüthen  kurz  gestielt. 

*  A.  vai'iegäta.  2J .  Stammlos.  Blätter  bis  12  cm  lang,  am  Rücken  gekielt, 
beiderseits  grün  mit  zahlreichen  länglichen,  unregelmässig  zusammenfliessenden  weissen 
Flecken  bedeckt,  am  Bande  mit  kleinen  weissen  Zähnen.  Blüthenstand  eine  einfache 
Traube.  Blüthenstiele  bis  8  mm  lang,  etwa  so  lang  als  die  weisslichen,  dreieckig- 
lanzettlichen  Hochblätter.  Perigon  incarnatroth,  bis  über  3  cm  lang,  mit  Ver- 
lan gerter  Röh  re  und  länglichen  bis  8  mm  langen  Abschnitten.  Staubblätterund 
Griffel  nicht  hervorragend. 

Im  Caplande  heimisch,  bei  uns  sehr  häufig  in  Gärten,  auch  im  nördlichen 
Gebiete  (dort  in  Töpfen)  verbreitet. 

A.  variegata  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  459  (1753).  Mill.  Gnrd.  dict.  ed.  8  no.  9. 
Bot.  Mag.  t.  513.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  179  (1880).  A.  punctata  Haw. 
Transact.  Linn.  Soc.  VII.  26  (1S04). 

II.  II.  Stammbildend    mit    einfachen    oder    gabelig   verzweigten    Stämmen.     Blätter 

säbelförmig.      Blüthenstand    meist  verzweigt.    —    Perigon  mehr  oder  weniger 
gebogen.     Staubblätter  weit  hervorragend. 

a.  a.  Pachyde'ndron't)    (Pachidendron    Haw.    Rev.    pl.    succ.   35    [1821]    als 

Gatt.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  155  [1880]  als  Subgen.  Berger 
Engl.  Jahrb.  XXXVI.  48,  67  [1905]).  Hochblätter  stumpf.  Perigon  röhren- 
förmig.   Blätter  vielzeilig,  ungefleckt.    Stammbildend. 

*  A.  ferox.  tj.  Stamm  bis  über  4  m  hoch,  Blätter  zahlreich,  dicht  gedrängt, 
lanzettlich  bis  über  l/t  m  lang,  graugrün,  jederseits  mit  zahlreichen,  hornigen 
Stacheln  zerstreut  besetzt,  am  Rande  mit  zahlreichen,  dreieckig-zugespitzten  horn- 
artigen  braunen  bis  5  mm  langen  Zähnen.  Blüthenstengel  kräftig  mit  sehr  dichter 
Aehre.  Hochblätter  etwa  6  mm  lang,  spitz,  zuletzt  zurückgeschlagen.  Blüthenstiele 
sehr  kurz.  Perigon  keulenförmig,  bis  3  cm  lang,  roth,  mit  kurzem  glockigem 
Kelche. 

In  Capland  heimisch,   im  Mittelmeergebiete  nicht  selten  gepflanzt. 

A.  ferox  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  22  (1768).  Bot.  Mag.  t.  1975.  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  179  (1880).  A.  perfolidta  var.  ferox  Soland.  in  Ait.  Hort. 
Kew.  t.  469  (1789).  A.  horrida  Haw.  Trans.  Linn.  Soc.  VII.  26  (1804).  Pachi- 
dendron ferox  Haw.  Revis.  38  (1821). 

*  A.  Afi'icäna.  f).  Von  voriger  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden: 
Stamm  bis  7  m  hoch,  unverzweigt.  Blätter  säbelförmig,  auf  der  Unter- 
seite selten  mit  vereinzelten  Stacheln.  Hochblätter  dreieckig-rundlich  bis 
8  mm  lang.     Perigon  stark  gebogen  bis  über  3,5  cm  lang,  gelb. 

Im  Caplande  heimisch,  bei  uns  seltener  in  Gärten. 

A.  africana  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  4  (1768).  Bot.  Mag.  t.  2517.  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  180  (1880).  Pachidendron  africanum  Haw.  Revis.  36 
(1821). 

b.  b.  Dracontdloc'3)    (Dracoaloe    Berger   in   Engl.  Jahrb.   XXXVI.    48.    56 

[1905]).     Hochblätter  pfriemlich.     Perigon    an    der  Spitze    fast    zweilippig. 


1)  Von  yatvia  Winkel,  Ecke  und  Aloe,  wegen  der  3 zeiligen  Blätter. 

2)  Von  nay^vg  dick  und  5svSqov  Baum. 

3)  Von  ÖQäxwv  Drache  und  Aloe,  wegen  Aehnlichkeit  mit  dem  Drachenbaum 
(Dracaena  draco). 


Aloe.     Gasteria.  G7 

Hierher  nur: 

*  A.  dichotoma1).  %■  Stamm  bis  10  m  hoch  und  bis  über  1  in  dick.  Blätter 
sehr  klein,  fleischig,  fast  halbstielrund  mit  kleinen,  gelben,  hornigen  Zähnen. 
Blüthenstand  dreitheilig  verästelt,  massig  dicht.  Perigon  gelb,  mit  kurzer  Röhre 
und  fast  kahnförmig  aufwärts  gebogenem  unterem  Abschnitte. 

In  Südwestafrica  heimisch,  bei  uns  hin  und  wieder  gepflanzt. 
A.  dichotoma  L.  fil.  Suppl.  206  (1781). 

B.  Kumdra'2)  (Medik.  Theod.  spec.  69  t.  9  [1786].  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XVIII.  155  [1880]  als  Subgen.  Berger  Engl.  Jahrb.  XXXVI.  48.  56  [1905] 
als  Sect.  Bhipidodendron'i)  Willd.  Magaz.  Ges.  naturf.  Fr.  Berl.  V.  164  [1811]). 
Blätter  streng-zweizeilig,  stumpf.  Perigon  gerade  mit  fast  freien  inneren  Ab- 
schnitten. —  Baumartig  mit  stark  ästigem  Stamm.  Staubblätter  nicht  hervor- 
ragend. 

Hierher  nur: 

*  A.  plicätilis.  %.  Stamm  bis  über  3  m  hoch,  bis  3  dm  dick.  Blätter  zu 
10 — 30  an  der  Astspitze  gedrängt  bis  2,5  dm  lang,  lebhaft  graugrün,  zungenförmig, 
stumpf,  am  Rande  ganz  dicht  weiss  gezähnelt.  Blüthenstengel  zierlich, 
unverzweigt.  Hochblätter  klein,  dreieckig-zugespitzt.  Blüthenstiele  bis  fast  2  cm 
lang.  Perigon  röthlich-gelb,  bis  4  cm  lang,  äussere  Perigonabschnitte  bis  etwa  zur 
Mitte  verbunden. 

Im  Capland  heimisch,  im  Mittelmeergebiete  öfter  gepflanzt,  eine  sehr  auf- 
fällige Pflanze. 

A.  plicätilis  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  7  (1768).  Bot.  Mag.  t.  457.  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  181  (1980).  A.  disticha*)  var.  plicätilis  L.  Spec.  pl.  ed.  1. 
321  (1753).  Kumara  disticha  Medik.  Theod.  69  t.  4  (1786).  A.  tripetala  Medik. 
Bot.  Beob.  55  (1783).  Bhipidodendron  distichum  Willd.  Mag.  Nat.  Fr.  Berlin  V. 
165  (1811).    R.  plicatile  Haw.  Revis.  45  (1821). 

*  GASTE  RIA  5). 

(Duval  PI.  succ.  hört.  Alenc.  6  [1809].  Nat.  Pfl.  II.  5.  46.) 

S.  S.  61.  Ausdauernde,  massig  grosse  Kräuter,  selten  stammbildend.  Blätter 
niemals  gezähnt,  dunkelgrün,  oft  weissgefleckt,  bisweilen  warzig.  Blüthenstand  eine 
Traube  oder  Rispe.  Perigon  mit  einer  unterwärts  bauchigen,  oberwärts  cylindrischen 
gebogenen  Röhre  und  kurzen  Abschnitten,  roth.  Staubblätter  und  Griffel  kürzer 
als  das  Perigon. 

Etwa  40  Arten  im  Caplande,  einige  auch  in  Natal.  Bei  uns  zahlreiche  Arten 
und  Gartenformen  in  Gärten. 

A.  Blätter  spiralig,  vielzeilig. 

*  G.  nitida.  2J_.  Blätter  zu  12 — 15,  spreizend,  lanzettlich  bis  fast  2  dm 
lang,  auf  dem  Rücken  schief,  schwach  gekielt,  glatt,  beiderseits  mit  zahlreichen 
weissen  Flecken.     Blüthenstengel  bis  über  4  dm  lang.     Blüthen  etwa  2,5  cm   lang. 

Nicht  selten  in  Gärten,  bereits  Ende  des  18.  Jahrhunderts  verbreitet. 
G.  nitida  Haw.  Phil.  Mag.  1827.  358.  Aloe  nitida  Salm-Dyck  Verz.  Aloe  13 
(1817).    Bot.  Mag.  t.  2304  (1822). 
Aendert  ab 

B.  grandipunctdta  (der  Gärten.  Nichols.  Dict.  Gard.  II.  54  [1886]).  Flecken 
der  Blätter   gross.     Scharf-gekielte  warzig-rauhe  Blätter    (meist   von   nur   1  dm 


1)  6i%6io}iog  gabeltheilig. 

2)  Einheimischer  Name. 

3)  Von  qmI$  Fächer  und  6sv5qov  Baum. 

4)  öiOTi^og  zweizeilig. 

5)  Von  yaOTijQ  Bauch,   wegen  der  bauchigen  Perigonröhre. 


68  Liliaceae, 

Länge  mit  dreieckiger  Stachelspitze)    hat  0.  carinäta   (Duval  PI.  succ.  hört. 
Aleiu;.  6  [1809].   Aloe  carimita  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  21  [1768]). 

*  G.  glabl'a.  2J..  Blätter  zu  15 — 20,  dicht,  die  inneren  aufrecht,  die 
äusseren  zurückgebogen,  bis  fast  2  dm  lang,  beiderseits  glatt  mit  kleinen 
Flecken,  mit  dreieckiger  Stachelspitze.  Blüthenstand  bis  über  3  dm  lang,  40- 
bis  50blüthig.      Blüthen  etwa  2,5  cm  lang. 

G.  glabra  Haw.  Syn.  pl.  succ.  87  (1812).  Aloe  carinäta  Ker-Gawl.  Bot.  Mag. 
t.   1:331  (1810)  nicht  Mill. 

Hierher  gehört  noch  G.  Crouchc'ri  1)  (Baker  Jouru.  Linn.  Soc.  XVIII.  196 
[1880].  Nichols.  Dict,  Gard.  II.  54.  Aloe  Crouchcri  Hook.  f.  Bot.  Mag.  t.  5812 
[1869])  mit  lanzettlichen,  zurückgekrümmten,  bis  3  dm  langen,  glatten,  weissgefleckten 
Blättern  und  sehr  zahlreichen  bis  5  cm  langen  Blüthen  mit  der  Mitte  zusammen- 
gezogenem, unterwärts  rosa  gefärbtem,  oberwärts  weissem  Perigon.  —  Wohl  ein  Garten- 
bastard. —  Die  verwandte  G.  acinacifolia  (Haw.  Suppl.  pl.  Succ.  49  [1819J) 
besitzt  starre  säbelförmige  Blätter. 

B,  B.  Blätter  stets  zweizeilig  oder  spiralig-zweizeilig. 

I,  I.  Blätter  säbelförmig. 

*  G.  verrucosa.  2|_.  Blätter  zu  10 — 12,  dicht,  die  äusseren  abstehend,  die 
inneren  aufrecht,  bis  fast  2  dm  lang  mit  etwas  stechender  Spitze,  oberwärts  riunig, 
am  Rücken  abgerundet,  warzig -rauh.  Blüthenstand  eine  Rispe  mit  4 — 8  bis 
1,5  dm  langen  Trauben.     Blüthen  etwa  2,5  cm  lang. 

G.  verrucosa  Haw.  Syn.  pl.  succ.  89  (1812).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII. 
184  (1880).    Aloe  verrucosa  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  20  (.1768). 

Eine  sehr  stark  warzig-rauhe  Form  ist 
B.  scabe'rrima  (Baker  a.  a.  O.  [1880].    Aloe  scaberrima  Salm-Dyck  Hort.  Dyck. 
332  [1834].   Gast,  intermedia  var.  asperrima  Haw.  Phil.  Mag.   1827.  355). 

II.  II.  Blätter  breiter. 

*  G.  disticha.  2j_.  Blätter  zu  10 — 12,  streng  zweizeilig,  dicht, 
spreizend,  zungenförmig,  bis  über  1  dm  lang  und  bis  über  4  cm  breit,  flach, 
glatt,  beiderseits  mit  kleinen  dunkelgrünen  Flecken.  Blüthenstand  eine 
Traube  oder  verzweigt,  3  dm  lang  oder  länger.  Blüthen  scharlachroth,  bis  über 
2  cm  lang. 

In  zahlreichen  Gartenformen  verbreitet. 

Gr.  disticha  Haw.  Phil.  Mag.  1827.  351.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  186. 
(1880).  Nichols.  Dict.  Gard.  II.  54.  Aloe  disticha  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  459  (1753). 
Aloe  linguiformis  Mill.  Gard.  dict.  ed.  8  No.  13  (1768).  A.  Lingua  Thunb.  Diss.  14 
(1785). 

*  G.  maculäta.  ÜL.  Blätter  zu  16 — 20,  locker  angeordnet,  spiralig- 
zweizeilig,  aufrecht-abstehend,  bis  über  1dm  laug,  öfter  purpurn  überlaufen, 
mit  grossen,  stark  zusammen  fliessenden,  weissen  Flecken,  am 
Grunde  verbreitert,  röthlich.  Blüthenstand  eine  Traube  oder  verzweigt  3  dm  lang 
oder  länger.     Blüthen  scharlachroth,  nicht  2  cm  lang. 

Verbreitete  Gartenpflanze. 

G.  maculäta  Haw.  Phil.  Mag.  1827.  348.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII. 
191  (1880).  Nichols.  Dict.  Gard.  IL  54.  A.  maculäta  Thunb.  Diss.  no.  10  (1785). 
Aloe  Lingua  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  979  (1806)  nicht  Thunb. 

Von  weiteren  häufigeren  Culturpflanzen  wären  hier  zu  nennen :  der  G.  macu- 
lata  verwandt:  G.  pulchra  (Haw.  Syn.  86  [1812].  Aloe  pulchra  Jacq.  Hort. 
Schoenbr.  t.  419  [1804].  Aloe  maculäta  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  765  [1804]  nicht 
Thunb )  mit  locker  gestellten  aufsteigenden  bis  3  dm  langen,  mit  grossen  hellgrünen 


l)  Nach  dem  Obergärtner  (Foreman)  Croucher,  der  1869  die  Vermehrungs- 
häuser im  Botanischen  Garten  zu  Kew  unter  sich  hatte. 


Gasteria.     Apicra.     Haworthia.  69 

oder  purpurnen  Flecken  versehenen  Blättern.  Der  G.  verrucosa  verwandt  G.  nigri- 
cans (Haw.  Syn.  86  [18  2].  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  185  [1880].  Aloe 
obh'qua  Jacq.  Hort.  Schoenb.  t.  418  [1804].  Aloe  Lingua  var.  crassifolia  Soland. 
in  Ait.  Hort.  Kew.  I.  469  [1789].  Bot.  Mag.  t.  838)  mit  dichten  zungenfönnigen, 
oberseits  erhabenen,  unterseits  ebenen,  mit  zahlreichen  kleinen  weissen  Flecken  ver- 
sehenen Blättern  und  stets  einfachen  Trauben.  —  Durch  verlängerten  Stamm,  starre, 
glatte,  ungefleckte  oder  spärlich  gefleckte  zweizeilige  Blätter  ist  u.  a.  ausgezeichnet 
G.bicolor  (Haw.  Phil.  Mag.  1826.  275.  Aloe  bicolor  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII. 
€82  [1829]). 

#    ÄPRICA'). 

(Willd.  Magaz.  Ges.  naturf.  Fr.  Berlin  V.   167  [1811].  Nat.  Pfl.  II.  5.  46.) 

S.  S.  61. 

Einige  im  Caplande  heimische  Arten  dieser  Gattung  werden  mitunter  an- 
gepflanzt, besonders 

*  A  pentagona*)  (Willd.  Mag.  Ges.  naturf.  Fr.  Berlin  V.  273  [1811]. 
Aloe  pentagona  Haw.  Transact.  Linn.  Soc.  VII.  7  [1804].  Bot.  Mag.  t.  1338. 
Haworthia  pentagona  Haw.  Syn.  97  [1812]).  Blätter  in  5  regelmässigen  Reihen 
angeordnet,  Blüthen  weisslich-grün.  Bei  den  übrigen  Arten  sind  die  Blätter  viel- 
zeilig  oder  undeutlich  spiralig  5  zeilig. 

*  A.  spirdlis  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII.  217  [1880].  Aloe  spiralis 
L.  Spec.  pl.  ed.  1.  459  [1753J.  Bot.  Mag.  t.  1455)  mit  aussen  warzig-rauhem,  weiss- 
lich -grünem  bis  über  1  cm  langem  Perigon  und  stark  aufsteigenden,  dreieckig-lanzett- 
lichen stechenden  Blättern. 

*  A.foliolösa  (Willd.  Mag.  Ges.  naturf.  Fr.  Berlin  V.  274  [1811].  Aloe  foiio- 
losa  Haw.  Trans.  Linn.  Soc.  VII.  7  [1804].  Bot.  Mag.  t.  1352.  Haworthia  foliolosa 
Haw.  Syn.  99  [1812])  und  A.  dspera  (Willd.  Mag.  Ges.  nat.  Fr.  Berlin  V.  274 
[1811].  Aloe  aspera  Haw.  Trans.  Linn.  Soc.  VII.  6  [1804].  Haworthia  aspera  Haw. 
Syn.  90  [1812])  mit  glattem  Perigon,  erstere  mit  am  Rücken  glatten,  letztere  mit 
warzig-rauhen  Blättern. 

*   HAWORTHIA  3). 

(Duval  PI.  succ.  bort.  Alenc.  7  [1809].  Nat.  Pfl.  II.  5.  46.) 
S.  S.  61.  Kleine  ausdauernde  Kräuter  oder  Halbsträucher.  Blätter  spiralig 
in  Rosetten  stehend,  lederartig  oder  dick-fleischig,  kurz  und  breit,  häufig  mit  weissen 
oder  grünen  Warzen ,  nicht  selten  gezähnelt  oder  wimperig  gezähnt.  Blüthenstand 
eine  einfache  Traube  oder  verzweigt,  lockerblüthig.  Perigon  weisslich  oder  etwas 
röthlich,  ziemlich  klein,  mit  länglicher  gerader  Röhre  und  zweilippigem  Saum, 
dessen  untere  3  Abschnitte  sparrig  abstehen.     Staubblätter  nicht  hervorragend. 

Etwa  60  Arten,  fast  alle  im  Caplande  heimisch,  bei  uns  sehr  viele  im  Mittel- 
meergebiet, im  Norden  in  Töpfen  in  Cultur.    Es  werden  nur  einige  wichtige  erwähnt: 

A.  Mit  Blättern  besetzter  Stamm  verlängert. 

*  H.  viscdsa  (Haw.  Syn.  90  [1812].  Aloe  viscosa  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  322 
[1753].  Apicra  viscosa  Willd.  Mag.  Ges.  naturf.  Fr.  Berl.  V.  274  [1811]).  ft. 
Blätter  regelmässig  3  zeilig,  oberseits  flach.     Blüthen  wenig  zahlreich. 


')  äniKOog  ohne  Bitterkeit. 

2)  TiEvzäyüivog  fünfkantig,  wegen  der  5  zeiligen  Blätter. 

3)  Nach  Adrian  Hardy  Haworth,  *  1768  Hüll  (Britten  u.  Boulger  J.  of 
Bot.  XXVII.  81)  f  24.  Aug.  1833  Chelsea  bei  (jetzt  in)  London,  hochverdient  um 
die  Kenntniss  der  Gartenpflanzen,  besonders  der  Succulenten,  Verf.  der  wichtigen 
Monographien  Synopsis  plantarum  succulentarum  Lond.  1812.  Suppl.  1819.  Saxi- 
fragearum  enumeratio.    Lond.   1821.     Narcissearum  nionographia.  Lond.   1831. 


70  Liliaceac. 

B.         B.  Mit  Blättern  besetzter  Stamm  kurz. 

I.  I.  Blätter  mit  warzigen  Flecken  besetzt. 

*  H.  margaritifera.  2J_.  Blätter  bis  etwa  8  cm  lang  mit  unregelmässig  an- 
geordneten grossen  Flecken,  oberwärts  gekielt. 

H.  maryarilacea  Haw.  Suppl.  pl.  succ.  55  (1819).  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XVIII.  204  (1880).  Aloe  pumila  a.  margaritifera  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  322  (1753). 
Aloe  margaritifera  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  14  (1768).  Haworthia  major  Duval 
PI.  succ.  Alenc.  7  (1809). 

*  H.  attenudta  (Haw.  Syn.  92  [1812].  Aloe  attenuata  Haw.  Trans.  Linn. 
Soc.  VII.  11  [1804],  Aloe  Rddula  Bot.  Mag.  t.  1345  [1811]  nicht  Jacq.)  ist  durch 
in  Querbändern  angeordnete  Punkte  ausgezeichnet. 

II.  II.  Blätter  ohne  Flecken,  am  Rande  glatt  oder  fast  glatt. 

*  H.  cymbiförmis^)  (Haw.  Syn.  93  [1812].  Aloe  cymbiformis  Haw.  Trans. 
Linn.  Soc.  VII.  8  [1804].  Bot.  Mag.  t.  802)  mit  oberseits  von  zahlreichen  grünen 
anastomosirenden  Linien  durchzogenen  Blättern.  —  Die  nahe  verwandte  H.  reti- 
culäta  (Haw.  a.  a.  O.  [1812].  Aloe  reticulata  Haw.  a.  a.  O.  [1804].  Aloe  pumilio 
Jacq.  Hort.  Schoenb.  t.  421   [1804])  besitzt  undeutlich  gezähnelte  Blätter. 

III.  HL  Blätter  am  Rande  deutlich  gezähnelt  oder  bewimpert. 

*  H.  arachnoi'des2).  2|_.  Blätter  hell  graugrün,  am  Rande  lang 
borstlich  gezähnt,  an  der  Spitze  meist  gestreift.  Blüthenstand  eine  Traube, 
bis  3  dm  hoch,  starr  aufrecht. 

Die  häufigste  Art  in  Gärten. 

H.  arachnoides  Haw.  Syn.  96  (1812).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XVHI.  214 
(1880).  Aloe  pumila  ß.  arachnoidea  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  460  (1753).  Aloe  arach- 
noides Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  17  (1768).  Bot.  Mag.  t.  756.  Apicra  arachnoides 
Willd.  Magaz.  Ges.  naturf.  Fr.  Berl.  V.  268  (1811). 

*  A.  pilifera.  2\..  Blätter  hellgrün,  länglich  bis  3  cm  lang,  am  Rande 
kurz  (bis  1  mm)  borstlich  gezähnt.  Blüthenstand  eine  Traube,  locker. 
Blüthenstiele  sehr  kurz. 

A.  pilifera  Baker  in  Saund.  Ref.  Bot.  t.  234  (1870).  Journ.  Linn.  Soc.  XVIII. 
214  (1880). 

Die  nahe  verwandte  *  H,  transliicens  (Haw.  Suppl.  pl.  succ.  52  [1819]. 
Aloe  translucens  Soland.  in  Ait.  Hort.  Kew.  ed.  2.  II.  300  [1811].  Aloe  arach- 
noides var.  translucens  Bot.  Mag.  t.  1417  [1811].  Apicra  translucens  Willd.  Mag. 
Ges.  naturf.  Fr.  Berl.  V.  268  [1811])  besitzt  lanzettliche  oft  purpurn  überlaufene, 
oberwärts  durchscheinende,  etwa  doppelt  so  lange  Blätter. 

LOMATOPHYLLUM3). 

(Willd.  Magaz.  Ges.  naturf.  Fr.  Berlin  V.  166  [1811].  Nat.  Pfl.  II.  5.  47.  Phyl- 
löma±)  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.   t.   1585  [1813]). 

S.  S.  61.  Stamm  bisweilen  ziemlich  hoch,  un verzweigt.  Blätter  gedrängt, 
linealisch-lanzettlich,  lederig-fleischig,  am  Rande  klein  stachlig  gezähnt.  Blüthen- 
stand aus  Trauben  zusammengesetzte  Rispe.  Perigonblätter  oberwärts  abstehend. 
Staubblätter  grundständig.  Frucht  kugelig,  fleischig.  Samen  wenige,  schwarz,  glänzend. 

3  Arten  auf  den  Gebirgen  von  Mauritius  und  Re'union. 

*  L.  purpureum.  |).  Stamm  bis  über  2  m  hoch.  Blätter  sehr  zahlreich, 
Bäbelförmig,  bis  fast   1  m   lang,  die  unteren  zurückgebogen,   lanzettlich,  verschmälert, 


1)  Von  cymba  Kahn. 

2)  Von  &Qd%vr\  Spinne. 

3)  Von  A6)fA,a  Saum  und  tpvXXov  Blatt  wegen  des  gefärbten  Blattrandes. 

4)  Vermuthlich  eine  ungeschickte  Umkehrung   von  Lomatophyllum. 


Haworthia.     Lomatophyllum.     Aphyllanthes.  71 

oberwärts  etwas  eingerollt,  glatt,  lebhaft  grün,  an  dsn  Rändern  roth,  stachelig-gesägt. 
Blüthenstand  bis  2  m  lang,  reich  verzweigt  mit  aufrecht  abstehenden  Aesten.  Blüthen- 
stiele  dünn,  aufsteigend,  etwas  länger  als  die  Blüthen.  Perigon  etwa  2  crn  lang,  gelb, 
aussen  röthlich-gelb-gestreift.  Staubblätter  kürzer  als  das  Perigon.  Frucht  etwa 
kirschgross. 

Eine  sehr  schöne  Zierpflanze  aus  Mauritius  und  Reunion. 

L.  purpureum  Hort.  Berol.  Notizbl.  Bot.  Gart.  Mus.  II.  316  (1899).  Aloe 
purpurea  Lam.  Encycl.  I.  85  (1783).  Dracac'na  marginata  Ait.  Hort.  Kew.  ed.  1. 
I.  454  (1789)  ed.  2.  II.  277.  Aloe  maigindlis  DC.  PI.  grass.  31  (vor  1810).  Aloe 
marginata  VVilld.  Enum.  hört.  Berol.  382  (1809).  L.  borbo'nicumi)  Willd.  Magaz. 
Ges.  naturf.  Fr.  Berlin  V.  166  (1811).  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  361.  Phylloma 
almfldrum  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1585  (1813).  P.  borbonicum  Haw.  Suppl.  pl. 
succ.  43  (1819). 

*  L.  macrum  (Salm-Dyck  in  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1715  [1S29]. 
Aloe  macra  Haw.  Suppl.  pl.  succ.  45,  105  [1819].  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  703). 
Der  vorigen  ähnlich,  aber  Stamm,  niedriger  kaum  bis  2  dm  lang.  Blätter  nur  etwa 
halb  so  (kaum  bis  5  dm)  lang.  Blüthenstand  ährenförmig.  Perigon  rothgelb.  — 
In  Mauritius  heimisch. 


3.  Tribus. 

APHYLLANTHEAE. 

(Bartl.  Ordin.  38  [1830].    Nat,  Pfl.  II.  5.  47.    Dalla  Torre  u.  Harms 
Gen.  siph.  61.    AphtjUanthaceae  Pari.  Bull.  SB.  France  II.  529  [1855]) 

S.  S.  30. 

Nur  eine  Gattung 

161.  APHYLLANTHES2). 

([Tourn.  Inst.  657  t.  430].    L.  Gen.  pl.  [ed.  1.  357]  ed.  5.  142  [1754J. 
Nat.  Pfl.  II.  5.  47.    Aphillanthes  Neck.  Eiern.  III.  199  [1790]). 

(Nelkenlilie,    im    Ligurischen    Dialekt    Brancö,    Brustiaire,    Abragoun 

[nach  Pen  zig]). 

Rasenbildendes  ausdauerndes  Kraut.  Grundachse  kurz,  verzweigt. 
Blätter  kurz,  häutig,  scheidenartig,  am  Grunde  des  Stengels  stehend. 
Stengel  zahlreich,  aufrecht,  starr.  Blüthen  an  der  Spitze  des  Stengels 
seitenständig,  zu  1  —  2  in  Köpfchen,  von  1 — 3  freien  und  5  am 
Grunde  verbundenen  Hochblättern  umgeben,  die  meist  allein  vor- 
handene Gipfelblüthe  des  Köpfchens  in  der  Achsel  eines  häutigen 
langzugespitzten  Hochblattes;  die  Seitenblüthe,  wenn  vorhanden,  in 
der  Achsel  des  untersten  freien  Hochblattes,  mit  einem  adossirten  Vor- 
blatt. Perigon  trichterförmig  mit  länglich-eiförmigen  Abschnitten.  Fächer 
des  Fruchtknotens  mit  einer  im  Innenwinkel  stehenden  Samenanlage. 

Nur  unsere  Art. 


1)  Auf  der  Insel  Reunion  (früher  Bourbon)  zuerst  gefunden. 

2)  Zuerst  bei  de  PO  bei;  von  äyvÄAog  blattlos  und  äv&og  Blüthe. 


72  Liliaceae. 

752.  A.  Monspeliensis  l).  %.  Stengel  meist  1  —  2  (bis  3)  dm  hoch, 
binsenartig,  glatt,  schwach  gestreift.  Blätter  silbernhäutig  bis  braun. 
Blüthenköpfchen  (ohne  das  Perigon)  etwa  über  1  cm  lang.  Hochblätter 
etwa  8  mm,  die  oberen  bi>  1  cm  lang,  braunhäutig  mit  helleren  Rändern. 
Perigon  bis  fast  1  cm  hervorragend,  violett,  seltener  weiss.  Frucht  eine 
häutige  Kapsel.     Samen  schwarz  mit  krustiger  Schale. 

Auf  trockenen  Hügeln  besonders  auf  Kalk  im  südwestlichsten 
Gebiete.  Provence;  Riviera;  Dauphine:  im  Rhönethale  bis  Lyon,  in 
den  Alpenthälern  bis  Gap,  Grenoble,  Chambery  und  Aix  in  Savoyen 
ansteigend  (700  m  Saint-Lager  br.).    Bl.  April,  Mai. 

A.  monspeliensis  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  294  (1753).  Nyman  Consp. 
745.  Richter  PI.  Eur.  I.  195.  Rchb.  Ie.  IX.  t.  CCCCXVIII  fig.  926 
A.  monspeliensium  Vill.  PI.  Dauph.  II.  244  (1787).  A.  juncea  Salisb. 
Parad.  t.  9  (1806). 

(Iberische  Halbinsel;  SW.  Frankreich;  Nord-Africa.)  ~*\ 


2.  Unterfamilie. 

ALLIOIDEAE. 

(Engler  Nat.  Pfl.  IL  5.   18  [1888].    Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph. 
65.      Tulipoideae    A.  Br.    in    Aschers.    Fl.   Prov.   Brand.   I.    Einl.    33 

[1864]   z.  T.) 
S.  S.  2. 

Ueber sieht  der  Tribus. 

A.  Perigonblätter  verbunden  mit  deutlicher  Röhre.  Grundachse  kriechend. 

Agapaiitheae. 

B.  Perigonblätter  (bei  den  einheimischen  Gattungen)  frei  oder  doch  nur 
am  Grunde  verbunden,  bei  einigen  Culturpflanzen  höher  hinauf  ver- 
bunden. Grundachse  eine  Zwiebel  tragend  oder  von  häutigen  Schuppen- 
blättern umschlossen.  Allieae. 

Tribus. 
AGAPANTHEAE. 

(Endl.  Gen.  141  [1836].  Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  siph.  65.  Aga- 
panthieae  Engl.  Nat.  Pfl.  IL  5.  53.) 

S.  oben.  Grundachse  kriechend,  mit  schmalen  grundständigen 
Laubblättern.  Blüthenstand  doldenähnlich  aus  zahlreichen  Schraubein 
mit  verkürzter  Achse  gebildet,  am  Grunde  mit  2  Hochblättern.  Blüthen 
zahlreich,  gestielt.  Perigon  cylindrisch  oder  trichterförmig,  mit  verbundenen 
Perigonbfattern,  mitunter  mit  einer  Nebenkrone.  Frucht  eine  faehspaltige 
Kapsel  mit  zahlreichen  Samen  in  einem  Fache. 

Bei  uns  nur  unsere  Gattung  häufig  gepflanzt. 

i)  S.  I.  S.  21  ö    Fussn.  3. 


Aphyllanthes.    Agajjauthus.  73 

*    AGAPANTHUS1). 

{L'Herit.  Sert.  Angl.  17  [1788],    Nat.  Pfl.  II.  5.  53.    Tulbaghia2)  Heist. 
Descr.  nov.  gen.  Brunsvig.  S.  X    [1753]    Beschr.    15    [1755]    verjährt.) 

(Liebesblume.) 

Grundacbse  mit  dicken  fleischigen  Wurzeln.  Blätter  breit-linealisch. 
Blüthen  ansehnlich,  blau,  selten  weiss.  Hochblätter  hinfällig.  Perigon 
trichterförmig  mit  kurzer  cylindrischer  Röhre  und  längeren,  aufrecht 
abstehenden  freien  Abschnitten.  Staubfäden  mit  der  Perigonröhre  ver- 
bunden. Griffel  fadenförmig.  Frucht  fast  dreilappig.  Samen  zusammen- 
gedrückt, schwarz,  mit  länglichem  Flügel. 

3  Arten  in  Südafrica;  bei  uns  häufig  iu  Gärten: 

*  A.  Africänus.  2|_.  Blätter  zweizeilig,  meist  3 — 6  dm  lang  (an 
Gartenformen  bis  5,5  cm  breit).  Blüthenstengel  meist  5 — 9  dm  hoch. 
Blüthenstand  meist  20 — 30blüthig.     Perigon  hellblau  bis  blau. 

Im  Caplande  heimisch,  bei  uns  sehr  häufig  cultivirt,  im  nördlichen 
Gebiete  in  Töpfen.     Bl.  August,  September. 

A.  africänus  Hoffmansegg  Vera.  Pfl.  35  (1824).  Crinum  afri- 
canum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  292  (1753).  A.  umbellätus  L'Herit.  Sert. 
Angl.   18  (1788). 

In  zahlreichen  Gartenformen  bei  uns  so  z.  B. : 
1.  aurivi ttdtus.     Blätter  weissgelb  gestreift. 

1.  alricoerulc scens    (atrocoerulescens   Gaerdt    in  Wredow's  Gartenfreund.    17. 
Aufl.  442  [1886]).     Blüthen  dunkelblau. 
B.  excelsus  (Gaerdt  a.  a.  O.  [1886])  sehr  gross.  Blüthenstengel  bis  fast  2  m  hoch. 

1.  Tribus. 

allIeae. 

{Kunth   Enum.   pl.    IV.    379    [1843].     Nat.  Pfl.  II.   5.   18.  54.     Dalla 
Torre  u.  Harms  Gen.   siph.  65.) 

S.  S.  72.  Grundachse  eine  Zwiebel  tragend  oder  bei  am  Grunde 
verdickten  Stengel  von  häutigen  Schuppenblättern  umschlossen.  Blüthen- 
stand eine  von  2  oder  mehr  Hochblättern  am  Grunde  umschlossene,  aus 
verkürzten  Schraubein  zusammengesetzte  Scheindolde,  seltener  (Gagea) 
am  Grunde  von  2  oder  3  Laubblättern  umgebene  Trugdolde  oder  Blüthen 
einzeln.  Perigonblätter  (bei  den  einheimischen  Gattungen)  getrennt  oder 
doch  nur  am  Grunde  verbunden,  seltener  (bei  Culturpflanzen)  verbunden. 
Staubblätter  6,  bisweilen  (nicht  bei  uns)  3  fehlschlagend,  mitunter  mit 
verbreiterten  oder  verbundenen  Staubfäden.  Frucht  eine  Kapsel,  meist 
mit  mehreren  Samen  in  jedem  Fache. 


t)  Von  äyaudo)  ich  liebe  und  äv&og  Blume. 

2)  Nach  Tulbagh,    f    1771,    Niederländischem  Gouverneur    des   Caplandes, 
Förderer  der  Naturwissenschaften. 


74  Liliaccae. 

In  Europa  nur  unsere  Gattungen;  ausser  den  erwähnten  in  unseren  Gärten 
mitunter  noch  einige  Nordaniericanisehe  Gattungen ,  die  jedoch  zu  selten  sind  um 
hier  Erwähnung  zu   verdienen. 

Uebersicht  der  Gattungen. 

A.  Blüthenstand  wenigblüthig,  am  Grunde  der  Trugdolde  meist  2, 
seltener  1  oder  3  Laubblätter.  Perigonblätter  getrennt,  am  Grunde 
(bei  uns  stets)  mit  Honiggrübchen. 

I.  Perigonblätter  innen  gelb,  aussen  grün  oder  mit  grünen  Streifen. 
Blüthenstand  trugdoldig,  meist  doldenartig  zusammengedrängt. 
Stengelblätter  fast  stets  untereinander  theils  am  Grunde,  theils 
unter  dem  Blüthenstande  mehr  oder  weniger  genähert.  Perigon 
bleibend,    zur  Fruchtzeit  meist  grün  werdend.  Gagea. 

II.  Perigonblätter  weisslich  (bei  uns)  aussen  mit  gelbem  Grunde. 
Blüthenstand  (bei  uns)  ein-,  selten  zweiblüthig,  sonst  deutlich  rispig- 
trugdoldig.  Stengelblätter  nie  einander  oder  dem  Blüthenstande 
genähert,  ziemlich  gleichmässig  am  Stengel  vertheilt.  Perigon  (bei 
unserer  Art)  verschrumpfend  und  vertrocknend.  Lloyd ia. 

B.  Blüthenstand   oft    vielblüthig,    am  Grunde    der    Scheindolde    von    2 
oder  1  breiten,  oft  trockenen,  häutigen  Hochblättern  umschlossen. 
I.  Perigonblätter  getrennt  oder  doch  nur  am  Grunde  verbunden. 

a.  Pflanze  mit  Lauchgeruch.     Perigonblätter  meist  ganz   getrennt. 

AlliuiiL 

b.  Pflanze   ohne    Lauchgeruch.     Perigonblätter   am    Grunde    (oder 
bis  zur  Mitte)  verbunden.  Nothoscordon. 

II.  Perigonblätter  fast  ganz  verbunden,  trichterförmig-glockig.  Staub- 
blätter von  einander  getrennt.  Brodiaea. 

162.  GÄGEA1). 
(Salisb.  in  König  u.  Sims  Ann.  of  Bot.  IL  555  [1806].  Koch  Syn. 
ed.  2.  Aschers.  Fl.  Brand.  I.  712.  Nat.  Pfl.  IL  5.  54.  Sommier  Bull. 
SB.  It.  1897.  246  ff.  Terracciano  Boll.  Soc.  ort.  Mut.  Socc.  Palermo 
IL  33,  59.  30.  Sept.  1904.  Pascher  Sitzb.  Deutsch.  Ges.  nat  med.  Ver. 
Böhmen  Lotos  No.  5. 11 1 .  Nov.  1904 2).  Stelluster  Heister  Syst.  19  [1748]. 
O.  Kuntze  Rev.  gen.  pl.  IL  715  [1891]  verjährter  Name.  Stelläris  Moench. 

i)  Nach  Sir  Thomas  Gage,  *  1781  f  27.  Dec.  1820  Rom,  Gutsbesitzer  auf 
Hengrave  Hall,  Suffolk,  welcher  in  Suffolk,  Irland  und  Portugal  botanisirte  und 
Beiträge  zu  der  English  Botany  lieferte  (Britten  u.  Boulger,  Journ.  of  Bot. 
XXVII.  16). 

2)  Ende  des  Jahres  1904  erschienen  die  beiden  letztgenannten  Arbeiten  über 
die  Gattung,  in  denen  eine  Anzahl  neuer  Arten  (z.  T.  in  beiden  Arbeiten  dieselben 
unter  verschiedenem  Namen)  beschrieben  sind.  Das  Material  des  Berliner  botanischen 
Museums  war  zuerst  bei  Te r  r acci  an  o ,  dann  bei  Pascher.  Die  Terracciano  - 
sehe  Arbeit,  die  auf  lange  Studien  basirt  ist,  hat  zweifellos  die  Priorität  vor  der 
allerorten  die  Eile  der  Fertigstellung  verrathenden  Pascher 'sehen,  von  der  die 
Separatabzüge  ungewohnterweise  vor  Ausgabe  des  Heftes  versandt  wurden.  Wir  ver- 
danken brieflichen  Mittheilungen  Terracciano's,  dessen  Arbeit  grösstentheils 
noch  unveröffentlicht  ist,  (während  des  Druckes)  manche  werthvolle  Berichtigungen 
und  Zusätze. 


Gagea.  75 

Meth.  303  [1794]  desgl.  Ornithoxänthum  *)  Link  Handb.  I.  161  [1829]. 
Balbilläria  Zucc.  Abh.  Akad.  Münch.  III.  229  t.  2  [1843].  Boissiera2) 
Hänseier  nach  Willk.  u.  Lange  Prodr.  Fl.  Hisp.  I.  218  [1861].  Sole- 
närium3)  Dulac  Fl.  Hautes  Pyren.  117  [1867].    Gägia  St.  Lager  Ann. 

SB.  Lyon  VIII.  175,  203  [1881]). 
(Gold-,  Gelb-  oder  Gilbstern;  niederl.  u.  vlaem.:  Goud-,  Geeister;  dän.: 
Guldstjerne;  it.:  Cipollaccio;  rum. :  Cepa-Ciorei;  poln. :  Zlocz;  böhm.: 
Kfivatek;  kroat. :  Baloska;  russ. :  ryciiHen,i> ;  litt.:  Czernüczkai  oder 
Laukinnei  Swogunei;  ung. :  Tyuktarej.) 
S.  S.  74.  Kleine  oder  ziemlich  kleine  ausdauernde  Kräuter  mit 
Zwiebeln.  Stengel  meist  unterhalb  des  Blüthen  Standes  5  Blätter 
tragend,  das  unterste  ein  zur  Blüthezeit  bereits  ausgesogenes  scheiden- 
förmiges  Nährblatt,  das  zweite  ein  grundständiges  Laubblatt,  welches 
mit  seinem  Grunde  die  in  seiner  Achsel  stehende  Hauptzwiebel  um- 
hüllt. Das  dritte  Blatt  ist  in  den  meisten  Fällen  (nicht  z.  B.  bei  G. 
minima)  laubartig  und  trägt  meist  (nicht  bei  G.  silvatica,  pusilla) 
in  seiner  Achsel  eine  Nebenzwiebel,  welche  von  seinem  Grunde  und 
natürlich  auch  von  dem  des  zweiten  Blattes  umhüllt  wird.  Das  vierte 
und  fünfte  Blatt  stehen  nahe  unter  dem  Blüthenstande  und  sind  in 
der  Regel  laubartig.  Blüthenstand  trugdoldig  mit  Neigung  zur  Schraubel- 
bildung, in  der  Regel  doldenartig  zusammengedrängt.  Blüthen  mittelgross. 
Perigonblätter  innen  glänzend,  goldgelb,  aussen  mattgelb  mit  grünem 
Rückenstreifen,  am  Grunde  mit  einer  Honiggrube,  oberwärts  abstehend, 
nebst  den  Staubblättern  bleibend.  Griffel  dreiseitig,  gerade.  Narbe  un- 
deutlich 3  lappig.  Kapsel  3  seitig.  Samen  in  jedem  Fache  wenige,  rund- 
lich, schwach  zusammengedrückt. 

Der  Stengel  und  die  grundständigen  Blätter  sind  bis  eine  Strecke  über  der 
Zwiebel  ziemlich  fest,  werden  dann  aber  sehr  zart  und  knicken  oder  reissen  an 
dieser  Stelle  leicht  ab.  Bis  zu  dieser  Stelle  leisten  ihre  Beste  der  Verwesung  lange 
Widerstand  und  finden  sich  jedenfalls  an  der  nächstjährigen  Zwiebel,  bei  einigen 
Arten  (z.  B.  G.  minima  u.  G.  silvatica)  noch  mehrere  Jahre  später.  —  Im  nörd- 
lichen Gebiete  vertritt  diese  Gattung  mit  wenigen  anderen,  die  in  Südeuropa  so 
zahlreichen  Zwiebelgewächse,  welche  den  Beginn  des  Frühlings  verkünden. 

Etwa  30 — 40  Arten  in  Europa,  Nord-Africa,  den  gemässigten  Theilen  und  in 
den  Hochgebirgen  Asiens.  In  Europa  ausser  unserer  Untergattung  noch  B.  Hör- 
nungiai)  (Bernh.  in  Flora  XXIII  [1840]  392  als  Gatt.  Pascher  Sitzb.  Ver. 
Lotos  1904.  112)  mit  der  Section  PlaiyspermumJ)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  204,  207 
[1884]).  —  Hierher  G.  reticuldta  (Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  542  [1829].  Or- 
nithögalum  reiiculatum  Pall.  Reise  III.  553  [1776].  Orn.  circinnatum  L.  fil.  Suppl. 
199  [1781],   G.  circinndta  Claus  in  Göbel  It.  III.  310  [1838].  Homungia  circinnata 


i)  Von  oQvig  Vogel  und  ^av&ög  gelb  ;  analog  dem  Namen  Ornithogalum  gebildet. 

2)  S.  IL   1.  S.  535  Fussn.  1. 

3)  Von  acoÄtjv  Rinne,  Röhre. 

4)  Nach  Ernst  Gottfried  Hörn  ung,  *  15.  Sept.  1795  Frankenhausen  (br. 
Mitth.  seines  Sohnes,  des  Apothekenbesitzers  E.  F.  H.  in  Bochum)  f  30.  Sept.  1862 
Aschersleben,  seit  1823  Apotheker  daselbst,  hochverdient  um  die  dortige  Flora  (vgl. 
Allerverein,  Nachtr.  zu  Schneider's  Fl.  v.  Magdeburg  63)  und  gutem  Kenner  der 
deutschen  Flora,  Verf.  mehrerer  Aufsätze  in  der  Regensburger  „Flora".  Sein  Herbar 
ist  im  Besitz  des  früheren  Hofapothekers  Vi  gen  er  in  Wiesbaden. 

5)  Von  TiÄarvg  flach  und  ajisQjjia  Samen. 


7G  Liliaceae. 

Beruh.  Flora  XXTII  [1840]  390)  auf  der  Balkanhalbiusel  und  in  der  Krim.  (Nord- 
Africa;  Orient.)  —  G.  bulbifera  (Rom.  u.  Schult.  Syst,  VII.  552  [1829].  O- 
nithogalum  bulbiferum  L.  til.  Suppl.  199  [1781])  in  der  Krim,  in  Süd-  und  Ost- 
russland (Kaukasus;  Orient;  Sibirien).  —  0.  polyphylla-i)  (Stev.  Bull.  Soc. 
Mose.  XXX.  3.  83  [18.~>7]?  in  der  Krim.  —  In  Europa  nur  die  Untergattung 

Eugägea  (Pascher  Sitzb.  Lotos  1904.   112  [2]).    Samen  kugelig  oder 
walzlich,  kantig  (nie  dünn  und  flach). 

A.      A.    Nebenzwiebel  vorhanden  (vgl.  indessen  G.  pratensis B.  Pomeratiica). 

I.  I.   Haupt-  und  Nebenzwiebel  sitzend,  zur  Blüthezeit  in  die  Zwiebel- 

hülle eingeschlossen.  Meist  2  grundständige  Laubblätter  vorhanden, 
wenn  nur  1,  dann  unterhalb  der  Verzweigungen  des  Blüthenstandes 
nur  höchstens  2  laubartige  oder  kleinere  Blätter. 

a.  a.  Didt/mobölbos2)  (K.  Koch Linn.  XXII.  229  [1849]  em.  Pascher 

Lotos*  1904.  112  [2].  Dibolbödae  Neilr.  Fl.  v.  Wien  105 
[1846]  z.  T.  Didynwbidbos  Boiss.  Fl.  Or.  V.  203  [1881]  z. 
T.  vgl.  Koch  Syn.  ed.  1.  712  [1837]  ed.  2.  823).  2  grund- 
ständige, nicht  mit  dem  Stengel  verbundene  Laubblätter  (das 
zweite  und  dritte  Blatt).  Jedes  der  grundständigen  Laubblätter 
eine  aufrechte  Zwiebel  in  der  Achsel  tragend.  Das  vierte  und 
fünfte  Blatt  (das  dritte  und  vierte  Laubblatt)  meist  dem  Blülhen- 
stande  genähert  (Stengelblätter).  —  Zwiebel  rundlich.  Neben- 
zwiebel wenig  kleiner  als  die  Hauptzwiebel,  meist  im  nächsten 
Jahre  schon  zur  Blüthe  kommend.  Blüthenstiele  nebst  den 
Rändern  der  oberen  Blätter,  den  Hochblättern  und  dem  unteren 
Theile  der  Aussenseite  der  Perigonblätter  zottig. 

Pascher  theilt  diese  Section  a.  a.  O.  in  3  „Reihen"  von  denen 
ausser  unserer  in  Europa  noch  vorkommen:  II.  Py  gmaeae  (Pascher 
a.  a.  O.  [1904])  mit  G.  pygmaca  (Rom.  u.  Schult,  Syst.  VII.  547  [1829]. 
Ornithogalum  pygmaeum  Willd.  Enum.  367  [1809].  Gagca  foliosa  c)  pyg- 
maca Richter  PI.  Eur.  I.  197  [1890])  in  Spanien,  Corsica  und  Nordafrica 
mit  den  Unterarten  oder  Rassen:  G.  Ncvadc'nsis  (Boiss.  Elench.  85 
[1S38]  z.  T.)  in  Spanien,  G.  Corsica  (Tausch  in  F.  Schultz  Arch.  Fl. 
All.  18  [1852].  G.  SoleirotiiS)  Schultz  Arch.  8  [1836].  Mutel  Fl. 
Franc.  III.  298  [1836])  in  Corsica,  G.  Ibericai)  (Terracciano  Boll.  Soc. 
ort.  Mut.  Socc.  Palermo  II.  34  [6]  [1904].  G.  distans  Pascher  Sitzb.  Lotos 
1904  [10])  in  Spanien.  —  G.  foliosa  (Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  547 
[1829].  Ornithogalum  foliosum.  Presl  Delic.  Prag  149  [1822].  Gagca  poly- 
mörpha^)  Boiss.  Voy.  Esp.  II.  611  [1845]  z.T.)  in  Sicilien  und  Sardinien 
mit  der  zu  G.  pygmaca  neigenden  Unterart  oder  Rasse:  G.  Nc brodensis1*) 
(Nyman  Syll.  372  [1855].  Ornithogalum  nebrodense  Tod.  PI.  rar.  I.  7 
[1845])  in  Sicilien  (Madonie).  Gleichfalls  aus  Sicilien  von  den  Nebrodeu 
und  Sardinien  beschreibt  Terracciano  (Boll.  Soc.  ort.  Mus.  Socc.  Palermo 
II.  36  [9]  [1904])  eine  zu  „(7.  arvensis11  neigende  hierhergehörige  Art  als  Q. 
ramulösa,  die  vielleicht  von  dieser  Art  nicht  verschieden  ist  mit  der  Unterart 


1)  Von  noP.vg  viel  und  (pvAZov  Blatt. 

2)  Von   diövfiog  Zwilling  und  ßoAßdg  Zwiebel. 

3)  S.  II.  2.S.   141  Fussn.   1. 

*)  Von  der  Iberischen   Halbinsel. 

loÄvfioQcpog  vielgestaltig. 
6)  S.  I.  S.  261   Fussn.   1. 


Gagea.  77 

G.  Lusitdnica  (Terracciano  Boll.  Soc.  ort.  Mus.  Socc.  Palermo  II.  35  [8J 
[1904])  in  Portugal.  —  Zu  den  III.  Chryänthae  (Pascher  a.  a.  O.  114 
[1904])  gehört  nur  G.  chry säntha*)  (Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  545 
[1829],  Ornithogalum  chrysanthum  Jan  in  Guss.  Fl.  Sic.  prodr.  Suppl. 
100  [1832])  in  Sicilien ,  der  Balkanhalbinsel  und  Kleinasien  mit  den 
Unterarten  oder  Rassen:  G.  euchry sdntha  (G.  chrysantha  im  engeren 
Sinne,  Pascher  a.  a.  O.)  in  Sicilien  und  G.  ambly  opetala'*)  (Uoiss.  u. 
Heldr.  Diagn.  I.  7.  107  [1846],  G.  aurea  K.  Koch  Linnaea  XXII.  227 
[1849])  auf  der  Balkanhalbinsel  und  in  Kleinasien  mit  der  Rasse  B.mon- 
tdna  (Pascher  a.  a.  O.  [123]  [1904].  G.  montana  Pascher  a.  a.  O.  114  [4], 
123  [13]  [1904])  auf  den  Griechischen  Gebirgen.  Terracciano  (br.)  zieht 
G.  pyymaea,  Nevadensis,  Corsica  und  Nebrodensis  als  Unterarten  oder 
Rassen  zu  G.  saxatilis;  G.  Soleirolii  ist  nach  ihm  eine  eigene,  weit  von 
O.   Corsica  verschiedene  Art.  —  Bei  uns  nur 

Arvenses  (Pascher  Sitzb.  Lotos  1904. 114  [4]).  Ueber  den  beiden 
dem  Blüthenstande  genäherten  Laubblättern  und  den  die  Blüthen 
in  den  Achseln  tragenden  unteren  Hochblättern  meist  kein  deut- 
liches Stengelglied.  Blüthen  meist  ziemlich  gross.  Staubblätter 
meist  mehr  als  halb  so  lang  als  das  Perigon.  Fruchtknoten 
meist  kräftig,  mit  etwa  1 1/2  mal  so  langem  Griffel. 

Die  meisten  Arten   in  Nordafrica   und    im  Orient,    in  Europa    nur 
unsere  Arten. 

753.  (1.)  G.  arvensis.  4.  Stengel  meist  (0,5  bis)  1  bis  1,5  dm 
hoch,  meist  etwas  schlaff.  Die  beiden  grundständigen  Laub- 
blätter öfter  den  Blüthenstand  überragend,  linealisch,  meist  nicht 
über  2  mm  breit,  rinnig,  stumpf  gekielt.  Unteres  der  beiden 
Stengelblätter  (viertes  Blatt)  lanzettlich,  am  Grunde  bis  fast 
1  cm  breit,  allmählich  verschmälert,  meist  dem  linealischen  bis 
linealisch-lanzettlichen,  meist  etwa  3  mm  breiten  oberen  und  dem 
laubartigen,  mitunter  bis  5  cm  oder  mehr  langen  Hochblättern  des 
Blüthenstandes  sehr  genähert.  Blüthen  meist  zu  5 — 10,  dolden- 
förmig zusammengedrängt.  Perigon blätter  lanzettlich  bis  über  1,5  cm 
lang,  stumpflich.  Staubblätter  mit  dünnen  Fäden  und  ziemlich  grossen, 
eiförmigen  bis  kugeligen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  verkehrt-eiförmig. 
Frucht  länglich-verkehrt-eiförmig,  stumpf,  etwas  kürzer  als  die  Perigon  blätter. 

Auf  Aeckern,  Hügeln,  Grasplätzen,  an  Wegrändern,  selten  in 
Laubwäldern  durch  den  grössten  Theil  des  Gebiets  verbreitet,  meist 
häufig,  auch  in  der  immergrünen  Region  des  Mittelmeergebietes,  fehlt 
aber  wie  die  ganze  Gattung  auf  den  Nordsee-Inseln,  auch  in  Ostpreussen 
neuerdings  nicht  beobachtet,  in  Nordwestdeutschland  und  in  der  Ober- 
lausitz selten,  in  Wallis  bis  2200  m  (Jaccard  369),  in  Tirol  nur  bis 
800  m  (Sarnthein  br.)  beobachtet.     Bl.  März  bis  Mai. 

G.  arvensis  Dumort.  Fl.  Belg.  140  (1827).  Rom.  u.  Schult.  Syst. 
VII.  547  (1829).  Koch  Syn.  ed.  2.  823.  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I. 
713.  Nyman  Consp.  725.  Suppl.  306.  Richter  PI.  Eur.  I.  197.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCLXXIX  fig.  1049,  1050.  Ornithogalum  luteum  L. 
Spec.  pl.  ed.   1.  306  (1753)  z.  T.      Ornith.    arvense   Pers.    in    Usteri 

!)  Von  %qvo~6$  Gold  und  äv&og  Blume. 

2)  Von  äfißAvs  stumpf  und  TiitaÄov  Blumenblatt. 


78  Liliaceae. 

Ann.  XI.  8  t.  1  f.  2  (1794).  Stellaris  minima  Moench  Meth.  303 
(1794).  Ornith.  mini  »mm  Willd.  Spec.  pl.  II.  114  (1799).  Pers.  Syn. 
I.  363  (1805)  nicht  L.  Ornith.  villösam  M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc'  I. 
274  (1808).    Gagea  villosa  Duby  Bot.  Gull.  I.  467  (1828). 

Diese  Art   neigt   sehr    zu  Abnormitäten  und  Monstrositäten.     Um  die  Zwiebel 
findet  sich  häufig  zahlreiche  Zwiebelbrut.    Die  sehr  kleinen,  öfter  an  kurzen  Stengeln 
ährenförmig  angehäuften  Zwiebeln  entwickeln  stielrunde  haardünne  Blätter,  die  erst 
in  späteren  Jahren,  wenn  die  Zwiebeln  erstarkt  sind,  flach  werden.     Ferner   finden 
sich  nicht   selten    seitliche  Blüthenstande    in    der  Achsel    des    unteren    (seltener    des 
oberen)  stengelständigen  Laubblattes.     Zwiebeln    in    den  Achseln    der   oberen  Laub- 
blätter und  der  Hochblätter  im  Blüthenstande  sind  gleichfalls  nicht  selten,  mitunter 
treiben    auch    diese   Zwiebeln    fadenförmige   Blätter    (Ornithogalum  proliferum   Pall. 
N.  A.  Petr.  X.  309  [1797]).    Die  Zahl  der  Blüthenorgane  ist  auch  oft  schwankend  von 
mehr  oder  weniger  starker  pliomerischer  Vergrösserung  einzelner  Blüthen  (z.  B.  Ornitho- 
galum octdndrum  Fingerh.  Linnaea  IV.  384  [1829]  mit  4  zähligen  Blüthen)  bis  zur 
Verschmelzung    mehrerer    Blüthen    mit   einander    findet    man    alle   Uebergänge.    — 
Wichtigere  Abänderungen  sind  ausser  der  im  Gebiete  nicht  vorkommenden  Unterart 
oder  Rasse  G.  dubia  (Terr.  a.  a.  O.  34  [6]  [1904].   G.  BoissierU)  Pascher  Sitzb. 
Deutsch.  Lotos  1904  [13])    auf  der  Balkanhalbinsel,  in  Kleinasien  und  Syrien  noch 
B.  gracilis.    Pflanze  in  allen  Theilen  feiner.    Nur  ein  linealisches  grundständiges 
Laubblatt    vorhandeu.      Stengelständige   Laubblätter    öfter    etwas    entfernt,    das 
unterste  schmäler  als  beim  Typus,   linealisch-lanzettlich.     Blüthen  einzeln  oder 
zu    2 — 3.    —    So  bisher    nur    in  Dalmatien    (Welwitsch)    aber   sicher    weiter 
verbreitet.    Aehnliche  Formen  sahen  wir  aus  Südfrankreich.  —   G.  arvensis  B. 
gracilis  A.  u.  G.  Syn.  III.  78  (1905).     G.  gracilis  Welw.    iu  Rchb.  Ic.  X.   18 
t.  CCCCLXXVIII  fig.  1048  (1848).  —  Vielleicht  eine  südöstliche  Basse.  Hunger- 
formen des  Typus    bei    denen    mitunter  auch  das  eine  grundständige  Laubblatt 
verkümmert,  zeichnen  sich  stets  durch  niedrigen  Wuchs  und  gedrängtere  Blüthen- 
stande   aus,    -was   gerade    an    der   Mittelmeerpflanze   nicht    beobachtet    wird.    — 
Hierher  gehört  die  Unterart: 

B.  G.  Qfanatelli2).  Pflanze  in  allen  Theilen  kleiner.  Zwiebel 
kugelig  von  zahlreichen  und  derben  aufrechten  Blattresten  umgeben. 
Grundblätter  flach.  Beide  stengelständigen  Blätter  deutlich  vom 
Blüthenstande  entfernt,  meist  fast  gegenständig.  Die  untersten  Hoch- 
blätter gross,  laubartig,  den  stengelständigen  Laubblättern  ähnlich  ge- 
staltet ,  wie  auch  das  obere  stengelständige  Laubblatt 
linealisch-lanzettlich  bis  lanzettlich  nicht  linealisch.  Blüthen 
zu  2 — 4  (bis  mehrere)  weniger  gedrängt,  kleiner.  Perigonblätter 
linealisch  -  lanzettlich ,  meist  nur  wenig  über  1  cm  lang,  spitzlich  oder 
spitz,  aussen  behaart. 

An  trockenen  Orten  im  Mittelmeergebiete,  im  Gebiete  noch  nicht 
beobachtet. 

Ornithogalum  GranatelWP&x].  Diar.  l'Occhio  1839.  85.  Gagea  Gra- 
natelli  Pari.  Fl.  Pal.  276  (1845).  Fl.  It.  II.  428.  Nyman  Consp.  725.  Suppl. 
304  erw.  Pascher  Sitzb.  Deutsch,  nat.  med.  Ver.  Böhm.  Lotos  1904.  114 
[4].  G.  mauritänica3)  Dur.  Expl.  Alger.  t.  45  fig.  4  (1846 — 51,  ohne 
Beschr.).     G.  arvensis  b)  Gh-anatelli  Richter  PI.  Eur.  I.  197  (1890). 

1)  S.  II.   1   S.  535    Fussn.   1. 

2)  Nach  Francesco  Maccagnone  Principe  di  Granatelli,  Kenner  und 
Förderer  der  Sicilianischen  Flora,  der  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  in  Palermo 
lebte  (Saccardo  I.  84). 

3)  Mauritania,  antiker  Name  von  Marokko  und  dem  westlichen  Algerien. 


Gagea.  79 

Terracciano  (br.)  erklärt  G.  Granatelli  für  eine  selbständige,  keineswegs  der 
G.  arvensis  unterzuordnende  Art,  von  der  G.  Maurüanica  als  Unterart  zu  trennen  ist. 

(Verbreitung  der  Unterart :  Spanien ;  Frankreich  [sehr  selten] ; 
Sicilien;  Unter-Italien;  Nord-Africa.) 

(Verbreitung  der  Art:  Süd-  und  Mittel-Europa  [auf  den  Britischen 
Inseln  wie  die  ganze  Gattung  (ausser  G.  silvaticäj]  fehlend.  Dänemark; 
Süd- Schweden;  Mittel-  und  Süd -Russland;  Nord-Africa;  Kleinasien; 
Persien.)  * 

753.  X  756.    G.  arvensis  X  minima  s.  S.  86. 

753.  X   761.    G.  arvensis  X  pttsilla  s.  S.  93. 

754.  (2.)  G.  Bohemica. 

Sehr  zerstreut,  fehlt  im  nordwestlichen  Gebiet  und  sonst  in  grossen 
Gebietstheilen. 

G.  Bohemica  Rom.  u.  Schult.  Syst.  Veg.  VII.  549  (1829)  erw. 
Omithogalum  Bohemicum  M.  u.  K.  Deutschi.  Fl.  II.  544  (1826). 

Zerfällt  in  zwei  Unterarten: 

A.  G.  scidcatilis.  %.  Stengel  meist  nur  2,5  —  8  cm  hoch,  meist 
etwas  schlaff.  Die  beiden  grundständigen  Laubblätter 
fadenförmig,  meist  erheblich  länger  als  der  Stengel,  hin-  und  her- 
gebogen, oft  fast  lockig  gekrümmt.  Die  beiden  Stengelblätter 
(viertes  und  fünftes  Blatt)  meist  lanzettlich  bis  4  mm  breit,  ersteres 
oft  fadenförmig  zugespitzt,  wenigtens  das  untere  die  Blüthen  überragend, 
unter  einander  und  von  den  laubartigen,  meist  locker  wolligen 
Hochblättern  des  Blüthen  Standes  meist  etwas  entfernt,  das 
untere  öfter  bis  fast  zum  Grunde  des  Stengels  herabgerückt.  Blüthen 
meist  einzeln,  seltener  zu  2 — 3.  Perigonblätter  länglich  bis  länglich- 
verkehrt-lanzettlich, bis  1,3  cm  lang,  stumpf  oder  stumpflich.  Staub- 
blätter mit  kugeligen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  verkehrt- 
eiförmig,   oben   gestutzt   mit   ziemlich    convexen    Seiten. 

Auf  sonnigen  Felsen,  steinigen  und  kiesigen  oder  begrasten  Hügeln, 
seltener  an  Wegrändern,  in  Schonungen,  in  niedrigen  Berglagen  und  in 
der  Ebene,  wohl  nicht  über  600  m,  meist  auf  kalkarmen,  seltener  kalk- 
reichen Substrat,  in  isolirten,  durch  weite  Zwischenräume  getrennten 
Bezirken  im  westlichen,  mittleren  und  nordöstlichen  Gebiet.  Dauphine: 
Vienne:  Vallon  de  Levau  (Granit),  Wallis  von  Branson!  bis  Siders 
(Sierre)  (Jaccard  379)  (Granit,  Quarzit).  Oestliche  Rheinpfalz  von 
Dürkheim  bis  zum  Donnersberge!  Kreuznach  (Porphyr)!  und  Bingen! 
Saalmünster  bei  Hanau  (?)  Eisenach!  Gotha.  Am  Süd-  und  Ostrande  des 
Harzes!  bei  Halle  a.  S.  (Porphyr)!!  im  Magdeburgischen  Flötzgebirge ! 
bis  Oschersleben !  Seehausen  und  Neuhaldensleben !  Prov.  Brandenburg: 
Um  Rathenow!  Potsdam!!  Am  mittleren  Oderthale  mehrfach  von 
Lebusü  bis  Angermünde!  Bl.  März,  April,  früher  als  die  übrigen 
nord-  und  mitteldeutschen  Arten. 

G.  saxatilis  Koch  in  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  550  (1829). 
Syn.  ed.  2.  824.    Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  713.   A.  u.  G.  Fl.  Nord- 


SO  Liliaeeae. 

ostd.  Flachl.  185.  Nyman  Consp.  725.  Suppl.  304.  Richter  PL  Eur.  I. 
197.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXX  fig.  1053.  Ornithogalum  ßstulösum 
Roth  Enum.  IL  2.  42  (1793)  nicht  Ramond.  Ornithogalum  bohemi- 
cum Ten.  Fl.  Nap.  I.  172  (1811—15).  Gaud.  Fl.  Helv.  IL  507  (1828) 
nicht  Zauschn.  Ornith.  bohemicum  (i.  saxatile  Mert.  u.  Koch  Deutschi. 
Fl.  IL  545  (1820).  Gagea  arvensis  ß.  subunißöra  Rchb.  Fl.  Germ, 
exe.  108  (1830).  Gagea  bohemica  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  195 
(1850)  nicht  R.  u.  S. 

Bei  dieser  Art  ist  die  Zwiebelbrut  noch  reichlicher  als  bei  der  vorigen,  es 
finden  sich  bei  dieser  sogar  in  der  Regel  weit  mehr  nichtblühende  Exemplare  als 
blühende.  Erstere  sind  natürlich  den  nichtblühenden  Exemplaren  anderer  Arten 
sehr  ähnlich  und  dürfen  letztere  nicht  dafür  gehalten  werden.  —  Auch  eine  Ver- 
mehrung der  Zahl  der  Blüthenorgane  ist  nicht  allzu  selten.  Häufig  sind  auch  die 
Staubbeutel  (wie  öfter  auch  in  der  folgenden  Unterart)  verkümmert  und  die  Pflanze 
trägt  daher  keine  Frucht.  Die  Ansicht  von  Cosson  (Bull.  SB.  France  XXII.  123 
[1675])  dass  G.  saxatiiis  eine  sterile  Form  der  G.  Bohemica  sei,  ist  mithin  un- 
begründet. Die  Thatsache  der  Sterilität  ist  wohl  eher  mit  Duval-Jouve  (a.a.O.) 
in  der  reichlichen  Brutzwiebelbildung  zu  suchen  als  mit  Lamotte  (a.  a.  O.)  in 
der  Wirkung  der  Kälte  bei  der  frühen  Blüthezeit.  Ausser  den  S.  79  erwähnten 
Arten  wird  von  Terraciano  (br.)  auch  G.  andegavensisi)  (F.  Schultz  Flora  XLV 
[18G2]  460.  Nyman  Consp.  725)  G.  bohemica  der  Französischen  Floristen,  nicht 
K.  u.  S.  hierher  gezogen. 

(Central-  und  West-Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien  nebst 
den  Inseln  )  TjT| 

B.  G.  eu-JBohemica,  Von  G.  saxatiiis  hauptsächlich 
durch  Folgendes  verschieden:  Pflanze  meist  nicht  über  5  (selten  bis 
8  cm)  hoch,  niedriger  aber  robuster,  in  allen  Theilen  kräftiger.  Die 
beiden  Stengelblätter  oft  mehr  genähert,  mitunter  fast  gegenständig. 
Blüthen  grösser.  Perigon  blätter  länglich,  bis  über  1,5  cm 
lang,  breiter,  vorn  deutlich  verbreitert,  alle  (besonders  die 
inneren)  an  der  Spitze  abgerundet,  am  Grunde  weichhaarig. 
Staubbeutel  wenigstens  z.  T.  deutlich  länglich  bis  kurz -linealisch. 
Griffel  an  der  Spitze  meist  deutlicher  verbreitert.  Fruchtknoten  ver- 
kehrt-herzförmig mit  vertieften  Seiten. 

An  ähnlichen  Orten  wie  die  vorhergehende  Unterart,  nur  im  süd- 
östlichen Gebiete.  Ungarn:  bei  Magyarfalva  an  der  March!  Neutra, 
Budapest!  Plattensee,  Gyöngyös.  Nieder  -  Oesterreich :  bei  Wien  und 
Hörn.  Südl.  Mähren:  Kr.  Brunn  und  Znaim!  Böhmen:  Um  Prag! 
Koufim,  Jicin  und  Böhmisch-Leipa.  Magdeburg!  (nur  hier  mit  der 
vorigen,  mit  Uebergängen  zu  ihr).  Die  Angabe  in  den  nördlichen  Kar- 
paten: Szczawnica  in  Galizien  bedarf  sehr  der  Bestätigung. 

Gagea  eu-Bohemica  A.  u.  G.  Syn.  III.  80  (1905).  Ornithogalum 
bohemicum  Zauschn.  Abh.  Priv.  Ges.  Prag  IL  121  (1776).  Ornith. 
Zauschniri2)  Pohl  Fl.  Boh.  IL  14   (1815).     G.   bohemica  Rom.   u. 

i)  S.  VI.   1.  S.   161    Fussn.   1. 

-')  Nach  Johann  Bapt.  Joseph  Zauschner,  *  1737  f  16.  Sept.  1799  Prag, 
Professor  der  Naturgeschichte  an  der  Universität  daselbst.  Nach  ihm  benannte 
Presl  (Rel.  Haenk.  II.  28  [1831])  die  schöne  Californische  Onotheraceengattung 
Zauchneria.  Sein  Herbar  erhielt  das  Stift  Strahov  in  Prag  (Maiwald,  Gesch. 
der  Bot.  in  Böhm.  66). 


Gagea.  81 

Schult.  Syst.  VII.  549  (1829).  Koch  Syn.  ed.  2.  823.  Nyman  Consp. 
725.  Suppl.  304.  Richter  PI.  Eur.  I.  197.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXX 
ßg.  1052.  G.  Szovitsii1)  Bess.  in  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  550  (1829). 
Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXI  fig.  1055. 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,    die    in    typischer  Ausbildung    sehr  den  Eindruck 
einer  eigenen  Art  macht,    bei   der    aber   bei    Sichtung   eines    grossen    Materials    sich 
kein  Merkmal  absolut  constant  erweist,   wie  schon  Schneider    (Fl.  v.  Magdeburg 
II.  255)  und  auch  Pascher  (Sitzb.  Lotos  1904.  114  [4])  hervorheben.    Sie  als  selb- 
ständige Art  aufzuführen    erschien    daher   unmöglich.    —    Beim  Trocknen   wird    die 
Pflanze    (besonders   die  Blüthen)    meist   erheblich    dunkler    als   die  vorige  Unterart. 
Eine  der  letztern  sich  nähernde  Form   ist 
B.  stenochlamydea2).     Perigonblätter  schmäler,    nach  vorn  nicht  verbreitert; 
Fruchtknoten  wie  bei  der  Unterart  B.  —  Mittel-Ungarn :  Budapest !  Plattensee. 
—  G.  Bohemica  var.  stenochlamydea  Borb.  Balaton  Flor.  323  (1900).    G.  saxa- 
tilis   Kerner  ÖBZ.  XXVIII  (1878)  176.     Borbäs  Budapest  es  körn.  Gl   (1879). 
G.  Szovitsii  i)  (Bess.  in  R.  u.  S.  Syst.  Veg.  VII.  550  [1829].    Ornith.  Szovitsii 
Lang  Flora  X  [1827]  1.  2.  Beil.  64)    stellt  nach  Terracciano  (br.)  eine  in  Süd- 
russland und  Griechenland  vorkommende  Unterart  dar. 

(Verbreitung  der  Unterart :  Balkanhalbinsel ;  Süd-Russland ;  Klein- 
asien, Syrien;  Palästina.)  |^T 
(Verbreitung  der  Art:   Wie  die  Unterarten.)  "# 

755.  (3.)  G.  pedimcularis.  2J..  Zwiebel  klein.  Stengel  meist  nicht 
über  5  cm  hoch,  ziemlich  starr.  Die  beiden  grundständigen  Blätter  schmal- 
linealisch-lanzettlich  bis  fast  fadenförmig,  in  der  Mitte  deutlich  breiter  als 
am  Grunde,  das  eine  länger  als  der  Stengel,  das  andere  viel  kürzer,  meist 
nicht  halb  so  lang.  Die  beiden  Stengelblätter  (viertes  und  fünftes  Blatt) 
lanzettlich  mit  linealischer  Spitze,  beide  kürzer  als  die  Blüthen,  das 
untere  erheblich  länger  und  breiter  als  das  obere,  meist  ziemlich  weit 
von  einander  und  von  den  Hochblättern  entfernt.  Blüthen  meist  einzeln, 
seltener  zu  2  (oder  3)  mit  (wie  die  Hochblätter)  dicht  wollig  behaarten 
Stielen.  Perigonblätter  länglich-linealisch,  stumpf,  kahl  oder  am  Grunde 
wollig.  Staubblätter  2/3  bis  3/<l  so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit  läng- 
lich-eiförmigen Staubbeuteln.  Kapsel  verkehrt-herzförmig,  halb  so  lang 
als  das  Perigon. 

An  buschigen  Abhängen,  in  lichten  Wäldern  nur  im  südöstlichsten 
Gebiete.     Dalmatien:   Zara  (Vis.  I.   148).     Bl.  März. 

G.  pedimcularis  Pascher  Sitzb.  Lotos  1904.  114  [4]  nicht  Wallich. 
Omithogalum  villösum  Labill.  PI.  Syr.  V.  24  (1812).  Phalangium 
villosum  Poir.  Encycl.  Suppl.  IV.  381  (1816).  Omithogalum  pedun- 
culare  Presl  Delic.  Prag  150  (1822).  G.  pijgmaea  Vis.  Fl.  Dalm.  I.  148 
(1842)   nicht  R.  u.  S.     G.  Bülardieri3)  Kunth  Enum.  pl.  IV.    242 

1)  S.  I.  S.  90  Fussn.   1. 

2)  Von  avevog  schmal  und  %Aafivg  Oberkleid  =  Perigon. 

3)  Nach  Jacques  Julien  Houtton  de  Labillardiere,  *  28.  Oct.  1755 
Alencon  (Orne)  f  8.  Jan.  1834  Paris,  welcher  1786 — 7  Syrien  bereiste  und  1791 
der  Expedition  von  d'Entrecasteaux  in  die  Südsee  zur  Aufsuchung  von  La 
Perouse  und  später  die  von  B  a  u  d  i  n  an  den  Küsten  von  Australien  begleitete. 
Verf.  der  Kupferwerke  Icones  plant.  Syr.  rar.  Paris  1791 — 1812.  Novae  Hollandiae 
plant,  specialen.  Paris  1804 — 6.  Sertum  austro-Caledonicuru.  Paris  1824 — 5. 

Ascherson  u.  Graebner,  Synopsis.  III.  6 


82  Liliaceae. 

(1843).  Gagea  foliosa  Boiss.  Fl.  Or.  V.  205  (1884).  Nyman  Consp. 
726.  Suppl.  304  z.  T.  nicht  Born.  u.  Schult.  G.  foliosa  c)  pygmaea 
Richter  PI.  Eur.  I.  197  (1890)  z.  T.  G.  Presliana1)  Pascher' Sitzb. 
Lotos  1904.  106  [1]. 

(Griechenland;  Kreta;  Syrien;  Palästina.)  j^j 

b.  1).  Mo  n  op  hyllos  2)  (Pascher  Sitzb.  Lotos  1 904.  1 1 2  [2]).  2  grund- 

ständige Laubblätter  oder  eins  davon  (das  obere)  ganz  klein, 
oft  bis  auf  eine  Schuppe  verkümmert,  frei,  jedes  in  der  Achsel 
eine  aufrechte  Zwiebel  tragend,  nicht  mit  dem  Stengel  verbunden. 
—  Zwiebel  eiförmig,  selten  rundlich,  das  unterste  Stengelblatt 
(viertes  Blatt)  lanzettlich,  am  Grunde  scheidenartig  zusammen- 
gerollt, meist  das  zweite  Stengelblatt  (fünftes  Blatt)  und  die 
Hochblätter  klein.  Blüthenstiele  meist  (s.  No.  767)  kahl.  Perigon 
blätter  am  Grunde  fein  gewimpert.  —  Blüthen  etwas  kleiner  als 
bei  den  übrigen  Arten. 

Zerfällt  nach   Pascher  in  2   „ Reihen". 
1.  1.  Minimae   (Pascher  Sitzb.  Lotos   1904.   115  [5]).     Nur  ein 

grundständiges  Laubblatt,  schmal,  linealisch  bis  fast  faden- 
förmig, meist  kantig,  seltener  etwas  verbreitert,  flach,  das 
obere  (das  dritte  Blatt)  verkümmert.    Vgl.  auch  No.  767. 

In  Europa  ausser  unserer  Art  nur  die  ihr  sehr  nahe  verwandte  O. 
confiisa  (Terracciano  Boll.  Soc.  ort.  Mut.  Socc.  Palerm.  II.  33  [5]  [1904]. 
G.  mivimoides  Pascher  Sitzb.  Deutsch,  nat  med.  Ver.  Böhm.  Lotos  1904. 
126  [16])  in  Südrussland   (und  Persien). 

756.  (4.)  G.  minima.  %.  Stengel  meist  0,7 — 1,5  dm  hoch,  meist 
etwas  schlaff.  Das  grundständige  Laubblatt  linealisch,  bis 
etwa  2  mm  breit,  flach  oder  schwach  rinnig.  Das  zweite  Grundblatt 
(drittes  Blatt)  zu  einer  die  Nebenzwiebel  überziehenden 
Schuppe  verkümmert,  selten  mit  einer  kurzen,  die  Erdoberfläche 
meist  nicht  erreichender  Spreite.  Unteres  Stengelblatt  (viertes  Blatt)  dem 
Blüthenstande  meist  genähert,  oft  fast  säbelförmig  gekrümmt,  meist 
bis  7  oder  8  mm  breit,  kürzer  oder  etwas  länger  als  der  Blüthenstand. 
Oberes  Stengelblatt  (fünftes  Blatt)  linealisch,  den  Hochblättern  im 
Blüthenstande  ähnlich.  Blüthenstand  doldenförmig  zusammengedrängt 
oder  deutlich  trugdoldig.  Blüthenstiele  ziemlich  lang,  meist  2 — 3  mal 
länger  als  die  Blüthen.  Perigon  blätter  linealisch-lanzett- 
lich, etwa  1,3  cm  lang,  zugespitzt.  Staubblätter  meist  etwa  halb 
so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  länglichen  Staubbeuteln.  Frucht 
eiförmig,  kürzer  als  das  Perigon. 

In  Wäldern,  in  grasigen  Hainen,  auf  Waldwiesen,  an  buschigen 
Abhängen  und  Dämmen,  auf  Waldwegen,  nur  im  östlichen  und  mitt- 
leren Gebiet  doch  meist  nur  zerstreut  bis  selten,  westlich  bis  Ost- 
Schleswig:  Insel  Alsen,  Holstein:  Land  Oldenburg,  Ratzeburg,  Mecklen- 
burg:   Doberan,  Waren;    Neuhalden  sieben!   westl.  Harzrand,  Göttingen, 

1)  S.  II.  2  S.  279  Fussn.  2. 

2)  Von  fiövog  einzeln  und  (pvAAov  Blatt. 


Gagea.  83 

Erfurt,  Arnstadt,  Koburg,  Schweinfurt,  Dinkelsbühl,  Ingolstadt,  südwest- 
liche Schweiz  (Alpen  von  Bex!  hier  bis  1200  m  ansteigend),  Lombardei; 
fehlt  in  Krain  und  den  Adriatischen  Küstenländern.  Bl.  Ende  März 
bis  Mai. 

G.  minima  Ker-Gawler  Journ.  Roy.  Inst.  I.  180  (1816).  Rom. 
u.  Schult.  Syst.  VII.  539  (1829).  Koch  Syn.  ed.  2.  824.  Boiss.  Fl. 
Or.  V.  207.  Nyman  Consp.  725.  Suppl.  304.  Richter  PL  Eur.  I.  196. 
Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXV  fig.  1040.  Ornithogalum  minimum  L. 
Spec.  pl.  ed.  1.  306  (1753).  Ornith.  minütum  Pall.  Reise  IL  14  (1773). 
Ornith.  minus  Gilib.  Exerc.  phyt.  II.  148  (1792).  Ornith.  Stern- 
bergii1)  Hoppe  Bot.  Zeit.  Regensb.  V.  339  (1806/7).  Ornithogalum 
callösum  Kit.  in  Schultes  Oest.  Fl.  ed.  2.  I.  557  (1814).  R.  u.  S. 
Syst.  Veg.  VII.  554  (1829).  Add.  in  Linnaea  XXXII.  336  (1863)  vgl. 
Kerner  ÖBZ.  XXVIII.  126.  Ornith.  gräcile  Hagen  Chloris  Bor.  276 
(1819).  Gagea  callosa  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  107  (1830).  Nyman  Consp. 
725.    Gagea  Baumgarteniäna2)  Schur  Enum.  pl.  Transs.  667  (1866). 

Durch  die  Zartheit  aller  Theile  und  die  sehr  kleine  Nebenzwiebel  sehr  aus- 
gezeichnet. Zuweilen,  besonders  bei  B.  entwickelt  sich  auch  das  Tragblatt  der  Neben- 
zwiebel  (das  oben  genannte  obere  grundständige  Blatt)  zu  einem  Laubblatte. 

Häufig  finden  sich  die  blühenden  Exemplare  von   zahlreichen    nichtbliihenden 
umgeben,  nicht  selten  bilden  die  nichtblühenden  Pflänzchen  ganze  kleine  Rasen,  in 
denen  wenige  blühende  Pflanzen  stehen. 
Aendert  ab 
B.  robüsta.     Pflanze    robust;    Blätter    breiter,    die    grundständigen    oft  zu  2.    — 
Süd-Polen.  —   Gr.  minima  var.  robusta  Piotrowski  BV.  Brand.  XXXIX.  f.  1897 
XXVIII  (1898). 

(Skandinavische  Halbinsel;  Dänemark;  Rumänien;  Süd-  und  Mittel- 
Russland;  Italien:  Provinz  Rom;  Calabrien  [Terracciano  br.].  Mace- 
donien  [desgl.].  Klein-Asien;  Kaukasus;  Sibirien.)  I* 

762.  X  765.    Cr-  arvensis  X  minima  s.  S.  86. 
765.  X   767.    G.  minima  X  fistulosa  s.  S.  86. 

2.  Fistulös ae  (Pascher  a.  a.  O.  115  [5]  [1904]).  Meist  2 
grundständige  Laubblätter  entwickelt,  diese  halbstielrund  bis 
stielrund,  röhrig  (auch  das  dritte  Blatt  ein  Laubblatt).  Vgl. 
auch  No.  765  B. 

In  Europa  nur  unsere  Arten. 

757.  (5.)  €r.  spathacea.  %.  Stengel  meist  1—2  dm  hoch,  ziemlich 
schlaff.  Beide  grundständige  Laubblätter  linealisch-faden- 
förmig, meist  nicht  viel  über  1  mm  breit,  halbstielrund,  oberseits 
flachrinnig  oder  flach.  Unteres  Stengelblatt  (viertes  Blatt)  etwas 
von  demBlüthenstande  entfernt,  meist  etwa  6 — 8  (bis  9)  mm 
breit,  so  lang,  kürzer  oder  länger  als  der  Blüthenstand.    Oberes  Stengel- 


1)  S.  VI.  1.  S.  303  Fussn.  2. 

2)  S.  II.  1.  S.  437  Fussn.  4. 


84  Liliaceae. 

blatt  (fünftes  Blatt)  linealisch-lanzettlich,  oft  nicht  viel  grösser  als  die 
ähnlichen  Hochblätter  des  Blüthenstandes.  Blüthenstand  doldenförmig 
1 — 5  blüthig.  Blüthenstiele  lang,  meist  2 — 3  mal  länger  als  die 
Blüthe,  kahl.  Perigon  blätter  länglich-lanzettlich,  meist 
1,1  —  1,3  cm  lang,  stumpf.  Staubblätter  meist  kaum  halb  so  lang 
als  die  Perigonblätter,  mit  länglichen  bis  kurz-linealischen  Staubbeuteln. 

In  schattigen  humosen  Laubwäldern,  in  feuchten  Gebüschen  oft 
gesellig.  In  den  Küstengebieten  der  Nord-  und  Ostsee  meist  verbreitet 
und  häufig  (doch  in  Belgien,  Holland  und  Ostpreussen!  nur  vereinzelt, 
auf  den  Nordseeinseln  fehlend),  landeinwärts  in  der  Rheinprovinz  bis 
zum  Westerwald :  Stegs-Kopf  bei  Daaden  und  Dillenburg,  AVestfalen, 
Niederhessen,  Süd-Hannover,  Braunsehweig,  Neuhaldensleben !  Burg- 
stall, Altmark  (auch  Schönhausener  Damm  bei  Tangermünde  früher!), 
Prignitzü  Auch  noch  vereinzelt  in  Thüringen:  Erfurt,  Meiningen  (bis 
in's  Bayrische  Grabfeld  bei  Irmelshausen),  Kgr.  Sachsen  bei  Leipzig! 
Dresden,  Bautzen!  Die  Angaben  dieser  Art  im  Banat:  Szilha  bei  Lugos 
(Heuffel  ZBG.  VIII.  174)  beziehen  sich  wie  die  in  Siebenbürgen  (nach 
Simonkai  727)  auf  die  vorige  Art  (Terracciano  br.).  Auch  die 
Angabe  in  NW. Ungarn:  Altsohl  (Freyn  Flora  LXVII.  686)  bezieht 
sich,  wie  A.  v.  Degen  im  April  190.5!  feststellte  auf  762.  Bl.  April, 
Mai,  später  als  die  übrigen  Arten  der  Ebene. 

G.  spathacea  Salisb.  in  König  u.  Sims  Annais  bot.  IL  556 
(1806).  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  541  (1829).  Koch  Syn.  ed.  2.  824. 
Nyman  Consp.  725.  Suppl.  304.  Richter  PI.  Für.  I.  196.  Rchb.  Ic. 
X  t.  CCCCLXXV  fig.  1039.  Ornithogalum  minimum  Oeder  Fl. 
Dan.  t.  612  (1775)  nicht  L.  Ornith,  spathaceum  Hayne  in  Ust.  N. 
Ann.  XV.  11  t.  I.  (1797).  Ornith.  Haynii1)  Roth  in  Rom.  Arch.  III. 
42  (1803).  Ornith.  minimmn  ß.  spathaceum  Wahlenb.  Fl.  Suec.  202 
(1824).  Ornith.  belgicum  Lej.  Rev.  Fl.  env.  Spa  67  (1824).  Gagea 
helgica  Dum.  Fl.  Belg.   139  (1827). 

(Südl.  Norwegen  und  Schweden;  Dänemark.)  [*J 

758.  (6.)  G.  fistulösa.  2\-.  Zwiebel  rundlich.  Grundständige 
Blätter  einzeln  oder  zu  2,  linealisch,  meist  2  (bis  über  4) 
mm  breit,  röhrig,  halbstielrun  d,  nur  am  Grunde  rinnig.  Beide 
Stengelblätter  genähert,  fast  gegenständig,  dem  Blüthenstande 
genähert,  das  untere  (das  vierte  Blatt)  aus  (bis  fast  1  cm)  breitem 
Grunde    verschmälert,    kürzer   oder   länger   als    der   Blüthenstand,    das 

i)  Nach  Friedrich  Gottlob  Hayne,  *  18.  Mai  1703  Jüterbog  f  28.  April 
1832  Berlin,  Professor  an  der  Universität  daselbst,  Herausgeber  werthvoller  Kupfer- 
werke, besonders  verdient  auf  dem  Gebiet  der  pharmaceutischen  Botanik  (Getreue 
Abbildung  und  Beschreibung  der  in  der  Arzneikunde  gebräuchlichen  Gewächse. 
Fortges.  von  F.  Klotzsch.  14  Bände.  Berlin  1805 — 46)  aber  auch  der  Dendro- 
logie (mit  F.  (iuimpel  und  C.  L.  Willdenow  [s.  II.  1.  S.  628  Fussn.  1]  Ab- 
bildungen der  deutschen  Holzarten  2  Bände  1815 — 20,  mit  H.  Guimpel  u.  Fr. 
Otto,  Abbildungen  der  fremden  in  Deutschland  aushaltenden  Holzarten.  24  Hefte. 
Berl.  1819  —  30.  Dendrologische  Flora  der  Umgegend  und  der  Gärten  Berlins.  Berl. 
1822.  Ausserdem  für  seine  Zeit  bemerkenswerth :  Botanische  Kunstsprache  durch 
Abbildungen  erläutert.  2  Bde.  Berl.   1807. 


Gagea.  85 

obere  (das  fünfte  Blatt)  meist  über  halb  so  lang  als  das  untere, 
ähnlich  gestaltet.  Blüthenstand  doldenförmig  1 — oblüthig.  Hochblätter 
klein.  Blüthenstiele  sehr  lang,  bis  4 mal  so  lang  als  die  Blüthen, 
schwach  bis  dicht  zottig  behaart.  Perigonblätter  elliptisch- 
lanzettlich,  stumpf.  Staubblätter  kaum  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter  mit  länglichen  Staubbeuteln. 

An  grasigen  Orten,  auf  Triften  nur  in  den  Alpen.  Von  den  See- 
alpen bis  Salzburg,  Steiermark,  Kärnten!  und  Venetien,  in  Wallis  zwischen 
1200— 2476  m  (Jaccard  348),  in  Tirol  zwischen  1200—2200  m 
(Sarnthein  br.).     Bl    (Ende  Mai)  Juni,  Juli. 

Gagea  fistulosa  Ker-Gawl.  Journ.  Boy.  Inst.  I.  180  (1816).  Duby 
Bot.  Gall.  1.467  (1828).  Pascher  Sitzb.  Lotos  1904.  115  [5].  Ornithö- 
galum  fragiferum  Vill.  PI.  Dauph.  II.  269  (1787)  s.  unten.  Omith. 
fistulosum  Rani,  in  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  215  (1805).  Gagea 
pygmaea  Salisb.  Ann.  bot.  IL  555  (1806).  Omith.  Liottärdi1)  Sternb. 
in  Denkschr.  BG.  Regensb.  I.  2.  56  (1818).  Ornithogalum  hohemicum 
Lois.  Fl.  Gall.  ed.  2.  I.  242  (1828)  nicht  Zauschner.  Gagea  Liottärdi 
Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  545  (1829).  Koch  Syn.  ed.  2.  824.  Nyman 
Consp.  725.  Suppl.  304.  (G.  Liotardi)  Rchb.  Ic.  X.  18  t.  CCCCLXXVI 
fig.   1041   (1848).    Richter  PI.  Eur.  I.   196. 

Durch  die  dicken  fleischigen  Blätter  und  das  grosse  genäherte  obere  Stengel- 
blatt neben  den  anderen  Merkmalen  leicht  von  der  vorigen  zu  unterscheiden.  Villars 
(a.  a.  O.  268)  beschrieb  die  von  Liotard  erhaltene  Art,  ohne  sie  zu  benennen.  Sein 
0.  fragiferum  ist  eine  Missbildung  dieser  Art  mit  ährenförmig  gehäuften  Brutzwiebeln 
an  der  Stelle  des  Blüthenstandes. 

(Pyrenäen;  Corsica;  Central- Apenninen  (Terr.  br.);  Himalaja  (desgl.). 
Im  Orient  vertreten  durch  die  nahe  verwandte  G.  Syriaca  Terracciano 
Boll.  Soc.  ort.  Mut.  Socc.  IL  37  [9]  [1904].  Ornithogalum  syriacum 
Ehrenb.  Herb,  nach  Terracciano  a.  a.  O.  38  [10]  [1904].  Gagea  Bil- 
iar dieri  var.  glabra  Boiss.  Herb,  nach  Terracciano  a.  a.  O.  [1904]  und 
G.  linear ifölia  Terr.  a.  a.  O.  35  [7].  G.  Sintenisii2)  Pascher  Sitzb. 
Deutsch.  nat.-med.Ver.  Böhm.  Lotos  1904.   115  [5],   127  [17].)     fi] 

i)  Nach  Pierre  Liotard,  *  im  jetzigen  Departement  Isere  unweit  Grenoble 
nach  Einigen  1729  St.  Etienne  de  Crossey,  nach  Andern  1730  St.  Egreve,  f  18.  April 
17^6  Grenoble,  seit  1782  Director  des  Botanischen  Gartens  daselbst.  L.,  angeregt  von 
seinem  Onkel,  dem  Kräuterhändler  Claude  L.,  *  1688  Portes  en  Erieve  (Isere)  f  um  1784 
Grenoble,  botanisirte  eifrig  in  der  Dauphine  und  theilte  Villars  (s.  I.  S.  261  Fussn.  1 
II.  1.  S.  422  Fussn.  4)  und  anderen  seine  Funde  mit,  wie  er  auch  zahlreiche  auswärtige 
Botaniker  als  Führer   in    die  Alpen  der  Dauphine  begleitete    (M agnin  br.). 

<ö  Nach  dem  Sammler  Paul  Ernst  Emil  Sintenis,  *  4.  Juni  1847  Seidenberg 
(Preuss.  Oberlausitz),  jetzt  in  Kupferberg  (R.  B.  Liegnitz),  einem  der  verdienstvollsten 
botanischen  Reisenden  der  Neuzeit.  Er  widmete  sich  der  Pharmacie  und  botanisirte 
u.  a.  um  Bolkenhain  in  Schlesien,  1872 — 5  sammelte  er  (mit  seinem  Bruder  Max 
Benjamin  Gerhard,  *  21.  Juli  1848  Seidenberg  f  1.  Oct.  1894  Kupferberg)  in  der 
Dobrudscha,  1880  für  K.  Keck  mit  Rigo  auf  Cypern,  1881  für  A.  Toepfferiin 
Oesterreichischen  Küstenland  und  am  Baldo,  1883  für  P.  Ascherson  in  der  Troas, 
1884—7  für  L.  Krug  und  I.  Urban  (s.  II.  2  S.  91  Fussn.  3)  auf  Portorico,  1888  in 
Syrien,  Mesopotamien  und  Kurdistan,  1889,  1890,  1894  in  Armenien,  1891  mit  J. 
Bornmüller  (s.  VI.  1.  S.  750  Fussn.  2)  auf  Thasos,  Athos  und  am  Thessalischen 
Olymp  (den  er  schon  1889  besucht  hatte),  1892  in  Paphlagonien,  1890  in  Thessalien, 
1900 — 1   in  Persien  (Urban  Symbolae  Antillanae  III.   127  und  Sintenis  br.). 


86  Liliaccae. 

756.  X   758.    G.  minima  X  fistulosa  s.  unten. 

Bastarde. 
A.  I.  b. 

756.  X  758.  (7.)  G.  minima  X  fistulosa.  CA.  Der  G.  fistu- 
losa durch  die  Gestalt  der  Stengelblätter  meist  ähnlich,  aber  meist 
kleiner.  Das  grundständige  Laubblatt  deutlich  flach. 
Stengelblätter  fast  gegenständig,  aus  breitem  Grunde  verschmälert,  das 
obere  meist  dem  unteren  ähnlich  gestaltet,  selten  linealisch.  Blüthen- 
stiele    meist   behaart.      Perigonblätter    elliptisch-lanzettlich,    spitz. 

Mit  den  Erzeugern  in  der  Schweiz.  Nach  Reichenbach  (Ic.  X. 
18)  auch  in  Piemont,  Tirol,  Salzburg  und  Kärnten.     Bl.  Juni,  Juli. 

G.  minima  X  fistulosa  A.  u.  G.  Syn.  III.  86  (1905).  Ornitlio- 
galum  intermedium  Schleich,  in  Gaud.  Fl.  Helv.  VI.  531  (1830). 
Gagea  intermedia  Rchb.  Ic.  X.  18  t.  CCCCLXXVI  fig.  1042 
(1848).  Nyman  Consp.  725.  G.  Theobäldii1)  Brügger  Beitr.  Kenntn. 
Umg.  Chur  56.  Nyman  Consp.  Suppl.  304  (1874)?  Richter  PI.  Eur. 
I.  198. 

Schleicher  erklärt  a.  a.  O.  seine  Pflanze  bereits  für  hibrid  zwischen  G. 
fistulosa  und  G.  minima,  vgl.  auch  Reichenbach  (a.  a.  O.)  und  Nyman 
(Consp.  725).  HH 

A.  I. 

753.  X  756-  (8-)  <*•  arvensis  X  minima.  2J.  Tracht  und  die 
meisten  Merkmale  der  G.  minima,  aber  besonders  durch  die  Behaarung 
der  Blattränder,  Blüthenstiele  und  der  Perigonblätter  an  G.  arvensis 
erinnernd.  Zwiebel  breit-eiförmig,  die  äussere  Haut  mehr  wie  bei  G. 
arvensis;  grundständige  Laubblätter  1 — 2;  im  ersten  Falle  das  dritte 
Blatt  ein  wie  bei  G.  minima  die  Nebenzwiebel  umhüllende  Niederblatt; 
ausser  dem  scheidigen  Hüllblatt  noch  ein  zweites  laubartiges,  das  viel 
stärker  als  bei  G.  minima  entwickelt  ist. 

Bisher  nur  in  Thüringen  bei  Rudolstadt  (Dufft)  und  in  der 
Provinz  Sachsen  bei  Neuhaldensleben :  Wellenberge  bei  Dönnstedt 
selten    (S  c  h  u  1  z  e). 


i)  Nach  Gottfried  Ludwig  Theobald,*21.  Dec.  1810  Allendorf  an  der  Lands- 
burg bei  Treysa  (Pfarrer  Eckhardt  durch  Pfarrer  D.  Sarde  m  a  n  n  -  Cassel  br.) 
f  15.  Sept.  1869  Chur,  seit  1854  Professor  an  der  Cantonschule  daselbst,  1843  bis 
1852  Realschullehrer  in  Hanau,  hochverdient  namentlich  als  Geolog,  aber  auch 
auf  botanischem  Gebiet,  besonders  als  Kryptogamenforscher  (vorzüglich  Flechten) 
erfolgreich  thätig.  Th.  verfasste  mit  dem  Bryologeu  Johann  Heinrich  Cassebeer, 
*  1785  Gelnhausen  f  21.  April  1850  Biebcr,  seit  1832  Apotheker  daselbst,  früher 
in  Gelnhausen  (s.  Theobald  Jahresb.  Wett.  Ges.  1847—50.  79),  „Die  Flora  der 
Wetterau",  wovon  nur  Lieferung  1  u.  2  Hanau  1847 — 9  die  Phanerogamen  ent- 
haltend, erschienen  sind.  Siehe  Szadrowsky  N.  G.  Graubüudens  N.  F.  XV.  85 
bis  135  mit  einer  Karte  des  von  Th.  geologisch  erforschten  Theiles  von  Graubünden. 
Th. 's  Neffe,  der  hervorragende  Pflanzenphysiolog  Wilhelm  Pfeffer,  jetzt  Geh.  Hof- 
rath,  Professor  a.  d.  Universität  und  Direetor  des  botanischen  Gartens  in  Leipzig 
beschrieb  in  Graub.  Neue  Folge  Xlli.  83   das  Moos  Didymodon   Theobdldii. 


Gagea.  87 

G.  arvensis  X  minima  (G.  Haeclcelii1))  Dufft  u.  M.  Schulze 
Mitth.    Geogr.    Ges.  Thür.    III.    224    (1885).    Richter  PI.  Eur.  I.J_98. 

1*1 

~ ~ ■  • 

IL  Tribolbödae2)  (Neilr.  Fl.  v.  Wien  105  [1846].  Tribulbos2)  IL 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  203  (1882)  vgl.  Koch  Syn.  ed.  1,  711  [1837]  ed.  2. 
82.  Pascher  Sitzb.  nat.-med.  Ver.  Lotos  1904.  S.  113  [3]  116  [6]). 
Haupt-  und  Nebenzwiebel  durch  Umwendung  der  Knospenachse 
kurz  gestielt,  zur  Blüthezeit  bereits  aus  der  Zwiebelhaut  (dem 
Reste  des  vorjährigen  Laubblattes)  herausgetreten.  Nur  das  untere 
grundständige  Laubblatt  (das  zweite  Blatt)  frei,  das  obere  (drittes 
Blatt)  mehr  oder  weniger  weit  mit  dem  Blüthenstengel  verbunden, 
daher  3  Stengelblätter  unterhalb  des  Blüthenstandes.  Das  oberste 
Stengelblatt  (fünftes  Blatt)  öfter  klein,  den  Hochblättern  ähnlich. 

Hierher  (vgl.  jedoch  770  C.)  nur 
759.  (9.)  G.  pratensis  (nun. :  Scinteiutä,  Cepa-Ciörei).  2\-.  Stengel 
meist  1 — 2  dm  hoch.  Das  grundständige  Laubblatt  ziemlich 
breit-linealisch,  bis  über  5  mm  breit,  scharf  gekielt,  beiderseits 
verschmälert.  Die  Stengelblätter  dem  Blüthenstande  ge- 
nähert, seltener  das  untere  (das  dritte  Blatt)  etwas  entfernt,  die 
beiden  unteren  (das  dritte  und  vierte  Blatt)  linealisch,  ge- 
wintert, das  untere  fast  stets  länger  als  der  Blüthenstand,  das  oberste 
kürzer  als  die  Blüthen stiele,  oft  kaum  halb  so  lang,  sonst  den  beiden 
andern  ähnlich,  oft  nicht  wesentlich  länger  als  das  unterste  Hochblatt 
im  Blüthenstande,  zuweilen  fehlend.  Blüthenstand  1 — öblüthig  dolden- 
förmig. Blüthen  stiele  sehr  lang,  kahl.  Blüthen  gross.  Perigon- 
blätter  lineal-länglich,  etwa  2  cm  lang,  stumpflich.  Staubblätter  etwa 
halb  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  eiförmigen  oder  länglichen 
Staubbeuteln.  Frucht  länglich,  nach  oben  nicht  oder  kaum  verbreitert. 
Auf  Aeckern,  Hügeln,  Grasplätzen,  an  Wegrändern,  .  seltener  in 
Wäldern,  bald  einzeln,  bald  sehr  gesellig,  oft  ein  lästiges  Unkraut. 
Durch  den  grössten  f  heil  des  Gebiets  verbreitet,  fehlt  aber  stellenweise, 
so  in  Belgien,  Württemberg,  Nord-Tirol,  Salzburg,  Kärnten,  Krain  und 
den  Adriatischen  Küstenländern,  auch  in  Bosnien  (findet  sich  aber  in 
der  Hercegovina),  auch  sonst  in  der  immergrünen  Region  des  Mittel- 
meergebiets, selten  in  Niederland,  dem  Nordwestdeutschen  Flachlande 
(auf  den  Inseln  fehlend),  in  der  Schweiz;  steigt  in  Süd-Tirol  bis  500  m 
(Sarnthein  br.)  an.     Bl.  Ende  März,  April. 


i)  Nach  Ernst  Haeckel,  *  16.  Febr.  1834  Potsdam,  Professor  der  Zoologie 
an  der  Universität  Jena,  dem  gefeierten  Zoologen  und  nächst  Charles  Darwin  her- 
vorragendstem Vertreter  der  Descendenztheorie.  Seine  zahlreichen  Schriften  über 
dieses  Wissensgebiet  und  seine  reizvollen  Schilderungen  ferner  Länder,  besonders 
seine  Indischen  Reisebriefe  zeigen  wie  lebhaft  sein  Interesse  auch  für  die  Pflanzen- 
welt und  wie  gründlich  seine  Studien  auch  auf  diesem  Gebiet  sind.  In  seinen  Schul- 
jahren in  Merseburg  erforschte  er  die  dortige  Flora  (Garcke  Fl.  v.  Halle  II.  181). 
Ich  verdanke  diesem  meinem  Commilitonen  werthvolles  Material  namentlich  aus  der 
Würzburger  Flora.  A. 

2)  Von  t(jc-  drei-  und  ßoÄßög  Zwiebel. 


89  Liliaccae. 

G.  pratensis  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1.  536  (1829).  Rchb. 
FL  Germ.  exe.  107  (1830)  erw.  Aschers.  Fl.  Proy.  Brand.  I.  713. 
A.  u.  G.  Fl.  Nordoste!.  Flaehl.  184.  Ornithogalum  pratense  Pers.  in 
üst.  Ann.  XI.  8  t.  2  fig.  1  (1794).  Ornith.  luteum  Willd.  Spec.  pl. 
IL  113  (1799).  Gagea  bracteoläris  Sal.  Ann.  Bot.  IL  555  (1806). 
Ornith.  luteum  A.  minus  Red.  Lil.  t.  302  (1812).  Ornith.  steno- 
petalum1)  Fries  Fl.  Hall.  58  (1817—18).  Gagea  lutea  Duby  Bot. 
Gall.  I.  467  (1828)  nicht  Ker-Gawl.  Gagea  stenopetala  Rchb.  Fl. 
Germ.  exe.  107  (1830).  Ic.  X  t.  CCCCLXXIV  fig.  1035-1037  erw. 
Koch  Syn.  ed.  2.  823.  Nyman  Consp.  724.  Suppl.  303.  Richter  PI. 
Eur.  I.  195.  Gagea  polymörpha2)  F.  Schultz  Arch.  Fl.  France  et 
All.   18  (1843). 

Ein  sehr  auffallendes  Verhalten  zeigt  bei  dieser  Art  das  dritte  Blatt.  Die  in 
seiner  Achsel  stehende  Nebenzwiebel  steht  am  Grunde  der  Pflanze,  während  seine 
Spreite  erst  weit  oben  am  Stengel,  oft  dicht  unter  dem  Blüthenstande  abgeht.  Man 
muss  daher  annehmen,  dass  seine  Scheide  mit  dem  Stengel  bis  dahin  verbunden 
ist.  In  der  That  führt  ein  Kanal  von  der  Nebeuzwiebel  bis  zur  Abgangsstelle  der 
Blattfläche.  Nur  selten  ist  das  Blatt  grundständig  und  verhält  sich  wie  das  untere 
Laubblatt  (das  zweite  Blatt).  Auch  das  mittlere  Stengelblatt  (das  vierte  Blatt)  hat 
in  der  Regel  eine  Zwiebel  in  seiner  Achsel ;  dieselbe  ist  entweder  ebenfalls  am 
Grunde  der  Pflanze  oder  am  Stengel  in  verschiedener  Höhe  unter  der  Abgangsstelle 
ihres  Traghlattes  befestigt,  bis  zu  welcher  ein  ähnlicher  Kanal  führt. 

Ziemlich  veränderlich.  Hierzu  (nicht  zu  67.  spathacca)  gehört  auch  Ornitho- 
galum transversale  Pall.  Nov.  Act.  Acad.  Petr.  X.  309  (1797,  blosser  Name).  Gagea 
transversalis  Stev.  Bull.  Soc.  nat.  Mose.  XXX.  3.  81  (1857)  in  der  Krim.  Erwähnens- 
wertb  erscheinen : 

1.  simplex  {G.  simplex  Becker  in  Rchb.  Ic.  X.  17  t.  CCCCLXXIV  fig.  1037 
[1848]).    Stengel  ganz  verkürzt,  daher  alle  Blätter  und  die  Blütheustiele  grundständig. 

B.  Seh  reber  i  ;J).  Pflanze  niedriger,  grossblüthig.  —  So  an  trockneren  Orten.  — 
G.  pratensis  B.  Schrcberi  A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flaehl.  184  (1898).  Ornitho- 
galv/m  marginatum  Pall.  Acad.  Act.  Petrop.  X.  309  (1797,  blosser  Name). 
Ornithogalum  Schrebe'ri  Rchb.  Flora  V  (1822)  537.  Gagea  Schrebcri  Rchb.  Fl. 
Germ.  exe.  729  (1830).  Ic.  X  t.  CCCCLXXV  fig.  1036.  Nyman  Consp.  724.  G, 
stenopetala  c)  Schreberi  Richter  PI.  Eur.  I.   195  (1890). 

A\*ichtiger   ist  die  Rasse 

IL  Pomeranica.  Nebenzwiebel  am  Grunde  breiter,  oft  fehlend. 
Pflanze  heller  grün.  Stengel  und  Blätter  starrer.  Blüthenstand 
meist  2-  bis  6 blüthig,  seltener  nur  1  blüthig.  Unteres  Stengel- 
blatt (drittes  Blatt)  spateiförmig  mit  breitem  eiförmigem 
Grunde  das  vierte  Blatt  und  die  Blüthensti eichen 
umfassend,  weniger  lang  zugespitzt,  meist  kürzer  als  der 
Blüthenstand,  am  Rande  sparsam  bewimpert,  Blütheustiele  etwa 
dop2>elt  so  lang  als  die  Blüthen.  Perigonblätter  breiter,  etwa  in 
der  Mitte  verbreitert,  nur  3-  bis  kaum  4  mal  länger  als  breit  mit 
kurz  abgerundeter  Spitze,  aussen  oft  rothbräunlich  überlaufen. 
Frucht  deutlicher  dreikantig,  nach  oben  verbreitert,  abgestutzt. 


1)  Von  aievög  schmal  und  xe'iaÄov  Blumenblatt. 

2)  noÄvftOQcpog  vielgestaltig. 

3)  S.  II.  2.  S.  32  Fussn.   1. 


Gagea.  89 

Auf  Wiesen  und  an  Wiesenrändern  ziemlich  selten.  Sicher 
beobachtet  in  Pommern!  Anhalt!  Thüringen,  Mittelfranken  aber 
wohl  weiter  verbreitet. 

G.  pratensis  C.  Pomeranica  R.  Ruthe  in  A.  u.  G.  FL 
Nordostd.  Flachl.  184  (1898).  G.  pratensis  Koch  Syn.  ed.  1. 
712  (1837).  Rchb.  Ic.  X.  17  t.  CCCCXXV  fig.  1038  (1848). 
Nyman  Consp.  724.  G.  stenopetala  ß.  pratensis  Koch  Syn.  ed. 
2.  823  (1844).  Richter  PI.  Eur.  I.  195.  G.  pratensis  spathäcea 
Pari.  Fl.  It.  IL  422  (1852).  Aschers.  FL  Prov.  Brand.  I.  712. 
G.  pomeranica  R.  Ruthe  Verh.  BV.  Brandenb.  XXXIV  (1892) 
15  (1893). 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die,  wie  bereits  Ruthe  (a.  a.  0.  17) 
bemerkt,  auf  dem  ersten  Blick  einem  Bastard  der  G.  pratensis  mit  G.  sil- 
vatica  ähnlich  ist,  und  auch  die  Zwiebelbildung  würde  diese  Vermuthung 
einigermassen  stützen ;  bei  genauerer  Untersuchung  stellt  sich  aber  heraus, 
dass  wir  es  zweifellos  mit  einer  der  G.  jyratensis  nahestehenden  Form,  nicht 
aber  mit  einem  Bastarde  zu  thun  haben.  Ausser  dem  Vorkommen  stets  ohne 
die  vermeintlichen  Erzeuger  und  auch  niemals  an  Orten  au  denen  beide 
gemeinsam  wachsen,  findet  die  Gestalt  des  dritten  Blattes,  die  der  Perigon- 
blätter,  die  ganze  Tracht  etc.  keine  Erklärung  bei  der  Annahme  hibrider 
Abkunft.  Pascher  (Sitzb.  Deutsch,  nat.  med.  Ver.  Böhm.  Lotos  1904 
S.   116  [6])  erklärt  die  Pflanze  wieder  für  den  erwähnten  Bastard. 

Die  Nomenclatur  dieser  Art  und  der  Rasse  ist  einigermassen  strittig, 
bei  der  Mehrzahl  der  Schriftsteller  wird  die  Art  G.  stenopetala,  die  Rasse 
pratensis  genannt,  weil  Koch  in  seiner  Synopsis  das  Fries'sche  Ornitho- 
galum stenopetalum  als  Typus  seiner  Art  ansah  und  das  Ornithogalum  pra- 
tense  Persoon's,  welches  er  bereits  in  Deutschi.  Flora  II.  542  als  Abart  y 
„ die  Wiesenständige:  0.  pratense"  bezeichnet  hatte,  als  ß.  pratensis  aufführte. 
—  Da  nun  aber  Persoon  unter  seinem  Ornithogalum  pratense  zweifellos 
unsere  Art  in  ihrem  ganzen  Umfange  verstand,  das  spätere  0.  stenopetalum 
von  Fries  aber  nur  einem  Zustand,  kaum  eine  Abart  bezeichnet,  muss  der 
Art  selbstredend  der  Speciesname  G.  pratensis  bleiben.  —  Der  Parlatore- 
sche  Name  ist  bei  dieser  von  vielen  Schriftstellern  als  eigene  Art  betrachteten 
Rasse  nicht  verwendbar.  Ruthe  verfuhr  daher  ganz  correct  als  er  für  sie 
einen  neuen   Namen  vorschlug. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Schweden;  Italien.)  |*| 

(Verbreitung  der  Art:  Fast  ganz  Europa  [fehlt  im  nörd- 
lichen Russland,  Skandinavien,  auf  den  Britischen  Inseln,  im 
grössten  Theile  von  Frankreich  und  fast  ganz  auf  der  Iberischen 
Halbinsel] ;  Klein-Asien.)  ^ 

B.  Monobolbödae1)  (Neilr.  Fl.  v.  Wien  106  [1846].  Holobölbos2)  B. 
K.  Koch  Linn.XXII.  226  (1849)  vgl.  Koch  Syn.  ed.  1.  713  [1837]  ed.  2. 
82.  Pascher  Sitzb.  Deutsch,  nat.-med.  Ver.  Böhm.  Lotos  1904.  S.  113 
[2],  116  [6]).  Nebenzwiebel  fehlend.  Nur  das  untere  grundständige 
Laubblatt  (das  zweite  Blatt)  frei,  das  obere  (dritte)  Blatt  mehr  oder 
weniger  mit  dem  Blüthenstengel  verbunden,  daher  drei  Stengelblätter 


1)  Von  f,i6vog  einzeln  und  ßoAßög  Zwiebel. 

2)  Von  öAog  ganz  und  ßoAßög. 


90  Liliaceae. 

unterhalb  des  Blüthen Standes  demselben  genähert,  das  oberste  (fünftes 
Blatt)    allerdings    meist   nur   als   fleischiges  Schüppchen  ausgebildet. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch  G.  erubcscens  (Rom.  u.  Schult. 
Syst.  VII.  545  [1829].  Ornithogalum  erubescens  Besser  Enum.  45  [1820].  G. 
Liotardi  b)  erubescens  Richter  PI.  Eur.  I.  19Ü  [1890])  im  südlichen  Russland 
(und  Turkestan?). 

760.  (10.)  G.  silvatica  (nun,:  Laptele  paserei).  2\..  Stengel 
meist  1 — 3  dm  hoch.  Das  grundständige  Laubblatt  breit- 
linealisch,  meist  7 — 8  (bis  9)  mm  breit,  an  der  Spitze  plötz- 
lich mützenförmig  zusammengezogen  und  pf  riemenf  örm  ig 
zugespitzt.  Unteres  Stengelblatt  (drittes  Blatt)  meist  lanzettlich, 
länger  oder  kürzer  als  der  Blüthenstand,  oft  fast  so  breit  wie  das 
grundständige  Blatt,  das  vierte  Blatt  linealisch,  seltener  lanzettlich,  er- 
heblich kleiner,  stets  kürzer  als  der  Blüthenstand,  beide  am  Rande 
spinnwebartig  gewimpert.  Hochblätter  im  Blüthenstande  meist 
klein,  seltener  eins  laubartig.  Blüthen  zu  1 — 7,  selten  bis  10,  meist 
sehr  genähert.  Blüthenstiele  ziemlich  lang,  bis  über  doppelt  so 
lang  als  die  Blüthen,  kahl.  Perigonblätter  länglich,  meist 
etwa  1,5  cm  lang,  stumpf.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter,  mit  eiförmigen  Staubbeuteln. 

In  schattigen  Wäldern,  in  Gebüschen,  seltener  .an  Wegrändern 
auf  Hügeln,  gern  auf  Lehm-  und  Humusboden,  im  grössten  Theil  des 
Gebiets  nicht  selten;  fehlt  auf  den  Nordsee-Inseln;  steigt  von  Wallis 
bis  1700  m  (Jaccard  348),  in  Tirol  bis  1600  m  (Sarnthein  br.), 
im  Mittelmeergebiet  nur  in  Gebirgslagen,  fehlt  in  Dalmatien.  Bl.  Ende 
März  bis  Mai. 

G.  silvatica  Loud.  Hort.  Brit.  134  (1830).  Aschers.  Fl.  Prov. 
Brand.  I.  714.  A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flachl.  185.  Ornithogalum 
lideum  ß.  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  306  (1753)  z.  T.  Ornith.  majus  Gilib. 
Exerc.  phyt.  II.  267  (1792)?  0.  sylväticam  Pers.  in  Ust.  Ann.  XL  7 
t.  1  f.  1  (1794).  Ornith.  Persoönii1)  Hoppe  Bot.  Zeit.  Regensb.  VI 
(1807)  137.  Gagea  fasciculäris  Salisb.  Ann.  bot,  II.  555  (1806).  G. 
lutea  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1200  (1809).  Schult.  Syst.  VII.  538. 
Koch  Syn.  ed.  2.  825.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  207.  Nyman  Consp.  725. 
Suppl.  304.  Richter  PI.  Eur.  I.  19b.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXY1I 
fig.  1045.    G.  transsilvänica  Schur  Enum.  pl.  Transs.  6fi7  (1866). 

Der  Linne'sche  Name  Ornithogalum  luteum  nmfassl  ausser  G.  minima  die 
ganze  Gattung  Gagea;  ihn,  wie  viele  Schriftsteller  wollen,  auf  diese  Art  zu  über- 
tragen erscheint  unzulässig,  da  Linne  ja  unsere  Pflanze  ausdrücklich  als  ß  vom 
Typus  seiner  Art  abtrennt. 

Hat  in  der  Tracht  ziemlich  grosse  Aehnlichkeit  mit  G.  pratensis,  ist  aber  von 
ihr  sehr  leicht  durch  die  Gestalt  und  besonders  durch  die  plötzliche  iifriemförmige 
Zuspitzung  des  oben  kappenförmig  eingezogenen  grundständigen  Laubblattes  zu 
unterscheiden. 

Hierher  gehört  als  Rasse: 


l)  S.  II.  2.  S.  62  Fussn.   1. 


Gagea.  91 

B.  Banätica.  Pflanze  klein  bis  mittelgross,  Stengel  0,5 — 1,5  dm 
hoch.  Blätter  deutlich  graugrün.  Das  grundständige  Laub- 
blatt linealisch.  Blüthenstand  wenigblütkig.  Blüthen  grösser. 
Perigonblätter  verlängert,  linealisch,  meist  1,7 — 1,8  cm 
lang,  mit  deutlich  kappenförmig  zusammengezogener  Spitze,  am 
Grunde  fast  cylindriseh  zusammenneigend,  oberwärts  mehr  oder 
weniger  spreizend. 

In  schattigen  Thälern  bisher  nur  in  Ungarn:  Banat:  Thal 
Proläz  bei  den  Hercules bädern  (Janka!).    Bl.  April. 

G.  silvatica  B.  Banätica  A.  u.  G.  Syn.  III.  91  (1905). 
G.  succedänea  Griseb.  u.  Schenk  in  Wiegm.  Arch.  XVIII.  358 
(1852).    Nyman  Consp.   725.  Suppl.  304,  374? 

Hierher  gehört : 
II.  S  zepu  si  ana  !).  Blätter  mit  3  stärkeren  Nerven,  deutlich  scharf 
3  rinnig.  Unteres  Stengelblatt  lanzettlich,  oberes  sehr  klein,  linealisch. 
Blüthenstand  2 —  5  blüthig.  Aeussere  Perigonblätter  linealisch,  innere  schmäler. 
—  Bisher  nur  in  Ungarn:  Kesmark.  Bl.  April.  —  G.  silvatica  B.  II.  Sze- 
pusiana  A.  u.  G.  Syn.  III.  91  (1905).  G.  Szepusiana  Ullepitsch  ÖBZ. 
XXXVI  (1886)  399.    Richter  PL  Eur.  I.  196. 

Da  wir  die  Originalpflanze  der  G.  succedänea  nicht  sahen,  blieben  wir  zweifel- 
haft, ob  Janka 's  Pflanze  dazugehört  oder  vielmehr  die  von  Kern  er  (ÖBZ.  XXVIII 
[1878]   127 — 9)  gegen  Irmisch's  Ansicht  damit  identificirte  770  C. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Süd-Russland.)  |~ 

(Verbreitung  der  Art :  Im  grössten  Theile  Europas  [fehlt  in  Irland, 
dem  nördlichen  Skandinavien  und  Russland,  in  der  südlichen  Iberischen 
und  Balkanhalbinsel,  auf  Corsica  und  Sardinien].    Kaukasus.    Sibirien.) 

761.  (11.)  G.  pusilla.  4.  Stengel  meist  nur  3 — 5  cm  hoch. 
Das  grundständige  Laubblatt  schmal  linealisch  bis  fast 
fadenförmig,  kaum  über  2  mm  breit,  nach  der  Spitze  allmählich 
verschmälert,  rinnig.  Stengelblätter  genähert,  meist  fast  gegen- 
ständig, seltener  etwas  entfernt.  Unteres  Stengelblatt  (drittes  Blatt) 
schmal-lanzettlich,  meist  länger  als  der  Blüthenstand,  oft  breiter  als 
das  grundständige  Blatt,  das  vierte  Blatt  meist  scbmal-linealisch,  an 
den  einblüthigen  Exemplaren  meist  fehlend,  beide  am  Rande  kahl. 
Hochblätter  im  Blüthenstande  (wo  vorhanden)  sehr  klein.  Blüthen 
meist  zu  1 — 3  (seltener  bis  6),  meist  aufrecht.  Blüthenstiele  meist 
nicht  viel  länger  als  die  Blüthen,  kahl.  Perigonblätter  lanzett- 
lich, meist  etwa  1,3  cm  lang,  stumpflich.  Staubblätter  etwa  2/3  so 
lang  als  die  Perigonblätter  mit  breit-eiförmigen  bis  eiförmig-länglichen 
Staubbeuteln.  Frucht  eiförmig  etwa  halb  so  lang  als  das  Perigon. 
Samen  länglich  kantig,  gestreift. 

An  waldigen  und  steinigen  Orten.  Nur  im  südöstlichen  Gebiete. 
Galizien  (?).  In  den  Ungarischen  Ebenen  verbreitet,  nördlich  bis  zur 
südlichen  Zips  (bedarf  für  Siebenbürgen^  der  Bestätigung),  südl.  Mähren 
(die  Angaben  in  Böhmen  wohl  irrig,    Celakovsky  Prodr.  88,   751). 


i)  Im  Zipser  Comitat  (Com.  Scepusiensis,  Szepesvärmegye)  gefunden. 


92  Liliaceae. 

Nieder- Österreich     im    Marchfeld!     und    Wiener    Becken!     früher    bei 

Regensburg;     Steiermark;     Kärnten;     Küstenland!     Istrien ;     Kroatien; 

Dalmatien;    Hercegovina    (dort    bis    1700  m    ansteigend,    Beck  Glasn. 

mus.  Bosn.  Herc.   XV.  202  [66].  Wiss.  Mitth.  IX.  483  [77]).  Bosnien. 

Bl.  März,  April. 

G.  pusilla  Rom.  u.  Schult.    Syst.  VII.    542    (1829).    Koch  Syn. 

ed.   2.  825.    Boiss.  Fl.  Or.  V.   207.    Nvman  Consp.   725.  Suppl.   304. 

Richter   PI.    Eur.    I.    196.    Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXVII  fig.   1043, 

lull.      Ornithogalwm   pusillum    Schmidt    Fl.    Boem.     339     (1794). 

Ornith.  tunicatum  Presl  Delic.  Prag  217    (1822).     Ornith.  pratense 

Sa«  11.  Fl.  Pesth.  I.  260    (1825).     Ornith.    Clüsii1)   Tausch    Flora   XI 

(1828)  431.    Gagea  Glusiana  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  543  (1829). 

Gagen  reflexa  „Czerniajef"  in  Rchb.  Ic.  X.  18  „Led."  t.  CCCCLXXVII 

fig.'  1043  (1848). 
Hierher  gehört 

B.  Burnäti2).  Zwiebel  aussen  mit  zahlreichen  Blattresten.  Das  grund- 
ständige Laubblatt  fadenförmig  oder  etwas  breit,  etwas  grau- 
grün. Stengelblätter  gegenständig  oder  fast  gegenständig,  sehr 
selten  etwas  entfernt.  Blüthenstand  mit  1  —  2  kurzen  Hochblättern 
und  1 — 3  (selten  mehr)  Blüthen.  Blüthen  mittelgross  mit 
zierlichen  Stielen,  theils  aufrecht,  theils  (später  fast  alle)  nickend. 
Perigonblätter  undeutlich  dreinervig,  aussen  gelbgrünlich.  Staub- 
blätter etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit 
runden  Staubbeuteln.  Frucht  eiförmig-rundlich. 
So  in  den  Seealpen  ziemlich  verbreitet. 

G.  pusilla  B.  Barnati   A.   u.   G.   Syn.  III.  92    (1905).     G. 
Burnati  Terracciano  Boll.  Soc.  ort.  Mut.  Socc.  Palermo  IL  Sep.  4 
(1904). 
(Verbreitung  der  Rasse:  Bisher  nur  im  Gebiete.)  pjTj 

C.  obliqua.  Nebenzwiebel  mitunter  vorhanden.  Hauptzwiebel  klein, 
wie  beim  Typus,  etwas  schief  gegen  den  Blüthenstengel  gerichtet. 
Nebenzwiebel  (falls  vorhanden)  tiefer  stehend,  der  Achsel  des  zweiten 
Laubblattes  entspringend.  Dieses  bis  hoch  hinauf  mit  dem  Stengel 
verbunden  einen  Kanal  längs  des  Stengels  erkennen  lassend. 

Bisher  nur  in  Ungarn:   Ofen;  Banat. 

G.  pusiUa  var.  obliqua  Kerner  bei  Irmisch  BZ.  XXI  (1863) 
L39  ÖBZ.  XXVIII  (1878)  127.  G.  succedanea  Gris.  u.  Schenk 
a.  a.  O.  (1852)?  (s.  S.  91). 

Nach  Kern  er  a.  a.  O.  (1878)  vielleicht  ein  Bastard  von  G.  pusilla  mit 
•pratensis.  i  ^i 

(Verbreitung  der  Art:  Balkanhalbinsel ;  Süd-Russland;  Kaukasus; 
Kleinasien;  Turkestan,  Dsungarei;   Altai.)  |"#" 

753.  X  761.    G.  arvensis  X  pusilla  s.  S.  93. 


1)  S.  II.   1.  S.  441   Fussn.   1. 

2)  S.  VI.  1.  S.   119  Fussn.   1. 


Gagea.     Lloydia.  93 

Bastard. 
A.  XB. 

753.  X  761.  (12.)  G.  arvensis  X  pusilla.  2|_.  In  der  Tracht 
meist  kleinen  Formen  der  G.  arvensis  ähnlich.  Nebenzwiebel 
vorhanden  oder  fehlend.  Fast  stets  nur  ein  grundstän- 
diges Laubblatt  entwickelt,  seltener  ein  zweites  sehr 
kurzes  vorhanden.  Unteres  grundständiges  Blatt  lanzettlich,  das 
obere  meist  sehr  kurz,  schmal-linealisch.  Blüthenstiele  mehr  oder 
weniger  behaart.     Perigonblätter  lanzettlich,  stumpf. 

Mit  den  Erzeugern  bisher  nur  in  Nieder-Oesterreich:  Türkenschanze 
bei  Wien  (Welwitsch),  Budapest:  Sandfelder  beim  Franzstädter  Renn- 
platz (Hermann  Term.  Füz.  VII.  127.  Simonkai  Mag.  Bot.  Lap. 
III.  83),  für  Siebenbürgen  wie  G.  pusilla  zweifelhaft  s.  Simonkai 
526,    aber  wohl  sicher  öfter  übersehen.     Bl.  April,  Mai. 

G.  arvensis  X  pusilla  Simonkai  Mag.  Bot.  Lapok  III  (1904)  83. 
G.  pusillo  X  arvensis  Welw.  in  Rchb.  Ic.  X.  19  t.  CCCCLXXIX 
fig.  1051  z.  T.,  vgl.  Beck  Fl.  NO.  175  (1848).  Nyman  Consp.  725. 
G.  villoso-pusilla  Welw.  a.  a.  O.  19  (1848).  G.  hybrida  Schur  Enum. 
pl.  Tran ss.  666  (1866).  Richter  PI.  Eur.  I.  198?  G.  Welwitschii1) 
Beck  Fl.  NO.  175  (1890). 

163.   LLOYDIA2). 

(Salisb.  Trans.  Hort.  Soc.  I.  328  [1812].  Nat.  Pfl.  IL  5.  63.  Franchet 

Journ.  de  Bot.  XII.   191  ff.    [1898].    Engler  Nat.  Pfl.  Nachtr.  IL  zu 

IL  5.  10  [1900].    Bhabdöcrinum3)  Rchb.  Consp.  75  [1828]). 

(Faltenlilie.) 

S.  S.  74.  Kleine  ausdauernde  Kräuter.  Stengel  auch  unterhalb  des 
Blüthenstandes  locker  beblättert.  Blätter  schmal,  linealisch,  grasartig. 
Blüthenstand  (bei  uns)  1 — 2  blüthig,  sonst  einer  Rispe  oder  Traube, 
nicht  einer  Dolde  ähnlich.  Blüthen  (bei  uns)  ziemlich  klein,  weisslich. 
Perigon  trichterförmig  oder  ausgebreitet  mit  verkehrt -eiförmigen  bis 
länglich-verkehrt-eiförmigen  Blättern.  Griffel  kurz,  meist  nicht  länger 
als  der  Fruchtknoten.  Frucht  eine  rundliche  bis  verkehrt-eiförmige 
Kapsel.     Samen  klein,  länglich. 

Die  Stellung  dieser  Gattung  ist  einigermassen  strittig,  denn  während  Linnfc 
und  seine  Zeitgenossen  die  Gattung  mit  Anthericum  oder  Verwandten  verbanden 
und  die  Mehrzahl  der  Schriftsteller  sie  in  die  Verwandtschaft  von  Erylhronium  zu 
den  Tulipeen  stellt,  wird  sie  von  anderen  für  so  verwandt  mit  Gagea  erklärt,  dass 
ihre  Selbständigkeit  als  Gattung  in  Zweifel  gezogen  wird. 


i)  S.  I.  S.  255  Fussn.  3. 

2)  Nach  Edward  Lloyd  (Lhwyd),  *  1670  Kidwell  (Caermartheu)  f  Juli  1709 
Oxford,  Custos  des  Ashmolean-Museum  daselbst,  verdient  um  die  Flora  seiner  Heimat 
Wales,  wo  er  unter  andern  L.  serotina  zuerst  beobachtete  (Britten  und  Boulger 
Journ.  of  Bot.  XXVII.  308). 

3)  Von  Qdßöog  Stab  und  xqlvov  Lilie. 


94  Liliaccae. 

Kunth  bemerkt  bereits  (Enum.  IV.  244  [1843]),  dass  er  kein  scharfes  Merk- 
mal zwischen  Gagea  und  Lloydia  finden  könne  und  Irmisch  untersucht  (BZ. 
XVII  [1803]  169)  die  morphologischen  Verhältnisse  beider  sehr  eingehend.  Er 
weist  darin  überzeugend  nach,  dass  Gagea  und  Lloydia  zum  mindesten  sehr  nahe 
mit  einander  verwandt  sind.  Trotz  des  Mangels  scharfer  Unterscheidungsmerkmale 
haben  wir  uds  nicht  entschliessen  können  Lloydia  einzuziehen,  die  Tracht  aller 
Arten  ist  eine  so  abweichende  und  eigenartige,  dass  die  Gattung  auf  jeden  Fall 
bestehen  bleiben  muss,  wenu  nicht  zahlreiche  andere  Liliaceengattuugen  eingezogen 
werden  sollen. 

12  Arten  in  Europa,  dem  Mittelmeergebiet  durch  den  Himalaja  bis  Ostsibirien, 
Kamtschatka  und  den  Kurilen,   unsere  Art  auch  in  Nordarnerica. 

Zerfällt  nach  Engler  a.  a.  O.  11  (1900)  in  3  Sectionen  von  denen  2  nur  in 
Asien,  bei  uns  nur 

Eullotjdia  (Engler  Nat.  Pfl.  Nachtr.  IL  II.  5.  11  [1900]). 
Staubfäden  kahl.     Griffel  mit  kurzen  Lappen. 

Wird  in  2  Gruppen  getheilt  von  denen  ausser  unserer  Gruppe  in  Europa  noch 

A.  Efor eol dtae  (Engler  a.  a.  O.  [1900]).  Perigonblätter  am  Grund  ohne  Honig- 
grube. Hierher  in  Europa  noch  L.  Graeca  (Endl.  Gen.  140  [1836].  Antheri- 
cum  graecum  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  444  [1762].  Phalangium  graeeum  Poir.  Encycl. 
V.  251  [1804],  Gagea  qraeca  Irmisch  Bot.  Zeit.  XXI  [1863]  172)  in  Griechenland, 
auf  den  Inseln  und  Cypern  mit  mehreren  schönen,  grossen  Blüthen  und  L. 
trine'rvia  (Coss.  Bull.  SB.  France  XII.  285  [1865].  Anthericum  trinervium 
Viv.  Fl.  Libyc.  21  [1824].  L.  sicula  Huet  in  Nyman  Consp.  726  [1882])  in 
Sicilien  und  Nord-Africa. 

Bei  uns  nur: 

B.  Nectaroböthrium1)  (Ledeb.  Fl.  Alt.  IL  36  [1830]  als  Gatt. 
Engler  Nat.  Pfl.  Nachtr.  IL  IL  5.  11  [1900]  als  §.  Fenelönia2) 
Raf.  Atl.  Journ.  145  [1832]).  Perigonblätter  am  Grunde  mit  quer- 
verlaufenden Honiggrübchen.  —  Die  2  grundständigen  Laubblätter 
entwickeln  sich  ein  Jahr  vor  dem  die  sie  tragende  Achse  abschliessen- 
den Blüthenstengel  (s.  Irmisch  Bot.  Zeit,  XXI  [1863]  161  ff.). 
Nur  unsere  Art. 

762.  L.  serötina.  2\..  Zwiebel  vollständig  in  den  zahlreichen  eng 
anliegenden,  den  Stengel  bis  zur  Erdoberfläche  einschliessenden  Resten 
vorjähriger  Blätter  eingeschlossen.  Stengel  meist  5 — 8  cm  hoch.  Zwei 
grundständige  Laubblätter  entwickelt,  schmal,  fast  fadenförmig,  kaum 
1  mm  breit,  meist  länger  als  der  Stengel.  Stengelblätter  linealisch 
bis  schmal-linealisch-lanzettlich,  den  Stengel  nicht  überragend,  fast  stets 
wenigstens  (selbst  bei  2  blüthigen  Exemplaren)  3  von  dem  Spatha- 
ähnlichen  Vorblatt  der  Blüthe  entfernt  am  Stengel  vertheilt, 
nie  genähert.  Blüthen  einzeln,  selten  zu  2.  Perigonblätter  breit 
verkehrt-eiförmig,   meist  etwa  1  cm  lang,    weisslich,    abgerundet,    aussen 


1)  Von  vtv.xao,  dem  bekannten  Getränk  der  Griechischen  Götter,  von  den  Bo- 
tanikern seit  Linne  für  den  süssen,  von  den  Insecten  aufgesuchten  Saft  der  Blumen 
gebraucht  und  ßö&oiov,  Deminutiv  von  ßo&oog  Grube. 

2)  Doch  wohl  nach  Francois  de  Salignac  de  la  Motte  Fenelon,  *  1651 
Schloss  Fenelon  in  Perigord  -f-  1715  Cambrai,  Erzbischof  daselbst,  Erzieher  der  Enkel 
Ludwig  XIV.,  für  die  er  den  weltbekannten  Erziehungs-Rpmau  Les  aventures  de 
Telemaque  schrieb. 


Lloydia.     Alliuiu.  95 

mit  gelbem  Grunde,  innen  mit  3  röthlichen  Streifen,  zur  Blüthezeit 
ausgebreitet.  Staubblätter  nicht  viel  über  halb  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter.  Griffel  kürzer  als  die  Staubblätter.  Frucht  rundlich,  deutlich 
dreilappig  mit  bleibendem  Griffel. 

Auf  grasigen  Abhängen,  im  Gerolle  in  den  Alpen,  besonders 
auf  kalkarmem  Substrat  von  den  Seealpen  bis  Salzburg!  Steiermark, 
Kärnten!  und  Krain,  in  Wallis  zwischen  2000  und  3100  m  (Jaccard 
347),  in  Tirol  1680 — 2500  m  (Sarnthein  br.).  In  den  Karpaten  in 
der  Tatra ! !  den  Siebenbürgischen  und  Banater  Grenzgebirgen.  Bl. 
Juni,   August. 

L.  serotina  Rchb.  FL  Germ.  exe.  102  (1830).  Koch  Syn.  ed.  2. 
818.  Nyman  Consp.  726.  Suppl.  304.  Richter  PI.  Eur.  I.  217.  Ic.  X 
t.  CCCCXL  fig.  972.  Bidbococlium  serotinum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  294 
(1753).  Anthericum  serotinum  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  444  (1762).  Ornitho- 
galum  altdicum  Laxm.  Nov.  Comm.  Petrop.  XVIII.  530  (1774). 
Ornith.  striatum  Willd.  Spec.  pl.  II.  112  (1799).  Phalangium  sero- 
tinum Poir.  Encycl.  V.  241  (1804).  Lloydia  aljnna  Salisb.  Trans. 
Hort.  Soc.  I.  328  (1812).  Gagea  serotina  Ker-Gawl.  Quart.  Journ. 
Roy.  Inst.  I.  180  (1816).  Nectaroboihrium  striatum  Ledeb.  Fl.  Alt. 
II.  36  (1830).  Nect.  PedoivsJcianum1)  Schlechtd.  u.  Cham.  Linnaea 
VI.  585  (1831). 

(England;  nördliche  Balkanhalbinsel;  Arktisches  Russland;  Kau- 
kasus ;  Sibirien ;  Himalaja ;  Nord- America.)  * 

164.  ALLIUM2). 
([Tourn.    Inst.    206.    Haller  Enum.   stirp.  Helv.  I.   296].    L.  Gen.   pl. 
[ed.  1.  103]  ed.  5.  143  [1754].   Regel  Act.  Hort.  Petrop.  III.  2  [1875] 
[=  Allior.  adh.  cogn.  Monogr.  Petrop.  [1875]  so  später  citirt].   Nat.  Pfl. 
IL  5.  55.    Porrum,    Cepa'A)   und   Allium   Tourn.   Inst.    382,    383    t. 

204—6). 

(Lauch;  nieder!  u.  vlaem. :  Look;  dän.:  Log;  franz.:  Ail;  it.:  Aglio; 
rum.:  Aiu;  poln. :  Czosnek;  böhm. :  Cesnek;  kroat. :  Luk;  russ. :  JfyKt; 

ung.:  Hagyma.) 

S.  S.  74.  Meist  mittelgrosse  bis  ansehnliche,  ausdauernde,  meist 
kahle  Kräuter.    Blätter  mit  Ausnahme  der  beiden,  eine  Hülle  des  end- 


*)  Nach  Iwan  Redowsky,  *  1774,  seit  1805  Akademiker  in  St.  Petersburg, 
f  8.  Febr.  1807  in  Ischiginsk  (Kamtschatka)  auf  einer  Forschungsreise  auf  der  er 
ausser  dieser  Halbinsel  den  äussersten  Nordosten  Asiens  besuchte.  Ein  Theil  seiner 
Sammlungen  wurde  Ad.  v.  Chamisso  (s.  II.  2  S.  331  Fussn.  2)  bei  dessen  Besuch 
in  Petropawlowsk  übergeben  und  von  ihm  mit  D.  v.  Schlechtendal  (s.  VI. 
1.  S.  523  Fussn.  2)  mit  seinen  eigenen  Sammlungen  in  der  Linnaea  bearbeitet 
(a.  a.  O.  I.  3),  wo  auch  S.  32  eine  Cruciferengattung  Redowskia  beschrieben  ist 
(vgl.  auch  E.  v.  Lindemann  Bull.  Soc.  imp.  nat.  Mose.  LXI.  1.  58  [1885]). 

2)  Name  des  Knoblauchs  bei  PI  au  tu  s  und  anderen.   Auch  alium  geschrieben. 

3)  Name  der  Küchenzwiebel  (A.  cepa)  bei  Horatius  etc.  Auch  caepa  oder 
taepe  geschrieben. 


96  Liliaceae. 

ständigen  Blüthenstandes  (denselben  vor  dem  Aufblühen  einschliessenden) 
bildenden  Hochblätter  sämmtlich  grundständig,  die  oberen  aber  meist  mit 
ihren  Scheiden  der  Stengel  unterwärts  oder  bis  zur  Mitte,  selten  weiter 
hinauf  umhüllend.  Sie  sind  meist  Laubblätter,  denen  meist  ein  oder 
einige  Scheidenblätter  vorangehen.  Die  Hauptknospe  bildet  sich  stets 
in  der  Achsel  des  obersten  grundständigen  Laubblattes  und  bildet  meist 
eine  sitzende  mit  einem  selten  mehreren  fleischigen  Nährblättern  ver- 
sehene Zwiebel.  Ausserdem  finden  sich  in  den  Achseln  der  übrigen 
Blätter  bei  vielen  Arten  meist  gestielte  Nebenzwiebeln,  neben  denen 
auch  noch  accessorische  Beizwiebeln  vorkommen.  Auch  im  Blüthen- 
stande  entwickeln  sich  bei  vielen  Arten  kleine  Brutzwiebeln.  Blüthen 
meist  klein.  Perigonblätter  ganz  getrennt  oder  am  Grunde  etwas,  selten 
höher  hinauf,  verbunden  bleibend.  Staubblätter  am  Grunde  mehr  oder 
weniger  verbreitert  und  mit  einander  verbunden,  am  Grunde  der  Perigon- 
abschnitte  eingefügt  oder  etwas  mit  ihnen  verbunden,  die  äusseren  meist 
weniger  verbreitert.  Staubbeutel  am  Rücken  angeheftet.  Griffel  unter- 
wärts in  einem  die  Achse  des  Fruchtknotens  einnehmenden  Kanal  ein- 
geschlossen, auch  nach  dem  Aufspringen  der  Frucht  bleibend.  Narbe 
stumpf.  Frucht  eine  3seitige,  oft  oben  eingedrückte  3  fächerige  (selten 
1  fächerige)  Kapsel  mit  je  1 — 2  seltener  bis  vielen  Samen  im  Fache. 
Samen  kugelförmig  oder  kantig. 

Etwa  260  Arten,  zumeist  in  der  nördlich  gemässigten  Zone  heimisch,  nicht 
viele  auf  der  südlichen  Halbkugel,  einige  jetzt  über  die  ganze  Erde  verbreitet.  — 
Der  bekannte  Lauchgeruch  und  -geschmack  der  Arten  rührt  von  dem  in  allen 
Theilen  enthaltenen  Schwefelallyl  her. 


Uebersicht  der  Untergattungen. 

A.  Blüthenstiele  oberwärts  nicht  oder  wenig  verdickt,  ohne  scheiben- 
förmige Ausbreitung.     Perigonblätter    1  nervig,    alle  gleich  gestaltet. 

1,   Euallium. 

B.  Blüthenstiele  oberwärts  keulenförmig  verdickt,  schwammig,  auf  ihrer 
schüsseiförmigen  Gipfelfläche  den  Fruchtknoten  tragend.  Perigon- 
blätter 3 — 7  nervig,  die  äusseren  Perigonblätter  schmäler,  länglich- 
eiförmig, die  inneren  am  Grunde  etwas  herzförmig. 

£.   Nectaroscorduin. 

1.  Untergattung. 
1.  1.  Euallium  (A.  u.  G.  Syn.  III.  96  [1905]). 

Diese  Untergattung  wird  von  Webb  (Phyt.  Canar.  III.  342  resp.  347  [1850]) 
in  zwei  Sectionen  getheilt,  die  sich  durch  die  Zahl  der  Samenanlage  unterscheiden. 
Crömmyum^)  besitzt  2,  M elanocrdmmyumZ)  3 — 10  Samenanlagen.  Letztere 
Section  besteht  im  Wesentlichen  aus  orientalischen  Vertretern  der  Gruppe  Molium. 


l)  Von  hq6(,iiuvov  oder  xQÖfivov,  Name  von  A.  cepa  bei  den  Griechen. 
ü)  Von  peAas  schwarz  und  xQÖftfivov. 


AlHurn.  97 

Uebersicht  der  Sectionen  und  Gruppen. 

A.  Die  3  inneren  Staubfäden  verbreitert,  an  der  Spitze  3  spitzig  mit 
fadenförmigen,  die  den  Staubbeutel  tragende  Mittelspitze  deutlich 
überragenden  oder  doch  erreichenden  Seitenspitzen  (vgl.  indessen  A. 
sativum  mit  kürzeren  Zähnen).  Zwiebeln  nicht  an  einer  deutlichen 
kriechenden  oder  aufrechten  verlängerten  Grundachse.  Porruin. 

B.  Staubfäden  sämmtlich  einfach  oder  die  inneren  etwas  verbreitert, 
dann  aber  höchstens  am  Grunde  jederseits  mit  einem  kurzen  nie- 
mals die  Länge  der  den  Staubbeutel  tragenden  Mittelspitze  erreichen- 
den Zahne. 

I.  Zwiebel  an  einer  aufrechten  oder  schrägen  oder  kriechenden, 
deutlich  verlängerten,  oft  verzweigten  Grundachse  entspringend, 
die  Pflanze  daher  häufig  rasenbildend.  Rhiziridium. 

II.    Zwiebel  nicht  an  einer  deutlich  kriechenden  oder  aufrechten  ver- 
längerten Grundachse  entspringend.  Haplostemon. 
a.  Blätter  (bei  uns)  stets  cylindrisch-röhrig  (vgl.  auch  A.  oleraceum). 
Hülle  nicht  lang  zugespitzt,  den  Blüthenstand  nicht  überragend. 
Stengel  (bei  uns)  meist  stielrund,    meist  am  Grunde  von  Blatt- 
scheiden umhüllt,  meist  länger  als  die  Blätter,  nur  am  Grunde, 
bis  zur  Mitte  oder  weiter  hinauf  beblättert.     Sehoenoprasum. 
D.  Blätter  nicht  cylindrisch-röhrig  (vgl.  indessen  A.  oleraceum  mit 
lang  zugespitzter  Hülle). 

1.  Stengel  im  unteren  Theile  von  Blattscheiden  umschlossen.  Hülle 
des  Blüthenstandes  zweiklappig,  bleibend,  die  eine  Klappe  lang 
zugespitzt,  den  Blüthenstand  überragend.  Perigon  mehr  oder 
weniger  glockig.  Macrospatha. 

2.  Stengel  fast  stets  nur  am  Grunde  (bis  zur  Erdoberfläche) 
mit  Blattscheiden  umhüllt.  Blätter  flach.  Hülle  des  Blüthen- 
standes nicht  oder  kaum  zugespitzt.  Perigonblätter  mehr  oder 
weniger,  bis  sternförmig  ausgebreitet.  Moliuni. 

A.  Porrum1)  ([Tourn.  Inst.  382  t.  204  erw.  Adans.  Farn.  IL  50 
z.T.]  G.  Don  Mein.  Werner.  Soc.  VI.  4  [1826].  Regel  All.  cogn. 
Monogr.   11.  13.  40.    Boiss.  Fl.  Or.  V.  232.)     S.  oben. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch  eine  Reihe  von  Arten  von  denen 
es  besonders  bezüglich  einiger  aus  den  letzten  Jahrzehnten  zweifelhaft  erscheint, 
ob  sie  als  Arten  werden  aufrecht  erhalten  werden  können.  —  A.  Rudbdri- 
cum  3)  (Boiss.  u.  Buhse  N.  Nat.  Mem.  Mose.  XII.  215  [1860])  nur  im  Asiatischen 
Orient.  —  A.  Pyrenaicum  (Costa  u.  Vayr.  in  Costa  Ad.  Supl.  Cat.  92  [1877]. 
A.  controve'rsum  Costa  Supl.  Cat.  73  [1876]  nicht  Sehr.)  in  Catalonien.  — 
A.  JBacticumS)  (Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  I.  7.  113  [1846])  in  Süd-Spanien  — 
A.  exse'rtum  (Don  Mon.   17  [1826])  in  Russland.    —    A.    Pdrdoi*)    (Lose. 


l)  Name    mehrerer  Allium- Arten    bei   ColumeOa,    Plinius    und    anderen, 
ersterer  erwähnt  ein  porrum  sectile,  also  gleichbedeutend  mit  Schnittlauch. 
'*)  Bei  Rudbar  in  Nord-Persien  gefunden. 

3)  S.  IL   1.  S    286  Fussn.  4  und  III.  S.  47  Fussn.  5. 

4)  S.  IL  2.  S.  192  Fussn.  1. 

Aschersoii  u.  Graebner,   Synopsis.  III.  7 


98  Liliaceae. 

Trat.  pl.  I.  a  [1876])  in  Arragonien.  —  A.  pruinätum  (Link  in  Spreng. 
Syst.  II.  35  [1825])  in  Portugal,  zweifelhafte  Art.  —  A.  aestivum  (Tin.  PI. 
rar.  Sic.  39  [1817])  in  Sicilien.  —  A.  confüsxim  (Haläcsy  Consp.  Fl.  Graec. 
III.  244  [1904])  in  Thessalien.  —  A.  Oaditdnuml)  (Perez-Lara  in  Willk. 
111.  fl.  Hisp.  I.  81  [1881  —  85])  in  Spanien.  —  A.  chamaespa  thum'i)  (Boiss. 
Diagn.  pl.  Or.  I.  7.  113  [1846])  auf  der  Balkanhalbinsel.  —  A.  Wclwitschii  3) 
(Regel  All.  cogn.  mon.  66  [1875])  in  Portugal.  —  A.  gomphreno'ides  4) 
(Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  I.  7.  114  [1846],  A.  ascalönicum  Bory  u.  Chaub.  Fl. 
Pelop.  21  [1838]  nicht  L.)  auf  der  südlichen  Baikauhalbinsel.  —  A.  rubri- 
vittdtum  {A.  rubrovittatum  Boiss.  u.  Heldr.  in  Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  I.  13. 
29  [1853])  auf  Creta.  —  A.  Heldreichiis)  (Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  II.  4. 
116  [1859])  in  Thessalien.  —  A.  cristdtum  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  237  [1884]. 
A.  ciliutum  K.  Koch  Linnaea  XIX.  11  [1847]  nicht  Cir.)  auf  der  Balkanhalb- 
insel und  in  Kleinasien.  —  A.  purpureum^)  (Lose,  in  Willk.  u.  Lange  111. 
Fl.  Hisp.  I.  82  [1881—85]  nicht  Salis.  A.  Loscpsiil)  Richter  PI.  Eur.  1.  199 
[1890])  in  Spanien. 

I.  I.  Zähne  der  inneren  Staubfäden  kurz  und  stumpf,    viel   kürzer  als 

der  unterhalb  derselben  befindliche  Theil  des  Staubfadens  oder 
fast  grundständig,  dann  öfter  einer  oder  mehrere  Zähne  lang 
linealisch.  Laubblätter  flach,  gekielt,  in  der  Knospenlage  ge- 
faltet. 

*f  A.  sativum  (Knoblauch ;  Knobel,  Knofl ;  niederl.  u.  vlaem. : 
Knoflook;  dän. :  Hvidlog;  franz.:  Ail;  it.:  Aglio;  rum.:  Aiu,  Usturoiu; 
poln. :  Czosnek;  wend. :  Kobluk,  Kobolk ;  böhm.:  Cesnek;  kroat. :  Luk, 
Luk  bili,  Luk  cesan;  russ. :  HecHOKT>;  ung. :  Foghagyma).  Tj..  Zwiebel 
fast  stets  mit  zahlreichen  sitzenden  Nebenzwiebeln,  oft  mit  Beizwiebeln, 
mit  weissen  oder  grauen  Zwiebelhäuten.  Stengel  meist  ziemlich  starr 
aufrecht,  meist  3  —  6  dm  hoch,  vor  der  Blüthe  gerade  oder  meist  ring- 
oder  krummstabförmig  zusammengebogen,  meist  nur  bis  etwa  zur  Mitte 
beblättert.  Blätter  linealisch,  flach,  meist  etwa  4 — 8  mm  breit 
(und  breiter) ,  spitz.  Hülle  des  Blüthe n  Standes  sehr  lang 
geschnäbelt,  die  Spitze  den  Blüthenstand  öfter  mehrmals  an  Länge 
übertreffend,  in  einem  Stücke  abfallend.  Blüthenstand  fast 
stets  zahlreiche  bis  etwa  1  cm  grosse  Zwiebeln  tragend.  Blüthen 
lang  gestielt.  Perigonblätter  lanzettlich,  zugespitzt,  glatt,  röthlichweiss 
oder  grünlich,  seltener  purpurroth.  Staubblätter  etwas  kürzer  als  die 
Perigonblätter. 

Im  Orient  (?)  heimisch  (fehlt  bei  Boi ssier),  nach  Regel  (a.  a. 
O.)  in  der  Dsungarei  und  in  Ostindien  wild  beobachtet,  bei  uns  viel- 
fach, besonders  im  südlichen  Gebiete  (dort  oft  in  Weinbergen)  gepflanzt 
und  leicht  verwildernd.     Bl.  Juli,  August. 

1)  Bei  Cadiz  (im  Alterthum  Gades)  gefunden. 

2)  Von  yauui  am  Boden,  niedrig  und  ond&t]  hier  Blüthenscheide. 

3)  S.  I.  S.  255  Fussn.  3. 

4)  Wegen  einer  (entfernten)  Aehnlichkeit  der  Blüthenküpfe  mit  denen  der 
Amarantaceen-Gattung  G omphrena. 

5)  S.  I.  S.  215  Fussn.  4.  II.  2.  S.  282  Fussn.   1. 

6)  Den  Namen  A.  purpureum  zu  verwerfen,  weil  Regel  in  seiner  Mono- 
graphie ein  A.  margaritaceum  var.  purpureum  benannt  hat,  sehen  wir  keinen  Grund 
zumal  der  Salis 'sehe  Name  ein  Synonym  darstellt. 

7)  S.  IL  2.  S.  192  Fussn.   1. 


i 


Allium.  99 

A.  sativum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  296  (1753)  erw.  Mert.  u.  Koch 
Deutschi.  Fl.  II.  526  (1826).  Koch  Syn.  ed.  2.  829.  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  43.  Nvman  Consp.  736.  Richter  PI.  Eur.  I.  199.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCLXXXVIII  fig.  1069.  Porrum  sativum  Rchb.  Fl.  Germ, 
exe.  110  (1830). 

Zerfällt  in  mehrere  Rassen  und  Formen. 

A.  vulgare  (Knoblauch  [die  grundständige  Zwiebel] ;  franz.:  ail;  russ.: 
tIecHOKT>).  Zwiebel  meist  mit  Nebenzwiebeln,  seltener  einfach,  die 
Nebenzwiebeln  länglich-eiförmig.  Blüthen  röthlich  oder 
grünlich-weiss.  Zähne  der  Staubfäden  meist  ziemlich  am  Grunde 
entspringend,  seltener  mit  linealischen  Spitzen. 

Häufig  in  Gärten. 

A.  sativum  a)  vulgare  Doli  Rhein.  Flora  197  (1843).  Aschers. 
Fl.  Prov.  Brand.  I.  724.  A.  sativum  a.  typicum  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  44  (1875). 

B.  ophioscorodon1)  (Rockenbolle  [bes.  die  Zwiebeln  des  Blüthenstandes] ; 
franz.:  Rocambole;  rum.:  Pur,  Aiul-serpelui;  russ.:  PoKaMLOJrt, üvicr, 
HcnaHCKifi  ^ecHOiTB).  Zwiebel  stets  zusammengesetzt  mit  Nebenzwiebeln. 
Nebenzwiebeln  rundlich-eiförmig.  Stengel  im  oberen Theile  fast 
stets  stark  bis  schlangenartig  gebogen,  meist  kräftiger  als  bei  voriger, 
meist  etwa  1  m  hoch.  Blüthen  meist  weisslich  oder  grünlich.  Zähne 
der  Staubfäden  höher,  meist  etwa  in  der  Mitte  entspringend,  oft  mit 
linealischen  Spitzen.   Zwiebeln  des  Blüthenstandes  oft  über  1  cm  lang. 

Hin  und  wieder  in  Menge  gebaut. 

A.  sativum  b)  Ophioscorodon  Doli  a.  a.  O.  (1843).  Aschers. 
Fl.  Prov.  Brand.  I.  725  (1864).  A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flachl. 
188.  A.  Scorodbprasum  ß.  Spec.  pl.  ed.  1.  297  (1753).  A.  contro- 
versum Schrad.  Cat.  hört.  Goett.  bei  Willd.  Enum.  Hort.  Berol. 
358.  Nyman  Consp.  736  nach  Rchb.  Ic.  X.  22  t.  CCCCLXXXVIII 
fig.  1070  (1848).  A.  arenärium?  Sadl.  Fl.  Pesth.  252  (1825)  nach 
Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  40  nicht  L.  A.  ophioscorodon  Link  Enum. 
hört.  Berol.  I.  318  (1821)?  sicher  wenigstens  Handb.  I.  154  (1829). 
Don  Monogr.  5  (1826).  Nyman  Consp.  736.  A.  sativum  ß.  M.  u.  K. 
Deutschi.  Fl.  IL  526  (1826).  Porrum  Ophioscorodon  Rchb.  Fl. 
Germ.  exe.  110  (1830).  Ic.  a.  a.  O.  A.  sativum  ß.  subrotündum 
Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  197  (1855).  Richter  PI.  Eur.  I.   199. 

Hierher  gehört 
II.  controversum  (nach  verschiedenen  Schriftstellern).  Zwiebel  oft  einfach. 
Blüthen  purpurn,  oft  durch  Fehlschlagen  des  Fruchtknotens  männlich.  —  A. 
sativum,  y.  controversum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  44  (1875).  Richter  PI. 
Eur.  I.  199.  A.  controversum  Schrad.  a.  a.  O.  im  engeren  Sinne  nach  Regel  a. 
a.  O.  (1875).    A.   Ophioscorodon  var.  Masculä  Lk.  Handbuch  I.  154  (1829). 

Off.  die  Zwiebel  Bulbus  Allii,  Ail  (bulbe)  Ph.  Belg.,  Gall. 


!)  öcptooxÖQOÖov  Name  einer  Alüum-Art  bei  Dioskorides  II.  181,  von 
5tpig  Schlange  und  oköqoSov  Name  des  Knoblauchs  bei  den  Griechen,  auf  diese 
Pflanze  wohl  wegen  der  stark  gekrümmten  Stengel  übertragen. 

7» 


100  Liliaeeae. 

(Verbreitung  der  Art:  Ueber  den  grössten  Tbeil  der  Erdoberfläche 
als  Culturpflanze  verbreitet,  stellenweise  verwildert.) 

II.  II.  Eupörrum  (A.  u.  G.  Syn.  III.  100  [1905].  Vorrum  Koch  Syn. 
ed.  1.  718  [1837]  ed.  2.  830.  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  725. 
A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flachl.  188).  Zähne  der  inneren  Staub- 
fäden, wie  die  Mittelspitze  fadenförmig,  oft  oberwärts  zusammen- 
gedreht. 
a.  a.  Laubblätter  flach,  gekielt,  in  der  Knospenlage  gefaltet.  Perigon- 

blätter   meist    mit   aussen   rauhem  Kiel   (vgl.  indessen  A.  atri- 
violaceum). 
1.  1.  Blüthenstand  zahlreiche  Zwiebeln  tragend.    Hülle  des  Blüthen- 

standes  aus   2   Blättern  gebildet,  bleibend   oder  hinfällig. 

763.  (1.)  A.  scordöprasum1).  2L.  Zwiebel  eiförmig  oder  nieder- 
gedrückt kugelig,  mit  braunen  oder  graubraunen  mattglänzenden  Häuten, 
zahlreiche  gestielte  Nebenzwiebeln  erzeugend,  deren  Stiele  mit  denen  der 
Beizwiebeln  öfter  zu  einem  bandartigen  Körper  verbunden  sind.  Stengel 
etwa  0,5 — 1  m  hoch,  meist  starr  aufrecht.  Blätter  etwas  schmal  bis 
breit-linealisch,  meist  6 — 8  mm  breit,  am  Rande  rauh  bewimpert, 
mit  am  Grunde  durchscheinender  Scheide,  an  der  Spitze  etwas  kappen- 
förmig  eingezogen,  das  oberste  meist  bis  in  oder  unter  die  Mitte  des 
Stengels  mit  seiner  Scheide  reichend.  Die  2  Hüllblätter  plötzlich  zu- 
gespitzt, kürzer  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  kugelig,  dicht, 
massig  gross  (die  Zwiebelgruppe  meist  2,5 — 3  cm  breit).  Zwiebeln  des 
Blüthenstandes  gedrängt,  meist  eiförmig,  sehwarzpurpurn  oder  dunkel- 
violett, zuweilen  feine  Blätter  erzeugend.  Blüthen  wenige  bis  zahl- 
reich mit  1 — 2  cm  langen  Stielen,  weit  aus  den  Zwiebeln  hervorragend. 
Hochblätter  weiss,  häutig.  Perigonblätter  eiförmig-lanzettlich  bis 
lanzettlich,  dunkelpurpurn.  Staubblätter  kürzer  als  das 
Perigon,  die  Mittelspitze  der  inneren  halb  so  lang  als 
die  Seitenspitzen  und  der  ungetheilte  untere  Theil  des 
Staubfadens. 

In  Gebüschen,  an  grasigen  Abhängen,  an  Gräben,  Waldrändern 
durch  den  grössten  Theil  des  Gebiets  verbreitet,  nur  stellenweise  häufiger, 
sonst  zerstreut  bis  selten,  fehlt  in  Salzburg  und  in  dem  Küstengebiete 
der  Adria,  selten  in  Steiermark!  Tirol  (Lienz,  wohl  nicht  ursprünglich 
Samt  he  in  br.),  Schweiz  (Genf,  Aargau,  Basel)  und  in  der  Nordwest- 
deutschen Ebene  (Celle),  steigt  in  den  See- Alpen  bis  1400  m  (Burnat 
br.).    Bl.  Juni,  Juli. 

A.  Scorodoprasum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  297  (1753)  z.  T.  Koch 
Syn.  ed.    2.    831.    Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  42.    Nyman  Consp. 

!)  OKOQÖöiiQaoov  Name  einer  Allium-Art  bei  D i o s k o  r  id e s  (II.  182),  welche 
sowohl  Aehnlichkeit  mit  dem  nqäoov  (Name  von  Allium  porrum  schon  bei  Aristo- 
phanes)  als  mit  dem  Knoblauch  (oköqÖov  oder  oköqoöov)  hatte.  Die  (allerdings 
von  Sprengel  und  fast  allen  botanischen  Schriftstellern  adoptirte)  Lesart  oy.OQodö- 
TtQCtoov  scheint  weniger  beglaubigt. 


Allium.  101 

735.  Suppl.  307.  Richter  PL  Eur.  I.  199.  Rchb.  Ic.  CCCCXC  fig. 
1073  (A.  Scordoprasum)  Aschers.  Fl.  Prodr.  Brand.  I.  725.  A. 
violacetim  Gilib.  Exerc.  phyt.  II.  470  (1792).  A.  margaritaceam 
Moench  Meth.  Suppl.  80  (1802)  nicht  Sibth.  u.  Sm.  A.  neglectum 
Wender:  Sehr.  Ges.  Nat.  Marburg  IL  211  (1831).  Porrum  Scorodo- 
prasum Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  110  (1830).  A.  Dregeanam1)  Kunth 
Enum.  pl.  IV.  382  (18431). 
Aendert  ab  : 

A.  typicum.  Zwiebel  eiförmig.  —  Die  verbreitetste  Form.  —  A.  Scorodoprasum 
a-  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  42  (1S75).  —  Hierzu 

II.  vivi  partim  (Regel  a.  a.  O.  43  [1875].    Richter  PI.  Eur.  I.  199.    A.  Persicum 
der  Gärten  nach  Regel  a.  a.  O.  [1875]).   Zwiebeln  des  Blüthenstandes  bereits 
im  Blüthenstande  Blätter  erzeugend.  —  Ziemlich  selten. 
III.  andnthumi)  (Beck  Fl.  NO.   166  [1890]).    Im  Blüthenstand  nur  Zwiebeln; 
keine  Blüthen  entwickelt.  —  Selten. 

b.  arendrium  (A.  arenarium  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  297  [1753]  [z.  T. ?]  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCXC  fig.  1074  [1848]).  Pflanze  meist  etwas  niedriger.  Blätter 
ziemlich  breit.  Hülle  des  Blüthenstandes  stumpf,  ohne  oder  mit  sehr  kurzer 
Spitze,  meist  hinfällig.  Zwiebeln  im  Blüthenstande  sehr  klein.  Blüthen 
kleiner.  Fruchtknoten  kugelig-eiförmig,  deutlich  3  kantig.  —  An  trockneren 
sandigen  Orten.  —  Ob  Reichenbach 's  Abbildung  wirklich  die  Linne- 
sche  Pflanze  darstellt,  die  hauptsächlich  durch  die  stumpfe  Hülle  charak- 
terisirt  ist,  steht  nicht  ganz  fest.  Jedenfalls  ist  diese  Pflanze  der  trockneren 
sandigen  Orte  weiterer  Beachtung  werth  und  stellt  vielleicht  eine  Form 
von  höherer  systematischer  Selbständigkeit  vor. 

B.  B  abingt  6n  i  i  'A).  Zwiebel  niedergedrückt  kugelig.  Aus  dem  Blüthenstande 
öfter  kleine  gestielte  doldige  Theilblüthenstände  hervorspriessend.  —  Aus  Eng- 
land angegeben,  ob  eine  Culturform?  —  A.  Scorodoprasum  y.  ßabingtdnü  Regel 
All.  adh.  cogn.  Monogr.  43  (1875).  Richter  PI.  Eur.  I.  199.  A.  Babingtonii 
Borrer  Engl.  bot.  t.  2906  (1845).  Nyman  Consp.  736.  A.  Hallen *)  Bab.  Man. 
Brit.  bot.  ed.   1.  305  (1843)  nicht  Don. 

In  der  Litteratur  findet  sich  mehrfach  (auch  bei  Regel  Monogr.  43)  die  An- 
gabe, dass  auch  diese  Art  als  „Rocambole"  in  Gemüsegärten  eultivirt  wurde.  Wir 
können  diese  Angabe  aus  unserer  Erfahrung  nicht  bestätigen. 

(Südliches  Schweden;  Dänemark;  England;  Frankreich;  Balkan- 
halbinsel,  Süd-Russland;   Krim;  Klein-Asien.)  * 

2.  Blüthenstand  keine  Zwiebeln  tragend.    Hülle  in  einem  Stücke 
abfallend. 

a.  Perigonblätter  so  lang  oder  etwas  länger  als  die  Staubblätter. 
Staubblätter  nur  mit  den  Seitenspitzen  aus  dem  Perigon  her- 
vorragend. 

Gesammtart  A.  ro  t  ü  n  dum. 

764.  (2.)  A.  rotündum.  %.  Zwiebel  meist  eiförmig,  mit  silber- 
grauen bis  graubraunen  dünnen  Häuten,    mehrere   langgestielte  purpur- 

1)  S.  II.  2.  S.  420  Fussu.   1. 

2)  ävav&og  ohne  Blüthen. 

3)  S.  VI.   1.  S.  566  Fussn.   1. 

4)  S.  I.  S.  62  Fussn.   1. 


102  Liliaeeae. 

braune,  purpurrothe  oder  fast  schwarzpurpurne  Nebenzwiebeln  erzeugend. 
Stengel  ziemlich  starr  aufrecht  oder  etwas  gebogen,  meist  5 — 8  dm  hoch. 
Blätter  schmal-  oder  etwas  breit  linealisch,  meist  etwa  4 — 6  (bis 
10)  nun  breit,  am  Rande  schwach  rauh,  zugespitzt,  mit  enganliegenden 
Scheiden,  öfter  etwas  gekielt.  Hülle  des  Blüthenstandes  kurz  zugespitzt, 
kürzer  als  der  Blüthenstand.  Blüthen stand  massig  gross,  meist  bis  über 
3  cm  breit,  dicht,  kugelig.  Blüthen  stiele  viel  länger  als  die 
Blüthen,  meist  sehr  ungleich  lang,  die  äusseren  herabgebogen,  kürzer 
als  die  übrigen,  die  inneren  bis  über  2  cm  lang.  Hochblätter 
des  Blüthenstandes  weisshäutig.  Perigonblätter  länglich  bis 
länglich-lanzettlich,  stumpf  oder  plötzlich  stachelspitzig,  meist 
purpurn,  seltener  rosafarben  oder  weisslich.  Staubblätter  fast  so 
lang  als  die  Perigonblätter,  kahl.  Aeussere  Staubfäden  linealisch, 
Mittelspitze  der  inneren  1ls  so  lang  als  die  Seitenspitzen 
und  der  ungeth eilte  untere  Theil  des  Staubfadens. 

Auf  Aeckern,  meist  unter  Getreide,  Weinberge,  sonnige  und  buschige 
Hügel,  meist  nur  in  der  Ebene  und  in  der  unteren  Bergregion,  ausnahms- 
weise bis  1200  m  (St.  Lager  br.)  ansteigend,  im  südlichen  und  mittleren 
Gebiete  zerstreut  bis  selten  und  auf  weite  Strecken  fehlend,  so  in 
Württemberg  südlich  der  Donau,  Tirol,  Salzburg,  Kärnten,  Krain,  in 
Bosnien  und  Montenegro  bisher  nicht  beobachtet,  nördlich  bis  zur  süd- 
lichen Rheinprovinz  (nur  in  den  Thälern  des  Rheins,  der  Nahe,  der 
Mosel!  hier  aufwärts  bis  Metz,  der  Ahr)  Unterfranken,  Thüringen  (nörd- 
lich bis  Langensalza,  Frankenhausen,  Sondershausen!  Schmon,  Frei- 
burg und  Naumburg),  Böhmen ! !  Mähren !  Galizien  (selten).  In  der 
nördlichen  Ebene  nur  früher  bei  Frankfurt  (Oder)  (Buek!)  dort  aber 
sieher  nicht  einheimisch.      Bl.  Juni  bis  August. 

A.  rotundum  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  423  (1762).  Koch  Syn.  ed.  2. 
830.  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  725.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
57.  Nyman  Consp.  735.  Suppl.  307.  Richter  PI.  Eur.  I.  201.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCXCTI  fig.  1097.  Porram  rotundum  Rchb.  Fl.  Germ. 
exe.   111  (1830). 

Eine  sehr  vielgestaltige  Art,  von  Formen,  die  z.  T.  eine  sehr  eigenartige  Tracht 
besitzen,  sind  bei  uns  zu  erwähnen : 

A.  Perigonblätter  heller  oder  meist  ziemlich  dunkel  purpurn,  nicht  mit 
grünem  Mittelstreifen. 

I.  Blüthenstand    kugelig,    die   äusseren  Blüthen    abwärts   gekrümmt. 

a.  t  y  p  i  e  u  m.   Zwiebel  eiförmig,  zahlreiche  langgestielte  purpurbraune  Neben- 

zwiebeln  erzeugend.    Blätter  stets  mit  glatter  Sehei  de.   —  Die  bei 

weitem  häufigste  Form.   —  A.  rotundum  a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn. 

Monogr.  58  (1875). 

1.  polyänt  luim  ').  Blätter  an  den  Rändern  rauh.  Perigonblättex  ei förmig- 
lanzettlicb,  alle  spitz  oder  die  inneren  stachelspitzig.  —  A.  rotundum 
A.  I.  a.  1.  polyanthum  A.  u.  G.  Syn.  III.  102  (1905).  A.  polyanthum 
Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  101«  (1829)  nach  Regel  a.  a.  O.  A.  multi- 
fldrum  Kunth  Enum.  pl.  IV.  387  (1841)  nicht  Desf.    —    Die  Form  mit 


!)  Von  noAvg  viel  und  äv&og  Blume. 


Allium.  103 

stumpfen  inneren  und  stuinpflichen  äusseren  Perigonblättern  ist  nach 
Regel  a.  a.  O.  von  Don  (Monogr.  14)  und  Römer  u.  Schultes 
(Syst.  VII.  1011)  als  Typus  der  Art  aufgeführt. 

Hierzu    b.    angustissimum    (A.  u.  G.   Syn.  III.    103    [1905]). 
Blätter    ganz   schmal ,    nur   etwa    2 — 3   mm    breit.     Blüthenstand    klein. 
Blüthenstiele  kurz.  —  Selten.  —  Sehr  auffällig. 
2.  Diocletian  i  i).      Blätter    am    Rande    und    am    Kiele    glatt.     —     An- 
scheinend   nur    im    südöstlichen    Europa.  —   A.  rotundum    A.    I.    a.    2. 
Diocletiani  A.  u.  G.    Syn.  III.    103   (1905).    —    Auch    bei    dieser   Abart 
finden    sich    Formen    mit    spitzen     und    solchen    mit    stumpfen   Perigon- 
blättern, die  wir  beide  mehrfach  aus  der  Balkanhalbinsel  sahen,  aus  dem 
Gebiete  nur    die    bereits    von  Regel    angegebenen,    mit   ganz    stumpfen 
Perigonblättern  aus  Dalmatien. 
b.  Waldsteinii'-).  Zwiebel  mehr  oder  weniger  zahlreiche  schwarzpurpurne 
Nebenzwiebeln  erzeugend.    Blätter  mit  rauher  oder  glatter  Scheide  und 
an  den  Rändern  und  an  der  Scheide  glatter  oder  rauher  Spreite.   Perigon- 
blätter  länglich-eiförmig,  alle  spitz  oder  doch  nur  die  inneren  stumpf 
und  stachelspitzig.  —  Im  südöstlichen  Gebiete.  —  A.  rotundum  c.    Wald- 
steinü  Richter  PI.  Eur.  I.  201   (1890).    A.  Ampeloprasum  Waldst.  u.  Kit. 
PI.  rar.  Hung.  t.  82  (1802)  nicht  L.    A.  Waldsteinii  Don  Monogr.  17  (1826). 
A.  rotundum   ß.   Waldsteinianum   Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1011    (1829) 
z.  T.    Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  60. 

IL  Blüthenstand  halbkugelig,  alle  Blüthen  aufrecht  oder  die  seitlichen 
abstehend. 

Presliänum  3).    Blüthenstand  armblüthiger.     Perigonblätter  spitz. 

Bisher  nur  im  südlichen  und  östlichen  Europa  und  in  Süd-Africa  (?)  aber 
wohl  auch  im  Gebiete,   wohl  eine  Rasse. 

A.  rotundum  S.  Preslianum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  59  (1875). 
Richter  PI.  Eur.  I.  201.  A.  rube'llum  Presl  Fl.  Sic.  42  (1826)  nicht  M.  Bieb. 
A.  Preslianum  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1132  (1829).  Nyman  Consp.  735. 
A.  verrucosum  Don  Monogr.  20  (1826). 

B.    Perigonblätter  weisslich  oder  hellrosafarben  mit  grünem  Mittelstreifen. 
I.  erectum    (südfranz. :  Porre-de  campagna).    Blüthenstand  kugelig 
oder  etwas  länglich.    Perigonblätter  eiförmig- lanzettlich,  spitz  oder 
die  inneren  stumpf. 

Nur  im  Mittelmeergebiete,  im  Rhönegebiet  bis  Gap  und 
Grenoble. 

A.  rotundum  ß.  erectum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
60  (1875).  Richter  PI.  Eur.  I.  201  erw.  A.  erectum  Don  Monogr. 
18  (1826).  A.  multiflörum  DC.  Fl.  Franc.  V.  316  (1815). 
Nyman  Consp.  735  Suppl.  307  nicht  Desf.  A.  polyänthum  Gren. 
u.  Godr.  Fl.  France  III.  198  (1855)  nicht  R.  u.  S. 

Hierzu  gehört 
b.  gramincum  (Regel  a.  a.  O.  [1875].  Richter  PI.  Eur.  I.   201.    A.  grami- 
neum  K.  Koch  Linnaea  XXII.  239  [1849].    A.  scariösum  Costa  Jan  nach 
Kunth  herb,  nach  Regel  a.  a.  O.    [1875].    Nyman  Consp.  735.)     Perigon- 
blätter spitz. 

(Mittelmeergebiet;  Kaukasus;  Süd-Africa?).  "#"| 

J)  Eine  hierhergehörige  Form  wird  von  Regel  von  Spalato  in  Dalmatien  an- 
gegeben ,  welche  Stadt  in  den  Palast  des  Römischen  Kaisers  Diocletianus, 
*  239  f  313  (?),  regierte  284—305,  hineingebaut  ist. 

2)  S.  II.   1.  S.  418  Fussn.   1. 

3)  S.  II.  2.  S.  279  Fussn.  2. 


KM  Liliaceae. 

II.  scaberrimum.  Pflanze  meist  sehr  kräftig.  Stengel  bis  fast  1  m 
hoch,  nur  im  unteren  Viertel  beblättert.  Blätter  mit  stark 
rauher  Scheide  uml  ziemlich  breiter  an  den  Rändern  und 
am  Kiele  stark  rauher  Spreite.  Hülle  kräftig  mit  bis  3  cm 
langer  Spitze,  meist  leicht  abfallend.  Blüthenstand  massig  gross, 
kugelig.     Perigonblätter  weisslich. 

Bisher  nur  in  der  Dauphin! :  Savines  zw.  Gap  u.  Embrun 
(S  er  res  und  andere!).    Bl.  Juni. 

A.  rot  mal  um  B.  IL  scaberrimum  A.  u.  G.  Syn.  III.  104 
(1905).  A.  scaberrimum  Serres  Bull.  SB.  France  IV.  439  (1857). 
Nyman  Consp.   736.  Suppl.  303. 

(Verbreitung  der  Rasse:    Bisher  nur  im   Gebiete.) 

(Verbreitung  der  Art :  Frankreich ;  Spanien ;  Italien  ein- 
schliesslich der  Inseln;  Balkanhalbinsel;  mittleres  und  südliches 
Russland;  Orient;  Süd-Africa  (?);  von  Baker  in  Thi seiton  Dyer 
Fl.  Cap.  VI.  407,  408  nicht  erwähnt.)  "£" 

765.  (3.)  A.  multiflörum.  2\-,  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Zwiebel  mit  dünnen  Häuten. 
Stengel  glatt,  nur  bis  unterhalb  der  Mitte  von  Blättern  umhüllt.  Blätter 
mit  glatter  Scheide  und  linealischer  bis  breit-linealischer,  seltener  etwas 
linealisch -lanzettlicher,  den  Blüthenstand  erreichender  oder  nicht  er- 
reichender, an  den  Rändern  glatter  oder  rauher  Spreite.  Blüthenstand 
kugelig,  seltener  halbkugelig.  Hülle  des  Blüthenstandes  mit  schlanker 
Spitze.  Blüthenstiele  wenig  länger  oder  bis  doppelt  so 
lang  als  die  Blüthen,  am  Grunde  mit  häutigen  Hochblättern. 
Perigonblätter  lanzettlich,  allmählich  scharf  zugespitzt, 
am  Rücken  rauh  oder  am  Kiel  selten  ganz  rauh,  rosafarben. 
Staubblätter  etwa  so  lang  als  die  Perigonblätter,  am  Rande 
fein  gewimpert.  Mittelspitze  der  inneren  Staubblätter  nicht  halb 
so  lang  als  die  Seitenspitzen. 

Nur  im  südwestlichsten  Gebiete.  Provence  und  Riviera,  steigt  in 
den  Seealpen  bis  l'Escarene  und  Tenda  (Ardoino  380)  ca.  800  m. 
Burnat  (br.)  hat  sie  nur  in  der  unteren  Region  angetroffen.  Bl. 
Mai,  Juni. 

A.  multiflörum  Desf.  Fl.  Atl.  I.  288  (1798).  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  61.  Nyman  Consp.  735.  Suppl.  307.  Richter  PI.  Eur. 
I.  202.  A.  acutiflörum  Lois.  Not.  55  (1810).  Fl.  Gall.  I.  249.  Gren. 
u.  Godr.  Fl.  France  III.   199.     Rchb.  Ic.    X    t.  CCCCXCI   fig.   1078. 

Die  Art  steht  A.  rotundum  zweifellos  sehr  nahe,  ist  aber  besonders  durch  die 
stets  rosa  gefärbten  .'miiz  allmählich  in  die  scharfe  Spitze  verschmälerten  lanzett- 
lichen Perigonblätter  leicht  kenntlich. 

(Languedoc;  Spanien;  die  Angaben  im  Orient  nach  Boissier 
irrthümlich.)  \~*\ 

b.  Staubblätter  langer  als  die  Perigonblätter,  daher  stets  deut- 
lich hervorragend. 


Allium.  105 

766.  (4.)  A.  ampelöprasum1)  (kroat. :  Prasluk,  Puric,  Lucac,  Luk 
divji).  2\-  bis  OO.  Zwiebel  kugelig-eiförmig  mit  meist  weisslichen  bis 
silberig  schimmernden,  mit  wenigen  Rissen  unregelmässig  zer- 
reissenden  Häuten  versehen,  meist  mit  oder  fast  ohne  ziemlich 
kleine  gelbliche  oder  braune,  selten  dunkelrothbraune  sitzende  oder  etwas 
gestielte  Nebenzwiebeln.  Stengel  stielrund,  meist  4  dm  bis  fast  1  m 
hoch,  nur  im  unteren  l/z  bis  1/i  von  Blättern  bedeckt.  Blätter  mit 
glatter  oder  seltener  rauher  Scheide  und  linealischer  bis  länglich-lanzett- 
licher (bei  Culturformen  bis  über  2  cm  breiter),  scharf  gekielter,  meist 
an  den  Rändern  und  am  Kiele  rauher  Spreite.  Blüthenstand  vielblüthig, 
meist  kugelig,  seltener  halbkugelig  oder  etwas  doldenähnlich.  Hülle 
des  Blüthenstandes  weiss  häutig,  kugelig-aufgeblasen,  lang  geschwänzt- 
zugespitzt, den  Blüthenstand  weit  überragend,  hinfällig,  sich  meist 
bald  am  Grunde  ringsum  in  einem  Stücke  ablösend.  Die  meisten 
Blüthenstiele  vielmal  länger  als  die  Blüthen,  die  inneren  oft  über  3  cm 
lang,  am  Grunde  mit  kleinen  weisshäutigen  Hochblättern.  Perigon 
weitglockig.  Perigon blätter  lanzettlich  bis  länglich-lanzettlich, 
stumpflich  oder  spitzlich,  bis  etwa  5  mm  lang,  aussen  mehr  oder  weniger 
warzig-rauh  oder  seltener  glatt,  purpurn  bis  weisslich  gefärbt.  Staub- 
blätter fast  stets  um  die  Hälfte  länger  als  die  Perigonblätter, 
die  äusseren  mit  länglichen,  allmählich  zugespitzten 
Staubfäden,  Mittelspitze  der  inneren  kürzer  (halb  so  lang, 
selten  fast  so  lang)  als  die  Seitenspitzen  und  der  ungetheilte 
Abschnitt  des  Staubfadens. 

A.  ampelöprasum  L.  a.  a.  O.  (1753)  erw.  J.  Gay  Ann.  Sc.  nat. 
Ser.  3.  VIII.  219  (1847).    Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  53. 

Zerfällt  in  mehrere  Rassen.  Die  wohl  auch  als  Rasse  zu  betrachtende  weiss- 
lich blühende  Form  leucdnthum^)  (Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  54  [1875]. 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  232.  Richter  PI.  Eur.  I.  201.  A.  leucanthum  K.  Koch  Linnaea 
XXII.  240  [1849J.  A.  WildiiS)  Heldr.  Atti  congr.  Firenze  1874.  232  [1876]. 
Nynian  Consp.  735.  Suppl.  307)  mit  meist  rauhen  Scheiden  und  die  Staubblätter 
öfter  weit  überragendem  Griffel  nur  auf  den  Griechischen  Inseln  und  im  Orient. 
Die  Rasse  (oder  Abart?)  pruinösum  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  233  [1885].  Richter  PI. 
Eur.  I.  201)  mit  hellrosa  gefärbten,  am  Rücken  bereift  rauhen  Perigonblättern,  nur 
auf  den  Griechischen  Inseln.  —  Bei  uns  nur 

A.  Holmense4).  Zwiebel  fast  stets  mehrere  bis  zahlreiche  un- 
gestielte oder  gestielte  Nebenzwiebeln  entwickelnd.  Blätter 
schmäler  oder  breiter  linealisch,  meist  5  mm  bis  über  2  cm 
breit.  Blüthenstand  sehr  vielblüthig,  gross,  kugelig  oder  halb- 
kugelig. Perigonblätter  meist  länglich-lanzettlich,  am  Rücken 
auf  dem  Kiel  und  den  Nerven  mehr  oder  weniger  warzig- rauh, 
am  Rande  sehr  häufig,  fein  gesägt,  rosa- farbig  oder  purpurn, 


J)  äpneAÖTiQaoov,    bei    Dioskorides    (II.    179)   eine   wohl    in  Weinbergen 
{ä(,meAog  Weinstock)  vorkommende  oder  eultivirte  Allium-Art. 
ü)  Von  Aev/.ög  weiss  und  äv&og  Blume. 

3)  Nach  dem    Sammler    Adolf  Wild,    f   1904,    Arzt    auf    der  Insel  Skiathos 
bei  Euboea  (Krüper  br.). 

4)  Auf  Steep  Holmes  Island  in  der  Severn  bei  Bristol  zuerst  beobachtet. 


106  Liliaceae. 

oft  zuletzt  oder  am  Grunde  grün  werden«!.  Mittelspitze  der 
inneren  Staubblätter  meist  länger  als  halb  so  lang 
als  der  ungetheilte  Abschnitt  des  Staubfadens. 

Auf  Aeckern,  an  Wegrändern.  Für  das  südwestliche  Küsten- 
gebiet wegen  der  mehrfachen  Gleichsetzung  mit  A.  rotundum  B.  I. 
zweifelhaft,  sicher  wohl  nur  für  die  Adriatischen  Küstengebiete: 
Oesterreichisches !  und  Kroatisches  Küstenland,  Istrien ! !  nebst  den 
Inseln!!  Dalmatienü  Hercegovina  (Beck  Glasnik  XV.  203  [67]. 
Wiss.  Mitth.  IX.  484  [78]),  Montenegro.  In  Süd-Frankreich  in 
Gemüsegärten  gebaut  und  aus  denselben  verwildert;  nach  Alefeld 
i  Landwirthschaftl.  Flora  296)  soll  auch  der  S.  107  erwähnte  Sommer- 
INirree  zu  dieser  Rasse  gehören.  Die  bis  zur  Mitte  des  19.  Jahr- 
hunderts von  den  Floristen  der  Schweiz  und  Badens  (noch  Doli 
Fl.  Baden  351)  wiederholte  Angabe  in  Weinbergen  um  Basel 
besonders  bei  Grenzach  beruhte  nur  auf  der  Autorität  von  Bauhin 
und  fand  seit  dem  16.  Jahrhundert  keine  Bestätigung  (vgl.  schon 
M.  u.  K.  Deutschi.  Fl.  IL  524).     Bl.  April— Juni. 

A.  ampeloprasum  A.  Holmense  A.  u.  G.  Syn.  III.. 105  (1905). 
A.  holmense  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  No.  6  (1768).  A.  Ampelo- 
prasum L.  Spee.  pl.  ed.  1.  294  (1753)  im  engeren  Sinne.  Koch 
Syn.  ed.  2.  830.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  232.  Nvman  Consp.  735.  Suppl. 
307.  Richter  PI.  Eur.  I.  200.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXIX  fig. 
1072.  Porrum  Ampeloprasum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  111  (1830). 
A.  adsendens  Ten.  Syll.  164  (1831).  A.  Bertolonii1)  De  Not. 
Rep.  fl.  Lig.  414  (1344).  A.  mogadorense2)  Willd.  nach  Kunth 
Enum.  pl.  IV.  384  (1843).  A.  speetäbile  De  Not.  a.  a.  O.  (1844). 
A.  Duriaeänum3)  Gay  Ann.  sc.  nat.  ser.  3.  VIII.  218  (1847). 
A.  byzantinwn  K.  Koch  Linnaea  XXII.  240  (1849).  A.  Gas- 
parrinii*)  Guss.  Enum.  pl.  Inarm.  337  t.  17  (1854).  Nyman 
Consp.  735.  A.  albescens  Guss.  a.  a.  O.  (1854).  A.  pomini 
ampeloprasiim  Alefeld  Landw.  Flora  296  (1866)?  A.  Thhsalum 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  232  (1883).  Nyman  Consp.  735.  Suppl.  307. 
A.  Syriacum  Boiss.  a.  a.  O.  (1883). 

Hierzu  gehören 
II.  pater-familias'z)  (Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  54  [1875].  Richter  PI. 
Eur.  I.  201.  A.  pater-familias  Boiss.  Diagn.  Ser.  2.  IV.  114  [1859].  Nyman 
Consp.  73.  Suppl.  307,  374).  Zwiebel  von  sehr  zahlreichen  gestielten,  meist 
dunkel  gefärbten  Nebenzwiebeln  umgeben.  —  Im  Kaukasus  und  in  Südruss- 
luud,  abei   wohl  auch  im  Gebiete  wenigstens  in  nahestehenden   Formen. 


l)  S.   II.   1.  S.   142  Fussn.   1. 

-)  In  Marokko  bei  Mogador  gefunden. 

:*)   S.   I.   8.    172  Fussn.   1. 

4)  Nach  Guglielmo  Gasparrini,  *  13.  Juni  1804  Castelgrande  (Basilicata) 
f  28.  Juni  1866  Neapel,  Professor  der  Botanik  und  Director  des  Botanischen 
Gartens  daselbst  (früher  in  Pavia),  Verfasser  zahlreicher  werthvoller  Arbeiten  auf 
verschiedenen  Gebieten  der  Botanik,  u.  a.  auch  über  die  Flora  seiner  Heimat 
Lucanien.     Sein  Herbar  befindet  sich  in  Pavia  (Saccardo  I.   78,  II.  52). 

■r>)   Familienvater  wegen  den  zahlreichen  Nebenzwiebeln. 


Allium.  107 

b.  Pyliuml)    (A.    Pylium    De    Not.    Ind.    sein.     Gen.     1843).     Blüthenstand 

höchstens  halb  so  gross  als  beim  Typus.  —  Selten. 
2.  Halleri?)  (A.  Halleri  Don  Monogr.  15  [1826],  Nyinan  Consp.  735. 
Suppl.  307.  A.  amethystinum  Tausch  Syll.  Ratisb.  II.  256  [1828].  Porrum 
amethystinum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  14016  [1830].  A.  Ampeloprasum  ß. 
atrovioldceum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  54  [1875].  Richter  PI.  Eur. 
I.  201  z.  T.).  Perigonblätter  lebhaft  purpurn.  —  Selten. 
b.  Lussinense.  Alle  Staubfäden  (auch  die  äussern)  mit  je  2  verlängerten 
seitlichen  Spitzen.  —  Eine  sehr  bemerkenswerthe,  bisher  nur  auf  der  zu 
Istrien  gehörigen  Insel  Lussin  (Haracicü)  beobachtete  Abart.  —  A.  Am- 
peloprasum var.  lussinense  Haraöic  Süll.  veg.  d.  dell'is.  di  Lussin  III.  1.  47 
(1895).    Fritsch  Exc.fi.  Oesterr.   110. 

(Verbreitung  der  Rasse:  [Britische  Inseln  eingeführt];  Süd- 
Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel;  Süd- 
Russland;  Krim;  Klein -Asien;  Kaukasus  bis  Persien;  Nord- 
Africa.)  "¥ 

B.  porrura3)  (Lauch ,  Porree ,  Bolle  -  Borree ;  niederl. :  Prei ;  dän. : 
Porrelog;  franz.:  Poireau,  Porreau;  it.:  Porro;  rum. :  Praz,  Praji, 
Poroin,  Cepä  bländä;  poln.  u.  böhm. :  Por;  wend.:  Porej ;  kroat. : 
Prasluk,  Puricluk,  Por;  russ.:  üopefi;  ung. :  Pore).  In  der  Cultur 
meistens  ©©.  Zwiebel  weniger  streng  riechend  und  schmeckend, 
nur  wenige  nicht  gestielte  Nebenzwiebeln  entwickelnd.  Blätter 
länglich-lanzettlich,  grau (lauch-) grün.  Blüthenstand  kugelig 
oder  öfter  breit  doldenförmig.  Perigonblätter  länglich,  stumpf, 
am  Rücken  ganz  glatt  oder  am  Kiele  ganz  schwach  rauh,  rosa- 
farbig oder  weis  such,  mit  grünen  oder  etwas  roth  überlaufenen 
Mittelstreifen.  Mittelspitze  der  inneren  Staubblätter  halb 
so  lang  als  der  ungetheilte  Abschnitt  des  Staubfadens. 
Nur  in  Gärten  überall  gebaut,  hin  und  wieder  auf  Schutt  etc. 
verwildert.     Bl.  Juni,  August. 

A.  Ampeloprasum  e.  Porrum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
54  (1875).  A.  Porrum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  294  (1753)  im  engeren 
Sinne.  Don  Monogr.  13.  Koch  Syn.  ed.  2.  830.  Aschers.  Fl.  Brand. 
I.  726.  Nyman  Consp.  735.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXIX  fig. 
1071.    Porrum  commüme  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  111  (1830). 

So  charakteristisch  diese  Form  auch  von  dem  Typus  des  A.  Ampelo- 
prasum verschieden  ist,  kann  sie  doch  nicht  anders  als  als  Culturrasse  desselben 
aufgefasst  werden,  wie  schon  Linne  (Sp.  pl.  ed.  2.  423  [18G2])  vermuthete 
und  Gay  (Ann.  Sc.  nat.  3.  ser.  VIII  [1847])  nachwies.  Keines  der  Merkmale 
erweist  sich  völlig  constant  und  besonders  auf  Schutthaufen  etc.  verwilderte 
Exemplare,  die  schon  oft  durch  den  schmächtigem  Wuchs  auffallen,  zeigen 
häufig  Anklänge    an  die   wilde  Pflanze. 

In  Gärten  unterscheidet  man  eine  Reihe  von  Formen,  bei  denen  besonders 
zwei  Formen  als  Sommer-  und  Winter-Porree  bezeichnet  werden.  Ersterer,  der 
von  Ale  fei  d  zu  A.  ampeloprasum  A.  gezogen  wird  (s.  S.  10(3),  entwickelt 
sich  früher,  ist  lebhafter  grün  und  erfriert  während  des  Winters,  letzterer 
wird  überwintert  und  zum  Wintergebrauch  gezogen. 

i)  Bei  Navarin  in  Messenien  (im  Alterthum  Pylos,  die  Stadt  des  Homerischen 
Nestor)  gefunden. 

2)  S.  I.  S.  62  Fussn.  1. 

3)  S.  S.  97  Fussn.   1. 


108  Liliaceae. 

Wie  bereits  bemerkt  in  der  Cultur  oft  zweijährig.  Beim  Typus  der  A. 
ampeloprasum  kommt  meist  schon  keine  echte  Hanptzwiebel  zur  Eutwickelung, 
~omlern  um  den  Blüthenstengel  gruppiren  sich  2 — 3  oder  mehrere  gleichgrosse 
Zwiebeln,  die  bei  einigermassen  grosser  Zahl  (besonders  bei  A.  II.  pater-familias) 
ganz  allmählich  in  die  Nebenzwiebeln  übergehen.  Bei  der  Rasse  porrum 
nun,  besonders  bei  recht  kräftigen  Gartenformen,  kommt  nur  selten  eine 
seitlich  vom  lUüthenstengel  stehende  Hauptzwiebel  noch  zur  Entwiekelung.  Bei 
der  Blüthen-  und  Fruchtentwickelung  im  zweiten  Jahre  (beim  Winter-Porree) 
wird  die  Zwiebel  anscheinend  völlig  erschöpf!  doch  bemerkt  schon  Koch 
(Mertens  u.  Koch  Dcutschl.  Fl.  II.  524>,  dass  an  der  Peripherie  der  abgestorbenen 
Zwiebel  nach  der  Fruchtreife  sich  [stets?]  einige  Nebenzwiebeln  finden.  Diese 
sind  nun  in  nichts  Wesentlichem  von  der  zum  Einmachen  in  Essig  so  beliebten 
Perlzwiebel,  Perl-Lauch,  franz.:  Ail  perle  verschieden,  welche  wie  die  Scha- 
lotte in  den  Gemüsegärten  vegetativ  vermehrt  wird,  stets  viel  schwächlicher 
und  schmalblättriger  als  der  aus  Samen  gezogene  Porree  bleibt,  wohl  schwäch- 
liche Blüthenstengel  treibt  aber  fast  nie  Samen  trägt  (nach  Linde  muth  wurden 
die  Blüthenstengel  in  Bonn  stets  durch  einen  Kleinschmetterling,  Agrolcpix 
asectella,  zerstört).  Diesen  Erfahrungen  entsprechend  wird  der  Porree  aus 
Samen  gezogen  (im  ersten  Jahre  für  die  Küche,  im  zweiten  zur  Samengewinnnng 
benutzt),  obwohl  er,  sich  selbst  überlassen,  gelegentlieh  auch  noch  im  dritten 
Jahre  oder  selbst  noch  später  Blüthenstengel  treibt  (Amelong  und  Linde- 
muth  Gartenflora  XLI  [1892].  Ycrhandl.  109,  XLII.  20).  Die  Identification 
der  Perlzwiebel  mit  der  Rokambole  (Garcke,  Fl.  v.  Halle  472,  Fl.  v.  X. 
u.  Mitteldeutsch!.,  bez.  Deutschi.  1. — 13.  Aufl.  Ascherson  Fl.  Brand.  I.  725. 
Frauk-Leunis  Synopsis  II.  Fischer- Benzon  142)  ist  irrthümlich.  Vgl. 
F.  Schwabe  NV.  Anhalt  1869.  15.  H.  Hoff  mann  BZ.  XXXIII  (1875) 
«',01.  Regel  Gartenflora  XXVIII  (1879)  235.  Sprenger  a.  a.  O.  XLII 
(1^'J3)  241. 

(Verbreitung  der  Art:  wie  der  Rasse  A.)  "5" 

767.  (5.)   A.  atrivioläceum.  %.  Zwiebel  länglich-eiförmig,  mit 

Dach  oben  verlängerten,  sieb  in  Fasern  auflösenden  Häuten, 
im  ist  mit  Nebenzwiebeln.  Stengel  meist  h  dm  bis  etwa  1  m  hoeb. 
Blätter  linealiscb,  meist  etwa  (>  mm  breit  oder  schmäler,  vielnervig, 
unterwärts  zusammengefaltet -rinnig,  am  Rande  raub.  Blüthenstand 
vielblüthig,  kugelig.  Hülle  des  Blüthen  Standes  eiförmig,  kurz 
zugespitzt,  bald  hinfällig.  Blüthenstiele  etwa  4 — 5 mal  länger  als 
die  Blüthen.  Perigon  schmal-glockig,  klein.  Perigonblätter 
Länglich,  stumpflieb,  am  Rücken  ganz  glatt,  seb  warzpurpurn. 
Staubfäden  verbreitert,  am  Grunde  etwas  gewimpert,  Mittelspitze 
der  inneren  kaum  kürzer  oder  etwa  so  lang  als  die  Seiten- 
spitzen. 

Auf  Aeckern,  in  Weinbergen  im  mittleren  und  südlichen  Ungarn; 
Insel  Schutt;  um  Kaloesa,  wohl  auch  im  Banat  (Kerner  ÖBZ.  XXIX 
[1879]  37). 

A.  atroviolaccum  Boiss.  Diagn.  Ser.  1.  VII.  112  (1846)  XIII. 
29.  Fl.  Or.  V.  240.  Nyman  Consp.  Suppl.  308.  A.  Ampeloprasum 
ß.  atroviolaceum  Regel  All.  adb.  cogn.  Monogr.  ö4  (1875).  Richter 
PI.  Eur.  I.  201  z.  T. 

Aendert  ab  in  der  Breite  der  Blätter;  eine  Abart  mit  nur  :!— 4  mm  breiten 
Blättern  nennt  Boissier  (Diagn.  pl.  Or.  ser.  1.  XIII.  29  [1853].  Fl.  Or.  V.  241) 
ß.  ang  u.sti/olium;   meist  auch  die  Blüthenstäude  kleiner.  —  Bisher  nur  im  Orient. 

(Bulgarien;  Kleinasien;  Armenien;  Persien.)  pjT] 


Allram.  109 

1).    Laubblätter  stielrund    bis    halbstielrund,    öfter    oberseits    rinnig,     l). 
niemals  flach. 

1.  Blüthenstand     meist    zahlreiche    Zwiebeln     (und    oft    wenige     1, 
Blüthen)    tragend    (vgl.    indessen    A.  vineale  A.  II.  capsuli- 
ferum  und  B.  Kochii). 

768.  (6.)  A.  vineale  (Rebenlauch,  Hundslauch;  niederl.  u.  a. : 
Kraailook,  Wildlook;  südfranz. :  Porre-de-ser ;  kroat:  Lucac).  2|_.  Zwiebel 
eiförmig,  von  weisslichen  zuletzt  am  Grunde  sich  ablösenden  zerfasern- 
den Häuten  umgeben,  oft  mit  mehr  oder  weniger  grossen  Nebenzwiebeln. 
Pflanze  kahl.  Stengel  zierlich,  meist  3  dm  bis  über  1  m  hoch,  bis  zur 
Mitte  oder  bis  über  die  Mitte  von  Blättern  umgeben.  Blätter  aus  drei- 
kantigem, röhrigem  Grunde  fast  stielrund,  oberseits  schmalrinnig,  glatt 
oder  schwach  rauh.  Hülle  des  Blüthenstandes  einklappig,  plötzlich 
lang  zugespitzt,  so  lang  als  der  Blüthenstand  oder  denselben  über- 
ragend, meist  bald  abfallend.  Blüthenstand  ziemlich  klein,  mit  mehr 
oder  weniger  zahlreichen  Zwiebeln  (öfter  von  den  dicht  gedrängten 
Zwiebeln  ein  fester  Kopf  gebildet).  Blüthen  mit  der  Abnahme  der  Zahl 
der  Zwiebeln  zunehmend,  sehr  selten  allein,  ohne  Zwiebeln.  Blüthen- 
stiele  schlank,  bis  2,5  cm  lang.  Perigonblätter  lanzettlich,  stumpf 
oder  spitzlich,  glatt  gekielt,  meist  heller  oder  dunkler  purpurn, 
seltener  grünlich  oder  weisslich.  Staubblätter  zuerst  etwa  so  lang 
als  die  Perigonblätter,  zuletzt  etwa  doppelt  so  lang  (vgl.  indessen 
B.  Kochii).  Mittelspitze  der  inneren  Staubfäden  ungefähr  so 
lang  als  die  seitlichen,  länger  als  der  ungetheilte  untere  Theil 
des  Staubfadens. 

Auf  trockneren,  meist  sandigen  Hügeln,  auf  Aeckern,  an  Weg- 
rändern, auf  sonnigen  Hügeln,  in  Weinbergen,  durch  den  grössten 
Theil  des  Gebiets  verbreitet,  meist  (mit  A.  oleraceum)  die  häufigste 
Art  der  Gattung,  auch  auf  den  Nordseeinseln  als  einzige  Art  derselben, 
wenn  auch  wohl  nur  eingeschleppt  auf  Vlieland,  Borkum  und  Sylt;  in 
Nord-Tirol  und  Salzburg  fehlend;  in  Wallis  bis  1700  m  (Jaccard  349), 
in  Süd-Tirol  bis  640  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend.    Bl.  Juni,  August. 

A.  vineale  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  299  (1753)  erw.  Koch  Syn.  ed.  2 
831.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  40.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  235.  Nyman 
Consp.  736.  Suppl.  307.  Richter  Pl.  Eur.  I.  198.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXC 
fig.  1075.  A.  litöreum  Bert.  Amoen.  it.  241  (1819).  A.  laxiflörum 
Tausch  Flora  XII  (1829).  Erg.  Bl.  46.  Porrum  vineale  und  P.  are- 
narium  Rchb.  Fl.  Genn.  exe.  110  (1830). 

Ziemlich  veränderlich,  besonders  in  Bezug  auf  die  Ausbildung  des  Blüthen- 
standes.    Unsere  Formen  gliedern  sich  in  folgender  Reihe : 

A.   Alle  Staubblätter  zuletzt  viel  länger  als  die  Perigonblätter. 
I.  Blüthenstand  mehr  oder  weniger   zahlreiche  Zwiebeln   tragend. 
a.  Blüthenstand  nur  Zwiebeln  tragend,  ohne  Blüthen. 

compact  um.  Zwiebeln  des  Blüthenstandes  meist  weiss  oder  grün- 
lich, einen  dichten  festen  Kopf  bildend,  oft  früh  abfallend.  —  Nicht  gerade 
selten.  —  A.  vineale  b.  compactum  Aschers.  Fl.  Brand.  I.  726  (1864). 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  41.  Richter  PI.  Eur.  I.  198.  A.  compactum 


110  Liliaceae. 

Thuill.  Fl.  Paris  2.  cd.  167  (1799).  Nyraan  Consp.  736.  —  Wie  bei  typicum 
wachsen  auch  bei  dieser  Form  die  Zwiebeln  bereits  im  Blüthenstande  au«. 
—   Hierzu  gehört 

2.  fv sec'sccns  (A.  u.  G.  Syn.  III.   110  [1905].  A.  vineale  y.  affine  Regel 
All.  adh.  cogn.  Monogr.  41   [1875]   nicht  Boiss.).    Zwiebeln  des  Blüthen- 
standes  mehr  oder  weniger  roth  gefärbt.  —  Nicht  sehr  selten. 
b.  Blüthenstand  mit  Zwiebeln  und  Blüthen. 

1.  typicum.  Blüthen  im  Blüthenstande  meist  nicht  zahlreich,  meist  eine 
lockere,  selten  eine  dichtere  Dolde  bildend.  Perigonblätter  aussen  mit 
glattem  Kiel.  —  Die  bei  weitem  häufigste  Form.  —  A.  vineale  A.  I. 
b    typicum  A.  u.  G.  SyD.  III.  110  (1905).  —  Hierzu  gehören 

b.  vircns    (Boiss.  Fl.  Or.  V.  236    [1884J.     A.    affine    Boiss.    u.    Heldr. 
Diagn.    ser.    2.    IV.    114    [1859].     Nyman    Consp.    736    nicht   Ledeb. 
A.    vineale    c)    affine    Richter    PI.    Eur.    I.    198    [1890]).      Hülle    des 
Blüthenstandes  meist  mehr  verlängert,   deutlicher  laubartig.     Perigon- 
blätter grünlich,  roth  überlaufen.  —  Ziemlich  selten. 
2.  Pürshii  i)    (Regel  a.  a.  O.    [1875].    A.  Purshii   Don  Monogr.    10 
[1826].     A.  canadense  der  Gärten  nach  Kunth  Enum.  pl.  IV.  383 
[1843]).     Zwiebeln    des  Blüthenstandes    bereits    während    oder    bald 
nach   der  Blüthe  Blattbüschel  treibend.    Blätter  öfter  rauh.  —  Wie 
schon  Regel  (a.  a.  O.)  bemerkt,  keineswegs  nur  eine  Americanische 
Form,   sondern  in  gleicher  Ausbildung  auch  in  Europa. 

2.  asperiflorum.  Pflanze  oft  kräftiger.  Blüthenstand  fast  stets  ziemlich 
reichblüthig.  Perigonblätter  ziemlich  lebhaft  purpurn,  aussen  warzig 
rauh.  —  So  bisher  nur  im  südöstlichsten  Gebiete.  —  A.  vineale  8. 
asperiflorum  Regel  All.  adh.  cogn.  monogr.  41  (1875).  Richter  PI.  Eur. 
I.  198.  A.  lioldceum  F.  Läng  nach  Regel  a.  a.  O.  (1875)  nicht  Willd. 
oder  Wall.  —  Vielleicht  von  grösserer  systematischer  Selbständigkeit. 

II.  Blüthenstand  keine  Zwiebeln,  nur  Blüthen  tragend. 

capsulif erum.  Perigonblätter  meist  dunkler  gefärbt.  —  Selten  aber 
im  ganzen  Gebiete.  —  A.  vineale  ß.  capsuli/crum  Koch  Syn.  ed.  2.  831 
(1844).  Aschers.  Fl.  Brand.  I.  726.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  41. 
Richter  PI.  Eur.  I.  199.  A.  descendens  Koch  Syn.  ed.  1.  719  (1837).  Nyman 
Consp.  736  nicht  L.  —  Diese  Form  wird  öfter  mit  A.  sphaerocephalum  ver- 
wechselt, unterscheidet  sich  aber  von  ihm  schon  durch  die  lang  zugespitzte 
Hülle  und  die  den  unteren  ungetheilten  Theil  des  Staubfadens  an  Länge 
übertreffenden  Mittelspitze. 

Hierher  gehört,  wie  bereits  Regel  (All.  adh.  cogn.  Monogr.  72  [1875]) 
bemerkt  A.  monspessuldnum?)  Willd.  Enum.  hört.  Berol.  Suppl.  16  (1813). 
Nyman  Consp.  7o6.  Richter  PI.  Eur.  I.  202.  A.  litoreum  Don  Monogr.  8 
(1826)?  welches  wohl  nichts  als  eine  Form  des  A.  vineale  ohne  Zwiebeh) 
im  Blüthenstande  ist. 

B.    Aeussere    Staubblätter    kürzer,    immer    zuletzt    so    lang   oder   etwas 
länger  als  die  Perigonblätter. 

Köchii3).  Blätter  im  unteren  2/3  ihrer  Länge  riemenförmig, 
mehr  oder  weniger  flach,  oberwärts  stielrund,  oder  fast  stielrund. 
Blüthenstand  reichblüthig  mit  wenigen  oder  ganz  ohne  Zwiebeln. 
Perigonblätter  spitz,  dunkel  karmoisinroth. 


i)  S.  II.   1.  S.  375  Fussn.   1. 

2)  S.  I.  S.  215   Fussn.  2. 

3)  Nach  Hans  Peter  Gyllenbourg  Koch,  *  1.  Nov.  1807  f  23.  März  1883 
Ri6erup  (Falster),  Propst  auf  Falster,  um  die  Flora  dieser  Dänischen  Insel  verdient. 
Verf.  von :  Om  Falsters  Vegetation  Vid.  Meddelelser  Nat.  Forening  Ki0benh.  2  Aart. 
IV.  79  (1862).    Nachtr.  4  Aart.  III.   77  (1881)  (Ostenfeld  br.). 


Allium.  111 

Auf  Dünen.  Bisher  im  Gebiete  nur  in  Mecklenburg:  Warne- 
münde  (E.  H.  L.  Krause  Ber.  DBG.  VI.  304  [1888]. 

A.  vineale  d)  Kochii  Richter  PI.  Eur.  I.  198.  A.  u.  G.  Fl. 
Nordostd.  Flachl.  189.  A.  Kochii  Lange  Haandb.  3  Udg.  254 
(1864).  Fl.  Dan.  t.  2716  (1864).  Nyman  Consp.  736.  Suppl.  307. 
A.  vineale  b)  arenarium  Brand  in  Hallier-Wohlfarth  Koch's  Syn. 
IL  2491   (1904). 

(Verbreitung  der  Rasse:  Dänemark;  Schweden.) 

(Verbreitung  der  Art:  Fast  ganz  Europa  mit  Ausnahme  des 
nördlichsten  und  des  östlichsten;  Nord- America.)  * 

2.  Blüthenstand  nur  Blüthen,   keine  Zwiebeln  tragend. 

769.  (7.)  A.  sphaeroeephalum x).  2\-.  Zwiebel  eiförmig,  meist  mit 
sitzenden  oder  gestielten  weissen  Nebenzwiebeln,  von  weissen  bis 
bräunlichen,  meist  nur  mit  wenigen  Rissen  zerreis  senden 
Häuten  umgeben.  Stengel  meist  starr  aufrecht,  meist  4 — 8  dm  hoch, 
nur  im  unteren  1/3  bis  zur  Hälfte  von  Blättern  umgeben.  Blätter 
halbstielrund,  weitr innig,  an  der  Spitze  stielrundlich,  viel  kürzer  als 
der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  zuerst  1 ,  zuletzt  oft 
zweiklappig,  häutig,  kurz  zugespitzt,  bleibend  oder  bald  abfallend, 
länger  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstand  sehr  dicht,  vielblüthig, 
kugelig  oder  eiförmig,  massig  gross,  meist  nicht  viel  über  3  cm  breit. 
Innere  Blüthenstiele  bis  3  mal  länger  als  die  Blüthen,  die  seitlichen 
meist  mehr  oder  weniger  abwärts  gerichtet,  oft  kaum  so  lang  als  die 
Blüthen.  Perigon  meist  eiförmig-glockig.  Perigonblätter  elliptisch  oder 
eiförmig-elliptisch  bis  länglich,  etwa  6 — 7  mm  lang,  meist  stumpf,  seltener 
spitz,  am  Rücken  gekielt,  lebhaft  bis  dunkler  purpurn,  am  Kiele  glatt 
oder  etwas  rauh,  seltener  an  der  ganzen  Rückenseite  rauh.  Staub- 
blätter länger  als  die  Perigonblätter.  Staubfäden  am  Grunde 
verbreitert,  am  Grunde  mit  den  Perigonblättem  verbunden,  die  Mittel- 
spitze  der  inneren  ungefähr  so  lang  oder  etwas'  länger 
als  die  seitlichen,  kürzer,  bis  nur  halb  so  lang  als  der  untere 
ungetheilte  Theil  des  Staubfadens. 

Auf  Lehmäckern,  Weinbergen,  steinigen  Hügeln,  im  südlichen 
und  mittleren  Gebiet  zerstreut  bis  häufig,  in  den  Alpen  von  Wallis 
bis  1940  m  (Jaccard  349),  in  Tirol  bis  1300  m  (Sarnthein  br.) 
ansteigend,  nördlich  bis  zum  Belgischen  Berglande,  der  mittleren  Rhein- 
provinz !  Rheingau,  Offenbach,  Unterfranken !  vereinzelt  im  Fürstenthum 
Waldeck  bei  Füretenberg,  in  Thüringen  bei  Tennstedt  und  Weissensee, 
bei  Halle  a.  S.,  Sandersleben,  Aisleben!  (früher  bei  Stassf urt ! !),  Böhmen, 
Mähren,  W.  Galizien  (Tyniec),  Süd-Polen ;  wohl  nur  verschleppt  und  meist 
vorübergehend,  jenseits  der  Nordgrenze  im  Lippeschen  (Schlangen),  West- 
falen (Stemmerberg  Kr.  Lübbeke),  Hannover  (Lingen),  Holstein  (Plön, 
Oldenburg)   und    Brandenburg   (Friedersdorf    bei    Seelow!);    Dessau    (?). 


1)  Von  acpalga  Kugel  und  neg)aA^  Kopf. 


112  Liliaceae. 

Fehlt  in  Süd-Bayem,  dem  eigentlichen  Nord-Tirol,  Salzburg,  Steier- 
mark, Kärnten  und  Krain.  Bl.  Juni,  Juli,  mitunter  noch  August, 
Septem  her. 

A.  sphaerocephalum  L.  Spee.  pl.  ed.  1.  297  (1753).  Koch  Syn. 
ed.  2.  831.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  45.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  236. 
Nyman  Consp.  73ü.  SuppL  308.  Richter  PI.  Eur.  I.  199.  Rchb.  Ic.  X 
t.  CCCCXCII  fig.  108Ü.  A.  veronense  Poll.  PI.  nov.  9  (1816).  Porrum 
sphaerocephalum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  110  (1830).  A.  densiflöritw 
De  Not.  Rep.  fl.  Lig.  413  (1844).  A.  Deseglisii1)  Bor.  Not.  nov.  17 
(1853).  A.  approximätum  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  200  (1856). 
Nyman  Consp.  736.  A.  sphaerocephalo'ldes  Fouc.  Ann.  sc.  nat.  Char  - 
Inf.  1876.  6. 

Hat  in  der  Tracht  Aehnliehkeit  mit  A.  rotundum ,  unterscheidet  sich  aber 
leicht  durch  die  iueist  viel  dichteren  Blüthenstände,  die  weissen  Nebenzwiebeln, 
welche  meist  scharf  zweikantig  sind   und  die  das  Perigou  überragenden  Staubblätter. 

Einigermaassen  veränderlich,  bei  uns  kommen  in  Betracht 

A.    Blüthenstand  kugelig. 

I.  Blüthen  während  der  Blüthe  purpurn  oder  rosa  gefärbt. 

a.  typicum.  Perigonblätter  lebhaft  purpurn,  seltener  heller  roth  mit  meist 
glattem  Kiel.  —  Die  bei  weitem  häufigste  Form.    —    A.  sphaerocephalum 

a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  46   (1875). 

b.  Bosniacum.  Perigonblätter  rosa  gefärbt,  nach  der  Blüthe  verbleichend, 
mit  warzig-rauhem  Kiel.  —  So  bisher  nur  im  südöstlichen  Gebiete  in 
Ungarn !  und  Bosnien,  wohl  sicher  weiter  verbreitet.  —  A.  sphaerocephalum 
A.  I.  b.  Bosniacum  A.  u.  G.  Syn.  III.  112  (1905).  A.  bosniacum  Kumm. 
u.  Sendtn.  Flora  XXXIII  (1849)  762.  Nyman  Consp.  735.  A.  rotundum  var. 
Bosniacum  Aschers,  u.  Kanitz  Sitzb.  Cormoph.  Serb.  u.  Bosn.  18  (1877). 
—  Hiermit  wohl  identisch  ist  nach  Beck  (Glasn.  XV.  203  [67J  [1903]. 
Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  484  [78]  [1904])  auch  A.  Borbdsii*)  Kern. 
ÖBZ.    XXIX    (1879)   39.     Richter  PI.  Eur.  I.  199.     A.   sphaerocephalum 

b.  laxiflorum  Guss.  Syn.  fl.  Sic.  I.  393  (1842)?  A.  vineale  var.  asperifdlium 
Borb.  ÖBZ.  XXVII  (1877)  181.  A.  sphaerocephalum  var.  Borbdsii  Beck 
Glasn.  XV.  203  [67]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  484  [741  14 
(1904). 

II.  Blüthen   während  der  Blüthe  weisslich. 

v  ir  idi-albu  m.  Blüthenstand  rund.  —  Selten,  anscheinend  nur  im 
südlichen  Europa  verbreiteter.  —  A.  sphaerocephalum  5.  riridi-album  Regel 
All.  adh.  cogn.  Monogr.  47  (1875).  Richter  PI.  Eur.  I.  200.  A.  arvense  Guss. 
Fl.  Sic.  prodr.  I.  403  (1827)  736.  Nyman  Consp.  736.  Suppl.  308.  A.  viridi- 
album  Tin.  Cat.  pl.  Panorm.  275  (1827).  A,  parvißdrum  Desv.  Fl.  Anj.  96 
(1827).  A.  crinttum  Tausch  Syll.  II.  255  (1828).  Nyman  Consp.  736.  Ponum 
crinitum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  14016  (1830).  A.  tenuifldrum  Delastre  Fl. 
Vienne  430  (1842).  Nyman  Consp.  736  nicht  Ten.  A.  sphaerocephalum  ß. 
arvense  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  200  (1856). 

Die  Formen  dieser  Art  verdienen  fast  alle  genaueres  Studium  am 
lebenden  Material,  denn  während  es  einerseits  nicht  zu  leugnen  ist,  dass 
gewisse  Formen  besonders  descendens,  Bosniacum,  Sardoum,  viridi-album 
bisher  nur  auf  bestimmte  Theile  des  südlichen  Gebietes  beschränkt  sind  und 
auch    einen    eigenartigen    Eindruck    machen,    ist    doch    bisher    kein  Merkmal 


i)  S.  VI.   1.  S.   179   Fussn.   1. 

2)  S.  II.   1.  S.  396  Fussn.   1.     B.    ist    seit    1902   Professor  der  systematischen 
Botanik  und  seit  1903  Director  des  Botanischen  Garten  in  Klausenburg  (Kolozsvär). 


Alliuiu.  113 

bekannt,    welches    einigermaassen   constant  wäre  und  nicht  auch  an  Pflanzen 
anderer  Gebiete  zufällig  wieder  aufträte. 

Von  hier  nicht  erwähnten  Formen  ist  noch  aus  Europa  als  Art 
beschrieben:  trdchypusl)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  236  [1884].  Richter  PI. 
Eur.  I.  200.  A.  trachypus  Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  Ser.  1.  VII.  114  [1846]. 
Nyiuan  Consp.   736  Suppl.  308)  in  Griechenland. 

B.  Blüthenstand  länglich. 
Bei   uns  die  Unterart : 

B.  A.  (lescendens.  Zwiebel  fast  stets  ohne  Neben- 
zwiebeln, mit  meist  gestreiften  Häuten.  Stengel  ziemlich  hoch,  bis 
zur  Mitte  beblättert.  Blätter  unterseits  gekielt,  daher  3 kantig. 
Hülle  des  Blüthenstandes  eiförmig,  zugespitzt,  kürzer  als  der  Blüthen- 
stand, bald  abfallend.  Blüthenstand  wenigstens  zuletzt  eiförmig, 
wie  aus  2  zusammengesetzt.  Die  äusseren  Blüthen stiele  kurz, 
herabgebogen,  stets  nur  unfruchtbare  Blüthen  tragend, 
die  mittleren  sehr  verlängert,  aufrecht.  Perigon  schmal-glockig. 
Perigonblätter  länglich -linealisch,  stumpf,  die  äusseren  ge- 
kielt, purpurn.  Mittelspitze  der  inneren  Staubblätter  meist  etwas  kürzer 
als  die  seitlichen. 

Auf  Hügeln,  in  Weinbergen  nur  im  südlichen  Gebiete. 

A.  descendens  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  298  (1753)  z.  T.  Sibth.  u.  Sm. 
Fl.  Graec.  IV.  15  t.  316  (1823).  Nyman  Consp.  736.  Rchb.  Ic.  X 
t.  CCCCXCIII  fig.  1082.  Nyman  Consp.  736.  A.  segetum  Jan  in 
Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1020  (1829).  Nyman  Consp.  736.  Porrum 
descendens  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  110  (1830).  A.  macroeephalum'2)  vel 
corntitum  Kitaib.  Linnaea  XXXII.  349  (1863).  A.  nitens  Sauze  u. 
.Mnill.  Cat.  Deux  Sevres  51  (1864).  A.  sphaerocephalum  ß.  descendens 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  47  (1875).  Richter  PI.  Eur.  I.  199. 
A.  Röllii3)  Terracc.  Malpighia  III.  289  (1889).  A.  sphaerocephalum 
d.  Röllii  Richter  PI.  Eur.  I.  200  (1890). 

Wie  bereits  Regel  (a.  a.  O.)  betont,  sind  die  Merkmale  dieser  Form  ausser- 
ordentlich veränderlich  und  sind  keineswegs  mit  der  Gestalt  des  Blüthenstandes 
zusammenhängend.  Meist  sind  .auch  bei  dieser  Form  die  Zwiebelhäute  weiss  und 
wenig  zerschlitzt,  seltener  braun  oder  rothbraun,  oder  mehr  oder  weniger  stark 
zerschlitzt,  seltener  beides  zugleich. 

Das  von  Regel  hierher  gezogene  Sardu'um  (Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
47  [1875].  Richter  PI.  Eur.  I.  200.  A.  sarddum  Moris  Stirp.  Sard.  elench.  fasc.  II. 
10  [1829].  Nyman  Consp.  736.  Suppl.  308.  A.  Ghcrurdi  *)  De  Not.  Rep.  fl.  Lig. 
412  [1844])  mit  schmalem  verlängerten  Blüthenstande  bisher  nur  im  südlicheren 
Mittelmeergebiete. 


')  Von  iQa%üs  rauh  und  novg  Fuss,  hier  Blüthenstiel. 

-)  Von   (taUQÖS  I<mg,  gross   und   xecpaÄSj  Kopf. 

3)  Nach  Ettore  Rolli,  *  1818?  f  16.  Jan.  1876  58  Jahr  alt  Rom,  Apotheker 
und  Professore  „di  botanica  pratica"  daselbst,  verdient  um  die  Flora  Roms,  Verf. 
von  Romanarum  plantarum  Centuria  XVIII.  Rom  (1852?)  Sein  Herbar  befindet 
sich  im  Botanischen  Garten  in  Rom  (Saccardo  I.   140.  II.  93). 

■i)  Nach  Bartolomeo  Gherardi,  *  1783  f  1857  Albenga  in  West-Ligurien, 
Professor  der  Chirurgie  an  der  Universität  Genua,  um  die  Flora  Liguriens  verdient. 
Sein  Herbar  befand  sich  1883  in  Albenga  in  Besitz  seines  dort  als  Arzt  wohnhaften 
Sohnes  (Saccardo   1.   81.   II.  54). 

Aschersoii  u.  Graelmer,  Synopsis.  III.  8 


114  Eiliaceae. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Süd-Frankreich;  Italien;  Sicilien;  Balkan- 
halbinsei;  Kaukasus;   Klein- Asien;  Syrien;   Palästina.)  |hT| 

(Verbreitung  der  Art:  England;  Frankreich:  Iberische  Halbinsel; 
Italien;  Balkanhalbinsel;  Mittleres  und  südliches  Russland;  Kaukasus; 
Vorder-Asien  bis  Persien :  Nord-Africa.)  TjT 

770.  (8.)  A.  margaritaceiMl.  2\.  Zwiebel  eiförmig,  ohne  oder 
mit  Brutzwiebeln,  mit  meist  weisslichen  oder  zuletzt  bräunlichen  ganzen 
oder  zuletzt  fast  stets  sich  in  faserige  Reste  auflösenden 
Häuten.  Stengel  meist  3  dm  bis  etwa  1  m  hoch,  im  unteren  ]/3  oder 
bis  über  die  Mitte  mit  Blattscheiden  bedeckt,  länger  als  die  Blätter. 
Blätter  halbstielrund  bis  stielrund,  oberwärts  rinnig.  Hülle  eiförmig, 
zuerst  ein  klappig,  plötzlich  zugespitzt,  den  Blüthenstand  überragend, 
bald  meist  in  mehr  oder  weniger  zahlreiche  schmale  »Stücke  zerspaltend, 
die  so  lang  oder  kürzer  als  die  Blüthenstiele  sind.  Blüthenstand  ziem- 
lich vielblüthig,  viel  lockerer  als  bei  voriger,  meist  halbkugelig,  seltener 
kugelig  oder  gar  verlängert.  Blüthenstiele  am  Grunde  mit  ziemlich  an- 
sehnlichen weisshäutigen  Hochblättern,  ziemlich  gleichlang,  oder  die 
äusseren  nicht  allzuviel  (meist  bis  zur  Hälfte)  kürzer.  Perigonblätter 
klein,  länglich  bis  länglich-linealisch  gekielt,  stumpflich  oder  seltener 
etwas  spitz,  am  Rücken  glatt,  weisslich  oder  grünlich,  mit  grün- 
lichem Kiel,  seltener  rosa  oder  purpurn  gefärbt.  Staubblätter  länger 
als  die  Perigonblätter,  die  äusseren  schmal-linealisch-lanzettlich,  ober- 
wärts pfriemlich,  die  Mittelspitze  der  inneren  nur  etwa  halb 
so  lang  als  die  seitlichen,  etwa  so  lang  als  der  untere 
unget heilte  Theil  des  Staubfadens.  Frucht  länger  als  die 
Perigonblätter. 

Auf  Hügeln,  an  Abhängen  nur  im  Gebiet  der  Adria.  Dalmatien! 
Hercegovina.    Montenegro.     Bl.  Juni,  Juli. 

A.  margaritaceuni  Sibth.  u.  8m.  Fl.  Graec.  prodr.  I.  224  (1806). 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  50-  Boiss.  Fl.  Or.  V.  239.  Beck  Wiss. 
Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  484  [78]  (1904).  Nyman  Consp.  736.  Suppl. 
3U8.  Richter  PI.  Eur.  I.  200.  Rchb.  Ic.  X-t.  CCCCXCI  fig.  1077.  A. 
guttätum  Steven  s.  unten  (1809)  erw.  D'Urv.  Enum.  38  (1822).  A. 
Frivaldslcyänum1)  Kunze  Linnaea  XVI.  311  (1842). 

Einigeruiaassen  veränderlich  in  der  Grösse,  der  Zahl  der  Blüthen  im  Blüthen- 
stande  und  der  Farhe  der  Perigonblätter.  Ausserhalb  des  Gebietes  werden  eine 
Anzahl  von  Rassen  unterschieden,   von   denen   in  Europa  vorkommen:   B.  guttätum 


i)  Nach  Emmerich  Frivaldszky  von  Frivald,  *  6.  Febr.  1799  (v.  Degen 
br.)  Bacsko  (Ct.  Zemplin)  f  19.  Oct.  1870  Budapest,  Custos  am  National-Museum 
und  Mitglied  der  Akademie  daselbst,  welcher  Ungarn  nach  allen  Richtungen  bereiste, 
indem  er  neben  seinem  Hauptfachs,  der  Entomologie  auch  Botanik  berücksichtigte. 
Am  bekanntesten  ist  seine  Thätigkeit  für  die  Natu  nieschiebte  der  Türkei,  wohin  er 
1833  —  8  die  Sammler  Andreas  Füle  (bei  Slivno  spurlos  verschwunden),  Karl 
Hinke  (*  18  ?  Berlin  f  1836  Saloniki)  und  Manolesco  entsandte;  später  be- 
reiste er  dieses  Gebiet  auch  selbst  mit  seinem  Neffen  Johann  v.  F.,  ebenfalls  Custos 
am  National-Museum.  Die  neuen  Arten  veröffentlichte  F.  in  Flora  XVIII  (1835) 
und  XIX  (1836);  der  eigentliche  Autor  dieser  Diagnosen  war  aber  der  Cameral- 
coneipist  Joseph  Sändor  (Degen   It.,   vgl.  Kauitz  Linnaea  XXXIII.  594). 


Alliuin.  115 

(J.  Gay  Ann.  sciences  nat.  ser.  3.  VIII.  223  [1847].  Richter  PI.  Eur.  I.  200.  A. 
guttatum  Stev.  Mem.  Soc.  Mose.  II.  173  t.  11  fig.  1  [1809].  Nyman  Consp.  736 
Suppl.  308)  mit  etwas  rauhen  Blättern,  kugeligem  Blüthenstande  und  weissen  mit 
violettem  bis  bräunlichem  Flecke  versehenen  Perigonblättern  in  Süd-Russland  und 
im  Kaukasus.  —  C.  Tenor ii  l)  (Pari.  Fl.  It.  III.  568  [1858].  A.  lineare  Ten. 
Syll.  164  [1831])  in  Italien. 
Bei  uns  nur: 

A.  typicum.  Pflanze  glatt  und  kahl.  Blüthenstand  halbkugelig  oder 
kugelig,  seltener  eiförmig.  Perigonblätter  weiss  oder  schwach  rosa 
gefärbt  mit  grünem  Mittelstreifen  oder  am  Rücken  grünlich  gestreift. 
Hülle  des  Blüthenstandes  meist  in  lanzettliche  Theile  zerreissend. 
Staubfäden  kahl. 

Die  verbreitetste  Rasse. 

A.  margaritaceum  a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
50  (1875).   A.  lineare  ß.  Ten.  Syll.  164  (1831). 

Hierzu  gehört: 
II.  rubellum.     Perigonblätter    röthlich.     Bisher    nur   auf  der  Balkanhalbinsel, 
wehl  auch  im   südöstlichen  Gebiete.  —  A.  margaritaceum  y.  rubellum  Boiss. 
Fl.  Or.  V.  240  (1884). 

(Verbreitung   der  Rasse    und    der  Art:    Iberische  Halbinsel;  • 
Italien;  Sicilien;  Balkanhalbinsel;  Süd-Russland;  Kaukasus;  Vorder- 
asien bis  Mesopotamien  und  Persien;   Nord-Africa.)  pT 

B.  Staubfäden    sämmtlich   einfach    oder   die    inneren   etwas    verbreitert,     B. 
dann  aber  höchstens  am  Grunde  jederseits   mit  einem   kurzen,    nie- 
mals die  die  Staubbeutel  tragende   Mittelspitze    erreichenden  Zahne. 

I.  Rhizirideum2)  (Don  Mem.  Werner  Soc.  VI.  55  [1826].  Koch  L 
Syn.  ed.  2.  828.  Aschers.  Fl.  Brand.  I.  723.  Fourr.  Ann.  Soc. 
Linn.  Lyon  n.  s.  XVII.  160  [1869  als  Gatt.].  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
230.  Rhiziridium  Kunth  Enum.  IV.  418  (1843).  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  11,  24,  126.  Angainum  Don  a.  a.  O.  96  [1826]). 
S.  S.  97.  Grundachsen  mehrerer  früherer  Jahrgänge  eine  wage- 
rechte Scheinachse  bildend.  Grundtheil  der  Blätter  wenig  verdickt, 
daher  kaum  eigentliche  Zwiebeln  bildend.  —  Die  Hauptknospe  ent- 
wickelt oft  schon  zur  Blüthezeit  ihrer  Mutterachse  ein  Laubblatt, 
welchem  dann  ein  Scheidenblatt  folgt  oder  das  erste  Blatt  der 
Hauptknospe  ist  ein  Scheiden blatt.  Alle  übrigen  (bei  A.  strictum 
zur  Blüthezeit  bereits  bis  8)  sind  Laubblätter  mit  linealischen,  auch 
in  der  Knospenlage  fast  flacher  seh wachrinniger  Blattfläche.  Blüthen- 
stand dicht  kugelförmig  oder  halbkugelförmig,  ohne  Zwiebeln.  Hülle 
des  Blüthenstandes  2 — 3  spaltig,  bleibend,  ihre  Abschnitte  nicht  zu- 
gespitzt. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch  A.  lineare  (L.  Spec.  pl.  ed.  1. 
295  [1753].  A.  deflexum  Willd.  Spec.  pl.  IL  6(3  [1799],  A.  strictum  ß.  tor- 
tuösum  Trev.  Mon.  10  [1822])  in  Süd-Russland  und  iu  Asien.  —  A.  senes- 
cens  (L.  Spec.  pl.  ed.  1.  299  [1753].  A.  purpurum  Salisb.  Hort.  Chap.  Aller. 

i)  S.  IL  1   S.  280  Fussn.  2. 

a)  Von    §l£a  Wurzel,    wegen    der   verlängerten  Grundachse    auf  eine  uns  un- 
verständliche Art  (ob  mit  Hineinziehung  des  Namens  Iris?)  gebildet. 


IIH  Liliaceae. 

235  [17m6J)  im  südöstlichen  Bassland  durch  Sibirien  bis  Japan.    A.  dlbidum 

Fisch.  Cat.  Gorenk.  1812.  10.  A.  angulomm  Güldenst.  Reise  I.  191  [1787] 

nicht  L.    A.  denudäkm   Red.  Lil.  t.  357  [1812].    A.  flav&eens  Bess.  Enuro. 

56    [1821],     A.   Stell er idnum  I)    Uess.  Cat,    hört.   Crem.    1824)    im    südlichen 

Bussland,   im   Kaukasus   und   Sibirien. 

a.  a.  Zwiebel  mit  netzförmig  zerfasernden  Häuten,  an  der  Grundachse 

dal icr  zahlreiche,  oft  dicht  gedrängte  Fasern. 
1.  1.  Staubblätter  so  lang  oder  länger  als  die  Perigonblätter.    Faser- 

netz der  äusseren   Zwiebelhäute  dicht. 

771.  (9.)  A.  victorialis  8)  (AUermannsharmisch,  Almanachharnisch, 

Lahnawurz,  Siegwurz;  in  den  Vogesen  und  der  Schweiz:  Ninihämeler 
(Neunhemdelein);  böhm.:  Devatero  odeni).  Grundachse  schräg  auf- 
steigend, mit  cylindrischen  bis  schlank  spindelförmigen,  aussen  mit 
einem  dichten  Fasernetz  umgebenen  braunen,  seltener  schwärzlichen, 
meist  0,3 — 1  dm  langen  Zwiebeln.  Stengel  rund,  aufrecht,  meist  3  bis 
6  dm  hoch,  unter  der  Mitte  meist  2 — 3  Blätter  tragend.  Blätter  flach, 
länglich-lanzettlich  oder  länglich-elliptisch,  seltener  fast 
eiförmig,  meist  2 — 3  (selten  bis  8)  cm  breit,  in  einen  Stiel  ver- 
schmälert, stumpf  oder  spitz.  Hülle  des  Blüthenstandes  häutig, 
weisslich,  so  lang  oder  etwas  länger  als  der  Blüthenstand,  1 — 2  klappig. 
B 1  ü  t  h  e  n  s  t  a  n  d  vor  de  m  A  u  f  b  1  ü  h  e  n  nicke  n  d ,  meist  ziemlich 
vielblüthig,  etwas  locker,  kugelig  oder  halbkugelig,  selten  etwa-  ver- 
längert. Blüthenstiele  länger  bis  etwa  doppelt  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter. Perigonblätter  weiss  oder  gelblich,  etwa  5  mm  lang. 
Stumpflich,  beim  Aufblühen  zusammenneigend,  dann  abstehend  oder  zu- 
rückgesehlagen, die  äusseren  länglich  oder  eiförmig-länglich,  die  inneren 
eiförmig  oder  länglich-eiförmig.  Staubblätter  (bi>  um  die  Hälfte) 
länger  als  d  ie  Perigonblätter,  die  äusseren  pfriemlich-linealisch, 
die  inneren  lanzettlich  oder  linealisch-lanzettlich,  in  eine  pfriemliche  Spitze 
verschmälert  Narbe  sehr  klein.  Frucht  breit-verkehrt-herzförmig,  zuletzt 
weit   aufspringend. 


i)  Nach  Georg  Wilhelm  Steller,  *  10.  März  1709  Windsheim  (Unterfranken), 
welcher  1734  als  Arzt  nach  Russland,  1738  nach  Kamtschatka  ging,  von  welcher 
Halbinsel  und  ihren  Naturerzeugnissen  er  die  classische  Darstellung  (Beschreibung 
von  dem  Laude  K.  Frankfurt  a.  M.  und  Leipzig  177  1)  geliefert  hat.  Er  schloss 
rieh  der  zweiten  Expedition  des  Dänischen  von  Peter  den  Grossen  in  Russische 
Dienste  gezogenen  Seemannes  Vitus  Bering  (nicht  Behring!),  *  168.">  an,  welcher 
in  äusserster  Noth  durch  Hunger  und  Skorbut  die  nach  diesem  benannte  Insel 
im  November  17  11  erreichte.  Bering  starb  dort  am  8.  December,  während  es 
Steiler  gelang,  im  folgenden  Jahre  Kamtschatka  wieder  zu  erreichen;  auf  der  Bück- 
reise nach  Russland  begriffen,  starb  er  1745  durch  Erfrieren.  Bekannter  a\>  die 
(von  J.  G.  Gmelin  in  Linnc  Nova  pl.  gen.  16  [1747])  ihm  gewidmete  Thymelaea- 
ceengattuug  Stellera  isl  die  von  ihm  an  der  Käste  der  Bering-Insel  angetroffene, 
schon   ein    Menschenalter  darauf  ausgerottete   „Seekuh"   (Rlnitina  stelleri), 

'■)  Victorialis,  Siegwurz,  zuerst  bei  ( '.  Gesner,  weil  die  Zwiebel  (wie  die 
Knolle  vi  ii  Gladiolus)  als  schützendes  Amulel  von  Kriegern  getragen  wurde  (s.  S.  117) 

Dlld     daher     den     Sieg     über    einen     nicht     geschützten     Gegner     verleihen     sollte.      Die 

Schriftsteller  des  Mittelalters  erwähnen  diese   Pflanze  nicht  (Fischer-Benzon  47). 


Alliuin.  117 

An  felsigen  Orten,  zwischen  Gerolle,  an  Grasplätzen  der  subalpinen 
und  alpinen  Region,  in  Wallis  1500 — 2200  m  (Jaccard  349),  in  Tirol 
17 00 --2 300  (Sarnthein  br.),  im  Alpengebiet!  von  den  Seealpen  bis 
Montenegro,  im  Jura,  den  südlichen  Vogesen !  (Schwarzwald  früher); 
Sudeten ! !  in  den  Karpaten  vom  Ct.  Trencin  bis  zum  Banat.  Bl.  Juli, 
August. 

A.  Victoriaiis  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  295  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
826.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  170.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  245.  Nyman 
Cousp.  739.  Suppl.  308.  Richter  PL  Eur.  I.  205.  Rchb.  Ic.  X  t.  DVIII 
fig.  1170.  A.  plantaginemn  Lam.  Encycl.  I.  65  (1783).  Cepa  Vic- 
torialis  Moench  Meth.   243  (1794). 

Ziemlich  wenig  veränderlich.  Die  Abänderungen  in  der  Blattbreite,  der 
Bliithenzahl  und  Blüthengrösse,  die  am  auffälligsten  sind,  erscheinen  wenig  be- 
lnerkeuswerth. 

Die  Grundachse  und  Zwiebeln  mit  den  zerfasernden  Zwiebelhäuten  spielten  in 
der  Vorzeit  als  Heilmittel  und  Amulet  eine  grosse  Bolle.  Sie  sollte  ihren  Träger 
unter  bestimmten  Voraussetzungen  schuss-  und  hiebfest  machen,  daher  der  deutsche 
Name.  Der  Glaube  an  ihre  Schutzkraft  namentlich  gegen  Behexung  des  Viehs  ist 
auch  heut  noch  nicht  im  Volke  erloschen.  Sie  theilt  im  Volksglauben  noch  diese 
Eigenschaft  mit  den  mit  ähnlichen  Hüllen  versehenen  Gladiolus-KnoUen,  welche  in 
der  pharmaceutischen  Sprache  von  dem  Allium-'RMzom.  (Radix  Victoriaiis  maris  seu 
longae)  als  Radix  Victoriaiis  feminae  seu  rotundae  unterschieden  wurden  und  deutsch 
ebenfalls  Siegwurz  heissen.  Dementsprechend  bezeichnet  noch  heut  das  Volk  Allium 
als  männlichen  (Männlein),  Qladiolus  als  weiblichen  Allermannsharnisch  (Fräulein) 
und  glaubt,  dass  ersterer  als  Liebeszauber  oder  Aphrodisiaeum  bei  weiblichen,  letztere 
aber  bei  männlichen  Menschen  und  Thieren  besonders  wirksam  sei.  Auch  Alraune 
ivurden  aus  dem  JLWiMwi-Rhizom  hergestellt,  so  der  berühmte  der  "Wiener  Kaiserl. 
Hofbibliothek.  Vgl.  Beyer  u.  Ascherson  sowie  Beckmann  und  Perrin  in 
Verhandl.  d.  Berliner  Ges.  f.  Anthropol.  in  Zeitschr.  für  Ethnologie  XXIII  (740), 
(741). 

(Iberische  Halbinsel;  Pyrenäen;  Frankreich;  nördliche  Balkanhalb- 
insel; Kaukasus;  Asien;  Nord- America.)  ~&\ 

772.  (10.)  A.  strictum.  2J_.  Grundachse  schräg  aufsteigend,  mit 
fast  cylindrischen  bis  sehr  schlank-eiförmigen,  von  einem  dichten  gelb- 
braunen bis  graubraunen  Fasernetz  umgebenen  bis  über  1  dm  langen 
Zwiebeln.  Stengel  aufrecht  oder  bogig  aufsteigend,  meist  2 — 5  dm 
hoch,  unter  der  Mitte  mit  1 — 4  Blättern,  oft  nur  mit  einem  Blatte,  in 
dessen  Achsel  1  bis  ziemlich  zahlreiche  (8)  Blätter  stehen.  Blätter 
linealisch  bis  breit-linealisch,  meist  nicht  über  5  mm  breit,  oberseits 
flach,  unterseits  gewölbt,  am  Rande  sehr  fein  gezähnelt,  kürzer,  seltener 
so  lang  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  häutig,  weisslich, 
zweiklappig,  mit  eiförmigen  oder  rundlichen  spitzen  Klappen,  etwa  so 
lang  oder  etwas  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthen  stand  viel- 
blüthig,  ziemlich  dicht,  kugelig  oder  halbkugelig,  aufrecht.  Blüthen- 
stiele  so  lang  bis  doppelt  so  lang  als  die  Blüthen.  Perigonblätter 
länglich-eiförmig  bis  länglich-lanzettlich,  meist  4 — 5  mm  lang,  stumpf 
oder  seltener  spitzlich  oder  spitz,  purpurn  oder  rosa  gefärbt.  Staub- 
fäden so  lang  oder  bis  1/3  länger  als  die  Perigonblätter,  am  Grunde 
unter  sich    und    mit    den  Perigonblättern   verbunden,    die   äusseren    aus 


118  Liliaceae. 

verbreitertem  Grunde  linealisch,  die  inneren  am  Grunde  eiförmig,  meist 
jederseits  mit  einem  kurzen,  stumpfen  oder  spitzen  Zahne.  Narbe 
deutlich  verdickt.  Kapsel  verkehrt -herzförmig,  fast  so  lang  als  die 
Perigonblätter. 

An  felsigen  Orten,  an  Abhängen  wenig  verbreitet,  in  Mitteldeutsch- 
land und  Nordböhmen  öfter  auf  Basalt  und  Phonolith,  in  den  Alpen  bis 
ca.  2500  m,  in  Tirol  bis  1550  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend.  Monte 
Viso.  Dauphine:  Isere  und  Hautes-Alpes.  Wallis:  Heremence  und  Zer- 
matt !  Engadin.  Süd-Tirol  (Laas,  Graun  im  Vintschgau,  Gossensass, 
Ahrnthal).  Böhmen  um  Prag!!  Bösig;  Rollberg  bei  Niemes;  Kleis  bei 
Haida  (Celakovsky  Prodr.  91,  752);  Schlesien:  Probsthainer  Spitz- 
berg  (Dresler!).  Hessen:  Bielstein !  und  Goldberg  unweit  dos  Meissners. 
Die  Angaben  in  Thüringen  am  Kyffhäuser  und  bei  Nebra  sehr  zweifel- 
haft.    Bl.  (Mai)  Juni,  Juli. 

A.  strictum  Schrad.  Hort.  Goett.  t.  1  (1809).  Koch  Syn.  ed.  2. 
829.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  164.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  246.  Nyman 
Consp.  738.  Suppl.  308.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXCIII  fig.  1081.  A. 
microc&phalum*)  Tausch  Flora  II  (1819)  492.  A.  reticulätum  Presl 
Fl.  Cech.  73  (1819).  A.  volhf/nicum  Bess.  Catal.  hört.  Crem.  Suppl. 
III.  2  (vor  1820).  Enum.  Volh.  14  (1820).  A.  suaveolens  Gaud.  Fl. 
Helv.  IL  491  (1828)  nicht  Jacq.  Porrum  strictum  Rchb.  Fl.  Germ, 
exe.  111   (1830). 

Zerfällt  in  mehrere  Rassen,  die  jedoch  meist  nur  in  Asien  vorkommen,  in 
Europa  nur: 

A.  typicum.  Perigonblätter  stumpf  oder  stumpflich,  purpurn  oder 
rosa  gefärbt.  Innere  Staubblätter  jederseits  mit  einem  Zahne.  — 
A.  strictum  a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.   165  (1875). 

Hierzu  gehört 
II.  ramdsum    (A.  ramosum  Fisch.  Herb,  nach  Eegel  a.  a.  O.  [1875]).    Blätter 
breit-linealisch.  —  Selten. 

B.  Christii2).  Zwiebel  mit  braunem  Fasernetz.  Stengel  bis  3  dm 
hoch,  bis  zur  Mitte  beblättert.  Blätter  wenig  kürzer  als  der  Stengel. 
Blüthenstiele  ziemlich  gleichlang,  etwa  5  mm  lang,  etwa  so  lang  als 
die  Blüthen.  Perigonblätter  länglich-lanzettlich,  stumpflich,  seltener 
:ius»-erandet  oder  spitzlich,  hellrosa  gefärbt,  am  Rücken  gekielt. 
Stau  h  b  1  ü  1 1  e  r  etwa  so  lang  als  die  Perigonblätter  m  i  t  am  Grunde 
wenig  verbundenen  ungezähnten,  schmal- linealischen  Staub- 
fäden und  braunen  Staubbeuteln. 

An  steinigen  Orten  bei  Zermatt  (Christ!),  wohl  weiter  ver- 
breitet. 

A.  strictum  B.  Christii  A.  u.  G.  Syn.  III.  118  (1905).  A. 
Christi  Janka  Linnaea  XXX.  605  (1859—60).  Regel  All.  adh. 
cogn.   Monogr.    173.    Richter  PI.  Eur.  I.   205. 

(Verbreitung  der  Ras.<e:  Bisher  nur  im  Gebiete.)  fjjTj 


i)   Von  /niy.QÖg  klein  und   ytecpaÄ>j  Kopf. 

2)  S.  I.  S.  229  Fnsso.  3,  VI.  1.  S.  205  Fussn.  3. 


Allium.  119 

(Verbreitung  der  Art :    Süd-Russland  ;    Kaukasus ;    Kleinasien ; 
Persien;  Sibirien  bis  Ostasien;  Sachalin.)  I^T 

2.  Staubblätter  erheblich  (meist  1/3 — 1h),  kürzer  als  die  Perigon- 
blätter.  —  Fasernetz  der  äusseren  Zwiebelhäute  locker. 

a.  Perigon  weiss. 

*f  A.  odürum.  Ü(.  Zwiebel  meist  aus  mehr  oder  weniger  verdicktem  Grunde 
verschmälert  mit  weissliehen  oder  bräunlichen,  seltener  schwärzlichen  Häuten.  Stengel 
meist  1,5 — 5  dm  hoch,  stielrund  oder  oberwärts  kantig,  nur  am  Grunde  von  Blättern 
umgeben  Blätter  schmal-linealisch  1  —  0  mm  breit,  gekielt.  Hülle  des  Blüthenstandes 
weiss-häutig,  kurz  zugespitzt,  zuerst  einklappig,  länger  als  der  Blüthenstand.  zuletzt 
oft  zerreissend  oder  z.  T.  abfallend.  Blüthenstand  reichblüthig.  Blüthen- 
stiele  dünn,  bis  2  cm  lang,  kantig,  meist  2 — 4mal  länger  als  die  Blüthen.  Perigon  - 
blätter  läuglich-lauzettlich,  seltener  länglich-eiförmig,  0,5 — 1  cm  lang,  weiss,  oft 
mit  grünem  Mittelstreifen.  Staubblätter  V2 — 2/s  so  lang  wie  die  Perigon- 
blätter,  am  Grunde  und  mit  den  Perigonblättern  verbunden,  die  äusseren  aus  breiterem 
Grunde  allmählich  verschmälert,  die  inneren  aus  eiförmigem  Grunde  pfriemlich. 
Griffel  sehr  kurz,  an  der  Spitze  nicht  verdickt,  uugetheilt. 

Von  Ural  östlich  durch  Sibirien  verbreitet,  bis  China  und  Japan  auch  auf  den 
Indischen  Gebirgen,  bei  uns  nicht  allzuselten  in  Gärten,  dort  sehr  leicht  verwildernd  : 
zuweilen  noch  ausserhalb  derselben  beobachtet,  so  1866  bei  Prag  auf  den  Felsen 
bei  Kuchelbad  (Celakovsky  Prodr.  Fl.  Böhm.  94.  Hock  Beitr.  Bot.  Central. 
XV.  406).     Bl.  Mai,  Juni. 

A.  odorum  L.  Maut.  I.  62  (1767).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  176.  A.  ta- 
taricum  Ait.  Hort.  Kew.  ed.  2.  II.  233  (1871)  nicht  L.  fil.  ^4.  uUginosum  Don 
Monogr.  60  (1826).  A.  Roxbnryhii  i)  Kunth  Enum.  pl.  IV.  454  (1843).  A.  chinense 
Maxim.  Prim.  fl.  Amur.  284  (1859).  A.  senescens  Miq.  Prol.  Fl.  Jap.  318  (1867) 
nicht  L. 

In  Gärten  meist  die  Rasse: 
B.  tuberosum  (A.  tuberosum  Roxb.  Hort.  Beng.  24  [1814]).    Blätter  breiter  als 
beim  Typus.     Blüthen  gross. 

b.  Perigon  rosa  oder  hellpurpurn. 

*f  A.  TatäriciUU.  Qj.  Zwiebel  cylindrisch  oder  länglich,  oberwärts  ver- 
schmälert, mit  dunkelbraunen  Häuten.  Stengel  1,5 — 2,5  dm  hoch,  steif  oder  hin- 
und  hergebogen,  nur  am  Grunde  von  1  in  eal-faden  form  igen,  1  —  2,5  mm  breiten, 
flachen  oder  am  Rande  eingerollten  Blättern  umgeben.  Hülle  des  Blüthenstandes 
häutig,  oft  geröthet,  anfangs  einklappig,  später  in  2 — 3  breite  eiförmige  Klappen 
zerreissend.  Blüthenstand  mehr-  bis  vielblüthig,  Blütheustiele  meist  6 
bis  10  mm  lang,  kaum  länger  als  der  Perigon,  seltener  15 — 25  mm  lang,  3 — 4  mal 
so  lang  wie  der  Perigon.  Per  igonblä  t  ter  länglich  bis  lineallanzettl  ich  , 
oberwärts  allmählich  lang- ve  r  schmäl  ert ,  spitz  oder  stumpflich,  rosa 
oder  hellpurpurn  mit  dunkleren  Mittelstreifen,  zuletzt  verbleichend, 
7 — 10  min  lantr.  Staubblätter  l/s  kürzer  bis  so  lang  als  die  Perigonblätter ;  alle 
aus  breiterem  Grunde  pfriemenförmig  verschmälert,  die  inneren  am  Grunde  etwas 
bis  doppelt  so  breit  als  die  äusseren.  Griffel  zuletzt  aus  dem  Perigon  her- 
vor  ragend. 


i)  Nach  William  Roxburgh,  *  1759  Craigie  (Ayrshire)  f  Mai  1815  Edin- 
burgh, 1793—1814  Inspector  (Superintendent)  des  Botanischen  Gartens  in  Calcutta, 
hochverdient  um  die  Flora  Indiens.  Verf.  von  Plants  of  the  Coast  of  Coromandel. 
3  Bände  London  1795  —  1819.  Hortus  Bengalensis.  Serampore  1814.  Flora  Indica. 
Calcutta  11.  London  1832.    3  Bände.   Britten  u.  Boulger  J.  of  Bot.  XXVIII.  245. 


120  Liliaceae. 

In  Süd-Russland.  West-Sibirien,  Turkestan  und  Nord-Persien  einheimisch;  bei 
uns  in  Gärten  gezogen  und  leicht  verwildernd.  Ausserhalb  derselben  beobachtet: 
Kassel  am  Weinberge  1887  (König  DBM.  V.  174.  Hock  Beitr.  Bot.  Centr.bl. 
XV.   406).      Bl.  Juni. 

A.  tataricum  L.  fil.  Suppl.  pl.  196  (1781).  Hegel  Mnnogr.  All.  adh.  cogn.  778. 
A.  ditiphanum  ')  Janka  Liunaea  XXX.  605  (ls59).  A.  Becker  idnum%)  Regel  Ind. 
sem.  II.  Petr.   1860.  30. 

773.  (11.)  A.  narcissiflörum.  -c4.  Zwiebeln  cylindrisch  oder  etwas 
verschmälert,  mei>t  etwa  3  cm  lang,  meist  an  der  Grundachse  dicht  ge- 
drängt, mit  zahlreichen  braunen  bis  schwärzlichen,  locker  anliegenden, 
kaum  netzförmig  verbundenen,  faserigen  Resten  der  Zwiebelhäute. 
Stengel  aufrecht  oder  bogig  aufsteigend,  meist  1  bis  über  3  dm  hoch, 
meist  rund  mit  mehr  oder  weniger  deutlich  herablaufenden  Kanten,  nur 
am  Grunde  beblättert.  Blätter  lebhaft  grün,  flach,  schmal-linealisch, 
meist  2 —  4  mm  breit,  kürzer  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes 
anfangs  1  klappig,  nachher  2 klappig,  durchsichtig-häutig,  anfangs  roth 
überlaufen,  so  lang  oder  etwas  länger  als  die  Blüthenstiele  mit  breit- 
eiförmigen spitzen  Klappen.  Blüthenstand  vor  dem  Aufblühen 
nickend,  ziemlich  arm-  (meist  nur  3 — 8-)  blüthig.  Blüthenstiele 
selten  etwa  so  lang  als  die  Blüthen,  fast  stets  kürzer.  Blüthen  sehr 
gross,  glockig.  Perigonblätter  elliptisch  bis  länglich-elliptisch  mit 
einer  zurückgebogenen  (oder  zuletzt  oft  vorgebogenen)  Stachelspitze, 
meist  1 — 1,2  cm  lang,  schön  rosa  gefärbt,  Staubblätter  etwa  halb 
so  lang  als  die  Perigonblätter,  aus  breiterem  Grunde  pfriemlich,  un- 
getheilt,  ohne  Zähne.  Griffel  kurz,  an  der  Spitze  3sp altig, 
etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter. 

Auf  Kalkfelsen  und  auf  Geröll  in  der  alpinen  Region  der  Süd- 
west-Alpen (2300 — 2600  m  Burnat  br.).  See-Alpen!  Provence  (auch 
Mont  Ventoux);  Dauphine!  Piemont.  Die  Angabe  dieser  alpinen  Art 
in  der  Küstenregion  Kroatiens  bei  Buccari  beruht  vermuthlich  auf  Ver- 
wechselung mit  A.  roseum  (Hirc  br.).     Bl.  Juli,  August. 

A.  narcissißnrum  Vill.  Prosp.  18  (1779).  PI.  Dauph.  II.  258 
(1787).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  181.  Nyman  Consp.  739. 
Suppl.  309.  Richter  PI.  Eur.  I.  205.  A.  grandiflörum  Lam.  EncycL 
I.  68  (1783).  A.  narcissifolinm  Lam.  a.  a.  O.  (1783).  A.  nigrum 
All.  Fl.  Pedem.  no.  1881  (1785)  nicht  L.  A.  pedemontänum  Willd. 
Spec.  pl.  II.   77  (1799).     Rchb.  Ic.  X  t.  DIV  fig.   1104. 

Eine  sehr  schöne  Pflanze,  durch  ihre  grossen  rosafarbenen  Blüthen  sehr  aus- 
gezeichnet. 

(Nur  im   Gebiete.)  j"jj7j 

b.  b.  Zwiebelhäute    nicht    netzförmig    zerfasernd,    in     unregelmässige 

Lappen    zerreissend    oder    sich    in    parallele    nicht    verbundene 
Fasern  auflösend.     Vgl.  auch  A.  schoenoprasum. 


J)  6iü(pavog  durchscheinend. 

2)  S.  II.   1.  S.  465  Fussn.   1.     B.  ist  am  3.,  16.  April   1901    gestorben. 


Alliurn.  121 

1.  Zwiebelhäute  ganz  oder  nur  wenig  zerreissend.  1. 

a.  Blüthen  gross.    Perigonblätter  bis  über  1  cm    lang.    Staub-     a. 
blätter  fast  so  lang  oder    erbeblich    kürzer   als   die  Perigon- 
blätter. 

774.  (12.)  A.  Insübricum 1).  2\-.  Grundachse  meist  ziemlich  kurz, 
aufsteigend,  Zwiebeln  schmal-cylindrisch  oder  etwas  verschmälert,  mit 
sehr  dünnen  weisslichen  bis  bräunlichen,  öfter  etwas  röthlich  über- 
laufenen Häuten.  Stengel  kantig,  oberwärts  etwas  zusammengedrückt, 
unterwärts  mit  3 — 4  Blättern.  Blätter  graugrün,  linealisch,  flach,  meist 
4 — 5  mm  breit,  oberwärts  allmählich  verschmälert,  stumpf  lich,  am  Rücken 
unterwärts  gekielt.  Hülle  des  Blüthenstandes  dünnhäutig,  oberwärts 
zerreissend,  trichterförmig  um  die  Blüthen  stiele  stehenbleibend.  Blüthen - 
stand  ziemlich  (meist  4 — 6-)  armblütbig,  auch  während  der  Blüthe 
nickend.  Perigon  glockig.  Perigonblätter  länglich -verkehrt -eiförmig, 
plötzlich  in  eine  feine  Stachelspitze  verschmälert,  lebhaft  rosa  ge- 
färbt, die  äusseren  schmäler  und  sjDitzer.  Staubblätter  etwa  halb  so 
lang  als  die  Perigonblätter,  am  Grunde  verbreitert  mit  den  Perigon- 
blättern  verbunden.  Frucht  rundlich,  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter. 

An  steinigen  Abhängen,  zwischen  Gerolle.  Bisher  nur  in  den  Alpen 
der  Lombardei:  Corni  di  Canzo;  Grigna  und  Resegone!  am  Lago  di  Lecco. 
Brescianische  Alpen   1700— 2000  m!    Bl.  Juni  bis  August. 

A.  insiibricnm  Boiss.  u.  Reut.  Cat.  sem.  Hort.  Genev.  1854.  4. 
Bull.  Soc.  Hall.  IV.  128  (1856)  mit  Beschr.  Regel  All.  adh.  cogn. 
Monogr.   148.    Nyman  Consp.   739.     Richter  PI.  Eur.  I.   204. 

Diese  Pflanze  ist  zwar  zweifellos  dem  ^4.  narcissiflo'rum  verwandt,  aber  doch 
so  ausgezeichnet  verschieden,  dass  wir  nicht  wagen  beide  als  Gesammtart  zu  verbinden. 
Das  völlige  Fehlen  des  Fasernetzes  an  den  Zwiebeln  ist  ebenso  auffällig  als  der  auch 
in  und  nach  der  Blüthezeit  nickende  Blüthenstand,  die  Gestalt  der  Hülle,  die  scharf 
zugespitzten  dunkleren  Perigonblätter  etc. 

(Nur  im  Gebiete.)  j~*j 

b.  Blüthen  klein.    Perigonblätter  kaum  über  5 — 6  mm  lang.         b. 
1.   Zwiebeln   auf  einer   reich  verzweigten  wurzelnden  Grund-     1. 

achse  sitzend,  zanlreich. 

Gesammtart  A.  angulösum   (775,   776). 

(Lam.    u.    DC.    Fl.    Franc:.    III.    222    [1805].     Wallr.    Sched.    crit,   134 

[1822].   A.  acutängulum  Mert.  u.  Koch  Deutschi.  Fl.  IL  520  [1826]. 

Doli  Rhein.  Flora   195  [1843].    A.  u.  G.  Fl.  d.  nordostd.  Flachlandes 

188  [1898,  als  Gesammtart].) 

775.  (13.)  A.  aitgulösum.  ■'{ .  Zwiebeln  fast  cylindrisch,  oberwärts 
etwas  verschmälert,   auf  der  ziemlich  stark  verzweigten  Grundachse  auf- 


i)  S.  II.   1.  S.  246  Fussn.    1. 


122  Liliaceae. 

sitzend  (Pflanze  daher  mehr  oder  weniger  rasenbildend),  mit  meist  un- 
zertheilten  Häuten.  Stengel  aufrecht,  kahl,  meist  2 — 5  dm  hoch,  fast 
stets,  wenigstens  oberwärts  scharfkantig,  nur  am  Grunde  von  Blättern 
umhüllt,  länger  als  die  Blätter.  Blätter  schmal-linealisch,  meist  1 
bis  6  mm  breit,  meist  so  breit  bis  etwa  doppelt  so  breit  als  der  Stengel, 
gerade  oder  etwas  gekrümmt,  meist  5  nervig,  durch  den  stärker  her- 
vorragenden Mittelnerven  scharf  gekielt.  Hülle  des  Blüthen- 
standes  2 — 3  klappig,  häutig,  etwa  halb  so  lang  als  die  Blüthenstiele 
mit  kurz  zugespitzten  Klappen.  Blüthenstand  meist  mehr  oder  weniger 
vielblüthig,  sehr  oft  verlängert,  seltener  halbkugelig  oder  kugelig.  Blüthen- 
stiele kantig,  etwa  dreimal  bis  mehrmals  länger  als  die  Blüthen.  Perigon- 
blätter  länglich-lanzettlich  bis  länglich-eiförmig,  spitzlich  oder  stumpflich, 
lila-hellpurpurn,  sehr  selten  weiss,  (ß.  albi-flörum  Beck  Fl.  NÖ.  167 
(1890|).  Staubblätter  mit  wenig  verbreitertem  Grunde,  unter  einander 
und  mit  dem  Perigon  am  Grunde  wenig  verbunden,  etwa  so  lang 
oder  bis  l/s  kürzer  als  die  Perigonblätter.  Narbe  wenig  ver- 
dickt, ungetheilt. 

Auf  Wiesen,  sandigen  Grasplätzen,  an  Dämmen,  oft  im  Alluvium 
grösserer  Flüsse,  meist  sehr  gesellig,  durch  den  grössten  Theil  des 
Gebiets  verbreitet,  in  Wallis  bis  1620  m  (Jaccard  350),  in  Tirol  bis 
975  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend,  erreicht  bei  uns  die  Nordwest- und 
Nordgrenze,  fehlt  in  den  Niederlanden,  Belgien,  Rheinprovinz,  West- 
falen, fast  ganz  im  nordwestdeutschen  Flachlande  (dort  nur  bei  Gif- 
horn  und  an  der  Elbe  im  Wendlande,  auch  in  Schleswig-Holstein  noch 
nicht  sicher  festgestellt),  in  Salzburg,  Krain  und  im  östlichen  Gebiete 
der  Adria.     Bl.  Juli,  August. 

A.  angulosum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  300  (1753)  wenigstens  z.  T. 
Poll.  Hist.  pl.  Palat,  I.  329  (1776).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
143.  Richter  PI.  Eur.  I.  204.  A.  montänum  Schmidt  Fl.  Boem.  Cent. 
IV.  28  (1794)  nach  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1075  ??  s.  S.  123.  Rchb. 
Ic.  X  t.  D  fig.  1094.  A.  inodörum  Willd.  Spec.  pl.  II.  76  (1799) 
nicht  Ait.  A.  angulosum  ß.  Pratense  Lam.  u.  DG  Fl.  Franc.  III. 
222  (1805)-/  Wallr.  Sched.  crit.  134  (1822).  A.  danubiale  Spreng. 
Mant.  I.  38  (1807).  Don  Monogr.  62.  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1077. 
A.  acutängulum  Schrad.  Cat.  sem.  hört.  Goett.  1808.  Willd.  Enum. 
Suppl.  16  (1813).  Don  Monogr.  62.  Kunth  Enum.  IV.  424.  Koch 
gyn.  ed.  2.  828.  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  723.  A.  u.  G.  Fl.  Nord- 
oste1. Flachl.  188.  Koch  Syn.  ed.  2.  828.  Nyman  Consp.  739.  Suppl. 
309.  Rchb.  Ic.  Fl.  Germ.  X  t.  I)  fig.  1095.  A.  lusitänicum  Red.  Lil. 
t.  271  ( 1809)  nicht  Brot.  n.  Welw.  A.  angulosum  ß.  majus  Trev.  Monogr. 
l<)  (1822).  Ledeb.  Fl.  Ross.  IV.  180.  A.  acutängulum  pratense  M. 
u.  K.  Deutschi.  Fl.  II.  521  (1826).  A.  laxum  Don  Monogr.  63  (1826). 
A.  tyUhocephalum1)  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1133  (1830).  A.  micro- 
cephalum2)  Willd.  nach  R.  u.  S.  a.  a.  0.  (1830).  Kunth  Enum.  pl.   IV. 


i)  Von  jvid-ö^  gering  1  necpaÄ/j  Kopf. 

2)    Von    ftlMOÖg   klein    und    y.Kj  aA)). 


Alliuin.  123 

425  (1843).  A.  odörum  Kar.  u!  Kir.  Enum.  pl.  Alt.  858  (1843)  nicht 
L.  A.  acutangulum  a)  vulgäre  Doli  Rhein.  Fl.  195  (1843).  A.  uli- 
ginösum  Kitaibel  Add.  in  Linnaea  XXXII.  339  (1863). 

Die  Nornenclatur  dieser  Art  ist  einigerinassen  verwirrt  und  wir  haben  lange 
geschwankt,  welchen  Namen  wir  voranstellen  sollten.  Wir  hätten  gewünscht,  ihr 
den  verbreitetsten  derselben  den  S  ehr  ad  e  r 'sehen  A.  acutanguhim  belassen  zu 
können,  zumal  es  bei  verschiedenen,  besonders  der  älteren  Namen  nicht  unbedingt 
feststeht,  ob  diese  oder  die  folgende  Art  unter  ihnen  verstanden  wurde.  Linne 
hat  sicher  diese  Art  und  noch  einige  andere  unter  seinem  A.  angulomm  verstanden 
und  deshalb  wäre  es  vielleicht  nicht  unzweckmässig,  wie  wir  früher  gethan  haben, 
den  Linne 'sehen  Namen  ganz  zu  verwerfen,  zumal  er  von  späteren  Schriftstellern 
bald  auf  diese,  bald  auf  jene  Art  übertragen  wurde.  Will  man  aber  den  Linne- 
schen  Namen  nicht  annehmen,  geräth  man  in  Verlegenheit,  welcher  der  nächst- 
älteren Namen  voranzustellen  ist.  Abgesehen  von  dem  sicher  mit  Unrecht  hierher- 
gezogenen  Schmidt'schen  A.  montanum,  welcher  von  Celakovsky  (Prodr.  Fl. 
Böhm.  91,  753)  unbedenklich  zu  der  folgenden  Art  gezogen  wird,  die  Schmidt 
und  zwar  die  Rasse  petracum  auch  sicher  nach  Namen,  Standort,  der  geringen  Höhe 
(1  Fuss)  und  der  stamina  corolla  duplo  longiora  allein  gemeint  haben  kann,  wogegen 
die  Bedeutung  seines  A.  senescens  und  A.  angulosum  zweifelhaft  bleibt.  Der  Name 
A.  vnodorwm  Willdenow's  könnte  eventuell  Geltung  erlangen,  da  das  ältere 
A.  iitodorum  Aitons  von  den  Neueren  als  Nothoscordon  aus  der  Gattung  aus- 
geschieden wird.  Ausser  diesem  Namen  kommt  dann  noch  A.  danubiale  in  Betracht, 
welches  gleichfalls  älter  als  der  Sehr  ade  r'sche  Name  ist,  und  gegen  welches 
erhebliches  wohl  nicht  einzuwenden  ist.  Will  man  also  der  Willkür  bei  der  Be- 
nennung dieser  Art  nicht  Thür  und  Thor  öffnen,  so  erscheint  es  doch  zweckmässig 
den  L i n n  e 'sehen  Namen  zu  verwenden,  der  wenigstens  z.  T.  sich  auf  diese  Art 
bezieht. 

In  Bezug  auf  die  Grösse,  die  Blattbreite  und  die  Gestalt  der  Blüthen  einiger- 
maßen veränderlich,  so  dass  es  kaum  möglich  erscheint,  danach  Formen  aufzustellen. 
Von  grösserer  Wichtigkeit  erscheinen 

A.  ttfpicum.  Blätter  schmal-linealisch,  5  nervig,  scharf  gekielt.  Perigonblätter 
spitzlich.  —  Die  verbreitetste  Form.  ■ —  A.  angulosum  a.  typicum  Regel  All. 
adh.  cogn.  Monogr.   144  (1875). 

B.  latifolium.  Blätter  linealisch,  3—6  mm  breit,  mit  zahlreicheren,  7  und  mehr 
Nerven,  schwächer  gekielt,  erheblich  breiter  bis  doppelt  so  breit  als  der  Stengel. 
Perigonblätter  spitzlich.  —  Selten ;  anscheinend  nur  im  südöstlichen  Gebiete.  — 
A.  angulosum   e.  latifolium  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.   144  (1875). 

Hierher  gehört  als  Unterart : 

JB.  A.  ammöphilum1).  %.  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Pflanze  meist  niedriger. 
Stengel  stielrund,  nur  an  der  Spitze  kantig.  Blätter  meist  schmäler 
starrer,  flach,  mit  mehreren  Nerven,  oft  roth  überlaufen.  Hülle  des 
Blüthenstandes  oberwärts  auf  den  Nerven  dicht  kurzhaarig.  Perigon- 
blätter meist  kleiner,  etwa  5  mm  lang,  länglich-lanzettlich,  stumpflich 
oder  spitzlich,  goldgelb. 

Auf  sandigen  Hügeln,  an  trockenen  Felsen  nur  in  der  Banater 
Ebene  bei  Grebenac,  verbreiteter  im  inneren  Siebenbürgen.  Bl.  Mai 
bis  Juli  (August). 

A.  ammöphilum  Heuff.  Fl. >ra  XXVIII  (1845)  1.  241.  A.  senes- 
cens Baumg.  Enum.  stirp.  Transs.  I.  290   (1816).    A.   angulosum   d. 


')   Von  äfipog  Sand   und  cpiÄog  liebend. 


124  Liliaceae. 

ßaveseens  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.    145   (1875).    A.  ßavescens 
Nyman  Consp.  739  (1882)  nicht  Bess.  nach  Regel  a.  a.  O. 

Ist  öfter  mit  A.  albidum  (s.  S.  116)  verwechselt  worden,  unterscheidet  sieh 
aber  abgesehen  von  der  Blüthenfarbe  durch  die  riachen,  nicht  halbstielrunden  Blatter. 

Wir  haben  lange  geschwankt  <>b  wir  diese  Pflanze  als  Art  betrachten  oder  mit 
A.  angulosum  vereinigen  sollten,  da  die  Mehrzahl  ihrer  Merkmale  auffällig  mit 
dieser  Art  übereinstimmen.  Da  aber  die  Pflanze  eiue  vollständige  Constanz  (auch 
in  der  Cultur)  aufweist  und  ihre  Standorte  so  völlig  abweichende  sind,  haben  wir 
geglaubt,   sie   wohl  besser  als  Unterart  aufführen   zu  sollen. 

Während  nach  mehreren  Schriftstellern  (Janka,  Steven  etc.)  das  Besser- 
sehe  A.  flavescens  hierher  gehört,  erklärt  Pegel  a.  a.  O.  diese  Pflanze  für  eine  Form 
des  A.  albidum. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Serbien;  Bulgarien.)  pjTj 

(Verbreitung  der  Art:  Nord-  und  Ost-Frankreich;  Ober-Italien; 
Serbien;  Mittel-  und  Süd-Russland;  Kaukasus;  Sibirien.)  TjT 

776.  (14.)  A.  montanum.  21-.  Der  vorigen  Art  sehr  ähnlich,  von 
ihr  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden :  Zwiebel  gerade  oder  oft 
gebogen  bis  fast  gekniet,  mit  meist  zuletzt  braunen  bis  schwärzlichen 
Häuten.  Pflanze  grün  oder  graugrün.  Stengel  stielrund  oder  (oft  nur 
an  der  Spitze)  kantig  oder  zusammengedrückt.  Blätter  ziemlich  (bis 
etwa  1,5  cm)  breit,  linealisch,  mei«t  breiter  als  der  Stengel,  ziemlich 
vielnervig,  oft  gedreht,  nicht  gekielt,  der  Mittelnerv  nicht  oder 
kaum  mehr  hervorragend  als  die  übrigen.  Blüthenstand  häufiger  halb- 
kugelig. Hochblätter  am  Grunde  der  Blüthenstiele  vorhanden  oder 
fehlend.  Perigonblätter  länglich-eiförmig,  stumpf,  seltener  spitzlich,  meist 
lila-hellpurpurn.  Staubblätter  deutlich  bis  um  die  Hälfte  länger 
als  die  Perigonblätter. 

Auf  sonnigen  (Politischen)  Hügeln,  an  Felsen,  in  trockenen  Wäldern, 
auf  Kalk-  und  Sandboden  durch  den  grössten  Theil  des  Gebiets  ver- 
breitet, in  Wallis  bis  2275  m  (Jaccard  850),  in  Triest  bis  2100  m 
(Sarnthein  br.)  ansteigend,  erreicht  bei  uns  die  Nordwestgrenze,  fehlt 
in  Belgien,  den  Niederlanden,  der  Rheinprovinz,  Westfalen,  dem  nord- 
westdeutschen  Flachlande  und  auch  in  Ostpreussen ,  findet  sich  aber 
noch  in  Süd-Schleswig.     Bl.  Juli,  August. 

A.  montanum  Schmidt  Fl.  Boem.  inchoat.  Cent.  IV.  28  (1794) 
in  weiterem  Sinne.  M.  u.  K.  Deutschi.  Fl.  III.  VIII  (1831).  Nyman 
Cohsp.  739.  Suppl.  309.  A.  senescens  L.  Sp.  pl.  ed.  1.  299  (1753) 
z.  T.  Jacq.  Emmi.  Vind.  57  (1762).  Beck  Fl.  NÖ.  168  (1890).  A. 
senescens  ß.  glaueum  und  y.  serötinum  Regel  Monogr.  All.  adh.  cogn 
139  (1875).  A.  acutangnlum  ß.  montanum  Doli  Fl.  v.  Baden  343 
(1857).    A.  glaueum  Richter  PI.  Eur.  1.  2<>4  (1890). 

In  der  Tracht    lebhaft   an   ^irtneria  armeria  erinnernd. 

Ausserordentlich  veränderlich,  steht  der  vorigen  so  nahe,  dass  es,  wenn  man 
die  Formen  Europas  und  Asiens  vergleicht,  zweifelhaft  bleibt,  ob  die  Pflanzen  als 
Arten  getrennt  werden  können.  Vgl.  auch  Scharlok  Phys.  Oek.  Ges.  Königsb. 
XXIII.  68  [28]  (1882).  Regel  hat  unsere  Art  mit  dem  osteuropäisch-asiatischen 
,1.  8enescen8  vereinigt  und  sicher  hat  auch  Linne  diese  Arten  nicht  geschieden. 
Ihm   sind   bereits  viele  Europäische  Schriftsteller  gefolgt. 


Allium.  125 

Zerfällt  in  die  Kassen: 

A.  petraeum1).  Pflanze  meist  ziemlich  niedrig.  Stengel  nur  1,5 
bis  3  dm  hoch,  kantig  oder  wenigstens  am  Grunde  stielrund. 
Blätter  ziemlich  schmal -linealisch,  meist  1,5 — 3  mm  breit,  so 
breit  oder  schmäler  als  der  Stengel.  Blüthenstand  halb- 
kugelig oder  verlängert.  Hochblätter  am  Grunde  der  Blüthenstiele 
fehlend. 

So  bei  uns  am  verbreitetsten. 

A.  montanum  A.  petraeum  A.  u.  G.  Syn.  III.  125  (1905). 
A.  narcissiflörnm  a.  Vill.  PI.  Dauph.  II.  258  (1787).  A.  mon- 
tanum Schmidt  Fl.  Boem.  Cent.  IV.  no.  48  (1794)  im  engeren 
Sinne.  Rchb.  Ic.  Fl.  Germ.  X  t.  D  fig.  1094.  A.  angulosum 
a.  Petraeum  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  222  (1805).  A.  serö- 
tinum  Schleicher  Cat.  Suiss.  1821  (3).  Don  Monogr.  63  (1826).  Schur 
ÖBZ.  XIII  (1863)  149.  Nyman  Consp.  739  nicht  Lap.  Ä.  angu- 
losum ß.  minus  Trev.  Monogr.  9  (1822).  A.  angulosum  ß.  cal- 
cäreum  Wallr.  Sched.  crit.  134  (1822).  A.  Andersönii1)  Don 
Monogr.  59  (1826).  A.  spurium  Don  Monogr.  74  (1826).  A. 
acutangulum  y.  caleareum  M.  u.  K.  Deutschi.  Fl.  521  (1826). 
A.  fallax  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1072  (1829).  Koch  Syn. 
ed.  2.  828.  Gren.  u.  Godr.  Fi.  France  III.  212.  Aschers.  Fl.  Prov. 
Brand.  I.  724.  A.  u.  G.  Fl.  Nordoste!.  Flachl.  188.  Nyman  Consp. 
739.  A.  caleareum  Wallr.  Linnaea  XIV.  113  (1840).  A.  acut- 
angulum  b)  fallax  Doli  Rhein.  Fl.  195  (1843).  A.  acutangulum 
ß.  petraeum  Neilr.  Fl.  v.  Wien  109  (1846).  A.  transsilvanicum 
Lerchenf.  in  Schur  Verh.  Sieb.  Ver.  IV.  94  (1853).  A.  petraeum 
Kirschleger  Fl.  d'Als.  IL  181  (1857).  Genty  in  Magnin  Scrinia 
Fl.  sei.  VIII.  151  (1889).  A.  leptophgllum  Schur  Enum.  pl.  Transs. 
674  (1866).  Nyman  Consp.  73H.  A.  danubiäle  Richter  in  Rchb. 
Fl.  Germ.  exs.  No.  558  nach  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  140. 
A.  senescens  y.  serotinum  Regel  a.  a.  O.  139.  (1875).  A.  glaueum 
b)  serotinum  Richter  PI.  Eur.  I.  204  (18^0).  A.  senescens  ß. 
montanum  Beck  Fl.  NÖ.  168  (1890).  Glasn.  XV.  203  [67]  (1903). 
Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  485   [79]  (1904). 

(Verbreitung  der  Rasse :  Südl.  Skandinavien ;  Central-Frank- 
reich;  Pyrenäen;  NO.  Spanien ;  Languedoc ;  Apenninen ;  Süd-  und 
Mittel-Russland ;  Sibirien.)  ^ 

B.    gl  au  cum.     Pflanze    robuster,    zuweilen    graugrün.     Stengel    bis 

6  dm  hoch,  stielrund,  kantig  oder  oberwärts  zweischneidig.    Blätter 

(zuweilen     mehrmals)    breiter    als    der    Stengel,     oft    gedreht. 

Blüthenstiele    am    Grunde    mit    Hochblättern    oder    ohne    dieselben. 

So  besonders  in  den  Alpen. 


!)  neigalog,  an  Felsen  lebend. 

- )   Nach  William    Anderson,    *    1766    Easter    Warriston    bei    Edinburgh    r 
6.  Oct.  1845  Chelsea   bei  (jetzt  in)  London,  Curator  des  Botanischen  Gartens  daselbst. 


1  21  i  Liliaceae. 

A.  montanum  B.  glaucum  A.  u.  G.  Syn.  III.  125  (1905). 
A.  baicalense  Willd.  Enum.  360  (1809).  4.  Spirale  WUld.  Enum. 
Suppl.  17  (1813).  A.  glaucum  Schrad.  Cat  h.  Goett,  1814.  Don 
Monogr.  59  (1826).  R.  u.  S.  Syst.  Veg.  VII.  1066  (1830).  A. 
acutangulum  ß.  montanum  M.  u.  K.  Deutechl.  Fl.  IL  520  (1826). 
A.  senescens  M.  u.  K.  a.  a.  O.  522  (1826)  vgl.  a.  a.  O.  III.  VII 
(1831).  A.  angidosum  Sims  Bot.  Mai:,  t.  1149.  Redoute  Lit.  t. 
281.  A.  acutangulum  Rchb.  Ic.  pl.  crit,  VIII  t.  734  (1830).  A. 
senescens  ß.  glaucum  Regel  Monogr.  All.  adh.  cogn.  139  (1875). 
A.  senescens  a.  typicum  Beck  Fl.  NÖ.  168  (1890). 

(Ost-Europa;  Nord-Asien  bis  zur  Mandschurei.)  | *  ? 

(Verbreitung  der  Art:   Wie  Rasse  A;  aussen  Irin  Mandschurei.) 

* 

2.  2.  Zwiebel    fast   stets    einzeln    auf   einer   kurzen,    meist  un ver- 

zweigten nur  an  der  Spitze  wurzelnden  Grundachse  sitzend. 
Pflanze  daher  nicht  rasenbildend. 

777.  (15.)  A.  obliquum.  %.  Zwiebel  länglich-eiförmig,  auf  kurzer 
aufsteigender  Grundachse,  mit  glänzenden,  zuletzt  braunen  Häuten. 
Stengel  ziemlich  kräftig,  meist  3  dm  bis  1  m  hoch,  stielrund,  gestreift, 
unten  oder  bis  zur  Mitte  mit  Blättern  umgeben.  Blätter  breit-linealisch 
bis  linealisch-lanzettlich,  0,5 — 2,5  cm  breit,  nach  der  Spitze  allmählich 
lang  verschmälert,  spitz  oder  stumpflich.  Hülle  häutig,  1 — 2  klappig, 
an  der  Spitze  kurz  geschnäbelt,  kürzer  als  der  Blüthenstand.  Blüthen- 
stand  vielblüthig,  kugelig.  Blüthenstiele  etwa  1  (bis  1,5  bis  2)  cm  lang, 
mehrmals  länger  als  die  Blüthen,  am  Grunde  mit  sehr  kleinen  Hoch- 
blättern. Perigon blatte r  elliptisch,  meist  4 — 6  mm  lang,  stumpf, 
seltener  spitz,  trüb  gelb,  glänzend.  Staubblätter  aus  wenig  ver- 
breitertem Grunde,  pfriemlich,  am  Grunde  etwas  unter  einander  und 
mit  dem  Perigon  verbunden,  erheblich  (bis  um  die  Hälfte)  länger 
als  die  P  e  r  i  g  o  n  b  1  ä  1 1  e  r. 

Auf  steilen  Kalkfelsen,  in  Siebenbürgen  bei  Torda  (Janka!  1858 
vom  Apotheker  Gabriel  Wolff  zuerst  nachgewiesen).  Die  Pflanze  findet 
sich  nur  noch  an  fast  unzugänglichen  Stellen  und  gilt  beim  Landvolke 
als  Leckerbissen  (Simonkai  531).    Bl.  Juli. 

A.  obliquum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  296  (1753).  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  126.  Richter  PI.  Eur.  I.  203.  Bot.  Mag.  t.  1508. 
Allium  ramosum  Jacq.  Ic.  pl.  rar.  I  t.  62  (1781—86)  nicht  L.  Cepa 
obliqua  Moench  Meth.  243  (1794). 

(Sibirien;  Turkestan.)  |*. 

2.  2.  Zwiebelhüllen  derb,  zuletzt  an  der  Spitze  oder  ganz  zerfasernd, 

die  Fasern  aber  einzeln,  nicht  netzförmig  verbunden. 


Alliurn.  127 

Gesammtart  A.  suaveolens  (778,  779). 

778.(1 6.)  A.  oehroleücum ').  2j_.  Zwiebeln  läiiglich  bis  fast  cylindrisch, 
auf  der  aufsteigenden  Grundachse  aufsitzend,  mit  dünnen,  zuletzt  braunen, 
sich  in  unregelmässige  Fasern  auflösenden  Häuten.  Stengel  meist  1,5 
bis  3,5  dm  hoch,  stielrund,  nur  am  Grunde  oder  bis  unterhalb  der  Mitte 
mit  Blättern  umhüllt.  Blätter  linealisch,  flach,  meist  2 — 5  mm  breit, 
unterseits  durch  2 — 3  mehr  hervorragende  Nerven  gekielt,  am  Rande 
mitunter  rauh,  stumpflich,  etwa  so  lang  oder  etwas  kürzer  als  der  Stengel. 
Hülle  häutig,  zweiklappig,  mit  eiförmigen  zugespitzten  Klappen,  etwa  so 
lang  oder  länger  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstand  meist  ziemlich  viel- 
blüthig,  kugelig.  Blüthenstiele  so  lang  bis  doppelt  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter,  am  Grunde  mit  Hochblättern.  Perigonblätter  eiförmig,  stumpf- 
lich, meist  4 — 6  mm  lang,  gelb  oder  weisslich.  Staubblätter  am 
Grunde  nicht  verbunden,  etwa  doppelt  so  lang  als  die  Perigonblätter. 
Griffel  fadenförmig,  zuletzt  länger  als  die  Staubblätter. 

An  Felsen  von  der  montanen  bis  zur  alpinen  Region  in  den  öst- 
lichen Alpen  und  Karpaten.  Brescianische  Alpen;  südwestliches  Tirol 
(bis  1200  m  Sarn  thein  br.);  Venetien;  Kärnten,  Küstenland !  Krain! 
Süd-Steiermark !  Kroatien.  Bosnien  und  Hercegovina.  In  den  Karpaten ! 
vom  Ct.  Trenöin  bis  in  den  südlichen  Transsilvanischen  Alpen  und  der 
Biharia.     Bl.  Juli,  August. 

A.  oehroleücum  Waldst.  u.  Kit.  PI.  rar.  Hung.  IL  204  t.  186 
(1805).  Koch  Syn.  ed.  2.  829.  Kerner  ÖBZ.  XXVIII  (18  8)  150. 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  131.  Nyman  Consp.  739.  Suppl.  309. 
Richter  PL  Eur.  I.  204.  Rchb.  Ic.  crit.  V  t.  467.  A.  ericetörum  Thore 
Essai  Chlor.  Land.  123  (1803)?  Nyman  Consp.  739.  Suppl.  309.  A. 
ambiguum  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  320  (1805).  A.  graminijölium 
Pers.  Syn.  I.  356  (1805).  A.  suaveolens  Duby  Bot.  Gall.  470  (1828) 
nicht  Jacq. 

Auch  die  Nonienclatur  dieser  Art  ist  einigerrnassen  strittig,  von  einigen  Schrift- 
stellern wird  der  ältere  Thore 'sehe  Name  vorangestellt,  der  uns  indessen  nicht 
sicher  genug  scheint,  eine  Umbenennung  vorzunehmen.  Allerdings  stellt  die  von 
Wald  stein  und  Kitaibel  abgebildete  Pflanze  auch  eine  breitbliitterige  gelblich 
blühende  Abart  dar. 

(AVest-Frankreich  ? ;  Pyrenäen?;  Nord-Spanien?;  Apenninen.)     ~%\? 

779.(17.)  A.  suaveolens.  2L.  Zwiebel  länglich  oder  fast  cylindrisch, 
auf  der  aufsteigenden  Grundachse  aufsitzend  mit  dünnen,  zuletzt  braunen 
Häuten.  Stengel  meist  2 — 5  dm  hoch,  stielrund,  gestreift,  nur  am  Grunde 
von  Blättern  eingehüllt,  viel  länger  als  die  Blätter.  Blätter  schmal- 
linealisch,  flach,  meist  1,5 — 3  mm  breit,  unterseits  gekielt.  Hülle  des 
Blüthenstandes  zweiklappig,  häutig,  mit  eiförmigen,  zugespitzten,  die 
Blüthenstiele  an  Länge  gleichkommenden  oder  sie  überragenden  Klappen. 
Blüthenstand  meist  vielblüthig,  kugelig  oder  halbkugelig.  Blüthenstiele 
so  lang  oder  bis  nur  1ls  so  lang  als  die  Blüthen,  am  Grunde 

1 )  w%QÖÄevY.og  gelblichweiss. 


128  I.iliaceae. 

mit  Hochblättern.  Perigon  hlät  ter  elliptisch,  stumpf,  fleischroth, 
mit  dunkleren  Mittelstreifen.  Staubblätter  etwas  bis  um  die 
Hälfte  länger  als  die  Perigonblätter,  aus  verbreitertem  Grunde  ver- 
schmälert, nicht  am  Grunde  verbunden.     Griffel  hervorragend. 

Wiesenmoore,  nur  im  südlichen  Gebiet;  wenig  verbreitet,  meist 
sehr  gesellig.  Ober-Elsass;  Oberbaden!  Oberschwaben;  Oberbayern!! 
(bis  Partenkirchen  800  m);  Tburgau  und  St.  Gallen;  Vorarlberger 
Rheinthal.  Wiener  Becken !  Kleine  Ungarische  Ebene  selten;  Budapest. 
Venetien;  Küstenland;  Krain.  Im  übrigen  Gebiete  nur  einmal  verwildert 
im  Fürsten carten  bei  Lauenburg  a.  d.  Elbe  gefunden  (Prahl  Krit. 
Fl.  II.  222)1     Bl.  Juli— Sept. 

.1.  suaveolens  Jacq.  Coli.  IL  305  (1788).  Ic.  pl.  rar.  t.  364. 
Koch  Syn.  ed.  2.  829.  Regel  All.  adh.  cogn.  monogr.  133.  Nyman 
Consp.  739.  Suppl.  309.  Richter  PI.  Eur.  I.  204.  Rchb.  Ec.  X  t.  11) 
fig.  1093.  A.  suaveolens  ß.  appendiculdtum  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc. 
III.  220  (1805).  A.  appendiculatum  Ram.  in  Pers.  Syn.  I.  376  (1805). 
Nyman  Consp.  739.  A.  scrotintim  Lap.  Fl.  Pyr.  t.  84.  Hist.  abr. 
Pyr.  179  (1813).  Nyman  Consp.  739  nicht  Schleich.  A.  ochrohiiciim 
mit  rosa  Blüthen  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.    211  (1855). 

Der  vorigen  Art  sehr  nahe  verwandt  und  mit  Sicherheit  nur  durch  die  Blütheu- 
farbe  und  die  erheblich  kürzeren  Staubblätter  zu  unterscheiden. 

(Pyrenäen.) 

IL         IL  Eaplostemon1)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  230,  248  [1884]).    Keine 

wagerechte  oder  aufsteigende  Grundachse  (Scheinachse)  vorhanden 

(vgl.  indessen  A.  schoenoprasum  B).   Staubblätter  alle  ungetheilt, 

seltener    (vgl.  A.   ascal-onicum,    A.  cepa),    die   inneren   jederseits 

mit  einem   kurzen   Zahne  s.  S.   97. 

a.  a.  S choenöprasum'-)  (Humb.  Bonpl.  Kunth  Nov.   gen.  et  sp. 

I.   277  [1815]  als  Gatt.  G.  Don  Mon.  in  Mein.  Werner  So«-.  VI. 

27  [1826].   Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.   11,  24,   126  [1875] 

als  Sect.    Schoenoprasa  Nyman  Consp.    748    [1882]).    Blätter 

cylindrisch,  weitrührig.    Stengel  stielrund,  meist  am  Grunde  von 

Blattscheiden   umhüllt,  meist    länger  als  die  Blätter.     Hülle  des 

Blüthenstandes  nicht  zugespitzt.   Blüthenstand  meist  kugelförmig. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  nach:  A.  sabulosum  (Stcv.  in 
Ledeb.  Fl.  Ross.  IV.  170  [1853])  in  Südost- Uussland  und  in  Sibirien.  — 
J.   WeissiiS)   (Boiss.  Fl.  Or.  V.  253   [1884])   auf  den  Cycladen.  —    A. 


1)  Von  unAovg  einfach   und  ai^iitov  Staubblatt. 

2)  Von  lyyoii'ü.TQCKJor,  Nanu-  einer  Allvu.m-A.ti  schon  bei  A  r  i  s  t  o  p  h  a  n  es, 
von  o%oivog  Binse  und  n  ciaov  Lauch. 

3]  Nach  Emanuel  Weiss,  *  9.  Juli  1837  (Maiwald  br.)  Bokitnilz  bei 
Wildenschwert  (Böhmen)  f  -'•'•  Mai  1^70  Singapore  (durch  Selbstmord  in  einem 
Anfall  von  Geistesstörung),  Fregattenarzt,  verdient  um  die  Flora  Steiermarks  (Zur 
Flora  der  Sulzbacher  Alpen  ÖBZ.  IX  [1859]  113),  der  Adriatischen  Küstenländer: 
FloristiBches  aus  Istrien  und  Dalmatien  I.  ZBG.  Wien  XVI.  571.  EI.  a.  a.  O.  XVII. 
753.  W.  interessirte  rieh  lebhaft  für  ECryptogamen  (Zur  Moosflora  Böhmens.  ÖBZ. 
XI.  352).     Die  von  ihm   gesammelten  Flechten    bearbeitete  Körber   (Z IJ< ; .  XVII. 


Allium.  129 

erythraeuml)  (Griseb.  Spie.  Fl.  Ruin.  ßith.  II.  396  [1844]).  —  A. 
maritimum  (Raf.  Caratt.  86  [1810].  A.  obtusißoritm  Poir.  Encycl. 
Suppl.  I.  272  [1810].  A.  pusülum  Cyr.  in  Ten.  Cat.  pl.  hört.  Neap.  1813. 
4.  A.  capillare  Desf.  Cat.  27  [1829])  in  Sicilien  (und  Corsica?).  —  A. 
syntamänthum'2)  K.  Koch  Linnaea  XXII.  239  [1849J.  A.  rubellum  ß. 
parviflorum  Led.  Fl.  Ross.  IV.  171  [1853])  in  Süd-Russland  und  im  Orient. 
—  A.  parcifldrum  (Viv.  App.  Fl.  Cors.  prodr.  2  [1825].  A.  pauci- 
flörum  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  210  [1855])  in  Corsica  und  Sar- 
dinien. —  A.  Cupäni't)  (Raf.  Caratt.  86  [1810].  A.  montanum  ß. 
unirdlve  Ten.  Fl.  Nap.  III.  367  [1824—1827].  A.  Hrto-vagindtum  Kunth 
Enum.  IV.  412  [1843])  in  Sicilien,  auf  der  Balkanhalbinsel,  im  Orient 
und  Nord-Africa.  —  A.  rubellum  (M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  I.  264  [1808]. 
A.  tenue  Don  Monogr.  34  [1826].  A.  vulcdnicum  Boiss.  nach  Regel  All. 
adh.  cogn.  Monogr.  107  [1875].  A.  Griffithidnum  4)  Boiss.  Diagn.  ser.  2. 
IV.  117  [1859])  in  Süd-Russland,  dem  Orient,  Sibirien  und  dem  Himalaja. 

1.  Zwiebelhäute  unzertheilt  oder  unregelmässig  zerreissend,   nicht     1. 
zerfasernd. 

a.  Stengel  nicht  aufgeblasen,  Blätter  cylindrisch-pfriemenförmig,      a. 
nicht  aufgeblasen. 
1.  Staubblätter  wenigstens  um  V* — x/3  kürzer  als  die  Perigon-     1. 
blätter. 

780.  (18.)  A.  schoenöprasum  (Schnitt-  oder  Prieselauch;  niederl.: 
Snij-,  Gras-,  Bieslook;  dän. :  Purlog;  franz.:  Civette,  Ciboulette,  Petit 
Porreau;  it.:  Erba  Cipollina;  poln.:  Szczypiorek;  böhm.:  Pazitka;  russ.: 
PfeaHeija ;  ung. :  Metelö-Hagyma).  2\..  Grundachse  verzweigt,  nebst  ihren 
Verzweigungen  nur  Laubblätter  tragend,  deren  wenig  verdickte  Scheiden 
unvollkommene  Zwiebeln  bilden ;  diese  zahlreich,  dicht  gedrängt,  länglich  bis 
länglich- eiförmig  oder  verlängert,  mit  dünnen,  weissen,  zuletzt  zerspalten- 
den braunen  Häuten.  Stengel  meist  0,7  bis  3  (bis  fast  5  dm)  hoch, 
von  1 — 2  Blättern  nur  am  Grunde  oder  im  unteren  1/s  eingehüllt,  glatt 
oder  etwas  rauh.  Blätter  röhrenförmig,  stielrund  oder  fast  stielrund, 
glatt  oder  rauh,  grün  oder  graugrün,  so  lang,  etwas  länger  oder  kürzer 
als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  dünnhäutig  weiss  oder  röth- 
lich  in  2 — 3  Klappen  zerspaltend,  mit  breit-eiförmigen  spitzen  oder 
plötzlich  zugespitzten,  die  Länge  des  Blüthenstandes  nicht  erreichenden 
Klappen.  Blüthenstand  meist  vielblüthig,  halbkugelig  oder  kugelig, 
seltener  verlängert,  meist  etwas  dicht,  seltener  locker,  keine  Zwiebeln 
tragend.  Blüthenstiele  meist  kürzer  als  das  Perigon,  die  inneren  oft  so 
lang,  seltener  alle  so  lang  und  die  inneren  länger,  am  Grunde  ohne 
Hochblätter.      Perigonblätter    lanzettlich    bis    eiförmig    oder    linealisch- 


611  u.  703).  W.  botanisirte  auch  im  griechischen  Archipel  und  auf  Kreta  (ZBG. 
XVIII.  433  u.  XIX.  31).  Auf  seiner  letzten  Reise  nach  Ostasien  machte  er  an- 
sehnliche Sammlungen,  die  das  Museum  in  Budapest  erwarb.  S.  Tommasini  ZBG. 
Wien  XX.  621.  Auch  ich  verdanke  ihm  werth  volles  Material.  Das  Geburtsdatum 
wurde  durch  Herrn  Pfarrer  Hla vsa-Rokitnitz  ermittelt.  A. 

1)  Von  iQV&QÖg  roth. 

2)  (Ob  von  ovvTe'pvco,  ich  schneide  zusammen,  kürze  ab?)  und  äv&og  Blume. 

3)  S.  II.   1.  S.  284  Fussn.   1. 

4)  S.  II.  2.  S.  386  Fussn.  1. 

Ascherson  u.  Gracbner,  Synopsis.  III.  9 


130  Liliaceae. 

lanzettlich,  etwa  0,7 — 1,4  ein  lang,  spitz  oder  zugespitzt,  seltener 
stumpf,  ganz  glatt,  glänzend,  meist  lebhaft  rosa-violett  oder  rosa,  sel- 
tener lebhaft  purpurroth,  stets  mit  dunkleren  Mittelstreifen,  zuweilen 
weiss.  Staubblätter  kürzer  als  die  Perigon  blätter,  alle 
ungezähnt,  pfriemenförmig,  ganz  am  Grunde  untereinander  und  mit 
den  Perigonblättern   verbunden. 

Auf  Wiesen,  an  grasigen  Abhängen  des  Hochgebirges,  in  Wallis 
bis  2500  m  (Jaccard  350),  in  Tirol  bis  2250  m  (Sarnthein  br.), 
an  grösseren  Flüssen  bis  weit  in  die  Ebene  herabsteigend.  Im  Alpen- 
gebiet!! von  den  See-Alpen  bis  Nieder-Oesterreich  (nur  bei  St.  Aegid 
am  Göller)  und  Bosnien,  auch  im  Schweizer  (Dole)  und  Schwäbischen 
Jura,  am  Rhein  abwärts  bis  Neuenburg  unterhalb  Basel,  in  Bayern  bis 
zur  Donau  bei  Deggendorf  und  Passau  vordringend,  Sudeten ! !  Vereinzelt 
im  Berglande  Mitteldeutschlands  und  Belgiens :  Harz  im  Bodethale ! 
Rhön:  Schnittlauchstein  an  der  Milseburg  (Goldschmidt  br.).  An 
der  Semoy  bei  Boullion !  und  an  der  Ourte  bei  Angleur,  von  Crepin 
(ob  mit  Recht?)  für  verwildert  erklärt.  Karpaten  von  der  Tatra  bis 
Siebenbürgen.  An  der  Berann,  Moldau,  Elbe!!  von  Melnik  bis  ober- 
halb Hamburg  (1872  auch  einmal  bei  Stade,  scheint  aber  wieder  ver- 
schwunden); Nahethal  (Geisenhey ner);  an  der  Mosel  von  Lothringen 
an;  am  Rhein  von  Bingen  bis  Bonn!  (F.  Wirtgen  br.),  einzeln  bis  in 
die  Niederlande.  Ueberall  in  Gemüsegärten  gebaut,  von  da  aus  leicht 
verwildernd.  Bl.  in  der  Ebene  Mai,  Juni,  selten  Aug. — Oct.,  im  Hoch- 
gebirge Juli,  August. 

A.  Schoenoprasum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  301  (1753).  Koch  Syn. 
ed.  2.  832.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  77.  Nvman  Consp.  741. 
Suppl.  310.  Richter  PI.  Eur.  I.  202.  Rchb.  Ic.  X.  CCCCXCVI  fig. 
1085.    Cepa  Schoenoprasum  Moench  Meth.  244  (1794). 

Eine  sehr  veränderliche  Pflanze,  von  der  besonders  viele  Formen  in  Gärten 
gezogen  werden.  Einige  derselben  sind  durch  Cultur  zu  ausserordentlicher  Grösse 
gefördert,  sie  werden  bis  1/s  m  hoch  und  besitzen  weitröhrige  Blätter.  Bei  den 
Gartentormen,  die  hauptsächlich  zur  Züchtung  grosser  Blattniengen  Verwendung 
finden  sollen,  finden  sich  nicht  selten  solche,  die  wenig  blühen  oder  bei  denen  die 
Zwiebelbildung  fast  ganz  zurücktritt,  die  nur  am  Grunde  kaum  verdickte,  auf  der 
Grundachse  aufsitzende  beblätterte  Triebe  besitzen,  so  dass  sie  nach  diesem  Merk- 
male in  die  Gruppe  Rhizirideum  versetzt  werden  müssten.  —  Unsere  Formen  gliedern 
sich  in  folgender  Reihe:  Die  Rasse  Lusitanicum  (Richter  PI.  Eur.  I.  203  [1890]. 
A.  lusitanicum  Brot.  Fl.  Lusit.  I.  548  [1804].  A.  Broteri  i)  Kunth  Enum.  IV.  454 
[1843].  Nyman  Consp.  741)  nur  in  Portugal. 

A.    Grundachse  kurz,  daher  die  Zwiebeln  dicht  gedrängt. 

I.  ripärium.  Stengel  meist  0,7 — 5  dm  hoch,  fast  stets  länger  als 
die  Blätter.  Blätter  glatt.  Blüthenstand  meist  dicht  kugelig  oder 
halbkugelig.  Blüthenstiele  kürzer  oder  seltener  so  lang  als  die 
Perigonblätter.  Perigon  blätter  länglich-lanzettlich  bis 
eiförmig-lanzettlich,  zugespitzt  oder  spitz,  seltener  stumpf. 
Die  häufigste  Form   der  Flusswiesen   und  niedriger  Gebirge. 


i)  S.  II.  1.  S.  559  Fussn.  3. 


Allium.  131 

A.  Schoenoprasum  a)  riparium  Celakovsky  Prodi-.  Fl.  Böhm. 
91  (1867).  A.  foliösum  Clar.  in  Red.  Lil.  t.  24  (1802)  nicht 
Rchb.  A.  acutum  Spreng.  Pug.  I.  28  (1813)?  A.  tenuifölium 
Pohl  Tent.  fl.  Boh.  IL  10  (1815).  A.  palustre  Pourr.  in  Lag.  EL 
pl.  hört.  Matr.  13  (1815).  A.  riparium  Opiz  Naturalientausch 
VI.  50  (1824).  A,  sibiricu in  ß.  schoenoprasöides  Fries  Herb, 
norm.  fasc.  VII.  Kunth  Enum.  IV.  685  (1843).  Nyman  Consp. 
714.  A.  Schoenoprasum  ß.  alpinum  Koch  Syn.  ed.  2.  833 
(1845)  nicht  Lam.  u.  DC.  A.  Schoenoprasum  a.  typicum  Regel 
All.   adh.   cogn.  Monogr.   77  (1875). 

Die  im  norddeutschen  Flachland  wildwachsenden  Exemplare  stehen 
dem  Grade  der  Zuspitzung  ihrer  Perigonblätter  nach  ungefähr  in  der  Mitte 
zwischen  der  gewöhnlich  eultivirten  Pflanze  und  der  Rasse  A.  II. 

Hierzu  gehört : 

b.  alpinum.  Pflanze  niedriger.  Stengel  meist  nicht  über  1,5  oder  2  dm 
hoch,  kürzer  oder  doch  kaum  länger  als  die  Blätter.  —  Nicht  nur  in 
Gebirgen,  auch  in  der  Ebene,  in  Flussniederungen  etc.  Bedarf  näheren 
Studiums,  scheint  in  vielen  Fällen  nur  eine  Standortsform,  soweit  Cultur- 
formen  in  Betracht  kommen,  die  auch  häufig  die  genannten  Merkmale 
zeigen,  sicher  nicht  einheitlichen  Ursprungs.  —  A,  Schoenoprasum  ß.  al- 
pinum Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  227  (1805).  A.  Schoenoprasum  8. 
piimilum  Bunge  Enum.  pl.  Alt.  19  (1836).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
79.  Richter  PI.  Eur.  I.  203.  A.  oligdnthum^)  Kar.  u.  Kir.  Bull.  Soc. 
Mose.  XV.  856  (1841).  A.  Schoenoprasum  ß.  sativum  Tausch  PI.  exs. 
Boh.  nach  Regel  a.  a.  O.  (1875).  A.  foliösum  C.  A.  Mey.  PI.  Szovits. 
exs.  no.  193  nach  Regel  a.  a.  O.  (1875)  nicht  Clar.  A.  lusitdnicum  Welw. 
PI.  exs.  Lusit.  no.  751.  Nyman  Consp.  741  nach  Regel  a.  a.  O.  (1875) 
nicht  Brot.  —  Koch  betrachtete  diese  wie  bemerkt  häufige  angepflanzte 
Form  als  Typus  der  Art,  auch  die  von  Reichenbach  (a.  a.  O.)  ab- 
gebildete Pflanze  gehört  hierher. 

(Verbreitung  der  Rasse:   Wie  die  Art.)  * 

IL  Sibiricum.  Pflanze  meist  ziemlich  kräftig,  Stengel  meist  2 — 5 
dm  hoch,  fast  stets  länger  als  die  Blätter.  Blätter  glatt.  Blüthen- 
stand  dicht,  meist  gross,  halbkugelig  oder  kugelig.  Blüthenstiele 
kürzer  als  die  Perigonblätter,  selten  so  lang.  Perigonblätter 
linealisch-lanzettlich,  allmählich  verschmälert,  zu- 
gespitzt, meist  lebhaft  rosa,  zuletzt  hellviolett. 

So    auf  Alpenwiesen,    an    quelligen  Plätzen.     Bl.  Juli,  Aug. 

A.  Schoenoprasum  b)  sibiricum  Garcke  Fl.  v.  N.  u.  Mitt. 
Deutschi.  1.  Aufl.  322  (1849).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
78  (1875).  Richter  PI.  Eur.  I.  202.  A.  sibiricum  L.  Mant.  IL 
562(1771).  Nyman  Consp.  741.  Suppl.  310.  A.  röseum  Krock. 
Fl.  Siles.  I.  516  t.  32  (1787)  nicht  L.  vgl.  Regel  a.  a.  O.  A. 
Schoenoprasum  ß.  alpinum  Kunth  Enum.  pl.  IV.  391  (1843) 
nicht  Lam.  u.  DC.    A.  alpinum  vieler  Gärten  nach  Regel  a.  a,  O. 

In  typischer  Ausbildung  eine  sehr  charakteristische  und  auffällige 
Pflanze,  die  durch  ihren  kräftigen  Wuchs  und  die  lebhaft  gefärbten  grösseren 


!)  Von   ökiyoi  wenige  und  äv&og  Blume. 


132  Liliaceac. 

Blüthenkiipfe  sehr  auffällt.  An  den  allmählich  lang  zugespitzten  sehr  schmalen 
Perigonblättern  leicht  kenntlich.  —  Wie  bereits  liege  1  (a.  a.  O.)  bemerkt, 
finden  sich  indessen  nicht  selten  Uebergangsformen  zur  Rasse  A.  I,  sodass  die 
Aufrechterhält  ung  als  Art  nicht  angängig  ist.  —  In  der  Flora  Danica  t.  971 
ist  diese  Rasse  als  Typus  des  A.  schoenoprasum  abgebildet. 

Hierzu  gehört: 
b.  dcnt  icula  tum    (Adamovic    in    Herb.).      Hülle    des    Blüthenstandes    leb- 
haft  roth  überlaufen.      Perigonblätter    lebhaft  gefärbt.     Innere  Staubblätter 
am  unten  verbreiterten  Theile  jederseits  mit  vorspringender  Kante  bis  kurzen 
Zähnen.  —  Bisher  nur  in  Serbien,  aber  wohl  auch  im  Gebiete. 

(Verbreitung  der  Rasse :  Serbien  ;  Pyrenäen  ;  Iberische  Halb- 
insel; Skandinavien;  Russland;  Kaukasus;  Turkestan;  Sibirien; 
Kamtschatka.)  * 

B.  Grundachse  kriechend,  bis  über  2  cm  verlängert,  die  Zwiebeln  daher 
in  deutlichen  Zwischenräumen. 

Hegetschweileri1).  Zwiebel  meist  eiförmig-länglich.  Pflanze 
niedrig.  Stengel  meist  nur  0,5  — 1,5  dm  hoch,  am  Grunde  meist 
nur  mit  einem,  seltener  mit  mehreren  Blättern,  länger  oder  kürzer 
als  die  Blätter.  Blätter  stielrund  oder  etwas  abgeflacht,  1 — 1,5  mm 
breit,  in  der  Achsel  des  untersten  den  Stengel  umfassenden  Blattes 
öfter  mehrere  Blätter  hervorspriessend.  Hülle  zweiklappig,  deutlich 
nervig.  Blüthenstand  meist  nicht  sehr  vielblüthig,  halbkugelig  oder 
doldig.  Blüthenstiele  3 — 5  mm  lang,  kürzer  als  die  Perigonblätter. 
Perigonblätter  lanzettlich,  allmählich  zugespitzt,  9 — 10  mm  lang, 
rosa  gefärbt.    Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter. 

Auf  Alpenmatten  und  an  den  Rändern  von  Alpengewässern 
in  den  westlichen  (Schweizer)  Alpen  dort  zerstreut.     Bl.  Juli,  Aug. 

A.  schoenoprasum  B.  Hegetschiceileri  A.  u.  G.  Syn.  III.  132 
(1905).  A.  alpintim  Hegetsch weder  in  Suter  Fl.  Helv.  ed.  2.  II.  466 
(22).  Fl.  Schweiz.  322  (1840).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  156. 
Nyman  Consp.  741.  Richter  PI.  Eur.  I.  205.  A.  Schoenoprasum  var. 
alpinuni  verschiedener  Schriftsteller  nicht  Lam.  u.  DC.  oder  Kunth 
oder  Koch. 

Eine  sehr  auffällige  Rasse,  besonders  durch  die  deutlich  kriechende  Grund- 
achse sehr  ausgezeichnet  und  deshalb  auch  von  Regel  in  die  Gruppe  Ehiziri- 
deum  gestellt.  In  der  Gestalt  der  Perigonblätter  zeigt  sie  deutliche  Beziehungen 
zur  Rasse  Sibiricum,  von  der  sie  indessen  gerade  durch  schwächeren  Wuchs, 
dünne  Blätter,  kleine  Blüthen  etc.  verschieden  ist.  Ob  sie  sich  wirklich  als 
Rasse  wird  halten  lassen,  erscheint  uns  einigermaassen  zweifelhaft,  denn  wir 
sahen  Exemplare  aus  Ober-Oesterreich  (Windischgarsten  Oberleitner  in  Schultz 
Herb.  norm.  nov.  ser.  no  608 !),  die  gleichfalls  deutlich  (bis  fast  2  cm)  ver- 
längerte kriechende  Grundachse  besassen,  die  aber  in  der  Tracht  kaum  von  der 
Rasse  Sibiricum  abweichen. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Bisher  nur  im  Gebiete.) 

(Verbreitung    der    Art:     Skandinavien;    Frankreich;    Iberische 

Halbinsel;  Italien;   Balkanhalbinsel;    Russland;    Kaukasus;    Orient; 

Sibirien  bis  Ostasien;  Nord- America.)  * 


i)  S.  II.   1.  S.  191   Fussn.  1. 


Alliuru.  133 

2.   Staubblätter  etwa  so  lang  als  die  Perigonblätter. 

*f  A.  Ascalönicum 1)  (Schalotte,  Eschlauch;  niederl.:  St.  Jansuien, 
Askalotten,  Sjalotten;  dän. :  Skalot;  franz.:  Ciboule,  Echalotte;  it.: 
Scalogno;  rum. :  Salotä;  poln. :  Szalotka;  böhm. :  Salotka,  Oslejch; 
kroat. :  Ljutika;  russ. :  UIap.i0TT>;  ung. :  Mogyoro  Hagyma).  2J_.  Zwiebel 
schief,  länglich-eiförmig  mit  dünnen  meist  unverletzten,  violetten,  zuletzt 
braungelben  Häuten  und  vielen  Nebenzwiebeln.  Blätter  stielrund,  hohl, 
pfriemlich,  kürzer  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  häutig, 
kürzer  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  zuweilen  mit  Zwie- 
beln, meist  vielblüthig,  kugelig.  Blüthenstiele  länger  als  die  Blüthen. 
Perigonblätter  eiförmig-lanzettlich,  spitz,  rosa,  lila  oder  mit  derberen 
dunkelpurpurnen  Mittelstreif en  oder  weisslich.  Staubblätter 
getrennt,  die  inneren  am  Grunde  verbreitert,  jederseits  mit 
einem  kurzen  Zahne. 

Angeblich  in  Vorder-Asien  heimisch,  nach  Alph.  De  Candolle 
Dr.  pl.  cult.  86  eine  Culturform  von  A.  cepa,  bei  uns  vielfach  in 
Gärten  und  auf  Aeckern  gebaut.  Verwildert  z.  B.  bei  Fiume  und 
Buccari  im  Kroatischen  Küstenlande.    Blüht  selten.     Juni,  Juli. 

A.  ascalönicum  L.  Fl.  Palaest.  17  (1756).  Amoen.  ac.  IV.  454 
(1760).  Spec.  pl.  ed.  2.  429  (1762).  Koch  Syn.  ed.  2.  833.  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  88.  Porrum  ascalönicum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  1 10  (1830). 

A.  ascalönicum  ß.  carneum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  88  (1875).  A.  car- 
neum  Willd.  Enuiu.  hört.  Berol.  359  (1809)  gehört  nicht  zu  dieser  Art  sondern 
stellt,  wie  Kunth  (En.  IV.  392  [1843])  an  dem  im  Hb.  Willd.  No.  6480  auf- 
bewahrten Originalexemplar  feststellte,  ein  sehr  robustes  A.  schoenoprasum  dar. 

781.  (19.)  A.  coriiütum.  %.  Zwiebel  eiförmig.  Stengel  stielrund, 
ziemlich  kräftig,  nur  am  Grunde  von  Blättern  umhüllt.  Blätter  röhrig, 
stielrund,  nach  dem  Grunde  verschmälert,  spitzlich.  Hülle  des  Blüthen- 
standes einklappig,  häutig,  breit,  eiförmig,  zugespitzt,  schwach  nervig, 
etwa  so  lang  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  mit  allerseits 
abstehenden  Blüthen  stielen  und  zwischen  ihnen  mit  ziemlich  grossen 
Zwiebeln,  vielblüthig,  kugelig.  Blüthenstiele  dünn,  etwa  3 mal  so 
lang  als  die  Blüthen.  Zwiebeln  des  Blüthenstandes  roth,  nach  der  Spitze 
zu  grünlich.  Perigonblätter  eiförmig  bis  länglich,  stumpflich,  weiss  oder 
schwach  rosa  gefärbt,  mit  röthlichen  Mittelstreifen.  Staubfäden  pfriem- 
lich, alle  ungetheilt,  am  Grunde  mit  den  Perigon blättern  verbunden. 

An  Küstenfelsen  nur  in  Dalmatien :  Budua  (Giemen  ti).    Bl.  Juni. 

A.  cornutum  Clementi  Iter  Dalm.  ined.  t.  1  fig.  1.  Vis  Fl. 
Dalm.  I.  139  (1842).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  89.  Nvman 
Consp.  741.     Richter  PI.  Eur.  I.  203. 

(Bisher  nur  im  Gebiete.)  Hfl 


')  Nach  der  durch  Scheffel 's  Gedicht  so  bekannten  Stadt  Askalon  in 
Palästina.  Der  Name,  von  dem  fast  alle  neusprachlichen  der  Pflanze  abstammen, 
findet  sich  für  eine  Zwiebelart  schon  bei  Theoph  rastos  und  C  o  1  ti  m  e  1 1  a ,  bedeutete 
aber  sicher  nicht  diese  Form,  die  vor  dem  16.  Jahrhundert  nicht  nachweisbar  ist. 
Vgl.  Alph.  De  Candolle  a.  a.  O.,  Fischer-  Ben  zon  138. 


134  Liliaceae. 

b.  Stengel    unterhalb    der    Mitte,    wie    die    Blätter    aufgeblasen. 
Blüthenstand  meist  ohne  Zwiebeln  (s.  jedoch  A.  cepa  A.  II.). 

*f  A.  fistulösum  (Lauch,  Winlerlauch,  Winterzwiebel,  Röhren- 
lauch, Hackezwiebel;  franz. :  Ciboule;  it.:  Cipolla  d'inverno;  rum.:  Cepä 
lungä;  böhm.:  Cibule  zimni;  russ. :  üoppefi).  %.  Zwiebel  eiförmig,  läng- 
lich, mit  vielen  Nebenzwiebeln,  mit  ziemlich  dünnen,  zuerst  weisslichen, 
zuletzt  braunen,  meist  nicht  zerspaltenden  Häuten.  Stengel  aufrecht, 
meist  3  dm  bis  1  m  hoch,  stark  aufgeblasen,  röhrenförmig,  nur 
am  Grunde  beblättert.  Blätter  aufgeblasen  röhrenförmig,  glatt,  kürzer 
oder  so  lang  wie  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  zweiklappig, 
häutig,  mit  breit-eiförmigen,  stachelspitzigen,  etwa  die  Länge  des  Blüthen- 
standes  erreichenden  Klappen.  Blüthenstand  dicht,  kugelig,  vielblüthig, 
seltener  wenigerblüthig  und  halbkugelig.  Blüthenstiele  etwa  so  lang  als 
die  Blüthen.  Perigon blatte r  eiförmig-lanzettlich,  etwa  1  cm  lang, 
spitz  oder  zugespitzt,  mehr  oder  weniger  unregelmässig  gesägt, 
weisslich-grün,  durchsichtig,  die  inneren  etwas  länger.  Staubblätter 
doppelt  bis  mehrmals  länger  als  die  Perigonblätter  un- 
gezähnt, die  inneren  am  Grunde  wenig  verbreitert,  dort 
untereinander  und  mit  den  Perigonblättern  verbunden.  Griffel  nicht 
hervorragend.     Narben  ungetheilt. 

In  Sibirien  heimisch,  bei  uns  viel  gebaut,  leicht  auf  Schutthaufen 
und  an  Zäunen  verwildernd.     Bl.  Juni  bis  August. 

A.  fistulösum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  301  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
833.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  90.  A.  altiücum  Pall.  Reise  IL 
518.  568  (1772).  A.  saxätile  Pall.  a.  a.  0.  III.  293  (1776).  A. 
ceratophyllum1)  Bess.  nach  Rom.  u.  Schult.  Syst.  IV.  1029  (1830( 
Cepa  ventricösa  Moench  Meth.  244  (1794). 

Die  Blätter  dieser  Art  bleiben  im  Wiuter  frisch  und  werden  dann  wie  Schnitt- 
lauch oder  Porree   benutzt. 

*f  A.  cepa2)  (Küchenzwiebel,  Zwiebel,  Zwiefl,  Sommerzwiebel,  Zippel, 
Zipolle,  Bolle;  niederl.  u.  vlaem. :  Ui,  Ajuin,  Cipel ;  dän.:  Log,  Rodlot:' ; 
franz.:  Oignon;  it.:  Cipolla;  rum.:  Cepä;  poln.:  Cybula;  wend. :  Cybla, 
Cybula,  Pomeiblicka;  böhm.:  Cibule;  kroat. :  Kapulla,  Ljutika  glavata; 
russ.:  H,n6y.M,  jyKi>;  ung. :  Veres  Hagyma).  2J_.  Hauptknospe  mit  mehreren 
scheidenartigen  Nährblättern  beginnend,  mit  den  fleischigen  Grundtheilen 
der  oberen  Laubblätter  des  Blüthenstandes  die  Zwiebel  bildend.  Zwiebel 
niedergedrückt  kugelig,  selten  eiförmig,  mit  rothgelben  Zwiebelhäuten, 
mit  oder  ohne  Nebenzwiebeln.  Stengel  und  Laubblätter  blaugrün. 
Stengel  etwa  6 — 8  dm  hoch,  meist  weit  aufgeblasen,  nur  am  Grunde 
zweizeilig  beblättert.  Blätter  kürzer  als  der  Stengel,  spitz.  Hülle  des 
Blüthenstandes  2 — 4  klappig,  bald  zurückgeschlagen.  Blüthenstand  sehr 
gross,  mit  oder  ohne  Zwiebeln.  Blüthenstiele  bis  3  cm  lang  bis 
etwa    8m a  1    so    lang   als    die   Blüthen,    vereinzelt    mit   häutigen 


i)  Von  ae'gag  Hörn  und  (fvXXov  Blatt. 
2)  S.  S.  95  Fussn.  3. 


Allium.  135 

Hochblättern  am  Grunde.  Perigonblätter  länglich-stumpf, 
grünlich -weiss.  Staubblätter  deutlich  bis  etwa  doppelt  so 
lang  als  die  Perigonblätter,  am  Grunde  etwas  verbreitert,  mit 
einander  und  den  Perigon blättern  verbunden,  die  inneren  am  Grunde 
stark  verbreitert,  fast  stets  dreispitzig,  die  Mittelspitze  viel  länger 
als  der  verbreiterte  Grundtheil  und  die  noch  kürzeren  Seitenspitzen. 
Griffel  kaum  hervorragend.     Frucht  fast  kugelig,  breit,  dreiseitig. 

Von  unsicherer  Herkunft,  doch  wohl  aus  West-Asien,  bei  uns 
überall  in  Gemüsegärten  und  auf  Aeckern.    Bl.  Juni  bis  August. 

A.  Cepa  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  300  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  833. 
Regel  All.  adh.  cogn.  monogr.  92.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXCIV  fig.  1038. 
' A.  esculentum  Salisb.  Prodr.  Hort,  Chap.  All.  235  (1796).  Porrum 
Cepa  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  110  (1830). 

Ziemlich  veränderlich  in  der  Grösse,  der  Form  der  Zwiebel,  in  der  Dicke  und 
Farbe  der  Stengel   und  Blätter. 

A.  Innere  Staubfäden  am  Grunde  mit  2  deutlichen  Zähnen. 

I.  typicum.     Blüthenstand    ohne    Zwiebeln.    —    Die    häufigste   Form.    —   A. 
Cepa  a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  92  (1875).  —  In  zahlreichen 
Gartenformen  angepflanzt,  die  besonders  in  der  Form,  Grösse  und  Farbe  der 
Zwiebel  verschieden    sind.     Die  Form    ändert    von   der   breit-niedergedrückt- 
kugeligen   bis    zur    kugeligen    eiförmigen  und  länglichen  ab.     Einige  Garten- 
formen liefern  bis  zu  über  1,5  dm   im  Durchmesser  besitzende  Zwiebeln.    Die 
Farbe  schwankt  von  Silberweiss  bis  schwefelgelb    und   lebhaft  rothbraun,    ja 
fast  blutroth.     Formen    mit   zahlreichen  Nebenzwiebeln  werden    meist    durch 
diese  letzteren,  die  ohne  Nebenzwiebeln   (A.  cepa  5.  majus  Don  Monogr.  27 
[1826])   meist  durch  Samen  vermehrt.     Zwischen  denen  mit  zahlreichen  und 
solchen  ohne  Nebenzwiebeln  gibt  es  einige  Formen,  bei  denen  die  vorjährige 
Zwiebel  mehrere  (bis  zu  8)    etwa  gleichgrosse  Zwiebeln    ohne    hervortretende 
Hauptzwiebel    erzeugt.     (A.  Cepa  ß.  aggregatum    Don    Monogr.    27    [1826]). 
Nach  dem  Blüthenstande  unterscheidet  man : 
b.  paucifldrum  (Don  Monogr.  27  [1826J).     Blüthenstand  wenigblüthig. 
II.   bulbiferum.     Blüthenstand  mit  mehr  oder  weniger   zahlreichen  Zwiebeln, 
meist  reichblüthig.    —    Nicht  sehr  häufig.   —   A.   Cepa  ß.  bulbiferum    Kegel 
All.  adh.  cogn.  Monogr.  93  (1875).  —  Hierzu  gehört: 
b.  proliferum    (Regel  a.  a.  O.  [1875].     Cepa  prolifera   Moench    Meth.  244 
(1794).    A.   Cepa  ß.  Bot.  Mag.  t,   1469.     A.  proliferum  Schrad.  Cat.  bort. 
Goett.  nach  Willd.  Enum.  hört.  Berol.  358  [1809]).      Hlüthenstand  wenig- 
blüthig mit  zahlreichen  bereits  im  Blüthenstande  Blätter  treibenden  Zwiebeln. 
—  Selten. 

B.  Innere  Staubfäden  am  Grunde  ganz  ohne  oder  mit  nur  als  Höcker  ausgebildeten 
Zähnen. 

cepi  forme.  Blüthenstand  vielblüthig,  ohne  Zwiebeln.  —  Selten  aber 
wohl  öfter  übersehen.  —  A.  Cepa  ö.  cepiforme  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
93  (1875).    A.  eepaeforme  Don  Monogr.  31  (1826). 

Off.  Die  Zwiebel,  Bulbus  Cepae,  Oignon  commun  (Bulbe).  Ph. 
Belg.,   Gall. 

2.  Zwiebelhäute  zuletzt  fein  netzförmig  zerfasernd  (vgl.  A.  coeritl.). 

782.  (20.)  A.  moschätum.  4.  Zwiebel  aus  eiförmigem  Grunde 
verschmälert,  mit  weisslichen  oder  gelblichen,  zuletzt  braunen  Häuten. 
Stengel  stielrund,  meist  kaum   1  —  3  dm  hoch,  aufrecht  oder  aufsteigend, 


136  Liliaceae. 

oft  hin-  und  hergebogen,  nur  am  Grunde,  seltener  bis  zur  Mitte  von 
Blättern  umhüllt.  Blätter  borstlich-pfri em  lieh,  stielrund,  ober- 
seits  gefurcht,  am  Rande  gewimpert-rauh,  selten  glatt,  meist  kürzer, 
seltener  länger  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  2  klappig, 
weisshäutig  mit  eiförmigen  oder  lanzettlichen,  oft  in  eine  Stachelspitze 
verschmälerten  Klappen,  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstiele 
dünn,  kantig  gestreift,  alle  aufrecht  oder  selten  und  nur  die  seitlichen 
abstehend,  0,6 — 3,5  cm  lang,  wenig  bis  mehrmal  länger  als  die  Blüthen, 
meist  am  Grunde  mit  Hochblättern.  Blüthenstand  wenig-  bis  seltener 
vielblüthig.  Perigonblätter  länglich -lanzettlich,  meist  5 — 6  mm 
lang,  in  eine  stumpfliche  Spitze  verschmälert,  rosa  gefärbt,  zuletzt 
verbleichend,  mit  rothem  Mittelstreifen.  Staubfäden  am  Grunde  unter- 
einander und  mit  den  Perigon blättern  verbunden,  gleichlang,  aus 
linealisch-lanzettlichem  Grunde  pfriemenförmig. 

An  Kalkfelsen,  steinigen  Hügeln,  auf  trockenen  Wiesen,  Sand- 
feldem,  nur  im  südliehen  Gebiete.  Dauphine.  Provence.  Istrien  nebst 
den  Inseln.  Kroatisches  Litorale!  auch  am  Kalnik;  Dalmatien  !  Herce- 
govina.  Montenegro.  Ungarn:  Semlin;  zw.  Bazias  und  Svinica.  Ofener 
Berge!!  Sandige  Orte  auf  der  Insel  Csepel  bei  Pest  (Neilr.  Ungarn  53, 
Nachtr.   20.)    Steiermark:    Rohitsch    (Maly  41).     Bl.   Juli — September. 

A.  moschatmn  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  298  (1753).  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  122.  Koch  Syn.  ed.  2.  828.  Nyman  Consp.  742.  ßuppl. 
310.  Richter  PI.  Eur.  I.  203.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXCVHI  fig.  1091. 
A.  tenuissimum  Habl.  Descr.  phys.  Taur.  162  (1788).  A.  capüläre 
Cav.  Ic.  et  descr.  III.  4  t.  206  fig.  1  (1794).  Ä.  setäceum  Waldst. 
u.  Kit.  Ic.  descr.  pl.  rar.  Hung.  I.  70  t.  68  (1802).  A.  Cwpäni1) 
Guss.  PI.  rar.  Sic.   143  (1826)  nicht  Rafin. 

Regel,  zieht  (a.  a.  O.)  hierher  auch  A.  Se'rbicum  Vis.  u.  Panö.  Mem.  Ist. 
ven.  1864.  479  aus  Serbien  (auch  bei  Mokra  Gora  an  der  Grenze  des  Occupations- 
gebietea)  und  A.  inaequrile  Jauka  Linnaea  XXX.  603  (1860)  aus  Süd-Russland, 
die   jedoch    nach  Janka    (nach  Nyman  Consp.  742)    eigene  Arten  darstellen  sollen. 

(Languedoc;  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel;  Süd- 
Russland;   Kaukasus;  Vorder- Asien ;  Ural.)  |"jjT 

*  A.  coerüleum.  2|_.  Zwiebeln  eiförmig  oder  kugelig-eiförmig,  einzeln  oder 
gedrängt,  mit  weisslichen,  zuletzt  braunen  oder  schwärzlichen  (nicht  wie  bei  moschat. 
netzfaserigeu)  ganzen  oder  wenig  zerspaltenden  Hauten.  Stengel  aufrecht, 
meist  4 — 8  dm  hoch,  röhrig,  nur  unter  der  Mitte  von  Blattern  umgeben.  Blätter 
linealisch,  durch  den  grossen  Kiel  dreikantig,  hinfällig.  Hülle  des  Blüthenstandes 
zweiklappig,  mit  kugelig-eiförmigen  Klappen,  halb  so  lang  als  die  Blüthenstiele. 
Blüthenstand  rielbiüthig,  kugelig,  selten  halbkugelig.  Blüthenstiele  dünn,  faden- 
förmig, mehrmals  länger  als  die  Blüthen.  meist  1— 3  cm  lang.  Perigonblätter 
spitzlieh,  himmelblau,  die  äusseren  eiförmig-lanzettlioh,  die  inneren  lanzettlich. 
Staubblätter  etwa  so  lang  oder  etwas  länger  als  die  Perigonblätter. 

In  Sibirien  und  in  Turkestan  heimisch,  bei  uns  wegen  der  schiin  blauen  Blüthe 
oft  in  Gärten.     Mai,  Juni. 

A.  coerüleum  Pall.  Reis.  II.  504  (1772).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  98.  Fl. 
des  serres  III.  t.  300.  A.  eoeruliseens  Don  Monogr.  34  (1826)  und  der  Gärten  nicht 
Boiss.    A.  azureum  Ledeb.  Fl.   Alt.  II.   13  (1830).  Ic.  pl.  Ross.  t.   136. 

Durch  die  Farbe  der  Blüthe  sehr  ausgezeichnet. 

i)  S.  II.   1.  S.  284  Fussn.   1. 


Allium.  137 

b.  Blätter  flach  oder  wenn  röhrig,  die  Hülle  des  Blüthenstandes 
lang  (geschnäbelt  bis  geschwänzt)  zugespitzt. 
1.  Macröspatha1)  (G.  Don  Mem.  Werner  Soc.  VI.  37  [1826]. 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  12,  30,  183  [1875].  Porrum2) 
Moench  Meth.  263  [1802]  nicht  G.  Don.  Codonoprasum3) 
Rchb.  Consp.  66  [1828].  Koch  Syn.  ed.  2.  831.  Aschers. 
Fl.  Brand.  I.  727.)  Hülle  des  Blüthenstandes  meist  2  klappig, 
bleibend,  die  eine  Klappe  lang  zugespitzt.  Blätter  linealisch, 
flach  oder  ziemlich  dick,  röhrig,  unterseits  gestreift.  Blüthen 
stand  oft  mehr  oder  weniger  locker.  Staubblätter  sämmtlich 
ungezähnt,  eine  Strecke  weit  mit  den  Perigonblättern  ver- 
bunden. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  die  z.  T.  mit  unseren  Arten  z.  T. 
unter  einander  sehr  nahe  verwandten:  A.  Sibthor  planum*)  (Rom. 
u.  Schult.  Syst.  VII.  1057  [1830].  A.  montänum  Sibth.  u.  Sm.  Fl. 
Graec.  IV.  t.  319  [1823]  nicht  Schmidt  u.  a.  .4.  Smithii»)  Nyman  Syll. 
Suppl.  65  [1865].  A.  paniculatum  rj.  montänum  Regel  All.  adh.  cogn. 
Monogr.  194  [1875])  in  Griechenland  und  Kleinasien.  —  A.  calli- 
mi schon^)  (Link  Linnaea  IX.  140  [1834].  A.  Borydmim"')  Kunth 
Enum.  pl.  IV.  411  [1841])  in  Griechenland.  —  A.  Achdjum  (Boiss. 
u.  Orph.  Fl.  Graec.  exs.  427.  Nyman  Consp.  740  [1882]  nur  der  Name. 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  259  [1884])  in  Griechenland.  —  A.  SipyleumS) 
(Boiss.  Diagn.  Ser.  1.  V.  58  [18  ].  A.  cjcile  Boiss.  u.  Orph.  Diagu.  Ser. 
2.  IV.  118  [1859])  auf  Chios  und  in  Kleinasien.  —  A.  melanan- 
theru n»9)  (Panc.  Eiern,  fl.  Bulg.  61  [1883])  in  Bulgarien.  —  A.  sta- 
mineum  (Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  1.  IV.  119  [1844])  in  Griechen- 
land und  Kleinasien  mit  der  Rasse  B.  Hymettium  in)  (Boiss.  Fl.  Or.  V. 
257    [1884].    A.  Hymettium  Boiss.  u.  Heldr.  Diagn.  pl.  Or.  ser.   2.  IV. 


l)  Von  payiQÖg  lang,  gross  und  ojiä&r}   u.  a.  Blüthenstandhülle   der  Palmen. 

'-')  S.  S.  97  Fussn.  1. 

3)  Von  kcüScüv  Mündung  der  Trompete,  in  der  Botanik  oft  in  der  Bedeutung 
Glocke  gebraucht  und  nqaaov  s.   S.   100  Fussn.   1. 

J)  S.  II.   1.  S.  22  Fussn.   1. 

ö)  S.  I.  S.  201  Fussn.   1.  II.   1.  S.  22  Fussn.   1. 

fi)  Von  hcLAÄos  Schönheit  und  plo%os  Fruchtstiel,  wegen  der  lebhaft  gefärbten 
Blütheustiele. 

7)  Nach  Jean  Baptiste  Marcellin  Bory  de  St.  Vincent,  *  1780  Agen 
(Lot-et-Garonne)  f  22.  Dec.  1846  Paris,  Mitglied  des  Instituts,  besonders  aus- 
gezeichnet als  wissenschaftlicher  Reisender  und  Kryptogamenforscher.  Schon  1798 
begleitete  er  den  Capitän  Baudin  auf  seiner  Expedition  nach  Neuhollaud ;  1804 
veröffentlichte  er  das  Kupferwerk  Voyagc  dans  les  quatre  principales  iles  des  mers 
d'Afrique  3  Bände.  Später  machte  er  als  Officier  die  Feldzüge  Napoleons  mit, 
wobei  er  in  Berlin  mit  Wi  11  den  ow  persönliche  Beziehungen  anknüpfte,  welchem  er 
die  bisher  unbestätigte  Angabe  der  Selaginella  denticulata  in  Polen  (I.  S.  162)  machte. 
Er  war  später  Mitglied  der  Commissionen  zur  Erforschung  Griechenlands  und  Al- 
geriens (Expedition  scieutifique  de  Moree  Paris  1832)  und  mit  seinem  Landsinaune 
Chaubard  (s.  VI.  1.  S.  809  Fussn.  4)  Nouvelle  Flore  du  Peloponncse  Paris  u. 
Btrasb.  1838.  In  seinen  letzten  Lebensjahren  beschäftigte  ihn  besonders  die  Gattung 
hoetes,  deren  Stamm  er  in  der  von  dem  Hauptmann  Durieu  im  Magen  eines 
Rebhuhns  gefundenen   stachligen   Knolle  erkannt    hatte  (s.   I.   S.    104). 

8)  Nach  dem  Berge  Sipylos    in  Lydien. 

!')  Von  /.leAag  schwarz  und  äv&rjQCC  Staubbeutel. 
IC)  Nach    dem    noch    heute    durch    seinen  Honig  berühmten  Gebirge  Hymettos 
unweit  Athen. 


138  Liliaccae. 

120  [1859])  in  Griechenland.  —  A.  acre  (Presl  Delic.  Prag.  147  [1822]) 
in  Sicilien.  —  A.  flcxttdsum  (Urv.  Mem.  soc.  Linn.  Paris  I.  294 
1 1822].  A.  Phalcreumi)  Heldr.  u.  Sart.  Act,  congr.  Firenze  1874.  233. 
A.  UrvilleiZ)  Heldr.  u.  Sart.  nach  Nyman  Consp.  741  [1882])  in 
Griechenland.  —  A.  pildsum  (Sibth.  u.  Sm.  Fl.  Graec.  prodr.  I.  221 
[1806])  und  A.  luteolum  (üaläcsy  Consp.  Fl.  Graec.  III.  256  [1904]) 
im  Griechischen  Archipel.  —  A.  f rigid u vi  (Boiss.  u.  Heldr.  Diagn. 
pl.  Or.  ser.  1.  XIII.  44  [1853])  in  Griechenland.  —  A.  Rhoddpeumi) 
(Velenovsky  Fl.  Bulg.  560  [1891])   in  Bulgarien. 

a.  a.  Blüthenstiele    sehr   ungleich   lang,    einige    meist    stark   ver- 

längert, mehr  oder  weniger  schlaff  und  hängend  (in  der 
Frucht  aufrecht).     Blüthenstand  nie  kugelig. 

1.  1.  Blüthenstand  keine  Zwiebeln  tragend. 

Gesammtart  A.  paniculätum  (783 — 5). 

a.  a.  Staubblätter  etwa  so  lang  oder  kürzer   als   die  Perigon- 

blätter. 

783.  (21.)  A.  paniculätum.  2|_.  Zwiebel  eiförmig  mit  ziemlich 
derben,  weisslichen,  zuletzt  oft  braunen  bis  schwärzlichen  Häuten. 
Stengel  aufrecht,  am  Grunde  oft  geschlängelt,  meist  2  bis  fast  6  dm 
hoch,  stielrund,  gestreift,  meist  bis  etwa  zur  Mitte,  seltener  bis  über  die 
Mitte  von  Blättern  umgeben.  Blätter  schmal  linealisch,  halb- 
stielrund,  selten  flach,  meist  etwa  2,  seltener  bis  über  3  mm  breit, 
oberseits  gefurcht,  derb.  Hülle  des  Blüthenstandes  zweiklappig,  etwas 
krautig,  in  einen  mehr  oder  weniger  langen  stielrunden  Schnabel  ver- 
schmälert, länger  bis  vielmals  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthen- 
stand meist  locker,  seltener  mehr  oder  weniger  büschelig.  Blüthenstiele 
länger  bis  vielmals  länger  als  die  Blüthen,  mitunter  wenige  bis  über 
3  cm  lang,  die  blüthentragenden  meist  nickend  oder  hängend,  später 
aufreeht,  am  Grunde  mit  Hochblättern.  Perigonblätter  länglich,  stumpf, 
selten  stachelspitzig  oder  spitz.  Staubblätter  etwa  so  lang  oder  kürzer 
als  die  Perigonblätter,  pfriemlich,  am  Grunde  verbunden,  in  den  Buchten 
selten  mit  kurzem  Zahne.  Fruchtknoten  meist  verkehrt-eiförmig  nach 
dem  Grunde  verschmälert.  Griffel  kurz,  zuletzt  verlängert,  mit  kopfiger 
ungetheilter  Narbe.     Frucht  verkehrt-eiförmig. 

Nur  im  Mittelmeer-  und  im   Gebiet  der  Pannonischen  Flora. 

A.  paniculätum  L.  Syst.  pl.  ed.  10.  978  (1759).  Koch  Syn.  ed. 
2.  832.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  191.  Nyman  Consp.  739.  Suppl. 
309  erw.  Richter  PI.  Eur.  I.  207  veränd.  Cepa  paniculata  Moench 
Meth.  243  (1794).  Pornim  paniculätum  Moench  Meth.  Suppl.  246 
(1802).    Coäonbprasum  paniculätum  Rehb.  Fl.  Germ.  exe.  115  (1830). 

Eine  ausserordentlich  veränderliche  Art,  deren  Formen  systematisch  sehr 
schwer  zu  bcweithen  sind.    Von  einigen  Schriftstellern  wird  sie  in  eine  ganze  Reihe 


!)  Nach  Phaleron,  im  Alterthum  einer  der  3  Häfen  Athens,  jetzt  einem  Seebad- 
Vorort  dieser  Stadt. 

2)  S.  II.   1.  S.   155  Fussn.  2. 

3)  Im  Rhodope-Gebirge  in  Süd-Bulgarien  gefunden. 


Allium.  139 

vollwertiger  Arten  zerlegt  u.  a.  von  Freyn  (ZBG.  Wien  XXVII.  445  [207]  ff. 
XXXI.  388  [30]),  der  die  Formen  am  Standorte  stndirte,  Kerner  (ÖBZ.  XXVIII 
[1878]  151  ff.);  von  anderen  (wie  z.  B.  Regel)  werden  die  hierhergehörigen 
Formen  nur  als  Abarten  betrachtet.  Die  Formen  alle  als  gleichwerthig  zu  betrachten 
erscheint  nicht  möglich,  wir  gliedern  sie  deshalb  je  nach  ihrer  Verwandtschaft  in 
folgender  Reihe. 

A.  A.  intermedium.  Stengel  meist  2 — 6  dm  hoch,  ziemlich 
kräftig.  Blätter  glatt,  mit  meist  0,5 — 2  mm  breiter  Spreite.  Hülle  des 
Blüthenstandes  3  cm  bis  etwa  2  dm  lang.  Blüthenstand  meist  sehr 
locker,  mit  z.  T.  sehr  verlängerten  Blüthen stielen,  meist  reichblüthig. 
Perigonblätter  länglich,  stumpf  oder  abgestumpft,  seltener 
kurz  stachelspitzig,  meist  5 — 6  mm  lang,  mehr  oder  weniger  lebhaft 
purpur-rosa,  selten  weiss  oder  gelblich. 

Bei  uns  die  verbreitetste  Unterart.     Bl.  Juni,  Juli. 

A.  intermedium  DC.  Fl.  Franc.  V.  318  (1815).  Nyman  Consp. 
739.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXXXVI  fig.  1066.  A.  lepidum  Kunth 
Enum.  pl.  IV.  408  (1843).  A.  paniculatum  A.  obtusiflöram  Brand 
in  Halber- Wohlfarth  Koch's  Syn.  2493  (1905). 

Zerfällt  in  eine  Reihe  von  Rassen  von  denen  in  Europa  aber  nicht  im  Gebiete 
vorkommen:  Caucäsicum  (Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  192  [1875])  in  Süd- 
Russland,  der  Krim  und  im  Kaukasus.  —  rupe'stre  (Regel  a.  a.  O.  [1875].  A. 
rupestre  Stev.  Mem.  Soc.  Mosq.  III.  260  [1812],  A.  paniculatum  ß.  macilentum 
Ledeb.  Fl.  Ross.  IV.  176  [1853])  in  der  Krim,  im  Kaukasus,  Vorderasien  und  Nord- 
Africa.  —  Bei  uns  nur  folgende: 

I.  Hülle   des  Blüthenstandes    mehr   oder  weniger   schlaff,    dünn,    so 
lang  oder  doch  höchstens   1 lJ%  mal  so  lang  als  der  Blüthenstand. 

a.  Blätter  schmal  linealisch,  halb  stielrund,  meist  etwa  2  mm  breit. 

typicum.  Pflatize  meist  ziemlich  kräftig.  Blüthenstand 
oft  sehr  reichblüthig.  Blüthen  ziemlich  klein  bis  mittelgross. 
Perigonblätter  mehr  oder  weniger  lebhaft  purpur- 
rosa,  meist  ganz  stumpf,  ohne  Stachelspitze,  mitunter  an  der 
Spitze  etwas  ausgerandet,  die  Blüthe  daher  vorn  meist  glatt 
abgestutzt  erscheinend. 

Im  Mittelmeergebiete  verbreitet,  in  der  Dauphine  und  Pro- 
vence, an  der  Riviera.  Das  Vorkommen  in  den  Adriatischen 
Küstenländern  bedarf  wegen  der  Verwechselung  mit  A.  tenui- 
florum  (s.  S.  142)  der  Bestätigung.     Bl.  Juni,  Juli. 

A.  paniculatum  a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
191   (1875). 

Die  Blüthen  dieser  Form  sind,  wie  schon  Koch  bemerkt,  häufig 
kleiner  als  bei  der  folgenden.     Eine  besonders  kleinblüthige  Abart  ist: 

2.  parvifldrum    (A.  parviflorum    Bove    PI.  exs.  Gall.  austr.    nach  Regel 
a.  a.  O.  192  [1875]  ob  auch  L.  ?).  Perigonblätter  meist  nur  3 — 4  mm  lang. 

(Verbreitung  der  Rasse:  West-  und  Süd  -  Frankreich ; 
Italien;  Balkanhalbinsel;  Mittel-  und  Süd-Russland;  Krim; 
Kaukasus.)  ~ 


1  j(  i  Liliaceae. 

},.  pallens.  Stengel  meist  massig  kräftig,  oft  hin-  und  her- 
gebogen.  Hülle  des  Blüthen Standes  meist  erheblich  länger 
als  der  Blüthenstand.  Blüthenstiele  oft  kürzer  als  beim 
Typus,  oft  gleichmässiger  und  w<  niger  nickend,  daher  der 
Blüthenstand  dichter.  Perigonblätter  stumpf  aber  fast 
stets  mit  deutlicher,  aufgesetzter  Stachelspitze,  bleich,  gelb- 
lich  bis   weis  such,  oft   mit  grünen   Mittelstreifen. 

So  im  Mittelmeergebiet:  Daupbine;  Provence,  Riviera, 
Venetien,  Küstenland,  Istrien!  nebst  den  Inseln,  Kroatien, 
Dalmatien,   Hercegovina,  Montenegro.     Bl.  Juli,  August. 

A.  paniculatum  ß.  pallens  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France 
III.  209  (1856).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  193  (IST.")). 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  260.  Beck  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX. 
186.  Red.  Lil.  V.  t.  272.  A.  pallens  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  419 
(1762).  Koch  Svn.  ed.  2.  832.  Nyman  Consp.  740.  Suppl. 
309,  :i74.  A.parvißorum  Desf.  Fl.  Atl.  I.  290  (1798)  nicht 
L.  A.  ülbidum  Presl  Del.  Prag.  146  (1822).  A.  cändichon 
Presl  Fl.  Sic.  42  (1826)?  A.  Coppoleri1)  Tin.  Cat.  hört. 
Panorm.  18  (1827).  Nyman  Consp.  740.  Suppl.  309.  A. 
collinum  Guss.  in  Ten.  Syll.  169  (1831).  A.  dentiferum 
Webb  Phyt.  Canar.  t,  234  "(1836— 50).  A.  oblttum  Nyman 
Syll.  Suppl.  65  (1863)  nach  Richter  a.  a.  O. 

Als  Art  kann  diese  Rasse  unmöglich  aufgeführt  werden,  da  sie 
vom  Typus  der  Art  ausser  durch  unwesentliche  Merkmale  fast  nur 
durch  die  Farbe  der   Blüthe  abweicht. 

Hierzu  gehört: 

2,  margin  ätu  in.  Blätter  von  der  Mitte  bis  zur  Spitze  an  den  Rändern 
und  am  Kiel  rothbraun.  Perigon  wi'isslich.  —  In  Siebenbürgen:  St. 
Gotthard.  —  A.  paniculatum  A.  I.  a.  2.  b.  marginabwm  Janka  Term. 
füz.   VIII.  29  (1884).     Nyman  Consp.  Suppl.  309. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Iberische  Halbin.se! ;  Corsica; 
Italien;  Balkanhalbinsel;  Süd-Russland; Vorderasien;  Nord- 
Africa;  Canarische  Inseln.)  |7jT 

b.  Blätter  flach,   meist    3  mm  breit  oder  breiter. 

f  us cum.  Stengel  meist  2  bis  über  5  dm  hoch,  über  dem 
Grunde  meist  mit  2  Blättern.  Blätter  unterwärts  gekielt,  ober- 
wärts  rinnig,  zuletzt  oft  zusammengerollt.  Hülle  des  Blüthen- 
standes  meist  lang,  (öfter  mehrmals)  länger  als  der  Blüthen  - 
Btand.  Blüthenstand  meist  sehr  locker,  vielblüthig.  Perigonblätter 
Stumpf,  öfter  an  der  Spitze  kurz  stachelspitzig,  purpurviolett  oder 
weisslich,   meisl    mit    braunen    Mittelstreifen. 

An  steinigen  Orten,  bisher  nur  im  südöstlichen  Gebiete: 
Insel  Lussin.  Kroatien.  Hercegovina.  Montenegro.  Süd-Ungarn: 
Banal !  und  in  Siebenbürgen  ! 


l)    Nach   Francesco  Coppoler,    *   1799    f   1830  'Palermo,    Verfasser    einiger 
botanischer  Bohriften  (Saccardo  I. 


Allium.  141 

A.  paniculatum  ß.  fuscum  Boiss.  Fl.  Or.  V.  260  (1884). 
A.  fuscum  Waldst.  u.  Kit.  Ic.  descr.  pl.  rar.  Hung.  III.  267 
t.  241  (1812).  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  190.  Nyman 
Consp.  740.  Suppl.  309.  Richter  PI.  Eur.  I.  206.  Rchb.  Ic. 
X.  t.  CCCCLXXXV  fig.  1064.  Codonopräsum  fuscum  Rchb. 
Fl.  Germ.  exe.   115  (1830). 

Wir  sind  entschieden  der  Meinung,  dass  A,  fuscum  unmöglich  von 
A.  paniculatum  als  Art  getrennt  werden  kann.  Ausser  den  flachen 
Blättern,  die  diese  Form  auszeichnen,  ist  kein  constantes  Merkmal  zu  finden, 
kein  Merkmal,  welches  nicht  auch  (besonders  bei  der  Rasse  longispathum) 
wiederkehrte.  Die  Breite  der  Blätter  ist  nun  aber  bei  allen  Formen  des 
A.  paniculatum  sehr  wechselnd,  oft  sind  die  jungen  Blätter  flach  und 
rollen  sich  später  ein  und  diese  Einrollung  findet  sich  mehr  oder  weniger 
spät  auch  oft  an  typischen  Formen  des  A.  fuscum.  Dass  gerade  diese  Form, 
wie  Kern  er  (a.  a.  O.  152)  und  Beck  (Glasnik  XV.  204  [1903]  Wiss. 
Mitth.  IX.  480  [1904])  annehmen,  den  Typus  des  Linne'schen  A.  pani- 
culatum darstelle,  halten  wir  mit  Freyn  (a.  a.  O.  388)  nicht  für  erwiesen. 

Hierher  gehört : 
2.  Fussii  i).  Pflanze  schlanker.  Stengel  meist  hin- und  hergebogen,  dünn. 
Blätter  schmal-linealisch,  an  den  Rändern  fein  rauh.  Blüthen- 
stand nicht  sehr  reichblüthig,  locker.  Perigonblätter  meist  ziemlich  breit, 
oft  deutlich  stachelspitzig,  heller.  —  So  nur  in  Siebenbürgen :  Gross- 
scheuern (Nagy-Csür)  (Fuss!).  Bl.  August,  September.  —  A.  panni- 
culatum  A.  I.  b.  2.  Fussii  A.  u.  G.  Syn.  III.  141  (1905).  Codonopräsum 
fuscum  Fuss  Ber.  15  (1854).  Allium  fuscum  Fuss  Fl.  Transs.  655  (1866). 
A.  Fussii  Kern.  ÖBZ.  XXVIII  (1878)  155.  Nyman  Consp.  Suppl.  309. 
A.  fuscum  b)  Fussii  Richter  PI.  Eur.  I.  207  (1890).  —  Steht  an- 
scheinend auch  der  Rasse   Caucasicum  (s.  S.   139)  nahe. 

Zu  dieser  Rasse  gehört  nach  Nyman  (Consp.  740)  auch  A.  Savii') 
Pari.  Fl.  It.  II.  554  (1852). 

(Verbreitung  der  Rasse :  Pyrenäen ;  Italien ;  Balkanhalb- 
insel;  Kleinasien.)  \*~\ 

II.  Hülle  des  Blüthen Standes  meist  starr,  mehrmals  bis  vielmals  länger 
als  der  Blüthenstand  (vgl.  auch  I.  a.  2.  pallens  und  I.  b.  fuscum). 

longispathum  3).  Pflanze  meist  gross  und  kräftig.  Stengel 
meist  4 — 6  dm  hoch.  Blätter  dicklich.  Hülle  des  Blüthenstandes 
denselben  um  das  Dreifache  und  mehr  überragend.  Blüthenstand 
gross,  meist  sehr  reichblüthig.  Blüthen  meist  gross.  Perigonblätter 
bis  8  mm  lang,  meist  ganz  stumpf,  ohne  oder  mit  kurzer  stumpf- 
licher Stachelspitze,  roth  oder  rosa,  selten  weiss. 

Nur  auf  eultivirtem  Boden  im  Adriatischen  Küstengebiet. 
Istrien!  nebst  den  Inseln.    Kroatien.    Dalmatien?    Bl.  Juni,  Juli. 

A.  panniculatum  s.  longispathum  Regel  All.  adh.  cogn. 
Monogr.  193.  Richter  PI.  Eur.  I.  207.  A.  longispathum  Red. 
Lil.  t.  316  (1812).  Nyman  Consp.  740.  Suppl.  309.  Rchb.  Ic.  X 


i)  S.  II.  1.  S.  278  Fussn.  4. 
*)  S.  II.  1.  S.  275  Fussn.  1. 

3)  Von  longus  lang  und  spatha  (ojid&t]  s.  S.   137  Fussn.   1)  schon   im  Alter- 
thum  u.  a.  Hüllblatt  der  Palmen. 


142  Liliaceae. 

t.  CCCCLXXX  VII  fig.  1068.  Codonoprastim  longispathttm  Rchb. 
Fl.  Genn.  ex«'.   115  (1830). 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  in  typischer  Ausbildung  einen  sehr 
eigenartigen  Eindruck  macht,  deren  Grenzen  aber  gegen  die  benachbarten 
Baasen  keine  gar  Bcharfen  sind.  Zufällige  Verlängerungen  der  Hülle  des 
Blüthenstandes  kommen  bei  den  übrigen  Rassen,  besonders  den  beiden  vor- 
hergehenden  nicht  selten  vor.  Von  Regel  und  anderen  sind  die  Rassen 
nicht  scharf  tretreunt  worden.  Bei  Sichtung  eines  grossen  Materials  ver- 
mochten wir  sie  stets  gut  zu  scheiden.  —  Bei  der  Mehrzahl  der  hierher- 
gehörigen  Eormen  sind  die  Perigonblätter  ganz  stumpf,  mitunter  sogar  etwas 
ausgcrandet  und  entsprechen  etwa  der  von  Reichenbach  (Ic.  X  t. 
CCCCLXXXVI  fig.  1065)  als  A.  intermedium  (A.  incarnatum)  abgebildeten 
Pflanze,  nicht  selten  indessen  findet  man  auch  Exemplare,  bei  denen  eine 
schwache  Zuspitzung,  neben  einer  deutlichen  Stachelspitze  bemerkbar  ist  (so 
besonders  an  Istrischen  Exemplaren).  Kerner  (ÖBZ.  XXVIII  [1878]  152) 
erklärt  diese  Form  (nach  Freyn's  Auffassung),  die  er  mit  A.  pallens  L. 
identificirt,  aber  von  A.  Coppolcri  (A.  paniculatum  ß.  pallens  Godr.  u.  Gren.) 
trennt,  für  ein  A.  oleraceum  ohne  Zwiebeln  im  Blüthenstand,  was  Freyn 
(ÖBZ.  XXXI.  388)  mit  Recht  bestreitet. 

Hierzu  gehören: 
b.  Podolicum.  Pflanze  kleiner  (selten  gross).  Stengel  ziemlich  dünn.  Blätter 
sehr  schmal  fast  borstlich  (an  grossen  Pflanzen  breit-krautig).  Hülle  des 
Blüthenstandes  sehr  verlängert,  derb,  meist  dünn,  fast  borstlich,  (an  grossen 
Pflanzen  krautig),  starr.  Blüthenstaud  ziemlich  dicht,  reichblüthig.  Perigon- 
blätter  lebhaft  rosa  mit  aufgesetzter  kurzer  Stachelspitze.  —  Bisher  nur  im 
Dniestr-Gebict  Galiziens  mehrfach  (Blockü).  —  A.  paniculatum  A.  II. 
b.  Podolicum  A.  u.  G.  Syn.  III.  142  (1905).  A.  podolicum  Blocki  Herb. 
—  Eine  sehr  auffällige  Form,  die  weitere  Beachtung  verdient. 

Weniger  wichtig  ist: 

2.  dentiferum  {A.  dentiferum  Webb  u.  Berth.  Phyt.  Can.  III.  345  t.  234 

[vor  1847].  A.  pallens  ß.  tlentiferum  Gay  Ann.  sc.  nat.  3  ser.  VIII.  201 

[1847]).  Hülle  des  Blüthenstandes  schlaff,  breit.  Blüthenstand  reichblüthig, 

ziemlich  dicht.     Perigonblätter    rosa.    —    Wohl  überall  mit  dem  Typus. 

Nur  annähernd  im  Gebiete  beobachtet  ist 
b.  praescissum.  Blüthenstiele  sehr  ungleich  lang.  Perigonblätter  bis 
fast  zur  Spitze  kaum  verschmälert,  plötzlich  abgestutzt,  ausgerandet, 
ohne  oder  fast  ohne  Stachelspitze.  Fruchtknoten  eiförmig  nach  der 
Spitze  verschmälert.  —  Bisher  typisch  nur  in  Sibirien.  —  A.  pani- 
culatum A.  IL  b.  praescissum  A.  u.  G.  Syn.  III.  142  (1905).  A.  prae- 
scissum Rchb.  Ic.  X.  21  t.  CCCCLXXXVI  fig.  1066  (1848).  —  Durch 
die  glockenförmigen,  vorn  ganz  plötzlich  abgestutzten  Perigone  sehr 
auffällig. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Pyrenäen;  Süd  -  Frankreich ; 
Italien;  Balkanhalbinsel ;  Süd-Russland;  Vorderasien;  Si- 
birien;  Nord-Africa.)  |"* 

(Verbreitung  der  Unterart:  Frankreich;  Iberische  Halb- 
in-. -1 ;  Italien  einschliesslich  der  Inseln;  Balkanhalbinsel; 
Mittel-  und  Süd-Russland;  gemässigtes  Asien;  Nord-Africa; 
Canarische   Inseln;  Madeira.)  ~£ 

JB.  A.  tetllliflörwm.  Pflanze  meist  schwächer  und  zierlicher 
als  beim  Typus.  Zwiebel  kleiner.  Stengel  aufrecht  oder  meist  bogig 
aufsteigend,  meisl  2 — 4  dm  hoch.    Blätter  schmal-linealisch,  die  unteren 


Allium.  143 

meist  halbstielrund,  das  obere  (öfter  alle)  flach,  an  den  Rändern  glatt, 
mit  stumpflicher  Spitze.  Hülle  des  Blüthenstandes  meist  ziemlich  starr, 
meist  nicht  sehr  viel  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  arm- 
oder  meist  ziemlich  reichblüthig,  meist  etwas  dicht.  Blüthen  ziemlich 
gross,  meist  ziemlich  weit  offen.  Perigonblätter  länglich-linealisch 
bis  lanzettlich,  etwas  allmählich  in  eine  scharfe  Stachelspitze 
zugespitzt,  rosa.  Frucht  fast  kugelig,  wenig  kürzer  als  die  Perigon- 
blätter. 

In  Gebüschen,  an  steinigen  Abhängen,  auf  Hügeln  nur  im  südöst- 
lichen Gebiete  in  Istrien !  und  auf  den  Inseln !  Dalmatien.  Hercegovina. 
Bl.  Juni,  Juli. 

A.  tenuiflorum  Ten.  Fl.  Neap.  I.  165  t.  30  (1811—15).  Beck 
Glasnik  XV.  204  [68]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  486 
[80]  (1904).  Nyman  Consp  740.  Suppl.  309.  A.  paniculatum  £. 
tenuiflorum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  194  (1875).  Richter  PI. 
Eur.'l.  207.  A.  paniculatum  Freyn  ZBG.  Wien  XXVII.  447  [209] 
(1877)  und  nach  ihm  und  Kerner  auch  Koch  Syn.  ed.  2.  832  (1844) 
wenigstens  die  Pflanze  Istriens,  wohl  schwerlich  ed.   1.   720  (1837). 

Zu  dieser  Unterart  gehört  nach  Nyman  (Consp.  740  [1882])  auch  A.  apen- 
mnum  Huet  Exs.  Neap.   (1856). 

(Verbreitung  der  Unterart:  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkan- 
halbinsel.) pif] 

(Verbreitung  der  Art:  Wie  die  Unterart  A.)  "jjT 

ß.  Staubblätter  erheblich  länger  bis  doppelt  so  lang  als  die 
Perigonblätter. 

784.  (22.)  A.  flavum.  %.  Zwiebel  eiförmig,  mit  ziemlich  derben, 
innen  weisslichen  oder  bräunlichen,  aussen  braunen  bis  schwärzlichen, 
öfter  längs  zerspaltenden,  mitunter  zerfasernden  Häuten.  Stengel  auf- 
recht oder  meist  bogig  aufsteigend,  meist  2  bis  über  3  dm  hoch.  Blätter 
schmaldinealisch,  halbstielrund,  oberseits  schwach  rinnig,  glatt,  etwa  so 
lang  oder  kürzer  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  etwas  krautig, 
derb,  zweiklappig,  die  eine  Klappe  meist  erheblich  länger,  schmal-linealisch 
bis  fast  borstlich,  länger  bis  mehrmals  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthen- 
stand meist  vielblüthig,  ziemlich  locker.  Blüthenstiele  sehr  dünn,  fast 
fadenförmig,  etwas  ungleich  lang,  im  Durchschnitt  etwa  3  mal  länger  als 
die  Blüthen.  Blüthen  meist  mehr  oder  weniger  glockig.  Perigonblätter 
länglich,  etwa  4 — 5  mm  lang,  stumpf  oder  gestutzt,  die  äussern  gekielt, 
mehr  oder  weniger  glänzend,  gelb.  Staubblätter  am  Grunde  unterein- 
ander und  mit  dem  Perigon  verbunden,  ungleichlang,  viel  bis  doppelt 
länger  als  die  Perigonblätter.  Griffel  verlängert  mit  kleiner  Narbe. 
Fruchtknoten  rundlich-verkehrt-eiförmig.    Frucht  eiförmig,  stark  3seitig. 

Auf  trockenen  Hügeln,  an  Felsen,  besonders  auf  Kalk  und  Trachyt. 
In  der  Provence  und  Dauphine.     Verbreiteter   im  Gebiet  der  Pannoni- 


144  I.iliaceae. 

Bchen  Flora,  wohl  nicht  über  1000  m  (Murbeck  35)  ansteigend,  in 
Kroatien,  Mte.  Ossero  auf  der  Insel  Lussin  (Haraciö  III.  1.  49), 
Dalmatien,  Hercegovina,  Montenegro,  Sandschak  Novipazar,  Bosnien, 
Ungarn!!  nördlich  bis  Nagv-Mibaly  (Ct.  Zemplin),  Nieder- Oesterreich 
im  Wiener  Becken!!  Süd-Mähren!  Siebenbürgen!  Galizien  nur  bei 
Zaleessczyki  (Knapp  57).  Die  Angabe  in  Tirol  ist  unrichtig  (Sarnt- 
hein  br.K  die  im  Italienischen  Friaul  bei  Udine  (Wulfen)  ohne  neuere 
Bestätigung.     Bl.  Juli,  August. 

.1.  flavum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  298  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  832. 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  187  z.  T.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  255.  Nyman 
Consp.  740.  Suppl.  309.  Richter  PI.  Eur.  I.  206.  Rchb.  Ic.  X  t. 
CCCCLXXXV  fig.  1063.  Cepa  flava  Moench  Meth.  243  (1794). 
Codonoprasmn  flavum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  115   (1830). 

Aendert  ab: 

A.  Pflanze  meist  2  bis  fast  5  dm  hoch. 

typicum.     Hülle  des  BlütheDStandes  meist  verlängert,    meist   mehrmals 

länger  als  der  Blüthenstand.  —  Die  bei  weitem  häufigste  Forrn.  —  A.  flavum 

a.  typicum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.   187  (1375)  z.  T.  —  Hierzu  gehört: 

II.  Taüricum.    Perigonblätter  grünlich  gelb.  —  A.  flavum  ß.  tauricum  Rchb. 

Ic.  crit.  IV  t.  DLXX  (1826).    Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  188  z.  T.  Richter 

PI.  Eur.  I.  206   z.  T.    A.  flavum  var.  nUhcnicum  Läng  Flora  X.   1    (1827) 

2.  Beil.  64? 

B.  Pflanze  niedrig,  meist  nicht  über  1,5  dm  hoch. 

I.  W  v  h  1»  i  i  i).  Stengel  oft  hin-  und  hergebogen.  Blüthenstand  meist  mehr 
oder  weniger  armblüthig.  Hülle  des  Blüthenstandes  kurz,  kürzer  oder  nicht 
viel  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthen  meist  lebhaft  gefärbt.  —  Ziemlich 
selten  an  trockenen  Hügeln,  bisher  nur  in  Mähren !  und  Ungarn !  —  A. 
flavum  B.  II.  Webbii  A.  u.  G.  Syn.  III.  144  (1905).  A.  Webbii  Olementi 
Sert.  Olymp.  91  (1855).  Nyman  Consp.  740.  Suppl.  309.  A.  flavum  ß.  minus 
Boiss.  Fl.  Or.  V.  255  (1884).  A.  callistemon*)  Webb  Herb,  nach  Boiss.  a. 
a.  O.  (1884).  —  Hierzu  gehört: 

b.  Gu  iccärdii  3).     Blüthen    bleich,    strohgelb.    —    Bisher  nur  in  Griechen- 
land. —  A.  flavum  y.   Guicciardii  Boiss.  Fl.  Or.  V.  256  (1884).     Richter 
PI.  Eur.  I.  206.   A.  Guicciardii  Heldr.  Atti  Congr.  Fir.  1874.  233  (1876). 
Nyman   Consp.  740.   Suppl.  309. 
II.  Nebrodense4).     Stengel    meist   aufsteigend,    ziemlich    starr.    Blüthenstand 
meist  armblüthig.    Hülle  des  Blüthenstandes  mehrmals  länger  als  der  Blüthen- 
stand. —  Selten.  —   A.  flavum  e.  nebrodense  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr. 
189  (1875)  z.  T.    Richter  PI.  Eur.  I.  207.    A.  nebrodense  Guss.  Prodr.  Fl. 
Sic.  I.  404  (1827).  Nyman  Consp.  740.  Suppl.  309.   —  In  Italien  verbreiteter. 
Das  zu  dieser  Art  gezogene  A.  chlor  an  thum°)  (Boiss.  Diagn.  pl.  Or 
ser.   1.  XIII.  33  [1853])  gehört  nicht  hierher. 

(Frankreich ;  Iberische  Halbinsel ;  Italien ;  Balkanhalbinsel ;  Süd- 
Ruesland;   Kaukasus;   Vorder-Asien.)  !£ 


l)  S.  II.  2.  S.  496  Fussn.  3. 

-')   Von   y.dAAog  Schönheit  und  ot^ficüv  Staubblatt. 

3)  Nach  Jacopo  Guicciardi,  einige  Jahre  Präparator  am  Museum  in  Athen 
(Krüper  br.),  welcher  in  den  50er  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  in  Griechen- 
land mit  Orphanides,  Th.  v.  Held  reich  und  Samaritani  werthvolle  Samm- 
lungen  machte  (Boissier  Fl.  Or.  I.   XIV). 

■*)  S.  I.  S.  261   Fussn.    1. 

5)  Von  iX<üq6<;  gelbgrün  und  äv&og  Blume. 


Allium.  145 

785.  (23.)  A.  pulehellum.  %.  Zwiebel  länglich-eiförmig,  öfter 
verlängert  und  wenig  verdickt,  mit  weisslichen,  zuletzt  grauen  bis 
schwärzlichen,  öfter  sich  in  Fasern  auflösenden  Häuten.  Stengel  auf- 
recht oder  bogig  aufsteigend,  meist  3 — 6  dm  hoch,  etwa  bis  zur  Mitte 
von  den  Blättern  umgeben.  Blätter  schmal-linealisch,  meist  nicht 
viel  über  1  mm  breit,  an  den  Rändern  fein  rauh,  meist  so  lang 
oder  länger  als  der  Blüthenstand.  Hülle  des  Blüthenstands  2  klappig, 
eine  Klappe  sehr  verlängert,  meist  den  Blüthenstand  sehr  weit  über- 
ragend, zuletzt  oft  zurückgeschlagen.  Blüthenstand  arm-  oder  etwas 
reichblüthig,  etwas  büschelig  bis  locker.  Blüthenstiele  sehr  dünn,  un- 
gleich lang,  die  längsten  mehrmals  länger  als  die  Blüthen.  Perigon 
aus  trichterförmigem  Grunde  glockig.  Perigon blätt er  länglich- 
elliptisch, 4 — 5  cm  lang,  ganz  stumpf,  lebhaft  röthlich-violett  bis 
fast  roth,  alle  gekielt.  Staubblätter  aus  schmal-lanzettlichem  Grunde 
verschmälert,  am  Grunde  mit  den  Perigonblättern  verbunden,  um  die 
Hälfte  bis  doppelt  so  lang  als  die  Perigonblätter. 

In  Felsspalten,  zwischen  Gerolle,  an  steinigen  Abhängen,  auf  Berg- 
wiesen im  südlichen  Gebiet:  See- Alpen;  Dauphine;  Ain;  Jura;  Tessin; 
Graubünden;  am  Corner  See!  Süd-Tirol  (bis  1250  m  ansteigend 
Sarnthein  br.).  Venetien,  Krain,  Küstenland,  Nord-Istrien ,  Dal- 
matien,  Hercegovina,  Montenegro,  Banat,  Siebenbürgen!  Mehrfach  wohl 
nicht  von  A.  carinatum  unterschieden;  das  Vorkommen  in  der  Rhein- 
fläche:   Speyer  (Doli)   bedarf  neuerer  Bestätigung.      Bl.   Juli,    August. 

A.  pulehellum  Don  Monogr.  46  (1826).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  256. 
Nvman  Consp.  740.  Suppl.  309.  A.  paniculätum  All.  Fl.  Pedem.  IL 
157  (1785).  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXIV  fig.  1061  nicht  L.  A. 
chrhusum  Vand.  in  Rom.  Script,  pl.  Hisp.  Lus.  57  (1796).  A.  colo- 
rätum  Spreng.  Syst.  II.  38  (1825).  A.  flavum  ß.  purpuräscens  Mert. 
u.  Koch  Deutschi.  Fl.  II.  232  (1826).  A.  flexum  ß.  capsuliferum 
Koch  Syn.  ed.  1.  720  (1837).  A.  carinatum  ß.  capsuliferum  Koch 
Syn.  ed.  2.  832  (1844).  A.  Fontanesii1)  Gay  Ann.  sc.  nat.  III.  8. 
209  (1847)  angeblich  eine  durch  nicht  gefurchte  Kapsel  ausgezeichnete 
Form.  A.  montänum  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXXXIII  fig.  1059  (1848) 
nicht  Schmidt  oder  Sibth.  A.  flamm  y.  pulehellum  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.   188  (1875).    Richter  PI.  Eur.  I.   206. 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  deren  systematische  Stellung  einigerruassen  strittig 
ist.  Koch,  Hausmann,  Kerner  u.  a.  haben  sie  mit  A.  carinatum  verbunden 
von  der  sie  nur  eine  Form  ohne  Zwiebeln  im  Blüthenstande  darstellen  sollte. 
Regel  dagegen  hat  sie  mit  A.  flavum  vereinigt.  Wir  halten  beides  für  wenig 
glücklich,  zumal  in  einer  so  schwierigen  Gruppe,  wie  sie  die  Gruppe  Macrospatha 
darstellt.  Wir  halten  A.  pulehellum  für  eine  Art  der  Gesammtart  A.  paniculätum, 
deren  Arten  alle  zweifellos  nahe  miteinander  verwandt  sind. 

Gleichfalls  in  der  Tracht  etc.  einigermassen  veränderlich:  das  nach  Regel 
von  mehreren  Schriftstellern  hierhergezogene  orientalische  A.  Olympicum  (Boiss. 
Diagn.  pl.  Or.  ser.  1.  "V.  58  [1844])  ist  eine  eigene  Art.  —  Von  unseren  Formen 
sind  bemerkenswert!! : 


i)   Nach  Desfontaines    (latinisirt  Fontanesius)    S.  I.  S.  258    Fussn.  1. 
Ascherson  u.  Graehner,   Synopsis.  III.  10 


146  Liliaceae. 

B.  Ligüsticum.  Perigonblätter  bellrosa,  seltener  ganz  weiss,  mit  grünem  Mittel- 
st reifen.  —  Selten.  —  A.  pulchellum  B.  Ligiislicum  A.  u.  G.  Syn.  III.  146 
(1905).  A.  Ugwtieum  De  Not.  Prosp.  Fl.  Lig.  ."»5  (1846).  A.  pallens  Rchb. 
[c  \  i  I  CCCLXXXIV  fig.  1062  (1848).  Nymau  Consp.  740.  A.  flavum  ß. 
tiuhicum  Hegel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  188  (1835)  nicht  Rchb. 
II.  gräcile.  Bliitbenstand  armblüthig.  Klappen  sowie  die  Hülle  stets  aufrecht. 
Tracht  von  A  tenuitlorum.  —  Im  Küstenlande  und  Bosnien.  —  A.  pulchellum 
f.  '/racilis  Posp.  Fl.  Oesterr.  Küstenlandes  I.  242  (1897).  Beck  Glasnik  XV. 
204  [68]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  486  [80]  (1904). 
111.  nanum  (A.  u.  G.  Syn.  III.  146  [1905]).  Pflanze  nur  bis  1,5  dm  hoch.  Bliithen- 
stand klein.  —  Au  Felsen  am  Strande  in  Istrien. 

Wichtiger  erscheint: 

b.  Va  1  d  e nsiu in  !).  Zwiebel  klein,  länglich,  bis  fast  spindelförmig.  Stengel 
meisl  nur  etwa  2  —  3  dm  hoch,  zierlich,  mir  bis  zum  unteren  Drittel 
von  Blättern  umhüllt.  Blätter  sehr  schmal  linealisch,  meist  nicht 
über  1  nun  breit.  Hülle  des  Blüthenstandes  sehr  schmal  bis  über 
doppell  so  lang  als  der  Bliithenstand.  Blüthenstiele  dünn,  sehr  lang, 
mehrmals  bis  etwa  6  mal  länger  als  die  Blüthe.  Perigonblätter  breit- 
länglich,  etwa  5  mm  lang,  stumpf,  schön  rosa  gefärbt,  mit  dunklerem 
stumpflichen  Kiel.  Staubblätter  fast  doppelt  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter. Frucht  breit-eiförmig,  3  kantig,  oberwärts  eingezogen  bis 
ö  niiii    lang. 

In  Gebüschen,  an  alten  Mauern.  See-  und  Cottische  Alpen, 
z.  B.   Val  St.  Martin  (Rostan!).     Bl.  August. 

A.  pulchellum  b.  Vdldensium  A.  u.  G.  Syn.  III.  146  (1905). 
A.  Vald&nsiuvn  Reut.  Comptes  rend.  Soc.  Haller.  IV  (1854 — 56) 
126  (1856).  Bull.  Soc.  Bot.  Gen.  126  (1881).  Nyman  Consp.  740. 
A.  flavum  d)  valde'nsium  Richter  PI.  Eur.  I.  206  (1890). 

(Verbreitung  der  Rasse:    Nur  im  Gebiet.)  [^Tj 

(Verbreitung  der  Art:  Süd -Frankreich;  Pyrenäen;  Italien; 
Balkanhalbinsel;    Kleinasien;    Kaukasus;    Palästina;    Nord-Africa.) 

*  I 

Bastard. 

B.  II.  b.  1.  a.  1.  ß. 

x  785.  A.  flavum  X  pulchellum.  Q|. 

In   Bulgarien  gefunden,  könnte  auch  im  Gebiete  vorkommen. 

A.  flamm    X   pulchellum   Veleuovsky  Fl.  Bulg.  Suppl.  I.  277  (1898). 

2  2.  Bliithenstand   mit  mehr  oder  weniger  zahlreichen  Zwiebeln. 


i)  Die  Waldenser  Thäler  (Vallees  Vandoises)  der  Cottischen  Alpen,  Val 
Angrona,  Germanasca  (St.  Martin)  und  Lucerna,  sind  der  Hauptsitz  der  um  1179 
von  Petras  Valdez  (Wal das)  in  Lyon  gestifteten  religiösen  Genossenschaft  der 
Waldenser.  Die  Flora  dieser  Thäler  namentlich  von  St.  Martin  und  Perouse  (Perosa) 
wurde  neuerdings  besonders  von  ßdouard  Rostan,  *  12.  Mai  1826  f  15.  Jan. 
1895  St.  Germain  (San  Germano  di  Pinerolo),  Arzt  daselbst,  früher  in  Perrier 
(Perrero  di  Pinerolo)  erforscht   (R.  Beyer  br.). 


Allium.  147 

Gesammtart  A.  oleraceum  (786,  787). 

786.  (24.)  A.  oleraceum.  2|-.  Zwiebel  eiförmig  bis  rundlich-  oder 
länglich-eiförmig,  meist  mit  mehr  oder  weniger  zahlreichen  Nebenzwiebeln 
mit  weisslichen  oder  braunen,  meist  wenig  zerspaltenden  Häuten.  Stengel 
aufrecht,  meist  3 — 6  dm  (bis  1  m)  hoch,  gestreift,  meist  nicht  bis  zur 
Mitte  mit  Blättern  umhüllt.  Blätter  meist  schmal-linealisch, 
meist  kaum  bis  3  mm  breit,  halbstielrund  oder  mehr  oder  weniger  flach, 
oberseits  deutlich  rinn  ig,  oberwärts  oft  flach,  glatt  oder  am 
Rande  und  unterseits  auf  den  Nerven  schwach  rauh.  Hülle  des  Blüthen- 
standes  2  klappig,  ziemlich  krautig,  am  Grunde  verbreitert,  fast  eiförmig, 
oberwärts  schmal-linealisch,  verlängert,  meist  doppelt  oder  mehrmals  länger 
als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  wenig-  bis  vielblüthig,  meist  sehr 
locker.  Zwiebeln  kugelig  bis  länglich,  meist  dunkel.  Blüthenstiele  sehr 
ungleich  lang,  dünn,  2  bis  vielmals  länger  als  die  Blüthen,  am  Grunde 
mit  Hochblättern,  zur  Blüthezeit  meist  nickend  oder  hängend.  Perigon 
trichterförmig-glockig.  Perigonblätter  länglich-lanzettlich,  meist 
etwa  5 — 7  mm  lang,  stumpf  oder  spitzlich,  oft  mit  kurzer  stumpf licher 
Stachelspitze,  grünlich,  schmutzig  hellroth  überlaufen,  seltener 
hellpurpurn  oder  weisslich.  Staubblätter  etwa  so  lang  als  die 
Perigonblätter,  pfriemlich,  am  Grunde  untereinander  und  mit  den 
Perigonblättern  verbunden,  die  inneren  etwas  breiter.  Griffel  zur  Blüthe- 
zeit meist  nicht  oder  wenig  hervorragend,  mit  kopfförmiger  Narbe. 

An  Wald-  und  Wegrändern,  in  Gebüschen,  an  Abhängen  zerstreut, 
fast  durch  das  ganze  Gebiet;  auf  den  Nordseeinseln  fehlend.  In  den 
Alpen  in  Wallis  bis  2200  m  (Jaccard  380),  in  Tirol  bis  1200  m 
aufsteigend  (Sarnthein  br.).     Bl.  Juli,  August. 

A.  oleraceum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  299  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
831.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  183.  Nyman  Consp.  741.  Suppl. 
309.  Richter  PI.  Eur.  I.  205.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXVII  fig. 
1067.  A.  carinätum  Poll.  Fl.  Palat.  I.  327  (1777)  und  vieler  anderen 
Schriftsteller  nicht  L.  A.  scabrum  Gilib.  Exerc.  phyt.  IL  469  (1792). 
Porrum  oleraceum  Moench  Meth.  Suppl.  264  (1802).  A.  intermedium 
Don  Monogr.  10  (1826)  nicht  DC.  Godonoprasum  oleraceum  Rchb. 
Fl.  Genn.  exe.   114  (1830). 

In  der  Grösse,  der  Blüthenfarbe,  der  Blattbreite  ffinigerniassen  veränderlich. 
Unsere  Formen  gliedern  sich  in  folgender  Reihe : 

A.    Blätter  stielrundlich,  nicht  flach. 

I.  angustifolium.  Pflanze  meist  ziemlich  gross  und  kräftig.  —  Die  bei 
weitem  häufigste  Form.  —  A.  oleraceum  a.  angustifolium  Koch  Syn.  ed.  2. 
831  (1844).  A.  oleraceum  Mert.  u.  Koch  Deutschi.  Fl.  II.  529  (1S26,  mit 
Ausschluss  von  ß).  A.  oleraceum  Koch  Syn.  ed.  1.  719  (1837).  —  Hierzu 
gehören : 

a.  virens.  Blüthen  grünlich,  schmutzig  hellroth  überlaufen.  —  So  am 
häufigsten.  —  A.  oleraceum  a.  virens  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  184 
(1875).  A.  virens  Lam.  Encycl.  I.  67  (1783).  Nyman  Consp.  741.  A. 
virescens  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  250  (1805).    A.    oxijpe'talum^)    Don 


J)  Von  ögvg  spitz  und  neraÄov  Blumenblatt. 

10* 


148  Liliaceae. 

Monogr.  40  (1826).    A.  parvifldrum  Thuill.  Fl.  env.  Paris  2.  ed.  160  (1799) 
nach  Regel  a.  a.  O.  (1875)  nicht  L.    A.  oleraceum  a.  typicum  Regel  a.  a. 

0.  185  (1875). 

b.  r6seum.    Blütheo  mehr  oder  weniger  lebhaft  rosa.    Pflanze  meist  kleiner. 

—    Seltener.    —    A.  olcracetnn  ß.  rosenm   Regel  All.    adh.    cogn.  Monogr. 

184  (1875)   z.  T.    A.  oleraceum  c.  rosewn  leretifo'lium  Regel  a.  a.  O.  185 

(1875). 
e.  album    (A.  u.  G.  Syn.  III.  148  [1905]).     Blüthe  weiss. 

Nach  dem  Blattrande  unterscheidet  man  beim  Typus: 

1.  leve  (A.  u.  G.  Syn.  III.  148  [1905]).    Blätter  am  Rande  ganz  glatt. 

2.  scabrum   (A.  u.  G.  Syn.  III.   148  [1905]).     Blätter  am  Rande  und  auch 
meist  unterseits  auf  den  Nerven  von  feinen  Zähnchen  rauh. 

Eine  armblüthige  Form   ist : 
b.  paucifldrum   (A.  u.  G.  Syn.  III.   148  [1905]).    Blüthenstand  nur  mit 
wenigen,    meist    nur    2 — 6    Blüthen.    —    Ziemlich    selten,    besonders    an 
trockenen  Abhängen. 

1.  vivtparum  (A.  u.  G.  Syn.  III.  148  [1905]).  Zwiebeln  des  Blüthen- 
staixles  bereits  zur  Blüthezeit  schmale  Blätter  treibend.  —  Selten,  an 
schattigen  Orten.  1.  sterile  (Beck  Fl.  NÖ.  16G  [1890]).  Blüthenstand 
nur  Zwiebeln  tragend. 

II.  alpicola.     Pflanze  klein,  meist  nicht  3  dm  hoch.     Blätter  am  Rande  meist 
rauh.     Blüthen  mehr  oder  weniger  lebhaft  rosa.    —    Selten   in  Gebirgen    an 
Abhängen.    —    A.  oleraceum  A.  II.  alpicola  A.  u.  G.  Syn.  III.  148  (1905). 
Cadonoprasum  alpicolum  Jord.  Brev.  II.  127  (1868). 
B.  Blätter  flach,   rinnig. 

com  plana  tum.  Pflanze  meist  kräftig,  hoch.  Blätter  ziemlich  (bis  4  mm) 
breit,  an  den  Rändern  meist  ganz  schwach  rauh.  Blüthen  häufig  rosa.  —  ^4. 
oleraceum  ß.  complanatum  Fries  Novit,  ed.  2.  85  (1828).  Kunth  Enum.  pl.  IV. 
400  (1843).  Koch  Syn.  ed.  2.  831.  Aschers.  Fl.  Brand.  I.  727.  A.  carinatum 
Poll.  a.  a.  O.  (1777)  im  engeren  Sinne.  Sm.  Fl.  Brit.  357  (1800).  Koch  Syn. 
ed.  1.  719  (1837).  Nvman  Consp.  741  nicht  L.  A.  oleraceum  ß.  carinn'tum 
Wahlb.  Fl.  Goth.  3ti  (1820).  A.  oleraceum  ß.  M.  u.  K.  D.  Fl.  II.  529  (1826). 
A.  complanatum  Boreau  Not.  12  (1844).  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  207. 
A.  oleraceum  ß.  rdscvm  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  184  (1875)  z.  T.  A.  olera- 
ceum 1).  rirens  comprc'ssum  und  d.  roseum  complanatum  Regel  a  a.  O.  185 
(1875). 

indinavische  Halbinsel;  Dänemark;  Britische  Inseln;  Frank- 
reich;  Nord-Spanien;  Italien;  nördlichere  Balkanhalbinsel;  mittleres 
und  südliches   Russland;  Sibirien.)  * 

787.  (25.)  A.  carinatum.  2[.  Der  Leilart  sehr  ähnlich,  von  ihr 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden :  Zwiebel  mit  öfter  dunkleren 
längs  zerfasernden  Häuten.    Blätter  schmal- oder  etwas  breit-linealisch, 

meist  bis  4  (bis  5)  mm  breit,  fasl  flach,  oberseits  schwach- 
rinn ig,  an  der  verschmälerten  Spitze  stumpf,  an  den  Rändern  fast 
Stete  ganz  fein  gezähnelt.  Blüthenstand  meist  ziemlieh  gross,  verhältniss- 
mässig  reichblüthig.  Hülle  des  Blüthenstandes  meist  sehr  verlängert. 
Blüthenstiele  -ehr  lang,  die  längsten  bis  fast  4  cm,  dünn.  Perigon 
verkehrt-eiförmig.  Perigonblätter  bis  7  mm  lang,  eiförmig- 
länglich, stumpf,  gewölbt,  mil  den  Spitzen  zusammen  neigend, 
lilapurpurn,  ziemlich  scharf  und  etwas  rauh  gekielt.  Staubblätter 
vi|l   länger,    bis   doppelt   so   lang   als   die  Perigonblätter. 


Allium.  149 

An  Wald-  und  Wegrändern,  in  Gebüschen  im  südlichen  Gebiet 
besonders  in  den  Alpen!!  und  deren  Vorlande!!  verbreitet  (in  Wallis 
bis  1750  m  [Jaccard  350],  in  Tirol  bis  1500  m  [Sarnthein  br.] 
ansteigend)  viel  seltener  im  mittleren,  ganz  vereinzelt  und  schwerlich 
ursprünglich  im  nördlichen  Gebiet.  Erreicht  die  Nordgrenze  der  zu- 
sammenhängenden Verbreitung  in  der  Bukowina  und  im  Galizischen 
Kaipatengebiet,  NW. -Ungarn,  Nieder-!  und  Ober-Oesterreich,  Mittel- 
franken, bei  Wertheim,  Oppenheim.  Weit  vorgeschoben  in  der  Graf- 
schaft Glatz  bei  Kudowa  und  Belgien  im  Vesdre-Thale  bei  Ensival 
und  Verviers.  Verwildert  und  eingebürgert  bei  Dortmund,  Holzminden, 
Lauenburg  a.  E.!  Putbus  auf  Rügen  (Paeske!)  und  Frankfurt  a.  O. ! 
sonst  nur  vereinzelt  eingeschleppt.  Das  Vorkommen  in  den  Nieder- 
landen und  Polen  bedarf  der  Bestätigung.     Bl.  Juni — Aug. 

A.  carinatum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  297  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
831.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  185.  Nyman  Consp.  740.  Suppl. 
309.  Richter  PI.  Eur.  I.  206.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXII  fig.  1057. 
A.  panicidätum  Host  Syn.  184  (1797).  A.  foetidum  Willd.  Enum. 
pl.  hört.  Berol.  Suppl.  17  (1813).  A.  flexum  Koch  Syn.  ed.  1.  720 
(1837)  excl.  ß.  (s.  S.  145).  Codonoprasttm  carinatum  Rchb.  Fl.  Germ, 
exe.  114  (1830). 

Aendert  ab : 
A.  Blätter  an  den  Rändern  nur  ganz  fein  rauh. 
I.  Perigonblätter  5 — 7  mm  lang. 

a.  flexuin.  Blüthen  lilapurpum  bis  rosa  gefärbt.  Staubblätter  meist  etwa 
doppelt  so  lang  als  die  Perigonblätter.  —  Die  häufigste  Form.  —  A.  cari- 
natum A.  I.  flexum  A.  u.  G.  Syn.  III.  149  (1905).  A.  flexum  Waldst.  u. 
Kit.  PI.  rar.  Hung.  III  t.  268  (1812).  Nyman  Consp.  740.  A.  flexudsum 
Host  Fl.  Austr.  I.  422  (1827).  A.  carinatum  a.  typicum  Regel  All.  adh. 
cogn.  Monogr.  186  (1875).  Beck  Glasn.  XV.  204  [68]  (1903).  Wiss.  Mitth. 
Bosn.  Herceg.  IX.  486  [80]  (1904).  A.  pratense  Schleich.  Exs.  nach  Regel 
a.  a.  O.  (1875).  —  Hierzu  gehören: 

2.  denticulätum.  Zwiebel  ohne  Nebenzwiebeln.  Stengel  oft  gebogen, 
niedrig  bis  ca.  2  dm  hoch.  Blätter  halbstielrund.  Blüthenstand  locker, 
vielblüthig.  Perigon  schön  purpurn.  —  Auf  grasigen  Berghängen  in 
Kroatien.  —  A.  carinatum  A.  I.  a.  2.  denticulätum  A.  u.  G.  Syn.  III. 
149  (1905).  A.  denticulätum  Kit.  bei  Kanitz  Linnaea  XXXII.  342  (1863). 

3.  consimile.  Stengel  kräftiger,  höher.  Zwiebeln  im  Blüthenstand  mehr 
zugespitzt.  Perigonblätter  hellrosa,  etwas  mehr  verlängert,  daher  die 
Staubblätter  weniger  hervorragend.  —  Bisher  nur  in  Frankreich.  —  A. 
carinatum  ß.  consimile  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  208  (1855).  A. 
consimile  Jord.  in  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  208  (1855).  Nyman 
Consp.    740. 

b.  violäceum.  Blüthen  dunkellilapurpurn  oder  dunkel  violett.  —  Selten. 
—  A.  carinatum  ß,  violäceum  Regel  All  adh.  cogn.  Monogr.  186  (1875). 
Richter  PI.  Eur.  I.  206.  A.  violäceum  Willd.  Enum.  hört.  Berol.  Suppl. 
17  (1813).  Nyman  Consp.  741.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXII  fig.  1058. 
A.  flexum  Rchb.  Ic.  crit.  V  t.  417  (1827)  nicht  Willd.  Codonoprasum 
flexum  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.  114  (1830).  A.  flexifdlium  Jord.  in  Gren.  u. 
Godr.  Fl.  France  III.  208  (1855). 

II.  Perigonblätter  klein,  nur  2 — 5  mm  lang. 

a.  parviflorum.    Perigonblätter  3 — 5  (meist  4)  mm  lang.    Griffel  die  Staub- 


150  Liliaceae. 

blfitter  aberragend.  —  Nicht  selteD.  —  A.  carinatum  f.  paiviflorum  Beck 
Ann.  N.,1.  HofmUB.  Wim  V.  570  f56]  (1890).  Glasn.  XV.  204  [68]  (1903). 
Wiss.   Mitili.   Bosd.   Herceg.  IX.  480  [80]  (1904).  —  Wichtiger  ist 

b.  Montenegrinum.  Hülle  des  Blüthenstandes  am  Grunde  breit 
hautig.  Blüthen  sehr  klein.  Perigonblätter  nur  2  — 3  mm, 
anfangs  schwach  rothlich-violett,  dann  weiss.  Staub- 
blätter 2 — 3 mal  länger  als  die  Perigonblätter,  den  Griffel 
überragend. 

Bisher  in  Bosnien:  Sarajevo?  Hercegovina:  Felsenkessel 
von  Grabovica  (Beck  a.  a.  O.);  Montenegro:  Berg  Dziebeze 
(S  z  y  s  z  y  1  o  w  i  c  z). 

u\.  carinatum  4  montenegrinum  Beck  Glasn.  XV.  204 
[68J  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  486  [80]  (1904). 
A.  montenegrinum  n.  v.  Beck  in  Beck  u.  Szysz.  PI.  Gern.  47 
( 1 S88). 

(Verbreitung  der  Rasse:  Bisher  nur  im  Gebiete.)        l^jT! 
B.  Blätter  an  den  Rändern  und  auf  den  Nerven  gewimpert-rauh. 

asperum.  Pflanze  meist  klein.  Stengel  dünn.  Blätter  sehr 
schmal.  Zwiebeln  im  Blüthenstande  klein.  Blüthen  kleiner, 
meist  nur  halb  so  gross  als  beim  Typus.  Perigonblätter 
schmäler.  Fruchtknoten  meist  verkehrt  -  eiförmig ,  an  der  Spitze 
deutlich  vertieft. 

Nur  im  südlichen  Gebiete,  dort  zerstreut!  Bl.  Juli. 
A.  carinatum  y.  asperum  Regel  All.  adh.  cogn.  Mongr.  187 
(1875).  Beck  Glasn.  XV.  204  [68]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn. 
Herceg.  IX.  486  [80]  (1904).  Richter  PI.  Eur.  I.  206.  A.  asperum 
Don  Monogr.  42  (1826).  Nyman  Consp.  741.  Rchb.  Ic.  X  t. 
CCCCLXXXIII  fig.  1059. 

Eine  sehr  bemerkenswerthe  Rasse,  die  weiterer  Beobachtung  bedarf. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Näher  festzustellen.) 

(Verbreitung    der   Art :    Süd-Schweden ;    Dänemark ;    Britische 

Inseln;    Frankreich;    Spanien;    Italien;    nördliche    Balkanhalbinsel; 

südliches  und  mittleres  Russland.)  * 

b.  Blüthenstiele  ziemlich  gleich  lang,  nach  allen  Richtungen 
(auch  meist  nach  unten)  abstehend;  Blüthen  nicht  nickend. 
Blüthenstand  daher  meist  kugelig. 

788.  (26.)  A.  globösum.  2\..  Zwiebeln  länglich  bis  fast  cylin- 
drisch,  auf  kurzer  schiefer  Grundachse,  meist  zahlreich,  gedrängt,  mit 
Nebenzwiebeln  und  weisshäutigen  oder  zuletzt  braunen,  matt  glänzenden 
ungeteilten  oder  oberwärts  zerspaltenden  Häuten.  Stengel  auf- 
recht (»der  aufsteigend,  meist  2 — 3  dm  hoch,  stielrund,  gestreift,  im 
unteren  Drittel  (nicht  bis  zur  Mitte)  von  Blättern  umgeben. 
Blätter  -ehr  schmal-linealisch,  fast  fadenförmig,  stielrund, 
oberseits  gefurcht .  meist  kürzer  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthen- 
standes zwei  klappig,  die  Klappen  aus  schmal-lanzettlichem  Grunde  all- 


Alliuni.  151 

mählich  in  einen  fast  stielrunden  Schnabel  zerschmälert,  die  eine 
meist  etwas  bis  etwa  3 mal  länger,  die  andere  meist  kürzer  als  der 
Blüthenstand.  Blüthenstand  ganz  ohne  Zwiebeln,  vielblüthig,  kugelig 
oder  seltener  halbkugelig.  Blüthenstiele  länger  bis  etwa  3  mal  so  lang 
als  das  Perigon,  meist  0,5 — 1,5  cm  lang.  Perigonblätter  eiförmig-lan- 
zettlich bis  lanzettlich,  etwa  4 — 5  mm  lang,  spitz  oder  zugespitzt,  rosa 
oder  weiss  mit  rothem  Mittelstreif.  Staubblätter  pfriemlich-linealisch, 
länger  bis  etwa  doppelt  so  lang  als  die  Perigonblätter,  am  Grunde 
kurz  mit  einander  und  mit  den  Pe'rigonblättern  verbunden.  Frucht- 
knoten fast  kugelig,  scharf  dreikantig.  Griffel  verlängert,  mit  kleiner 
Narbe. 

An  Felsen  und  steinigen  Orten,  wohl  stets  auf  Kalk ;  bei  uns  nur 
in  den  Küstengebieten  der  Adria  und  den  zunächst  angrenzenden  Land- 
schaften. Küstenländischer!  (auch  Berg  Cebulovca  in  Krain  Paul  in 
br.)  und  Kroatischer  Karst.  Dalmatien.  Bosnien.  Hercegovina.  Monte- 
negro. In  Siebenbürgen  neuerdings  vergeblich  gesucht,  s.  Simonkai 
530.     Bl.  Aug.,  Sept. 

A.  glöbosum  Red.  Lil.  III  t.  179  (1807).  Regel  All.  adh.  cogn. 
Monogr.  197.  Nyman  Consp.  741.  Suppl.  310.  Richter  PI.  Eur.  I. 
208.  Rchb.  a.  a.  O.  t.  CCCCXCVII  fig.  1088  (1848).  A.  saxätile 
M.  B.  Fl.  Taur.  Cauc.  I.  264  (1808)  erw.  Koch  Syn.  ed.  2.  829. 
Nyman  Consp.  741.  Suppl.  310.  A.  savräniciim1)  Bess.  Cat.  sein, 
hört.  Crem.  Suppl.  1818.  Nyman  Consp.  741.  A.  rubellum  Willd. 
n.  Kunth  Enum.  IV.  417  (1843).  A.  Caucäsicum  Ker-Gawl.  Bot,  Mag. 
t.  1143  (1808).  A.  Steveni2)  Willd.  a.  bis  y.  nach  Ledeb.  Fl.  Ross. 
IV.  177  (1853).  Nyman  Consp.  741.  A.  sziirulensez)  Lerchenf.  bei 
Schur  Verh.  Sieb.  Ver.  IV.   94  (1853). 

Hierher  die  Rasse: 
B.  xänthicum4).  Zwiebel  schlank  mit  etwas  rothbraunen  Häuten 
Blätter  sehr  dünn,  verlängert,  meist  unregelmässig  gebogen.  Hüllen 
des  Blüthenstandes  weiss -häutig,  meist  nicht  viel  länger  als  der 
Blüthenstand,  ziemlich  breit.  Blüthenstiele  nicht  viel  länger  bis 
kaum  doppelt  so  lang  als  die  Blüthen.  Perigonblätter  ziemlich 
gross,  etwa  6  mm  lang,  spitz  oder  stumpflich,  g  e  1  b. 

In  der  alpinen  Region  der  südl.  Karpaten  Siebenbürgens. 
A.  glöbosum  B.  xänthicum  A.  u.  G.  Syn.  III.  151  (1905). 
A.  xänthicum  Griseb.  u.  Schenk  in  Wiegm.  Arch.  I.  358  (1852). 
Schur  Enum.  pl.  Transs.  672.  Nyman  Consp.  741.  Suppl.  310. 
A.  petraettm  Kar.  u.  Kir.  Enum.  pl.  Song.  816  (1842).  A.  ochro- 
leücum  Rchb.  Ic.  X.  25  t.  CCCCXCVIII  fig.  1090  (1848),  nicht 
Waldst.    u.    Kit,    A.  Steveni  d.  Ledeb.  Fl.  Ross.  IV.  177    (1853). 


!)  Bei  Ssawran  am  Bog  im  südöstlichen  Podolien  gefunden. 

2)  S.  S.  19  Fussn.  3. 

3)  Auf  der  Alp  Szurul    in  Siebenbürgen    gefunden,    wo    aber    die  Art    neuer- 
dings vergeblich  gesucht  wurde  (Simonkai  530). 

4)  Von  ^av&ög  hellgelb;    die  Form  ^avd'iy.og   kommt  im  Alterthum  nur  als 
Monatsname  bei  den  Makedoniern  vor. 


]52  Liliaceae. 

A.    tewuifölium    und   A.    chloränthum1)   Schur   a.    a.  O.   (1866). 

Nvman  Consp.  741.    A.  globösum  ß.  ochroleucnm  Regel  All.  adh. 

cogn.  Monogr.   199    (1875).    Boiss.  Fl.  Or.  V.  248.     A.    globösum 

b)  petramm  Richter  PL  Eur.  I.  208. 
Boissier  zieht  a.  a.  O.  das  Marschall  Bieberstein'sche  A.  saxdtile  zu 
dieser  Basse,  zu  der  auch  die  Reichenbach'sche  Abbildung  t.  CCCCXCV1I  fig. 
1067  gehört,  eine  Forin  mit  (in  Folge  zu  jugendlichen  Zustaudes?)  kurzen  Staub- 
bl&tte».  Wir  haben  die  Pflanze  aus  Siebenbürgen  ebensowenig  wie  Simon  kai 
um!  A.  v.  Degen  gesehen;  im  Herbar  des  Letzteren  sahen  wir  die  in  den  Kar- 
paten allein  vorkommende  schmalblätterige  Form  des  A.  ochroleucnm  von  zahlreichen 
Fundorten.     Nach  Simon  kai  530  wurde  sie  oft  mit  A.  xanthicum  verwechselt. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Kaukasus;  Süd-Sibirien;  Dsungarei.)     |jf 

(Verbreitung  der  Art:   Balkanhalbinsel;  Süd-Russland;  Kaukasus; 

Sibirien;  Dsungarei.)  pT 

Das  von  Regel  (All.  adh.  cogn.  Monogr.  200)  als  fraglich  in  der  Verwandt- 
schaft dieser  Art  aufgeführte  A  parvißo'rum  (L.  Spec.  pl.  ed.  2.  427  [1762].  Richter 
PI.  Eur.  I.  208)  ist  seiner  Zugehörigkeit  nach  mit  Sicherheit  nicht  mehr  festzu- 
stellen, wir  haben  es  oben  bei  den  betreffenden  Formen,  mit  denen  es  von  den 
verschiedenen  Schriftstellern  identificirt  wird,  als  fraglich  citirt. 

789.  (27.)  A.  kermesiiium.  %..  Der  vor.  Art  ziemlich  ähnlich,  von 
ihr  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden :  Ganze  Pflanze  meist 
klein.  Zwiebel  kleiner  m i t  braunen ,  am  Grunde  sich  in  zahl- 
reiche Fasern  zert  heilen  den  Häuten.  Stengel  meist  nicht 
über  2,5  dm  hoch.  Blätter  flach,  meist  bis  4  mm  breit,  mit  stumpfer 
Spitze,  kürzer  als  der  Stengel,  den  Stengel  nur  ganz  am  Grunde 
(nicht  über  dem  Erdboden)  umgebend.  Hülle  des  Blüthenstandes 
kurz  oder  verlängert,  etwas  derb,  dunkel,  kaum  länger  als  der  Blüthen- 
stand.  Blüthenstand  klein,  ziemlich  wenigblüthig,  kugelig.  Blüthen- 
stiele  nicht  viel  länger  als  die  Blüthen.  Perigon  blätter  etwa  5  mm 
lang,  tstumpflich,  lebhaft  röthlich-violett,  selten  rosa.  Staub- 
blätter nicht   doppelt  so  lang  als  die  Perigonblätter. 

An  Kalkfelsen  der  alpinen  Region  1700 — 2200  m  (A.  v.  Hayek 
br.).  Bisher  nur  in  Ober-Krain  und  Steiermark.  Karawanken:  Auf  den 
Alpen  Kozjak!  Sredni  vrh,  Zaplata  und  Storzic  (Paul in  und  Hayek 
br.).  Steiner  oder  Sarnthaler  Alpen :  Grintovc,  Greben,  Kankasattel, 
Mokrica  (Paulin  und  Hayek  br.).  Ueber  der  Korosica-Hütte  am 
Fuss  der  Ojstrica  spärlich  (nur  dieser  Fundort  in  Steiermark  Hayek 
br.)     Bl.  August,  September. 

A.  Tcermesinum  Rchb.  Ic.  X.  25  t.  CCCCXCVIII  fig.  1089  (1848). 
Nyman  Consp.  Suppl.  310. 

Wir  haben  uns  nicht  entschliessen  können,  diese  Art  mit  der  vorigen  zu  ver- 
einigen. Siimmtliche  uns  vorliegenden  Exemplare  sind  so  in  allen  Theilen  ab- 
weichend, dass  die  Abtrennung  nöthig  erscheint.  Nach  A.  v.  Hayek  (br.),  der 
die  Pflanze  neuerdings  lebend  beobachtete,  gehört  sie  nicht  neben  A.  globösum, 
sondern  in  die  Siction  Rhitirideum  neben  A.  ochrolcucum,  von  dem  sie  sich  ausser 
der  Blüthenfarbe  durch  die  Unterseite  gewölbten  aber  nicht  gekielten  Blätter  unter- 
scheidet. Nyman  (Consp.  741)  identificirt  (schwerlich  mit  Recht)  mit  dieser  Art 
A.  savrcmicum,  s.  S.  151. 


1)  Von  %A(i)q6$  gelbgriin  und  äv&og  Blüthe. 


Alliuru.  153 

2.  Mölium1)  (Don  Monogr.  72  [1826].  Regel  All.  adh.  cogn.  2. 
Monogr.  12,  32,  207.  Moüa  Nyman  Consp.  737  [1882]). 
Blätter  sämmtlich  grundständig,  den  Stengel  nur  bis  zur  Erd- 
oberfläche nicht  über  derselben  umfassend.  Blätter  flach  oder 
gekielt,  linealisch  bis  breit-linealisch,  oder  breiter.  Staubfäden 
ungetheilt  oder  die  inneren  jederseits  mit  einem  kurzen  Zahn. 
Perigonblätter  oft  wenigstens  oberwärts  sternförmig  ausgebreitet. 
Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch:  A.  circinnd  tum  (Sieb. 
Creta  II.  316  [1823].  A.  Clusianum*)  Bory  Fl.  Pel.  21  [1838]  Griechenl. 
und  Kreta.  —  A.  stramineum  (Boiss.  u.  Reut.  PI.  Hisp.  25  [1842])  in 
Spanien.  —  A.  PhthidticumS)  (Boiss.  u.  Heldr.  in  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
274  [18841)  in  Griechenland.  —  A.  deeipiens  (Fisch.  Hort.  Gor.  10 
[1808].  Ä.  subalpinum  Pall.  Ind.  Taur.  [1797]?  vgl.  Regel.  A.  tuli- 
paefdlium  Ledeb.  Fl.  Alt.  II.  9  [1830].  A.  Lallemdntii  ±)  Regel  u. 
Räch  Ind.  sein.  hört.  Petrop  1858.  24)  in  Süd-Russland,  der  Krim, 
der  Türkei  und  in  Vorderasien.  —  A.  album  (Santi  Viagg.  I.  352 
[1795],  A.  subvüldsum  Salzm.  in  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII.  1104 
[1829].  A.  ClusianumS)  Retz.  in  Willd.  Spec.  pl.  II.  79  [1799]. 
A.  verndle  Tin.  in  Guss.  Fl.  Sic.  prodr.  Suppl.  I.  96  [1832])  auf  der 
Iberischen  Halbinsel,  in  Italien  und  in  Nord-Africa.  —  A.  Cd&pium 
(M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  I.  265  [1808].  Crinum^)  Caspium  Pall. 
Reise  II.  736  [1776].  Amaryllis  caspia  Willd.  Spec.  pl.  II.  65  [1799]) 
in  Süd-Russland  und  Vorder-Asien. 

a.  Blüthenstand  stets  Zwiebeln  tragend  (vgl.  A.  roseitm).  a. 

*f  A.  paradöxuin.  2\-.  Zwiebel  eiförmig  oder  kugelig,  meist  ohne 
Nebenzwiebeln  mit  sehr  dünnen,  durchsichtig  häutigen,  ganzen  oder 
wenig  zerschlitzten,  zuletzt  braunen  oder  schwärzlichen  Häuten.  Stengel 
meist  2 — 3dm  hoch,  dreikantig.  Blätter  meist  einzeln,  selten  zu 
2,  schmal- länglich  bis  linealisch-lanzettlich,  meist  0,4  bis  über  1cm 
breit,  vielnervig,  meist  länger  als  die  Stengel.  Hülle  des  Blüthen- 
standes  dünnhäutig,  weisslich,  2 — 3 klappig,  mit  lanzettlichen  zuge- 
spitzten hinfälligen  Klappen,  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthen- 
stand meist  1 — 2-,  selten  bis  6-  (oder  mehr)  blüthig,  mit  grünlichen 
Zwiebeln.  Blüthenstiele  dünn,  fadenförmig,  bis  über  3  cm  lang,  meist 
3 — 4 mal  länger  als  die  Blüthen.  Perigon  glockig.  Perigonblätter 
länglich-elliptisch,  bis  über  1  cm  lang,  weiss,  spitzlich  oder  stumpf- 
lich,   die    äusseren    mit   aussen    grünlichem    Mittelstreifen.      Staubfäden 


i)  Von  fiüAv  s.  S.  156  Fussn.  2. 

2)  S.   II.   1.  S.  441  Fussn.   1. 

3)  Phthiotis,  die  südlichste  Landschaft  Thessaliens,  die  Heimat  des  Homerischen 
Achilleus. 

4)  Nach  Julius  Leopold  Eduard  Ave-Lallem  ant ,  *  4.  Juli  1803  f  15.  Mai 
18G7  Lübeck,  Adjunct  am  Botanischen  Garten  in  Petersburg,  Verf.  von  De  plantis 
quibusdam  Italiae  borealis  et  Germaniae  australis  rarioribus  Berol.  1829,  mit  einer 
Tafel,  und  verschiedenen  kritischen  Bemerkungen  in  den  Samenkatalogen  des  Peters- 
burger Gartens  von  1838  an.  Fischer  und  Meyer  (Ind.  h.  Petr.  VI.  53  [1839]) 
benannten  nach  ihm  die  neuerdings  auch  bei  uns  eingeschleppte  orientalische 
Labiatengattung  Lallemantia. 

5)  S.  II.   1.  S.  441   Fussn.   1. 

6)  Die  Gattung  Orinum  gehört  zu  der  AmaryUidaceae  s.  dieselben. 


154  Liliaceae. 

lanzettlich,  ungetheilt,  oberwärta  in  eine  kurze  Spitze  verschmälert,  am 
Grunde  kurz  untereinander  und  mit  dem  Perigon  verbunden,  etwa  halb 
so  lang  als  die  Perigonblätter,  die  inneren  breiter.  Fruchtknoten 
aiedergedrückt-kugelig.  Griffel  fadenförmig,  an  der  Spitze  3  spaltig  mit 
linealischen  Narben. 

Im  Kaukasus  und  in  Persien  heimisch,  bei  uns  in  schattigen  Wald- 
partien, in  Parks  und  Gärten  völlig  verwildert,  dürfte  sich  wohl  mit 
der  Zeit  einbürgern.  Berlin:  Alter  Botanischer  Garten!!  Potsdam: 
Nikolskoe!  Pfauen-Insel.  Prag:  Hetz-Insel;  Stern  (Celakovsky  Prodr. 
94).     Vgl.  Hock   Beitr.  Bot.  Centr.bl.  XV.  405,  406.     Bl.  April,  Mai. 

A.  paradoxum  Don  Monogr.  72  (1826).  Ledeb.  Fl.  Ross.  IV. 
186.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  207.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  257. 
Nyman  Consp.  838.  Scilla  paradoxa  M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  III. 
267  (1819).  A.  Opizii1)  Wolfner  Lotos  IV.  176  (1854)  Flora 
XXXVIII  (1855)  433. 

An  den  wenigen  grossen  weissen  Blüthen,  die  zwischen  den  Zwiebeln  des 
Blüthenstandes  mit  den  dünnen  Stielen  hervorkommen,  leicht  kenntlich.  Die  im 
Berliner  Botanischen  Garten  verwilderten  Exemplare  zeigen,  wie  auch  in  Garcke 
Fl.  v.  Deutschland  17.  Aufl.  606  (1895)  angegeben  ist,  häufig  Anomalien  in  den 
Blüthen,  die  in  allen  oder  einigen  Kreisen  2  zählig  werden  oder  sich  zu  Zwiebeln, 
mitunter  auch  zu  secundären  Blüthenstäuden    umbilden. 

b.  b.  Blüthenstand   niemals    oder    (bei  A.  roseuni)    nur    zuweilen 

Zwiebeln  tragend. 
1.  1.  Staubblätter  erheblich  kürzer  als  die  Perigonblätter. 

u.  a.  Blätter  elliptisch-lanzettlich  bis  lanzettlich,  in  einen  Stiel 

verschmälert. 

790.  (28.)  A.  ursinum.  2|_.  (Ramsei,  Ramisch;  niederl.:  Daslook; 
dän. :  Ramslog;  franz.:  Ail  des  bois;  it.:  Aglio  orsino;  rum. :  Leurda, 
Aiu  de  päduri;  poln. :  Trzewucha;  kroat. :  Luk  divji;  kroat.  u.  serb. : 
Cremos;  russ. :  ^epejinia;  litt.:  Laukinnis  Czesnäkas.)  Zwiebel  läng- 
lich; meist  2 — 4,  selten  bis  6  cm  lang,  ohne  oder  mit  ganz  wenigen 
Nebenzwiebeln,  mit  durchsichtig-häutigen  weisslichen  oder  gelblichen, 
zuletzl  bis  auf  einige  Borsten  verschwindenden  Häuten.  Stengel  aufrecht, 
meist  1  —  3  dm  hoch,  dreikantig  oder  fast  stielrund.  Blätter  meist  zu 
2,  umgewendet,  die  dunkler  grüne  Rückenseite  dem  Himmel,  die 
blassere  Bauchseite  dem  Erdboden  zuwendend,  selten  einzeln  oder 
zu  3,  meist  2 — 5  cm  breit,  in  den  0,5 — 2  dm  langen  Stiel  ver- 
Bchmälert,  spitz.  Hülle  des  Blüthenstandes  weisslich  dünnhäutig,  oft 
nicht  bis  /Hin  Grunde  zerreissend,  2  —  3 klappig,  mit  eiförmig  läng- 
lichen, zugespitzten,  hinfälligen  Klappen,  so  lang  oder  länger  als 
die  Blüthenstiele.  Blüthenstand  wenig-  bis  viel-  (bis  über  20-)blüthig, 
doldenartig  flach.  Blüthenstiele  gerade,  bis  2  cm  lang,  bis  doppelt 
so  lang  als  das  Perigon,  ohne  Hochblätter  am  Grunde.  Perigon- 
blätter linealisch-lanzettlich,  bis  1  cm  lang,  weiss,  spitz  oder 

1)  S.  VI.   1.  S.   740  Fussn.   1. 


Allium.  155 

stumpflich,  aufrecht  abstehend.  Staubfäden  pfriemlich ,  nur  ganz 
Grunde  etwas  verbunden,  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter.  Fruchtknoten  niedergedrückt-kugelig,  3 lappig.  Griffel  faden- 
förmig, so  lang  oder  länger  als  die  Staubblätter    Frucht  tief  3  furchig. 

In  schattigen  humosen  Laubwäldern,  meist  in  ungeheueren  Mengen 
weite  Strecken  überziehend,  durch  den  grössten  Theil  des  Gebiets  ver- 
breitet, doch  nur  stellenweise  häufig,  in  manchen  Gebieten  selten  oder 
sehr  selten,  so  in  Brandenburg  nur  bei  Nauen :  Königshorst!!  und 
Treuenbrietzen,  fehlt  auf  den  Nordsee-Inseln,  in  der  immergrünen  Region 
des  Mittelmeergebietes  und  in  den  Ungarischen  Ebenen,  in  Wallis  bis 
1100m  (Jaccard  350),  in  Tirol  bis  1250m  (Sarnthein  br.)  an- 
steigend.    Bl.  Mai  bis  Anfang  Juni. 

A.  ursinum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  300  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
826.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  209.  Nyman  Consp.  738.  Suppl. 
308.  Richter  PI.  Eur.  I.  208.  Rchb.  Ic.  X  t.  DVII  fig.  1109.  A. 
petiohUum  Lam.  Encycl.  I.  69  (1783).  A.  latifölium  Gilib.  Exerc. 
phyt.  IL  470  (1792).  A.  nemoräle  Salisb.  Hort.  Chap.  All.  235  (1796). 
Ophioscorodon  ursinum  Wallr.  Sched.  crit.   129  (1822). 

Eine  ebenso  sehr  durch  ihr  massenhaftes  Auftreten  (die  Standorte  sehen  zur 
Blüthezeit  wie  beschneit  aus  und  verrathen  sich  schon  von  Weitem  durch  deutlichen 
Knoblauchgeruch)  als  durch  ihre  morphologischen  Eigenthümlichkeiten  bemerkens- 
werthe  Pflanze.  Der  unterste  scheidenartige  Theil  des  Laubblattes  der  Hauptknospe 
wird  zu  deren  Nährblatt.  Im  Frühjahr  entwickelt  sich  aus  derselben  ein  Scheiden- 
blatt, dem  sofort  ein  Laubblatt  folgt,  welches  sich  mit  dem  der  nächstjährigen,  in 
seiner  Achsel  stehenden  Hauptknospe  gleichzeitig  entwickelt.  Zur  Blüthezeit  sind 
von  dem  Nährblatte  nur  noch  die  borsteuförmigen  Gefässbündel  vorhanden. 

In  manchen  Gegenden  ist  diese  Pflanze  aus  dem  Grunde  verhasst,  weil  die 
Kühe  sie  mit  Begier  fressen  und  dann  eine  völlig  ungeniessbare  Milch  geben.  Auch 
in  den  Parkanlagen  grösserer  Städte  (Leipzig,  Quedlinburg)  wird  sie  durch  den 
Gestank  und  nach  der  Blüthe  durch  den  hässlichen  Anblick  der  absterbenden 
Blätter  lästig. 

Auf  der  Preslica  bei  Piva  in  der  Hercegovina  fand  Maly  (br.)  eine  m.  albi- 
vittatum,  Blätter  gegen  die  Spitze  hin  mit  1 — 6  breiten  weissen  Streifen. 

(Skandinavische  Halbinsel;  Dänemark;  Britische  Inseln;  Frank- 
reich; Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel;  mittleres  und  süd- 
liches Russland  ;  Kaukasus ;  Kleinasien ;  Sibirien  bis  Kamtschatka.) 

* 

ß.  Blätter  linealisch  bis  lanzettlich,  nicht  in  einen  deutlich     # 
verlängerten  Stiel  verschmälert. 

§  Stengel  ganz  kurz,    höchstens  wenige  (1  —  3)  cm  über      § 
den  Erdboden  tretend. 

791.  (29.)  A.  chamaemöly  *).  2\-.  Zwiebel  eiförmig  bis  länglich, 
ziemlich  klein,  mit  weisslich  durchschimmernden  inneren  und  braunen 
bis  graubraunen  derben  zerbrechlichen,  von  zahlreichen  kleinen  Löchern 
durchsetzten    Häuten.      Stengel    ganz    von    dem    Grunde    der 


])  Zuerst  bei  Co  Iura  na;  von  %u^al  am  Boden,  niedrig  und  fiwAv  s.  S.  156 
Fussn.  2. 


156  Liliaceae. 

Blätter  umhüllt.  Blätter  breit  linealisch  bis  linealisch-lanzett- 
lich,  meist  etwa  5 — 6  cm  breit,  allmählich  zugespitzt,  ganz  oder  doch 
wenigstens  an  den  Rändern  lang  zerstreut  bewimpert,  mehrmals 
länger  als  der  Stengel,  meist  nicht  über  1  (bis  1,5)  dm  lang. 
Hülle  des  Blü thenstan des  durchsichtig-häutig,  einklappig,  am 
Grunde  trichterförmig,  an  der  Spitze  mit  3 — 4  eiförmigen  zuge- 
spitzten Abschnitten,  so  lang  wie  die  Blüthenstiele,  dieselben  ein- 
hüllend. Blüthenstand  wenig-  bis  etwas  vielblüthig.  Blüthenstiele 
etwa  doppell  bis  dreimal  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Perigonblätter 
länglich-linealisch,  etwa  7  — 18  mm  lang,  stumpf,  dünnhäutig,  weiss  mit 
röthlichen  Mittelstreifen.  Staubfäden  aus  eiförmigem  Grunde  pfriemlich, 
am  Grunde  miteinander  und  den  Perigonblättern  verbunden,  etwa  halb 
30  lang  als  die  Perigonblätter.  Fruchtknoten  niedergedrückt  kugelig. 
Griffel  fadenförmig,  etwa  so  lang  als  die  Staubblätter.  Frucht  kugelig, 
etwa   ö  nun   lang. 

Auf  trocknen  Grasplätzen,  an  Abhängen,  an  Wegen,  nur  in  der 
immergrünen  Region  des  Mittelmeergebiets  wenig  verbreitet,  meist  auf 
Kalk.  Provence.  Albenga  (Bicknell  332).  Süd-Istrien !  nebst  den 
Inseln.     Dalmatien !     Bl.  Februar,  März,  oft  bereits  im  Januar. 

Ä.  Chamaemoty  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  301  (1753).  Koch  Syn.  ed. 
2.  827.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  214.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  268. 
Nyman  Consp.  738.  Richter  PI.  Eur.  I.  208.  Rchb.  Ic.  X  t.  DI  fig. 
1096.    Saturnia1)  cernua  Mar.  Fl.  Rom.  I.  258  (1822). 

Eine  sehr  merkwürdige  Art,  durch  die  kaum  über  den  Erdboden  sich  er- 
hebenden, ganz  von  den  Blättern  umgebenen  Blüthenstände  und  die  lang  borstlich 
bewimperten   Blätter  sehr  auffällig. 

(Languedoc;  Spanien;  Balearen;  Italien;  Balkanhalbinsel;  Nord- 
Africa.)  |"*j 

§§  §§  Stengel  stets  deutlich  verlängert,  über  1  dm  hoch. 

*  *  Blüthen  alle  fruchtbar,  Blüthenstiele  höchstens  einige 

cm    lang.      Perigonblätter    (auch    nach    der    Blüthe) 

dünnhäutig. 
-J-  f  Blüthen  gelb. 

792.  (30.)  A.  moly2).  2J-.  Zwiebel  kugelig-eiförmig,  mit  Neben- 
zwiebeln und  meist  ganzen,  grauen,  derben,  unregelmässig  runzeligen 
und  löcherigen  I lauten.  Pflanze  graugrün.  Stengel  aufrecht,  meist 
1,5  bis  über  3  dm  hoch,  am  Grunde  meist  von  2  Blättern  umgeben. 
Blätter  lanzettlich,  schlaff,  flach,  bis  fast  5cm  breit,  beiderseits 
verschmälert,  spitz,  kürzer  oder  fast  so  lang  als  der  Stengel.  Hülle 
des   BlüthenBtandes    durchscheinend    weisslich   bis  bräunlich-häutig,    mit 

i)  Die  von  Maratti  in  PI.  Romul.  et  Sat.  18  t.  2  (1772)  auf  diese  Art  be- 
gründete Gattung  ist  nach  dem  Gottc  Saturnus  benannt. 

2)  [aCjAv,  bei  Homer  (Od.  X.  305)  „in  der  Sprache  der  Götter"  ein  Kraut 
mit  schwarzer  Wurzel  und  weisser  Blüthe,  durch  dessen  Anwendung  Odysseus  dem 
Zauber  der  Kirke  widerstand.  Bei  Theophrastos  u.  Dioskorides  (III.  47) 
eine  -l/num-Art. 


Alliurn.  157 

eiförmigen  spitzen  Klappen,  etwa  so  lang  oder  etwas  länger  als  die 
Blüthenstiele.  Blüthenstand  mehr-  bis  viel-  (seltener  arm-)  blüthig, 
meist  halbkugelig.  Blüthenstiele  meist  1  —  3  cm  lang,  etwas  länger  bis 
dreimal  so  lang  als  die  Blüthen.  Perigonblätter  länglich-elliptisch, 
etwa  1  cm  lang,  ganz  frei,  spitzlich  oder  stumpf  lieh.  Staubfäden  aus 
wenig  verbreitertem  Grunde  pfriemlich,  am  Grunde  nicht  verbunden, 
etwas  über  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Fruchtknoten  nieder- 
gedrückt kugelig.     Griffel  die  Staubblätter  meist  nicht  überragend. 

An  buschigen  Abhängen,  in  Wäldern,  im  Gebiete  nur  in  der  Pro- 
vence: Basses- Alpes :  St.  Benoit  zw.  Aunot  u.  Entrevaux  (Reverckon !). 
Zuweilen  in  Gärten  gepflanzt  und  ausserhalb  derselben  verwildert,  so 
wohl  bei  Nizza ;  vereinzelt  auch  im  nördlichen  Gebiet  in  Mühlhausen 
in  Thüringen  (Möller  Fl.  NW.  Thür.  IL  78,  Hock  Beitr.  Bot.  Centr.bl. 
XV.  406).     Bl.  Juli. 

A.  Moly  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  301  (1753).  Regel  All.  adh.  cogn. 
Monogr.  214.  Nyman  Consp.  737.  Suppl.  308.  Richter  PI.  Eur.  I 
208  (Rchb.  Ic.  X  t.  DI  fig.  1097?).  A.  aüreum  Lam.  Encycl.  I.  69 
(1783).  Cepa  Moly  Moench  Meth.  244  (1744).  A.  flamm  Salisb. 
Hort.  Chap.  All.   235  (1796)  nicht  L. 

Wird  in  Gärten  vielfach  angepflanzt  und  besonders  zu  Einfassungen  verwandt. 

(Iberische  Halbinsel ;  Pyrenäen ;  Languedoc ;  vielfach  besonders  im 
Mittelmeergebiet  verwildert.)  j^l 

ff  Blüthen  weiss  oder  rosa.  ff 

A*.  Blüthen  gross.     Perigonblätter  mindestens   1  cm    A*. 
lang,  lebhaft  rosa  oder  fleischfarbig,  fast  gleich- 
farbig (sehr  selten  weiss). 

793.  (81.)  A.  röseum.  4.  (It.:  Aglietto;  kroat. :  Diyji  luk.) 
Zwiebel  eiförmig,  ziemlich  klein,  mit  meist  zahlreichen,  meist  gestielten 
Nebenzwiebeln,  weisslichen  inneren  und  grauen  bis  bräunlichen  krustigen 
feinlöcherig  punktierten  äusseren  Häuten.  Stengel  aufrecht,  meist  1,5 
bis  4  dm  hoch,  nur  am  Grunde  von  den  Blättern  umgeben.  Blätter 
breit-linealisch  bis  linealisch-lanzettlich,  bis  etwTa  1  cm  breit,  selten  schmal- 
linealisch,  allmählich  in  eine  dünne  Spitze  verschmälert,  meist  am  Rande, 
besonders  unterwärts  fein  gewimpert,  mitunter  auch  behaart.  Hülle 
des  Blüthenstandes  weisslich-häutig,  einklappig,  oberwärts  3 — 4  spaltig 
mit  breit  eiförmigen  Lappen,  länger,  bis  etwa  l1/2mal  so  lang  als  die 
Blüthenstiele.  Blüthenstand  wenig-  bis  vielblüthig  mit  oder 
ohne  Zwiebeln.  Blüthenstiele  dünn,  fadenförmig,  länger  bis  mehr- 
mals länger  als  die  Blüthen,  bis  über  3cm  lang,  am  Grunde  ohne 
Hochblätter.  Perigonblätter  länglich-elliptisch  bis  eiförmig-lanzettlich, 
meist  1  cm  lang  oder  etwas  länger,  am  Grunde  nicht  verbunden.  Staub- 
fäden aus  breiterem  Grunde  allmählich  verschmälert,  nur  ganz  am 
Grunde  etwas  verbunden,  etwa  halb  bis  2/3  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter.     Fruchtknoten    klein,    fast    kugelig.      Griffel    die    Staubblätter 


Liliaceae. 

meist    kaum    überragend,    an    der    Spitze    kurz    3 spaltig.      Frucht   fast 
kugfli<r,    kaum    5  mm   lang. 

An  Ackerrändern,  auf  steinigen  Plätzen,  an  grasigen  Abhängen 
nur  im  Mittelmeergebiet,  meist  in  der  immergrünen  Region.  Provence. 
Riviera.  Venetien:  Prov.  Belluno,  Unter-Friaul.  Oesterreichisches  und 
kroatisches  Küstenland.  Istrienü  nebst  den  Inseln.  Dalmatienü  Herce- 
govina.    Montenegro.     Bl.  April,  Mai  (Juni). 

A.  roseum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  296  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  827. 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  228.  Nyman  Consp.  737.  Richter  PI. 
Eur.  I.  210.  Rchb.  Ic.  X  t.  DIV  fig.  1102.  A.  ühjricum  Jacq.  Ic. 
pl.  rar.  II.  365  (1786-  93).  Cepa  flexuösa  Moench  Meth.  Suppl.  80 
(1802).    A.  conßrtum  Jord.  Brev.  IL  127  (1868). 

Einigeriaaassen  veränderlich;  in  Asien  und  Nordafrica  einige  Rassen,  in  Europa 
noch  Gast  iu  m  i)  (Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  229  [1875].  A.  Cassium  Hoiss. 
Diagn.  pl.  Or.  Ser.  1.  XIII.  28  [1853])  mit  ganz  schnial-liuealischen  (meist  nicht  über 
1  mm  breiten)  Blättern  und  wenigblüthigem  Blüthenstaude  im  südlichen  Mittelmeer- 
gebiet von  Spanien !   bis  Kreta  und  Kleinasien.     —  Bei  uns  nur 

A.  typicum.  Blüthenstand  ohne  Zwiebeln,  meist  reichblüthig.  —  Die  bei  weitem 
häufigste   Form.  —  A.  roseum   a.  typicum   Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  228 

75)  erw.   —  Hierzu  gehört 
II.  majäle    (Regel  a.a.O.  229    [1875].    Richter    PI.    Eur.   I.    210.    A.  majale 
Cur.   rar.   Neap.   läse  I.   13  t.  4  [1788].    Nyman  Consp.  737).     Blüthen  weiss 
oder  weisslich.  —  Selten.  —  Hierher  gehört  auch  A.  subdlbidum  Jord.  Brev. 
II.   127  (1 

B.  cärnenin.  Blüthenstand  mit  mehr  oder  weniger  zahlreichen  Zwiebeln.  Blüthen 
rosa  oder  fleischfarbig  (sehr  selten  weisslich).  —  Nicht  selten.  —  A.  roseum 
ß  carnenm  Bertol.  nach  Rchb.  Ic.  X.  28  t.  DIV  fig.  1103  (1848).  A.  cirrhdsum 
K...  iis<h.  Nora.  ed.  3.  74  (1797)?  A.  carneum  Ten.  Fl.  Nap.  I.  159  (1811—12). 
A.  incarndlum  Hörnern.  Hort.  Hafn.  I.  323  (1813).  A.  ambiguum  Sibth.  u.  Sm. 
Fl.  Graec.  IV.  327  (1823).  Nyman  Consp.  737.  A.  Tendriii)  Spreng.  Syst. 
II.  35  (1825).  A.  amoenum  Don  Monogr.  75  (1825?  6).  A.  roseum  ß.  bulbi- 
ferum  Kunth  Emmi.  pl.  IV.  439  (1843).  Koch  Syn.  ed.  2.  827.  Regel  All. 
adh.  adh.  cogn.  Monogr.  229. 

Zu  dieser  Art  wird  vom  Autor  als  Unterart  gezogen : 

B.  A.  tTavorjense,  Pflanze  bis  6  dm  hoch.  Blätter  5  mm 
breit  Perigonblätter  schmäler,  8 — 10  mm  lang,  durchscheinend 
weiss.     Staubbeutel  länglich.     Griffel  länger  als  die  »Staubblätter. 

Montenegro:  auf  dem  Berge  Javorje  (Kalk)  ca.  2000  m  (Rohlena). 
A.  Javorjense  Rohlena  Sitzb.  Böhm.  Ges.  Wiss.  1904.  XXXVIII. 
91.  (1905). 

(Verbreitung  der  Art:  Südwest- Frankreich ;  Iberische  Halbinsel; 
Italien:   Balkanhalbinsel;  Vorder-Asien ;  Nord-Africa.)  TjTj 

B*.  B*.   Blüthen  gross    oder  mittelgross.      Perigonblätter 

weiss  oder  weisslich,  dann  mit  grünem  oder  roth- 
lichem Mittelstreifen. 

1)  Nach  dem  Fundort,  dem  Mons  Cassius  in  Nord-Syrien. 
3.   Jl.   1.  S.  280  Fussn.   2. 


Allium.  159 

I*.  Stengel  deutlich  3  kantig.     Blüthen  gross. 

Gesammtart  A.  triquetrum  (794,  795). 

794.  (32.)  A.  triquetrum.  2J .  Zwiebel  klein,  eiförmig  oder  läng- 
lich, meist  mit  zahlreichen  Nebenzwiebeln  und  durchscheinend-weiss- 
lichen,  zuletzt  schwärzlichen  Häuten.  Stengel  meist  1 — 3  (bis  4)  dm 
hoch,  aufrecht  oder  etwas  schlaff.  Blätter  meist  ziemlich  breit  oder 
schmal-linealisch,  meist  fast  bis  etwas  über  1  cm,  seltener  nur  etwa  3 
bis  5  mm  breit,  nach  der  Spitze  ziemlich  plötzlich  ver- 
schmälert, stumpflich,  oberseits  rinnig,  unterseits  stark  gekielt, 
fast  dreikantig,  am  Rande  glatt,  etwa  so  lang,  länger  oder  kürzer  als 
der  Stengel.  Hülle  des  Blüthen  stand  s  2klappig,  weisshäutig, 
hinfällig,  anfangs  so  lang,  später  viel  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthen- 
stand  wenig-  bis  vielblüthig,  doldenartig.  Blüthenstiele  oberwärts  ver- 
dickt, so  lang  oder  viel  länger  als  die  Blüthen,  aufrecht,  nickend,  oder 
hängend.  Perigonblätter  läng  lieh -lanzettlich  bis  eiförmig- 
lanzettlich,  stumpflich  oder  spitzlich,  meist  1 — 1,4  mm  lang, 
oft  stachelspitzig,  weiss,  mitunter  mit  grünlichen  Mittelstreifen.  Staub- 
fäden pfriemlich,  am  Grunde  nicht  verbunden,  kaum  halb  solang 
als  die  Perigonblätter.  Fruchtknoten  verkehrt-eiförmig.  Griffel  kurz 
mit  3  klappiger  Narbe. 

An  buschigen  steinigen  Abhängen,  an  wüsten  Plätzen,  an  Acker- 
rändern, in  Gärten.  Nur  in  der  immergrünen  Region  des  Mittelmeer- 
gebiets im  südwestlichstem  Gebiet.  Provence,  von  Toulon  an  ostwärts ! 
Riviera.     Bl.  März  bis  Mai. 

A.  triquetrum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  300  (1753).  Regel  adh.  cogn. 
Monogr.  223.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  275.  Nyman  Consp.  738.  Suppl.  308. 
Richter  PI.  Eur.  I.   209.    Rchb.  Ic.  X  t.  DIU  fig.  1101. 

Diese  sehr  reichblühende  Art  wird  wegen  der  Schönheit  der  Blüthen  oft  in 
Gärten  gezogen  und  kommt  wie  noch  mehr  die  folgende  im  ersten  Frühjahr  oft  in 
grossen  Mengen  aus  dem  Mittelmeergebiet  nach  den  Grossstädten  des  nördlichen 
Gebietes,  wo  sie  in  jener  Jahreszeit  meist  massenhaft  feilgeboten  wird.  —  Bei  uns 
nur  A.  typieuni  (Regel  a.a.O.  [1875]).  Blüthen  vor  der  Blüthe  nickend,  nach- 
her aufrecht.  —  In  Gärten  findet  sich  mitunter  die  nicht  im  Gebiete  heimische  Basse 

B.  pendulinum.  Pflanze  meist  in  allen  Theilen  kleiner  und  zierlicher.  Blätter 
meist  schmäler.  Blüthenstaud  ziemlich  armblüthig.  Blüthenstiele  länger,  bis 
4  cm  lang.     Blüthen  auch  während  der  Blüthe  hängend. 

In  Italien  und  Nord-Africa  heimisch. 

A.  triquetrum  ß.  pendulinum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  223  (1875). 
Richter  PI.  Eur.  I.  209.  A.  pendulinum  Ten.  Fl.  Nap.  I.  168  t.  31  (1811). 
Nyman  Consp.  738.    Suppl.  308.    Rchb.  Ic.  X  t.  DIU  fig.  1100. 

Hierzu  gehört : 
II.  medium  (A.' medium  Don  Monogr.  88  [1825]).      Blätter  stumpflich  gekielt. 

(Verbreitung  der  Art:  [England  eingebürgert];  Languedoc;  Iberische 
Halbinsel;  Italien;  für  Griechenland  fraglich.)  ~\ 

795.  (33.)  A.  Neapolitüuum  (it.:  Giuseppini).  4.  Der  Leitart 
sehr  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden  :  Zwiebeln 


Kid  J.ilhiceae. 

meisl  mehr  kugelig  mit  weisslichen,  zuletzt  gelblichen  oder  grauen  Häuten. 
Stengel  meisl  2 — 3dm  hoeh,  aufrecht  oder  schlaff.  Blätter  meist 
breit-linealisch  1  »is  linealisch-lanzettlich,  weniger  als  l  bis  gegen  2  cm 
breit,  gekielt,  nach  der  Spitze  allmählich  verschmälert,  spitz, 
an  den  Rändern  glatt  oder  fein  gezähnelt  bis  gewimpert.  Hülle  des 
Blüthenstands  einklappig,  zugespitzt.  Blüthenstand  öfter  mehr  aus- 
gebreitet. Blüthenstiele  meist  1,2  bis  gegen  3  cm  lang,  dünn  oder  zu- 
letzt etwas  dicklich,  aufrecht  oder  etwas  nickend.  Blüthen  wie  die  des 
Weissdorns  riechend.  Perigonblätter  elliptisch  bis  eiförmig,  an 
der  Spitze  abgerundet  stumpf,  meist  über  1  bis  etwa  1,5  cm  lang. 
Staubfäden  aus  verbreitertem  Grunde  lanzettlich,  erst  über 
der  Mitte  pfriemlich,  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter. 
Fruchtknoten  niedergedrückt  -  kugelig.  Griffel  die  Staubblätter  wenig 
überragend,  mit  ungeteilter  Narbe. 

In  Wäldern,  besonders  unter  Oelbäumen,  in  Gebüschen,  an  culti- 
vittrii  Orten,  stellenweise  wohl  nur  Culturflüchtling.  Provence!  Riviera! 
Süd-Tirol:  Arco  (ursprünglich?).  Venetien:  am  Gardasee  bei  Bardolino, 
ca.  200  m  (Rigo!).  Verona;  Udine.  Triest:  Campo  Marzio!  (urspr.?). 
Insel  Lus-in  (Ilaraeic  III.  1.  50).  Dalmatien:  Zara  (Pichler!);  Trau; 
Spalato.     Bl.   Ende  März  bis  Mai. 

A.  neapolitanum  Cir.  PL  rar.  Fl.  Neap.  Fase.  I.  13  t.  4  (1788). 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  224.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  274.  Nyman 
Consp.  738.  SuppL  308.  Richter  PI.  Eur.  I.  209.  Rchb.  Ic.  X  t.  DVII 
tili.  1108.  A.  candidissimum  Cav.  Ic.  t,  446  (1799).  A.  läcteum 
Sin.  Prodr.  Fl.  Graec.  226  (1806).  A.  laetum  Poll.  Cat.  Veron.  1812. 
7.  A.  Cowdni1)  LincQ.  Bot.  Reg.  t.  742  (1836).  A.  sulcätum  Red. 
Lil.  t.  482  (1816).  A.  G.ouäni2)  Don  Monogr.  85  (1825).  A.  Siebe- 
riänum3)  Roem.  u.  Schult,  Syst.  VII.  1099  (1826).  Form  mit  rauhen 
Blättern.    A.   amblyopetalum4)  Link  Linnaea  IX.   139  (1834). 

Wird  auch  in  Gürten  gepflanzt  und  von  der  Riviera  zur  Blüthezeit  in  das 
nördliche  Gebiet  als  beliebte  Bouquetbluuie  eingeführt. 

(Languedoc;  Iberische  Halbinsel ;  Italien;  Balkanhalbinsel ;  Vorder- 
asien:  Nord-Africa.)  |X| 

II*.  II*.  Stenge]   stielrund.     Blüthen  mittelgross. 

a*.  H*.   Blätter  linealisch,   schmal,   nicht  bis  1  cm  breit. 

796.  (34.)  A.  subhirsütum.  CA.  Zwiebel  kugelig-eiförmig,  ziem- 
lich klein,  mit  weisslichen  häutigen  inneren  und  fast  krustigen  hellen 
bis  grauen  äusseren  Häuten.  Stengel  meist  1 — 3  dm  hoch.  Blätter 
schmal  l>i-  breiter-linealisch,  meist  2 — 8  mm  breit,  nach  der  Spitze  all- 

')  Nach  James  Cowan,  welcher  diese  Pflanze  aus  Peru,  wo  sie  verwildert 
EU  -riii  Bcheint,  an  die  Borticultnral  Society  in  London  sandte,  in  deren  Garten  sie 
183.")  blühte. 

2)  S.  II.  1.  S.  563   Fussn.  1. 

3)  S.  S.  II.    1.  S.  37  Fussn.  2. 

1     Von   ,\i<  ,//„•  >t (inij.t  und  Tticalov  Blumenblatt. 


Allium.  161 

mählich  verschmälert,  flach,  an  den  Rändern  meist  lang  bewimpert, 
selten  kahl ,  meist  kürzer  als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes 
einklappig,  öfter  zuletzt  2 — 3 lappig,  weisslich-häutig ,  eiförmig,  zuge- 
spitzt, öfter  mit  Stachelspitze,  so  lang  oder  zuletzt  kürzer  als  die  Blüthen- 
stiele.  Blüthenstand  wenig-  bis  vielblüthig.  Blüthenstiele  ziemlich 
dünn,  meist  1 — 3  cm  lang,  doppelt  bis  mehrmals  länger  als  die  Blüthen. 
Perigonblätter  länglich,  meist  6 — 8mm  lang,  meist  stumpf,  ganz 
weiss,  dünn,  ganz  frei  oder  nur  am  Grunde  etwas  verbunden.  Staub- 
fäden aus  breiterem  linealisch-lanzettlichem  Grunde  pfriemlich,  ganz  am 
Grunde  untereinander  und  mit  den  Perigonblättern  verbunden,  halb  so 
lang  als  das  Perigon  (oder  wenig  länger).  Fruchtknoten  niedergedrückt- 
kugelig, dreilappig.     Griffel  mit  nicht  verdickter  ungetheilter  Narbe. 

Auf  Weiden  an  Zäunen,  auf  trocknem  Waldboden  nur  in  der 
immergrünen  Region  des  Mittelmeergebiets.  Provence.  Riviera  (dort 
wohl  nur  B.,  s.  unten).  Istrien:  Veruda  (Freyn  ÖBZ.  L.  256).  Insel 
Lussin!  Dalmatienü  auch  in  der  zur  Hercegovina  gehörigen  Küsten- 
strecke Sutorina  (Beck  Glasnik  XV.  205.  Wiss.  Mitth.  IX.  487). 
Montenegro.     Bl.  April,  Mai. 

A.  subhirsutum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  295  (1753).  Koch  Sym.  ed. 
2.  827.  Regel  All.  adh.  cogn.  219.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  270.  Nyman 
Consp.  737.  Richter  PI.  Eur.  I.  209.  Rchb.  Ic.  X  t.  DU  fig.  1099. 
A.  hirsütum  Lam.  Fl.  Franc.  III.  262  (1778?)  nicht  Zucc.  A. 
ciliätum  Cyr.  PI.  rar.  Neap.  Fase.  II.  16  t.  6  (1792).  A.  niveum 
Roth  Cat.  bot.  II.  35  (1800).    A.  ciliare  Red.  Lil.  VI  t.  311  (1812). 

Der  Formenkreis    der   Gesammtart    A.  subhirsutum,    von    dem    bei 

uns  (wie  in  Europa)  nur  die  Leitart  mit  einer  Unterart  vorkommt,  und  zu  der 
von  europäischen  Formen  noch  die  Rasse  (oder  Unterart?)  B.  graminifölium 
(A.  graminifölium  Lois.  Fl.  Gall.  I.  253  [1806].  A.  braehystemoni)  E.ed.  Lil.  VII 
t.  374  [1813].  A.  TineiS)  Presl  Delic.  Prag.  145  (1822).  A.  permixtum  Guss.  Prodr. 
Fl.  Sic.  I.  Add.  8  (1827).  Rchb.  Ic.  X  t.  DU  fig.  1098.  A.  subhirsutum  ß.  glabrum 
Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  221  [1875].  A.  subhirsutum  b)  permixtum  Richter 
PI.  Eur.  I.  209  [1890])  im  südlichen  Italien  und  in  Corsica  gehört,  ist  eine  der 
systematisch  schwierigsten  der  ganzen  Gattung.  Die  Mehrzahl  der  hierhergehörigen 
Formen  ist  im  Orient  und  in  Nord-Africa  heimisch  (vgl.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  270  ff.). 
Angegeben  wird  auch  aus  Cypern  (Regel  a.  a.  O.  221)  die  aus  Palästina  beschriebene 
Art  A.  hirsütum  (Zucc.  Abh.  Bayr.  Acad.  III.  232  t.  2  fig.  2  [1843],  die  aber 
Boissier  [Fl.  Or.  V.  271]  nicht  von  dort  erwähnt).  Die  Formen  ändern  besonders 
in  der  Bekleidung  der  Scheiden  und  Blattspreiten,  der  Tracht,  der  Grösse,  Form 
und  Farbe  der  Perigonblätter  ab.  —  Bei  uns  ausser  der  Hauptart  nur  die  Unterart: 

B.  A.  trifoli&tum.  Pflanze  fast  in  allen  Theilen  kleiner  und 
zarter.  Zwiebel  meist  fast  kugelig,  mit  schwach  grubig  punktirten  gelb- 
lichen Häuten.  Stengel  aufrecht,  meist  ziemlich  starr.  Blätter  meist 
nur  zu  2  —  3,  schlaff,  schmal-linealisch,  meist  nicht  über  3  mm  breit, 
an  den  Rändern  schwächer  und  kürzer  gewimpert,  öfter  verkahlend. 
Hülle  des  Blüthenstandes  1-  oder  öfter  2  klappig  bis  2  spaltig,  kürzer 
als   die  Blüthenstiele.      Blüthenstand    ziemlich    vielblüthig,    selten  arm- 

i)  Von  ßQa%vg  kurz  und  orrfftav  Staubfaden. 

2)  S.  II.   1.  S.  572  Fussn.  4. 

Aschorson  u.  Graehner,   Synopsis.  III.  11 


162  Liliaceae. 

blüthig,  doldenartig.  Blüthenstiele  fast  stets  2 — 3  mal  länger  als  die 
Blüthen.  Perigonblätter  länglich-lanzettlich,  meist  nicht  über 
6  mm  lang,  spitz,  fast  stet.-  mit  rosa  gefärbten  Mittelstreifen. 
Staubblätter  halb  bis  84  so  lang  ;ils  die  Perigonblätter. 

An  trockenen  Orten,  auf  Hügeln,  Weinbergen,  auf  Ackern.  Im 
Gebiet  bisher  nur  an  der  Riviera  bei  Nizza,  Bordighera  und  S.  Remo, 
dort  nach   Bicknell   283    die   Hauptart    vertretend.      Bl.   März,  April. 

A.  trifoliätum  Cyr.  PI.  rar.  Neap.  fasc.  II.  11  t.  3  (1792).  Boiss. 
Fl.  Or.  V.  271.  Nyman  Consp.  737.  A.  Graeewn  D'Urv.  Mein.  Soc. 
Liim.  Par.  I.  293  [237]  (1822).  Exp.  Mor.  96.  Nyman  Consp.  738. 
A.  subhirsutum  ß.  Bert.  Fl.  Ital.  III.  47  (1837).  A.  sübhirsutwn 
ß.  graecum  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  221.  Richter  PI.  Eur. 
I.  209. 

(Verbreitung  der  Unterart:  [Spanien?];  Italien  einschliesslich  der 
Inseln;   Balkanhalbinsel;   Kreta;  Cypern;  Syrien;  Palästina.)  [*"j 

(Verbreitung  der  Art:  Languedoc;  Iberische  Halbinsel;  Italien; 
Balkanhalbinsel;  Kreta;  Cyperri;  Syrien;  Palästina;  Nord-Africa;  Abys- 
sinien.)  |"#| 

b*.  b*.  Blätter  linealisch-lanzettlich,  stets  erheblich 

über   1  cm  breit. 

Gesammtart  A.  n  ig  rinn  (797,  798). 

797.  (35.)  A.  lligrum.  -|.  Pflanze  gross  und  kräftig.  Zwiebel 
gross,  kugelig  oder  niedergedrückt-kugelig  bis  etwas  eiförmig,  bis  4  cm 
dick,  mit  ziemlich  dünnen  weisslichen  bis  gelblichen  Häuten.  Stengel 
aufrecht,  meist  3  — 6  dm  hoch,  kräftig.  Blätter  lang  lanzettlich  bis 
Linealisch-lanzettlich,  meist  1,5 — 3,  seltener  bis  über  (>  cm  breit,  flach, 
an  den  Rändern  wellig,  ziemlich  allmählich  zugespitzt,  spitz.  Hülle 
des  Blüthenstands  1  klappig,  breit-eiförmig,  derbhäutig,  meist  2 — 3 lappig 
aufreissend,  so  lang  oder  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstand 
vielblüthig,  dicht,  halbkugelig  bis  kugelig,  in  der  Jugend  oft  mehr  oder 
weniger  nickend.  Blüthenstiele  ziemlich  derb,  nieist  etwa  2 — 3  em  lang, 
meist  mehrmals  länger  als  die  Blüthen,  am  Grunde  ohne  Hochblätter. 
Perigonblätter  länglich,  6—8  nun  lang,  stumpflich,  ganz  frei,  weiss- 
lich  am  Grunde  und  am  Rücken  mehr  oder  weniger  grün.  Staub- 
fäden ;ms  verbreitertem,  zu  einem  Becher  vereinigtem  Grunde 
allmählich  bis  zur  Spitze  verschmälert,  bis  etwa  3U  so  hing 
als  die  Perigonblätter.  Fruchtknoten  kugelig  bis  etwas  niedergedrückt, 
dünkelgrün.     Griffel    aach    der  Spitze  verschmälert    mit  kleiner  Narbe. 

Auf  cnltiviiieiii  Boden  im  Gebiete  nur  in  Dalmatien  (Regel  a,  a.  0, 
226  von   Visiani    nicht    erwähnt).     Montenegro:    Ostrog   und    Klopot 

im   Distr.   Brat fcici  (Panöid  i)l).      Ausserdem  in  Gärten  verwildert, 

so  in  Nieder-Oesterreich  (Beck  PI.  Nö.   L68.     Bl.  April,  Mai. 

.1.  nigrum  L.  Spec.  pl.  ed.  2.430  (1762).  Regel  All.  adh.  cogn. 
M gr.   225.    Boiss.   PI.  Or.  V.  279.    Nyman  Consp.  737.    Suppl.  308. 


Allium.  163 

Richter   PI.  Eur.    I.  209.    Rchb.    Ic.    t.  DV   fig.   1106.    A.  magicum 
L.  Spec.  pl.  ed.   1.   296  (1753)  z.  T.?.    Nyman  Consp.   737. 

(Süd-Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel ; 
Kreta;  Vorder- Asien  bis  Mesopotamien;  Nord-Africa;  Canarische  Inseln.) 

*l 

798.  (86.)  A.  multibulbösum.  2J_.  Der  Leitart  ausserordentlich 
ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch  folgendes  verschieden:  Zwiebel 
meist  mit  zahlreichen  Nebenzwiebeln,  kugelig.  Blätter  meist  breiter, 
meist  2 — 6  cm  breit,  meist  kürzer.  Hülle  des  Blüthenstandes  kürzer, 
meist  hinfällig.  Blüthenstand  meist  sehr  vielblüthig,  völlig  kugelig. 
Perigonblätter  länglich  bis  länglich-linealisch,  spitzlich,  weiss  mit 
röthlichen  Mittelstreifen  oder  ganz  weiss.  Staubfäden 
(wenigstens  die  äusseren)  plötzlich  aus  verbreitein  Grunde  pfriem- 
lich.     Fruchtknoten  deutlich  niedergedrückt-kugelig. 

Auf  bergigen  Aeckern,  in  Weinbergen.  Ursprünglich  wohl  nur 
im  Mittelmeergebiet ,  in  der  Provence  und  Riviera  bei  Aix,  Toulon, 
Cannes,  Grasse,  Nizza,  Mentone  und  Bordighera  (Saint-Lager  703, 
Ardoino  378,  Bicknell  283.  Tirol:  Bozen!  nach  Sarnthein  br. 
nicht  urspr.).  Vicenza.  Unter-Friaul  (Vis.  u.  Sacc.  49).  Nördlich 
der  Alpen  hier  und  da  in  Gärten,  auf  Aeckern  und  in  Weinbergen 
eingebürgert.  Nieder-  und  Ober-Oesterreich:  Innsbruck  (Sarnthein 
br.).  Elsass:  Weinberge  bei  Mühlhausen  am  Hasenrain  (Kirschleger 
Fl.  d'Als.  IL  483).  Oberbaden :  Aecker  zw.  Ueberlingen  und  Spetz- 
gart  (Doli  Fl.  Baden  359).  Früher  auch  bei  Bonn  zw.  Beuel  und 
Schwarz -Rheindorf!     Bl.   Mai. 

A.  multibulbösum  Jacq.  Fl.  Austr.  I.  10  (1773).  Koch  Syn.  ed. 
2.  827.  Regel  All.  adh.  cogn.  Monogr.  226.  Nyman  Consp.  Suppl. 
308.  Rchb.  Ic.  X  t.  DVI  fig.  1107.  A.  magicum  L.  Sp.  pl.  ed.  1. 
206  (1753)  z.T.?  s.  oben.  Richter  PI.  Eur.  I.  209.  A.  monspessu- 
länum  Gou.  111.  t.  16  (1773).  A.  speciösum  Cyr.  PI.  rar.  Neap.  fasc. 
IL  12  t.  5?  (1792).  Möly  speciösum  Moench  Meth.  286  (1794).  A. 
odörum  Ten.  Fl.  Nap.  prodr.  21  (1811).  A.  pulchrum  Clarke  Travels 
III.  337  (1813—16).  Ophioscöroäon  magicum  Wallr.  Sched.  crit.  130 
(1822).  A.  nigrum  (L.  a.  a.  O.  z.T.)  Don  Monogr.  89  (1826).  Koch 
Syn.  ed.  1.  715.  A.  Cyrilli1)  Ten.  Fl.  Nap.  III.  364  (1824—29). 
Nyman  Consp.   737. 

Der  Linne'sche,  von  einigen  Schriftstellern  auf  diese  Pflanze  gedeutete 
Name  A.  magicum,  ist  äusserst  unsicher,  denn  Linne  schreibt  seiner  Pflanze  z.B. 
einen  zwiebeltragenden  Blüthenstand  zu.  Es  ist  fraglich,  ob  seine  Pflanze  wirklich 
in  die  Verwandtschaft  dieser  Art  gehört.     Der  Name  ist  zu  verwerfen. 


!)  Nach  Domenico  Cirillo  (Cyrillus),  *  11.  Apr.  1739  Grumo  in  Terra  di 
Lavoro  f  29.  Oct.  1799  Neapel,  Professor  der  Botanik  an  der  Universität  daselbst, 
Verfasser  zahlreicher  Schriften  u.  a.  Plantar,  rariorum  regni  Neapolitani  Fasc.  I.  II. 
Neap.  1788.  1792  (12  Tafeln).  Der  grösste  Theil  seines  Herbars  ging  in  dem  Wüthen 
der  Bourbonischen  Reaction,  die  ihm,  dem  Präsidenten  der  gesetzgebenden  Versamm- 
lung der  Parthenopäischen  Republik  einen  gewaltsamen  Tod  brachte,  durch  Feuer 
zu  Grunde;  nur  spärliche  Reste  haben  sich  erhalten  (Saccardo  I.  51.  II.  32). 

11* 


1(54  Liliaceae. 

Ob  A.  multibulbosum,  wie  schon  Boissier  (Fl.  Or.  V.  279)  bezweifelt,  auf 
die  Dauer  als  Art  wird  beibehalten  werden  können,  ist  sehr  unsicher.  Die  Ver- 
schiedenheit ist  zweifellos  eine  sehwache.  Bei  der  Constanz  der  Merkmale  an  den 
uns  vorliegenden  Exemplaren  wagen  wir  diese  Frage  nicht  zu  entscheiden. 

(Mittelmeergebiet  östlich  bis  Kleinasien;  SW. Frankreich ;  Canarische 
Inseln.)  "*| 

**  Blüthen  zweigeschlechtlich  und  männlich,  die  männ- 
lichen auf  sehr  langen,  bis  über  1,5  dm  langen 
Stielen. 

*  A.  Schubert!  >).  2\ .  Zwiebel  kugelig  mit  weisslichen  bis  braunen  Häuten. 
Stengel  kraftig,  meist  3 — 8  dm  hoch.  Blätter  breit  linealisch,  meist  fast  1 — 2,5  cm 
breit,  am  Rande  fein  rauh,  mehr  oder  weniger  wellig.  Hülle  des  Blüthenstamies 
häutig,  meist  2 klappig  mit  eiförmigen  zugespitzten  Klappen,  kurz.  Blüthenstand 
sehr  gross,  kugelig,  sehr  viel-  (bis  etwa  200-)  blüthig.  Blüthen  stiele  sehr  un- 
gleich lang,  die  mit  zweigeschlechtlichen  Blüthen  kürzer.  Perigonblätter  linealisch- 
lanzettlich,  spitz,  meist  5 — 7mm  laug,  am  Grunde  verbunden,  hellrosa  bis  hell- 
violett mit  derbem,  deutlich  rothen  Mittelnerven  ,  nach  der  Blüthe  starr  aufrecht- 
abstehend. 

In  Palästina  heimisch,  bei  uns  nur  seines  merkwürdigen  Blüthenstandes  wegen 
in  Gärten. 

A.  Schvhcrti  Zucc.  Abh.  Bayr.  Acad.  III.  234  t.  3  fig.  1  (1843).  Regel  All. 
adh.  cogn.  Monogr.  239.    Boiss.  Fl.  Or.  V.  278. 

Zu  Beginn  der  Blüthezeit  sind  die  zweigeschlechtlichen  Blüthen  mit  ziemlich 
gleichlangen  Blüthenstielen  allein  in  dem  Blüthenstande  zu  sehen.  Dann  erst  ent- 
wickeln sich  die  männlichen  Blüthen,  deren  Blüthenstiele  sich  immer  mehr  und 
mehr  verlängern.     Dadurch  ausserordentlich  auffällig  und  leicht  kenntlich. 

2.  2.  »Staubblätter   so    lang   oder    viel    länger   als    die    Perigon- 

blätter, niemals  deutlich  kürzer. 
a.  cc.  Fruchtknoten  mehr  oder  weniger  kugelig,  nicht  gestielt. 

799.  (37).  A.  atripurpiireuin.  2j..  Zwiebel  kugelig  bis  kugelig- 
eiförmig, meist  2 — 3  cm  dick,  mit  grauen  oder  schwärzlichen  Häuten. 
Stengel  aufrecht,  meist  3  diu  bis  über  1  m  hoch,  hohl.  Blätter  meist 
zu  2 — 4,  schmal-linealisch  bis  schmal-länglich  oder  breit-linealisch,  meist 
0,5  bis   über  3  cm  breit,    an    den  Rändern    glatt    oder  fein  rauh,    nach 


i)  Nach  Gotthilf  Heinrich  [von]  Schubert,  *  26.  Apr.  1780  Hohenstein 
(Schönb.)  Kgr.  Sachsen,  f  1.  Juli  1860  München,  seit  1827  Professor  an  der  Uni- 
vereitäl  und  Geheimrath  daselbst,  vorher  seit  1K19  in  Erlangen,  Verf.  zahlreicher 
naturwissenschaftlicher  und  philosophischer  Schriften,  die  anfangs  der  naturphilo- 
sopbischen,  Bpäter  einer  mystisch-asketischen  Richtung  huldigen,  auch  belletristischer 
Schriftsteller;  am  bekanntesten  sind  seine  Ansichten  von  der  Nachtseite  der  Natur- 
wissenschaft, Dresden  1807,  mehr.  Aufl.,  und  seine  Geschichte  der  Seele,  Stutt- 
gart 1830,  2.  Bde.,  mehr.  Aufl.  S.  besuchte  1836  und  1837  Aegypten  und 
Paliistina,  begleitet  von  Johannes  Rudolf  Roth,  *  4.  Sept.  1814  Nürnberg,  f  26.  Juni 
1858  Hasbeia  in  Palästina,  welcher  auf  dieser  Reise  zahlreiche  Pflanzen,  auch  obige 
Allium-Art,  Bammelte;  später  bereiste  R.  von  1839  an  Ost-Indien  and  West-Africa 
und  unternahm  1852  und  1856  eine  zweite  und  dritte  Reise  nach  Palästina,  von 
deren  letzter  er  nicht  heimkehren  sollte.  Er  war  seit  1843  Professor  der  Zoologie 
an  tlvv  Universität   München. 


Allium.  165 

der  Spitze  ziemlich  plötzlich  verschmälert,  viel  kürzer  als  der  Stengel. 
Hülle  des  Blüthenstandes  2 — 4  klappig  mit  eiförmigen,  kurz  zugespitzten 
Klappen,  etwas  derb,  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstand  viel- 
blüthig,  halbkugelig  bis  kugelig.  Blüthenstiele  meist  zur  Blüthezeit  bis 
über  2  cm  lang,  später  oft  viel  länger  (bis  über  4  cm),  mehrmals  länger 
als  die  Blüthen.  Perigonblätter  länglich-linealisch,  stumpf  lieh  oder 
spitzlich,  meist  4 — 5  mm  lang,  dunkel  bis  rosa-purpurn  mit  dunkleren 
Mittelstreifen.  Staubfäden  aus  verbreitertem  Grunde  pfriemlich ,  nur 
am  Grunde  etwas  verbunden,  so  lang  oder  etwas  länger  als  die  Perigon- 
blätter. Fruchtknoten  eiförmig  bis  kugelig,  am  Grunde  mit  3 
Gruben.     Griffel  mit  ungetheilter  Narbe. 

Auf  Aeckern,  zwischen  Getreide,  an  Wegrändern,  Hecken.  Ur- 
sprünglich nur  im  südöstlichen  Gebiete  in  der  Kleinen  und  Grossen 
Ungarischen  Ebene!  mehrfach,  nördlich  bis  Ungarisch-Altenburg  und 
dem  Comitat  Bihar,  ebenso  im  wärmeren  Siebenbürgen!  im  kroatischen 
Küstenlande,  in  Dalmatien  bei  Trau,  Spalato  und  Salona  (Vis.  I.  136). 
Verschleppt  in  Nieder  -  Oesterreich :  Wien;  Moosbrunn  (Reichardt 
ZBG.  Wien  XXIV.  Sitzb.  37,  vgl.  Hock  Beitr.  Bot.  Centralbl.  XV. 
406).    Luxemburg:  Wiesen  an  der  Sauer  (Koltz!).     Bl.  Mai. 

A.  atropurpureum  Wählst,  u.  Kit.  PL  rar.  Hung  I.  16  t.  17 
(1802).  Regel  All.  adh.  cogn.  247.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  757.  Nyman 
Consp.  737.  Suppl.  308.  Richter  PL  Eur.  I.  210.  Rchb.  Ic.  X  t.  DV 
fig.  1105  (?  mit  kurzen  Staubblättern).  A.  robüstum  Kar.  u.  Kir. 
Enum.  pl.  Alt.  in  Bull.  Soc  Imp.  Nat.  XIV.  853  (1841). 

Bei  uns  nur  der  Typus  der  Art:  a.  typicum  (Regel  All.  adh.  cogu.  Monogr. 
248  [1875])  mit  kahlen  Blattscheiden  und  -spreiten. 

(Thracien  ;  Affghanistan ;  Dsungarei;  Sibirien.)  [TjTj 

ß.  Fruchtknoten  deutlich  gestielt. 

Gesammtart  A.  sti  pitatum. 

*  A.  stipitätum.  2J_.  Pflanze  sehr  gross.  Stengel  meist  8  —  10  dm  hoch. 
Blätter  schmal  linealisch-lanzettlich,  lebhaft  grün,  unterseits  etwas  rauhhaarig,  nur 
am  Grunde  des  Stengels.  Hüllen  des  Blüthenstandes  zweiklappig  mit  eiförmigen, 
plötzlich  zugespitzten  Klappen,  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstand  viel- 
blüthig,  kugelig  oder  halbkugelig,  sehr  gross.  Blüthenstiele  verlängert,  bis  über 
4cm  lang,  mehrmals  länger  als  die  Blüthen.  Blüthen  wohlriechend.  Perigon- 
blätter linealisch-pfriemlich,  rosa  violett,  meist  abstehend.  Staubblätter 
etwa  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Fruchtknoten  niedergedrückt- 
kugelig, dicht  drüsig- warzig,  am  G  runde  in  einen  Stiel  verschmälert, 
am  Grunde  ohne  Gruben. 

In  Turkestan  heimisch,  bei  uns  seiner  Grösse  wegen  in  Gärten.     Bl.  Juli. 
A.  stipitatum  Regel  Gartenfl.  XXX  (1881).  355  t.  1062  fig.  1,  2,  3. 

*  A.  giganteum.  2|_.  Der  vorigen  Art  sehr  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich 
durch  Folgendes  verschieden.  Blätter  graugrün,  ganz  kahl.  Hülle  des  Blüthen- 
standes mit  fast  runden,  plötzlich  kurz  zugespitzten  Klappen.  Blüthenstand 
sehr  gross,  sehr  dicht.  Blüthenstiele  meist  2,5 — 3cm  lang,  5 — 6 mal  länger  als 
die  Blüthen.  Perigon  blätter  1  anglich,  stumpf  oder  spitzlich.  Staubblätter 
etwa  doppelt    so    lang  als  die  Perigonblätter.     Fruchtknoten    glatt. 


ICH  Liliaceae, 

Im  Himalaja  heimisch,  hin  und  wieder  in  Gärten. 

A.  giganteum  Regel  Gartenfl.  XXXII  (1883)  97  t.  1113. 

Beide  vorerwähnte  Arten  stehen  dem  A.  «tri purpureum  nahe,  sind  aber  von 
ihm  leicht  durch  <li<-  gestielten,  am  Grande  nicht  mit  Graben  versehenen  Frucht- 
knoto  n  und  den  Duft  za  unterscheiden.  Hierher  gehört  noch  das  mitunter  in 
Gärten  gepflanzte  A.  Rosenbachi d numi)  (Regel  Act.  hört.  Petrop.  VIII.  6G4 
[1884])  aus  Buchara. 


2,   Untergattung. 

2.  Nectaroscördum8)  LindL  (Bot.  Reo-,  t.  1912  [im  Text  1913] 
[1836]  als  Gatt.  Gren.  u.  Godr.  Fl.  Fr.  III.  212.  Nat.  Pfl.  IL 
5.57.  Trigonea9)  Pari,  in  l'Occhio  1839.  161.  PI.  nov.  28.  Nec- 
taroscördinm-)  Regel  All.  adh.  cogn.  mon.  12.  253.  S.  S.  96. 
Blüthenstand  ziemlich  vielblüthig.     Blüthen  sehr  gross. 

Nur   unsere   Art. 

800.  (38).  A.  Siculum.  3|.  Zwiebel  eiförmig,  meist  2— 3  cm 
dick,  mit  weisslichen  oder  bräunlichen  Häuten.  Stengel  aufrecht,  dick, 
meist  0,7 — 1  m  hoch,  nur  am  Grunde  von  Blättern  umgeben.  Blätter 
linealisch-lanzettlich,  etwa  1 — 2  cm  breit,  3 kantig,  etwa  halb  so  lang 
als  der  Stengel.  Hülle  des  Blüthenstandes  meist  hinfällig.  Blüthen- 
stand viel-  (meist  20 — 30-)  blüthig,  vor  der  Blüthe  nickend.  Blüthen- 
stiele  verlängert,  meist  3 — 4  cm  lang,  während  der  Blüthe  meist  nickend. 
Perigonblä tter  länglich-eiförmig,  bis  fast  2cm  lang,  stachel- 
spitzig,  die  inneren  am  Grunde  verschmälert,  fast  zungenförmig,  dunkel- 
roth,  die  äusseren  mit  breiteren  grünen  Rückenstreifen.  Staubblätter 
etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  ungetheilten  lanzettlichen, 
am  Grunde  verbreiterten  Staubfäden.  Griffel  etwa  so  lang  als  die 
Staubblätter,  mit  stumpfer  Narbe.  Frucht  eiförmig  bis  breit-eiförmig, 
etwa  halb  so  lang  als  das  Perigon.  Samen  gross,  etwa  5  mm  lang, 
kantig,  schwarz. 

In  feuchten,  schattigen  Wäldern  nur  im  südwestlichsten  Gebiete. 
Provence:  Le  Malpey  bei  Frejus  (Perreymond!).  Hin  und  wieder 
in  Gärten.     Bl.   Mai. 

A.  siculum  Ucria  PI.  ad.  Linn.  op.  add.  No.  7  in  Opusc.  di  Aut. 
Sic.  VI.  250  (um  1790).  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  212.  Richter 
PL  Eur.  I.  210.  Nectaroscördum  siculum  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  1912 
(1836).  Kunth  Enum.  pl.  IV.  457  (1841).  Nyman  Consp.  7:;.").  A. 
Dioscoridis*)  [wohl  Schreibfehler  für  siculum]  a.  typicum  Regel  a.  a. 

<>.    LT,  I    (1S75). 


')  Nach  dem  General  Nikolai  O.  von  Bösen b ach,    GeneraJgouverneuT  von 
Turkestan. 

-)  Von   }■/'■/. r Co  b.  s.  94   Pussn.  1  und  ay.ÖQÖov,  s.  S.  100  Fussd.   1. 

8)  Von  tQlycovog  dreikantig. 

•  icli  dem  Griechischen  Arzte  Pedanios  Dioskorides  aus  Anazarba(os) 
in  Kilikien,  welcher  an  der  Mitte  des  1.  Jahrh.  Dach  Chr.  das  Römische  Reich 
hereiste.     Von  seinen  5   Büchern  .uo)  ßJLtjg  laTQwfjg  (de  materia  medica)  sind  die 


Alliuin.     Nothoscordon.  167 

Unserer  Pflanze  sehr  nahe  verwandt  uud  nur  als  Rasse  oder  Unterart  zu 
trennen  ist: 

B.  Dioscoridis.  Perigonblätter  weiss,  schwach  grün  und  röthlich  überlaufen. 
So  in  der  Krim,  der  Dobrudscha  uud  bei  Constantinopel  sowie  in  Kleinasien 
und  auf  Cypern.  —  A.  siculum  ß.  Dioscoridis  Richter  PI.  Eur.  I.  210  (1890). 
A.  Dioscoridis  Sibth.  u.  Sm.  Prodr.  Fl.  Graec.  I.  222  (1806).  Nectaroscor- 
dium  bulgdricum  Janka  ÖBZ.  XXIII  (1873).  242.  Nectaroscordum  siculum  ß. 
Dioscoridis  Boiss.  Fl.  Or.  V.  286  (1881).  A.  Dioscoridis  ß.  Dioscoridis  Regel 
All.  adh.  cogn.  inon.  254  (1875). 

(Verbreitung  der  typischen  Art:  Toscana;  Sicilien;  Sardinien;  in 
Westfrankreich  [Dep.  VienneJ  verwildert);  Rasse  B.  s.  oben.  ~#\ 

*f  165.  (5.)    NOTHOSCORDON1). 
(Kunth  Enum.  IV.  457   [1843].    Nat.  Pfl.   57.) 

S.  S.  74.  In  der  Tracht  der  vorigen  Gattung  sehr  ähnliche 
Arten,  aber  schon  durch  den  Mangel  des  Lauchgeruches  verschieden. 
Grundachse  Zwiebeln  tragend.  Laubblätter  grundständig,  flach,  linea- 
lisch. Hochblätter  unter  der  Scheindolde  am  Grunde  verbunden.  Trag- 
blätter der  Blüthen  sehr  klein.  Perigonblätter  am  Grunde  oder  bis 
zur  Mitte  verbunden.  Staubfäden  meist  deutlich  verbreitert ,  an  der 
Spitze  schmal.  Fruchtknoten  mit  6 — 12  Samenanlagen  in  jedem  Fache. 
Frucht  eine  dreilappige  Kapsel. 

Etwa  10  Arten,  die  meisten  in  Nord-  und  Süd- America,  eine  in  Ostasien.  Bei 
uns  fast  nur : 

*f  801.  [8).  N.  inodöruiii.  2J-.  Blätter  breit-linealisch,  bis  über 
1  cm  breit,  stumpf  lieh.  Blüthenstand  meist  8 — l2blüthig.  Blüthen- 
stiele  meist  2 — 3  cm  lang.  Blüthen  duftend.  Perigonblätter  weiss, 
länglich,  bis  1,4  cm  lang,  stumpf  mit  derber  Spitze,  nur  am  Grunde 
verbunden.     Staubfäden  lanzettlich.     Frucht  verkehrt-eiförmig. 

Im  subtropischen  America  heimisch,  in  Europa  hin  und  wieder 
angepflanzt  und  besonders  im  südlichen  Gebiete  leicht  verwildernd. 
Völlig  eingebürgert  in  der  Provence  auf  Hügeln  um  Hyeres  und  auf 
der  Insel  Porquerolles.     Bl.  Mai,  Juni  (Juli). 

N.  inodorum  A.  u.  G.  Syn.  III.  167  (1905).  Allium  inodorum 
Ait.  Hort.  Kew.  ed.  1.  I.  427  (1789)  ed.  2.  II.  337  (1811).  Allium 
fragrans  Vent.  Descr.  jard.  Gels.  26  (1800).  Nothoscordon  fragrans 
Kunth  Enum.  IV.  461  (1843).  Nyman  Consp.  742.  Richter  PL  Eur. 
I.  211. 

Im  Samen  dieser  Art  entwickeln  sich  mehrere  Keimlinge  ähnlich  wie  bei  Hostet 
coendea  (s.  S.  55).     Vgl.  A.  Braun  a.  a.  O.   145. 


4  ersten  die  wichtigste  Quelle  für  die  Pflanzenkonntnis  des  classischen  Alterthums. 
Das  Mittelalter  hindurch  galt  D.  als  höchste  Autorität  in  der  Pflanzenkunde;  auch 
Matt hio Ins  (a.  I.  S.  09  Fussn.  4)  gab  seinem  Hauptwerke  die  Form  eines  Com- 
mentars  zum   Dioskorides. 

i)   Von   vö&og  unecht,   hibrid   und   vmöqÖov  s.   S.    100  Fussn.   1. 


168  Liliaceae. 

*  BRODIAEAi). 

(Sm.  Trans.  Linn.  Soc.  X.  2  t.  1    [1811].    Nat.  Pfl.  II.  5.  57.     Hookera*)  Salisb. 

Parad.  Lond.  t.  98  [1808]). 

S.  S.  74.  Grundachse  von  dünnen  Schuppenblättern  umhüllt,  selten  eine 
Zwiebel.  Laubblätter  grundständig,  schmal  oder  etwas  breit.  Blütheustand  mehr- 
blüthig,  selim  mit  nur  einer  Blüthe,  am  Grunde  der  Scheindolde  2 — 3  Hochblätter. 
Tragblätter  der  Blüthen  klein  oder  fehlend.  Perigon  trichterförmig-glockig.  Stauh- 
blätter  mit  der  Perigonröhre  mehr  oder  weniger  verbunden,  häufig  mit  Ausgliede- 
ruDgen,  mitunter  nur  3  fruchtbar.  Frucht  eine  fast  kugelige  bis  eiförmige  oder 
längliche   Kapsel.      Samen   schwarz,   zu   mehreren. 

Ueber  30  Arten,  zumeist  im  Pacifischen  Nord-  und  Süd-Arnerica,  wenige  im 
äussert ropischen  Süd-America.  Von  den  3  Sectionen  werden  bei  uns  besonders  Ver- 
treter von  zweien  als  Zierpflanzen  gern  gepflanzt. 

A.  A.  Eubrodiac'a  (Hak.  Journ.  Linn.  Soc.  XL  376  [1871].  Dichelostemma  ?•)  Kunth 
Enum.  IV.  469  [1843J  als  Gatt.).  Staubblätter  bis  zum  Grunde  mit  der  Perigon- 
röhre  verbunden,  mit  verbreiterten  oder  blumenblattartigen  ungetheilten  oder 
mit  seitlicheu  Ausgliederungen  versehenen  Fäden,  3  von  ihnen  bisweilen  nur 
staminodial,  ohne  Staubbeutel. 

L  I.  Blüthenstand    locker   doldenartig    mit   meist    wenigen,    langgestielten    grossen 

Blüthen. 

*  B.  coronaria.  3|.  Laubblätter  meist  etwa  5mm,  selten  bis  etwa  lern 
breit.  Blüthenstengel  meist  2 — 4  dm  hoch,  ziemlich  derb.  Hochblätter  unter  dem 
Blüthenstande  lanzettlich  bis  eiförmig-lanzettlich,  meist  viel  kürzer  als  die  Blüthen- 
stiele.  B  lüt  heust  iele  meist  2  —  5  cm  lang.  Blüthen  meist  zu  2 — :4  (seltener 
zahlreich).  Perigon  bis  über  4  cm  lang  mit  trichterförmiger  Röhre  und  linealiseh- 
lanzettlichen  Abschnitten,  mit  derben  Mittelstreifen,  lebhaft  violett.    3  Staubblätter. 

In  Californien  heimisch,  bei  uns  wegen  der  prachtvollen  Blüthen  gern  gepflanzt. 

B.  caronaria  Hort.  Berol.  Notizbl.  Bot.  G.  u.  Mus.  II.  No.  18.  317  (1899). 
Hookera  coronaria  Salisb.  Parad.  Lond.  t.  98  (1808).  Brodiaea  grandiflöra  Smith 
Trans.  Linn.  Soc.  X.  2  (1811).    Bot.  Mag.  t.  2877. 

Eine  sehr  reichblüthige  Form  mit  bis  über  20  Blüthen  in  der  Scheindolde 
ist  B.  major  (Benth.  in  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL  377  [1871]). 

II.  IL  Blüthenstand    dicht,    kopfförmig,    mit    meist    zahlreichen    ziemlich    kurz    ge- 

stielten  gedrängten   mittelgrossen   Blüthen. 

Gesammtart  B.  pulchöll  a. 

*  B.  pulchella.  2J..  Laubblätter  meist  schmal-linealisch  bis  5  mm,  selten 
bis  über  lern  breit.  Blüthenstengel  meist  2— 3dm  hoch.  Hochblätter  unter 
dem  BlüthenBtande  sehr  breit,  noch  zur  B 1  ü  t  h  e z e i  t  die  Blüthen 
umfassend  und  oft  bis  zur  Hälfte  ein  seh  1  iessend.  Blüthenstiele  meist 
nicht  über  0,5  cm  lang.  Perigon  bis  fast  2  cui  laug,  glockig-eylindriseli  mit  läng- 
lichen, stumpfen  Abschnitten,  violett.     3  Staubblätter. 

In   Californien  heimisch,  bei  uns  häufig  in  Gärten. 

B.  pulchella  Greene  Bull.  Calif.  Ac.  IL  133  (1886).  Hort.  Berol.  a.  a.  <>. 
317     (1899).    Hookera  pulchella  Salisb.  Parad.  Lond.    t.  98  (1808).     Brodiaca  con- 

i)  Nach  James  Brodie  zu  Brodie-House  in  Morayshire  (Schottland),  welcher 
vor  1800  Pirola  uniflora  für  Grossbritannien  entdeckte  (Britten  u.  Boulger 
Journ.   ot    Bot.    XXY11.    117). 

8)  Nach    W.  .1.    Hook  er  s.   II.   2.  S.  386  Fussn.  2. 
)    V"ii    6t%T]Aog    zweigetheilt    und    au'itua   Kranz,    wegen    der    zweispaltigen 
unfruchtbaren  äusseren  Staubblätter  der  !>.  pulchella. 


Brodiaea.  169 

qesta   Smith  Trans.  Linn.  Soc.  X.  3  t.  1   (1811).    Dichelostemma  conrjestum  Kunth 
Enuni.  IV.  470  (1843). 

*  B.  capitata.  9J .  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch 
Folgendes  verschieden:  Laubblätter  schmal,  kaum  bis  5  mm  breit.  Hochblätter 
unter  dem  Bl  ü  thens  tan  de  länglich-eiförmig,  nur  in  der  Jugend  den 
Blüthenstand  am  Grunde  umfassend,  später  zusammenfaltend,  abstehend  oder 
zurückgeschlagen.     6  Staubblätter. 

Gleichfalls  aus  Califomien  und  ebenso  häufig  gepflanzt  als  vorg. 
B.  capitata  Benth.  PI.  Hartw.  339  (1857). 

B.   Triteleia!)    (Dougl.    in    Lindl.    Bot.    Reg.    t.    1293    not.    [1829]    als    Gatt.      B. 
Seubcrtla-i)  Kunth  Enum.  IV.  475    [1843].     Themis*)   Salisb.  Gen.  pl.  fragm. 
85    [1866]).      Staubblattkreise    in    verschiedeneu    Höhen    eingefügt,    mit    faden- 
förmigen Staubfäden. 

*  B.  Ulliflöra.  2J. .  Laubblätter  meist  bis  6  mm  breit,  fleischig,  graugrün. 
Blüthenstand  ein-  (sehr  selten  zwei-)  blüthig.  Hochblätter  schlank ,  den  langen 
Blüthenstiel  am  Grunde  umfassend,  bleich-häutig.  Perigon  bis  weit  über  3  cm 
lang,  mit  trichterförmiger  Röhre  und  zur  Blüthezeit  spreizenden  lanzettlich-spatei- 
förmigen  Abschnitten,  hell  lila  gefärbt. 

In  Montevideo    und    Buenos  Aires   heimisch,    ziemlich    verbreitete  Zierpflanze. 

B.  unißora  Engler  Nat.  Pfl.  II.  5.  57  (1888).  Triteleia  uniflora  Liudl.  Bot. 
Reg.  1293  not.  (1829)  t.  685  (1835).  Milla*)  unißora  Graham  Edinb.  Phil.  Journ. 
Dec.  1832.    Bot.  Mag.  t.  3327. 

B.  laxa  (A.  u.  G.  Syn.  III.  169  [1905].  Triteleia  laxa  Benth.  Trans.  Hort, 
Soc.  I.  413  t.  15  fig.  2  [1835].  Bot.  Reg.  t.  1685.  Seubertia  laxa  Kunth  Euum. 
IV.  475  [1843].  Milla  laxa  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL  384  [1871J)  mit  etwa  8- 
bis  20blüthigem  Blüthenstand  und  grossen  blauen  Blüthen,  in  der  Tracht  der  B. 
eoronaria  ähnlich. 


3.  Unterfamilie. 

LI  LI  0  I  D  EAE. 

(Engler    Führer    Bot.    Gart,    Breslau    25    [1886].    Nat.  Pfl.    II.    5.    19. 
Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.   siph.  66.) 

S.  S.  2. 


i)  Durch  die  dreitheilige  Narbe  charakterisirt,  also  wohl  von  iql-  3-  und 
teÄeiog  geendigt. 

'■^)  Nach  Moritz  Seubert,  *  2.  Juni  1818  f  6.  Apr.  1878  Karlsruhe,  Pro- 
fessor am  Polytechnikum  daselbst,  verdienstvollem  Systematiker  und  Floristen, 
Verf.  gangbarer  Lehrbücher.  Wir  nennen  von  seiueti  Schriften  hier  nur  Flora 
Azorica  (nach  den  Sammlungen  von  Karl  Höchste  tter  s.  II.  2.  S.  465  Fussn.  2) 
Bonn  1844,  Elatinacearum  monographia,  Nova  Acta  Ac.  Leop.  Carol.  XXI.  1845, 
F.xcursionsflora  für  das  Grosshcrzogthum  Baden,  Stuttgart  1863,  6.  Aufl.  von  L.  Klein 
1905.  Für  die  Flora  Brasiliensis  bearbeitete  er  eine  Anzahl  monokotyler  Familien, 
darunter  auch  die  Liliaceae. 

3)  Nach  der  Göttin  der  Gerechtigkeit. 

4)  Die  in  die  Verwandtschaft  von  Brodiaea  gehörige  mouotypische  Mexi- 
kanische Gattung  Milla  (Cav.  Ic.  IL  76  t.  196  [1793])  ist  nach  Julio  Milla,  Ober- 
gärtner am  Botanischen  Garten  in  Madrid  benannt. 


1,1)  Liliaceac. 

I '  i sbe  ra  i  c  li  t  der  Tribu  s. 

A.  Stenge]  meisl  mit  mehreren,  seltener  nur  mit  einem  Laubblatte. 
Blüthen  einzeln  endständig  oder  wenige  in  den  Achseln  der  Laub- 
blätter. Zwiebel  schuppig  oder  mit  häutigen  oder  derben  Nieder- 
blättern umkleidet.  Tulipcae. 

B.  Laubblätter  alle  grundständig.  Stengel  ohne  Laubblätter.  Blüthen 
in  den  Achseln  von  Hochblättern,  meist  schon  in  denen  der  untersten, 
die  aber  den  Blüthenstand  nicht  einschliessen.  Zwiebel  stets  von 
häutigen  Niederblättern  umkleidet.  Scilleae. 


1.  Tribus. 

TULIPEAE. 

(Koch  Syn.  ed.   1.   707  [1837]  mit  Ausschluss  von  Lloydia    s.   8.    93. 
Dalla  Torre  u.  Harms  Gen.  66.) 

S.  oben.  Perigonblätter  getrennt.  Fächer  des  Fruchtknotens  mit 
zahlreichen  Samenanlagen.  Frucht  fast  stets  eine  fachspaltige  Kapsel 
(vgl.  indessen   Galochortus). 

In  Europa  nur  unsere  Gattungen. 

Ueber sieht  der  Gattungen. 

A.  Aeussere  Perigonblätter   wie    die    inneren    blumenblattartig.     Frucht 
eine  fachspaltige  Kapsel. 

I.  Staubbeutel  linealisch,  etwa  in  ihrer  Mitte  an  den  Staubfäden  be- 
festigt.    Blüthen  gross,   glocken-  oder  trichterförmig  oder  mit  zu- 
rückgerollten  Perigonblättern.     Zwiebel  schuppig.  Lilium. 
IL   Staubbeutel  mehr  oder  weniger  mit   ihrem   Grunde  befestigt. 

a.  Blüthen  glockenförmig,  die  Perigonblätter  nicht  zurückgebogen 
oder  zurückgerollt. 

1.  Blüthen  nickend.  Jedes  Perigonblatt  am  Grunde  mit  einer 
länglichen  oder  rundlichen  Honiggrube.  Zwiebel  unangenehm 
riechend,  ohne  umschliessende  trockene   Haut,  meist  gelb. 

I  i  Miliaria. 

2.  Blüthen  aufrecht.  Perigonblätter  ohne  Honiggrube.  Zwiebel 
meisl   braun,  von  einer  trockenen  Haut   eingeschlossen. 

Tulipa. 

Geber  die  von  vielen  bierhergestellte  Gattung  Lloydia  vgl.   S.  i)3. 

b.  Perigonblätter  (nach  Art  von  Cydaminus)  plötzlich  zurück- 
gebrochen. Blüthe  nickend  und  Perigonblätter  daher  die  Spitze 
nach  oben  wendend.  Erythronium. 

B.  Aeussere  Perigonblätter  grünlich,    kelchartig.     Kapsel   scheidewand- 
spaltig  oder  in  die  3  Carpelle  zerfallend.  Calochortas. 


Brodiaea.     Liliuiii.  171 

166.  LILIUM1). 

([Tourn.  Inst.   369  t,   195,   196].     L.  Gen.  pl.    [ed.   1.  91]    ed.    5.    143 
[1754].  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.   225  ff.  [1875].    Elwes  Monogr. 

Lil.  Lond.  [18801). 

(Lilie;  nieder!,  u.  vlaem.:  Lelie;  dänisch:  Lilie;  franz.:  Lis;  ital. :  Giglio; 

mm.:    Crin;    poln.:  Lilie;    wend. :  Leluja,  Lilija;   böhm.:  Lilije;    kroat.: 

Lijer,  Krin,  Zilj ;  russ. :   .Iiuni;  ung. :  Liliom.) 

S.  S.  170.  Die  Zwiebel  aus  einer  Anzahl  fleischiger,  dachziegel- 
artig sich  deckender  Schuppen blätter  bestehend,  nicht  von  einer  trockenen 
Zwiebelhaut  eingeschlossen.  Auf  die  Schuppen  blätter  folgt  (bei  einigen, 
z.  B.  L.  candidum,  bereits  in  dem  der  Blüthe  vorangehenden  Herbst) 
meist  eine  Anzahl  von  Laubblättern.  Hauptzwiebel  in  der  Achsel  des 
obersten  Schuppen-  oder  des  obersten  zur  Zwiebel  gehörigen  Laubblattes. 
Stengel  meist  mehr  oder  weniger  dicht  beblättert,  mit  zerstreuten  oder 
quirlig  gestellten,  meist  schmalen,  selten  gestielten,  dann  mit  breiterer 
Spreite  versehenen  Blättern.  Blüthenstand  meist  eine  lockere  Traube, 
seltener  doldenartig  oder  Blüthen  einzeln.  Blüthen  gross,  hängend  oder 
abstehend,  selten  aufrecht,  in  der  Achsel  eines  Tragblattes.  Perigon 
am  Grunde  glocken-,  seltener  trichterförmig;  seine  Blätter  meistens 
genagelt,  oberwärts  (von  der  Mitte  an  oder  nur  an  der  Spitze)  ab- 
stehend, zurückgebogen  oder  zurückgerollt,  am  Grunde  mit  einer  honig- 
absondernden Längsfurche.  Staubfäden  fadenförmig  oder  flach.  Griffel 
verlängert,  fadenförmig,  gerade  oder  aufsteigend,  an  der  Spitze  mitunter 
keulenförmig  verdickt.  Narbe  dick,  dreiseitig  oder  mehr  oder  weniger 
dreilappig.  Samen  flach  zusammengedrückt,  meist  mehr  oder  .weniger 
kreisrund,  hellbraun. 

Ueber  50  Arten  in  den  gemässigten  Zonen  beider  Hemisphären.  —  Zerfällt  in 
2  Untergattungen  und  mehrere  Sectionen. 

A.    Cardiöcrinum   (Baker   Journ.   Linn.    Soc.    XIV.    225    [1875]).     A. 
Perigon  trichterförmig.    Laubblätter  gestielt  mit  verlängertem  Blatt- 
stiel, mit  herzeiförmiger  Spreite. 

3  Arten  vom  Himalaja  bis  Japan. 

*  L.  giganteum.  9\ .  Stengel  2 — 3  m  hoch,  dicht  beblättert.  Blätter  tief- 
herzförmig,  dunkel.  Blüthenstand  eine  12-  bis  über  20-blüthige  Traube.  Blüthen 
bis   1,5  dm  lang,  meist  innen  mit  purpurner,  aussen  grüner  Zeichnung,  duftend. 

In  Himalaja  und  China  heimisch,  bei  uns  hin  und  wieder  in  Gärten.  Bl. 
Juli,  August. 

L.  giganteum  Wall.  Tent.  fl.  Nep.  21   t.   12  (1824). 

*  L.  COrdifÖlium.  %.  Niedriger.  Stengel  nur  bis  1  m  hoch,  nur  mit  wenigen 
Blättern.    Blüthenstand  nur  4 — lOblÜthig. 

In  Japan  und  auf  den  Kurilen  heimisch,   bei  uns  nicht  selten  gepflanzt.    Bl.  Juli. 
L.  eordifoliwm  Thunb.  Trans.  Linn.  Soc.  II.  332  (1794). 

')  Name  dieser  Gattung  bei  den  Römern;  bereits  Vergilius  bezeichnet  L. 
candidum  mit  derselben  Namenscombination. 


1 , 2  Liliaceae. 

B.  B.  Eulirion1)  (Engl.  Nat.  Pfl.  II.  5.  60  [1888]).  Blätter  Bchmal, 
ohne  oder  mit  ganz  kurzem  Blattstiel.  Blüthen  sehr  verschieden 
gestaltet. 

I.  I.  Perigonblätter   nur    an    der  Spitze    zurückgekrümmt    oder    zurück- 

gebogen, nie  zurückgerollt. 

a.  a.  Blüthen    beim    oder    bald    nach    dem  Aufblühen   nickend   oder 

wagrecht. 
1.  1.  Liriötypus   (A.  u.  G.   Syn.   III.    172    [1905].    Eulirion 

Rchb.  Consp.  65  [1828].  Kunth  Enum.  pl.  IV.  264.  Aschers. 
Fl.  Prov.  Brand.  I.  716  z.T.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV. 
225  [1875]).  Perigon  glocken-trichterförmig.  Die  Perigonblätter 
nur  an  der  Spitze  sichelförmig  zurückgebogen,  über  der  Mitte 
am  breitesten.  Blätter  abwechselnd. 
<(■  a.  Perigon  im  unteren  Theile  fast  cylindrisch,  erst  in  oder  über 

die  Mitte  erweitert. 

•  L.  longiflörum.  Q| .  Stengel  3  dm  bis  fast  1  m  hoch,  starr  aufrecht. 
Blätter  zu  20 — 40.  3 — 5  nervig,  bis  etwa  1,3  dm  lang,  glänzend.  Blüthen  meist 
wagerecht  abstellend,  einzeln  oder  zu  2 — 4,  weiss,  duftend.  Perigon  bis  über  2  dm 
lang  mit  verkehrt- lanzettlichen,  stumpfen  Blättern.  Staubfäden  weiss  mit  gelben 
Staubbeuteln. 

In  China  und  Japan  heimisch,  bei  uns  nicht  selten  angepflanzt.    Bl.  Juni,  Juli. 

L.  longiflörum  Thunb.  Trans.  Linn.  Soc.  II.  333  (1794).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.  229  (1875).  Voss-Vilmorin  Blumeng.   1089.  Bot,  Reg.  t.  560. 

In  einer  Reihe  von  Garteufornieu  im  Handel,  hin  und  wieder  eine  weissbunt- 
blätterige  Form  (fol.  albo-marg  inatis  der  Gärten).  Besonders  bemerkeus- 
werth  ist: 

B.  eximium  (Voss-Vilmorin  a.  a.  O.  1090  [1896],  L.  eximium  Court,  in  Spae 
Mem.  Gen.  Lis.  14).  Stengel  hoch.  Blüthen  etwas  nickend.  Perigon  durch- 
sichtig, fast  seidenartig. 

Eine  sehr  reichblüthige  (6 — 8)  Form  mit  sehr  hohen  Stengel  ist  C.  Wil- 
sonii^i  (Leichtl.  nach  Voss-Vilmorin  a.  a.  O.  [1896]).  —  Weitere  Formen 
vgl.  Voss  a.  a.  O. 

b.  b.  Perigon  vom  Grunde  an  trichterförmig  erweitert. 

*f  802.  (1.)  [9.)  L.  cändidum  (die  S.  171  angeführten  Namen 
der  Gattung  beziehen  sich  in  erster  Linie  auf  diese  Art,  die  speciell 
auch  Weis-«-  Lilie,  Gilg,  Gilgen,  Jüling;  nieder!:  Witte  Lelie;  franz.: 
Lis  blaue;  it.:  Giglio  di  S.  Antonio;  nun.:  Crin  tili),  Lilie,  Crin  de 
grädinä;  kroat.:  Ljer  bilo,  Bijeli  Zulj,  Zilj,  Ljiljan  heisst).  2L.  Zwiebel 
breitreiförmig,  meist  gelblich  bis  hell.  Stengel  meist  6 — 15  dm  hoch, 
dunkelgrün.  Blätter  bis  etwa  100,  länglich  bis  linealisch-lanzettlich, 
kahl,  <li''  grundständigen  sich  bereits  im  Herbste  entwickelnd,  bis 
t:i-t    l*  «Im    lang,    überwinternd,    am  Grunde  verschmälert,    spitz,    3 — 5- 

i)  Von  eö  (s.  I.  S.  15  Fussn.  2  und  Aetoiov,  Name  der  Lilie,  besonders  der 
\\risM.M  bei  den  alten  Griechen. 

2)  Nach  George  P.  Wilson  in  Weybridge  (Surrey),  dem  bedeutendsten  Lilia- 
ceenzüchter  Englands,  dessen  Garten  i/on  Banbury  gekauft  und  der  Horticultural 
Society   geschenkt    wurde  (Leichtlin   br.). 


Lilium.  173 

nervig,  die  obersten  klein,  eiförmig-lanzettlich.  Blüthen- 
Btand  meist  5 — 20blüthig,  die  unteren  Blütheii  nickend,  die  oberen 
mehr  oder  weniger  aufrecht-abstehend,  alle  mit  aufrecht  abstehenden 
Stielen,  wohlriechend.  Perigon  weiss,  ziemlich  weit  trichterförmig.  Perigon- 
blätter  bis  etwa  8  cm  lang,  oberwärts  sichelförmig  zurückgebogen,  stumpf, 
an  der  Spitze  etwas  weichhaarig.  Staubblätter  etwa  2js  so  lang  als  die 
Perigonblätter  mit  gelben  Staubbeuteln.  Griffel  etwa  so  lang  als 
die  Perigonblätter.  Frucht  verkehrt-eiförmig;  die  drei  Kapselfächer 
durch  breite  Furchen  getrennt,  auf  dem  Rücken  bis  zur  Spitze  tief 
gefurcht. 

Vermuthlich  im  östlichen  Mittelmeergebiet  (aber  wohl  kaum  inner- 
halb unseres  Gebietes)  einheimisch,  seit  den  Zeiten  der  Griechen  und 
Römer  beliebte  Zierpflanze,  leicht  verwildernd.  Völlig  eingebürgert  im 
Mittelmeergebiet :  Provence,  Riviera.     Dalmatien.     Bl.  Juni,  Juli. 

L.  candidum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  302  (1753).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.  231  (1875).  Nyman  Consp.  720.  Suppl.  301.  Richter  PI. 
Eur.  I.  211.  Voss-Vilmorin  Blumeng.  1091.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLV 
fig.  997.  Bot.  Mag.  t.  278.  L.  candidissimum  Friv.  nach  Nyman 
Consp.   720  (1882)'. 

Von  Gartenformen  sind  bemerkenswerth  weiss-  und  gelbgestreiftblätterige 
Formen  (fol.  variegatis  resp.  aureo-marginaüs  der  Gärten)  und 

].  striatum  (Flore  des  serres  t.  735.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  232  [1875] 
rubrolineatum  und  purptireorariegahim  der  Gärten).  Perigonblätter  purpurn- 
gestreift,  gefleckt  oder  überlaufen.  —  Merkwürdig  ist 
m.  spicat  um  (und  monstruosum  [flore  pleno]  der  Gärten  vgl.  Voss  a.  a.  O.). 
Statt  der  Blüthen  ährenförmige  aus  dicht  gedrängten,  sich  schuppig  deckenden, 
grünlich- weissen  Blättern  bestehende  Gebilde  entstehend. 

Eine  beträchtlicher  verschiedene  Rasse  ist: 
B.  peregrinum  (franz.:  Lis  de  Consfantinople).  Blätter  braunroth 
überlaufen.  Blüthen  etwas  grösser,  alle  hängend,  daher  der 
Blüthenstand  lockerer.  Rückenfurchen  der  Fruchtblätter 
unterhalb  des  gestutzten  Scheitels  der  Frucht  auf- 
hörend. 

Aus  Constantinopel  um   1580  unter  dem  Xamen  „Sultan  Zam- 

bach"  an  Clusius  gesandt;  seitdem  in  Cultur,  obwohl  nicht  häufig. 

L.  candidum  var.  peregrinum  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV. 

232  (1871).    L.  peregrinum  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  no.  2  (1768). 

Havne  Arzneig.  VII    t.   27    (1821).    Solms-Laubach  Bot.  Zeit.  LV 

(1897)  63. 

(Eingebürgert,  bez.  einheimisch  [wegen  der  uralten  Cultur  sind  die 

betreffenden  Wohnbezirke  schwer  zu  scheiden]   im  Mittelmeergebiet  von 

den  Balearen,    Corsica    und  Sardinien    ostwärts    bis   Syrien    und  Trans- 

kaukasien.)  |7jT 

Off.  Die  Zwiebel,  Bulbus  Lilii  albi,  Lis  blanc  (bulbe).  Ph.  Belg.,  Gall. 

Das  durch  Uebergiessen  der  Blumen  mit  Olivenöl  hergestellte  Oleum  Liliorum 
alborum  noch  jetzt  Hausmittel.  —  In  der  Symbolik  der  katholischen  Kirche  und  in 
der  Heraldik    des  Mittelalters    (Fleur   de   lys,    die    allerdings    nicht    immer  von    der 


171  Liliaceae, 

Schwertlilie  [Ina  Germanica  und  Florentina]  sicher  zu  unterscheiden  ist)  spielt  die 
w<  isse  Lilie  eine  grosse  Rolle.  Dagegen  ist  es  wenig  wahrscheinlich,  dass  sie  mit 
der  .Lilie  der  Thäler*  Schöschannai  ha'amaqim)  des  Hohen  Liedes  (2,  1)  gemeint 
fet,  obwohl  sie  neuerdings  am  Libanon  wild  wachsend  beobachtet  wurde  vgl.  Trojan 
Aus   der    Heimal  ^88)    Aschersou    Naturw.  Wochenschrift    IX.    241,    310 

(1894)  Christ  Zeitsobr.  des  Deutschen  Palästina- Ver.  XXII.  65  (1899).  Die  ent- 
ogesetzte  Ansicht  wurde  noch  neuerlich  von  Leopold  Fonok  S.  .1.  in  Stimmen 
ans  Maria-Laacb  L1V  (1898)  151  und  Streifzüge  durch  die  Biblische  Flora,  Freib. 
1900.  53  mit  uns  nicht  überzeugenden  Gründen  verfochten.  Noch  weniger  können 
die  „Lilien  auf  dem  Felde"  [itolva  tov  äyQov  Matth.  VI,  28  Luc.  XII,  27)  auf 
unsere  weisse  Lilie  bezogen   werden. 

*  L.  Brüwnii  ')■  %•  Stengel  meist  purpurn  überlaufen  oder  gefleckt.  Blätter 
dunkelgrün,  die  oberen  grösser;  keine  gru  ndst  äu  d  igen.  Blüthen  meist 
einzeln,  selten  zu  2—4,  sehr  gross  und  läng,  wohlriechend.  Per  igonblätt  er 
bis  über  1,5  dm  lang,  oberwärts  zurückgebogen,  weiss,  aussen  purpurn  überlaufen, 
Staubblätter  mit  roth  braunen  Staubbeuteln. 

In  China  und  Korea  heimisch,  bei  uns  wegen  der  schönen  und  grossen  Blüthen 
hin   und   wieder  in  Gärten.     Bl.  Juni,  Juli. 

/..  Brownii  Poit.  Eev.  Hortic.  Ser.  2.  IL  496  (1844).  Voss-Vilmorin  Blumeng. 
1090.  L.  japdnicum  vieler  Gärten  und  Bot.  Mag.  t.  lf>91  nicht  Thunb.  L.  odorum 
Planen.  Fl.  des  serres  Ser.  1.  IX.  53  t.  876  (1853—54)  z.  T. 

Das  nahe  verwandte  L.  J apdnieum  (Thunb.  Fl.  Jap.  133  [1784]),  besonders 
durch  meist  mehrblüthige  Blüthenstände  weissliche  (oder  rosafarbene)  Blüthen  mit 
rothen  Staubbeuteln  verschieden,  seltener  in  Gärten. 

2.  2.  Archelirion*)  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  220.  233 

[1874]  z.  T.)  Peruron  zur  Blüthezeit  weit  geöffnet,  die  Perigon- 
blätter  fast  vom  Grunde  an  im  weiten  Bogen  zurückgekrümmt, 
unter  der  Mitte  am  breitesten.     Blätter  abwechselnd. 

a.  (i.   Blätter  mit  kurzem  aber  deutlichem,  dem  Stengel  meist   an- 

gedrückten  Blattstiel. 

Gesammtart  L.  sueciösuni. 

*  L.  aurätum  (Goldbandlilie).  2L.  Zwiebel  bis  1  cm  breit.  Stengel  aufrecht 
oder  überhängend,  meist  6  dm  bis  etwa  2  in  hoch,  grün  oder  roth  überlaufen. 
Blätter  sehr  zahlreich  (keine  grundständige  Rosette),  lauzettlieh,  zugespitzt, 
deutlich  5 nervig,  bis  über  2  dm  lang.  Blüthenstand  (1-  bis)  3-  bis  vielblüthig. 
Blüthenstiele  weil  abstehend  mit  kleinen  Hochblättern.  Pe  rigon  b  lätter  bis 
2dm  lang,  sich  nur  am  Grunde  deckend,  die  inneren  breiter,  alle  weiss,  innen 
mit  breitem,  goldgelbem  Mittelstreifen  mit  vielen  rothen  Punkten 
oder  Flecken  und  kahler  Honigfurche,  am  Grunde  warzig.  Staubblätter  meist  nicht 
viel  über  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  sehr  (bis  über  2  cm)  Langen  dunkel- 
rothen  Staubbeuteln.     Griffe]  herabgebogen.     Frucht  länglich,  bis  8  cm  lang. 

In  Japan  und  Korea  heimisch,  bei  uns  der  prachtvollen  Blüthen  wegen  häufig 
in   Gärten.      151.   Juni,   Juli,   im   südlichen   Gebiete   bereits   im    Mai. 

/..  awratum  Lindl.  Gard.  Chron.  1862.  644.  Bot.  Mag.  t  5338.  Baker  Journ. 
Linn.   Soc.    XIV.   234    (IST."»).     Voss-Vilmorin    Blumeng.    1093   t.   59   fig.   236. 

In  zahlreichen  <  ulhn  formen  im  Handel,  die  meist  in  Bezug  auf  die  Färbung 
der  Blüthen    verschieden    sind.       Von    fast    rein   weissen,    nur    mit    schmalen    gelben 


i)   Doch   wohl    nach    K.    Rio»  D   s.    II.   1.   S.  224  Fussn.   3. 
'-')  Von    uoyot    ich    herrsche    und    Äciqiov   (s.    S.   172    Fussn.    1),    wegen    der 
Schönheit  der  hierhergehörigen  Arien. 


Lilium.  175 

Mittelstreifen  versehenen  Perigonblättern  bis  zu  ganz  gelben  oder  auch  scharlachroth 
gefleckten  Formen  finden  sich  alle  Uebergänge. 

•  X         .    L.  auratum  X  speciosum  s.  unten. 

*  L.  speciosum.  2J_.  Stengel  meist  0,6  —  1  dm  hoch,  grün  oder  gelb  gefleckt. 
Blätter  nur  zu  1 2  — 20,  zerstreut,  entfernt ,  länglich-lanzettlich ,  spitz  oder 
zugespitzt,  glänzend  grün,  bis  1,5  dm  lang,  deutlich  5 — 7  nervig.  Blüthenstand  3- 
bis  lOblüthig.  Blüthenstiele  weit  abstehend  mit  Hochblättern.  Per igonblätter 
bis  1dm  lang,  eiförmig-lanzettlich,  die  inneren  breiter,  weiss  (mehr  oder  weniger 
röthlich  überlaufen),  roth  punktirt  mit  zahlreichen  rothen  Warzen. 
Staubblätter  etwa  3/4  so  lang  als  die  Perigoublätter  mit  rothgelben  oder  rothen 
Staubbeuteln.     Griffel  stark  herabgebogen.     Kapsel  bis  5  cm  lang. 

In  Japan  heimisch,  bei  uns  seltener  in  Gärten.     Bl.  August,  September. 

L.  speciosum  Thunb.  Trans.  Linn.  Soc.  II.  332  (1794).  Bot.  Keg.  t.  2000. 
Bot,  Mag.  t.  3785.  Baker  Journ.  of  Bot.  XIV.  234  (1875).  Voss-Vilmorin  Blumeng. 
1092  t.  60.  L.  lancifolium  Mussche  in  Paxt.  Mag.  V.  267  (1838)  und  vieler 
Gärten  nicht  Thunb. 

In  sehr  zahlreichen  Gartenformen  angepflanzt,  die  zumeist  durch  die  Blüthen- 
farben  abweichen.  Von  ganz  weissen  Formen  und  solchen  mit  grünen  Flecken, 
rosa  gefärbten  oder  rosa  punktirten  bis  zu  rothen  und  dunkelpurpurnen  Abände- 
rungen finden  sich  alle  Zwischenfarben.  Hin  und  wieder  werden  auch  Monstrosi- 
täten mit  verbäudertem  Blüthenstand  gepflanzt,  die  dann  einen  mehr  oder  weniger 
doldigen  Blüthenstand  besitzen. 

•  X         .    L.  auratum   X  speciosum  s.  unten. 

.X  .    L.    auratum   X  speciosum.       Dieser    Bastard    wird    in    Gärten 

nicht  selten  unter  dem  Namen  L.  Parkmanni  (Sarg,  bei  T.  Moore  Gard.  Chron. 
1875.  2.  366.  494.  525.     L.   Packmanni  T.  Moore  a.  a.  O.  366)  cultivirt. 

b.  Blätter  vollständig  sitzend,  ohne  Blattstiel. 

*  L.  tigrinum  (Tigerlilie).  5J_.  Stengel  6dm  bis  über  Im  hoch,  schwärz- 
lich oder  braun,  weiss  spinnwebig.  Blätter  zerstreut,  nicht  sehr  zahlreich,  linealisch, 
bis  etwa  1dm  lang,  5  —  7  nervig,  die  oberen  kürzer,  mit  rothbraunen  Brutzwiebeln 
in  den  Achseln.  Blüthenstand  meist  3  — 10-,  selten  vielblüthig.  Blüthenstiele  ab- 
stehend, oft  mit  grossen  (bis  1dm  langen)  Hochblättern.  Perigoublätter  bis 
etwa  1dm  lang,  leuchtend  roth  oder  rothgelb,  zugespitzt,  an  der  Spitze 
behaart,  die  inneren  viel  breiter,  alle  mit  grossen  schwarz -purpurnen 
Punkten,  am  Grunde  mit  zahlreichen  schwarzköpfigen  Warzen  und  am 
Rande  behaarter  H  on  igfurche.  Staubblätter  etwa  2/s  so  lang  als  die  Perigou- 
blätter mit  rothen  Fäden  und  rothen  Staubbeuteln.  Griffel  etwas  länger  als  die 
Staubblätter,  stark  abwärts  gebogen. 

In  China  und  Japan  heimisch,    bei  uns  häufig  in  Gärten.      Bl.  Juli,  August. 
L.  tigrinum   Ker-Gawl.  Bot.  Mag.    t,  1237    (1809).     Baker   Journ.   Linn.  Soc. 
XIV.  233(1870).    Voss-Vilmorin  Blumeng.   1095  m.  fig. 

Gleichfalls  in  mehreren  Gartenformen  angepflanzt.  Bemerkenswert!!  ist  eine 
gefüllt-blühende  Form   und 

B.  splendens  (Leichtlin  in  Fl.  des  serres  t.  1932.  Baker  a.a.O.  L.  Leopold)  i) 
der  Gärten).  Stengel  weniger  spinnwebig.  Blätter  breiter.  Blüthen  grösser, 
sich  zahlreicher  und   später  entwickelnd. 

Auffällig    ist  auch    eine  Form    mit   mehr    oder  weniger  aufrechten   Blüthen 
(erectum  Baker  a.a.O.   [1875]). 


l)  Nach  Leopold  II.,  seit   lsf>5  König  der  Belgier  *  9.  Apr.   1835  Brüssel. 


]7li  Liliaceae. 

b.  b.   Isolirion1)   (Baker   Journ.    Linn.   Soc.   XI.    226    [1875]). 

Blüthen  bis  zum  Verblühen  aufgerichtet  mit  oberwärts  zurück- 
gekrümmten  Perigonblättern.  Staubblätter  vom  Griffel  nach 
allen  Seiten  abstehend.     Griffel  gerade. 

Aus  dieser  Gruppe  werden  ausser  der  unten  erwähnten  Art  einige 
andere  üfler  in  Gürten  angepflanzt,  so  z.B.  L.  cöncolor  (Salisb.  Parad. 
Lond.  t.  47  [1806].  L.  sinicum  Lindl.  in  Paxt.  Flow.  Gard.  II.  Mise, 
t.  193  [1851  —  52])  aus  China.  Unterscheidet  sich  durch  einen  Griffel,  der 
kürzer  als  der  Fruchtknoten  ist,  und  innen  dunkelrothe,  ungefleckte 
Blüthen.  Zahlreiche  Gartenformen  und  Bastarde  mit  anderen  Arten.  — 
L.  Davuricum  (Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1210  [18?].  L.  pennsy  Iva  ni- 
mm Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  872  [1805].  L.  specta'bile  Link  Enum.  hört. 
Berol.  I.  321  [1M21J)  aus  Sibirien  mit  liuealischen,  3nervigen  Blättern 
und  glatteren,  weniger  punktirten  Perigonblättern  (als  bei  der  einheimi- 
schen Art). 

803.  (2).  L.  bulbifermn  (Feuerlilie;  niederl. :  Vuur-,  Oranje- 
Lelie;  franz.:  Lis  jaune;  it.:  Giglio  rosso;  kroat. :  Kruma).  Q[.  Zwiebel 
eiförmig,  weiss,  mit  wenigen  breiten,  spitzen  Schuppen.  Stengel  meist 
6  dm  bis  erheblich  über  1  m  hoch,  gefurcht,  roth  oder  schwarz  gefleckt, 
am  Grunde  kurzhaarig,  oft  weiss  spinnewebig.  Blätter  massig  viele, 
linealisch-lanzettlich,  die  unteren  bis  fast  1dm  lang,  die  oberen  kurz, 
am  Grunde  breiter,  in  ihren  Achseln  (beim  Typus)  stets  (oft  zahlreiche) 
Brutzwiebeln  tragend.  Blüthenstand  doldig,  meist  1 — 5  blüthig  (in 
Gärten  oft  mehrblüthig).  Blüthenstiele  kurzhaarig  oder  kahl.  Blüthen 
geruchlos.  Perigonblätter  länglich -spateiförmig,  etwa  5 — 7  cm 
lang,  leuchtend  roth  oder  gelbroth,  mit  linealisch-braunen  Punkten, 
warzig-rauh  (die  Warzen  einen  Haarbüschel  tragend),  mit  gewimperter 
Honigfurche  und  tiefer  Mittelfurche.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang 
als  die  Perigonblätter,  mit  rothen  Staubbeuteln.  Griffel  etwas  länger  • 
als  die  Staubblätter.  Frucht  verkehrt-eiförmig,  etwa  4  cm  lang,  stumpf, 
6 kantig,  mit  aufgesetztem  Griffelrest. 

Auf  Bergwiesen,  auf  Aeckern.  Im  Alpengebiet!  von  den  See- 
Alpen  bis  Nieder-Oesterreich  und  Bosnien;  in  Wallis  bis  1400  m,  in 
Tirol  bis  1900m  ansteigend  (Sarnthein  br.).  Jura.  Südl.  Schwarz- 
wald.  Bayrischer  Wald.  Südböhmen.  Erzgebirge.  Thüringer  Wald. 
Sondershausen!  Oberharz:  Andreasberg!  Westfalen:  Brilon.  Glatzer 
Schneeberg  und  Gesenke.  Nördliche  Karpaten.  Siebenbürgen.  Ausser- 
dem häufige  Gartenzierpflanze  und  nicht  selten  verwildert,  vollkommen 
eingebürgert  z.  B.  auf  Aeckern  des  nordwestdeutschen  Flachlandes!  und 
der  angrenzenden  Niederländischen  Provinzen  Groningen  u.  Drenthe. 
Bl.  Juni,  Juli. 

L.  bulbiferum  L.  ßpec.  pl.  ed.  i.  302  (1753)  z.T.  Koch  Syn. 
ed.  2.  MIT.  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  71(i.  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XTV.  237  (1875).  Voss -Vilmorin  Blumeng.  1096.  Nyman  Consp. 
720.  Suppl.  301.  Richter  PI.  Eur.  1.211.  Bot.  Mag.  t.  1018.  Robb. 
Ec.  X  i.  CCCCLIV  Kg.  995. 


i)   Von   laog  gleich  und  Asiqiov  (s.  S.   172  Fussn.   1). 


Lilium.  177 

Focke  (in  Abh.  XV.  Bremen  XI.  413)  wies  nach,  dass  Feuerlilien,  die,  aus 
einem  Samen  abstammend,  durch  vegetative  Vermehrung  sich  verbreitet  haben,  mit 
eigenen  Pollen  völlig  unfruchtbar  sind,  dagegen  mit  Pollen  einer  anderen  „Särnliugs- 
(oder  allgemeiner  Paarkern-Jbrut"  bestäubt,  vollkommen  fruchtbar.  Nur  von  einer 
Form  von  Ritterhude  bei  Bremen,  die  wohl  zu  B.  latifolium  gehören  dürfte  (er 
nannte  sie  in  Kosmos  VII.  653  [1883]  L.  Buchenaviii))  erhielt  er  mit  eigenen 
Pollen  einige  Früchte. 

Etwas  veränderlich;  in  der  Cultur  finden  sich  verhältnissmässig  wenige  Garten- 
formen.     Bemerkenswerth  sind 

B.  latifolium.  Pflanze  gross  und  kräftig.  Blätter  breit.  —  So  meist  in  Gärten, 
selten  im  wilden  Zustande.  —  L.  bulbiferum  B.  latifolium  A.  u.  G.  Syn.  III. 
177  (1905)  vgl.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  237  (1875).  L.  latifolium  Link  Enum. 
Berol.  I.  321   (1821). 

C.  hümile.  Pflanze  niedrig.  Blätter  schmal.  —  Nicht  selten,  besonders  auf 
Aeckern.  —  L.  bulbiferum  C.  humile  A.  u.  G.  Syn.  III.  177  (1905)  vgl.  Baker 
a.  a.  O.    L.  humile  Mill.  Gard.  Dict.  ed    8  no.  4  (1768). 

II.  pubescens  (L.  pubescens  Kunth  Enum.  pl.  IV.  265  [1843]).    Blüthenstiele 
dicht  spinnewebig-filzig.  —  Nach  Baker  eine  Gartenform. 

Zu  dieser  Art  gehört  auch: 

S.  L.  CVöceuni.  Zwiebel  bis  2  dm  lange  Ausläufer  treibend, 
die  mehrere  Zwiebeln  erzeugen.  Stengel  meist  4 — 6  dm  hoch.  Blätter 
sehr  zahlreich  (bis  etwa  100),  ziemlich  genähert  lanzettlich  oder  linea- 
lisch-lanzettlich, keine  Brutzwiebeln  in  ihren  Achseln  tragend. 
Blüthen  einzeln  oder  zu  2 — 4  über  einem  Quirl  von  3 — 5  sehr  grossen 
Blättern.  Blüthenstiel  weiss -spinnewebig -filzig.  Perigonblätter  ei- 
förmig-lanzettlich, stumpf,  im  unteren  lU  verschmälert,  am  Rücken  mit 
wenigen  spinnewebig-wolligen  Haaren,  saffrangelb,  die  inneren  um 
die  Hälfte  breiter.  Frucht  länglich-birnförmig,  stumpf,  etwa  doppelt 
so  lang  als  breit,  mit  6  stumpfen  Kanten. 

In  Wäldern,  schattigen  Gebüschen.  Die  Verbreitung  dieser  aus 
der  Dauphine  beschriebenen  Unterart  im  Gebiete  ist  noch  festzustellen. 
In  den  Alpen  ist  sie  meist  häufiger  oder  allein  vertreten.  Hierher 
gehören  nach  Buchenau  und  Focke  auch  die  meisten  Fundorte 
der  in  Nordwestdeutschland  verwilderten  Feuerlilie.     Bl.  Juni. 

L.  croceum  Chaix  in  Vill.  PI.  Dauph.  I.  322  (1786).  Gren.  u. 
Godr.  Fl.  France  III.  182.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  238  (1875). 
Nyman  Consp.  720.  Suppl.  301.  Richter  PI.  Eur.  I.  211.  Rchb.  Ic. 
X  t.  CCCCLIV  fig.  996.  L.  bulbiferum  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc. 
III.  202  (1805).  Bot.  Mag.  t.  36  nicht  L.  L.  aüreum  Parkins. 
Parad.  Lond.  37  t.  3. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Italien;  Corsica.)  \*~\ 

(Verbreitung  der  Art:  Italien;  Corsica;  Schweden   [verw.].)    jljTj 

*  L.  elegans.  2J..  Stengel  kräftig,  etwa  3  dm  lang,  gefurcht,  kahl  oder  be- 
haart, oft  etwas  spinnewebig-filzig.  Blätter  zu  etwa  20 — 30,  kahl,  5  —  7 nervig, 
untere  bis  1  dm  lang,  die  oberen  kürzer,  keine  Brutzwiebeln  in  den  Achseln 
tragend.     Blüthen  meist  einzeln.     Perigon    etwa  8 — 9  cm  lang,   länglich-spatel- 


J)  S.  II.  1.  S.  287  Fussn.  4  und  II.  2.  S.  482  Fussn.  1. 
Aschorson  u.  Gr aebner,  Synopsis.  III.  12 


178  Liliaceac. 

förmig,  orangeroth,  kaum  gefleckt,  nicht  stark  warzig,  mit  deutlicher  grosser, 
an  den  Rändern  behaarter  Honiggrabe,  inneren  etwa  um  die  Hälfte  breiter 

:i  1  -    dir    äuss  e  reu. 

In  Japan  beimisch,  bei  uns  nicht  sehen  in  Gärten.     Bl.  Jnli. 

/..  elegana  Thunb.  Mem.  A.cad.  Petr.  III.  203  t.  3  fig.  2  (1811).  Baker  Journ. 
Linn.  Boc.  XIV.  238(1875).  Voss-Vilmorin  Blumeng.  1098  m.  fig.  L  philadclphi- 
cum  Thunb.  Fl.  Jap.  135  (1784).  L.  bulbiferum  Thunb.  Trans.  Linn.  Boc.  II.  ^33 
(1791  nichl  L.  L.  Thunbergidnum  t )  Schult,  fil.  Syst.  VI l.  415  (1829)  Lindl. 
Bot.   Reg.   1839  t.  38.    L.  auranliacum  Paxt.  Mag.  VII.   127   mit  Abb.  (1839). 

Wird  in  zahlreichen  Garten  formen  angepflanzt,  die  sich  zumeist  durch  die 
Farbe  und  (icstalt  der  Blüthen  unterscheiden.  Die  Blütheufarbc  ändert  ab  vom 
Citronen-  und  Orangegelb  bis  tief  dunkelroth,  mitunter  in  einer  Blüthe  mit  heller 
Mitte  und  dunklen  Spitzen  der  Perigonblätter  wechselnd.  Die  Zahl  der  Flecken 
in  dir  Blüthe  ist  gleichfalls  bei  den  Gartenformen,  unter  denen  sich  auch  Bastarde 
mit  den  vorhergenannten  Arten  der  Gruppe  finden,  sehr  veränderlich.  Bemerkeus- 
werth  sind: 

B.  brevifdlium    (Baker    u.    Dyer    Gard.  Chron.    1872.    1356).     Blätter   kürzer, 
breiter;  bis  7  cm  laug  und  fast  2  ein  breit.     Perigon  weniger  weit  offen. 

C.  biliguldtum  (der  GärteD,   Krelage,    aurantiacum  muÜiflorum  der  Gärten)  i-t 
eine  hohe,  vielblüthige,  dunkelblüheude  Form. 

II.  IL  Märtagon2)  (Endl.  Gen.  pl.  141  [1836].  Kunth  Enum.  pL  IV. 
II.  A.schers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  716.  Baker  Journ.  Linn. 
Boc.  XIV.  226.  241  [1875]).  Perigonblätter  stets  deutlich  zurück- 
gerollt, mehr  als  einen  Kreisbogen  beschreibend.  —  Blüthen 
nickend.     Staubblätter   vom  Griffel   nach  allen  Seiten  abstehend. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch  das  dem  L.  Pomponium  nahe 
verwandte,  ebenso  beblätterte  L.  Pyrenaicum  (Gouan  111.  25  [1773J.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCLIII  fig.  992)  in  den  Pyrenäen  und  im  südwestlichen 
Frankreich.  —  L.  Heldrc  ie  hi  i  '■)  (Freyn  Flora  LXI1I  [1880]  28)  auf  der 
südlichen  Balkanhalbinsel. 

Von  hierbei-  gehörigen  Arten  befinden  sich  ausser  den  aufgeführten 
noch  einige  in  Gärten  in  Cultur.  Besonders:  L.  monadc'lph  u  m  *)  (M. 
Bieb.  Fl.  Taur.  Cauc.  I.  267  [1808].  Bot.  Mag.  t.  1405.  L.  Loddigesidnum  i) 
Schult,  fil.  Syst  VII.  410  [1829].  L.  Szovitsidnum 6)  Fisch,  u.  Lall.  Ind. 
Bern.  hört.  Pctrop.  1839.  58.  L.  Colchicum  Steven  nach  Haker  Journ.  Linn, 
Soc.  XIV.  246  [1875]  und  mehrerer  Gärten)  aus  dem  Kaukasus  und  Nord- 
Persien,  mit  zerstreut  stehenden,  vielnervigen  lanzettlichen  Blättern  und  über 
der  Mitte  ersl  zurückgerollten  schwefelgelben  Perigonblättern,  duftend,  und 
'las  aus  Japan  stammende  L.  1.  c  i  c  li  1 1 1  n  i  '<  i  (Hook,  fil.  Bot.  Mag.  t.  5673 
"7])  mit  Behmal-linealischen ,  etwas  locker  gestellten  Blättern  und  sehr 
breiten,   bis   über   2  ein   breiten,    leuchtend  citmnengelben,   aussen   purpurn  ge- 

')  B.   I.  B.   196  Fussn.  4. 

-'  Zuersl  bei  Matt  hiolue.  Der  Name  scheint  in  alchimistischer  Beziehung  auf 
den  Planeten  Mais  gebildet  zu  sein. 

)  B,    I.  B.    !15   Fussn.  4  und  11.  2.  S.  283  Fussn.   1. 
+)  Von  fiovtuh  /.ij  oc  einbii'ideriir,  we^en  der  am  Grunde  verbundenen  Staubblätter. 

5)  S.  VI.  l.  S.   707   Fussn.  2. 

6)  S.   I.  S.  90  Fussn.    1. 

7)  Nach  Max  Leicht  1  in,  *  20.  Oct.  1831  Karlsruhe,  anfangs  Gärtner,  als 
welcher  er  Argentinien  und  Brasilien  bereiste,  1858  —  1873  Kaufmann,  seitdem  in 
Baden-Baden,  wo  er  bei  Beiner  Villa  einen  botanischen  Privatgarten  unterhält.  Man 
verdankt  ihm  die  Einführung  zahlreicher  neuer  und  seltener  Pflanzen,  namentlich 
Liliilloren.  8.  Max  Kolb  in  Neubert'a  Deutsch.  Garten- Magazin  1893.  243.  Mit 
Bildniss. 


Liliura.  179 

färbten,  innen  gefleckten  Perigonblättern.  Von  den  Arten  mit  quirlig  ge- 
stellten Blättern  sind  zu  erwähnen  das  Atlantisch-Aniericanische  L.  super- 
bum  (L.  Spec.  pl.  ed.  2.  434  [1762].  Bot.  Mag.  t.  936)  mit  unser  L.  martagon 
an  Grösse  bedeutend  übertreffenden,  leuchtend  oraugerothen,  innen  dunkel- 
roth  gefleckten  Blüthen  und  oft  sehr  reichblüthigen,  grossen  Blüthenständen, 
das  prachtvolle  aus  Californien  stammende  L.  HumböldtiH)  (Itoezl  u. 
Leicht,  in  Duchartre  Journ.  Soc.  Hort.  Paris  V.  43  [1871].  Regel  Gartenfl. 
t.  724)  mit  sehr  grossen,  bis  über  1  dm  langen,  leuchtend  orangerothen,  am 
Grunde  grünlichen  Blüthen.  L.  pard älinum  (Kellogg  Proc.  Calif.  Ac.  II. 
12  [1863J)  aus  dem  westlichen  Nordamerica  mit  oberwärts  leuchtend  rothen, 
im  unteren  8/a  orangegelben  und   reich  roth  gefleckten  Perigonblättern. 

a.  Blätter  (wenigstens  die  unteren)  quirlig  angeordnet. 

804.  (3.)  L.  imirtagon  (Türkenbund,  Goldwurz,  Goldbölle;  it.: 
Martagone;  nun.  Crin  de  pädure,  Crin  pestrit,  Fiere;  poln.:  Zlotogtow, 
Masleska,  Zawojek;  kroat. :  Masounce,  Zlatan;  serb.:  3jraiaH;  russ. : 
üapcida  Kyjipii).  2J..  Zwiebel  eiförmig,  bis  etwa  5  cm  lang,  gelb,  aus 
zahlreichen  schmalen  Schuppen  bestehend.  Stengel  meist  etwa  5  dm 
bis  über  1,5  m  hoch,  stielrund,  kahl  oder  oberwärts  meist  kurzhaarig- 
rauh bekleidet,  grün  oder  roth  gefleckt,  am  Grunde  und  unter 
dem  Blüthenstande  fast  unbeblättert.  Blätter  in  von  2 — 4-,  meist 
5 — 6-  (bis  9-)  zähligen  Quirlen  stehend ,  \  die  oberen ,  selten  auch  die 
mittleren  abwechselnd,  abstehend,  lanzettlich,  verkehrt-lanzettlich-spatel- 
förmig,  bis  etwa  1,5  dm  lang,  sitzend,  zugespitzt,  kurzhaarig  bewimpert, 
7 — 11  nervig.  Blüthenstand  meist  3 — 10-  (selten  20-)  blüthig,  traubig, 
locker  mit  kleinen  Hochblättern.  Blüthen  von  eigenthümlichem  Gerüche. 
Perigonblätter  länglich,  bis  über  3,5  cm  lang,  schmutzig-hellpurpurn  mit 
dunkleren  Flecken  und  gewimperter  Honigfurche,  am  Rücken  und  an 
der  verdickten  Spitze  etwas  behaart.  Staubblätter  nicht  viel  über  halb 
so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit  rothen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten 
halb  so  lang  als  der  Griffel.  Griffel  stark  herabgebogen.  Frucht 
kreiseiförmig,  scharfkantig,  mit  aufgesetztem  Griffelrest, 

In  Laubwäldern  und  Gebüschen  durch  einen  grossen  Theil  des 
Gebiets,  bei  uns  die  Nordwestgrenze  erreichend,  in  den  Alpen  in  Wallis 
bis  2000  m  (Jaccard  348),  in  Tirol  bis  2300m  (Sarnthein  br.)  an- 
steigend, fehlt  als  ursprünglich  in  Belgien  (nur  in  zwei  Parks  einge- 
bürgert), den  Niederlanden  (auch  in  der  Rheinprovinz  sehr  selten),  im 
nord  westdeutschen  Flachlande,  Schleswig -Holstein,  Altmark,  Prignitz, 
Mecklenburg,  Neuvorpommern  und  Rügen  und  weiter  östlich  in  der 
Nähe  der  Ostseeküste,  in  den  Ungarischen  Ebenen  und  in  der  immer- 
grünen Region  des  Mittelmeergebiets.     Bl.  Juni,  Juli. 

L.  Martagon  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  303  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
818.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  244  (1875).  Nyman  Consp.  721. 
Buppl.  301.  Richter  PI.  Eur.  I.   211.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLI  fig.  989. 

In  der  Grösse,  der  Breite  der  Blätter  und  der  Behaarung  einigerinaassen  ver- 
änderlich. In  Gärten  ist  von  Abänderungen  meist  nur  eine  rein  weiss  blühende 
Form  vorhanden,  die  meist  auch  glänzend  grüne  kahle  Blätter  und  gelbe  Staub- 
beutel besitzt  (L.  glabritm  Spreng.  Syst.  II.  62  [1825]).  —  Die  ersten  Blätter  junger 


i)  S.  II.   1.  S.  687  Fussn.   1. 

12* 


1  n|  i  Liliaceae. 

Pflanzen  sind  länglich  bis  eiförmig,  denen  von  grossen  Exemplaren  von  Ophiogloxsum 
ruli/alum  nicht   unähnlich.     Eine  stärker  behaarte  Form  ist 

B.  hir Saturn  (Beek  Glasnik  XV.  205  [69]  [1903].  Wiss.  Mitth.  Bosn.  IX.  488 
[82]  [1904].  L  hirsutum  Mill.  Gard.  dict.  ed.  8  no.  10  [1768].  L.  Milien  i) 
Sehultes  Obs.  67  [1809].  L.  Martagon  var.  pube'seens  Borb.  Budapest  es  körn. 
nÖT.  61  1879].  Beck  Fl.  NÖ.  173  [1890]  L.  Martagon  var  vcäitum  Simonk. 
Term.  Fnz.  IX  [1885]  12.  Richter  PI.  Eur.  I.  211.  L.  Martagon  ß.  pilosi- 
<i.<eiihnn  Freyn  <>I'>Z.  XL  [1890].  224).  Stengel  mehr  oder  weniger  dicht 
behaart. 

Nach  der  Blüthenfarbe  werden  unterschieden : 
II.  albiflorum.  Perigon  weiss  s.  oben  8.  179.  —  Sehr  zerstreut.  —  L. 
Martagon  var.  albiflorum  Vukotinovie  nach  Beck  Wiener  111.  Gartenz. 
1S93.  410. 
111.  sangu  inei- pu  rp  u  reu  m.  Perigonblätter  blutroth  ,  purpurn  gefleckt.  — 
Hercegovina.  —  L.  Martagon  y.  (L.)  sanguineo-purpureum  Beck  Ann.  Nat. 
llofm.  Wien.  V.  569  [55]  (1890).  Formen  des  Türkenbundes  in  Wiener 
111.  Gartenz.  1893.  411.  Glasnik  XV.  205  [69]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn. 
IX.  4SS  [82 J. 

Wohl  eine  Basse  ist: 

IV.  Cattaniae2).  Blüthenstand  meist  sehr  reichblüthig.  Blüthen 
meist  klein.  Perigonblätter  sehr  dick,  fast  fleischig,  dunkel 
weinfarbig-purpurn,  ohne  Flecken.     Früchte   fast  rundlich. 

So  bisher  nur  in  Kroatien ,  Dalmatien ,  Hercegovina  und 
Bosnien.     Ziemlich  häufig  in  Gärten. 

L.  Martagon  ß.  Cattaniae  Vis.  in  l'Amico  dei  campi  Trieste 
1865.  113.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  245  (1875).  Richter 
PI.  Eur.  I.  211.  L.  Martagon  ß.  atropurpüreum  Neilr.  Aufz. 
Croat.  36  (1868)  vgl.  Schlosser  ÖBZ.  VII  (1857).  272.  L.  Cat- 
taniae Vis.  Fl.  Dalm.  Suppl.  Mem.  Ist.  Ven.  XVI.  64  [32] 
t.  3  (1877).  Nvman  Consp.  721.  L.  Dalmäticnm  Vis.  und  Fr. 
Mal?   Herb. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Serbien.)  |#"| 

b.  polyphyllum  (Rohlena  Sitzb.  Böhm.  Ges.  Wiss.  1904.  XXXVIII.  92 
[1905]).  Quirle  viel-  (bis  16-)  blättrig.  Blätter  breiter,  am  Grunde  mehr 
keilförmig  verschmälert.  —  Montenegro. 

(Verbreitung  der  Art:  Im  grössten  Theile  Europas  [nicht 
ursprünglich  auf  den  Britischen  Inseln,  in  Dänemark,  Skandi- 
navien, Nord-Russland,  Süd-Spanien  und  auf  den  Mittelmeer- 
[nseln],  Transkaukasien.  Sibirien.  Japan.)  ■* 


#J)  S.   IJ.  2.  S.  461   Fussn.   1. 

'2)  Nach  Maria  de'  Cattani,  *  20.  Mai  1789  f  15.  Jan.  1870  Spalato.  Sie 
war  eine  Tochter  des  Schweizers  Nikolaus  Selebam  und  seit  1809  mit  dem  „Conte 
Palatino"  Domenico  de'  Cattani  (f  1832)  verheirathet.  Sie  hat  sich  grosse  Ver- 
dunste um  die  Entomo-  u.  Malakologie  Dalmatiena  erworben.  Auf  botanischem 
Gebiel  beschäftigte  sie  sich  besonders  mit  Meeresalgen,  welche  sie  meisterhaft  prä- 
parirte,  wovon  ich  mich  seihst  bei  einem  der  alten  Dame  1867  in  Spalato  ge- 
machten Besuche  überzeugt  habe.  Die  nach  ihr  benannte  Lilie  hatte  sie  selbst  am 
Oi jen  gesammelt.  Vgl.  Giac.  Chiudina,  Biografia  di  Maria  Selebam  de'  Cattani 
Spalato  1884  (March  ese  1 1  i  br.).  A. 


Liliuin.  181 

b.  Blätter  alle  abwechselnd,  nicht  quirlig.  b. 

1.  Blätter   lanzettlich,    5-    bis    vielnervig,    höchstens    die    oberen      1, 
3  nervig,  flach. 

Gesammtart  L.  Chalcedönicuin  (805,  806). 

805.  (4.)  L.  Cariiiöliciim l)  (it.:  Riccio  di  dama;  kroat. :  Kudeca 
lilija,  Masounce,  Rdeö  limbar).  üj.  Zwiebel  eiförmig,  aus  vielen  lan- 
zettlichen Schuppen  gebildet.  Stengel  meist  5  dm  bis  fast  l  m  hoch, 
grün,  kahl.  Blätter  zu  etwa  30 — 40,  aufrecht  abstehend,  die  unteren 
lanzettlich  bis  schmal-lanzettlich,  spitz  oder  stumpflich,  bis  etwa 
8cm  lang,  über  dem  Grunde  am  breitesten,  am  Rande  und 
unterseits  an  den  Nerven  deutlich  bewimpert,  nach  oben 
ganz  allmählich  kleiner  und  schmäler  werdend;  unter  dem 
Blüthenstande  keine  quirlig  genäherte  oder  vergrösserte  Blätter.  Blüthen- 
Btand  meist  einblüthig.  seltener  mehrblüthig.  Blüthenstiele  mitunter 
mit  Hochblättern.  Blüthen  stark  und  unangenehm  riechend.  Perigon- 
blätter  verkehrt-lanzettlich,  stark  umgerollt,  bis  5  cm  lang,  leuchtend 
gelb  oder  gelbroth,  mit  kleinen  dunklen  Punkten,  Warzen  und 
mit  deutlicher  Honigfurche.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter,  mit  safranfarbigen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  etwa 
so  lang  als  der  Griffel.  Griffel  keulenförmig.  Frucht  etwa  4  cm 
lang,  stumpfkantig. 

Bergwälder  im  südöstlichen  Gebiet.  Prov.  Vicenza:  Monsummano. 
Friaul.  Kärnten.  Krain!  Süd-Steiermark:  Tüffer!  Küstenland.  Istrien. 
Kroatien.     Bl.  Juni. 

L.  carniolicum  Bernh.  in  Mert.  u.  Koch  Deutschi.  Fl.  II.  536 
(1826,  blosser  Name).  R.  u.  S.  Syst.  veg.  VII  (1829).  Koch  Syn. 
ed.  1.  708  (1837)  ed.  2.  817.  Baker  Joum.  Linn.  Soc.  XIV.  247 
(1875).  Nyman  Consp.  721.  Suppl.  301.  Richter  PI.  Eur.  I.  26.  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCLII  fig.  990.  L.  chalcedonicum  L.  Spec.  pl.  ed.  2.  434 
(1762)  z.  T.  (die  Pflanze  von  „Piatina"  [richtig  Planina]  in  Krain). 
Jacq.  Fl.  Austr.  Suppl.  t.  20  (1778).  M.  u.  K.  a.  a.  O.  535  (1826). 
Martagon  pannonicum  Parkin.  Parad.  Lond.  35. 

Hierher  gehören  als  Unterarten : 

B.  L.  Jankae2).  4-.  Zwiebelschuppen  gelblich.  Stengel  auf- 
reiht, bis  1  m  hoch,  kahl,  im  unteren  Theile  nur  mit  wenigen  Laub- 
blättern, dann  dicht  und  an  der  Spitze  wieder  locker  beblättert,  mittlere 
Blätter  verkehrt-länglich-lanzettlich,  beiderseits  verschmälert,  meist  im 
unteren  Theile  am  breitesten,  an  der  Spitze  verdickt,  stumpf,  unter- 
seits auf  den  5  —  7  Nerven  behaart,  die  oberen  meist  plötzlich, 
öfter  auch  allmählich  kleiner  werdend,  die  obersten  unter  dem  Blüthen- 
stande meist  nicht  genähert,  seltener  genähert,  dann  aber  nicht  ver- 
grössert.  Blüthenstand  ein-  oder  meist  mehrblüthig.  Perigonblätter 
mei<t  5  —  5,5  cm  lang,  gelb,  am  Grunde  meist  mit  schwarzen  Punkten 

!)  Camiolia,  Kraiu. 

2)  S.  VI.   1.  S.   774  Fussn.   1. 


182  -      Liliaceae. 

versehen.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblütter  mit 
mennigrothen  Staubbeuteln.  Griffel  kürzer  als  der  Frucht- 
knoten mit  keulenförmig  verdickter  Narbe.  Frucht  verkehrt-eiförmig- 
dreikantig,  mit  abgerundeten   Kanten. 

An  grasigen  und  mit  hohen  Kräutern  bewachsenden  Thälern  in 
Siebenbürgen  z.  B.  Bihariagebirge :  unter  dem  Gipfel  des  Bohodei ;  Wiesen 
bei  Verespatak  (Kern  er  a.  a.  0.  [1877]).  Vielleicht  auch  in  Bosnien, 
doch  die  von  Beck  (Glasnik  XV.  206  Wiss.  Mitth.  IX.  488)  als 
solche  aufgeführte  Pflanze   nach   ihm   selbst   nicht  ganz   typisch. 

L.  Jankae  Kerner  ÖBZ.  XXVII  (1877)  402.  Nyman  Consp.  721. 
Süppl.  301.  L.  pyrenäicum  Baumg.  Flora  Transs.  I.  301.  L.  albäm- 
cum  Heuff.  PI.  Banat  ZBG.  Wien  VIII.  209  (1858).  Neilr.  Aufz. 
Ung.  Pfl.  51.  Nachtr.  17.  Diagn.  123  nicht  Griseb.  A.*  chalcedont- 
cum  b)  albanimm  Richter  PI.  Eur.  I.  211  (1890)  z.  T. 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  sicher  in  die  nächste  Verwandtschaft  des  L 
Carniolicum  gehört,  aber  nicht  mit  L.  Chalccdonicum  vereinigt  werden  kann  ,  wie 
einige  Schriftsteller  wollen.  Die  Pflanze  hat  stets  kahle  Stengel  und  nnterseits  auf 
den  Nerven  dicht  behaarte  Blätter,  Merkmale,  die  sie  mit  L.  Carniolicum  gemeinsam 
hat.  Kern  er  beschreibt  a.  a.  O.  ihre  Tracht  der  des  L.  Chalcedonicum  ähnlich, 
mit  ziemlich  plötzlich  kleiner  und  schmäler  werdenden  Blättern  und  mehrblüthigem 
Blüthenstandf.  Meist  trifft  diese  Angabe  auch  zu,  aber  nicht  selten  finden  sich  in 
einem  reichen  Material  doch  Exemplare  an  denen  die  Blätter  wie  bei  L.  Carniolicum 
allmählich  schmäler  werden.  Pie  bei  L.  Chalccdonicum  fast  stets  (auch  bei  eiu- 
blüthigen  Pflanzen)  vorhandene  quirlige  Häufung  der  obersten,  die  näohstunteren  an 
Grösse  übertreffenden  Xlätter  unterhalb  des  Blüthenstandes  findet  sich  bei  mehr- 
blüthigen  Exemplaren  des  I^Jtinkae  mitunter,  aber  ohne  Vergrösseruug  der  Blätter. 
Einblütbige  Exemplare  des  L.  Jankae  sind  oft  fast  nur  durch  die  Blüthenfarbe  (die 
wie  schon  Kern  er  fa.  a.  O.  403]  angibt,  auch  bei  typischem  L.  Carniolicum  mit- 
unter gelb  ist)  von  Carniolicum  zu  unterscheiden.  Auch  das  Vorhandensein  der 
schwarzen  Flecken  an  den  Perigonblättern  deutet  auf  L.  Carniolicum  hin.  —  Jeden- 
falls bedarf  die  Pflanze  weiteren  Studiums  au  lebendem  Material  und  es  erscheint 
zweifelhaft,  ob  sie  dann  nicht  als  Rasse  des  L.  Carniolicum  wird  angesehen  werden 
müssen. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Serbien;  Bulgarien.)  [TjTj 

C.  L.  B08niacum.  c4-.  Der  vorigen  Unterart  ähnlich,  aber 
durch  Folgendes  verschieden:  Zwiebelschuppen  weiss.  Blätter  nur 
am  Rande  oder  höchstens  Unterseite  schwach  auf  den  3  mittleren 
Nerven  behaart.  Perigon  schwefelgelb,  innen  gegen  den  Grund  hin 
mit  purpurnen  bis  schwarzen,  auf  einer  Erhabenheit  stehenden  Flecken 
und   Strichen.  .  Staubbeutel   ziegelroth  (Maly   brA 

Bosnien,  Hercegovina  und  Montenegro. 

L.  carniolicum  var.  Lüium  bosniacum  Beck  Ann.  Nat.  Hofmus. 
Wien  II.  17  [67]  (1887).  Glasn.  mus.  Bosn.  i  Hera  XV.  206  [70] 
(1903).   Wiss.  Mitth.  Bosn.   IX.  488  [82]  (1904). 

Hierzu  II.  atenophyllum  (Beck  Glasnik  XV.  206  [70]  (1903).  Wiss.  Mitth. 
IX.  4«9  [  1 00 4 J ) .  Blätter  schmal-lineallanzettlich,  die  breitesten  kaum  1  cm  breit. — 
Bosnien.    Hercegovina. 

Nach  Heck  durch  Uebergang.^fornien  mit  der  vorigen  Unterart  verbunden,  ZU 
denen  vielleicht  auch  die  von  ihm  als  L.  Jankae  aufgeführte  Pflanze  aus  Bosnien 
mit  weissen  Zwiebelschuppen,  aber  stärker  behaarten  Blättern  gehört. 

(Verbreitung  der  An:  Serbien;  Bulgarien.)  f*| 


Liliuin.  183 

806.  (5.)  L.  Chalcedönicum  v).  2\..  Stengel  bis  über  l  m  hoch, 
behaart,  grün,  oft  roth  überlaufen,  stets  behaart.  Blätter  sehr  zahl- 
reich, bis  über  100,  aufrecht-abstehend,  linealisch-lanzettlich, 
die  unteren  deutlich  nach  dem  Grunde  allmählich  verschmälert,  meist 
über  der  Mitte  am  breitesten,  am  Rande  rauhhaarig,  unter- 
sei t  s  auf  den  Nerven  fast  stets  kahl,  nach  der  Spitze  verschmälert, 
dann  mit  verdickter  Spitze  stumpflich,  von  der  Mitte  ab  plötzlich 
kleiner  werdend,  die  oberen  schmal,  angedrückt,  zahlreich,  die 
obersten  dem  Blüthen stände  voraufgehenden,  mehr  oder  weniger 
deutlich  quirlartig  genähert  (auch  bei  einblüthigen  Exemplaren), 
fast  stets  grösser  als  die  nächstunteren.  Blüthenstand  armblütbig 
oder  einblüthig.  Perigonblätter  bis  etwa  5  cm  lang,  verkehrt-lanzett- 
lich, meist  leuchtend  zinnoberroth  mit  meist  ebenso  gefärbten 
warzigen  Punkten,  selten  gelb,  mit  deutlicher  Honiggrube.  Staub- 
blätter kaum  2/3  so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit  rothgelben  Staub- 
beuteln. Fruchtknoten  etwa  so  lang  oder  länger  als  der  Griffel.  Kapsel 
stumpf  kantig.« 

Bl.  Juli,  August,  etwas  später  als  vorige. 

L.  chalcedönicum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  302  (1753)  ed.  2.  434 
(1762)  z.  T.  s.  S.  181.  Koch  Syn.  ed.  2.  817.  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.  249  (1875).  Nyman  Consp.  721.  Suppl.  301.  Richter 
PI.  Eur.  I.  211.   Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLItI  fig.  993.  Bot.  Mag.  t.  30. 

Bei  uns  nur  die  Rasse: 

B.  Albänicum.  Stengel  im  unteren  Theile  nur  mit  durchscheinend 
häutigen  schuppigen  Niederblättern  bekleidet.  Blätter  nach  oben 
allmählicher  kleiner  werdend,  die  oberen  lockerer  gestellt  als 
beim  Typus,  den  mittleren  ähnlich,  die  obersten  dem  Blüthenstand 
vorangehenden  gleichfalls  den  übrigen  ähnlich,  nicht  oder  kaum 
grösser.  Blüthenstand  meist  mehrblüthig.  Perigonblätter  gelb, 
ziemlich  schmal. 

Bisher  nur  auf  Bergwiesen  in  Montenegro:  Berg  Javorje 
(Pancic  90)  und  auf  mehreren  anderen  Alpen  an  der  Grenze 
Albaniens  (Pantocsek,  Baldacci,  Führer). 

L.  chalcedönicum  B.  Albänicum  A.  u.  G.  Syn.  III.  183  (1905). 
L.  pyrenaicum  Gris.  Reise  IL  304  (1841)  nicht  Gouan.  L.  albäni- 
cum Griseb.  Spie.  fl.  Rum.  et  Bith.  II.  385  (1844).  Nyman  Consp. 
721.    Richter  PI.  Eur.  I.  211   z.  T.  (1890). 

802.   X  806.    L.  candidum  X   Chalcedönicum  s.  S.   184. 

2.  Blätter  schmal  linealisch,  ein-  bis  dreinervig. 


])    Nach    der  Stadt  C'halkedon    an    der    Küste  Asiens,    Byzantinern   gegenüber. 
Der  Name  findet  sich  zuerst  als  Hemerocallis  chalccdonica  bei  de  l'Obel. 


184  Llliaceae. 

807.  (6.)  L.  Ponipöiiiuiii  \)  (Pomplilie;  Lis  de  Pompone;  russ. : 
KpaCHÜfl  n^apcsifl  Ky.ipii).  %.  Zwiebel  eiförmig  mit  ziemlich  vielen  lan- 
zettlicherj  Schuppen.  Stengel  meist  5  dm  bis  fa.-*t  1  m  hoch,  kräftig, 
gefurcht.  Blätter  sehr  zahlreich,  öfter  über  100,  aufrecht  abstehend, 
die  unteren  bis  etwa  l  dm  lang,  aber  nur  4  (unterste  bis  8)  mm  breit, 
3 nervig  mit  etwas  zurückgerollten  Rändern.  Blüthenstand  2 — löblüthig. 
Blüthenstäele  oft  mit  Hochblättern.  Blüthen  duftend.  Perigonblätter 
schmal,  verkehrt-lanzettlich,  bis  5  cm  lang,  meist  gelbroth 
bis  orangefarben,  innen  am  Grunde  reich  schwarz-punktirt  und  warzig, 
sehr  stark  zurückgerollt  mit  deutlicher  kahler  Honiggrube.  Staubblätter 
fast  2/3  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  grünen  Staubfäden  und  gelb- 
rothen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  wenig  kürzer  als  der  Griffel.  Kapsel 
verkehrt-eiförmig  etwa  4  cm  lang,  etwas  scharfkantig  mit  aufgesetztem 
( rriffelrest. 

Bergabhänge  im  Mittelmeergebiet.  Provence,  Puviera.  Bl.  Mai, 
Juni,  (in  Gärten  des  nördlichen  Gebietes  noch  Juli). 

L.  pompontum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  302  (1753).  Bot.  Mag.  t,  971. 
Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  181.  Koch  gyn.  ed.  2.  817.  Baker 
Joum.  Linn.  Soc.  XIV.  249  (1875).  Nyman  Consp.  721.  Suppl.  301. 
Richter  PI.  Em.  I.  211.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLII  fig.  991.  L. 
rubrum  Lam.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  213  (1805). 

Hierher  gehört  : 

B.  angustifölium    (L.  angustifolium    Mill.   Gard.    Dict.    ed.    8    No.    6    [1768]). 
Pflanze  zierlicher.     Blätter  sehr  schmal,  einnervig.  —   Selten. 

(Süd-Frankreich;   Italien.)  |~| 


Bastard. 

A.  X  B. 

*  802.  X  806.  L.  cändidum  X  Chalcedönicum.  91.  Dieser  Kreuzung  ent- 
spricht wohl  sicher  eine  nicht  selten  in  Gärten  sich  findende  Pflanze.  Stengel  bis 
1,5  in  hoch.  Blätter  linealisch  3  — onervig.  Blüthenstand  meist  3 — 10  blüthig, 
doldig  oder  traubig.  Perigon  dunkelgelb  bis  hellrothgelb,  innen  mit  kleinen  rothen 
Flecken. 

Oefters  in  Gärten  gezogen.     Bl.  Juli. 

L  cändidum  X  Chalcedönicum  Beruh.  Herb.  L.testdceum  Lind I.  Bot.  Reg. 
1842.  Mise.  51.  1843  t.  11.  Paxt.  Mag.  Bot,  221  (1843).  Regel  Gartenfl.  t.  349. 
/,.  i  ceelmm  hurt.  (Seem.)  Harting.  Parad.  Vind.  II.  4  (1844  —  51).  Walj».  Ann.  VI. 
110  (1861).   //.   isabcllinum'-i)  Kunze  BZ.  I.  (1843)  609. 


i)  Angeblich  nach  der  Römischen  Familie,  zu  der  u.  a.  der  bekannte  Freund 
Cicero'fl,  T.  l'omponius  Atticus  gehörte.  Nach  einem  Mitgliede  dieser  Familie 
war  eine  von  Plinina  erwähnte  Birnsorte  benannt;  es  wurde  üblich,  vortreffliche 
Früchte  und  Bchöne  Blumen  so  zu  benennen,  Ob  ein  Zusammenhang  mit  dem 
französischen  Worte  pompun  Damenkopfputz  und  rednerischer  Pomp  stattfindet, 
ist  fraglich. 

'-')   Wegin  der  eigentümlichen  gelbliehen  Farbe  (Isabellfarbe)  mancher  Formen. 


Fritillaria.     Lilium.  185 

167.    FRITILLARIA1). 

(L.  Gen.  pl.  [ed.    1.   92]    ed.   5.   144  [1753J.     Baker  Journ.  Linn.  Soc. 

XIV.    251    [1875].     Nat.   Pfl.    IL    5.    62.      Corina   imperialis    und 

Fritillaria   Tourn.    Inst.    372,    376    t.    197,    198,    201.      Tritillaria 

Sanguin.  Atti   Accad.  pont.  Line.  XV.  69  [1862].) 

(Schachblume;    franz.:    Damier;    kroat. :    Kapula;    russ. :  CapaHa ;    ung. : 

Hatkotu.) 

S.  S.  170.  Mittelgrosse  bis  ansehnliche,  ausdauernde  Kräuter  mit 
aufrechtem,  beblättertem  Stengel.  Am  Grunde  der  blühenden  Pflanze 
befinden  sich  (bei  F.  imperialis)  ein  zweikieliges  Schuppenblatt,  einige 
dünnhäutige  Schuppenblätter,  dann  eine  Anzahl  (bei  den  meisten  Arten 
ausser  F.  imperialis  nur  2)  unterwärts  verbundener  Schuppen,  deren 
unterer  fleischiger  Theil  zu  Nährblättern  wird,  während  der  obere  dünn- 
häutige Theil  später  abstirbt.  In  der  Achsel  des  obersten  der  Nähr- 
blätter befindet  sich  die  Hauptzwiebel,  deren  erstes  Blatt  wieder  das 
zweikielige  Blatt  ist.  Das  Ganze  ist  noch  von  den  Nährblättern  des 
vorjährigen  Stengels  eingeschlossen,  welche  erst  nach  der  Blüthezeit 
verschwinden,  zwischen  diesen  Nährblättern  und  der  jung  entstandenen 
Hauptzwiebel  befindet  sich  der  absterbende  Blüthenstengel,  der  heraus- 
fault und  daher  erscheint  die  Zwiebel  (bei  F.  imperialis)  von  oben 
nach  unten  durchlöchert.  Selten  ist  die  Zwiebel  der  von  Lilium  ähn- 
lich gebaut.  Blüthen  nickend,  einzeln  endständig  oder  doldig,  seltener 
traubig  angeordnet,  gross  oder  klein.  Perigon  glockenförmig,  abfallend. 
Perigonblätter  am  Grunde  mit  einer  rundlichen  oder  länglichen  Honig- 
grube. Staubblätter  grundständig.  Griffel  verlängert,  3seitig,  hohl. 
Narben  3.  Frucht  eine  Kapsel.  Ränder  der  Kapselklappen  innen 
faserig  zerschlitzt.  Samen  in  jedem  Kapselfach  zahlreich,  flach  zusammen- 
gedrückt, öfter  etwas  geflügelt,  mit  sehr  kleinem  Keimling. 

Alle  Theile  mancher  Arten,  besonders  die  Zwiebel,  sind  giftig  und  besitzen 
einen  eigenthümliehen  unangenehmen  Geruch. 

Etwa  50 — 60  Arten  auf  der  nördlichen  Halbkugel.  Iu  Europa  nur  unsere 
Sectionen.  Iu  Gärten  ausser  den  genannten  noch  die  Section  Theresia'-)  (K.  Koch 
Linnaea  XXII.  232  [1849]  als  Gatt.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  269  [1875]  als 
Sect.  RhinopetalumA)  Fisch,  bei  Alex.  Edinb.  N.  Phil.  Journ.  VIII.  19  [1829]. 
Tozze'Uiai)  Pari.  Nuov.  geu.  et  sp.  monoc.  11  [1854]  nicht  Savi.  Lype'ria  •"») 
Salisb.  Gen.  of  pl.  56  [1866]  nicht  Beuth.)  mit  ziemlich  kleineu  in  Trauben 
stehenden  Blüthen  mit  F.  Pe'rsica  (L.  Sp.  pl.  ed.  1.  304  [1753]).  Stengel  reich 
beblättert.  Blätter  graugrüu,  schmal-lauzettlich.  Blüthen  zahlreich,  bläulich-violett. 
—  Im  Orient  heimisch.  —  Bl.  April,  Mai.  —  Mitunter    mit    weissbuuten  Blättern. 


i)  Zuerst  bei  de  l'Obel.  Von  fritillus  Würfelbecher,  wegen  der  Gestalt  der 
Blüthen. 

'-)  Nach  Therese  Koch  geb.  Weichardt,  *  24.  Oct.  1818  Weimar  f  26.  Nov. 
1886  Berlin  (br.  Mitth.  ihrer  Tochter,  Fräulein  Marie  K  oc  h- Berlin),  Gattin  von 
Karl  Koch  (s.  VI.  1.  S.  311  Fuss.  4),  dessen  letztes  Werk,  Bäume  und  Sträucher 
des  alten  Griechenlands,  Stuttgart  1879,    sie  nach  seinem  Tode    herausgegeben    hat. 

a)  Von  6ig  Nase  und  TreraÄov  Blumenblatt,  wegen  der  nach  aussen  als  3- 
eekige  Höcker  vorspringenden   Honiggruben. 

4)  S.  II.   1.  S.   128  Fussn.  2. 

ö)  Von  ÄvnijQÖg  betrübend,  wegen  der  trübeu   Blüthenfarbe. 


1S(>  J.iliaceae. 

A.     A.   Staubbeutel    Linealisch,    mit    Ihrem  Grunde    an    den  Staubfäden  be- 
festigt.    Zwiebel  nichl  der  w»n  Lilium  ähnlich. 

I.  I.  Eufritilläria    (Baker  Journ.    Linn.   Soc.    XIV.    2Ö4    [1875] 

erw.  Engler  Nat.  Pfl.  IL  5.  62  [1888]).  Stengel  1  blüthig,  selten 
2 — 3 hlüthiir.  Blüthen  nicht  doldenartig  um  den  Stengel  herum- 
gestellt     Narben   deutlich  dreispitzig. 

In    Europa   ausser    unseren   Artcu    noch   F.  Ruthe'nica    (WickBtröm 

Art.  II. .Im.  II.  6  [1821])  im  südlichen  Russland,  dem  Kaukasus  und  Sibirien 
mit  lang  geschwänzten,  an  der  Spitze  oft  aufgerollten  Blättern  öfter  in 
(iarten).  —  F.  Pdntica  {Wahlbg.  Isis  XXI.  984  [1828].  F.  Olympica  K. 
Koch  Linnaea  XXII.  232  [18-49])  in  Griechenland  und  Kleiuasien.  —  F. 
meleag  ro'ides  (Patr.  in  Roem.  u.  Schult.  VII.  395  [1829J.  F.  minor 
Ledeb.  Fl.  Alt.  II.  34  [1830])  in  Südrussland  und  Sibirien.  —  F.  Lusi- 
tdnicäl)  (Wickstr.  Act.  Holm.  II.  9  [1821])  auf  der  Iberischen  Halbinsel 
mit  den  Rassen  B.  stenophylla-)  (Boiss.  u.  Reut.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  2. 
IV.  100  [1859])  und  C.  His'pdniea  (Boiss.  u.  Reut.  a.a.O.  101  [1859]) 
(vgl.  S.  193).  —  F.  Pyrendica  (L.  Spec.  pl.  ed.  1.  304  [1753].  F.  aqui- 
tco3)  Mill.  Card.  Dict.  ed.  8  no.  2  [1768].  F.  nigra  Mill.  a.  a.  O.  no.  3 
[1768].  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  664  [1803].  F.  nervosa  Willd.  Enum. 
364  [1809].  F.  racemdsa  Kuuth  Enum.  pl.  IV.  pl.  249  [1843].  F.  Uno- 
phylla*)  Douineujon  Herb.  Foret  Noire  etc.  [184«])  auf  den  Pyrenäen  in 
Nord-Spanien  und  in  Süd-Frankreich  (vgl.  S.  193).  —  F.  Graeca  (Boiss. 
u.  Sprun.  Diagn.  pl.  Or.  Ser.  1.  VII.  104  [1846].  F.  plantag  inifdlia  Lam. 
Encycl.  II.  250  [1786]?)  in  Griechenland  mit  den  Rassen:  B.  Ouic- 
cärdiiö)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  182  [1884].  F.  Guiccardii  Held.  u.  Sart.  in 
Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  2.  IV.  102  [1844])  und  C.  Theaadlia  (y? 
Thc.isalla  Boiss.  Fl.  Or.  V.  182  [1881].  F.  theaaalica  Spiun.  exs.  nach  Boiss. 
a.a.O.).  —  F.  Rhodocandkisü)  (Orph.  Atti  Congr.  Firenze  1874.  214 
[1876]  ohne  Beschr.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  182  [1883])  in  Griechenland.  —  F. 
Idnica'i)  (Haläcsy  Consp.  Fl.  Graeo.  III.  219  [1904].  F.  Mcssancnsis  Boiss. 
Fl.  Or.  V.  181  [1884]  z.  T.  F.  tenella  Boiss.  a.  a.  O.  179  [1884]  z.  T.  nach 
Haläcsy  a.a.O.)  in  Griechenland.  —  F.  obli'qua  (Ker-Gawl.  Rot.  Mag. 
t.  857  [1805]  vgl.  t.  1537.  F.  tristis  Heldr.  u.  Sart.  in  Boiss.  Diagn.  pl.  Or. 
ser.  '_'.  IV.  104  [1844])  in  Griechenland.  —  F.  cdnica  (Hoiss.  Diagn.  pl.  Or. 
ser.  1.  VII.  105  [1846].  F.  hdipaefdlia  Bory  u.  Chaub.  Exp.  lior.  US  [1832] 
nicht  M.  Hieb.)  in  Süd-Griechenland.  —  F.  Eh  r  h  dr d  ii*)  (Boiss.  Diagn.pl. 
Or.  2.  Ser.  IV.  105  [1859].  F.  Regis  Georgii»)  Heldr.  u.  Holzm.  in  Nymao 
Consp.  772  [1882])  in  Griechenland.  —  F.  PinärdiilO)  (Boiss.  Diagn. 
pl.  Or.  ser.   1.  VII.   106  [1846])    auf  der  Insel  Chios    und    in  Kleinasien.  — 


')  Lusitanicus  aus   Portugal. 

2)  Von  oievÖl;  schmal   und  cpvAJ.ov  Blatt. 

3)  Aquitania,  Süd-West-Frankreich. 

4 )  Von   Xlvov  Flachs  und  cpvAAov  Blatt. 

5)  S.  S.   144  Fussn.  3. 

6)  Nach  E.  v.  Halaesy  (In)  war  Rhodokanakis  ein  reicher  Kaufmann 
und  Förderer  der  Wissenschaften,  der  das  Orphanides'sche  Herbar  für  den  Staat 
ankaufte, 

')  Auf  den   Ionischen  Inseln  gefunden. 

*)  Nach  Dr.  Ehrhard,  *  Hannover,  f  18  ?  Syra,  Arzt  daselbst  (Th. 
K  r  ü  p  e  r  br.). 

'  Nach  dem  geil  L863  in  Griechenland  regierendem  Könige  Georg  I. ,  * 
24.   Deo.    1845. 

i")  Nach  dem  Dragoman  Pinard,  welcher  Boissier  1342  auf  dessen  Orient- 
reise begleitete  und  nach  dessen  Anweisungen  1843  eine  werthvolle  Sammlung  ia 
den  Gebirgen  BW.  Kleinasiens  zusammenbrachte  (Fl.  Or.  I.  XIX). 


Fritillaria.  187 

F.  Sibthorpiänai)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  187  [1884].  Tulipa  Sibthorpiana 
Smith  Prodr.  ti.  Graec.  I.  229  [1846])  in  Griecheuland  und  in  Kleinasien. 
F.  Tuntdsiai)  (Heldr.  pl.  Fl.  Hell.  No.  1900.  Halacsy  Consp.  Fl.  Gr. 
111.  222  [1904]). 

Die  systematische  Behandlung  der  Mehrzahl  der  südeuropäischen  Arten 
der  Gattung  ist  ungemein  schwierig',  denn  während  ein  reiches  Material  eine 
ganz  ungeahnte  Formenfülle  anscheinend  gut  geschiedener  Arten  zeigt,  sind 
zwischen  anderen  sehr  erheblich  verschieden  scheinenden  Arten  oft  keine 
sicheren  Merkmale  auffindbar.  Diese  ungeheure  Polymorphie  erklärt  die 
wechselndsten  Anschauungen  der  verschiedenen  Schriftsteller.  —  Soweit  diese 
vielgestaltigen  Formenkreise  für  uns  in  Betracht  kommen,  haben  wir  es,  wie 
stets  in  ähnlichen  Fällen,  für  gut  gehalten,  die  einheimischen  Formen  ge- 
trennt zu  halten  und  auf  ihre  Verwandtschaft  mit  ausländischen  Formen 
hinzuweisen,  statt  sie  willkürlich  einer  dieser  fremden  Arien  unterzuordnen, 
solange  ihre  zu  nahe  Verwandtschaft  nicht  genau  feststeht.  Uns  scheint 
durch  die  von  vielen  Schriftstellern  vorgenommene  Identification  ihrer  Formen 
mit  Arten  entfernterer  Gebiete  die  grosse  Verwirrung,  die  z.  Z.  in  der  Gattung 
Fritillaria  herrscht,  veranlasst  zu  sein. 

a.  Honiggrube    am    Grunde   der  Perigonblätter  deutlich    (bis   über     a. 
1  cm)  verlängert,  linealisch  {Eu fritillaria  Baker  a.  a.  O.  [1871] 
im  engeren  Sinne. 

Gesammtart  F.  meleagris  (808,  809). 

808.  (1.)  F.  meleagris3)  (Kiebitzei,  Schachbrettblume;  nieder!.: 
Kiwitsbloem;  dän.:  Vibeaeg;  böhm.:  Rebcik;  russ.:  PaoTOKii).  5J-.  Zwiebel 
fast  kugelig,  meist  8 — 12  mm  dick,  von  häutigen  Hüllen  umgeben. 
Stengel  aufrecht,  meist  2  bis  fast  5  dm  hoch,  dunkelgrün  oder  bräun- 
lich überlaufen.  Blätter  meist  zu  4 — 5,  entfernt,  linealisch, 
bis  1,5dm  lang,  etwas  grau-grün,  rinnig.  Blüthen  geruchlos,  meist 
einzeln,  selten  zu  2  —  3.  Perigonblätter  länglich,  jederseits  mit 
3  Nerven,  bis  3,5  cm  lang,  purpurbraun,  mit  weissen  eckigen  Flecken 
gleichmäßig  (schachbrettartig)  besetzt,  mit  purpurrothen  Adern,  seltener 
weiss  mit  grünlichen  Adern,  die  inneren  breiter  als  die  äusseren.  Staub- 
beutel linealisch,  bis  8  mm  lang,  meist  etjva  halb  so  lang  als  die  Staub- 
fäden. Narbe  bis  6  mm  lang.  Frucht  kugelig,  kaum  länger  als 
breit,  stumpf  kantig,  etwa  1,2 — 1,5  cm  lang. 

Auf  sumpfigen  Wiesen  gern  im  Ueberschwemmungsgebiet  der 
Flüsse  sehr  zerstreut  bis  selten,  aber  gesellig,  nicht  über  800  m  (St. 
Lager  br.)  beobachtet.  In  der  nördlichen  Ebene  und  vielleicht  auch 
an  anderen  Orten  ist  das  Indigenat  nicht  überall  sicher.  Dauphine; 
Savoyen ;  Ain ;  Französischer  und  Schweizer  Jura  (Ct.  Neuchatel !) 
Oberbayern  (für  Tirol  nach  Sarnthein  br.  mit  Unrecht  angegeben); 
Ober-Oesterreich  ;  Steiermark ;  Krain !  Kroatien  ;  Bosnien ;  Ungarn  ; 
Siebenbürgen ;  Galizien  ;  Böhmen  ;    Ober-  und  Mittelfranken ;  Württem- 


i)  S.  II.   1.  S.  22  Fussn.   1. 

8)  Nach  Basilios  Tuntas,  *  1871  Athen,  Conservator  am  Botanischen  Garten 
daselbst  (Krüper  br.). 

i)  meleagris,  Perlhuhn  (so  zuerst  bei  Dodonaeus)  wegen  der  gescheckten 
Blüthen. 


188  Liliaceae. 

berg:  Unterland;  Oberbaden  V  Bayr.  Pfalz!!  R.Bez.  Fulda;  Oberhessen? 
Belgien;  Niederlande!!  Westfalen!  Hildesheim  früher;  Hamburg!  Lübeck! 
Stettin;  Prov.  Brandenburg  mehrfach!!  Gardelegen!!  Posen.  Bl.  April,  Mai! 
F.  Meleagris  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  304  (1753)  z.  T.  Koch  Syn. 
ed.  2.  817.  Planchon  SB.  France  XX.  97  (1873).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.  251  (1875).  Nvman  Consp.  721.  Richter  PI.  Eur.  I.  212. 
Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXLK  fig.  974. 

Eiuigermaassen  veränderlich,  besonders  in  Gärten,  die  hauptsächlichsten  Formen 
gliedern   sich   in   folgender  Reihe  : 

A.  Staubbeutel   viel  kürzer  als  die   Staubfäden. 

I.  serotina.  Stengel  nieist  bräunlich  überlaufen.  Blätter  zu  4 — 5.  Blüthen 
fast  stets  einzeln,  seltener  vereinzelt  zu  2  oder  3.  —  Die  bei  weitem  häufigste 
Form.  —  F.  meleagris  var.  serotina  Pers.  Syn.  I.  359  (1805).  —  Hierher 
gehört  : 

b.  major  (F.  major  P.  C.  Bouche  in  Kunth  Enum.  pl.  V.  252  [1843]. 
Baker  a.  a.  O.  [1875]).  Pflanze  meist  kräftig.  Blüthen  grösser,  mit  weiter 
abstehenden  Perigonblättern.  —  Sehr  verbreitet  in  Gärten;  im  wilden 
Zustande  selten.  —  Mitunter  mit  gefüllten  Blüthen.  —  Wechselt  in  der 
Farbe  der  Blüthen  zu  hellroth  {albicans  der  Gärten)  bis  weiss  (F. 
alba  Parkins.  Parad.  Lond.  41  t.  4.  F.  Meleagris  ß.  unicolor  Hladn. 
in  Rchb.  Exs.  no.  2318.  F.  lutea  Rchb.  Ic.  X  t.  CXL  fig.  975  [1848] 
nicht  M.  Bieb.).  —  Hierzu  gehört  auch : 

2.  laiifolia  (F.  lati/olia  vieler  Gärten  nicht   Willd.).     Blätter  breiter  als 
beim  Typus. 

b.  glauca  (F.  glauca-  der  Gärten).  Pflanze  stark  blaugrün.  —  Selten 
sind  Formen  mit  gefüllten  Blüthen. 
II.  praecox.  Pflanze  meist  sehr  kräftig1,  hell-grün.  Stengel  grün.  Blätter 
zu  6 — 8.  Blüthen  meist  zu  2 — 3,  sehr  häufig  weiss.  —  In  Gärten.  —  F. 
meleagris  var.  praecox  Pers.  Syn.  I.  353  (1805).  F.  praecox  Hort.  Angl. 
nach  Kunth  En.  IV.  252  (1843).  K.  Koch  Ind.  sem.  h.  Berol.  1S55  app.  10. 
Walp.  Ann.  VI.   105  (1861).     Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  254  (1875). 

B.  Staubbeutel  viel  länger  als  die  Staubfäden. 

braehypoda  1).  Perigonblätter  meist  grünlich  gefleckt,  weit  abstehend, 
das  Perigon  daher  trichterförmig.  —  Selten  und  wohl  nur  in  Gärten.  —  F. 
Meleagris  5.  braehypoda  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  254  (1875). 

(Frankreich;  Britische  Inseln;  südl.  Skandinavien;  Dänemark; 
Mittel-  und   Süd-Russland;  Rumänien;   Kaukasus.)  * 

809.  (2.)  F.  tubiformis.  Von  der  Leitart  hauptsächlich  durch 
Folgendes  verschieden:  Stengel  meist  nur  1,5—3  dm  hoch. 
Untere  Blätter  verkehrt-lanzettlich,  öfter  bis  8mm  breit,  die 
obereD  linealisch,  bis  8  cm  lang,  alle  im  oberen  Theile  des  Stengels, 
der  Blut  he  mein-  oder  weniger  genähert.  Blüthen  fast  stets  einzeln, 
"ii  so  breit  als  lang.  Perigonblätter  länglich,  die  inneren  verkehrt- 
eiförmig,  an  der  Spitze  abgerundet,  jederseits  mit  mehreren  Nerven, 
gerade,  bis  über  4cm  lang,  bräunlich-purpurn  mit  helleren,  öfter 
undeutlichen  Flecken,  seltener  weisslich  oder  gelblich.  Staubbeutel 
etwa    (i  mm    lang,    mit    rothen    um    die    Hälfte   längeren    Staubfäden. 

l)  Von  ßQa%4$  kurz  und  7tovg  Fuss,  hier  Staubfaden. 


Fritillaria.  189 

Griffel  nur  ganz  an  der  Spitze  etwas  3spaltig.  Frucht  läng- 
lich-verkehrt-eiförmig,  bis  3  cm  lang,  stumpfkantig. 

In  den  Alpen.  See- Alpen;  Provence;  Dauphine;  Piemont  (Val- 
sesia);  Süd-Tirol,  hier  zw.  1600  und  2000  m  (Sarnthein  br.).  Bl. 
August. 

F.  tubaeformis  Gren.  u.  Godr.  Mem.  soc.  emul.  Doubs  2.  ser. 
VI.  f.  1854.  13  (1855).  F.  delphinensis1)  Gren.  in  Gren.  u.  Godr. 
Fl.  France  III.  180  (1855).  Planchon  SB.  France  XX.  114  (1873). 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  254  (1875).  Nyman  Consp.  722.  Richter 
PI.  Eur.  I.  212. 

Aendert  ab 

B.  Moggridge  i-).  Pflanze  niedrig.  Blätter  breiter,  mitunter  bis  fast  2  cm  breit 
Blüthen  gelb.  Narben  länger.  —  In  den  Seealpen.  —  F.  Delphinensis  y. 
Moggridgei  Boiss.  und  Reut,  nach  Planchon  Bull.  SB.  France  XX.  116  (1873). 
F.  3Ioggridgei  Boiss.  u.  Reut,  nach  Planch.  a.  a.  O.  117.  Nyman  Consp.  722 
(1873).    Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  255  (1875). 

C.  Burnati  3).  Pflanze  meist  kleiner,  lebhaft  grau-grün.  Blätter  derb.  Perigon 
kleiner,  breitglockig.  Perigonblätter  heller  gefärbt  mit  kleinerer  Honiggrube. 
—  Von  den  südwestlichen  bis  zu  den  Tiroler  Alpen !  —  F.  Delphinensis  ß. 
Burnati  Planch.  a.  a.  O.  115  (1873).  Baker  a.  a.  O.  (1873).  F.  Burnati 
Nyman  Consp.  722.    F.   Tombeanensis  4)  Boiss.  Herb. 

(Nur  im  Gebiet.)  piTj 

b.  Honiggrube    am  Grunde    oder   über    dem  Grunde    der  Perigon-     b. 
blätter,  rundlich  oder  länglich. 
1.  Blüthen  hell,  gelblich  oder  grünlich.  1, 

*  F.  lutea.  QJ.  Pflanze  ziemlich  niedrig.  Blätter  linealisch-lanzettlich, 
abwechselnd.  Perigonblätter  schwefelgelb,  mit  violetten  Würfel- 
flecken,  innen  citronengelb,  am  Grunde  mit  länglicher  Honiggrube.  Griffel  wenig 
gespalten. 

Im  Kaukasus  heimisch,  bei  uns  hin  und  wieder  in  Gärten  und  zur  Kreuzung 
mit  anderen  Arten  und  zur  Züchtung  von  Gartenformen   verwendet. 

F.  lutea  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  259  (1875).  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8 
no.  4(1768).    M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  I.  269  (18     ).    Voss-Vilmorin  Blumeng.  1107. 

Eine  Kreuzung  dieser  Art  mit  F.  meleagris  stellt  wohl  die  in  Gärten  als  F. 
Jldvida  (F.  Meleagris  flavida  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  254  [1875])  dar. 

*  F.  aürea.  2|_.  Blätter  quirlig  gestellt  oder  gegenständig,  selten  ab- 
wechselnd. Blüthen  etwa  halb  so  gross  als  bei  voriger,  einzeln.  Perigonblätter 
goldgelb  mit  b  raun  rot  he  n  Flecken,  die  äusseren  erheblich  schmäler.  Griffel 
tief  3  spaltig. 

In  der  Krim  heimisch,  wie  vorige  bei  uns  verwendet. 
F.   aurea  Schott  Oest.  B.  Wochenbl.  IV  (1854)   137. 


1 )  Zuerst  in  der  Dauphine  beobachtet. 

2)  Nach  John  Traherne  Moggridge,  *  8.  März  1842  Woodfield  (Monmouth) 
f  24.  Nov.  1874  Mentone ,  welcher,  unterstützt  von  seinem  Vater  Mathew  M., 
*  16.  Juli  1803  f  14  Juli  1882  Kensington-London,  an  der  Riviera,  wo  er  sich 
aus  Gesundheitsrücksichten  aufhalten  musste,  botanisirte  und  1867  eine  Flora  of 
Mentone  veröffentlichte  (Britten  u.  Boulger  Journ.  of  Bot.  XXVIII.  20). 

*)  S.  VI.  1.  S.  119  Fussn.  1. 

4)  Nach  dem  Fundorte  in  Val  Tombea  im  südwestlichsten  Tirol. 


15)0  Liliaceac. 

Hierher  gehört  auch  die  der  F.  lutea  nahe  verwandte  F.  latifolia  (Willd. 
Bpeo.  pl.  II.  92  1799],  F.  lutea  var.  latifolia  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  259 
[ist;,])  aus  dem  Kaukasus,  l>is  fast  3dm  hoch;  mit  grossen  Blüthen.  Blätter 
länijlioh-lanzettliob,  die  oberen  oft  gegenständig  oder  quirlig.  Perigoublätter  gelb- 
grünlich,  meisl  purpurn  überlaufen.  —  Diese  Art,  die  in  Gärten  oft  mit  breit- 
blättrigen und  blaugrünen  Formen  der  F.  meleagris  verwechselt  wird,  findet  sich 
ziemlich  Belten  gepflanzt,  wird  aber  sehr  häufig  zur  Kreuzung  mit  anderen  Arten, 
besonders  F.  meltagris  verwendet,  daher  macht  sich  hei  vielen  Gartenformen,  die 
bald  der  einen,  bald  der  anderen  Art  näher  stehen  und  ihr  zugerechnet  werden, 
Wer  Binfluas  der  F.  latifolia  geltend,  der  hauptsächlich  durch  grosse  breitglockige 
Blüthen  bemerkbar  wird. 

2.  2.  Perigonblätter  aussen  trüb-purpurn  oder  gefleckt. 

a  a.  Blüthen  ziemlich  klein,    enggloekig,    kaum  über  2,5  cm  lang. 

Aeussere  Perigonblätter  schmal -eiförmig,  alle  aussen  ohne 
deutlich  sackartig  hervorspringende  Honiggrube. 

810.  (3.)  F.  tenella  (in  Siebenbürgen:  Herrgottsschügelcher;  nun,: 
Lalea  pestritä).  2\-.  Zwiebel  weiss.  Stengel  ziemlich,  meist  1,5 — 3  dm 
hoch,  bereits  unter  der  Mitte  beblättert.  Blätter  schmal-linea- 
lisch,  3  —  5  mm  breit,  auch  die  untersten  allmählich  zugespitzt, 
rinnig  oder  die  unteren  gegenständig,  und  die  oberen  oft  zu  2  [bis  3] 
quirlig.  Blüthen  einzeln  oder  zu  2,  mittelgross.  Perigon  meist  schmal- 
glockig.  Perigonblätter  länglich-elliptisch,  kaum  bis  2,5 — 3cm  lang, 
stumpf  mit  stumpflicher,  grünlicher  Stachelspitze,  am  Grunde  mit 
kleiner  eiförmiger,  aussen  schwach  sackartig  hervorragender  Honiggrube, 
a  u  s  seil  t  r  ab  -  p  u  r  p  u  r  n  oder  gelblichgrün  und  purpurn  überlaufen 
oder  würfelfleckig,  etwas  bereift,  innen  gelblich  und  purpurn  würflig 
gefleckt.  Staubfäden  etwa  doppelt  so  lang  als  die  Staubbeutel.  Griffel 
etwa  bis  zur  Mitte  dreispaltig  mit  spreizenden  Narben.  Frucht  ver- 
kehrt-eiförmig, 2 — 3  cm  lang,  plötzlich  kurz  gestielt,  in 
den   Furchen  bereift. 

Auf  Wiesen  des  Alpen-  und  Karpatengebiets  bis  2000  m  (Karl 
M  a  1  y  br.)  an-ici^eiitl.  Seealpen;  Süd-Tirol!  Küstenland!  Istrien. 
Kroatien.  Dalmatienü  Montenegro.  Hercegovina.  Bosnien,  Süd-Ungarn; 
Siebenbürgen  [auch  im  angrenzenden  Rumänien],     Bl.  April,  Mai. 

F.  tenella  M.  Bieb.  FL  Taur.-Cauc.  I.  269  (1808).  Boiss.  Fl.  Or. 
V.  179.  Nvinan  Consp.  722.  Suppl.  722.  Richter  PI.  Eur.  I.  212. 
Rchb.  [c.  X  fc.  CCCCXLIH  fig.  977.  F.  montäna  Hoppe  Flora  XV. 
2.  176  (1832).  Koch  Svn.  ed.  2.  816.  Moggr.  Ment  t.  tili.  Planchon 
SB.  Fran  XX.  113.  Rchb.  a.a.O.  t.  CCCCXLIV  fig.  978  grössere 
Formen.  /'.  Caussolensis1)  Goaty  u.  Pons.  in  Ard.  Fl.  Alp.  marit. 
375  (1867).    Nyman  Consp.   722. 

Line  durch  die  schmal-linealischen,  fast  grasartigen  Blätter  und  die  kleinen 
Blüthen  Behr  leicht  kenntliche  Art,  sonst  aber  in  allen  Theilen  ausserordentlich 
veränderlich.       Bedarf    eingehenden    Studiums   der   Formen.   —    Hierzu    gehört   als 


i)  Nach  «lein   Fundorte  Caussols  bei  Grasse  (Alpes-Maritimes). 


Fritillaria.  191 

Rasse  :    Orsinidna.1)  (F.  Orsiniana  Pari.  Fl.  I.  u.  II.  411   [1852].    Nyman  Consp. 
722)  auf  den  Apenninen. 

Bei  uns 
B.  micränthaZ)    (Beck  Glasn.   XV.  207  [71]    [1903].    Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herc. 
IX.  490  [84]  [1904]).    Perigonblätter  kaum  2  cm  lang,  etwas  spitzlich.  —  Sehr 
zerstreut,  hin  und  wieder  mit  dem  Typus. 

(Italien  ;  Balkanhalbinsel ;  SW.  Russland ;  Kaukasus.)         |"^" 

b.  Blüthe    ziemlich    gross,    meist    3,5  —  4  cm    lang,    weitglockig,     b. 
äussere  Perigonblätter  eiförmig,  innere  breiter,  alle  mit  aussen 
deutlich  sackartig  herabtretender  Honiggrube. 

1.  Stengel    nur   über  der  Mitte  beblättert.      Honiggrube  klein,      1. 
über  dem  Grunde  stehend. 

811.  (4).  F.  iiivolucräta.  %..  Zwiebel  kugelig  oder  fast  kugelig. 
Stengel  bis  über  3  dm  hoch  mit  6 — 9  über  der  Mitte  des  Stengels 
stehenden  Blättern.  Die  obersten  Blätter  meist  zu  3  quirlig,  alle 
linealisch,  etwa  5 — 10cm  lang,  bis  8mm  breit,  nach  dem  Grunde  . 
nicht  verschmälert,  mit  breitem  Grunde  sitzend,  oft  gegenständig. 
Perigonblätter  eiförmig  oder  breiteiförmig,  bis  über  3,5  cm  lang,  stumpf, 
beiderseits  trüb-purpurn,  braungelb,  selten  rosa,  kaum  würf  elf  leckig, 
etwa  5  mm  über  dem  Grunde  mit  kleiner,  länglicher  Honig- 
grube. Staubfäden  etwa  doppelt  so  lang  als  die  zugespitzten  Staub- 
beutel. Griffel  etwa  6  mm  lang,  doppelt  so  lang  als  die  Narben. 
Frucht  verkehrt-eiförmig,  bis  3  cm  lang,  stumpf  kantig  mit  halsartigem 
Stiele. 

Auf  Alpenweiden.  Nur  in  den  südwestlichsten  Alpen:  Alpes- 
Maritimes,  Var,  Basses-Alpes.     Bl.  Mai,  Juni. 

F.  involucrata  All.  Auct.  34  (1789).  Koch  Syn.  ed.  2.  816. 
Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  180.  Planchon  SB.  France  XX.  HO 
(1873).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  256  (1875).  Nyman  Consp. 
721.     Richter  PL  Eur.  I.   212.     Rchb.    Ic.  X  t.  CCCCXLV  fig.  980. 

Hierher  gehört 
B.  versico  lor    (Baker    Journ.    Linn.    Soc.    XIV.    257    [1875]).      Pflanze    meist 
schwächer.      Stengel    am  Grunde    meist    hin-    und    hergebogen.      Perigonblätter 
beiderseits  würfelfleckig.  —  So  in  den  Seealpen. 

(Nur  im  Gebiet.)  [*] 

2.  Stengel  auch  unter  der  Mitte  beblättert,    Honiggrube  gross,     2. 
am  Grunde  der  Perigonblätter.    Blätter  am  Grunde  deutlich 
verschmälert. 


i)  Nach  Antonio  Orsini,  *  7.  Febr.  1788  f  18.  Juni  1870  Ascoli  Piceno, 
Apotheker  daselbst,  um  die  dortige  Flora  und  die  der  Abruzzen  hochverdient,  des- 
wegen sogar  zum  Senator  ernannt  (Saccardo  I.  119.  120).  Sein  Herbar  daselbst 
im  Besitz  seines  Enkels,  Prof.  Tranqailli  (a.a.O.  II.   79). 

'<*)  Von  ftixQÖs  klein  und  uv&og  Blume. 


192  Liliaceae. 

Gesammtarl  F.  Messanensis1)  (812,  813). 

(Rafin.  Desv.  Joum.  bot.  IV.  272  [1814].    Precis.  decouv.  44  [1814]). 

Die  Leitart  F.  Messanensis  (Rafin.  a.a.O.  [1814]  im  engeren  Sinne.  .F. 
messanensis  a.  typica  Beck  Glasn.  XV.  207  [71]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg. 
IX.  490  [84]  (1904)  z.  T.  s.  unten)  wächst  nur  in  Sicilien,  Spanien,  dem  südlichen 
Griechenland,  Kreta  (und  Nord-Africa).  —  Bei  uns  nur 

812.  (5.)  F.  graeilis.  2|.  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr 
und  der  folgenden  Art  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden : 
Blätter  -rhmal-linealisch-lanzettlich,  ziemlich  schlaff,  oft  gebogen,  nicht 
starr  aufrecht  abstehend,  deutlich  graugrün ;  das  unterste  breiter,  alle 
(oder  doch  nur  das  unterste  etwas  kürzer)  allmählich  zugespitzt,  die 
obersten  zu  3  quirlig,  selten  nur  2  gegenständig,  gross,  kaum 
schmäler  als  die  mittleren,  aufrecht,  meist  etwas  gebogen.  Blüthen 
stets  einzeln,  ziemlich  gross,  weitglockig.  Perigonblätter  bis 
etwa  4  cm  lang,  stumpf,  die  inneren  abgerundet,  ziemlich  hell, 
braun  un d  gelblich  gewürfelt ,  ohne  grünen  Mittelstreifen,  an 
der  Spitze  verdickt,  mit  kleinem  Haarbüschel,  öfter  zurückgebogen. 
Honiggrube  aussen  sackartig  hervorragend.  Kapsel  keulenförmig, 
meist  2,5 — 3,5  cm  lang. 

Bisher  nur  in  Dalmatien:  Ragusa  mehrfach!  Montenegro  (Ebel!). 
Bl.  April. 

F.  graeilis  A.  u.  G.  Syn.  III.  192  (1905).  F.  pyrenäica  Rchb. 
Ic.  X  t.  CCCCXLIII  fig.  976  (1848)  nicht  L.  F.  nervosa?  Hohenack. 
Unio  iter.  1829  exs.  nicht  Willd.  Lilium  gracile  Ebel  Zwölf  Tage 
Monten.  II.  8  t.  I  fig.  1  (1844).  F.  montana  var.  graeilis  Griseb. 
Spicil.  Fl.  Rum.  Bith.  II.  517  (1844).  F.  messanensis  Vis.  Fl.  Dalm. 
III.  351  (1852)  nicht  Rafin.  F.  messanensis  a.  typica  Beck  a.  a.  O. 
(1903)  z.  T. 

Eine  ausserordentlich  schwierig  zu  bewerthende  Pflanze,  die  auf  den  ersten 
Blick  der  westalpinen  F.  involucrata  autfallend  gleicht,  bei  genauerem  Studiuni 
aber  die  genannten  Unterschiede  zeigt,  von  denen  die  bis  zum  Grunde  oder  bis  fast 
zum  Grunde  herabreichende  grosse  Honiggrube  und  die  Gestalt  der  Blätter  die 
auffallendsten  sind.  Die  Merkmale  weisen  sämmtlich  auf  F.  Messanensis  hin,  der 
die  Pflanze  auch  zweifellos  am  nächsten  steht.  Sie  mit  ihr  zu  vereinigen  wagen 
wir  indessen  nicht.  F.  Messanensis  hat  stets  eine  starre  Tracht,  die  Blätter,  be- 
sonders die  oberen,  stehen  starr  aufrecht  ab,  die  letzteren  sind  erheblich  schmäler, 
die  Perigonblätter  sind  deutlich  zugespitzt,  von  zahlreichen  derben  Längsnerven 
durchzogen,  die  auch  den  für  diese  Art  so  charakteristischen  breiten  grünen  Mittel- 
streifen begleiten.  Unsere  Pflanze  dagegen  besitzt  keinen  solchen  Längsstreifen, 
ziemlich  entfernte,  feine  oft  gebogene  Nerven  in  den  dunkeln,  höchstens  mit  grün- 
lichen oder  gelblichen  Würfelflecken  versehenen  Perigonblättern.  Die  3  mittleren 
Nerven  sind  bei  unserer  Pflanze  stets  wenigstens  doppelt  so  weit  von  einander  ent- 
fernt als  die  (besonders  an  den  inneren)  zahlreichen  palmettenartig,  bogig  nach 
aussen  «lein  Rande  zulaufenden  seitlichen  Nerven.  Bei  F.  Messanensis  durchziehen 
viele  weit  weniger  gleichmfisug  vertheilte  derbere,  fast  schnurgerade  vom  Grunde  bis 
zum  oberen  Blattrande  verlaufende  Nerven  die  Perigonblätter.  —  Aehnliche  Formen, 
die  aber  die  Merkmale  und  Färbung  der  F.  Messanensis  besitzen,  die  deshalb  auch 
von  Boisaier  und  Halacsy  (Consp.  Fl.  Graec.  III.  219)  als  diese  Art  aufgeführt 
sind,   sahen    wir  ans   Kreta. 


i)  Zuersl   bei   Messina  (im  Altertimm  Messana)  beobachtet. 


Fritillaria.  193 

Lilium  gracile  wird  von  einigen  Schriftstellern  zu  Fritillaria  tenella  gestellt, 
aber  mit  Unrecht.  Ein  uns  vorliegendes  Originalexemplar  Eb eis  gehört,  wie  bereits 
Beck  (Glasn.  XV.  207  [71]  [1903].  Wiss.  Mittb.  Bosn.  Herceg.  IX.  490  [84] 
[1905])  bemerkt,  nach  der  Gestalt  der  oben  zu  3  quirlig  gestellten  Blätter  und  der 
deutlich  keulenförmigen  Frucht  zu  dieser  Art.  Um  nicht  für  unsere  Pflanze  noch 
einen  neuen  Speciesnamen  machen  zu  müssen,  haben  wir  den  E  bei 'sehen  Namen 
vorangestellt. 

(Balkanhalbinsel?)  f£]? 

813.  (6.)  F.  neglecta.  %.  Stengel  aufrecht,  bis  über  3  dm  hoch, 
über  und  unter  der  Mitte  meist  6 — 8  und  unter  dem  Blüthenstiel  noch 
2 — 3  Blätter  tragend.  Blätter  alle  linealisch,  meist  6 — 8  (bis  10)  cm 
lang  und  bis  5mm  breit,  die  unteren  plötzlich  zugespitzt,  die 
obersten  niemals  quirlig,  stets  abwechselnd,  ziemlich  klein, 
viel  kleiner  und  schmäler  als  die  mittleren  Stengelblätter. 
Blüthe  stets  einzeln.  Perigon  meist  2,5—  3cm  lang,  sehr  weit- 
glockig. Perigonblätter  eiförmig  oder  breiter,  stumpf,  wenig  über 
dem  Grunde  mit  länglicher  Honiggrube.  Staubfäden  etwa  um  die 
Hälfte  länger  als  die  linealische  Staubbeutel.  Narben  spreizend,  etwa 
halb  so  lang  als  der  Griffel. 

Istrien:  Zagor  (Tommasini).  Fianona  (Pospichal  I.  224).  Dal- 
matien:  Prolog  (Roich  nach  Visiani).  Hercegovina,  Bosnien,  bis 2000m 
ansteigend  (Maly  br.). 

F.  neglecta  Pari.  Fl.  It.  II.  415  (1852).  Nyman  Consp.  721. 
F.  messanensis  Rchb.  Ic.  X.  8  t.  CCCCXLV  fig.  981.  982  (1848) 
nicht  Rafin.  F.  Lusitanica  var.  neglecta  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XIV.  261  (1875).  Richter  PI.  Eur.  I.  213.  F.  messanensis  ß.  ne- 
glecta Beck  Glasn.  XV.  207  [71]  (1903).  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg. 
IX.  490  [84]  (1904). 

Zerfällt  nach  Beck  in  2  Formen: 

A.  Illyrica  (Beck  Glasn.  XV.  207  [1903].  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  490 
[1904].  F.  messanensis  Rchb.  a.  a.  O.  fig.  982  J1848]).  Perigonblätter 
mit  mehr  oder  weniger  deutlichen  gelbgrünen  Mittelstreifen,  au  den  Seiten 
braunroth  oder  purpurn,  mehr  oder  weniger  würfelfleckig.  —  Die 
verbreitetste  Form. 

B.  eu-negle'cta  (neglecta  Beck  a.  a.  O.  [1803].  F.  neglecta  Pari.  a.  a.  O.  [1852] 
im  engeren  Sinne.  F.  messanensis  Rchb.  a.a.O.  fig.  981  [1848]).  Perigon- 
blätter neben  dem  Mittelstreifen  grünlich  oder  braunroth  überlaufen,  ohne 
Würfelflecke.  —  Selten. 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  der  einzige  heimische  Vertreter  einer  schwierigen 
Gruppe  des  Mittelmeergebiets.  Mit  F.  Messanensis  kaun  sie,  wie  bereits 
Pariatore  bemerkt,  nicht  vereinigt  werden,  wegen  der  bei  der  genannten 
Art  stets  deutlich  lanzettlichen  oder  linealisch-lanzettlichen  unteren  und  der 
stets  zu  2  —  3  quirligen  oberen-  Blätter,  die  bei  unserer  Art  stets  streng  linea- 
lisch und  oben  nie  gegenständig  sind,  und  wegen  abweichender  Blüthenver- 
hältnisse.  Von  Baker  ist  sie  als  Abart  zu  der  nur  auf  der  Iberischen  Halb- 
insel vorkommenden  F.  Lusitanica  gestellt  worden,  die  aber  sogleich  durch  die 
ganz  schmalen  Blätter,  die  viel  schmäleren  Blüthen  etc.  abweicht.  Vielfach 
ist  sie  in  Herbarien  auch  als  F.  Pyrenaica  bestimmt  worden,  mit  der  sie 
zweifellos  nahe  verwandt  ist,  von  der  sie  sich  aber  durch  die  nicht  gleichmässig 
am  Stengel  sondern  (mit  Ausnahme  des  einen  oder  der  beiden  [oder  3]  dem 
Blüthensticle  vorausgehenden)  auf  dem  über  der  Mitte  gelegenen  Viertel  der 
Stengellänge    genäherten  Blätter,    die    kleineren  und    weiter  glockigen   Blüthen 

Ascherson  u.  Graobnor,  Synopsis.  III.  13 


194  Liliiiceae. 

etc.  unterscheidet.  Auch  mit  F.  tenella  ist  sie  oft  verwechselt  worden,  diese 
Art  ist  aber  Behau  durch  die  nur  etwa  23  so  langen  schmäleren  Blüthen,  die 
öfter  zu  mehreren  stehen,  sowie  durch  die  allmählich  zugespitzten  unteren 
Blätter   verschieden. 

(Nur  im  Gebiet)  \*~\ 

IL  II.  Petilium1)  ([L.  Gen.  pl.  ed.  1.  91 J  St.  Hil.  Exp.  fam.  I.  120 
[1805]  als  Gatt  Endl.  Gen.  141  [1836]  als  Sect.  Baker  Journ. 
Linii.  Soc.  XIV.  l;71  [1875].  Imperialis  Adans.  Fam.  IL  48 
[1763].  Juss.  Gen.  49  [1789].  Ptilium2)  Pers.  Syn.  I.  359 
[1805]).  Stengel  mehrblüthig,  Blatter  abwechselnd  und  in  Quirlen 
gestellt,  Blüthen  doldenartig  gestellt,  um  den  Stengel  herum  her- 
abhängend, ihre  Tragblätter  mit  sterilen  Hochblättern  an  der  Spitze 
des  Stengels  zu  einem  Schopf  vereinigt.  Griffel  sehr  kurz  dreispaltig. 
2  Arten  im  Orient. 

*-f-  F.  imperiälis  (Kaiserkrone;  nieder!:  Keizerskroon ;  dün.: 
Kejserkrone ;  rum. :  Lalea;  böhm. :  Rebcik  kralovsky,  Cisarskä  koruna, 
Kuzelin;  russ. :  ILapcKifi  BtHeiTL ;  ung. ;  Csäzsäri  korona).  9|.  Pflanze 
kahl.  Stengel  aufrecht,  kräftig,  meist  6  dm  bis  über  1  m  hoch,  am 
Grunde  und  unterhalb  des  Blüthenstandes  unbeblättert  oder  fast  un- 
beblättert, in  der  Mitte  zahlreiche  durch  Anwachsung  genäherte  un- 
regelmässig gestellte  Laubblätter  tragend.  Blätter  glänzend,  die  unteren 
länglich,  die  oberen  lineal-lanzettlich.  Dolde  quirlartig,  von  einem 
Schöpfe  unfruchtbarer  Hochblätter  überrragt,  meist  5 — ßblüthig. 
Blüthenstiele  viel  kürzer  als  die  Blüthen.  Perigon  glockenförmig. 
Perigonblätter  länglich -verkehrt -lanzettlich,  am  Grunde  mit  rund- 
licher, aussen  etwas  sackartig  hervorragender  Honiggrube,  gelbbraun 
mit  scharlachrothen  Nerven.  Staubblätter  wenig  kürzer  als  die 
Perigonblätter,  mit  länglichen  Staubbeuteln.  Griffel  hervorragend. 
Ftu'cb.1  sehr  gross,  bis  4  cm  lang,  scharf  6  kantig,  am  Grunde 
plötzlich   in  einem   halsartigen   kurzen  Stiel  verschmälert. 

In  Persien,  Affghanistan,  Turkestan  und  dem  westlichen  Himalaja 
heimisch,  in  Europa  nach  Dodoens  im  Jahre  1575  aus  Constan- 
tinopel  nach  Wien  gebracht  (daher  wohl  der  Name),  jetzt  überall  in 
Garten  als  Zierpflanze,  besonders  im  südlichen  Gebiete  fast  eingebürgert, 
aher  auch  im   nördlichen!!  leicht  verwildernd.     Bl.  April. 

F.  imperialis  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  303  (1753).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.  274  (1875).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  189.  Voss-Vilmorin  Blumeng. 
1108  t.  tn  fig  241.  Bot.  Mag.  t.  194,  195.  Petilium  imperiale 
Jaume  St.  Hil.  Exp.  I.   120  (1805). 

Giftig.      Bei   dieser  Art  macht  sich  der  oben   erwähnte   unangenehme  Geruch 

besonders    bemerkbar,    in  Gärten    deshalb    öfter  eine  geruchlose  Form    (f.  inoddva 

I  Gartenflora  XXXIII  (1884)  257  t   1165).  —  Ausserdem  ändert  die  Pflanze  noch 

in  maanichfacher  Weise,  besonders  in   Bezog  auf  die  Farbe  und  Form  der  Blüthen 

ab.     Die  Farbe    wechselt    in    Gärten    von    braunroth   und    ziegelroth   bis  gelb   und 

i)  Bei  Plinius  (XXI,  25)  Name  einer  in  der  Blüthe  mit  einer  wilden  Rose 
verglichenen    Pflanze. 

'i)  Schreibfehler  für  Petilium. 


Fritillaria.     Tulipa.  195 

schwefelgelb.  Die  Blätter  sind  nicht  selten  weiss,  braun,  purpurn  oder  gelb- 
bunt gestreift.  Auch  Verbänderuugen  sind  nicht  selten,  eine  solche  verbänderte 
constant  gewordene  Monstrosität  (m.  fasciata  der  Gärten  vgl.  Voss  a.  a.  O.)  wird 
in  Holland  Slagzwaard  genannt.  —  Gefüllte  Blüthen  sind  sehr  selten,  häufiger  da- 
gegen solche  mit  verdoppeltem  Perigonkreise. 

B.  Liliorrhiza1)  (Kellogg  Proc.  Calif.  Acad.  II  [1860]  46  [1863]  B. 
als  Gatt.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  272  [1875]  veränd.  Benth. 
u.  Hook.  Gen.  pl.  III.  818  [1883]  als  Sect.  Korolköwia2)  Regel 
Gartenfl.  XXII.  161  t.  760  [1873].  Sarana3)  Fischer  in  Baker 
a.  a.  0.  251.  272  [1875]).  Zwiebel  der  von  Lilium  ähnlich  ge- 
staltet, aus  zahlreichen  Schuppen  gebildet.  Staubbeutel  mit  ihrem 
Rücken  angeheftet,  beweglich ,  wie  bei  Lilium.  Griffel  kurz,  3- 
spaltig. 

Stellt  einen  gewissen  Uebergang  zur  Gattung  Lilium  dar,  der  sich  auch 
in  der  Tracht  der  Arten  bemerkbar  macht.  3  Arten,  ausser  der  erwähnten  Art 
nur  in  Asien. 

*  F.  Kamtschatkensis.  9J.  Stengel  meist  2 — 5  dm  hoch.  Untere  Blätter 
meist  zu  3 — 6  in  Quirlen,  lanzettlich,  die  oberen  abwechselnd,  die  grund- 
ständigen eiförmig-lanzettlich  in  dem  Blattstiel  verschmälert.  Blüthen  zu  1  —  3. 
Perigonblätter  bis  über  3cm  lang.  Perigonblätter  schwarzpurpurn,  nicht 
würfelfleckig,  nur  am  Grunde  punktirt.  Staubblätter  nicht  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter.     Griffel  halb  so  laug  als  die  Narben. 

Im  nordwestlichen  Nordamerica,  in  Kamtschatka,  Japan  und  Ostsibirieu 
heimisch,  bei  uns  wegen  der  fast  schwarzen  Blüthen  öfter  gepflanzt.     Bl.  Juni. 

F.  camtschatcensis  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  1216  (1809).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.  273  (1875).  Voss-Vilniorin  Blumeng.  1107.  Lilium  camtschatcense  L. 
Spec.  pl.  ed.  1.  303  (1753).  Lilium  affine  Schult.  Syst.  VII.  400  (1829)  z.  T.  L. 
quadrifoliätum  E.  Mey.  in  Presl  Rel.  Haenk.  I.  126  (1830).  Amblirion  camtschatcense. 
Sweet  Hort.  Brit.  ed.  2.  538  (1830).  Sarana  edulis  Fisch,  nach  Baker  a.  a.  O.  264 
(1875).  Sarana  camtschatcense  der  Gärten  nach  Voss  a.  a.  O.  (1896).  Lilium  sarana 
der  Gärten  nach  Krelage  u.  Sohn  Verz.  578  B.  (Herbst  1905)  63,   72. 

168.    T  ULI  PA4). 

([Tourn.  Inst.  373  t.  199,  200]  L.  Gen.  pl.  [ed.  1.  92]  ed.  5.  145 
[1753].  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  275  [1875].  Levier  Les  tulipes 
de  l'Eur.  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  201   [1884].  Nat.  Pfl.  IL 

5.  62.) 

(Tulpe;  niederl.  u.  vlaem.:  Tulp;  dän.:  Tulipan ;  franz.:  Tulipe;  it.: 
Tulipano;  rum.:  Lalea,  Lalee,  Tulipane;  poln.:  Tulipan;  wend. :  Tulpa; 
böhm. :   Tulipan;    kroat, :  Tulipan;    russ. :    TmbnaHi ;    ung. :    Tulipänt.) 

S.  S.  170.  Meist  mittelgrosse,  seltener  kleine  Pflanzen,  am  Grunde 
mit  einer  Zwiebel;    sie    besteht   zur  Blüthezeit   aus    einem    oder  einigen 

!)  Von  lilium  und  gi'^a  Wurzel;    doppelt  fehlerhaft,  formal  als  Bastardwort, 
materiell  weil  eine  Zwiebel  keine  Wurzel  ist. 
*)  S.  S.  43  Fussn.   1. 

3)  Vielleicht  einheimischer  Name? 

4)  Zuerst  bei  Busbeq  u  ius  und  Konrad  G  e  sn  e  r.  Trotz  der  vonDiez  (nach 
Solms  Weizen    u.  Tulpe   54)    geäusserten   Zweifel    halten    wir    es    für    wahrschein- 

13* 


196  '  Liliaceae. 

vertrockneten  braunen  Häuten,  deren  innerste  innen  +.  (mitunter  stark) 
behaart  ist,  und  1 — 4  fleischigen,  dann  schon  ausgesogenen  Scheiden- 
blättern (Nährblättern).  Das  innerste  umschliesst  den  Blüthenstengel 
und  trägt  in  seiner  Achsel  die  Hauptzwiebel,  deren  erstes  Blatt  kein 
Nährblatt,  sondern  die  innen  behaarte  Haut  wird.  Ausser  dieser  bilden 
sich  oft  noch  in  den  Achseln  der  anderen  Scheidenblätter  noch  Neben- 
zwiebeln. Blüthenstengel  einige  Laubblätter  tragend,  meist  einblütbig. 
Perigon  glockenförmig,  abfallend.  Perigonblätter  am  Grunde  keine 
Honiggrube  besitzend,  häufig  aber  dort  mit  einem  Flecke.  Staubbeutel 
länglich-linealisch,  mit  ihrem  Grunde  an  den  Staubfäden  befestigt. 
Narbe  (bei  uns)  fast  sitzend,  3  lappig.  Frucht  eine  3seitige  Kapsel. 
Samen  in  jedem  Fache  zahlreich,  denen  von  Fritillaria  ähnlich,  flach 
zusammengedrückt. 

Mehr  als  50  Arten  in  Mittel-  und  Süd-Europa  und  in  Asien ,  die  meisten  in 
Mittel- Asien.  Ueber  die  Geschichte  der  bei  uns  jetzt  wildwachsenden  und  der 
Gartentulpen  vgl.  besonders  die  lichtvolle  Darstellung  von  H.  Grafen  zu  Solms- 
Laubach  in  „Weizen  und  Tulpe"  (1899)  S.  37  ff.  Als  in  unserem  Gebiete  ur- 
sprünglich einheimisch  können  nur  T.  liungaxica,  T.  Grisebaehiana,  T.  Australis 
und  T.  Gallica  betrachtet  werden.  Selbst  die  bei  uns  am  weitesten  (wie  fast  in 
ganz  Europa)  verbreitete  T.  xilvestris  hat  sich  erst  seit  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrhunderts  von  Bologna  aus  (wo  das  Indigenat  nicht  einmal  sicher  ist,  vgl. 
S.  214)  verbreitet.  Die  erste  Nachricht  über  Gartentulpen  stammt  von  Angerius 
Ghislenius  Busbequius  (Bousbecke),  Gesandten  des  Deutschen  Königs  Ferdinand 
(später  Kaiser  Ferdinand  I.)  an  den  GrossSultau,  der  sie  im  Frühjahr  1554  zwischen 
Adrianopel  und  Gonstantinopel  cultivirt  sah  uud  in  Gärten  Mittel-Europas  einführte. 
Im  Laufe  des  16.  Jahrhunderts  verbreitete  sich  die  Blume  allmählich  und  wurde 
Gegenstand  specieller  Liebhaberei,  in  Holland  des  bekannten  mit  dein  Krach  vom 
Februar  1637  abschliessenden  Tulpenschwindels  (Tulipomanie).  Mit  den  schon  in 
den  türkischen  Gärten  zahlreichen  Gartenformen  von  uuermittelter  Herkunft  wurden 
auch  einige  reine  Arten,  die  später  wildwachsend  im  Orient  aufgefunden  wurden, 
eingeführt.  Von  diesen  haben  sich  einige  im  18.  und  Anfang  des  19.  Jahrhunderts 
besonders  in  Italien  und  in  Süd-Frankreich  eingebürgert,  wie  T.  oculns  solis,  prae- 
cox, Clusiana,  denen  man  die  oben  erwähnte  T.  silrc.stris  und  T.  Bcccariana  (S. 
214)  anreihen  kann,  welche  letztere  wahrscheinlich  eine  nicht  beträchtlich  ab- 
weichende Form  der  T.  saxatilis  aus  Kreta  ist.  Sic  sind  von  Levier  (Malpighia 
Vi II.  401  |1894])  als  Alttulpen  (Pale'otulipes)  bezeichnet  worden.  Die  grosse 
Mehrzahl  der  jetzt  im  wärmeren  Europa  wildwachsenden  rothen  bezw.  rothbunten 
Tulpen  (Neutulpen,  Neotulipani  Fiori  a.  a.  O.  133)  sind  indess,  und  zwar  meist  in 
den  Umgebungen  von  Florenz,  Bologna  und  St.  Jean  de  Maurienne  (Savoyen),  erst 
seit  1820  aufgetreten.  Sie  sind  zweifellos  durch  Kreuzung  uud  Variation  aus  ver- 
wilderten Gartentalpen  von  ungewisser  Herkunft  entstanden,  da  Michel  i  zu  Anfang 
des  18.  Jahrhunderts  noch  keine  von  ihnen  kannte.  Trotzdem  sind  sie  jetzt  ebenso 
scharf  umschriebene  und  beständige  Arten  als  manche  wildwachsenden  der  orienta- 
lisch! n  Flora.  Dies  Problem  der  Neubilduug  sogenannter  „guter  Arten"  hat  natür- 
lich die  Aufmerksamkeit  verschiedener  Forscher  erregt  Nach  E.  de  Rcboul,  der 
in  Beinen  Schriften  Nonnullarum  Bpeciernm  Tuliparara  in  agro  Florentino  crescentium 
propriae  notae   Flor.   1822,  Appendix  1823  uud  Sclecta  specierum  Tul.  in  agr.  Flor. 


lieh,  dass  diese  Blume  von  den  Türken  im  16.  Jahrhundert  mit  einem  Turban 
(lürk.,  eigentlich  persisch  Dulbend)  verglichen  wurde,  wenn  auch  in  der  Regel  die 
Tulpe  türkisch  „Laie"  genannt  wird,  ein  Name,  der  wohl  eigentlich  die  Lilie  be- 
zeichnet und  für  die  Tulpe  (b.  S.  207)  und  die  Kaiserkrone  (S.  194)  auch  in  die  ru- 
mänische Sprache  übergegangen  ist.  Von  den  europäischen  Reisenden  wurde  Dul- 
bend in  Tulipan  verstümmelt  und  aus  dieser  Form  sind  die  meisten  europäischen 
Namen  entstanden. 


Tuh'pa.  197 

eponte  nascentium  Synonyma  Flor.  1838  zuerst  die  Thatsache  bekannt  machte,  hat 
besonders  unser  verehrter  Freund  Levier  sich  mit  dieser  Frage  beschäftigt:  I  Tuli- 
pani  di  Firenze  ed  il  Darwinismo  Rassegna  settimanale  II.  No.  17  Borna  1878. 
L'Origine  des  Tulipes  de  la  Savoie  et  de  l'Italie  Arch.  Ital.  de  Biologie  Paris  1884. 
Les  Tulipes  de  l'Europe  Bull.  Soc.  Sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  201.  Tab.  I— X  (1884). 
Wir  sind  der  letztgenannten  Arbeit  grösstentheils  gefolgt.  Neotulipes  et  paleotulipes, 
Malpighia  VIII.  401  (1894).  Ausserdem  sind  noch  zu  erwähnen:  G.  E.  Mattei, 
I  Tulipani  di  Bologna.  Malpighia  VII.  15  (1893).  A  Fiori,  I  generi  Tulipa  e 
Colchicum.  Malpighia  VIII.  131  (1894).  Paleotulipe,  Neotulipe  e  Mellotulipe  a.  a.  O. 
IX.  534  (1895).  Perrier  et  Songeon,  Bull.  Herb.  Boiss.  II.  430  (1894)  (über 
die  Tulpen  Savoyens).     In  Europa  nur  die  Untergattung 

Eutülipa  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.    XIV  [1875].    276  [1874]. 
Griffel  sehr  kurz,  fast  fehlend. 

A.  Liostemones1)  (Boiss.  Fl.  Or.  V.  191   [1884].    Engler  Nat.   Pfl.     A. 
IL  5.  62  [1888]).     Staubfäden  völlig  kahl. 

I.  Tulipännm2)   (Reb.  Giorn.  bot.  It.  IL  57    [1851].    Eriobulli     I. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  276  [1874]).    Zwiebelhäute  innen 
dicht  wollig.     Stengel  glatt  und  kahl. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch:    T.  M artelliänaZ)    (Levier 
Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuch.  XIV.  245  [1884])  in  Italien. 

a.  Blüthen  roth.      Untere  Blätter  breit.  u. 


Gesammtart  T.  öculus  solis  (814,  815  u.   T.  maleolens). 
(Regel  Gartenflora  XXII  [1873]  295.) 

1.  Alle    Perigonblätter    zugespitzt,    die    äusseren    mit   schlanker,      1. 
meist  5  mm  und  mehr  langer  schwanzartiger  Spitze. 

814.  (1.)  (10.)  T.  öculus  solis  (Sonnenauge;  russ.:  CojiHeraoe  okoJ« 
2|-.  Zwiebel  eiförmig,  bis  3,5  cm  breit,  ausläufertreibend,  mit  kastanien- 
braunen ,  innen  dicht  grauwolligen  Häuten.  Stengel  bis  etwa  3  dm 
hoch,  oft  hin-  und  hergebogen,  3 — 4  Blätter  unter  der  Mitte  tragend. 
Blätter  lebhaft  grün,  kahl,  die  unteren  breit-eiförmig-lanzettlich  bis  breit- 
pfriemlich  verlängert ,  die  oberen  lanzettlich ,  alle  spitz.  Blüthen  ge- 
ruchlos, aufrecht.  Perigon  weit  trichterig-glockig.  Perigonblätter 
länglich,  meist  6  bis  fast  8  cm  lang,  oberseits  leuchtend  ziegel- 
roth,  über  dem  Grunde  mit  einem  bis  3  cm  langen  länglichen 
bis  verkehrt-lanzettlichen  schwarzpurpurnen,  gelb  umrahmten 
Flecke,  die  inneren  etwas  schmäler  und  kürzer,  etwas  weniger 
zugespitzt.  Staubblätter  etwa  l/s  so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit 
schwarzpurpurnen  Staubfäden  und  bis  fast  2  cm  langen  gelben  Staub- 
beuteln.    Fruchtknoten  cylindrisch. 


!)  Von  Äslog  glatt  und  airjficov  Staubblatt. 

2)  S.  S.  196  Fussn. 

3)  Nach  Ugolino  Conte  Martelli,  *  11.  Sept.  1860  Florenz,  Privatgelehrten 
daselbst,  Verfasser  zahlreicher  werthvoller  Abhandlungen  u.  a.  auch  über  die  Flora 
Italiens  und  der  Colonia  Eritrea. 


IHR  Liliaceac. 

Provence  mehrfach  (St.  Lager  Cat.  693).  Die  Angaben  in  der 
Schweiz  sind  irrthümlieh  (Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV. 
247).  Die  Angabe  in  Süd-Tirol  bei  Rovereto,  längs  einer  Feldmauer 
in  Corna  cahla  und  Park  der  Franciscaner  in  S.  Rocco  (de'  Cobelli 
Progr.  1890  nach  Sarnthein  ÖBZ.  XLI.  108)  bedarf  der  Bestätigung. 
Schon  zu  Olusius  Zeit  in  die  Gärten  Mittel-Europas  eingeführt.  Bl. 
März.  April. 

T.  Oculus  Sölis  St.  Amans  Rec.  Soc.  agr.  Agen.  I.  75  (18  ). 
Fl.  Agen.  III.  145  (1821).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  278  (1874). 
Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  246  (1884).  Nyman  Consp. 
724.  Suppl.  HOB.  Richter  PI.  Eur.  I.  214.  (Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXLVIII 
f ig.  985?).  T.  agenensis1)  Red.  Lil.  t.  60  (1802).  T.  acutißora  Poir. 
Encycl.  VIII.  134  (1810).  T.  Oculus  solis  a.  typica  Regel  Gartenflora 
XXII  (1873)  295. 

Eine  hervorragend  schöne  Pflanze  und  deshalb  auch  geru  in  Gärten  gepflanzt. 

(Verbreitung  der  Art:  SW.  Frankreich;  Italien;  Kleinasien;  Syrien.) 

814.  X  815?    T.  oculus  solis  X  praecox?  s.  S.  199. 

2.  2.  Nur  die  äusseren  Perigonblätter  zugespitzt,  mit  kurzer  Stachel- 

spitze, die  inneren  stumpflich  mit  oder  ohne  Stachelspitze. 

815.  (2.)  (11.)  T.  praeeox.  9.J.  Der  Leitart  ähnlich,  von  ihr 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  In  allen  Theilen  kleiner 
Stengel,  meist  3 — 4  dm  hoch,  meist  unter  der  Mitte  mit  3 — 4  Blättern. 
Blätter  mehr  oder  weniger  graugrün,  die  unteren  breit-  bis  sehr 
breit-lanzettlich  oder  verlängert,  spitz,  am  Rande  wellig,  kraus.  Perigon 
glockenförmig.  Perigonblätter  meist  5 — 7  cm  lang,  sich  mit  den 
Rändern  breit  deckend,  stark  gewölbt,  leuchtend  zinnoberroth,  am 
Grunde  mit  einem  lanzettlichen  bis  länglichen,  oberwärts  unregel- 
mässig ausgezackten,  gelb  umrandeten  schwarzpurpurnen  Fleck,  die 
äusseren  spitz  mit  bleicher  Unterseite,  an  der  Spitze  etwas  be- 
haart, die  inneren  schmäler,  länglich,  etwas  kürzer,  stumpflich  mit 
aufgesetzter  kurzer  Spitze.  Staubblätter  nicht  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter,  mit  schwarzpurpurnen  Staubfällen  und  doppelt  so  langen 
gelblichen  Staubbeuteln.  Narbe  behaart,  röthlich,  ziemlich  breit.  Frucht 
ziemlich  schmal,  verlängert-eiförmig. 

Auf  cultivirtem  Boden  im  südlichen  Gebiete.  In  der  Provence; 
Rhone:  Marcy-sur-Anse  (Michaud  in  Magnier  Fl.  sei.  exs.  2594!). 
Kroatien:  bei  Buccari  (Hirc  nach  Levier  a.a.O.).    Bl.  März. 

T.  praecox  Ten.  Fl.  Neap.  I.  170  t,  32  (1811—15).  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  280  (1874).  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neu- 
chatel   XIV.   247  (1884).     Nyman    Consp.   724.     Suppl.  303.     Richter 


1 1   Bei  Agen  (Lot-et-Garonne)  zuerst  gefunden. 


Tulipa.  199 

PI.  Eur.  I.  214.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXLIX  fig.  986,  987.  T.  Ooäus 
SOÜs  y.  praecox  Regel  Gartenflora  XXII  (1873)  295. 

Gleichfalls  nicht  selten  in  Gärten,  wie  auch  die  vorige  vielfach  zur  Züchtung 
von  Gartenfonnen  verwandt.  Die  von  ihr  beeinflussten  Formen  sind,  wie  die  Art 
selbst,  meist  an  der  bleichen,  wie  mit  weisser  Farbe  übertünchten  Aussenseite  der 
äusseren  Perigonblätter  leicht  kenntlich. 

Aendcrt  besonders  in  der  Breite  der  Blätter  und  der  Perigonblätter  ab,  auch 
in  der  Grösse  einigermaassen  veränderlich,  oft  in  kleinen  nur  etwa  1  —  1,5  dm  hohen 
Formen  in  Gärten. 

In  Europa  noch  C.  Foxidnai)  (Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXLIX  fig.  987  [1848]. 
T.  Foxiana  Reb  Sei.  Tulip.  2.  [1838])  und  D.  Räddii*)  (T.  Baddii  Reb.  Nonn. 
Spec.  Tulip.  5  [1822])  in  Italien.     Bei  uns  die  Rasse 

B.  Lortetii3).  Pflanze  niedriger.  Stengel  meist  nur  1,5  —  2  dm  hoch. 
Blätter  oft  zahlreicher.  Perigonblätter  bis  4  cm  lang  und  bis  1,2  cm 
breit,  lebhafter  roth,*  beiderseits  stark  verschmälert,  am  Grunde  mit 
einem  bis  1,5  cm  langen,  etwas  helleren,  dunklen,  nicht  gelb  um- 
rahmten Fleck.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter, mit  spitzen  Staubbeuteln. 

Auf  Aeckern  in  der  Provence  bei  Marseille :  Cassis  (L  o  r  t  e  t). 
Grasse !     Aix !     Cannes. 

T.  praecox  B.  Lortetii  A.  u.  G.  Syn.  III.  199  (1905)  vgl. 
Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuch.  XIV.  249  (1884).  T.  Lortetii 
Jord.  Ann.  Soc.  Linn.  Lyon  V.  9  (1858).  Ard.  Fl.  Alp.  marit.  3  74. 
Levier  a.  a.  O.  Nyman  Consp.  Suppl.  503.  T.  ocitlus  solis  var. 
Lortetii  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  278   (1874). 

Durch  die  Farbe  der  Blüthe  und  die  zahlreichen  Blätter  sehr  ausge- 
zeichnet. Nach  Levier  (a.  a.  O.)  vielleicht  ein  Bastard  von  T.  oculus  solis 
mit  T.  praecox. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Bisher  nur  im  Gebiete.)  |"#| 

II.  hexagonata  4).  Blüthen  kleiner.  Innere  Perigonblätter  stumpflich.  — 
So  iu  Kroatien  bei  Buccari  und  in  Italien.  —  T.  praecox  var.  hexagonaia 
oder  obtusiflöra  Borbäs  Akad.  ertesitö  XVI.  22  (1882).  Földmivele'si  erde- 
keink  X.  501   (1882).    Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  249  (1884). 


i)  Nach  William  Thomas  Homer  Fox  Strangways,  zuletzt  4  tem  Earl  of 
Ilchester,  *  7.  Mai  1795  London  f  10.  Jan.  1865  Melbury  (Dorset),  (briefl.  Mitth. 
seines  Neffen,  des  5ten  Earl  of  Ilchester  durch  W.  B.  Hemsley),  Britischem  Ge- 
sandtschafts-Attache in  Neapel,  später  Gesandten  in  Frankfurt  und  Berlin,  der  in 
Europa  (auch  in  Kaukasien,  s.  Pmas  Pityusa  S.  I.  S.  219)  eifrig  botanisirte  und 
mit  Bertoloni  correspondirte  (Britten  u.  Boulger  Index  63,  Saccardo  II. 
50.)  Nach  ihm  benannte  Lindley  (Bot.  Reg.  t.  1956  [1837])  die  Rosaceen- 
( Pomoideen-)  gattung  Stranvae'sia. 

2)  Nach  Giuseppe  Raddi,  *  9.  Febr.  1770  Florenz  f  6.  Sept.  1829  Rhodos 
(auf  der  Rückkehr  von  einer  Expedition  nach  Aegypten),  verdient  um  die  Flora 
Toscanas,  besonders  hervorragendem  Kenner  und  Bearbeiter  der  Lebermoose  (Junger- 
manniografia  etrusca.  Modeua  1820).  Er  bereiste  auch  1817/8  (Urban  br.)  Bra- 
silien (Plantarum   brasilisensium  nova  genera  et  species  Florentiae   (1825). 

8)  Nach  dem  Entdecker  Louis  Lortet,  *  22.  Aug.  1836  Oullins  (Rhone) 
(In.).  Doyen  der  Faculte  de  medecine  in  Lyon,  einem  vielfach  verdienten  Gelehrten. 
Am  bekanntesten  sind  wohl  seine  Arbeiten  über  die  Naturgeschichte  altägyptischer 
Gräberfunde. 

■*)  Von  ££dya)vog  sechseckig  wegen  der  zusammen  ein  Sechseck  bildenden 
Basalrlecke  der  Perigonblätter. 


200  Liliaceae. 

T.  hexagonata  Borb.  Ak.  e'rt.  und  Földni.  <:rd.  a.  a.  O.  (1882).    Nymau  Coosp. 
Suppl.  303. 

(Süd-Frankreich;   Italien;  Balkanhalbinsel;  Kleinasien;  Palä- 
stina; Syrien.  #| 

Sil.  X  815?    T.  oculus  sohs  X  praecox?  s.  S.  199. 

*  T.  maleolens.  9|.  Zwiebeln  eiförmig,  bis  3cm  dick,  meist  zahlreich. 
Stengel  meist  mit  3 — 4  unter  der  Mitte  eingefügten  Blättern.  Blätter  etwas  grau- 
grün ,  lanzettlich-riemenförmig ,  bis  über  4  cm  breit.  Blüthen  unaugenehm ,  aber 
nicht  sehr  stark  duftend.  Perigon  glockenförmig.  Perigonblätter  bis  5  cm  lang, 
oberseits  leuchtend  blutroth,  unterseits  heller,  am  Grunde  mit  dreieckigem, 
rhombischen  bis  verkehrt-eiförmigem  dunkelpurpurnem,  un regelmässig  gezähntem, 
gelb  umrändertem  Flecke,  die  inneren  breiter,  stumpf,  stachelspitzig.  Staubblätter 
etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit  dunkelpurpurnen  Staubfäden  und 
etwa  lern  langen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  oberwärts  verschmälert, 
fast  geschnäbelt.     Narbe  ziemlich  gross. 

Auf  Aeckern ;  nur  in  Italien.  Die  Angaben  im  Gebiete  Wallis :  bei  Sitten 
nach  Levier  irrthümlich.     Hin  und  wieder  in  Gärten.     BI.  April. 

T.  maleolens  Keboul  Tulip.  spec.  App.  1  (1S23).  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XIV.  280  (1874).  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  250  (1884).  Nynian 
Consp.  724.  Suppl.  303.  Richter  PI.  Eur.  I.  214.  T.  Oculus  solis  ß.  maleolens 
Regel  Gartennora  XXII  (1873)  295  z.  T 

Der  vorigen  Art  ausserordentlich  ähnlich,  aber  abgesehen  von  der  Blüthen- 
farbe  besonders  durch  den  kurz  dreieckigen  bis  rhombischen  Fleck  am  Grunde  der 
Perigonblätter  verschieden,  dadurch  erscheinen  die  sich  berührenden  Flecke  wie  ein 
einziges  rundes  oder  fast  rundes,  nur  geringe  Ausbuchtungen  zeigendes  dunkles 
Auge  in  der  Mitte  der  Bliithe,  während  diese  Flecke  bei  den  beiden  anderen  Arten 
der  Gesammtart  zu  einem  Stern  mit  verlängerten  Strahlen  zusammenschliessen. 

b.  b.  Blüthen  innen  weiss.     Untere  Blätter  schmal-linealisch. 

*f  816.  (3.)  (12.)  T.  Clusiana1).  %.  Zwiebel  eiförmig,  meist  2 
bis  2,5cm  dick,  ausläufertreibend,  mit  innen  dicht  braun  behaarten 
Häuten.  Stengel  schlank,  ziemlich  starr  aufrecht,  bis  über  4  dm  hoch, 
mit  4 — 5  entfernten  Blättern.  Blätter  graugrün,  glatt,  schmal,  die 
untersten  kaum  bis  2  cm  breit,  nicht  gewellt,  zugespitzt,  die  oberen 
kürzer  und  schmäler.  Blüthenstiel  ziemlich  lang.  Perigon  schmal- 
glockig-trichterförmig. Perigonblätter  aus  verschmälertem  Grunde 
lanzettlich,  bis  3,5cm  lang,  oberseits  weisslich,  am  Grunde  violett, 
unterseits  rosa  überlaufen,  die  äusseren  spitz,  die  inneren  etwas 
kürzer,  stumpflich.  Staubblätter  meist  etwa  l/3  kürzer  als  die 
Perigonblätter,  mit  purpurnen,  den  Staubfäden  etwa  an  Länge  gleich- 
kommenden Staubbeuteln.     Narbe  klein. 

Im  Orient  einheimisch,  1606  von  Constantinopel  nach  Florenz 
gesandt,  woher  sie  Clusius  erhielt,  Jetzt  völlig  eingebürgert  an  be- 
wachsenen Abhängen,  in  Weinbergen,  auf  Aeckern.  Provence.  Riviera, 
z.  B.  Nizza!  Dauphin«'.  Savoyen.  Lyon.  Süd-Tirol:  Zw.  Mori  und  Bren- 
tonico  auf  Aeckern  (Funk  ÖBZ.  XIV  [1864]  35).  Bl.  März,  April, 
im  nördlichen   Gebiet  später. 


l)  S.  II.    1.  S    441   Fussn.  1. 


Tulipa.  201 

T.  Clusiana  Vent.  in  Red.  Lil.  t.  36  (1802).  Bot.  Mag.  t.  1390. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  281  (1874).  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat. 
Neuchatel  XIV.  243  (1884).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  194.  Nyman  Consp. 
724.  Suppl.  303.  Richter  PI.  Eur.  I.  214.  T.  rubro-alba  Brot.  Fl. 
Lusit.  I.  520  (1804).    T.  persica  Parkins.  Parad.  Lond.  53  t.  6. 

Eine  sehr  schöne  Pflanze ,  deshalb  auch  öfter  in  Gärten ,  an  den  schmalen 
Blättern  und  Blüthen  leicht  kenntlich. 

(Südwest-Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel; 
Syrien;  Persien.)  TjTj 

IL  Gesneriänae  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  276  [1874]  erw.     IL 
Nat.  Pfl.  IL  5.  62).     Zwiebelhäute  innen  kahl  oder  schwach  an- 
gedrückt behaart. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch:  T.  spathuläta  (Bert.  Fl.  It. 
IV.  85  [1839])  in  Italien.  —  T.  Fransonidna*)  (Parlat.  Monoc.  15  [1854]) 
in  Italien.  —  T.  Etrusca  Lev.  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  262 
[1884J)  in  Italien.  —  T.  Schrcnkii*)  (Regel  Gartenfl.  XXII  [1873]  295.  T. 
Gesneriana  a.  ß.  minor  Boiss.  Fl.  Or.  V.  194  [1884])  in  Süd-Russland  und 
in  Asien.  —  T.  serdtina  (Reb.  Sei.  spec.  Tul.  6  [1838])  in  Italien.  — 
T.  Passeriniäna.3)  (Lev.  Bull.  Soc.  sc.  nat.  XIV.  270  [1884].  T.  Di- 
dieri  Passerini  Nuov.  Giorn.  bot.  1871.  168  nicht  Jord.)  in  Ober-Italien.  — 
T.  Sommierii)  (Lev.  Orig.  Tul.  15  [1884])  in  Italien.  —  T.  Boedtica 
(Boiss.  u.  Heldr.  Diagn.  pl.  Or.  2.  IV.  99  [1859])  mit  der  Rasse  B.  Eu- 
dnthiaeb)  (T.  Euanthiae  Orph.  in  Boiss.  a.a.O.  100  [1859])  in  Griechen- 
land. —  T.  stranguldta  (Reb.  Nonn.  sp.  Tul.  6  [1822].  T.  scabriscapa 
var.  strangulata  Fox-Strangw.  Bot.  Reg.  t.  1990  fig.  3  [1837])  mit  den  Rassen: 
B.  obtusdta  (Lev.  a.  a.  O.  279  [1884].  T.  strangulata  b)  obtüsa  Richter  PI. 
Eur.  I.  215  [1890]),  C.  variopicta  (T.  variopicta  Reb.  Sei.  Spec.  Tul.  7 
[4838].  T.  scabriscapa  var.  mixta  Fox-Strangw.  Bot.  Reg.  t.  1990  [1837]. 
T.  scabriscapa  var.  Reboulidna&)  Bert.  Fl.  It.  IV.  86  [1839].  Hierher  nach 
Levier  (vgl.  Solms,  Weizen  u.  Tulpe  50)  auch  T.  neglecta  Reb.  Sei. 
Spec.  Tul.  7  [1838].    T.  strangulata  neglecta  Reb.  Antol.  Firenze  XVIII.  292 


i)  Nach  der  Marchesa  Isabella  Fransoni,  einer  Zuhörerin  Parlatore's 
(Levier  br.). 

2)  S.  I.  S.  201   Fussn    3. 

3)  Nach  Giovannni  Passerini,  *  16.  Juni  1816  Pieve  di  Guastalla  f  17.  Apr. 
1893  Parma,  Professor  an  der  Universität  und  Director  des  Botanischen  Gartens 
daselbst,  hochverdient  um  die  Flora  Italiens,  Verf.  von  Flora  Italiae  superioris  me- 
thodo  aualytica.  Mediolani  1844,  und  mit  V.  de  Cesati  und  G.  Gibeil i  (s.  VI. 
1.  S.  71  Fussn.  1)  von  Compendio  della  Flora  Italiana.  P.  war  ein  hervorragender 
Kenner  der  Pilze  und  der  durch  sie  veranlassten  Pflanzenkrankheiten,  über  welche 
er  zahlreiche  werthvolle  Abhandlungen  veröffentlichte.  Sein  Herbar  besitzt  der  Bo- 
tanische Garten  in  Parma.  S.  Magnus  BV.  Brand.  XXXV.  XXVI  und  Sac- 
cardo  I    123  II.  82. 

4)  Nach  Stephen  Sommier,  *  20.  Mai  1848  Florenz,  hochverdient  um  die 
Flora  Italiens,  über  die  er  zahlreiche  werthvolle  Mitteilungen  veröffentlichte.  Er 
bereiste  Behufs  botanischer  Forschungen  einen  grossen  Theil  Europas  und  Nord- 
Asiens,  u.a.  mit  E.  Levier  (s.  VI.  1.  S.  217  Fuss.  2)  1890  den  Kaukasus.  S. 
Saccardo  I.   156.     Wir  sind  ihm  für  manche  Mittheilungen  zu  Dank  verpflichtet. 

*>)  Vom  Autor  nach  seiner  Gattin,    Frau  Euanthia  Orphanides  benannt. 

6)  Nach  Eugene  de  Reboul,  *  1781  Aix  (Provence)  f  1851  Florenz,  wo 
er  seit  der  französischen  Revolution  lebte,  um  die  Flora  Toscauas  und  besonders  um 
die  Kenntnis  der  Tulpen  verdient  (s.  S.  196).  Sein  Herbar  befindet  sich  im  Botanischen 
Museum  in  Florenz  (Saccardo  I.  136.  II.  90.)  Die  Lebermoosgattung  Reboulia 
{„Rebouillia'1)  wurde  ihm  von  Raddi  (Opusc.  scient.  Bol.  II.  387  [1817])  gewidmet. 


2Ü 12  Liliaceae. 


r is  i.  t. 

|l837].   T. 


acabriscapa  var.  primulina  Fox-Strangw.  Bot.  Reg.  t.  1990  fig.  4 
scabriscapa  y.  Hawardenidna  ')  Berto).  Fl.  It.  IV.  86  [1839].  T. 
variopieta  Pari.  Fl.  It.  11  .".99  [1852]  nicht  Reb  B.  atrogultdta  Lev.  a.  a. 
( ».  275  [1H84]  und  D.  Bo  ;i  a  roliana  S)  (T.  Bohdrotiana  Reb.  Nonn.  spec.Tul. 
7  [1822])  in  [tauen.  —  T.  Baldaccii*)  Mattei  Malp.  VII  (1893)  50  Bologna? 
Ausser  den  genannten  Arten  noch  in  Gärten:  T.  aeumintlta  (Vahl 
in  Hörnern.  Hort.  Hafn.  I.  328  [1813].  T.  stenopetala*)  Mord  Del.  Bon. 
Jurd.  1813.  269.  T.  cornüta  Del.  in  Red.  Lil.  t.  445  [1816].  T.  lurcica 
Kunth  Kmiin.  IV.  221  [1843]  nicht  Roth)  mit  schmalen,  Bämmtlich  schlank 
ragespitzten,  leuchtend  ziegelrothen,  scheuer  gelben,  weissen  oder  gefleckten, 
bis  1  dm  langen  Perigonbl&ttern  und  kahlem  Stengel.  Eine  Gartenform,  die 
Dach  Baker  (Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  282  [1874])  von  T.  Bithynica  (S. 
211)  aus  Kleinasien  abstammt  (?  ?).  —  T.  acuminata  ist  vielfach  zur  Züch- 
tung von  Gartenformen  und  Kreuzungen  mit  anderen  Arten  verwandt  worden. 
Bemerkenswert!)  sind  die  Bastarde  derselben  mit  den  Duc  van  Tholl-Tulpen, 
also  mit  '/'.  suaveolen*.  die  als  T.eleyans  (der  Gärten;  Baker  Journ.  Linn. 
Soc  XIV.  286  [1874])  bezeichnet  werden  und  meist  durch  lebhafte  scharlach- 
rothe  oder  mit  gelb  untermischte  Färbung  und  zierlichen  Bau  auflallen. 
Hierzu  gehört  nach  Baker  auch  T.  odoratissima  Vis.  Ort.  bot.  Päd.  149 
(1842),  die  nach  Voss  nur  eine  Form  der  T.  snaveolcns  darstellt  (vgl.  S   212). 

a.  a.  Stengel  glatt  und  kahl. 

1.  1.  Blüthen  roth  (vgl.  auch  3). 

a  a.  Perigonblätter  sämmtlich  spitz. 

Gesammtart  T.  Didieri  (817,  818). 

817.  (4.)  (13.)  T.  Didieri5).  Zwiebel  eiförmig,  bis  3cm  dick, 
mit  kastanienbraunen,  innen  kahlen  oder  schwach  behaarten  Häuten. 
Stengel  starr  aufrecht,  meist  3 — 5  dm  hoch,  unter  der  Mitte  mit  3 — 4 
Blättern.  Blätter  graugrün,  kahl  oder  etwas  bewimpert,  mehr  oder 
weniger  deutlich  wellig,  die  unteren  lanzettlich  oder  verlängert,  bis  über 
3,5cm  breit,  die  oberen  lanzettlich.  Perigon  glockenförmig.  Perigon- 
blätter 4 — 6  cm  lang,  alle  gleich  gestaltet,  länglich,  zugespitzt  mit 
schlanker  Spitze,  oberseits  leuchtend  scharlachroth,  am  Grunde 
mit  breitem,  verkehrt-eiförmigem,  dunkelblauem  bis  schwarzblauem, 
gelblich  umrandetem,  oberwärt»  gezähneltem  Flecke.  Staubblätter 
kaum  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  dunkelpurpurnen  Staub- 
fäden.   Narben  tief  gefurcht,  gelb,  doppelt  so  breit  als  der  Fruchtknoten. 

Auf  Feldern,  an   Abhängen,    im  Gebiete  nur  in  Savoyen:    bei  St. 


>)  Nach  der  Entdeckerin,  Viscountess  Hawarden,  daher  in  England  I.ady 
Hawarden's  Tulip  genannt. 

-)  In  der  Villa  Baonarroti  bei  Florenz  (der  Familie  des  grossen  Künstlers  des 
Cinquecento,   Michel   Angelo  Buonarroti  gehörig)  gefunden. 

9)  Nach  Antonio  Baldacci,  *  3.  Oct.  1867  Bologna,  Assistent  am  Botanischen 
Qarten  daselbst,  hochverdient  durch  seine  Forschungen  und  Sammlungen  in  Monte- 
oegro   und    Albanien. 

*)  Von  atevög  schmal  und  neraAov  Blumenblatt. 

'•)  Nach  dem  Entdecker  Eugene  Didier,  *  30.  Oct.  1811  f  6.  Oct.  1889  St. 
Jean  de  Manrienne;  anfange  Richter,  später  Verwaltungsbeamten  (Intendant)  in 
Varallo  und  Thonon,  zuletzt  Unterpräfect  in  Albertville,  verdient  um  die  Flora 
Savoyens.  Sein  Herbar  besitzt  die  Faculte  des  Sciences  in  Grenoble.  (Br.  Mitfch, 
seines  Schwiegersohns,  Prof.  Sentis,  durch   Dr.  Alfr.  C  haber  t-  Chambery.) 


Tulipa.  203 

Jean  de  Maurienne  mehrfach!     Tarentaise:   Aime  (Perrier!).    Schweiz. 
Wallis:  Sitten.     Bl.  April,  Mai. 

T.Didieri  Jord.  Fragm.  I.  36  t.  5  fig.  A  (1846).  Ic.  8  t.  XVII. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  283  (1874).  Levier  Bull.  Soc.  Sc.  nat. 
Neuch.  XIV.  257  (1884).  Nyman  Consp.  724.  Suppl.  3.  Richter  PI. 
Eur.  I.  214.  T.  Gesneriana  Bell.  App.  fl.  Ped.  226  (1792)  nicht  L. 
T.  oculus  solis  Koch  Syn.  ed.  1.  707  (1837).  ed.  2.  816  nicht  St. 
Amans.     T.  maleolens  Rchb.  Ic.  X.  t.  CCCCL  fig.  988  nicht  Reb. 

An  den  scharf  zugespitzten  Perigonblättern  leicht  kenntlich,  häufig  in  Gärten, 
dort  noch  in  mehreren  Farbenabäüderungen  mit  weissen,  wohlriechenden  (f.  alba 
der  Gärten)  oder  (meist  grösseren)  blassgelben,  am  Grunde  mit  gezähnten  Flecken 
versehenen  (B.  fldvicans  [Lew  a.  a.  O.  258  (188-1)]  lutescens  der  Gärten)  Blüthen 
oder  mit  gefüllten  Blüthen. 

(Nur  im  Gebiete.)  [*] 

818.  (5.)  (14.)  T.  Mauriana x).  Zwiebel  breit-eiförmig.  Häute  mit 
langen,  angedrückten  Haaren.  Stengel  ziemlich  starr  aufrecht,  oft  bis 
über  3  dm  hoch  mit  3  Blättern.  Blätter  graugrün,  entfernt,  am  Rande 
schwach  gewimpert,  daselbst  stark  wellig.  Perigon  gross,  aus  rundem 
Grunde  ausgebreitet  glockig.  Perigonblätter  meist  5,5  — 7,5cm  lang, 
eiförmig-elliptisch,  spitz,  die  inneren  kürzer  und  breiter,  weniger  spitz, 
leuchtend  ziegelroth,  am  Grunde  mit  leuchtend  gelbem,  rhom- 
bischem, oberwärts  unregelmässig  gezähntem  Flecke.  Staubfäden 
aussen  gelb.    Staubbeutel   dunkel-violett.    Narbe  am  Rande  etwas  wellig. 

Auf  Feldern  in  Savoyen :  St.  Jean  de  Maurienne.    Bl.  Anfang  Mai. 

T.  Mauriona  Jord.  u.  Fourr.  Ic.  9  t.  XX  (1866—68).  Levier 
Bull.  Soc.  sc.  nat.  XIV.  254  (1884).  Richter  PI.  Eur.  I.  214.  T. 
Mauritiana  Jord.  a.  a.  O.  t.  XX  (1866 — 68).  T.  Mauriannensis 
Didier  nach  Levier  a.  a.  O.  (1884).  T.  Didieri  ß.  Mauriana  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  283  (1874). 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  von  der  es  nach  Levier  nicht  unwahrscheinlich 
ist,  dass  sie  hibriden  Ursprungs  ist,  da  ihr  Pollen  zum  grossen  Theile  fehlschlägt. 
Sie  mit  der  vorigen  als  Abart  oder  Rasse  zu  verbinden,  geht,  wie  Levier  betont, 
nicht  an,  da  die  Merkmale  zu  bedeutend  sind. 

Hierher  gehört  als  Rasse   oder  Unterart : 

B.  T.  Segusi&na2).  Unterscheidet  sich  vom  Typus  durch  die 
steiferen,  höheren  Stengel,  durch  das  kleinere,  weniger  weit,  offene  Perigon 
und  besonders  durch  den  zwar  grösstentheils  gelben  aber  unterwärts 
schwarz  gefärbten  Fleck  am  Grunde  der  Perigonblätter. 

In  Piemont  bei  Susa. 

T.  Segvsiana  Perrier  u.  Songeon  Bull.  Herb.  Boiss.  II.  (1894) 
431,  434.   2.  ser.  V.  (1905)  501. 

(Bisher  nur  im  Gebiete.)  |_*| 

b.  Wenigstens  die  inneren   Perigonblätter  stumpf.  b. 

1.  Perigon  scharlachroth.  1. 


1)  In  der  zu  Savoyen  gehörigen  Landschaft  Maurienne  gefunden. 

2)  Bei  Susa  (im  Alterthum  Segusio)  gefunden. 


Ji  1 1  Liliaceae. 

T.  cöiinivens.  2J.  Zwiebelhäute  innen  bräunlich  behaart.  Stengel 
0,5  m  hoch,  oben  0,5  cm  dick,  aufrecht.  Blätter  graugrün,  aufrecht- 
abstehend, am  Kunde  wellig,  das  unterste  27  cm  lang,  6  cm  breit. 
IVrigon  sehr  gross,  seine  Blätter  fast  geschlossen  zusammen- 
neigend, scharlachroth  mit  schwarzem  oder  gelbem,  nach  oben  3- 
eckig  zugespitzten  Basalfleck,  die  äusseren  spitzlich,  fast  9  cm  lang, 
4  cm  breit,  die  inneren  sehr  stumpf,  8  cm  lang,  6  cm  breit.  Staub- 
blatter schwarz-violett.      Narbe  hellgelb. 

Levier  (a.  a.  O.  2(30)  glaubt  diese  Art  von  Nizza  gesehen  zu  haben, 
ist  aber  der  Bestimmung  nicht  ganz  sicher,  ebensowenig,  ob  sie  dort 
wildwachsend  beobachtet  wurde.  Jedenfalls  ist  auf  diese  prächtige  Art 
zu  achten.      Bl.  Ende  Apr.,   Mai. 

T.  connivens  Levier  Orig.  tul.  Sav.  It.  in  Arch.  Biol.  It.  S.  A. 
12  (1884).  Bull.  soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  259  t.  V  (1884). 
Nyman  Consp.  Suppl.  302,  374.  Richter  PI.  Eur.  I.  114.  T.  Gesne- 
riana  Reboul  Nonn.  Tul.  pr.  not.  6  (1822).  Sei.  syn.  5  (1838).  Parlat. 
Fl.  It.  II.  396  (1852)  z.  T.  nicht  L.    Bot.  Reg.  t.  46. 

(Florenz;  Lucca;  Bologna.)  [hTJ? 

819.  (6.)  (15.)  T.  planifölia.  -2J,  Zwiebel  eiförmig.  Stengel  auf- 
recht, meist  etwas  schlaff.  Blätter  bleichgrün,  glatt,  lanzettlich,  fast 
flach,  am  Rande  nicht  gewellt.  Perigon  mittelgross,  glockig.  Perigon- 
blätter  länglich-eiförmig,  bis  6  cm  lang,  lebhaft  roth,  am  Grunde 
mit  schwarzem,  rhombischem,  oberwärts  schwach  3 lappigem,  an 
dem  äusseren  oft  gelb  berandetem  Flecke,  die  äusseren  spitzlich, 
die  inneren  kürzer  und  breiter,  ganz  stumpf.  Staubblätter  mit  schwarzen 
Staubfäden  und  dunkel  violetten  Staubbeuteln.  Narbe  weisslich-gelb, 
mit  fast  flachem  Rande.  Frucht  etwa  5  cm  lang,  oberwärts  in 
in  einen  länglichen  Schnabel  verschmälert,  am  Grunde  plötzlich  zu- 
sammengezogen. 

Auf  Aeckern  nur  in  Savoyen  :  bei  St.  Jean-de-Maurienne.    Bl.  Mai. 

T.  planifölia  Jord.  Ann.  Soc.  Linn.  Lyon  N.  S.  V.  11  (1858). 
Jord.  u.  Fourr.  Ic.  9  t.  XIX  fig.  34.  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neu- 
chatel  XIV.  261  (1884).  Richter  PI.  Eur.  I.  215.  T.  Didieri  y.  plani- 
fölia Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  283  (1874). 

Ist  einigen  Italienischen  Arten  am  nächsteu  verwandt,  kann  aber  nach  Levier 
auch  mit  diesen  nicht   vereinigt  werden. 

(Nur  im  Gebiete.)  \*~\ 

Hierher  gehören  wohl  als  Unterarten  (oder  Rassen): 

B.  T.  Saracenica1).  Unterscheidet  sich  vom  Typus  durch 
höheren  Wuchs  (3 — 4  dm),  entschieden  graugrüne,  stark  wellige 

!)  Perrier  erklärt  diesen  Namen  damit,  dass  die  Tulpen  Savoyens  sich  in 
dem  Gebiet  linden  in  dein  bis  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  der  Safran  {Crocus  sativus) 
angebaut  winde,  dessen  Einführung  man  den  Saracenen  zuschreibt.  Sollte  hierbei 
ein    Zusammenhang   des  Vorkommens    der  Tulpen    mit   dieser    Cultur    angenommen 


Tulipa.  205 

Laubblätter,  oli  ven  grünen,  schmal  schmutziggelb  berandetem 
Fleck  der  Perigonblätter,  kleinere  Narbe  und  die  kürzere,  nicht 
geschnäbelte  Frucht  mit  schärferen  Kanten. 

Savoyen:  St.  Andre  bei  St.  Jean  de  Maurienne.    Bl.  April,  Mai. 

T.  saracenica  Perr.  Bull.  Herb.  Boiss.  2.  ser.  V.  (1905)  507. 

C  T.  Aocifll&nsis1).  Unterscheidet  sich  vom  Typus  durch 
Folgendes:  Perigon  (auch  im  Sonnenschein)  nie  weit  geöffnet; 
seine  Blätter  etwas  breiter,  die  äusseren  weniger  stumpf;  der  grund- 
ständige Fleck  stets  deutlich  gelb  berandet.  Staubbeutel  und 
Pollen    gelb. 

Savoyen:  Ahne.     Auch  in  Gärten  gezogen.     Bl.  Mai. 

T.  Aximensis  Perrier  und  Songeon  Bull.  Herb.  Boiss.  IL  (1894) 
431,  435. 

2.  Perigon  rosa  oder  lila  (vgl.  auch   T.  Marjolletii).  2 

820.  (7.)  (10.)  T.  platystigma2).  ^l.  Zwiebel  mit  innen  schwach 
behaarten  Häuten.  Stengel  meist  3 — 4  dm  hoch,  unter  der  Mitte  mit 
3 — 4  Blättern.  Blätter  graugrün,  untere  länglich-lanzettlich,  bis  5  cm 
lang,  wellig,  die  oberen  lanzettlich.  Perigon  glockig.  Perigonblätter 
länglich,  bis  7  cm  lang,  hellpurpurn  oder  helllila,  am  Grunde  ver- 
schmälert, oberwärts  gekrümmt,  stumpf  oder  stachelspitzig,  am  Grunde 
bläulich  mit  kleinem  gelblichem  Flecke.  Staubblätter  nicht  halb 
so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit  violetten  Staubbeuteln,  die  länger 
als  die  Staubfäden  sind.  Narbe  sehr  gross,  mehr  als  doppelt 
so  breit  als  der  Fruchtknoten,  sehr  kraus,  einen  dicken,  fast 
herzförmigen  Kopf  bildend.  Kapsel  bis  6,5  cm  lang,  beiderseits  ver- 
schmälert. 

Nur  in  der  Dauphine:  Hautes- Alpes :  Guillestre.     Bl.  Mai. 

T.  platystigma  Jord.  in  Billot  Adnot.  32  (1855).  Ic.  8  t.  XVL 
Levier  Bull.  soc.  nat.  Neuchatel  XIV.  253.  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XIV.  295  (1874).  Nyman  Consp.  724.  Suppl.  303.  Richter  PI.  Eur. 
I.  214.     T.  Didieri  Gren.  u.  Godr.  III.   177  (1855)  nicht  Jord. 

Durch  die  sehr  grosse  Narbe  sehr  ausgezeichnet. 

(Nur  im  Gebiet.)  j"£Tj 

2.  Blüthen  gelb  (vgl.  auch  3).  9„ 

a.  Blätter   nicht    knorpelrandig.      Narbe    doppelt   so    breit    als     a< 
der  Fruchtknoten. 


sein,  so  ist  diese  Vermuthung  entschieden  zurückzuweisen.  Die  Tulpen  Savoyens 
sind  ebenso  wie  die  von  Florenz  aus  verwilderten  Gartentulpen  entstanden. 

l)  Bei  Ahne  (Axirna)  gefunden. 

y)  Von  TtAaivg  breit  und  atCy^ia  Narbe,  in  der  botanischen  Kunstsprache  für 
die  den  Pollenschlauch  aufnehmende  Spitze  des  Fruchtblattes  gebräuchlich. 


JiHi  Liliaceae. 

Gesammtarl  T.  Billietiäna  (821,  822). 

821.  (8.)  T.  Himgärica.  2\.  Zwiebel  eiförmig  mit  innen  ange- 
drückt behaarten  Häuten,  mit  sitzenden  Nebenzwiebeln.  Stengel  auf- 
recht, schlank,  bis  3,5  zuletzt  bis  5  dm  lang,  mit  3 — 4  Blättern.  Blätter 
elliptisch-lanzettlich,  graugrün,  derb,  mit  flachem  Rande,  ganz  kahl, 
die  oberen  2  oft  fast  gegenständig  genähert.  Perigon  glockig.  Perigon- 
blätter  fast  gleich  lang,  hellgelb,  die  äusseren  wenig  schmäler, 
beiderseits  verschmälert,  spitz,  oder  die  inneren  mehr  plötzlich  abge- 
rundet, stachelspitzig,  am  Grunde  ohne  Fleck.  Staubblätter  mit  flachen, 
lanzettlich-pfriemlichen  Staubfäden  und  zugespitzten  gelben  Staubbeuteln. 
Fruchtknoten  klein.  Narbe  etwa  doppelt  so  breit  als  der 
Fruchtknoten,  tief  gefurcht.  Frucht  länglich  -  elliptisch,  bis  7  cm 
lang,  beiderseits  verschmälert. 

An  Felsen  und  Abhängen  nur  in  Ungarn  :  Kazanthal  an  der  unteren 
Donau.    Bl.  April,  Mai. 

T.  hungarica  Borb.  Földm.  erdek.  1882.  52.  T.  Gesneriana 
Rochel  Reise  Banat.  85  (1838)  nicht  L.  T.  Billietiäna  Neilr.  Ungarn 
Nachtr.  16  (1870)  nicht  Jord.  T.  orientälis  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat. 
Neuch.  XIV.  263  (1884).  Nyman  Consp.  Suppl.  302,  374.  Richter 
PI.  Eur.  I.  215.  T.  Rocheliäna1)  Janka  Herb,  nach  Levier  a.  a.  O. 
(1884).    Nyman  Consp.  Suppl.  302. 

Levier  hat  den  Bo  rbäs'schen  Namen  verworfen,  weil  er  für  die  im  Orient 
sicher  weiter  verbreitete  Art   unpassend  erschien. 

(Transkaukasien.)  j"*] 

822.  (9.)  (17.)  T.  Billietiäna2).  4.  Zwiebel  verlängert- eiförmig 
mit  innen  spärlich  behaarten  Häuten.  Stengel  ziemlich  dick,  bis  fast 
5  dm  hoch,  im  mittelen  und  unteren  Theile  4  Blätter  tragend.  Blätter 
entfernt,  breit  lanzettlich,  spitz,  am  Rande  stark  gewellt.  Perigon 
glockig.  Perigonblätter  eiförmig-elliptisch,  stark  ausgehöhlt,  lebhaft 
goldgelb,  die  äusseren  deutlich  länger,  jederseits  verschmälert, 
an  der  Spitze  etwas  behaart,  spitz,  die  inneren  um  l/s  breiter,  stumpf- 
lich. Staubfäden  lebhaft  gelb.  Staubbeutel  citronengelb,  nicht  stachel- 
spitzig. Fruchtknoten  gross,  bis  2,5  cm  lang,  mit  über  doppelt 
so  breiter  Narbe.  Frucht  elliptisch,  bis  6  cm  lang,  oberseits  stärker 
verschmälert. 

Auf  Aeckern  nur  in  Savoyen:  St.  Jean  de  Maurienne!    Bl.  Mai. 

T.  Billietiäna  Jord.  Ann.  Soc.  Linn.  Lyon  N.  ser.  V.  11  (1858). 
Jord.  u.  Fourr.  Ic  8  t.  XVIII.  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIII. 
264  (1884).     Nyman    Consp.    Suppl.    303.     Richter    PI.    Eur.    I.    215. 

(Nur  im  Gebiete.)  ♦  njT| 

In  diese  Ahtheiluug    gehört   auch  die   folgende  uns  nicht  näher  bekannte  Art: 


i)  S.  II.   1.  S.  3G_>  Fussn.  2. 

-')   Nach  dem   Cardinal   Alexis   Billiet,   s.   VI.   1.  S.   109  Fussn. 


Tulipa.  207 

T.  Marjolletii x).  Zwiebel  eiförmig.  Stengel  25 — 30  cm  hoch,  in 
dem  unteren  2/s  niit  2 — 3  schmalen,  graugrünen,  stark  welligen  Blättern. 
Perigon  mittelgross,  anfangs  gelblich,  später  an  den  Rändern 
in  der  Mitte  ihrer  Länge  weiss  oder  rosa,  alle  am  Grunde  mit 
bläulichem  Fleck,  die  äusseren  elliptisch,  spitzlich,  die 
inneren  verkehrt -eiförmig,  stumpf,  stachelspitzig.  Staubfäden  weiss, 
oberwärts   schwarzblau;   Staubbeutel  hellgelb. 

Bisher  nur  in  Savoyen  auf  Aeckern  bei  A.iine.  Auch  in  Gärten 
gezogen.     Bl    Mai. 

T.  Marjolletti  Perrier  u.  Songeon  Bull.  Herb.  Boiss.  II.  (1894) 
431,  432. 

Die  Autoren  vergleichen  (a.  a.  O.  133)  die  Art  mit  T.  Didie.ii  von  der  sie 
sich  durch  die  Blüthenfarbe  und  die  nicht  zugespitzten  Perigonblätter  unter- 
scheiden soll. 

b.  Blätter    etwas     knorpelrandig.      Narbe    schmäler     als     der     b. 
Fruchtknoten. 

*f  T.  Kolpakowskyäna2).  2J-.  Zwiebel  braun  oder  dunkel,  mit  innen 
nur  an  der  Spitze  schwach  behaarten  Häuten.  Stengel  meist  1,5 — 2  dm  hoch,  meist 
mit  3  Blättern.  Blätter  meist  mehr  oder  weniger  wellig,  ziemlich  schmal,  meist 
nicht  über  2  cm  breit,  etwas  knorpelrandig.  Perigon  glockig  bis  etwas  trichter- 
förmig. Perigonblätter  elliptisch-lanzettlich  bis  lanzettlich,  alle  spitz,  gelb, 
aussen  gelb  oder  roth  überlaufen,  selten  ganz  roth.  Staubfäden  den  Frucht- 
knoten kaum  überragend. 

In  Turkestan  heimisch,  bei  uns  gern  in  Gärten,  in  Rasenplätzen  etc.  gezogen, 
dort  lange  ausdauernd  und  im  südlichen  Gebiete  leicht  verwildernd.     Bl.   April. 

T.  Kolpakowskyäna  Regel  Acta  Hort.  Petr.  V.  266  (1877).  Voss-Vilmorin 
Blumeng.   1112. 

3.  Blüthen  roth,  gelb,  weiss^oder  gefleckt.  3. 

Hierher  gehört  als  Formengruppe 

*f  T.  Gesneriana3)  (Gartentulpe;  rum.:  Lalele  mari,  Lalele  de- 
grädinä).  2j_.  Zwiebel  eiförmig,  bis  etwa  3  cm  dick,  mit  kastanien- 
braunen, innen  kahlen  oder  schwach  behaarten  Häuten  und  meist 
sitzenden  Nebenzwiebeln.  Stengel  ziemlich  starr  aufrecht,  meist  nicht 
über  2  dm  hoch,  unter  der  Mitte  mit  3  — 4  Blättern.  Blätter  graugrün, 
kahl,  nicht  knorpelrandig,  die  unteren  breit-linealisch-lanzettlich,  bis 
über  3,5  cm  breit,  die  oberen  lanzettlich.  Blüthen  geruchlos.  Perigon- 
blätter meist  lange  aufrecht,  länglich-eiförmig,   bis  2,5  cm  lang,  stumpf 


1)  Nach  dem  Entdecker  Joseph  Marie  Marjollet,  *  21.  Apr.  1823  Mäcot 
(Tarentaise)  f  25.  Aug.  1894  Aime  (Perrier  br.),  in  der  alten  Provinz  Tarentaise 
in  Savoyen,  Notar  daselbst,  welcher  die  dortigen  Tulpen  sorgfältig  beobachtete. 

2)  Nach  Gerasim  Alexjewitsch  Kolpakowsky,  f  um  1890,  187  Gouverneur 
des  Siebenstrombezirks  (Semiretschenskaja  oblast)  (B.  Fedtschenko  br.). 

3)  Nach  Konr.  Gesner.  s.  II.  2.  S.  158  Fussn.  1,  welcher  1561  in  seiner 
Schrift  de  hortis  Germaniae  eine  1559  von  ihm  in  Augsburg  blühend  gesehene 
Gartentulpe  beschrieb.  Levier  (Bull.  Soc.  Sc.  nat.  Neuch.  XIV.  272)  nimmt 
wohl  mit  Recht  an,  dass  diese  von  G.  beschriebene  Tulpe  keine  T.  Gesneriana  im 
heutigen  Sinne,  sondern  eine   T.  suavcolens  gewesen  ist. 


208  Liliaceae. 

oder  schwach  Btachelspitzig,  die  äusseren  etwas  spitzer,  leuchtend  scharlach- 
roth,  am  Gnuide  mit  breitem,  dunkelpurpurnem  Flecke  oder  am  Grunde 
gelb,  selten  ganz  gelb.  Staubblätter  etwa  2/3  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter,  mit  dunkelpurpurnen  oder  gelben  Staubbeuteln.  Narbe  gross,  gelb. 

Unbekannter  Herkunft,  bei  uns  überall  in  Gärten  oft  und  leicht 
verwildernd.     Bl.  April,   Mai. 

T.  Gemeriana  L.  spec.  pl.  ed.  1.  806  (1753)  z.  T.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIV.  284  (1875).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  194?  Bot.  Mag. 
t.   1135. 

Dass  die  gemeinhin  als  T.  Gemeriana  bezeichneten  Tulpenforinen  unserer 
Gärten  Formen  einer  wildwachsenden  Orientalischen  Tulpenart  darstellen,  wie  z.  B. 
Regel,  Baker  u.a.  annehmen,  und  die  auch  Boissier  (Fl.  Or.  V.  194)  aus 
dem  Kaukasus,  Südrussland  etc.  angibt,  ist  bereits  von  Le vier  (Bull.  Soc.  sc.  nat. 
Neuchatel  XIV.  230  [1884])  als  unwahrscheinlich  nachgewiesen  worden  und  auch 
Solms  (Weizen  und  Tulpe  95)  spricht  sich  ganz  entschieden  gegen  die  Annahme 
aus,  dass  T.  Gemeriana  als  eine  einheitliche,  den  übrigen  Arten  der  Gattung  gleich- 
wertige, irgendwo  heimische  Art  anzusehen  sei.  Unsere  Gartentulpen  sind  zum 
grossen  Theil  sicher  durch  Variation  in  Folge  von  Aussaat  oder  durch  Knospen- 
variation  entstanden,  theilweise  schon  in  der  Türkei,  theilweise  in  Mitteleuropa. 
Unter  denselben  befinden  sich  zweifellos  eine  ganze  Schaar  von  Bastarden  mit 
anderen  Arten  und  deren  Abkömmlingen.    (Vgl.  darüber  besonders  Solms  a.a.O.) 

Wir  haben  geglaubt  den  Begriff  der  T.  Gemeriana,  der  die  grosse  Mehrzahl 
der  ihrer  Herkunft  nach  unbekannten  Gartentulpen  umfasst,  nicht  verwerfen  zu 
sollen,  wenngleich  wirLevier  und  Solms  völlig  zustimmen,  da  aber  diese  Formen 
sich  anderweit  nicht  unterbringen  lassen  und  doch  zu  den  häufigsten  Erscheinungen 
unserer  Gärten  gehören,  haben  wir  der  Darstellung  dieser  Formengruppe  den  von 
Linne  gegebenen  Namen  vorangestellt.  Ernst  H.  Krelage  (br.)  nimmt  übrigens 
an,  dass  die  jetzt  als  T.  Gcsneriana  bezeichnete  Tulpen  erst  um  1800  als  Sämling 
bei  einem   holländischen   Züchter  entstanden  sind. 

Bei  der  Mehrzahl  der  Gartentulpen  läset  sich  sehr  oft  nicht  mit  Sicherheit 
feststelleil,  ob  man  Pflanzen  hibriden  Ursprungs  vor  sich  hat  oder  nicht.  Die  Garten- 
formen zeigen  inanuichfache  Abweichungen  in  Bezug  auf  die  Form  und  Färbung  der 
Blüthen.  Die  ßlüthenfarbe  ändert  ab  von  dunklem  Roth  über  Rosa  zum  Weiss 
und  Gelb.  Es  finden  sich  einfarbige  und  mehrfarbige  Formen  mit  gestreiften,  ge- 
strichelten oder  zonenweis  verschieden  gefärbten  Perigonblättern.  Dieselben  Ab- 
änderungen wiederholen  sich  bei  den  gefüllten  Blüthen,  die  oft  so  stark  umgebildet 
sind,  dass  selbst  die  Fruchtblätter  mit  blumenblattartig  ausgebildet  sind.  —  Sehr 
auffällig  sind  die  Monströse  oder  auch  Papageitulpen  genaunten  Formen,  die  grosse 
oberwärts  unregelmässig  zerschlitzte  Perigonblätter  in  meist  sehr  auffälligen  Farben 
besitzen.      Auch   unter  diesen  sind  sicher  Pflanzen  hibriden   Ursprungs. 

(Im  grössten  Theile  Europas  und  in  Nord-America  die  verbreitetste 
Gartentulpe,   leicht  verwildernd.)  * 

•  X         •    T.   Gesneriana  X  suaveolens  s.  S.  210. 

b.  b.  Stt'HLr<'l  dicht  kurzhaarig  (Scabriscäpae  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 

XIX.  277  |1874]). 
1.  1.  Perigonblätter  an  der  Spitze  abgerundet,  stachelspitzig. 

*  T.  (rreigii1).  •)] .  Zwiebel  mit  nur  au  der  Spitze  innen  etwas  behaarten 
Häuten.      Stengel    meist  5  cm    bis    über  2  dm    hoch    mit    3 — 4  Blättern.     Blätter 


l)  Nach  Samuil  Alexjewitsch  Greig,  *  1827  f  1887,  Generaladjutanten,  Chef 
der  Reichs-Controle,  1878—80  Finanzminister  in  St.  Petersburg,  Präsidenten  der 
Russischen  Gartenbaugesellschaft  (B.  Fedtschenko  br.) 


Tulipa.  209 

wellig,  mit  deutlich  durchscheinendem  Knorpelrande,  kahl  oder  am 
Rande  gewimpert  oder  auf  der  Oberseite  kurzhaarig,  mit  braunen  Flecken 
oder  Stricheln  besetzt,  die  unteren  länglich-eiförmig,  die  oberen  lanzettlich.  Perigon 
weitglockig,  zuletzt  sehr  weit  spreizend.  Perigonblätter  aus  keilförmigem  Grunde 
verkehrt-eiförmig,  bis  5  cm  lang,  sehr  leuchtend  roth,  am  Grunde  mit  länglichem 
schwarzen,  gelb  umsäumtem  Flecke  (selten  ganz  gelb).  Staubfäden  etwa  so  lang 
als  die  Staubbeutel.     Narbe  schwach  3 lappig. 

In  Turkeetan  heimisch,  bei  uns  wegen  der  prachtvoll  leuchtendroten  Blüthen 
(das  leuchtendste  Roth  in  der  Gattung  und  vielleicht  im  Pflanzenreiche  überhaupt, 
in  der  Sonne  fast  blendend)  gern  in  Gärten  gezogen.     Bl.  April. 

T.  Greigi  Regel  Gartenflora  XXII.  290  t.  773  (1873).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIV.   289  (1874). 

2.  Wenigstens  die  äusseren  Perigonblätter  zugespitzt. 

*f  T.  suaveolens.  2J..  Zwiebel  eiförmig  bis  4  cm  dick,  mit  kastanien- 
braunen, innen  und  an  der  Spitze  schwach  angedrückt  behaarten  oder 
kahlen  Häuten,  meist  mit  Nebenzwiebeln.  Stengel  meist  starr  aufrecht, 
weich  behaart,  mit  3 — 6  Blättern.  Blätter  ziemlich  flach,  am  Rande 
nicht  mit  Knorpelsaum,  die  unteren  elliptisch -lanzettlich.  Blüthen 
meist  wohlriechend.  Perigon  glockig  bis  trichterförmig-glockig.  Perigon- 
blätter verkehrt-eiförmig  bis  lanzettlich,  die  äusseren  allmählich  zugespitzt 
bis  7  cm  lang  meist  leuchtend  scharlachroth.  Staubblätter  meist  mit 
gelben  Staubbeuteln. 

In  der  Krim  in  Südrussland  und  im  Kaukasus  heimisch,  bei  uns 
sehr  häufig  in  Gärten ;  leicht  verwildernd.     Bl.  März,  April. 

T.  suaveolens  Roth  Cat.  I.  45  (1797).  Baker  Journ.  Linn.  Soc 
XIV.  287  (1874).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  195.  Voss-Vilmorin  Blumeng. 
1112  t.  61  fig.  243.  Bot.  Mag.  t.  839.  Nyman  Consp.  723.  Suppl. 
302.  T.  Turcärum  (Gesner  in  Valer.  Cord,  annot.  in  Ped.  Dioscor. 
[1561])  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  XIV.  271  (1884).  T.  odoraüssima 
vieler  Gärten. 

Die  grösste  Mehrzahl  der  frühesten  Gartentulpen  und  der  im  nördlichen  Gebiete 
während  des  Winters  in  Töpfen  getriebenen  Tulpen  sind  Abarten  oder  Bastarde  der 
T.  suaveolens,  in  den  Gärten  unter  dem  Namen  „Due  van  Tholl  ')"  ganz  allgemein 
bekannt.  Die  grösste  Mehrzahl  der  Gartenformen  dieser  Art  besitzt  ein  leuchtendes 
Scharlachroth,  eine  Anzahl  jedoch  besitzt  auch  gelbe  Ränder  oder  ist  ganz  gelb, 
diese  sind  unter  dem  Namen  „Tournesol*  bekannt.  Häufig  sind  gefüllte  Blüthen. 
Seltener  finden  sich  weisse,  dunkelrothe,  gelbbraune  etc.  Formen,  von  denen  oft 
nicht  feststeht,  ob  sie  nicht  aus  Kreuzungen  hervorgegangen  sind.  Sicher  ist,  dass 
eine  Reihe  hierhergezogener  Gartenformen  eine  unverkennbare  Einwirkung  anderer 
Arten,  besonders  T.  Gesneriana,  T.  oculus  solis  (und  verwandter  Arten),  T.  Chi- 
siana  etc.  verräth. 

•  X         .    T.  Gesneriana  X  suaveolens  s.  S.  210. 


!)  Der  Ursprung  dieses  Namens  ist  selbst  einem  so  hervorragenden  Kenner 
der  Tulpen  und  ihrer  Geschichte  wie  Herrn  Ernst  H.  Krelage  in  Haarlem  un- 
bekannt. Er  vermuthet  aber,  da  vielfach  werthvolle  Sorten  „Duo*  in  Verbindung 
mit  dem  Namen  ihres  Züchters  genannt  wurden,  dass  dies  auch  bei  dieser  Tulpe 
der  Fall  war. 

Asclierson  u.  Oraebner,   Synopsis.  III.  14 


210  Liliaceae. 

*  T.  F.uhlt'l'i  ').  "'  .  Zwiebel  gross,  mit  kahlen  nur  an  der  Spitze  etwas 
behaarten  Bauten,  Stengel  aufreiht  bis  etwa  5  dm  hoch,  dicht  kurz  behaart, 
bis  zur  Mitte  beblättert.  Blätter  linealisch-lanzettlich,  zugespitzt,  graugrün,  ober- 
sei tsdi  eht  kurzhaarig,  länger  als  der  Stengel.  Perigon  weit  geöffnet.  Perigon- 
blätter  elliptisch-lanzettlich,  zugespitzt,  an  der  Spitze  eingerollt,  lebhaft 
purpurroth,  am  Grande  mit  Bchwarzem,  rhombischem,  gelbumsäumten  Flecke, 
die  inneren  wenig  zugespitzt.  Staubblätter  mit  purpurnen  Staubfäden  und  denselben 
etwa  an  Länge  gleichkommenden  Staubbeuteln.    Narben  breiter  als  der  Fruchtknoten. 

In  Transkaukasien  heimisch,  bei  uns  wegen  ihrer  Grösse  gerne  in  Gärten  ge- 
pflanzt.     Bl.    April. 

T.  Eichleri  Kegel  Gartenfl.  XXIII  (1874)  193  t.  799.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  194. 
Vobs-VÜ moxin  Blumeng.   1113.     T.  Julia  Haage  u.  Schmidt  Cat.  nicht  K.  Koch. 

.X  .  T.  Gesneriana  X  snaveolens.  3|.  In  zahlreichen  Garten- 
formen angepflanzt,  die  bald  der  einen,  bald  der  anderen  Art  näher  stehen.  Meist  2 
bis  4  dm  hohe  Pflanze  mit  starrem,  behaartem  Stengel,  ßlüthe  oft  etwas 
wohlriechend.  Perigon  glockig.  Perigonblätter  meist  5  —  7  cm  lang,  in  vielen 
Farben,  meist  roth  aber  auch  weiss,  gelb  oder  in  verschiedenen  Farben  gefleckt, 
die  ausseien  meist  länglich,  zugespitzt  oder  spitz,  die  inneren  ver- 
kehrt-eiförmig stu  m  pf,  mit  kleiner  oder  ohne  Stachelspitze.  Narben  meist  sehr  breit. 
Häufig  in  Gärten.      Bl.   April. 

T.  Gesneriana  X  T.  snaveolens  Voss-Vilmorin  Blumeng.  1113  (1896».  F. 
pubc's  ee  ii  8  Willd.  Enutn.  h.  Berol.  Suppl.  17  (1813)  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XIV.  288  (1874).  T.  maveolens  f  pubescens  Kunth  Enum.  pl.  IV.  220  (1843). 
T.  euaveolens  f.  latifolia  Bot.  Mag.  t.  2388  (1823). 

Von  einer  Reihe  hierhergerechneter  Formen  ist  es  zweifelhaft  ob  wirklich 
eine  Form  aus  dein  Formenkreise  der  T.  Gesneriana  einer  der  Erzeuger  ist,  von 
andern,  wo  die  Grenze  zwischen  den  Abarten  der  betr.  Arten  und  den  Formen 
hibriden  Ursprungs  gezogen  werden  soll.  Die  Gartenformen  ergaben  durch  die  zahl- 
reichen Kreuzungen  der  Abänderungen  mit  einander  ein  unübersehbares  Chaos  von 
Formen.  In  (iärten  werden  die  deutlichen  Bastarde  oft  nicht  von  den  als  Tournesol 
etc.  bezeichneten  Typen   geschieden. 

Von  Voss  (Vilmorin  Blumeng.  3.  Aufl.  1113  [189G])  fraglich  hierher  gerechnet, 

aber    wohl    eher    einer   Kreuzung    der   T.  onilus  solis    X    suaveolens   entsprossen    ist 

T.    maculdta    der    Gärten    nicht   Roth    (s.    S.    214),    mit    sämmÜich    fein   gespitzten, 

leuchtend  scharlachrothen  am  Grunde    mit    einem    schwarzblauen,    gelb    umsäumten] 

Flecke  versehenen  Perigonblätteru,    purpurroten   Staubbeuteln    und    kleiner  Narbe. 

Wohl  sicher  hierher  gehört: 

B.  fulgens.    Stengel  bis  2,5  cm   hoch.    Perigon  glockig.    Perigonblätter  leuchtend 

Bobarlachroth   mit  gelbem  Grunde,  länglich,  bis  über  ii  cm  lang,    an  der  Spitze 

abgerundet,  deutlich  stachelspitzig.    Staubblätter  l/a — */s  so  lang  als  die  Perigon  - 

blätter.      Staubbeutel    gelb,    wenig    länger    als    die    Staubfäden.      Narben    nicht 

doppelt  so  breit  als  der  Fruchtknoten. 

Sehr  häufig  in  (iärten,   oft  zur  Züchtung   von  ( Jartenformen   verwandt,  die 
sich   besonders  durch   leuchtende  Blüthenfarben  auszeichnen. 

T.   Gesneriana   X   auaveoletu   15.  fulgens   A.  u.  G.    Syn.  III.  ülO  (1905). 
T.  fulgens  der  Gärten   Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  285  (1874). 

B.      B.  Krioxtemones2)   (Boiss.  Fl.  Or.   V.  191   [1884J.    Nat.  Pfl.   II. 
5.  62).    Staubblätter  am  Grunde  behaart. 


i)  Nach  Wilhelm  Eich ler.  einem  Pflanzenfreunde  in  Baku,  der  diese  schöne 
Art  entdeckte  und  an   E.  v.  Regel    einsandte.     Herr  Arnold   von  Regel    hat    ihn 

1889  dort  besucht  ;  er  war  damals  ein  hochbejahrter  Mann,  der  sicher  bald  darauf 
gestorben  ist.  Geber  seine  Heimat,  Geburts-  und  Todesdatum  war  nichts  zu  er- 
mitteln  (J.  Kessel  ring  br.). 

-)    Von   gqiov   Wolle  und  aii]uo)v  Staubblatt, 


Tulipa.  211 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch:  T.  patens  (Agardh  in  Rom. 
u.  Schult.  Syst.  VII.  384  [1829].  T.  tricolor  Ledeb.  Fl.  Alt.  II.  33  [1830]) 
in  Süd-Russland  und  Sibirien.  —  T.  Cretica  (Boiss.  u.  Heldr.  Diagu.  pl. 
Or.  ser.  1.  XIII.  19  [1853])  auf  Kreta.  —  T.  Bithynica  (Griseb.  Spie.  fl. 
Ruin.  Bith.  II.  382  [1844].  T.  türcica  Griseb.  a.  a.  Ö.  [1844])  in  der  Türkei 
und  in  Kleinasien.  —  T.  HagerU)  (Heldr.  in  Regel  Gartenfl.  XXIII  [1874J 
97  t.  790)  in  Griechenland.  —  T.  Orphanidea'*)  (Boiss.  bei  Heldr.  in  Regel 
Gartenfl.  XI  [1862]  309  t.  373  fig.  1—3.  T.  silvestris  var.  Orphanidea  Regel 
a.  a.  O.  XXII  [1873J   293.) 

Von  den  Arten  mit  inneu  weisslichen  Blüthen  ist  in  Gärten  mitunter 
die  durch  mehrere  kleine  Blüthen  an  einem  Stengel  ausgezeichnete  T.  bifldra 
(L.  fil.  Suppl.  196  [1781].  OrithyiaS)  biftora  Kunth  Enum.  pl.  IV.  227 
[1843].  T.  sylvestris  y.  biflora  Ledeb.  Fl.  Boss.  IV.  136  [1853])  aus  dem 
südlichen  Russland,  dem  Kaukasus  und  Asien. 

Aus  der  Gruppe  der  Saxdtiles  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  277 
[1874])  mit  kahlem  Stengel  und  auch  innen  roth  gefärbten  Perigonblättern  ist 
in  Europa  und  mitunter  in  Gärten  T.  saxdtilis  (Sieb.  PI.  Cret.  exs.  z.  T. 
Spr.  Syst.  Veg.  II.  63  [1825].  Rchb.  Ic.  crit.  IV.  t.  CCCXCVI  [1826])  mit 
stumpfen,  kaum  stachelspitzigen,  lebhaft  rothen  (oder  rosagefärbten)  am  Grunde 
gelben  Perigonblättern  auf  Kreta.  T.  Beccaridna*)  (Bicchi  Agg.  fl.  Lucch. 
21  [1860])  von  der  vorigen  vermuthlich  nicht  verschieden,  in  Italien  eingebürgert. 
Aus  Kleinasien  stammt  die  hin  und  wieder  in  Gärten  gezogene  T.  pulchella 
(Fenzl  in  Kotschy  Reise  Cilic.  Taur.  379  [1858].  T.  sylvestris  var.  pidchella 
Regel  Gartenfl.  XXII.  293  [1873])  mit  spitzen  am  Grunde  bläulich  gefärbten 
Perigonblättern.   —  Bei  uns  nur 

Silvestres  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  277  [1874]).  Zwiebel 
mit  oft  an  der  Spitze  behaarten  Häuten.  Perigon  innen  gelb  oder 
weisslich,  niemals  roth. 


Gesammtart  T.  silvestris   (823—826). 

I.  Perigonblätter  aussen  grünlich  oder  gelb. 

823.  (10.)  (18.)  T.  silvestris.  2j.  Zwiebel  eiförmig,  bis  fast  2  cm 
dick,  meist  mit  oft  zahlreichen  Nebenzwiebeln,   ausläufertreibend, 


i)  Nach  Friedrich  Hager,  *  18  Hannover,  f  vor  1874  Athen,  Papier- 
händler daselbst  (Krüper  br.),  welcher  Th.  v.  Held  reich  auf  vielen  Excursionen 
begleitete  und  eifriger  blumist  war. 

-)  Nach  Theodoros  Georgios  Orphanides,  *  1817  f  17.  Aug.  1886  Atheu, 
Professor  der  Botanik  an  der  dortigen  Universität,  um  die  Flora  der  Balkanhalbinsel 
hochverdient  (Boissier  Fl.  Or.  I.  XIV,  XV,  XVI).  Boissier  widmete  ihm  (Dec. 
I.  3  [1875]  vgl.  Fl.  Or.  III.  967  [1875])  die  in  den  Gebirgen  Nord-Kleinasiens  vor- 
kommende Eiicaceengattuug   Orphanidesia. 

3)  Die  von  den  Neueren  wieder  mit  Tulipa  vereiuigte,  durch  das  Vorhanden- 
sein eines  deutlichen  Griffels  charakterisirte  Gattung  Orithyia  (D.  Don  in  Sweet 
Brit.  Flow.  Gard.  t.  336  (1831?)  ist  nach  'iigeid-via,  Tochter  des  Erechtheus,  Ge- 
liebten des  Boreas,  benaunt. 

■*)  Nach  Odoardo  Beccari,  *  19.  Nov.  1843  Florenz,  emeritirtem  Director 
des  Botanischen  Gartens  und  Museums  daselbst,  jetzt  in  Baudino  bei  Florenz.  B. 
welcher  sich  anfangs  mit  der  Flora  Toscana's  beschäftigte,  erwarb  sich  hervorragende 
Verdienste  durch  mehrjährige  Reisen  nach  der  Colonia  Eritrea  und  namentlich  den 
Sunda-Inseln.  Die  Beschreibung  seiner  grossen  Sammlungen  findet  sich,  wie  auch 
seine  monographischen  Studieu  über  die  Palmen,  grösstentheils  in  dem  Sammel- 
werke Malesia  Genova,  bez.  (III)  Firenze,  Roma  1877—90,  3  Bände.  Ich  verdanke 
ihm  werthvolles  Material,  namentlich  von  Seegräsern.  A. 

14* 


212  Liliaceae. 

mit  braunen,  innen  an  der  Spitze  braun  behaarten  Häuten.  Stengel 
meist  2 — 4  diu  hoch,  meist  gebogen,  kahl,  meist  3  Blätter  dicht  über 
dem  Grunde  tragend.  Blätter  flach,  graugrün,  spitz,  die  unteren 
Bchmal-linealisch  bis  linealisch-lanzettlich,  bis  2  cm  breit,  rinnig,  die 
oberen  kleiner.  Blüthen  vor  dem  Aufblühen  nickend,  schwach 
duftend.  Perigonblätter  innen  dottergelb,  bis  5  cm  lang, 
zugespitzt,  an  der  Spitze  behaart,  die  äusseren  länglich-lanzettlich, 
am  Grunde  kahl,  die  inneren  länger,  verkehrt-eiförmig-lanzettlich, 
am  Grunde  gewimpert.  Staubblätter  etwa  1J3  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter, mit  gelben  dicht  behaarten  Staubfäden  und  etwa  ebenso  langen 
oder  längeren  gelben  Staubbeuteln.  Narbe  nicht  so  breit  als  der  Frucht- 
knoten. Frucht  etwa  doppelt  so  lang  als  breit,  etwa  3  cm 
lang  und   1,5  cm  breit,  nur  nach  der  Spitze  verschmälert. 

Wirklich  ursprünglich  nach  Levier  nur  für  Sicilien  und  Griechen- 
land festgestellt.  Hat  sich  von  Bologna  aus  (wo  ihr  Indigenat  keines- 
wegs sicher  ist,  da  ein  Fundort  im  Gebirge  auf  uncultivirtem  Boden 
erst  seit  wenigen  Decennien  bekannt  ist  und  leicht  auf  Verschleppung 
beruhen  könnte)  seit  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  als  Zier- 
pflanze verbreitet  und  ist  jetzt  im  grössten  Theile  Europas  verwildert 
und  eingebürgert  (s.  S.  196).  In  unserem  Gebiet  findet  sie  sich  in 
Weinbergen,  Grasgärten,  auf  Aeckern,  in  Parks,  seltener  in  Wäldern 
und  Gebüschen,  zerstreut  durch  das  Gebiet;  in  der  nördlichen  Ebene 
selten,  aus  Posen  und  Ostpreussen  nicht  bekannt.  Steigt  in  Tirol  bis 
570  m  (Samthein  br.).     Bl.  April,  Mai. 

T.  sylvestris  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  305  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
816.  Aschers.  Fl.  Prov.  Brand.  I.  711.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV. 
290  (1874).  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV.  294  (1884). 
Beck  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  490  (1905).  Nyman  Consp.  723. 
Suppl.  302.  Richter  PI.  Eur.  I.  216.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXLVI 
fig.  983. 

Es  finden  sich  in  der  Regel  eine  grosse  Menge  nicht  blühender  Exemplare 
neben  wenigen  blühenden.  Erstere  tragen  meist  nur  ein  langscheidiges  Laubblatt 
und  pflanzen  sich  oft  auf  eine  höchst  eigentümliche  Weise  fort.  Die  Zwiebel  hat 
nur  ein  Nährblatt,  welches  eine  neue  Zwiebel  in  seiner  Achsel  trägt.  Die  Gipfel- 
knospe findet  sich  dagegen  an  der  Spitze  eines  bis  1  dm  langen,  abwärts  gerich- 
teten Ausläufers,  welcher  am  Grunde  der  Scheide  des  Laubblattes  einen  spornartigen 
Fortsatz  desselben  mit  sich  nehmend,  hervortritt.  Selten  bildet  auch  die  Knospe 
jn  der  Achsel  des  Nährblattes  einen  Ausläufer,  indem  sich  das  erste  Blatt  ausstülpt. 
—  Aehnliche  Ausläufer  finden  sich  auch  öfter  an  Gartentulpen,  besonders  wenn 
dieselben  zu  flach  gepflanzt  wurden  ;  die  Pflanze  erreicht  dadurch  wieder  die  für 
die   Zwiebel  normale  ßodentiefe. 

In  der  Blüthengrösse  etc.  etwas  veränderlich.  Hierher  gehört: 
B.  Tiircica  {T.  turciea  Roth  Catal.  I.  45  [1797]  vgl.  ind.  Vöss-Vilinorin  Blumeng. 
1110  [1896]).  Blüthen  grösser.  Perigonblätter  verlängert,  zugespitzt.  —  Hierzu 
gehören  nach  Baker  (a.  a.  O.)  auch  T.  repens  Fisch,  in  Sweet  Brit.  flow.  gard. 
scr.  2  t,  97  (1831).  T.  Mamchalliana  1)  Andrz.  und  T.  ßorentina  der  Gärten. 
Audi  die  oben  S.  202  erwähnten  T.  aeuminata  und  T.  elegans  zieht  Baker 
8.  a.  ( ).  als  Formen  mit  sehr  stark  verlängerten  fast  liucalischen  Perigonblättern 
hierher. 

i)  S.  II.   1.  S.   192  Fussn.  4. 


Tulipa.  213 

II.  pumila  (T.  pumila  Moench  Meth.  301    [1794].   T.  apennina  Clus.  Hist.  150). 
Blüthen  zu  zwei  stehend.  —  Selten. 

Von  Monstrositäten  finden  sich  in  Gärten  mitunter  m.  fimbriata  mit  ge- 
f ranzten  Perigonblättern  und  m.  octopetala  (G.  v.  Martens  Herb.)  mit  8 zähligen 
Blüthen. 

Dieser  Art  sehr  nahe  verwandt  und  wohl  nicht  als  Art  von  ihr  zu  scheiden 
ist  T.  fr  agraria  (Munby  Bull.  SB.  France  XIII.  256  [1866])  aus  Nord-Africa 
mit  lebhaft  duftenden  Blüthen.     Mitunter  in  Gärten. 

(Britische  Inseln ;  Skandinavische  Halbinsel ;  Dänemark ;  Frank- 
reich; Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel,  Kaukasus;  Nord- 
Africa.)  * 

824.  (11.)  T.  Grisebachiana 1).  2J-.  Zwiebel  eiförmig  mit  dunkel- 
braunen, kahlen  Häuten.  Stengel  bis  3  dm  hoch,  kahl,  mit  meist  2 
{bis  4)  Blättern.  Blätter  linealisch-lanzettlich,  meist  1 — 1,5  dm  lang 
und  0,6  bis  1  cm  breit,  flach,  graugrün,  nie  am  Rande  zurückgerollt, 
am  Grunde  stengelumfassend,  spitz.  Blüthe  vor  dem  Aufblühen  oft 
nickend,  ziemlich  klein,  sehr  wohlriechend.  Perigonblätter  elliptisch- 
lanzettlich,  beiderseits  verschmälert,  bis  3  cm  lang,  alle  ziemlich 
gleichlang,  alle  am  Grunde  gewimpert,  auch  aussen 
dunkel  citronengelb,  die  äusseren  schmäler,  aussen  etwas  roth 
überlaufen.  Staubblätter  ungleich  lang,  am  Grunde  etwas  stärker 
als  bei  823  verbreitert,  wie  der  Fruchtknoten  (dieser  besonders 
oberwärts  mit  spärlichen,  flockigen,  bald  verschwindenden  Haaren  be- 
setzt) (A.  v.  Degen  br.).  Fruchtknoten  wie  auch  die  Frucht 
beiderseits   verschmälert. 

Kroatien:  Am  Berge  Velnac  (Kuk  Jelinac)  über  Carlopago  (Mai 
1905  Kocsis!  nach  A.  v.  Degen  br.);  auf  demselben  Berge  findet 
sich  eine  einheimische  der  S.  laevigata  (vgl.  VI.  1.  S.  27)  jedenfalls 
sehr  nahe  stehende  Sibiraea-Avt.  Vermuthlich  gehört  hierher  auch 
T.  silvestris  der  kroatischen  Floristen  wenigstens  z.  T.  und  Vis.  Fl. 
Dalm.  I.  133  (1842)  vgl. Vis.  Mem.  Ist.  Ven.  XX.  173  (1877)  z.  T.  Felsen 
in  der  Hercegovina:  Gliva  u.  Leotar  bei  Trebinje  (Pantocsek).  Velez 
bis  1700  m;    Baba  Planina  (Hawelka  nach  Beck).     Bl.  Mai,    Juni. 

T.  Grisebachiana  Pantocsek  ÖBZ.  XXIII  (1873)  2G5.  Levier 
Bull.  Soc.  sc.  nat,  Neuchatel  XIV.  292  (1884).  Beck  Wiss.  Mitth. 
Bosn.  Herceg.  IX.  491  (1905).  T.  silvestris  var.  Grisebachiana 
Aschers,  u.  Kan.  Cat.  corm.  17  (1877).  Nyman  Consp.  723.  Suppl. 
302.    Richter  PI.  Eur.  I.   217. 

Von  T.  silvestris  hauptsächlich  durch  die  kleineren  auch  aussen  citronengelben, 
an  den  äusseren  gerötheten,  nicht  grünlichen,  sämmtlich  am  Grunde  gewimperten 
Perigonblätter  zu  unterscheiden.  Laub-  und  Perigonblätter  sind  schmäler.  Die 
Angabe  der  drüsigen  Behaarung  des  Fruchtknotens  bei  Pantocsek  ist,  wie  dies 
schon  Beck  (a.  a.  O.)  angiebt,  unrichtig  und  beruht  auf  Schimmelbildung  (A.  v. 
Degen  br.). 

(Bisher  nur  im  Gebiete.)  jljTj 


l)  S.  I.  S.  344   Fussn.  1. 


214  Liliaceae. 

*  T.  Bieberateinidnai)  (Schult,  fil.  Syst.  VII.  382  [1829].  T.  sylvestris 
ß.  minor  Ledeb.  Fl.  Ross.  IV.  136  [1853].  T.  sylvestris  ß.  Bicbersteiniana  Regel 
Gartenflora  XXII  [1873]  292.  T.  pumila  Tausch  Flora  XII  [1829].  Ergbl.  42  nicht 
Mo. ■lieh  i.  Von  voriger  besonders  durch  die  geringe  Grösse  (mit  nur  ca.  1,5  dm 
hohen  Stengel)  und  kleine  Blüthen  verschieden,  in  Südrussland,  dem  Kaukasus  und 
in   Persien   heimisch,   hin   und   wieder  in  Gärten. 

II.         II.  Perigonblätter  aussen,    wenigstens    am  Grunde   roth    oder  rothlich 
überlaufen  (vgL  auch  T.   Grisebachiana). 

825.  (12.)  T.  Australis.  CA.  Zwiebel  eiförmig  bis  fast  2  cm 
dick,  ausläufertreibend  mit  kastanienbraunen,  oberwärts  bräunlich 
behaarten  Häuten.  Stengel  meist  1,5 — 3  dm  hoch,  kahl,  fast  stets  ein- 
blüthig,  mit  2 — 3  unter  der  Mitte  entspringenden  Blättern.  Blätter 
graugrün,  rinnig,  die  unteren  linealischdanzettlich  bis  2,5  cm  breit,  die 
oberen  schmäler.  Blüthen  vor  dem  Aufblühen  aufrecht  oder  etwas 
nickend.  Perigon  fast  glockig,  vom  Grunde  an  verbreitert.  Perigon  - 
blätter  etwa  gleichlang,  elliptisch-lanzettlich,  2 — 4  cm  lang, 
spitz,  oberwärts  etwas  behaart,  die  äusseren  am  Rücken,  besonders 
am  Grunde  trüb  röthlich  überlaufen,  die  inneren  am  Grunde  gewhnpert. 
Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter  mit  gelben  am 
Grunde  etwas  verbreiterten  Staubfäden  und  ihnen  an  Länge  etwa  gleich- 
kommenden gelben  Staubfäden.  Fruchtknoten  eiförmig,  allmählich  in 
einen  kurzen  Schnabel  verschmälert.  Frucht  kugelig-verkehrt- 
eiförmig, etwa  so  breit  als  lang. 

An  felsigen  Abhängen,  in  Gebüschen.  In  den  westlichen  Alpen 
und  den  Nachbargebieten:  Riviera,  Provence,  Dauphine,  Ain,  Savoyen, 
Wallis:  Naters,  Gondo  bis  860  m  ansteigend.  Bl.  April,  in  höheren 
Lagen  bis  Juli. 

T.  australis  Link  in  Schrad.  Journ.  IL  717  (1799).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIV.  293  (1874).  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neuchatel  XIV. 
297  (1S84).  Haläcsy  Consp.  Fl.  Graec.  III.  229.  Richter  PI.  Eur.  L 
216.  T.  Celsiäna2)  DC.  in  Red.  Lil.  I  t.  38  (1802).  Gren.  u.  Godr. 
Fl.  France  III.  178.  Nvman  Consp.  723.  Suppl.  302.  Rchb.  Ic.  X 
t.  COCCXLVII  fig.  984. 'T.  transtagäna3)  Brot,  Fl.  Lus.  I.  514  (1804). 
T.  maculäia  Roth  Nov.  Sp.  196  (1821)  nicht  der  Gärten  (S.  210).  T. 
sUvestris   Boi<s.  Fl.  Or.  V.    197  (1884). 

Von  der  ähnlichen  T.  silvestris,  mit  der  die  Art  früher  oft  verwechselt  wurde, 
durch  die  fast  gleiehlangen  und  gleichbreiten  Perigonblätter,  die  aussen  roth,  nicht 
grünlich   überlaufen  sind,   leicht  zu  unterscheiden. 

Den  Typus  nennt  Levier  (a.  a.  O.  298  [1884])  T.  australis  6.  Cclsiana. 
Aendert    ab : 


i)  S.  II.   1.  S.   192  Fussn.  4. 

»)  Nach    Jacques    Martin    Cels,    *   1743    Paris    f   1806    Montrouge,    Besitzer 
einer  grossen  Gärtnerei,  aus  welcher  u.  a.  Ventenat    in  mehreren  Schriften  Neu-, 
heiten  beschrieb.     Bein   Sohn  Francois,  *   1771   Paris  f  1832  Montrouge,  führte  das 
Geschäft  fort  und  veröffentlichte    zahlreiche  Kataloge    (Pritzel  Thes.    2.  Aufl.  59). 

3j   In   Portugal    in    der  Provinz  Aleintejo    (welcher  Name    „jenseits    des    Tejo" 
[trans  TagumJ  bedeutet),  zuerst  beobachtet. 


Tulipa.  215 

B.  alpestris.  Stengel  die  Blätter  oft  nicht  überragend.  Perigon  am 
Grunde  stärker  zusammengezogen.  Perigonblätter  alle  am  Grunde 
bewimpert,  die  äusseren  obervvärts  weniger  verschmälert.  Staubbeutel 
braun.     Fruchtknoten  oberwärts  braun. 

So  bisher  nur  in  der  Dauphine:  Gap:  Gehölzränder  bei  Devez 
de  Rabon  (Neyra!)  und  in  Savoyen.    Bl.  Juni. 

T.  Australis  B.  alpestris  A.  u.  G.  Syn.  III.  215  (1905) 
vgl.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  293  (1874).  T.  alpestris  J ord. 
u.  Fourr.  Breviar.  IL  120  (1868).  Levier  Bull.  Soc.  sc.  nat.  Neu- 
chatel  XIV.  293  (1884).  Nyman  Consp.  723.  Suppl.  302.  Richter 
PI.  Eur.  I.  216. 

Eine  sehr  merkwürdige,  in  der  Tracht  der  T.  Gallica  sehr  ähnliche  Form. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Nur  im  Gebiet.)  [^T] 

C.  montäna.  Perigonblätter  citronengelb,  sämmtlich  am  Grunde  gewimpert,  die 
äusseren  ganz  röthlich,  die  inneren  nur  mit  röthlichen  Mittelstreifen.  Frucht- 
knoten mit  Drüsenhaaren  bedeckt. 

Nur  im  südlicheren  Mittelmeergebiete  ausserhalb  des  Gebietes. 

T.  australis  e.  montana  Haläcsy  Consp.  Fl.  Graec.  III.  229  (1904).  T. 
montana  Willk.  Prodr.  Fl.  Hisp.  I.  219  (1861).  T.  silvestris  ß.  montana  Kunze 
Flora  XXIX  (1846)  637.  T.  Grisebachiana  Bald.  Riv.  Coli.  bot.  Alb.  95 
(1896)  nicht  Pant. 

Steht  anscheinend  der  vorigen  Rasse  sehr  nahe. 

Einige  weiteren  Abarten  in  Spanien  vgl.  Levier  a.  a.  O. 

(Verbreitung  der  Art:  West-Frankreich  [ursprünglich?];  Iberische 
Halbinsel ;  Apenninen  ;  Balkanhalbinsel.)  7jT| 

826.  (13.)  T.  Gallica.  4-  Zwiebel  eiförmig,  bis  fast  2  cm 
dick ,  keine  Ausläufer  treibend,  mit  matt-braunen ,  oberwärts 
schwach  behaarten  Häuten.  Stengel  schlank,  meist  1,5 — 3  dm  hoch, 
kahl,  mit  2  —  6  in  der  Nähe  des  Grundes  entspringenden  Blättern. 
Blätter  flach,  linealisch  bis  lanzettlich-linealisch,  meist  1  bis  fast  2  cm 
breit,  graugrün.  Blüthen  vor  dem  Aufblühen  nickend,  schwach  duftend. 
Perigon  trichterförmig-glockig,  am  Grunde  verschmälert.  Perigon- 
blätter fast  gleich  lang,  2,5 — 3,5  cm  lang,  spitz,  aussen  schwach 
röthlich,  die  äusseren  länglich-lanzettlich,  die  äusseren  am  Grunde 
kahl,  die  inneren  breiter,  fast  verkehrt-eiförmig,  im  unteren  V* 
ziemlich  plötzlich  verschmälert,  am  Grunde  stark  behaart.  Staubblätter 
etwa  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter,  mit  unten  stark  verbreiterten, 
lanzettlichen,  schwach  behaarten  Staubfäden  und  kürzeren  gelben  Staub- 
beuteln. Narbe  klein.  Frucht  verkehrt-eiförmig,  dreikantig, 
beiderseits  verschmälert,  etwa  2cm  lang  und   1,2cm  breit. 

Nur  in  der  Provence  im  Dep.  Var:  Mont  Faron,  Hyeres  nebst 
den  Inseln,   Le  Luc,  Frejus.      Bl.   April. 

T.  Gallica  Lois.  Fl.  Gall.  I.  241  (1806).  Gren.  u.  Godr.  Fl. 
France  III.  178.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  293  (1874).  Nyman 
Consp.  723.  Suppl.  302.  Herb.  Amar.  t.  160.  T.  acrocärpa1)  Jord. 
Herb,  nach  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  178  (1855).    T.  australis 

i)  Von  äxpöc;  spitz  und   ■x.o.qtiös  Frucht. 


216  Liliaceae. 

ß.   gallica    Levier    Bull.    Soc.    sc.    nat.    Neuchatel    XIV.    298    (1884). 
Richter  PI.   Eur.  I.    216. 

Nach  uns  vorliegendem  reichlichen  Material  scheint  uns  diese  Art  reichlich 
so  gut  verschieden   wie  die  vorhererwähnten. 

(Spanien!  Languedoc:  Aude!)  \*\ 

169.    ERYTHRÖN1UM1). 

*L.  [Gen.  pl.  [ed.   1.  92]  ed.  5.   145  [1754].  Nat.  Pfl.  IL  5.  63.  Dens- 
cam's2)  jTourn.  Inst.  378  t.  202    Hall,  in  Rupp.  Fl.  Jen.  ed.  3.  197 
(1745)].  JEri/tronium  und  Eritronium  Scop.  Fl.  Carn.  ed.  1.  235  [1760]. 
1  Mithridätum3)  Adans.  Fam.  IL  48  [1763]). 

S.  S.  170.  Ziemlich  kleine  ausdauernde  Kräuter.  Stengel  über 
dem  Grunde  mit  2  Blättern.  Blätter  gestielt,  meist  breit,  eiförmig, 
selten  schmal,  häufig  gefleckt.  Blüthen  einzeln  oder  zu  2  bis  mehreren, 
lang  gestielt,  nickend,  ansehnlich.  Perigonblätter  schmal,  lanzettlich 
bis  linealisch,  am  Grunde  um  den  Fruchtknoten  zu  einer  Röhre  zu- 
sammenneigend und  von  der  Mitte  ab,  oder  auch  bereits  vom  Grunde 
ab  zurückgebogen,  daher  an  der  nickenden  Blüthe  aufrecht  gestellt. 
Staubbeutel  mit  ihrem  Grunde  an  den  Staubfäden  befestigt.  Samen 
zusammengedrückt  mit  sehr  kleinem  Keimling. 

7  Arten,  die  meisten  davon  in  Nordamerica.  In  Europa  nur  unsere  Art.  In 
Gärten  noch  einige  Americanische  Arten,  besonders  das  schön  gelb  blühende  E. 
grandifldrum  (Pursh  Fl.  I.  231  [1814])  aus  den  Rocky  Mountains  mit  der  grossen 
bis  C  blüthigen,  durch  bis  über  1  cm  breite  Perigonblätter  ausgezeichneten  Rasse 
B.  gigantc'um  (Hooker  Fl.  Bor.  Am.  II.  182  [1840J.  E.  giganteiim  Lindl.  Bot. 
Reg.  bei  t.  178(5  [1835].  Bot.  Mag.  t.  5714)  aus  Californieu  und  der  Insel  Vancouver. 

827.  E.  dens  canis  (Hundszahn,  Zahnlilie;  in  Siebenbürgen: 
Kokeschbleamen ,  Kokeschücher,  Strepbleamen ;  it.:  Dente  di  cane; 
nun.:  Cocorei,  Turcarete;  böhm.:  Kandik;  kroat. :  KoSuta;  russ.:  ITeciil 
3y(fe).  2)_.  Zwiebel  eiförmig-cylindrisch  mit  dünnen  Häuten  und  sitzen- 
den Nebenzwiebeln.  Blätter  dicht  über  dem  Grunde  des  Stengels,  fast 
gegenständig,  eiförmig-lanzettlich  bis  länglich-lanzettlich,  in  den  rinn  igen 
Stiel  verschmälert,  purpurn  gefleckt.  Blüthe  einzeln,  auf  bis  über 
1  dm    langem    Stiele.      Perigonblätter   lanzettlich,    bis    etwa    1  cm 

l)  aatvQtov  iQv&QÖviov  Pflanzenname  bei  Dioskorides  (III.   134). 

'-')  Zuerst  bei  Konrad  Gesn er  (Dens  caninus  bei  Dodonaeus  undClusius); 
,, Hundszahn"  wegen  der  Gestalt  der  schlanken  Zwiebel. 

3)  Nach  Plinius  (XXV.  26)  benannte  der  Arzt  Krateuas  (Cratevas)  eine 
Pflanze  nach  dem  Könige  Mithridates  VI.  Eupator  von  Pontus,  *  132  f  63 
v.  Chr.,  dem  bekannten  gefährlichen  Gegner  der  Römer,  der  sowohl  durch  seine 
Beherrschung  zahlreicher  Sprachen,  als  durch  seine  Kenntnis  der  Gifte,  mit  denen 
«r  sogar  an  sich  selbst  experimentirte,  und  jedenfalls  auch  ihrer  Stammpflanzen 
berühmt  war  (s.  auch  VI.  1.  S.  420  Fussn.  1).  Im  Mittelalter  nannte  man  ein 
Helir  zusammengesetztes  Arzneimittel  Mithridat,  das  noch  im  18.  Jahrhundert  in  der 
schonen  Litteratur  genannt  wird.  Plinius  sagt  von  dieser  Mithridatia,  dass  sie 
«ine  ylcan</n<s-ähnliche  Wurzel,  über  derselben  2  Blätter  und  zwischen  diesen  eine 
gestielte  rosarothe  Blume  habe.  Bis  auf  die  erste  Bestimmung  würde  das  auf  Ery- 
thronium  passen. 


Tulipa      Erythroniuni.     Calochortus.  217 

breit,  über  dem  Grunde  plötzlich  zurückgebogen,  rosa  oder 
violett  gefärbt,  seltener  weiss,  am  Grunde  braun  gefleckt,  die  inneren 
mit  aus  2  (bis  4)  verdickten  tellerförmigen  Warzen  bestehender  Ligula. 
Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die  Perigon blatte r,  Staubfäden  wenig 
länger  als  die  Staubbeutel,  die  der  inneren  am  Grunde  mit  den  Perigon- 
blättern  verbunden.  Griffel  bis  über  1  cm  lang,  an  der  Spitze  schwach, 
aber  deutlich  3  spaltig.     Frucht  verkehrt-eiförmig,  stumpfkantig. 

An  buschigen  Abhängen,  zwischeu  Gerolle,  in  Wäldern  in  der 
montanen  Region,  am  Baldo  bis  1700  m  (Pollini  Viagg.  107)  sonst 
in  Süd-Tirol  bis  700  m  (Sarnthein  br.),  in  Dalmatien  bis  1300  m!! 
aufsteigend,  nur  im  südlichen,  sehr  vereinzelt  im  mittleren  Gebiet.  See- 
alpen; Dauphine ;  Savoyen ;  Genf!  An  der  Südseite  der  Alpen  von 
Piemont  bis  Kärnten,  Krain  und  Steiermark!  (nördlich  bis  Stübing  und 
Frohnleiten).  Küstenland!  Istrien!  Kroatien!  Dalmatien!!  Monte- 
negro. Hercegovina.  Bosnien!  Slavonien.  Südost -Ungarn!  Sieben- 
bürgen! [Rumänien].  Ganz  vereinzelt  m  Böhmen,  bei  Hradiko  an  der 
Sazava  südlich  von  Prag!  und  bei  Petschau  unweit  Karlsbad.  In 
Niederösterreich  bei  Purkersdorf  (Angelo  Carraro,  jedenfalls  nicht 
ursprünglich  nach  Fritsch  ÖBZ.  LIV.   240.     Bl.  Febr. — Apr. 

E.  dens  canis  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  305  (1753)  z.  T.  Koch  Syn. 
ed.  2.  818.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  297  (1874).  Nyman  Consp. 
724.  Suppl.  303.  Richter  PI.  Eur.  I.  217.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCXLI 
fig.  973.  E.  maculatum  Lam.  Fl.  Franc.  III.  286  (1778).  E.  ovati- 
folium  Poir.  Encycl.  VIII.  660  (1810). 

Ueber  den  Bau  der  Zwiebel  und  die  Sprossfolge  vgl.  I  r  m  i  s  c  h  Abh.  Nat. 
Ges.  Halle  VII.  184  [12]  t.  II  (1863). 

Durch  die  auffällige  Aebnlichkeit  der  Blüthe  mit  der  von  Cyclaminus  sehr 
kenntliche  Pflanze.  Vermuthlich  ist  auch  die  Bestäubung  ähnlich;  nach  Loew 
(Blüthenbiol.  Flor.  354)  verhindert  die  Ligula  das  Ausfliessen  des  Honigs. 

Aendert  ab  in  der  Breite  und  Zeichnung'  der  Blätter,    der  Blüthengrösse  und 

-färbe,   die    weissblüthige  Form    (var.   niveus    Maly    ZBG.  LIV.   181    [1904])    wurde 

u.a.    bei    Gross -Wardein    (L.  Richter!)    und    Sarajevo    (Maly)    beobachtet.     Eine 

grossblüthige  Gartenform  ist 

B.  longifdlium    (E.  longifolium    Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8.    no.  2   [1768].     Sweet 

Fl.  Gard.  II.   1   t.  76  [1831]).     Blätter  länger,  spitzer.     Blüthen  bis  5  cm  lang. 

Narbe  an  der  Spitze  tiefer  getheilt. 

(Central-  und  Süd- Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Ober-  und  Mittel- 
Italien;  Balkanhalbinsel  südlich  bis  Thracien;  Kaukasus;  Sibirien  bis 
Japan.)  TjT 

*   CALOCHORTUS1). 

(Pursh  Fl.  Am.  sept.  I.  240  [1814].  Nat.  Pfl.  IL  5.  63.   Oycloböthra2) 
Don  in  Sweet  Brit.  Flow.  Gard.  t.  273   [1829]). 

S.  S.  170.  Stengel  mit  wenigen  schmalen  Blättern  und  lang- 
gestielten   ansehnlichen,    oft  hängenden  Blüthen.      Perigonblätter  weiss, 


*)   Von  xaÄög  schön  und  %ÖQTog  Futter,  besonders  Gras,  Heu. 

2)  Von  y,vy,Aog  Kreis  und  ßö&Qog  Grube,  wegen  der  runden  Honiggrube. 


218  Liliaceae. 

bläulich,  gelb  oder  purpurn,  zu  einer  fast  kugeligen  Glocke  zusammen- 
neigentl  oder  abstehend,  die  äusseren  meist  schmal,  grünlich,  kelch- 
artig, die  inneren  oft  mit  Honiggrube.  Staubfäden  kurz.  Frucht  eine 
scheidewandspaltige   Kapsel  oder  in  die  3  Carpiden  zerfallend. 

Ueber  30  Arten  im  westlichen  Nordamerica  bis  Mexico.  Einige  Arten  wegen 
der  prachtvollen   Blüthcn  bei  uns  in  Gärten.    (Mormonen-Tulpen.) 

A.  A.   Macrädenus1)  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  302,  303  [1874]). 

Innere  Perigonblätter  mit  sehr  grosser,  nach  aussen  vorgestülpter 
Honiggrube.  —  Zwiebel  mit  dünnen,  nicht  zerfasernden  Häuten. 
Frucht  eine  längliche  Kapsel. 

Von  dieser  Gruppe  sind  besonders  zu  erwähnen 

*  C.  pulchellus.  9! .  Stengel  meist  3  bis  über  4  dm  hoch,  oberwärts  mit 
spreizenden  Aesten.  Blätter  linealisch,  vielnervig,  die  oberen  linealisch-lanzettlich, 
fast  stengelumfassend,  laug  zugespitzt.  Die  unteren  Stengelblätter  so  lang  oder  fast 
so  lang  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  meist  6 — 12blüthig,  breit.  Blüthen 
nickend.  Perigonblätter  lebhaft  gelb,  die  äusseren  läuglich-lanzettlich, 
ungefleckt,  in  eine  schlanke  Spitze  verschmälert,  etwa  so  lang  als 
die  inneren,  eiförmig  bis  ruiKllich-eiförmig,  bis  3cm  lang,  stumpf,  ringsum 
gewim pert,  mit  grossem  d  unkelpurpurnen  Fleck  an  der  Honig- 
grube. 

In  Californien  heimisch,  bei  uns  eiue  prachtvolle  Zierpflanze.  Bl.  (bei  uns) 
Juni,  Juli. 

C.  pulchellus  Dougl.  nach  Wood  Proc.  Acad.  Phil.  1868.  168.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIV.  303  (1874).  Cyclobothra  pulchella  Benth.  Trans.  Hort.  Soc.  new 
ser.  I.  415  t.   14  fig.   1   (1835).    Bot.  Mag.  t.  6527. 

*  ('.  Kngleriünus  -).  ')].  Der  vorigen  Art  in  der  Tracht  ähnlich,  von  ihr 
hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden.  Untere  Stengelblätter  viel  kürzer  als 
der  Blüthenstand.  Blüthenstand  schlanker,  mit  meist  nur  1 — 2blüthigen  Aesten. 
Perigon  blätter  weiss,  die  äusse  ren  länglich-eiförmig,  ziemlich  plötzlich 
zugespitzt,  nicht  viel  über  halb  so  lang  als  die  eiförmigen,  spitzen, 
oberwärts  nicht  (nur  in  der  Mitte)  gewimperten,  mit  grossem  braunrothen 
Flecke  versehenen  inneren. 

Gleichfalls  in  Californien  heimisch,  sehr  schöne  Zierpflanze.    Bl.  (bei  uns)  Juni. 

C.  Englerianus  Hort.  Berol.  Notizbl.  Bot.  Gart.  Mus.  Berl.  II.  318  (1899).  Oydo- 
bothra alba  Benth.  Trans.  Hort.  Soc.  new  ser.  I.  413  t,  14  fig.  3  (1835).  Maund 
u.  Hensl.  Botanist  t.  98  (1839  oder  40).  Calochortus  albus  Dougl.  in  Wood  Proc. 
Acad.  Phil.  1868.  168.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  304  (1874)  nicht  Fritiüarm 
alba  Nutt. 

B.  B.    Innere  Perigonblätter  mit  kleiner,  nicht  oder  kaum  hervorgestülpter 

Honiggrube. 

Aus  der  Gruppe  Cyclobothra  (Don  a.  a.  O.  im  engen  Sinne  als  Gatt. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  303  [1874])  mit  zerfasernden  Zwiebelhäuten 
wird  mitunter  C.  barbdtUB  (Hort.  Berol.  in  A.  u.  G.  Synops.  mitteleur  Fl. 
III.  218  [1905].  Fritillnria  barbata  H.  B.  K.  Nov.  Gen.  I.  288  t.  677  [1815]. 
C.  flavus  Schult,  fil.  in  Van  Hall  Bijdr.  IV.  134  (1829)  nach  Schult.  Syst, 
VII.  1533  [1830].  Cyclobothra  flava  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  1662  [1830])  mit 
gelben  Perigonblättern,    deren  äussere  ausseuseits  grün    sind    und    deren   innere 


>)    Von   [lay.QÖt;  gross  feig,   lang)   und   äö/iv  Drüse. 
8)  S.  I.  S.  274  Fussn.   1. 


Calochortus.  219 

unterwärts  mit  purpurnen  Haaren  bebartet  sind,  in  Mexico  heimisch,  in  Gärten 
gezogen. 

I.  Platijcärpus1)  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  302,  305  [1874]).      I. 
Frucht  länglich.  —  Zwiebelhäute  nicht  zerfasernd. 

*  C.  Nuttällii2).  2J_.  Stengel  meist  2,5 — 4  dm  hoch.  Blätter  schmal  linea- 
lisch, tief  rinnig.  Blüthen  einzeln  oder  bis  4  doldig  gestellt.  Blüthen  auf- 
recht, tief  trichterförmig.  Aeussere  Perigonblätter  lanzettlich,  spitz, 
gelblich  mit  hellem  Rande,  etwas  purpurn  gefleckt;  innere  bis  3,5cm  lang,  aus 
keilförmigem  Grunde  breit  verkehrt-eiförmig,  stumpf,  strohgelb,  mit  schwach 
violetten  Mittelstreifen ,  an  der  Honiggrube  über  dem  Grunde  gelb  bis  gelbbraun, 
bärtig,  darüber  mit  einem  violetten  Quer  bände. 

In  den  Rocky  Mountains  heimisch,  bei  uns  eine  sehr  schöne,  in  der  Blüthe 
lebhaft  an  manche  0»o<Aera-Arten  erinnernde  Zierpflanze.    Bl.  (bei   uns)  Juni,  Juli. 

G.  Nuttallii  Torr.  u.  Gray  Pacif.  Rail.  Rep.  II.  124  (1855/6).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIV.  306  (1874).  Fritülaria  alba  Nutt.  Gen.  North  Am.  I.  222  (1817). 
C.  luteus  Nutt.  Journ.  Acad.  Phil.  VII.  51  (1834)  nicht  Dougl.  G.  albus  Hort.  Berol. 
Notizbl.  Bot.  Gart.  Mus.  II.  318  (1899)  nicht  Dougl. 

II.  Maripösa3)   (Wood  Proc.  Philad.  Ac.  Nat.  Sc.   1868.  168.     Baker  Journ.      II. 
Linn.    Soc.   Xlv.    303,    309    [1874]).      Frucht    eine    schmale    schotenähnliche 
Kapsel.     Zwiebelhäute  nicht  zerfasernd. 

Ausser  der  unten  erwähnten  Art  in  Gärten  mitunter  noch:  G.  liiteus 
(Dougl.  in  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  1567  [1833])  mit  lang  zugespitzten,  fast  ge- 
schwänzten äussereren  und  lebhaft  orangegelben  stumpfen  inneren  Perigon- 
blättern, in  Californien  heimisch.  —  C  macrocärpus*)  (Dougl.  Hort. 
Trans.  VII.  276  t.  8  [1830])  gross  mit  sehr  grossen  Blüthen,  derben  lang 
zugespitzten  äusseren  und  zugespitzten  blauen  inneren  Perigonblättern ,  in 
Britisch  Columbien  und  den  westlichen  Rocky  Mountains  heimisch.  —  Der 
sehr  ähnliche  C.  splendens  (Dougl.  Benth.  Trans.  Hort.  Soc.  new  ser.  I.  411 
[1835])  hat  kaum  zugespitzte  innere  Perigonblätter,  Californien.  —  Beide 
Arten  mit  sehr  schmalen  Blättern  und  alle  Arten  dieser  Gruppe  mit  grossen 
Blüthen. 

*  C.  venüstus.  QJ..  Stengel  meist  3 — 6  dm  hoch.  Blätter  schmal-linealisch. 
Blüthen  aufrecht.  Aeussere  Perigonblätte  r  breit-lanzettlich,  mit  langer  schwanz- 
artiger Spitze,  kelchartig,  innere  aus  keilförmigem  Grunde  breit- verkehrt-eiförmig, 
abgerundet,  hellviolett  bis  weisslich,  am  Grunde  lebhaft  gelb  bis  orange- 
gelb behaltet,  darüber  mit  rothbraunen  Punkten. 

In  Californien  heimisch.     Bl.  (bei  uns)  Juni,  Juli. 

C.  venüstus  Benth.  Trans.  Hort.  Soc.  new  ser.  I.  412  t.  15  fig.  3  (1835). 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIV.  310  (1874).  Selten  sind  Formen  mit  citrouengelben 
Perigonblättern  (var.  citrinus  Baker  a.  a.  O.   [1874]). 


i )  Von    jiAaivs   breit    und    nagnog    Frucht. 

2)  S.  I.  S.  403  Fussn.  3.  Genauere  Daten  *  5.  Jan.  1786  Long  Preston, 
Settle,  Yorkshire,  f  10.  Sept.  1859  St.  Helen's  Lancashire,  ursprünglich  Buch- 
drucker, wanderte  1807  nach  Nord-America  aus,  bereiste  das  Prairiegebiet  und  die 
Hawai-Inseln,  1834—42  Professor  der  Botanik  an  der  Harvard-University,  Cam- 
bridge, Mass.  Sein  Herbar  befindet  sich  im  British  Museum  (Britten  u.  Boulger 
J.  of  Bot.  XXVIII.  90). 

S)  Nach  dem  Fundorte  in  Californien,  Hauptort  der  gleichnamigen  Grafschaft. 

4)  Von  fiaxQÖg  lang,  gross  und  kciqtios  Frucht. 


J_i  i  Liliaceae. 


2.  Tribus. 


SCILLEAE. 

(Rchb.  Consp.  65  [1828].    Nat.  Pfl.  II.  5.  63.    Dalla  Torre  u.  Harms 

Gen.  siph.   67.) 

S.  S.  170.  Kleinere  bis  ansehnliche  Zwiebelgewächse,  mit  nur 
grundständigen  Laubblättern.  Bliithen stand  eine  endständige  Traube. 
Blüthen  einzeln  in  den  Achseln  von  Hochblättern,  die  obersten  Hoch- 
blätter mitunter  ohne  oder  mit  unfruchtbaren  Blüthen,  dann  einen 
Schopf  bildend.  Blüthenstiele  oft  im  unteren  Theile  mit  Vorblättern. 
Perigonblätter  getrennt  oder  verbunden,  meist  alle  etwa  gleichlang  (vgl. 
jedoch  Lachenalia),  gefärbt,  blumenblattartig.  Staubblätter  am  Grunde 
oft  mehr  oder  weniger  mit  den  Perigonblättern  verbunden.  Staubbeutel 
an  ihrem  Rücken  an  den  Staubfäden  befestigt.  Fruchtknoten  mit  2 
bis  mehreren  Samenanlagen  in  jedem  Fache.  Frucht  eine  fachspaltige 
Kapsel.     Samen  zusammengedrückt  bis  fast  kugelig. 

In  Europa  nur  unsere  Gattungen. 

Uebersicht   der    Gattungen. 

A.  Perigonblätter  getrennt  oder  doch  nur  ganz  am  Grunde  verbunden. 
I.  Staubfäden    fadenförmig   oder   doch    nur   am    Grunde   verbreitert. 

Perigonblätter  glockig  zusammenneigend  oder  abstehend. 

a.  Blüthenstand  an  der  Spitze  nicht  mit  einem  Schopf  von  Hoch- 
blättern  abschliessend. 

1.  Pflanze  (bei  unserer  Art)  gross.    Zwiebel  sehr  gross.    Blüthen- 
stengel  fast  stets    über  0,5  m  hoch.  Urginea. 

2.  Pflanze  klein  bis   mittelgross.     Zwiebel    meist   ziemlich   klein. 
Blüthenstengel  fast  stets   nur   1 — 2  dm  hoch.  Scilla. 

b.  Blüthenstand  an  der  Spitze  mit  einem  Schopf  von  Hochblättern 
abschliessend.  Perigonblätter  abstehend.  Staubfäden  am  Grunde 
verbreitert.  Euconiis. 

II.  Staubfäden  in  ihrer  ganzen  Länge  flach.  Blüthenstand  eine  Traube 
oder  doldenartig.  Blüthen  gestielt.  Perigonblätter  abstehend  oder 
zusammenneigend.  Ornithogalum. 

B.  Perigonblätter  verbunden. 
I.  Grundblätter    massig   oder    ziemlich    zahlreich.     Perigonabschnitte 

ziemlich  gleichlang, 
a.   Perigonabschnitte  so  lang  oder  länger  als  die  Perigonröhre. 

1.  Staubfäden   pfriemlich. 

a.  Blüthen  gross,  weiss,  hängend.  Galtonia. 

b.  Blüthen   mittelgross,  aufrecht  oder  abstehend.  üipeadi. 

2.  Staubfäden  alle  oder  3  blumenblattartig.     Blüthen  klein  oder 
mittel  gross,   meist  blau. 

a.  Staubblätter  frei.  Cliionodoxa. 


Urginea.  221 

b.  Staubblätter  verbunden.  Puschkinia. 

b.  Perigonabschnitte  kürzer  als  die  Perigonröhre. 

1.  Perigon  trichterförmig   oder  glockig  bis  cylindrisch,    oberwärts 
nickt  zusammengezogen.  Hyacinthus. 

2.  Perigon  kugelig  oder  krugförmig,  oberwärts  stets  deutlich  zu- 
sammengezogen. Muscari. 

IL  Pflanze  meist  nur  mit  2  (bis  wenigen)  meist  wagerecht  abstehenden 
breiten  Blättern.  Aeussere  Perigonabschnitte  viel  kürzer  als  die 
inneren.  Lachenalia. 


170.  URGINEA1). 

(Steinheil  Ann.   sc.  nat.  2  ser.  I.  321   t.  4  [1834].    Nat.  Pfl.   IL  5.  65. 
Squilla2)  Steinh.  a.  a.  O.  VI.  276  [1836]). 

S.  S.  220.  Meist  ziemlich  kleine  bis  ansehnliche  Kräuter  mit 
schmalen  oder  (bei  uns)  mit  ziemlich  breiten  Blättern.  Blüthenstand 
meist  eine  reichblüthige  endständige  Traube.  Hochblätter  meist  dünn, 
oft  fast  gespornt.  Blüthen  ziemlich  klein.  Perigonblätter  ziemlich 
gleichlang,  ein-  bis  wenignervig,  glockig-zusammenneigend  oder  zuletzt 
spreizend  bis  zurückgeschlagen,  weisslich  (selten  gelb).  Staubfäden  ver- 
längert, fadenförmig  mit  länglichen  Staubbeuteln.  Fruchtknoten  sitzend, 
eiförmig,  mit  mehreren  Samenanlagen  in  jedem  Fache.  Griffel  oft  ge- 
knickt oder  herabgebogen.  Kapsel  kugelig  oder  länglich  tief  3  furchig. 
Samen  am  Rande  mehr  oder  weniger  geflügelt,  braun-schwarz. 

Gegen  30  Arten  im  tropischen  und  südlichen  Africa,  wenige  in  Süd- Asien  und 
im  Mittelmeergebiet.  In  Europa  ausser  unserer  Art  noch:  U.  fugax  (Steinh.  Ann. 
sc.  nat.  II.  1.  328  [1834].  Anthericum  fugax  Moris  El.  1.46  [1827]  Scilla  fugax 
Nyman  Syll.  369  [1854 — 55])  in  Corsica  uud  Sardinien. —  U.  unduldta  (Steinh. 
a.a.O.  330  [1834].  Scilla  undulata  Desf.,Fl.  Atl.  I.  300  [1798])  in  Corsica,  Sar- 
dinien und  Nord-Africa.  S.  antherico'ides  (Kunth  Enum.  pl.  IV.  338  [1834] 
Scilla  anthe'ricoides  Desf.  a.  a.  O.  301   [1798])  in  Spanien  und  Nord-Africa. 

828.  U.  maritima  (Meer-  oder  Mäusezwiebel;  franz.  Scille;  it.: 
Squilla,  Sculla  marina,  Esquilla  im  ligur.  Dialekt  nach  Penzig;  kroat.: 
Divja  Kapulla ;  russ. :  MopcKofi  JlyKt).  2\-.  Zwiebel  grösstentheils 
aus  dem  Boden  hervorragend,  sehr  gross,  bis  etwa  1,5dm 
im  Durchmesser,  mit  ziemlich  dünnen  braunrothen  Häuten.  Stengel 
aufrecht,  meist  0,5 — 1  m  hoch,  oft  roth  überlaufen.  Blätter  erst  nach 
der  Blüthezeit,  im  Frühjahr,  entwickelt,  zahlreich,  zu  10 — 20,  breit- 
lanzettlich,  graugrün,  kahl.  Blüthenstand  dicht  (bis  über  4  dm  lang). 
Blüthenstiele    bis    fast  2  cm  lang,    in  der  Achsel  eines  fast  gespornten 


')  Nach  dem  Stamme  der  Beni  Urgin  in  Algerien  in  der  Nähe  von  Bona. 
Die  Ableitung  von  urgeo  ich  dränge,  wegen  der  zahlreichen  flachgedrückten  Samen, 
beweist,  wie  nahe  die  Versuchung  liegt,  die  Lücken  des  Wissens  durch  freie  Er- 
findung auszufüllen. 

2)  2xlAAa,  lateinisch  scilla,  auch  squilla,  Name  der  U.  maritima  bei  den 
Griechen  und  Römern. 


222  Liliaceae. 

Tragblattes.  Perigonblatter  länglich,  bis  8  mm  lang,  einnervig,  weiss- 
lieh,    grünlich-purpurn    nvkielt.     Staubfäden  am  Grunde  flach. 

In  den  Küstengebieten  des  Mittelmeeres.  Im  Gebiete  nur  in  der 
Provence:  Toulon,  Hyeres;  an  der  Riviera:  Monaco,  Mentone,  und  in 
Dalmatien:  Sebenico,  Spalato,  Ragusa,  Cattaro,  Budua  und  auf  der 
[nsel  Lassa  Nicht  selten  in  Gärten,  im  nördlichen  Gebiete  nur  in 
Blumentöpfen,  häufig  bei  Landbewohnern  im  Zimmer.    Bl.  Sept. — Oct. 

U.  maritima  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  221  (1873).  Richter 
PI.  Eur.  I.  218.  Scilla  maritima  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  308  (175B). 
Rchb.  Ir.  X  i  <  CCCLXVI  fig.  1018.  Stelläris  Scilla  Moench  Meto. 
:5h  I  (1794).  Ornithögalum  marüimum  Brot.  Fl.  Lus.  1.533(1804). 
Ornithogalum  Squilla  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  918  (1806).  Scilla 
laneeoläta  Viv.  App.  alt.  fl.  Cors.  prodr.  3  (1830).  Urginea  Scilla 
Steinh.  Ann.  sc.  nat.  2.  ser.  I.  321  (1834).  Nyman  Consp/728.  Suppl. 
3»).").    Squilla  maritima  Steinh.  Ann.  sc.  nat.  2.  se>.  VI.  276  (1836). 

Wird  wegen  der  grossen,  aus  der  Erde  hervorragenden  Zwiebel  häufig  mit 
einigen  siidafricanischen  Ornithogalum-Arten  verwechselt,  ist  aber  durch  die  braun« 
rothen,  nicht  grünlichen  und  weisslichen  Zwiebelhäute  und  die  fadenförmigen  Staub- 
fäden leicht  zu  unterscheiden. 

Im  südlichen  Mittelmeergebiet  einigermaassen  veränderlich  besonders  in  der 
Gestalt,  Grösse  und  Farbe  der  Zwiebel  (die  Form  mit  rothbrauner  oder  purpurner 
Zwiebel  wird  für  den  Arzneigebrauch  vorgezogen).  Die  Formen  sind  meist  von 
Jordan  und  Fourr.  (Ic.  t.  201  —  204)  abgebildet.  In  Europa  sind  davon  be- 
merkenewerth :  B.  insuldris  (Richter  PI.  Eur.  J.  218  [1890].  Squilla  insularis 
Jord.  u.  Fourr.  Ic.  t,  203  [1866  —  68])  in  Corsica.  C.  litordlis  [lütoralü  Richter 
a.  a.  O.  [1890].  Squilla  litoralis  Jord.  u.  Fourr.  Ic.  t.  204  [1866—68])  in  Sicilicn. 
—  D.  panerdtion^)  (Richter  a.a.O.  [1890].  Squilla  Pancraiion  Steinh.  Ann. 
sc.  nat.  IL  6.  279  [1834].  Scilla  Pancration  Nyman  Syll.  369  [1855].  Urginea 
Pancraüon  Nyman  Consp.  729  [1882])  auf  der  Insel  Malta. 

Off.  Die  in  Streifen  zerschnittenen  und  getrockneten  mittleren 
Zwiebelschalen,  Bulbus  Scillae,  Scilla,  Scille  (bulbe)  Ph.  Austr.,  Belg., 
Galt,  Genn.,  Helv.,  Hung.,  Neerl.,  Rom.,  Russ. ;  enthalten  die  wirk- 
samen  Bestandteile  Scillitoxin  (Glykosid  Scillain)  und  Scillipikrin. 

Die  giftigen  und  arzneiliehen  Wirkungen  der  von  Dioskorides  (II.  202) 
und  PI  in  ins  (XIX,  30)  ausführlich  besprochenen  Pflanze  waren  schon  im  Alter- 
thuin  wohl  bekannt.  Man  glaubte  und  glaubt  an  der  Riviera  noch  heut,  dass  sie 
angepflanzte  Bäume,  besonders  Feigen  und  Granaten,  vor  Ungeziefer  schütze.  Viel- 
leicht hängt  damit  die  seltsame  Sitte  zusammen,  dass  in  Tripolitanien  und  an  der 
Grenze  von  Aegypten  und  Palästina!!  die  die  Scheiden  der  Aecker  bildenden  Wälle 
mit  der  Meerzwiebel  bepflanzt  werden.  —  Die  Zwiebel  enthält  ausser  den  genannten 
wirksamen  Stoffen  auch  viel  Pflanzenschleira  (Sinistrin),  der  leicht  in  La  vu  lose  über- 
geht Sie  wurde  daher  in  Griechenland  mit  Erfolg  zum  Branntweinbrennen  benutzt 
(v.  Held  reich  N'utzpfl.  7).  Die  Ansicht,  dass  die  Schärfe  der  Zwiebel,  welche 
frisch  die  Haut  röthet,  nur  von  den  darin  reichlich  enthaltenen  Rhaphiden  herrühre, 
wird   von   Lewin  (Toxikologie  2.  Aufl.  387)  bestritten.    Vgl.  II.  2.  371   unter  Arrae. 

(Languedoc;  Iberische  Halbinsel;  Italien  einschliesslich  der  Inseln; 
Balkanhalbinsel;   Klein-Asien;  Syrien;  Nord-Africa;  Canarische  Inseln.) 

Fl 

')  nayy.Qdtiov ,  Name  eines  der  ov.iXXa  ähnlichen  Zwiebelgewächses  bei 
Dioskorides  (II.  203). 


Urginea.     Dipcadi.  223 

171.    DIPCADI1). 

(Medic.  Act.  Acad.  Theod.  Palat.  VI.  Phys.  431  [1790].  Nat.  Pfl. 
II.  5.  66.  Zuccängnia2)  Thunb.  Nov.  gen.  pl.  IX.  127  [1798].  Zuc- 
cägnia2)  Thunb.  Rom.  Arch.  II.  1.  2  [1799]  nicht  Cav.  Uropetalum3) 
Ker-Gawler  Bot.  Reg.  t.  156  [1816].  Polemännia*)  Bergius  in  Schlechtd. 
Linnaea  I.  250  [1826]). 

S.  S.  220.  Mittelgrosse  Kräuter  mit  meist  schmalen  bis  massig 
breiten  linealischen,  ziemlich  dicken  Blättern,  in  der  Tracht  an  Hya- 
cinthus  erinnernd.  Blüthenstand  eine  lockere  Traube.  Blüthen  auf- 
recht oder  abstehend.  Perigonröhre  cylindrisch,  oberhalb  des  Frucht- 
knotens etwas  zusammengezogen,  mit  etwa  2 — 3  mal  so  langen  ab- 
stehenden äusseren  und  aufrechten  inneren  Abschnitten.  Staubblätter 
am  Schlünde  der  Röhre  entspringend,  mit  über  dem  Grunde  ange- 
hefteten Staubbeuteln.  Narbe  3  seitig  oder  3  spaltig.  Fruchtknoten  mit 
je  12 — 20  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Frucht  eine  fast  kugelig- 
stumpf-dreikantige fachspaltige  Kapsel.    Samen  flach  zusammengedrückt. 

Zerfällt  in  2  Sectionen,  von  denen  in  Europa  nur 
A.    Tricharis5)   (Salisb.  Gen.  pl.  24  [1866]  als  Gatt.    Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XI.  396  [1871]  als  Sect.).    Aeussere  und  innere  Perigon- 
abschnitte  gleichlang. 

10  Arten  in  Africa  und  Süd-Asien,  in  Europa  ausser  unserer  Art  noch 
I).  fulvum  (Webb  u.  Berth.  Phytogr.  Canar.  III.  340  [vor  1847].  Hyacinthus 
Julvus  Cav.  Anal  cienc.  nat.  III.  47  [1801].  Uropetalum  hourgaei&)  Nyman 
Consp.  731  [1882].  Dipc.  serotinum  b)  fulvum  Richter  PI.  Eur.I.  218  [189u]) 
auf  der  Iberischen  Halbinsel,  die  unserer  Art  sehr  nahe  steht. 

829.  D.  serotinum.  2J-.  Zwiebel  eiförmig,  bis  etwa  3  cm  dick, 
mit  weisslichen,  bräunlichen  bis  oberwärts  schwärzlichen  Häuten.  Stengel 
ziemlich  dünn,  meist  1 — 2  dm  hoch,  seltener  höher.  Blätter  schmal- 
linealisch,  oberwärts  zugespitzt,  kürzer  als  der  Stengel.  Blüthenstand 
locker,  einerseitswendig,  meist  ziemlich  arm-  (3 — 8-),  seltener  bis 
über  20blüthig.  Hochblätter  lanzettlich  zugespitzt,  meist  etwas  kürzer 
als  die  Blüthenstiele.  Blüthenstiele  meist  nicht  halb  so  lang  als 
das  gelbe  bis  etwas  orangefarbene  Perigon.  Perigon- 
abschnitte  linealisch  -  lanzettlich ,  stumpf  und  an  der  Spitze  etwas 
verdickt,    etwa   3mal  so    lang   als    die  Röhre.      Staubfäden  sehr 


')  Orientalischer  Name  vom  Muscari- Arten  bei  de  l'Obel. 

'<*)  Nach  Attilio  Zuccagni,  *  10.  Jan.  1754  f  21.  Oct.  1807  Florenz,  Director 
des  Botanischen  Gartens  und  Museums  daselbst,  Verf.  von  Synopsis  pl.  horti  Flor. 
Flor.  1806.  Centuria  prima  observat.  pl.  hört.  Flor.  Flor.  1806  (Saccardo  I.  177 
II.   116). 

8)  Von  ovqü  Schwanz  und  jieiaÄov  Blumenblatt  wegen  der  laugen  Perigon- 
abschnitte. 

4)  Nach  C.  P.  H.  Polemann,  Apotheker  in  Capstadt,  der  Borgius  bei 
seinen  Excursionen  unterstützte. 

ö)  Die  Bedeutung  dieses  Namens  lässt  sich,  da  Salisbury  seine  Benennungen 
nie  erklärte,   höchstens  vcrmuthen:   Von   vgl-  drei  und   #ao<£   Reiz,   Zierde. 

6)  S.  II.   1   S.  344  Fussu.  2. 


224  Lilhiceae. 

kurz,  kürzer  als  die  Staubbeutel  Griffel  länger  als  der  Fruchtknoten. 
Narbe  kopfig  oder  3  spaltig.  Frucht  gross,  bis  über  1cm  lang  und 
breit,  am  Grunde  etwas  verschmälert,  an  der  Spitze  niedergedrückt, 
Btachelspitzig.     Samen  klein,  schwarz,  schmal  geflügelt. 

Auf  steinigen  Hügeln,  an  Abhängen,  auf  Felsen  im  Mittelmeer- 
gebiet. Bisher  nur  im  unteren  Rhönegebiet;  in  den  Departements  Dröme 
und  Bouches-du-Rh6ne :  Nyons,  Ancelon  au  Devez,  zwischen  Barbentane 
und  Boulbon  (St.  Lager  Cat.  697).     Bl.  Juli,  August. 

D.  serotinnm  Medic.  Act.  Acad.  Theod.  Palat,  VI.  Phyr.  431 
(1790).  Richter  Fl.  Eur.  I.  218.  Hyacinthns  serotinns  L.  Spec.  pl. 
ed.  1.  317  (1753).  Albüca1)  minor  Gled.  Act,  Berol.  1796.  6t. 
Lachenälia  seroti)ta  Wühl.  Spec.  pl.  IL  175  (1799).  Hyacinthns 
lividus  Pers.  Syn.  I.  376  (1805).  Uropetahan  serotinnm  Ker-Gawl. 
Bot.  Reg.  t.  156(1816).  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  183.  Nyman 
Consp.  731.    Suppl.  306.    Tricharis  serotina  Salisb.  Gen.  24  (1866). 

(Iberische  Halbinsel;  Pyrenäen;  Languedoc;  Ligurien;  westl.  Nord- 
Africa;  Canarische  Inseln.)  ~j 


172.    SCILLA*). 

(L.  Gen.  pl.  [ed.  1.  95]  ed.  5.  146  [1754]  z.T.  Baker,  Journ.  Linn. 
Soc.  XIII.  228  [1873].  Nat.  Pfl.  II.  5.  66.  Hyacinthoides  Medic.  in 
Usteri  Ann.  Bot.    IL   9    [1791].     SteUäris   Dill,    nach    Moench    Meth. 

303  [1794]  z.  T.) 

(Blaustern,    Sternhyacinthe ;    böhm.:    Ladonka;    kroat. :    Kapula;    russ. : 
Pacrb;  ung. :  Csilla.) 

S.  S.  220.  Meist  niedrige  bis  mittelgrosse  Kräuter,  in  der  Tracht 
Hyacinthns  ähnlich,  doch  die  obersten  2  Blätter  der  Zwiebel  meist 
schuppenartig.  Das  oberste  trägt  in  seiner  Achsel  die  Hauptknospe,  das 
vorletzte  oft  einen  seitlichen  Blüthenstand  wie  das  oberste  Laubblatt. 
Pflanze  kahl.  Blätter  linealisch,  seltener  breiter.  Blüthenstand  meist 
eine  Traube.  Blüthen  mittelgross,  meist  (himmel-)  blau.  Perigonbläittr 
abstehend  oder  etwas  glockenförmig  zusammenneigend,  abfallend,  öfter 
länger,  seltener  ganz  bleibend.  Staubfäden  etwas  flach,  pfriemenförmig, 
am  Grunde  mehr  oder  weniger  mit  den  Perigonblättern  verbunden. 
Staubbeutel  auf  der  Rückenseite  befestigt,  Samenanlagen  wenige,  meist 
nur  1 — 2  (seltener  8 — 10)  in  jedem  Fache  des  Fruchtknotens.  Griffel 
fadenförmig.  Narbe  stumpf.  Kapsel  fast  kugelig,  stumpf  dreikantig. 
Samen  rundlich  oder  länglieh,   schwarz  oder  braun. 

Gegen  100  Arten  in  den  gemässigten  Zonen  der  Alten  Welt.  Zerfällt  in  3 
Sectionen,  von  denen  in  Europa  nur  unsere  beiden. 


i)  Die  Tropisch-  und  Süd-Africanische  Gattung  Albuca  (L.  Sp.  pl.  ed.  2.  438 
[1762])  steht  neben  Urginca.  Der  Name  bedeutet  bei  den  römischen  Classikern 
den   Blütheasteogel  von  AsphodelvA. 

•i)  S.  S.  221    Fussn.  2. 


Dipcadi.     Scilla.  225 

A.  Eu Scilla  (Baker  in  Saund.  Ref.  Bot.  III.  App.  5  [1870].  Journ. 
Linn.  Soc,  XIII.  233  [1873].  Bamärdia1)  Lindl.  Bot.  Reg.  t.  1029 
[1826]  erw.  Stellärü  Steinheil  Ann.  Sc.  nat.  2  ser.  VI.  286  [1836]. 
2<s6  veränd.  Nectaroscilla2)  Pari.  Nuov.  gen.  e  sp.  Monoc.  27 
[1854]  veränd.  Adenoscilla3)  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  187 
[1855].  Caloscilla4)  Jord.  u.  Fourr.  Icon.  pl.  IL  14  t.  245  [1869]). 
Perigonblätter  bereits  vom  Grunde  an  abstehend.  Staubfäden  alle 
am  Grunde  der  Perigonblätter  entspringend,  nur  wenig  verbunden. 
Fruchtknoten  sitzend  oder  sehr  kurz  gestielt. 

Ueber  40  Arten  meist  im  Mittelmeergebiet,  in  Europa  ausser  unseren 
Arten  noch:  iS'.  Cupdni's)  (Guss.  Fl.  Sic.  prodr.  I.  416  [1827J.  Ornühogalum 
eoenileum  Raf.  Car.  85  [1810]?  Scilla  Cupanidna  Rom.  u.  Schult.  Syst.  VII. 
559  [1820])  in  Sicilien.  —  <S.  Vincentina^)  (HofFmannsegg  u.  Link  Abh.  Ges. 
Nat.  Fr.  Berl.  IV.  17  [1803].  S.  mauritdnica  Schousb.  Marokk.  I.  154  [1800]? 
iS'  Alvesiänal)  Welw.  nach  Nyman  Consp.  729  [1882])  auf  der  Iberischen 
Halbinsel  und  in  Nord-Africa.  —  Die  fragliche  S.  Lusitanica  (L.  Syst.  nat. 
ed.  12.  II.  243  [1767])  in  Portugal.  —  S.  odordta  (HofFmannsegg  u.  Link 
a.a.O.  [1803])  auf  der  Iberischen  Halbinsel. —  S.  Mess  enica  (Boiss.  Diagn. 
pl.  Or.  ser.  1.  VII.  110  [1846])  in  Griechenland.  —  S.  intermedia  (Guss. 
Prodr.  Fl.  Sic.  I.  417  [1827].  S.  obtusifölia  Moris  Stirp.  I.  47  [1827]  ob  Poir.? 
S.  obtusifölia  b)  intermedia  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  235  [1873])  in 
Sicilien,  Sardinien  und  Corsica. 

I.  Blüthenstand  stets  vielblüthig,  doldenähnlich,  die  unteren  Blüthen- 
stiele  verlängert  aufwärtsstrebend.    Pflanze  mit  Blättern  blühend. 

S.  Peruviana.  9[ .  Zwiebel  ziemlich  gross,  eiförmig,  bis  über  7  cm  dick, 
mit  zahlreichen  bräunlichen  bis  schwärzlichen  Häuten.  Stengel  kräftig,  meist  1,5 
bis  3  dm  hoch  und  höher,  selten  niedrig.  Blätter  breit-länglich-linealisch,  bis  über 
3  cm  breit,  beiderseits  verschmälert,  spitz ,  an  den  Rändern  dicht  kurz  weiss  ge- 
wimpcrt.  Blüthenstand  dicht,  vielblüthig,  oft  mit  50  bis  über  100  Blüthen, 
zu  Anfang  deutlich  doldig,  zuletzt  verlängert,  sehr  breit.  Hochblätter  einzeln,  lang- 
Bchmal-linealisch,  weiss,  bleibend,  2/s  so  lang  bis  länger  als  die  Blüthenstiele.  Untere 
Blüthenstiele  bis  über  7  cm  lang.  Perigonblätter  lanzettlich,  bis  über  1  cm  lang, 
bis  4  mm  breit,  blau-  bis  röthlich-lila  oder  weiss,  mit  gelben  oder  grünlichen  Mittel- 
streifen. Staubblätter  lanzettlich,  bis  etwa  2,3  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Frucht- 
knoten in  jedem  Fache  mit  4 — 6  Samenanlagen.  Frucht  breit,  fast  rundlich-ei- 
termig,  zugespitzt. 

Im  südlichen  Mittelmeergebiet  in  Italien,  Sardinien,  (Corsica?),  Spanien,  Nord- 
africa,   Madeira  heimisch,   bei   uns  nicht  selten  in  Gärten.     Bl.   Mai,  Juni. 

S.  peruviana  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  309  (1753).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII. 
240  (1873).  Richter  PI.  Eur.  I.  220.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXV  fig.  1017.  S.  co- 
vmla  HofFmannsegg  Verzeichniss  Pflanzenk.  111  (1824).  Ornithogalum  specidsum  Raf. 
Caratt.  85  (1810).   S.  sicula  Tineo  in  Guss.   Fl.  Sic.  Syn.  II.  813  (1844).    Pari.  Fl.  It. 


i)  Nach  Edward  Barnard,  *  1786  f  1861,  Vieepräsident  der  Royal-Horti- 
cultural  Society  in  London  (B  ritten  u.  Boulger  Journ.  of  bot.  XXVI.  87). 

2)  Von  viuiaq  s.  S.  94  Fussn.   1   und  Scilla. 

3)  Von  ädi)v   Drüse  und  Scilla,    wegen    des  Samenanhängsels   der    S.    bifolia. 

4)  Von  xaAög  schön  und  Scilla. 

5)  S.  II.   1.  S.  284  Fussn.   1. 

6)  Nach  dem  Fundort  Cabo  S.  Vicente,  der  SW. -Spitze  von  Portugal. 

7)  Nach  Bento  Antonio  Alves,  Gärtnereibesitzer  in  Lissabon,  auch  um  die 
Flora  Portugals  verdient,  dem  Welwitsch  (Ser tum  Angol.  in  Trans.  Linn.  Soc 
XXVII.  55  t.  XIX  [1809])   die  africanische  Labiatengattung  Alvesia  widmete. 

Ascherson  a.  Graebner,   Synopsis.  III.  15 


226  Liliaoeae. 

II.  461.    S.  Candida  »ins-.  Fl.  Sic.   II.  814  (1844).  S.  hemisphatriea i)  Boiss.  Voy. 

Esp.  ü:;    (1845).    S.    Viwdnii*)  Bertol.  Fl.    It.    X.  517    (1854),     S.  elongdta    Pari. 

Nu.iv.  gen.    -2  1    (1854).     Fl.  Iial.  II.    104.     Nyman    Consp.  729.     S.  ClusiiS)   Pari. 

Fl.  It.  II.  4 < '►  J  (1852).  Nyman  Consp.  729.    BaxaUoycton  ')  peruvianum  Salisb.  Gen. 

2G  /-'//-r^,/'' ' :> i  der  Gärten. 

Ziemlich   veränderlich.    An  trocknen  Orten  oft  kleine,  mitunter  fast  stengellose 

Exemplare,  in  unseren    Gärten   meist  üppige  grosse    Formen  in   reinen    Farben,  eine 

solche  ist  z.  B. 
B.  HughiiB)    (Richter  PI.  Eur.   I.  220    [1892]    vgl.  Baker  a.a.O.].    S.  Hughii 
Tin.    in    C-uss.    Prodr.    Fl.    Sic.    162    [1827].     Nyman    Consp.    729.     Caloscilla 
Hwjhh  Jord.  u.  Fourr.  Ic.  t.  '246  [1866  — tis]  .   Pflanze  gross.    Blätter  sehr  breit. 
Stengel   und   Hochblätter  oft  roth  überlaufen.  —  Sicilien ! 

Eine  Reihe  von  Formen  sind  von  Jordan  u.  Fourr.  (Ic.  t.  247 — 255 
[1866  —  68])  abgebildet  und  unter  dem  Gattungsnamen  Caloscilla  benannt.  — 
Auf    der    Iberischen  Halbinsel    noch    die  Rasse    C.  glabra    (Richter    PI.  Eur. 

I.  -220  [18901.    S.  glabra    Boiss.  Voy.  Esp.  613  [1845].    S.  Clusii  Pari.  Fl.  It. 

II.  462  [1852]). 

II.         IL  Blüthenstand  deutlich  traubig,    wenn    mehr   oder    weniger  dolden- 
förmig,  dann   wenig-  oder  ziemlich  wenig-  (nicht  über  20-)  blüthig. 
a,.  a.  Pflanze    im  Frühjahr    oder  Frühsommer    mit  Blattern    blühend. 

1,  1.  Hochblätter  im  Blüthenstande  fehlend  oder   einzeln    (nur   ein 

Tragblatt,    kein   Vorblatt  ausgebildet). 
a%  a.  Perigonblätter  stets  (meist  erheblich)  über  7  mm  lang,  wenn 

klein,  dann  sehr  zahlreiche  (meist  über  50)  Blüthen. 

2.  1.  Blüthenstand    vielblüthig,    meist    50-  bis  über  100  blüthig 

(vgl.  S.  lilio-hyacinthus). 

830.  (1.)  S.  hyacinthoides.  2[.  Zwiebel  gross,  bis  5  cm  dick, 
eiförmig,  meist  viele  Nebenzwiebeln  bildend,  daher  zahlreich  bei  ein- 
ander. Stengel  meisl  3—6  dm  hoch  oder  höher,  aufrecht.  Blätter  meist 
zu  8 — 12,  bis  fast  3  cm  breit,  dick,  allmählich  nach  dem  Grunde  ver- 
schmälert, nach  der  Spitze  plötzlich  verschmälert,  am  Rande  kurz  ge- 
wimpert.  Blüthenstand  bis  4  dm  lang,  sehr  reichblüthig.  Hochblätter 
sehr  klein,  dreieckig,  weisslich.  Blüthenstiele  bis  3  cm  lang,  zuletzt 
weit  abstehend,  meist  3 — 4  mm  länger  als  das  Perigon.  Perigonblätter 
länglich,  stumpf,  7  —  9  mm  lang,  blau  oder  etwas  lila,  an  der  Spitze 
schwach    behaart.      Staubblätter    fast    so    lang    als    die    Perigonblätter. 

')   f]f*ioq>aipi)t6s  halbkugelig,  wegen  des  Blüthenstandes. 

- ;  Nach  Domenico  Viviani,  *  29.  Juli  1772  Legnaro  Levanto  (Ligurien) 
f  15.  Febr.  1840  Genua,  Professor  der  Botanik  an  der  Universität  und  Director  des 
Botanischen  Gartens  daselbst,  hochverdient  um  die  Flora  Liguriens,  Corsicas  und 
Nord-Africas:  Voyage  scient.  dans  les  Appenins  de  la  Ligurie  Genes  1807.  'Flora« 
[talicae  fragm.  Cen.  1808.  Florae  Libycae  spec.  Geu.  1824.  Florae  Corsicae  pro- 
dromas.  Gen  1825 — '■>().  Sein  Libysches  Berbar  befiudet  sich  im  Botanischen  Garten 
in  Genua  (Saccardo  1.   173.  II."  113;. 

3)  S.  II.   1.  S.  441   Fussn.   1. 

•i)   „Basalt  nach  bar"  :   uns  i^t   nicht  bekannt,  dass  die  Art  Basalt  vorzieht. 

5)  Nach  der  Neapolitanischen  Adelsfamilie  der  Filangieri,  der  u.  a.  der  her- 
vorragende Juri>-t  Gaetano,  *  1752  f  178S,  und  sein  Sohn  Carlo,  Principe  di  Satriano, 
Duca  di  Taormina,    *   1784    f   1867,    General  und  liberaler  Staatsmann  angehörten. 

«)  S.   II.   1.  S.  623  Fussn.  4. 


Scilla,  227 

Fruchtknoten  mit  je  2  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Griffel  kürzer 
als  die  Staubblätter.     Frucht  kugelig,  bis  7  mm  lang. 

An  begrasten,  steinigen  Orten  nahe  der  Küste  nur  im  Mediterran- 
Gebiet:  Provence!  Riviera!  Dalmatien:  Sebenico;  Ragusa.  Das  Indigenat 
am  Garda-See  (Porta!)  und  bei  Verona  (Goiran)  wohl  zweifelhaft.  Bl. 
April,  Mai. 

S.  hyacinthoides  L.  Syst.  nat.  ed.  12.  IL  243  (1767).  Gren.  u. 
Godr.  Fl.  France  III.  186.  Nyman  Consp.  729.  Suppl.  305.  Richter 
PI.  Eur.  I.  219.  Rchb.  Ic.  X  t,  CCCCLXV  fig.  1016.  Scilla  eriö- 
phora1)  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8  no.  10  (1768).  Nectaroscilla  hya- 
cinthoides Pari.  Nuov.  gen.  Mon.  27  (1854).  Pröspero2)  hyacinthoi- 
(Uum  Salisb.  Gen.  28  (1866). 

Durch  die  sehr  zahlreichen  Blüthen  an  Muscari  erinnernd  und  leicht  kenntlich. 

(Iberische  Halbinsel ;  Italien  nebst  Sardinien  und  Sicilien ;  Balkan- 
halbinsel; Kreta;  Vorder- Asien ;  Nord-Africa.)  |lfj 

S.  lilio-hyacinthus  (L.  Spec.  pl.  ed.  1.  308  [1753].  Ornithogalum  squa- 
mdsum  Lam.  Fl.  Franc.  III.  274  [1778]),  der  vorigen  verwandt,  von  ihr  verschieden 
durch  weniger  (meist  nur  G— 20-)  blüthigen  Bliitheustand,  schmal-linealische  ver- 
längerte,  bis  fast  2  cm  lange  Hochblätter  und  etwas  grössere  Blüthen.  —  Im  west- 
lichen und  mittleren  Frankreich  und  im  nördlichen  Spanien  heimisch,  bei  uns  mit- 
unter in  Gärten. 

2.  Bliitheustand    wenig-    (kaum    bis    10-)    blüthig,    höchstens 
bei    der    angepflanzten,    nur    mit    einem    Laubblatte    ver- 
sehenen S.  monophylla  und  bei  Gartenformen  der  anderen 
Arten,  mitunter  erheblich  über   10  (bis   20). 
a.  Hochblätter  im  Blüthenstande  klein,  dreieckig  oder  läng- 
lich, oft  fast  fehlend. 

§  Blüthenstengel  meist  aus  jeder  Zwiebel  einzeln.  Blüthen- 
stiele  meist  länger  als  der  Querdnrchmesser  der  Blüthen. 

831.  (2.)  S.  bifölia  (Rossmäcken  in  Bayern,  Pappagrätli,  Stein- 
ächerli  in  der  Schweiz,  Stärnblümchen  in  Siebenbürgen;  it.:  Giacinto 
acceso;  nun.:  Viorele,  Zambila-de-cämp;  serb.:  IIpon,enaK,  Hmxcima).  %. 
Zwiebel  eiförmig  bis  fast  kugelig,  bis  fast  2  cm  dick.  Stengel  meist 
1  —  2dm  hoch,  stielrund.  Blätter  meist  2,  sehr  selten  3,  lebhaft 
grün,  breit-linealisch,  bis  über  1  cm  breit,  an  der  kappenförmigen  Spitze 
stumpf,  den  Stengel  etwa  bis  zu  seiner  Mitte  um  seh  1  ie  ss  end, 
in  ihrem  oberen  Theile  aufrecht  abstehend.  Bliitheustand  meist  2 — 6- 
(bis  8-)  blüthig.  Hochblätter  sehr  klein  oder  meist  unentwickelt. 
Blüthen  stiele  aufrecht  abstehend,  die  unteren  bis  2,5  cm 
lang,  mehrmals  länger  als  die  Blüthen.  Blüthen  etwas  klein.  Perigon- 
blätter  meist  8 — 10  mm  lang,  abstehend,  lebhaft  blau,  seltener  röthlich 
oder  weiss.  Staubblätter  etwa  2\$  so  lang  als  die  Perigonblätter,  am 
Grunde  zusammengedrückt.     Fruchtknoten    mit  5 — 6  Samenanlagen  in 


J)  iQi6<poQO£  wollt  ragend,   wegen  der  behaarten   Perigonblätter. 

-)  S.  S.  223   Fussn.  5.     Ob    uatih   dem   Herzog   in  Shakespeare's   „Tempest"  ? 

15* 


228  Liliaceae. 

jedem  Fache.  Griffel  kurz.  Frucht  kugelig,  meist  7 — 8  mm  lang, 
stumpf  3kantig.  Samen  am  Nabel  mit  einem  last  ebenso 
grossen   weissen   Anhängsel. 

Auf  Wiesen,  an  grasigen  Bangen,  Gebüschrändern,  in  Baumgärten, 
im  südlichen  Gebiet  meisl  Läufig  (steigt  in  Wallis  bis  900  m  [Jaccard 
349],  in  Tirol  bis  ca.  1400  m  [Sarnthein  br.])  im  mittleren  zerstreut, 
in  den  Flussthälern  weiter  nördlich  vordringend,  nördlich  bis  zur  Peliri- 
schen  Kalkzone,  Bonn!  (weiter  am  Rhein  abwärts  sehr  selten,  in  den 
Niederlanden  bei  Haarlem,  dem  Haag  und  auf  Walcheren),  Lohner 
Warte  bei  Soest!  Bleicherode  bei  Nordhausen,  Leisslingen  bei  Weissen- 
fels!  Nordböhmen  (an  der  Elbe!!  abwärts  bis  Dessau!),  Ratibor!  (Ojcöw 
im  südwestlichen  Polen,  seit  Besser  nicht  wieder  beobachtet),  Lem- 
berg!     Bl.   Mar/.,   April. 

S.  bifolia  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  302  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.825. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  239  (1873).  Nyman  Consp.  730.  SuppL 
306.  Richter  PI.  Eur.  I.  219.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXIV  fig.  1015. 
Ornithogalum  bifolium  Necker  Act.  Palat.  II.  40  (1770).  Anthcri- 
r/n)/  bifolium  Scop.  Fl.  Carn.  ed.  2.  I.  414  (1772).  Stellaris  bifolia 
Moench  M<tb.  304  (17i»4).  Scilla  dubia  K.  Koch  Linnaea  XIX.'  315. 
(1847).  Rinopödium1)  bifolium  Salisb.  Gen.  29  (1866).  AdenoseiUa 
bifolia  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  187  (1855).  S.  silvätica  Czetz 
Erd.  Mus.  VI.  20  (1872).  S.  amoena  Schur  Enum.  pl.  Transs.  668 
(1866)  nicht  L. 

In  der  Grösse,  der  Blattbreite,  Blüthenfarbe  und  -grosse  einigermaassen  ver- 
änderlich. —  In  Gärten  zahlreiche  Formen,  die  meist  durch  kräftigen  Wuchs  uud 
mehr  "der  weniger  zahlreiche  grosse  BKithen  abweichen.  Weniger  erhebliche 
Formeu   sind 

b.  bracteäta.      Tragblätter    der    unteren  Bliithen    bis  1cm    lang.  —  Nicht 
häufig.  —  S.  bifolia  ß.  bracteäta  Tomaschek  ZBG.  Wien  XVIII.  354  (1868). 
Balacsy  o.  Braun  Nachtr.  zur  Flora  NÖ.  :>4  (1882). 
•*.  ei' hm  (Beck   Flora   N<">.   176  [1890].     Perigon  purpurn.  —  Selten. 
;$.  nihil   (Heck  a.a.O.  [1890]).     Perigon  weiss.   —  Nicht  häufig. 
Bemerkenswert!]  sind 
B.  praecox.    Pflanze  in  allen  Theilen  grosser  und  kräftiger.    Zwiebel 
bis  i.i m   .'>  cm  dick.    Stenge]  höher.    Plätter  breiter,  bis  über  1  cm 
breit.      Blüthen stand    bis    über    10  blüthig.      Blüthenstiele    bis    fast, 
4  ein  lang.     Blüthen  etwas  grosser. 

In  Gärten  nicht  selten,  wildwachsend  in  Oesterreich?  Salzburg! 
(angepflanzt?)  Bosnien!  und  in  Siebenbürgen!  beobachtet. 

S.  bifolia  var.  praecox  Masters  Gard.  Chron.  1868.  516. 
L869.  4  7:;.  Paker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  239  (1873).  Richter 
IM.  Eur.  1.  220.  S.  praecox  Willd.  Sp.  pl.  II.  128  (1799).  Sweet 
Prit.  Flow.  Gard.  ser.  2  t.  141.  Schott  PZ.  IX  (1851)  283.  PI. 
Transs.   II  irb.   Schott,  no.  35. 

Von    wildwachsenden    Können   sind   unterschieden 
II.  Taürica.    Stenge]   l>is  3dm   hoch.     Blätter  meist  zu  3  —  5.     Hochblätter  im 
Blüthenstande  meist   deutlicher  entwickelt.    Blüthenstiele  meist  sehr  lang.  — 

1  i  Von  Qlg  Nase  ((-der  <;<;•>,  Feile  <.der  öivög  Haut?)  und  noig  Fuss  (Blüthen- 
Btiel).     Weshalb? 


Scilla.  229 

Im  Gebiete    bisher    nur    in    Siebenbürgen.  —  S.  bifolia    var.   Taurica  Regel 
Gartenfl.  IX  (1860)  373  t.  307.    S.  sublriphf/Ua  und  S.  trifolia  Schur  Enum. 
pl.  Transs.  G68  (18G6).  —  (Balkanhalbiusel ;  Krim.)  —  Hierzu  gehört 
b.   laxa  (S.  laxa  Schur  a.  a.  O.   [1866]).     Etwas   graugrün.     Blätter    so  lang 
wie  der  Stengel.      Blüthen    kleiner,    etwas   glockig,    sehr    lang    gestielt.  — 
Selten. 
III.  multifldra  (Schur  a.  a.  O.  668  [1866]).    Blüthenstand  ziemlich  vielblüthig. 
—   Selten. 

Zu   dieser    Basse    gehören    auch    eine    ganze  Reihe    von    Gartenformen, 
so  z.  B. 

b.  rosea  (Schur  Enum.  Syst.  Transs.  668  [1866].    S.  rdsea  Lehm.  Ind.  sein. 
Hamb.   1828.   17.    Nyma'n  Consp.  Suppl.  306).     Blüthen  röthlich. 

c.  v  irc scens  (der  Gärten).     Pflanze  lebhaft  grün.    Perigonblätter  mit  mehr 
oder  weniger  deutlichen  grünen  Mittelstreifen. 

d.  albiflora  (Schur  Enum.  pl.  Transs.  668  [1866],  z.  T.  der  Gärten).  Blüthen 
weiss. 

Durch  sehr  grosse  Blüthen  ist  ausgezeichnet 
b.  yrandifldra  (der  Gärten).  —  Sehr  schöne  Form. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Balkanhalbinsel!)  jljTj 

C.  nivalis.  Zwiebel  ziemlich  breit.  Stengel  meist  1  — 1,5  dm  lang, 
schlaff,  oft  hängend  oder  niederliegend.  Blätter  schmäler,  meist 
nicht  über  5  mm  breit,  oberwärts  öfter  etwas  verbreitert,  allmählich 
nach  dem  Grunde  verschmälert,  schlaff.  Blüthenstand  1 — 4blüthig, 
mit  sehr  kleinen  Hochblättern.  Die  obersten  Blüthen  oft  kürzer, 
die  unteren  meist  lang  gestielt.  Perigonblätter  länglich,  spitzlich, 
meist  nicht  über  6  mm  lang. 

Bisher  nur  in  der  alpinen  Region  der  Karpaten  Siebenbürgens 
sehr    zerstreut,  aber  wohl  weiter  verbreitet.     Bl.  August. 

S.  bifolia  y.  nivalis  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  239 
(1873).  Richter  PI.  Eur.  I.  220.  S.  nivalis  Boiss.  Diagn.  ser.  1. 
V.  63  (1844).  Xyman  Consp.  730.  Adenoscilla  nivalis  J.  Gay 
in  Bai.  PI.  Or.  no.  1321  nach  Baker  a.a.O.  (1873).  S.  minor 
K.  Koch  Linnaea  XIX.  9  (1846).  S.  alpitia  Schur  Enum.  pl. 
Transs.  668  (1866).  Nyman  Consp.  730.  S.  subnivalis  Nyman 
Consp.   730  (1882). 

Hierzu  gehört 
II.  Kladnii  H.      Blätter    oberwärts  verbreitert,    am  Grunde  stark   verschmälert. 
Blüthen   viel  kürzer  gestielt,    die  obersten    oft  fast  sitzend.   —    Bisher  nur  in 
Siebenbürgen  (und  auf  der  Balkanhalbinsel !).  —  S.  bifolia  C.  II.  Kladnii  A. 
u.  G.  Syn.  III.  229  (1905).    S.  Kladnii   Schur    Verh.    Sieb.    Ver.   1850.  39. 
Enum.    pl.    Transs.    668.    Nyman   Consp.    Suppl.    306.  —  So    kurz    gestielte 
obere  Blüthen    sahen    wir  auch    an  Boissi  er 'scheu  Exemplaren  der  Rasse. 
Schur  vergleicht  seine  Pflanze  deshalb  mit   S.  amocna,    trotz  des  einzelnen 
Blüthenstengels,  der  nur  2   Laubblätter  trägt. 
Hierher  gehört  wohl  auch 
III.  gracillima.     Schmächtig,   7 — 15  cm  hoch;    Blätter  schmal-lineal.      Traube 


i)  Nach  Friedrich  Kladni,  f  1871  Wien,  Apotheker,  früher  in  Hermann- 
stadt, um  die  Flora  Siebenbürgens  verdient.  Sein  werthvolles  Herbar  kaufte  185K 
der  Siebenbürgische  Verein  für  Naturwissenschaften  in  Hennaunstadt  (Simonkai 
XXII). 


290  Liliaceae. 

1  —  3blütbig.       Auf  dem  Butschetsch  in  den  südlichen  Siebenbürger  Karpaten. 
—  S.  bifolia  ß.  gracillima  Grecescu  Cousp.  Fl.  Rom.  5G5  (1896) 

(Verbreitung  der  Rasse:  Balkanhalbinsel;  Kleinasien.)  pjTj 

(Verbreitung der  Art:  Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien; 

Balkanhalbinsel;  Süd-Russland;  Kaukasus;  Kleinasien.)         ~% 

§§  Blüthenstengel  meist  mehrere  aus  einer  Zwiebel.  Hoch- 
blätter im  Blüthenstande  vorhanden,  klein.  Blüthen- 
stiele  (wenigstens  die  oberen  und  mittleren)  kürzer 
als  der  Querdurchmesser  der  Blüthen. 

832.  (3.)  {19.)  S.  amoena.  2J-.  Zwiebel  kugelig,  bis  fast  2  ein 
dick.  Stengel  meist  1  — 1,5  dm  lang,  kantig.  Blätter  meist  zu 
4 — 7,  lebhaft  grün,  breitdinealisch,  bis  1,5  cm  breit,  ziemlich  aufrecht, 
am  Grunde  den  Stengel  umfassend,  an  der  kappenförmigen  Spitze 
stumpf,  vielnervig,  meist  länger  als  der  Stengel.  Blütbenstand  eine 
sehr  lockere  Traube,  meist  2 — 6  blüthig.  Hochblätter  klein,  dreieckig, 
Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,  die  unteren  mitunter  1  >is 
fast  2  cm  lang.  Per  igo  nbl  ä  tt  er  lanzettlich,  bis  über  1  cm  lang 
und  3  mm  breit,  abstehend.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter.  Fruchtknoten  mit  je  0 — 8  Samenanlagen  in  den  Fächern. 
Frucht  fast  kugelig,  stumpf  dreikantig  mit  wenig  tiefen  Furchen.  Samen 
ohne  Anhängsel. 

Wirklich  einheimisch,  nirgends  mit  Sicherheit  bekannt  (die 
von  Kerner  Pflanzenleben  der  Donauländer  126  unter  diesem  Namen 
angegebene  Pflanze  der  Biharia  wurde  später  als  eine  üppige  S.  bifolia 
erkannt  ÖBZ.  XXVIII.  129,  130).  Wurde  wohl  erst  gegen  Ende  des 
16.  Jahrhunderts  aus  Constantinopel  in  die  Gärten  Mittel-Europas  ein- 
geführt, jetzt  nicht  allzu  häufige  Zierpflanze  (durch  die  folgende  ver- 
drängt !),  aber  in  alten  Gärten  und  Parks  und  in  deren  Nähe  vielfach 
verwildert;  völlig  eingebürgert  im  sudlichen  Gebiet,  z.  B.  Provence: 
Toulon;  Riviera:  San  Remo.  Verona.     Bl.  April,  Mai. 

S.  amoena  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  309  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  825. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  240  (1873).  Nyman  Consp.  730.  Suppl. 
306.  Richter  PI.  Eur.  I.  220.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXIV  fig.  1014. 
Orthocällis1)  amoena  Salisb.  Gen.  28  (1866). 

(Wirklieh  einheimisch  nirgends  bekannt;  in  der  Cultur  entstanden  ? 
verwildert   in   einem  grossen  Theile  Europas.)  "* 

*f  S.  Sibirica.  4.  Zwiebel  fast  kugelig,  bis  2  cm  dick.  Stenge] 
meist  1 — 2  dm  hoch,  zusammengedrückt,  einerseits  flach, 
andererseits  gewölbt,  Blätter  meist  zu  2 — 4,  lebhaft  grün,  breit- 
linealisch,  bis  über  1  cm  breit,  an  der  kappenförmigen  Spitze  spitzlich, 
meist  kürzer  als  der  Stengel.  Blüthenstand  1— 3blüthig.  Hochblätter 
klein.  Blüthenstiele  kurz,  weit  abstehend  oder  nickend.  Perigon 
etwa-   glockenförmig.      Perigonblätter   bis    fast   1,5  cm    lang 

i)  Von  ö(j&ös  gerade  und  v.üAAog  Schönheit. 


Scilla.  231 

und  4  mm  breit,  sehr  lebhaft  blau.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätfcer.   Fruchtknoten  mit  je  8 — 10  Samenanlagen  in  den  Fächern. 

Im  mittleren  und  südlichen  Russland,  bis  Kleinasien,  Kaukasus 
und  Vorderasien  heimisch,  bei  uns  beliebte  Zierpflanze  und  verwildert. 
Bl.   März,  April. 

S.  Sibirien  Andrews  Bot,  Rep.  t,  365  (1804).  Aschers.  Fl. 
Prov.  Bi'and.  I.  719.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  238  (1873). 
Richter  PI.  Eur.  I.  218.  S.  amoena  ß.  sibirica  Bot.  Mag.  t.  1025 
(18U7).  S.  cernua  Red.  Lil.  t.  298  (1809).  M.  Bieb.  Fl.  Taur.  Cauc. 
III.  260.  S.  amoenula  Hörnern.  Hort.  Hafn.  I.  331  (1813).  &  azürea 
Goldb.  Mem.  Soc.  Mose.  V.  125  (1820).  S.  Roseni1)  K.  Koch  Reise 
in  d.  kauk.  Isthm.  IL  386  (1843,  ohne  Beschr.).  Linnaea  XXII.  250 
(1849).  S.  monänthos2)  K.  Koch  a.  a.  O.  251  (1849)  einblüthige 
Exemplare.  S.  xanthändra3)  K.  Koch  a.  a.  O.  250  (1849)?  nach 
Baker  a.  a.  O.  Orthocallis  sibirica  Salisb.  Gen.  28  (1866).  En- 
dymion  amoenulus  Nyman  Consp.   731  (1882).    Suppl.  306. 

Wird  in  verschiedenen  Gartenforiuen  angepflanzt,  die  sich  im  Wesentlichen 
durch  die  Blüthenfarbe  unterscheiden;  ausser  der  typischen  blauen  Form,  besonders 
weisse  und  rosablühende  Formen.  Besonders  beliebt  sind  neuere  grossblüthige, 
scliDeeweissblühende  Formen.  K.  Koch  verwirft  (App.  Ind.  sem.  hört.  Berol.  1855. 
11)  den  Namen  S.  Sibirica  als  geographisch  unrichtig  und  stellt  S.  cernua  voran. 
Wenn  die  Namen  Arabiens  und  Tataricus  nach  den  Pariser  und  Wiener  Beschlüssen 
unangefochten  bleiben,  rnuss  nach  dieser  (und  auch  unserer  Meinung  selbst  S.  Peru- 
viana) beibehalten  werden. 

ß.   Hochblätter  verlängert,  linealisch. 

*  S.  verna.  2|  .  Zwiebel  eiförmig.  Stengel  ziemlich  dünn,  meist  0,7 — 1,5  dm 
hoch.  Blätter  meist  zu  4  6,  spreizend,  schmal- linealisch,  meist  nicht  über 
3  mm  breit,  stumpflich,  meist  länger  als  der  Stengel.  Blut  henst  and  meist  6- 
bis  12  blüthig,  deutlich  doldenähnlich.  Hochblätter  bis  über  1cm  laug. 
Blüthenstiele  aufrecht  abstellend,  aufstrebend,  die  unteren  verlängert,  bis  2,5  cm 
lang.  Perigon  glockig,  lebhaft  blau.  Perigonblätter  lanzettlich,  bis  6  mm  lang, 
etwa  halb  so  breit.  Fruchtknoten  mit  je  4 — 6  Samenanlagen  in  den  Fächern. 
Frucht  kugelig-kreiselförmig,  bis  6  mm  lang. 

Auf  den  Faer-0er,  den  Britischen  Inseln,  in  Frankreich  und  Nord-Spanien 
heimisch,  bei  uns  mitunter  angepflanzt.     Bl.  März,  April. 

S.  verna  Huds.  Fl  Angl.  142  (1702).  Baker  Journ.  Linn.  Soc  XIII.  241 
(1875).  Nyman  Consp.  730.  Richter  PI.  Eur.  I.  220.  Rchb.  Ic.  X  t.  COCCLXIII 
fig.  1010  bis.  Petrdnthe  •*)  verna  Salisb.  Gen.  27  (1866).  S.  umbellata  Itamond 
Bull.  Soc.  philomath.  XLI.   130  t.  8  (1800). 


J)  Nach.  Georg  Rosen,  *  21.  Sept.  1821  f  29.  Oct.  1891  Detmold,  wo  er 
seit  1875  lebte.  R.  reiste  1843  und  1844  mit  K.  Koch  zusammen  im  nördlichen 
Orient,  wurde  1853  Preussischer  Consul  in  Jerusalem,  1867  General-Consul  in  Belgrad; 
er  war  ein  hervorragender  Kenner  der  Orientalischen  Sprachen  uud  Geschichtsforscher. 
Sein  Sohn  Felix,  *  15.  März  1863  Jerusalem,  Professor  der  Botanik  an  der  Universität 
Breslau,  veröffentlichte  ausser  anderen  werthvollen  Arbeiten  Systematische  und  bio- 
logische Beobachtungen  über  Erophila  verna  (Bot  Zeit.  1889).  1904/5  bereiste  er 
als  Mitglied  der  Deutschen  Mission  au  den  Kaiser  Menilek  Abyssinien  und  machte 
dort  werthvolle  Sammlungen. 

2)  Von  fA.övav&og  ein  blüthig. 

3)  Von  gctv&öc  hellgelb  und  äwrjo  Mann,  hier  Staubbeutel. 
*)  Von   TiETQa  Fels  und  ävd-ri  Blume. 


232  Liliaceae. 

Hierzu  gehört  die  Rasse : 
B.  Rambureil)  (Boiss.  Elench.  86  [1838],    <S'.   rerna  ß.  major  Boiss.  Voy.  Esp. 
II.  613  [1845]).     Grösser.  —  Auf  der  Iberischen   Halbinsel. 

*  S.  monophylla*)  (Link  in  Schrad.  Journ.  IV.  319  [1799].  Baker  Journ. 
Linn.  8oc.  XIII.  242  [1875].  S.  tingitanaS)  Schousb.  Marokk.  I.  155  [1800].  S. 
pumila  Brot.  Fl.  Lusit.  I.  527  [1804])  mit  fast  stets  nur  einem  Lanbblatte.  Blüthen- 
Btand  eine  lockere  verlängerte,  meist  ö  — 10-  (bis  20-)  blüthige  Traube,  Blüthen- 
stiele  ziemlich  lang,  Perigon  glockig,  bis  8  mm  laug.  —  Auf  der  Iberischen  Halb- 
insel  und  in  Nord-Africa  heimisch,  bei  uns  seltener  in  Garten. 

b.  h.   Blüthen  sein-  klein.    Perigonblätter  höchstens  -1   (bis  5)  mm 

lang.     Blüthenstand  niemals  doldenähnlich. 

833.  (4.)  S.  pratensis.  2|_.  Zwiebel  eiförmig,  bis  2,5  cm  dick. 
Stengel  meist  1 — 2  dm  hocb.  Blätter  meist  zu  3 — 6,  linealisch,  meist 
4 — 8  (bis  10)  mm  breit,  beiderseits  verschmälert.  Blüthenstand 
dicht,  viel-  (bis  über  30-)  blüthig,  anfangs  pyramidal,  zuletzt 
verlängert,  dann  oft  lockerer.  Hochblätter  im  Blüthenstande  sehr  klein, 
dreieckig.  Blüthenstiele  bis  über  1  cm  lang,  aufrecht-abstehend  bis 
weit  abstehend.  Perigon  glockig.  Perigonblätter  länglich,  bis  2  mm 
breit,  die  äusseren  spitz,  die  inneren  an  der  Spitze  kappenförmig,  mit 
derben  Mittelstreifen.  Staubblätter  etwas  kürzer  als  die  Perigonblätter. 
Fruchtknoten  mit  je  2  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Griffel  kurz, 
Frucht  kugelig. 

Auf  feuchten  Wiesen,  an  Abhängen  nur  im  östlichen  Gebiete  der 
Adria  und  in  den  angrenzenden  Landschaften.  Kroatien.  Bosnien 
zerstreut!  Hercegovinu.  Dalmatien  zerstreut!  Montenegro  z.  B.  Lovcen 
bis   1900  m  (Huter!).     Bl.  Mai,  Juni. 

S.  pratensis  Wählst,  u.  Kit.  Ic.  pl.  Hung.  II.  107  (1805).  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  236  (1873).  Nyman  Consp.  730.  Richter  PI. 
Eur.  I.  219.  Rchb.  Ic.  X  t.  ('('('(  'LXI1I  fig.  1011.  S.  italica  Bost 
Fl.  Austr.  I.  434  (1827)  nicht  L.  S.  amethystina  Vis.  Flora  XII. 
(1829).    Ergbl.  6. 

In  der  Tracht  einigennaassen  veränderlich;  sehr  auffällig  ist 
B.  laxifldra    (A.  u.  G.  Syn.  III.  232  [1905]).      Pflanze    meist    weniger    kräftig. 
Blätter  schmäler.     Blüthenstand  verlängert,    sehr  locker,    die    weit  abstehenden 
Blüthenstiele  entfernt.   —  Bisher  mehrfach  in  Dalmatien. 

(Serbien.)  \^~\ 

2.  2.   Hochblätter    am  Grunde    der  Blüthenstiele  zu  2    (ausser  dem 

Tragblatt  noch  ein  Vorblatt),  ansehnlich. 

834.  (5.)  S.  Italica.  ?}.  Zwiebel  eiförmig,  bis  fast  2  cm  dick. 
Stengel  einzeln,  meist  etwa   1,6 — 2,5  dm  hoch.     Blätter  zu  3 — 6,  ab- 

i)  Naeli  dem   Entomologen   J.  P.  Rambur    in  Paris,    der   auf   seinen  Reisen 
in   Spanien  auch   Pflanzen   Bammelte. 
*)  Vou  nov6<pvAAo$  einblättrig, 
3)  Bei  Tauger  in   Marokko  (im  Alterthum  Tingis)  gefunden. 


Scilla.  233 

-tehend,  linealisch,  bis  über  1  cm  (bis  1,5)  breit,  am  Rücken  scharf 
gekielt,  beiderseits  allmählich  verschmälert.  Blut  he  n  stand  dicht, 
meist  viel-  (bis  über  30-)  blüthig,  anfangs  pyramidal  bis  länglich- 
eiförmig, später  verlängert.  Hochblätter  im  Blüthenstande  linealisch, 
bis  über  2  cm  lang,  das  des  Blüthenstiels  (Vorblatt)  meist  erheblich 
kürzer.  Blüthenstiele  aufrecht  abstehend,  die  unteren  bis  fast  2  cm 
lang.  Perigon  glockig,  etwas  duftend.  Perigonblätter  länglich  stumpf- 
lich, meist  7 — -8  mm  lang,  mit  derbem  bräunlichem,  oberwärts  behaartem 
Mittelstreifen.  Staubblätter  kürzer  als  die  Perigonblätter,  mit  am  Grunde 
etwas  verbreiterten  Staubfäden.  Frucht  mit  je  2  Samenanlagen  in  den 
Fächern.     Frucht  kugelig,  stumpf  dreikantig. 

In  bergigen  Wäldern,  an  grasigen  Orten,  selten  auf  Aeckern,  ein- 
heimisch nur  im  südwestlichsten  Gebiet:  Provence!  südöstl.  Dauphine 
und  Riviera!  mehrfach.  Sonst  nur  verwildert:  Bern;  Kl.  Lauffenburg 
in  Oberbaden  früher.     Bl.  April,  Mai. 

S.  italica  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  308  (1753)  z.  T.  Koch  Syn.  ed.  2. 
826.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  238  (1875).  Nyman  Consp.  721). 
Buppl.  305.  Richter  PI.  Eur.  I.  219.  Rchb.  Ic.  t.  CCCCLXIV  fig.  1013. 
8.  byzantina  Poir.  Encycl.  VI.  738  (1804)?  S.  Bertolönn1)  Duby 
Bor.  Gall.  I.  4.  650  (1828).    Somera2)  italica  Salisb.  Gen.  26  (1866). 

An  den  2  linealischen  Hochblättern  am  Grunde  jedes  Blüthenstieles  leicht 
kenntlich.  Von  der  in  der  Tracht  ähnlichen  S.  pratensis  auch  durch  die  grösseren 
Blüthen  leicht  zu  unterscheiden. 

In  mehreren  Formen  in  Gärten,  hierher  gehört 
B.  purpur  ea  (S.  purpurea  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8.  no.  9  [1768]).    Pflanze  kräftiger. 
Blätter   bis    1,5  cm    breit.      Blüthenstand    sehr    vielblüthig.      Blüthen    lebhafter 
gefärbt,  oft  ins  Purpurne  ziehend.  —  Oft  in  Gärten. 

(Ligurien.)  |~| 

S.  Hohenac  keri't)  (Fisch,  u.  Mey.  in  Hohenacker  Enum.  pl.  Talysch  26 
[1S3SJ.  Ind.  sein.  h.  Petrop.  XI.  79  [1844]).  Stengel  ineist  1—2  dm  hoch.  Blätter 
am  Boden  niederliegend,  lineal-lanzettlich,  flach.  Blüthenstand  locker,  armblüthig. 
Hochblätter  meist  bald  abwärts  gerichtet,  verlängert.  Perigon  radförmig-glockig, 
lila.  —  Aus  Tuikestan,  bei  uns  wegeu  der  frühen  Blüthezeit  (die  früheste  aller 
Scilla- Arten)  in  Gärten.  —  In  der  Tracht  der  S.  Sibirica  ähnlich. 

b.  Pflanze  im  Herbst  blühend,    zur  Blüthezeit  ohne  Blätter,    diese 
neben  (nicht  am)  Blüthenstengel  erscheinend. 

835.  (6.)  S.  auctunnialis.  %.  Zwiebel  eiförmig,  bis  2,5  cm  breit, 
mit  weisslichen  bis  rothbraunen  Häuten.  Stengel  meist  5  cm  bis  1,5 
(bis  2)  dm  hoch,  oft  violett  überlaufen.  Blätter  meist  zu  5 — 6, 
schmal-linealisch,  meist  nur  1  (bis  2)  mm  breit,  halbst i ei- 
rund, oberwärts  rinnig,  etwa  so  lang  als  der  Stengel,  stumpflich. 
Blüthenstand    meist    6-    bis    über    20blüthig,    etwas    dicht    oder   locker. 

l)  S.  II.   1.   S.   142  Fussn.   1. 

a)  Die  Bedeutung  dieses  Namens  ist  uns  unbekannt. 

3)  S.  VI.   1.  S.  84«   Fussn.  2. 


'_'."■  I  I.iliaceae. 

Hochblätter  fasl  fehlend.  Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,,  bie  etwa 
1  cm  lang.  Perigonblätter  länglich  bis  länglich-linealisch,  meist  4 — 5  min 
lang,  stumpflich,  röthlich- violett  mit  dunklem  Mittelstreifen.  Staub- 
blätter etwa  hall)  so  lang  als  die  Perigonblätter,  flach.  Fruchtknuten 
mit  je  2  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Frucht  kugelitr,  etwa  3  mm 
lang,  3  furchig,  weit   aufspringend.     Samen  ziemlich  klein,  schwarz. 

An  grasigen  Hängen,  an  Wegrändern  in  Gebüschen  nur  im  süd- 
lichen Gebiet.  Provence!  Rivieia,  Dauphin«.'.  Vereinzelt  in  Ober-Elsass, 
um  Mühlhausen.  Thann,  zw.  Gebweiler,  Sulzmatt  und  Ruffach,  bei 
Kolmar  im  Kastei-  und  Hardtwald!  Venetien!  Küstenland!  Istrien! 
nebst  den  Inseln.  Kroatisches  Litorale.  Dalmatien !  Hercegovina! 
Montenegro.    Südwest-Ungarn!     Bl.  August — October. 

S.  autumnalis  L.  8p.  pl.  ed.  1.  309  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
826.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  324  (1873).  Nyman  Consp.  730. 
Suppl.  306.  Richter  PI.  Eur.  I.  218.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXIII 
Gg.  lori.  Anthericum  autumnale  Scop.  Fl.  Cam.  ed.  2.  I.  415 
(1772).     Ornithogalum  autumnale  Lam.  Fl.  Franc.  III.  274   (1778). 

In  der  Grösse,  der  Dichtigkeit  des  Blüthenstandes  und  in  der  Zeit  des  Er- 
scheinens der  Blätter  veränderlich.     In  Gärten  mitunter  zu  finden  ist 

II.  racemdsa  (S.  racemosa  Balansa  PI.  Alg.  exs.  no.  29,  Baker  a.a.O.  [1873]). 
Pflanze  grösser  und  kräftiger.  Zwiebel  grösser.  Blüthenstand  reichblüthig. 
Samen    meist    heller  bis  fast   braun.   —   Algier. 

Die  Zeit  des  Erscheinens  der  Blätter  hängt  ■/.  T.  von  Standorts-  und 
Witterungsverhältnissen  ab.  80  zeigten  von  der  Dalmatinischen  Küste  in  den 
Berliner  botanischen  Garten  eingeführte  Zwiebeln  die  Eigentümlichkeit,  dass 
sie  erst  gegen  das  Frühjahr  des  nächsten  Jahres  Blätter  zu  erzeugen  begannen, 
während  die  am  Standorte  verbliebenen  bereits  Ende  September  tue  Blätter 
erscheinen  Hessen.  Andererseits  scheinen  in  Nordafrica  ausgeprägte  Formen 
aufzutreten,    bei  denen  die  Blätter  besonders  früh    oder  spät  kommen.      So  ist 

II  dumetdrum  [8.  ihtmetorum  Balansa  in  Baker  a.a.O.  [1873]),  eine  Form. 
bei  der  die  Blätter  sich  erst  nach  dem  Reifen  der  Frucht  entwickeln,  anderer- 
seits haben   bei 

III.  pulchella  (S.  pulcheüa  Munby  Bull.  S.  B.  France  II.  286  [1855]!,  einer 
sonst  noch  durch  schlanken  Wuchs,  kleinen,  etwa  G  — 10 blüthigen  Blüthen- 
stand und  weniger  offene  Blütheu  ausgezeichneten  Form,  die  Blätter  bereits 
die  Länge  des  Stengels  erreicht,  wenn  die  Blüthezeit  vorüber  ist.  —  Der- 
artige  Formen  bedürfen  weiterer  Beobachtung  in  der  Cultur  in  Bezug  auf 
ihr  Vorkommen  im  Gebiete. 

(England;  Frankreich;  Italien;  Balkanhalbinsel;  Vorder-Asien ; 
Nord-Africa.)  #"1 

B.  B.  üstöria1)  (Medie.  Act.  Acad.  Theod.  Palat.  VI.  Phys.  480  [1790] 
als  (i.itt.  Endymion2)  Dumort.  Fl.  Belg.  140  1 1827]  als  Gatt 
Baker  in  Saund.  Ref.  Bot.  III.  App.  5  [1870].    Journ.  Linn.  Soc. 


1)  Nach  Paul  Usteri.  •  14.  Febr.  1768  f  9.  April  1831  Zürich,  Arzt  da- 
selbst, Verfasser  mehrerer  botanischer  Schriften,  Herausgeber  der  Anualen  (bez. 
neue   Anualen)  der  Botanik.   24   Stück.  Zürich   1791  — 1800. 

2)  Naih   dem   bekannten   Geliebten  der  Artemis  (Diana). 


Scilla,  235 

XIII.  233,  2öb  [1873].  Ägraphis1)  Link  Ilandb.  I.  166  [1829]. 
Hylömenes2)  Salisb.  Gen.  pl.  26  [1866]).  Perigonblätter  bis  etwa, 
zur  Mitte  zu  einer  Röhre  zusammenneigend,  erst  oberwärts  ab- 
stehend. Staubblätter  über  dem  Grunde  der  Perigonblätter  ent- 
springend, deutlich  in  2  ungleich  hohen  Reihen  stehend.  Hoch- 
blätter im  Blüthen stände  linealisch  zu  2  (Tragblatt  und  Vorblatt) 
am  Grunde  jedes  Blüthenstieles. 
Nur  unsere  Arten. 

Gesammtart  S.  non  scripta  (836,  837). 

836.  (7.)  S.  uon  scripta  (Wilde  Hyacinthe,  Hasenglöckcken ; 
niederl.  u.  vlaem. :  Bosch-Hyacinth,  Wilde  Hyacinth;  dän.:  Klokke- 
hyacint;  franz.:  Jacinthe  sauvage).  2|.  Zwiebel  eiförmig,  meist  1  bis 
fast  2  cm  breit,  mit  silbergrauen  bis  graubraunen  Häuten.  Stengel 
aufrecht,  meist  1,5 — 3  dm  hoch.  Blätter  meist  zu  5 — 6,  linealisch, 
tief  rinnig,  mit  abgerundetem  Rücken,  bis  über  1  cm  breit,  oberwärts 
ziemlich  plötzlich  verschmälert.  Blüthenstand  mehr  oder  weniger  einer- 
seitswendig, meist  6 — 12blüthig,  sehr  locker.  Hochblätter  linealisch, 
bis  fast  2  cm  lang  oder  (bei  Gartenformen)  länger.  Blüthenstiele 
ziemlich  kurz,  meist  nicht  1  cm  lang,  in  der  Blüthe  nickend,  später 
aufrecht  abstehend.  Perigon  röhrig-glockig.  Perigonblätter  linea- 
lisch, bis  fast  2  cm  lang,  etwa  2 — 4  mm  breit,  lebhaft  blau,  stumpf- 
lich mit  derbem  Mittelstreifen  und  verdickter  Spitze,  oberwärts  oft  fast 
zurückgerollt.  Staubblätter  theils  im  unteren  Viertel,  theils  etwa  in 
der  Mitte  der  Perigonblätter  entspringend,  kurz,  viel  kürzer  als  die 
Perigonblätter.  Fruchtknoten  mit  je  6 — 8  Samenanlagen  in  den  Fächern. 
Frucht  eiförmig  bis  kugelig,  bis  über  1  cm  lang,  fast  sitzend.  Samen 
kugelig,  etwa  2  mm  lang,  schwarz. 

In  Laubwäldern,  Gebüschen,  nur  im  westlichsten  Gebiete  ein- 
heimisch. Lyon.  Belgien  (im  Westen  nicht  selten,  nach  Osten  schnell 
abnehmend).  Niederlande.  Rheinprovinz:  Körrenzig  bei  Jülich!  Ost- 
friesland mehrfach.  R.B.  Stade:  Laumühlen  (das  Indigenat  an  den 
beiden  letzteren  Vorkommnissen  von  Buchen  au  bezweifelt).  Ausser- 
dem öfter  in  Gärten  und  in  und  ausserhalb  derselben  verwildert,  so 
wohl  auch  in  Venetien.     Bl.  April,  Mai. 

S.  non  scripta  Hoffmannsegg  u.  Link  N.  Schrift.  Ges.  Naturf. 
Freunde  Berlin  IV.  19  (1803).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  256 
(1873).  Hijucinthus  non  scriptus  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  316  (1753).  Hya- 
cinthus  pratensis  Lam.  Encycl.  III.  190  (1789).  S.  mitans  Smith 
Engl.  Bot.  t.  37  7  (1790).  Usteria  hyacmtiflöra  Medic.  Act.  Pal.  VI. 
480  (1790).     U   secunda   Medic.    in    Usteri    Ann.    II.    11    (1791).    S. 


!)  Von  a  privativum   und  <yodq)to  ich  schreibe ;  Uebersetzung  von  non  scriptus. 
Der  Narne  Hyacinthus  non  scriptus  rindet  sich  für  diese  Art  schon  bei  Dodonaeus; 

er    bezieht    sich  wohl    darauf,    dass    der  Hyacinthus    der  Alten  Schriftzüge    an    sich 
tragen  sollte,  die  sich  bei  dieser   Pflanze  nicht  finden. 

a)  Von  vArj  Wald  und  fievo)  ich  bleibe  (wohne?). 


236  l.iliaceae. 

festälis  Salisb.  Prodr.  242  (1796).  Endymion  nutans  Dum.  Fl.  Belg. 
1  lo  (1827).  Nyman  Consp.  731.  Agraphis  nutans  Link  Handb. 
Dir,  (1829).  Rchb.  lc.  X  t.  CCCCLX]  fig.  1008.  Agraph.  drnua 
Kehl»,  a.  a.  o.  12  t.  CCCCLXI  fig.  1007  (1848).  Enrfi/mion  non 
scriptum  Garcke  Fl.  v.  Nord- u.  Mitteid.  1.  Aufl.  322  (1849).  E.  n. 
scriptus  Garcke  a.a.O.   3.  Aufl.  342  (1854). 

In  (iaiicn   in  einer   Reihe    von  Formen,    die    zumeist    durch    die  Blüthenfarbe 

abweichen,    die>e    wechsell    vom   reinen   Blau    bis  zu   Weiss    (alba  der  Gärten)    und 

Rosa   (1.  /  << .- '  ii  der  Gärten).  —  Ausserdem  sind  bemerkenswert!) 

B.  eeinua.      Pflanze   meist   niedriger,  gedrungener.      Blüthen  kleiner,   röthlich.   — 

Nach  Baker  auf  der  Iberischen  Halbinsel  wildwachsend,  bei  uns  nur  ia  Gärten. 

—  >S'.  non  scripta  B.  eernua    A.  u.  G.    Syn    111.   '_':!•_>  (1905).    Hyacinthus  cc'r- 

nuu8   L.  Sp.  pl.  ed.   1.  317    (1753).     S.  eernua  Hoffmannsegg  u.  Link  a.  a.   <  >. 

(1803).     Hunc.   pratensis    <!.    eernuua    Brot.  Fl.  Lus.  I.  535  (1804).    Endymion 

eernuus  Willk.    in  Willk.    u.    Lauge    Prodr.    Fl.  Ilisp.    I.  205  (1861).     Nyman 

Consp.  731. 

II.  bracteäta.     Hochblätter  des  Blüthenstandes  sehr  verlängert,    nieist  erheblich 

langer    als  die   Blüthen,    die    oberen  oft  laubig,    bis  über  5  cm    lang,    öfter  fast 

Bchopfig  gedrängt.  —  Nicht  selten  in  Gärten.  —  S.  non  scripta  var.  bracteata 

der    Gärten    Baker    Journ.    Liun.    Soc.  XIII.    256    (1873).     <S'.    bracteata    vieler 

( 1  arten. 

Ray  bezeichnete  diese  Art  (Syn.  273  [1690])  als  Hyacinthus  anglicus. 

(England;  Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalb- 
insel.)  ~\ 

837.  (8.)  S.  Hispänica.  2|.  Der  Leitart  ziemlich  ähnlich,  von 
ihr  hauptsächlich  durch  Folgendes  verschieden:  Blätter  meist  breiter, 
bis  fast  (mitunter  bis  über)  2  cm  breit,  nach  der  Spitze  ziemlich  all- 
mählich verschmälert,  stumpflich.  Blüthenstand  allerseitswendig,  ober- 
wärts  öfter  ziemlich  dicht,  Blüthenstiele  länger,  die  unteren 
bis  über  2  cm  lang,  meist  ziemlich  weit  abstehend.  Perigon 
ziemlich  weit  glockig.  Perigonblätter  breiter,  bis  etwa  5  mm 
breit,  stumpf.  Staubblätter  z.  T.  dicht  über  dem  Grunde,  z.  T.  im 
unteren  Drittel  der  Perigonblätter  entspringend.  Fruchtknoten  mit  je 
6 — 8  Samenanlagen   in  den  Fächern. 

Nur  an  >It  Südgrenze  des  Gebiets  am  Schloss  Marostica  (Prov. 
Vicenza).  In  Gärten  hin  und  wieder  verwildert,  so  auf  Grasplätzen  in 
[strien  bei  S.  Nicolo  d'oltre,  Pirano  und  Corte  d'Isola  völlig  eingebürgert 
(Pospichal  I.  229).  Die  Angaben  bei  Lüttich  und  sonst  in  Belgien 
beziehen  sich  nach  Durand  Prodr.  Fl.  Belg.  Phanerog.  162  wohl  auf 
die  vorige  Art.  Vgl.  Hock  Beih.  Bot.  Centr.bl.  XV.  405.  Bl. 
April.   Mai. 

8.  hisi>a>iic<i  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8.  no.  8  (1768).  Baker  Journ. 
Linu.  Soc.  XIII.  255  (1873).  Richter  PI.  Kur.  I.  221.  8.  hyacin- 
thoides  Jacq.  ('"11.  I.  Ol  (17s(i).  Ic.  t.  (>i)  nicht  L.  S.  campanu- 
läta  Aii.  Hort.  Kr«.  I.  444  (1789).  Bot.  Mag.  t.  127.  Hyacinthoides 
racemosa  Media  in  Usteri  Ann.  IL  9  (1791).   Scilla  Jacquini l)  Gmel. 


i)  S.  II.  2.  S.  3ö4  Fnwn.    I. 


Scilla.     Cainassia.     Eucomis.  237 

Syst.  552  (1791).  8.  macrogöna1)  Link  in  Schrad.  Journ.   1799.  319. 

Agraphis  patula  Rchb.  Fl.  Germ.  exe.   106  (1830).    Agraphis  cam- 

panulata   Link  Handb.  I.  166  (1829).    Rchb.  Ic.  erit.  t.  834  (1831). 

Ic.  X   t.  CCCCLXII    fig.  1010.     Endymion  campamdatus  Pari.  Fl. 

It.  II.  488  (1852).  Willk.  u.  Lange  Prodr.  Fl.  Hisp.  I.  205.    Nyman 

Consp.   731. 

In  vielen  Gartenformen  gezogen,  namentlich  in  schön  blauen,  weissen  (].  alba 

der    Gärten)    und    rosa   blühenden    (1.  rosea    der  Gärten)    Formen,    die   sich    z.T. 

durch   grosse    Blüthen,    reichblüthige    oder    gedrungene    (f.   comp  acta   der  Gärten) 

Blüthenstäude  auszeichnen.  Bemerkenswert!!  ist 
B.  pätula.  Blüthen  etwas  kleiner  mit  schmälerer  und  längerer  Röhre,  zuletzt 
meist  weit  geöffnet.  —  So  im  südwestlichen  Frankreich  und  in  Spanien  heimisch, 
in  Istrien  verwildert.  —  S.  hispanica  b)  patula  Richter  PI.  Eur.  I.  221 
(1890).  Scilla  patula  Lara.  u.  DC.  Fl.  Franc.  III.  211  (1778).  Hyacinthus 
patuhis  Desf.  nach  Lam.  in  DC.  a.  a.  O.  (1878).  Hyac.  amethystinus  Lam. 
Dict.  III.  190  (1789).  Ustcria  dispersa  Mcdic.  in  Usteri  Ann.  II.  13  (1791). 
Hyacinthus  spicatus  Moench  Meth.  632  (1794).  Endymion  pdtulus  Dum.  FJ. 
Belg.  140(1827).  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  111.215(1856).  Agraphis  patula 
Rchb.  Ic.  X.  13  t.  CCCCLXII  fig.  1009  (1848).  Salla  aiata  der  Gärten.  — 
Erinnert  in  der  Blüthe  au  die  vorige  Art.  —  Kommt  gleichfalls  in  gross- 
blüthigen,  weissen,  rosa,  hell-  oder  dunkelblau  gefärbten  Gartenformen  vor. 

(Iberische  Halbinsel ;  S.W.  Frankreich.)  ~& j 

Von  der  verwandten  Gattung  Camäs sia?)  (Lindl.  Bot.  Reg.  XVIII  t.  1486. 
Qnamasia  Raf.  Amer.  Monthl.  Mag.  II.  256  [1818J  veränd.  [1832])  die  durch  mehr- 
nervige Perigonblätter  und  weissliche  oder  blaue  in  lockeren  Trauben  stehende 
Blüthen  ausgezeichnet  ist,  wird  mitunter  angepflanzt:  Die  dunkelblaue  G.  quamash'i) 
(Hort.  Berol.  in  Notizbl.  Bot.  Gart.  Mus.  II.  319  [1899J.  Phalanqium  Quamush 
Pursh  Fl.  Am.  sept.  I.  226  [1814].  Phalangium  esculentum  Nutt.  Gen.  Am.  I.  219 
[1818]  z.  T.  Camassia  esculenta  Lindl.  Bot,  Reg.  t.  1486  [1832])  aus  dem  west- 
lichen Nordamerica,  wo  ihre  Zwiebeln  gegessen  werden.  Seltener  die  kleiner  und 
heller  blau  blühende,  mit  längerem  Blüthenstiele  versehene  C.  hyaexnthina  (Hort. 
Berol.  in  A.  u.  G.  Syn.  III.  237  [1905].  Lemotrys  hyaeivthina  Raf.  Fl.  Teil  III.  51 
[1836].  Cam.  Frascri^)  Torr.  Rep.  Pacif.  Railw.  IV.  91  [147]  [1856])  aus  dem  öst- 
lichen  Nordamerica. 

*  EÜCOMIS4). 

(L'He'r.  Sert.  Angl.  17  t,  18  [1788].    Nat.   Pfl.  II.   5.  66.    Basilaeai)  Juss.  in  Lam. 
Encycl.    I.    382    [1783].     Gen.    52    [1789].     Eucomca    Solauder    in    Salisb.     Prodr. 
218  [1796].    Basillaea  Hedw.  f.  Gen.  239  [1809]). 
(Schopflilie;  franz.:  Basilee;  russ. :  Ba3II.iefl). 
S.    S.    220.      Meist    mittelgrosse    ausdauernde    Kräuter    mit    länglichen    grund- 
ständigen  Laubblättern.     Stengel  aufrecht.     Blüthenstand  eine  lockere  oder  dichtere 


1)  Von  nauQÖg  lang,  gross  und  ycjvi'a  Kante,  Ecke,  Winkel. 

-)  Aus  dem   einheimischen   Namen  der  Pflanze,   Quamash,  gebildet. 

3)  Wohl  nach  John  Fräser,  *  1750  Tomnacloich,  Invernessshire  f  26.  April 
1811  Chelsea  bei  London,  zuerst  Strumpfwaarenhändler,  später  Handelsgärtner.  Er 
reiste  als  Pflanzensammler  7  mal  nach  Nordamerica  (1780  nach  Neufundland,  1785 
nach  den  jetzigen  Südstaaten).  Er  verlegte  Wal  t  er 's  Flora  Caroliniana  1 788.  Sein 
gleichnamiger  Sohn  begleitete  seinen  Vater  auf  seinen  späteren  Reisen,  betrieb  1817 
bis  ls35  eine  Handelsgärtnerei  in  Ramsgate  und  führte  die  Georgine  in  F.ngland 
ein  iT.  ritten  u.  Boulger  Journ.  of  Bot.  XXVI.  375). 

4)  Von  ei'y.oiiog  oder  evKÖpqg  bei  den  Classikern  schönhaarig;  KÖurt  soll 
hier  aber  nicht  Haar,   sondern   einen   Schopf  von    Deckblättern   bedeuten. 

ä)  Von  ßaaiÄelog  königlich  wegen  der  E.  regia. 


238  Liliaceae. 

Traube,  an  der  Spitze  mit  einem  Schopf  grosser  lanzettlicher  Blätter.  Perigonblätter 
abstehend,  am  Grunde  gaue  wenig  verbunden.  Staubfäden  am  Grunde  »(was  mit 
den  Perigonblättern  verbunden,  Fruchtknoten  mit  je  mehreren  Samenanlagen  in 
den  Fächern.  Frucht  eine  niedergedrückt-kugelige  Kapsel,  Satneu  verkehrt-eiförmig. 
5 — 6   Arten    im   Bildlichen   Africa,   bei   uns   nur  in   Gärten. 

*  E.  comösa.  .''(-.  Grundständiger  Stengel  bis  3  dm  hoch.  Blätter  linea- 
lisch-lanzettlich, flach,  ziemlich  dünn,  Blüthenstand  cylindriach ,  locker, 
vielblüthig.  Blüthenstiele  über  1 — 3  cm  lang.  Perigonblätter  bis  über  1  cm 
lang,  grünlich.     Blätter  des  Schopfes  zu  12 — 20,  lanzettlicb,  flach. 

Im  südlichen  Gebiete  hin  und  wieder  in  Gärten,  öfter  in  einer  nnterseits 
purpurn  gestreiften  Form.  B.  striata  (E.  -"triata  Donu  Hort.  Caut.  ed.  6.  8(> 
[1811].     Bot.  Mag.  t.   1539).     Bl.  August,   September. 

/■;.  comosa  ll<>it.  Berol.  Notizbl.  Bot.  Gart.  Mus.  IL  319  (1899).  Axphodelus 
comoms  Hontt.  Plantenk.  XII.  336  (1783).  Eucomis  punctata  L'HOr.  Sert.  Angl. 
18  t.  19  (1788;.  Bot.  Mag.  t.  913.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  225  (1873). 
Ornithogalum  punctdlum  Thnnb.  Prodr.  pl.  Cap.  02  (1794).  Baailaca  punctata  Lam. 
III.   t.   2«9  fig.  2   (1791). 

*  E.  auet  iiiniialis.  2j_.  Stenge]  meist  nicht  2  dm  hoch.  Grundständige 
Blätter,  an  den  Bändern  wellig-kraus,  dicklich.  Blüthenstand  dicht, 
cylindrisch,  wenigerblüthig.  Blüthenstiele  kurz,  nicht  bis  1  cm  lang.  Perigon- 
blätter l>is  fast    1,5  cm  lang,  grünlich      Blätter  des  Schopfes  zu  20 — 30,  lanzettlich, 

an   den    Rändern   kraus. 

Wegen  der  krausen  Blätter  öfter  angepflanzt.     Bl.  August,  September. 

E.  auetumnalü  Hort.  Berol.  Notizbl  Bot.  Gart.  Mus.  II.  319  (1899).  Früil- 
laria  aulumnalis  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  8.  im.  10  (17G8).  Ornithogalnm  undulaium 
Thunb.  Prodr.  pl.  Cap.  62  (1794).  Baxilaea  coronata  Lam.  Encycl.  I.  382  (1783). 
Eucomis  undulata  Ait.  Hort.  Kew.  I.  433  (17S'.i). 

E.  regia  (Ait.  Hort.  Kew.  I.  433  [1789].  E.  clavdta  Baker  in  Saund.  Ref. 
Bot.  IV  t.  238  [1870].  E.  macrophylla  der  Gärten  nach  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XIII.  225  [1875])  in  den  Merkmalen  zwischen  den  beiden  vorigen  die  Mitte  haltend, 
durch  den  nach  oben  keulenförmig  verdickten  Blütbenstengel  sehr  ausgezeichnet, 
seltener  in   Gärten. 

173.    ORNITHOGALUM1). 

([Tourn.  Inst,  378  t.  203]  L.  Gen.  pl.  [ed.  1.  95]  ed.  5.  145  [1754]  z.  T. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  257  [1872].  Boiss.  Fl.  Or.  V.  211. 
Nat.  Pfl.  II.  5.  67.  Celsia2)  Heist.  Syst.  5.  20  [1748].  RapMingia*) 
Dumort.  Anal,  famill.  cd  [1829,  ohne  Char.].  UrophyUum  4)  Salisb. 
Gen.   of  pl.   35   [1866],     Varihenöstflchys*)   Fourr.  Ann.   Soc.  Linn. 

Lyon  it.  s.  XVII.  158  [1869]). 
(Milchstern;    nieder! .    u.  vlaem. :  Vogelmelk;   dän. :    Fuglemaelk;    üal. : 
Cipollone;  nun.:  Gäinuse,  Cepa-Ci6rei,  Lusca;   poln.:  Sniedek;   böhm.: 
Snödek;  kroat.:  Picje  mljeko;  russ. :  oiil.iu'ian.ifi  rHumrn. ;  ung. :  Sarma, 

Madartej.) 
S.  S.  220.     Kleinere  bis  mittelgrosse   Kräuter.     Zwiebel    aus   dem 
anterei)    zu   einem   Nährblatte    werdenden  Theile   der    Laubblätter;    nur 

')    (>Qvil}6yuP.ov,    Pflanzenname    bei    Dioskorides    (II.    173).      Eigentlich 

Vogelmilch,    von    ijoru    Vogel    und    yä/.u   Milch 
8)   S.   S.    16    l'ussn.   2. 

8)   Der  Autor  giebl   0.   a.   O.   keine   Erklärung  des    Namens. 
4)  Von  ocQÜ  Schwanz  and  a  öAAov  Blatt. 
■"')   Vou   TMXQ&evos  Jungfrau   und  mdvvc,   Aebre, 


Eucomis.     Omithogalum.  239 

das  erste  Blatt  jedes  Jahrganges  ist  bei  den  meisten  Arten  ein  Schuppen- 
blatt,  bei  der  Section  Myogdlum  auch  dies  nicht.  Zur  Blüthezeit  sind 
noch  die  Nährblätter  des  vorigen  Jahrganges  vorhanden,  bei  der  Section 
Myogdlum  auch  noch  des  vorletzten.  Die  Nährblätter  stellen  bei  der 
Section  Myogdlum  bis  auf  den  Grund  gespaltene  Scheiden  dar  und 
sind  frei,  bei  den  meisten  Arten  sind  sie  schmäler  und  die  inneren 
mit  den  äusseren  an  den  Rändern  verwachsen.  Pflanze  oft  kahl.  Laub- 
blätter meist  linealisch  mit  weissem  Mittelstreifen.  Blüthenstand  dolden- 
traubig  oder  traubig.  Hochblätter  im  Blüthenstande  ausgebildet.  Blüthen 
mittelgross.  Perigonblätter  meist  weiss  mit  einem  grünen  Rückenstreifen, 
seltener  gelblich  oder  ganz  weiss,  abstehend,  bleibend,  undeutlich  viel- 
nervig. Staubfäden  etwas  flach  oder  fast  blumenblattartig,  der  Blüthen- 
achse  eingefügt  oder  am  Grunde  mit  den  Perigonblättern  verbunden. 
Staubbeutel  auf  der  Rückenseite  befestigt,  Fruchtknoten  mit  je  wenigen 
bis  zahlreichen  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Griffel  fadenförmig. 
Narbe  stumpf.  Frucht  eine  stumpf  3  kantige  Kapsel.  Samen  rundlich 
oder  kantig  bis  flach. 

Gegen  100  Arten  in  Europa,  Africa  und  Asien.  In  Europa  ausser  unseren 
Sectionen  noch  Cathissa[)  (Salisb.  Gen.  of  pl.  34  [1866]  als  Gatt,  erw  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  281  [1872])  mit  0.  unifölium  (Ker-Gawl.  Bot.  Mag. 
t.  935  [1806].  Scilla  unijolia  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  3C9  [1753].  0.  namim  Brot.  Fi. 
Lusit.  I.  529  [1804]  nicht  Sibth.  u.  Sin.  O.  spiedtwm  Plan.  Ens.  381  [1852]?)  auf 
der  Iberischen  Halbinsel  mit  B.  eoncinnum  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  283 
[1872].  O.  roccense-)  Link  in  Schrad.  Journ.  IV.  320  [1799].  Cathissa  concinna 
Salisb.  Gen.  of  pl.  34  ]1866]). 

A.   Blüthenstand  doldenartig,  die  unteren  Blüthenstiele  stark  verlängert,     A. 
aufrecht  abstehend. 

I.  Heliochärmos3)    (Baker   Journ.    Linn.    Soc.    XIII.    258,    202      I. 
[1875].     Nat.    Pfl.    II.  5.   67).      Perigonblätter   am    Rücken    mit 
grünem  Mittelstreifen,    nur    an    den  Rändern    weiss.     Staubfäden 
lanzettlich,  am  Grunde  nicht  oder  wenig  verbreitert.    Griffel  faden- 
förmig, 2 — 4  mm  lang. 

Etwa  30  Arten  zumeist  im  Mittelmeergebiete  und  im  Orient,  In  Europa 
ausser  unseren  Arten  noch  O.  ölig  ophyll  um±)  (Clarke  Travels  IV.  555 
[1816].  O.  Aucherio)  Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  1.  V.  65  [1844].  O.  ru- 
thc'iiicum  Griseb.  Spie.  fl.  Rum.  Bith.  II.  393  [1844],  O.  bifolium  K.  Koch 
Liunaea  XIX.   10  [1847])  auf  der  südlichen  Balkanhalbinsel  und  im  Orient. 

—  0.  collinum  (Guss.  Prodr.  Fl.  Sic.  I.  412  [1827])  in  Italien  und  Sicilien. 

—  O.  angustifdlium  (Bor.  Fl.  Centr.  France  ed.  3.  625  [1857].  O.  nm- 
bellatum  ß  anyuHtifolium  Greu.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  191  [1855].  0. 
parvifldrum  Jord.  u.  Fourr.  Icon.  t,  119  [1860—68])  im  westlichen  Frank- 
reich. —   0.  NyssdnumG)    (Petr.    Fl.  Agr.  Nyss.   799    [1882])    in   Serbien. 

—  O.  fimbriiitum   (Willd     N.    Sehr.    (Jes.    naturf.    Freunde   Beil.  III.  420 


')   Bedeutung  uns  unbekannt. 

2)  Nach   dem   Fundort,  dem   Cabo  da  Roca  an   der   Mündung  des  Tejo. 

3)  Von   ijAiog  Sonne  und  yÜQiiu  Freude. 

4)  Von   öXiyoi  wenige  und  cpv/.Aov  Blatt. 

5)  S.  II.   1.  S.  659  Fussn.   1. 

6)  Gefunden    bei    Nisch    (Nyssa,    im    Alterthum    NaiSBUS,    der    Geburtsort    des 
Kaisers  Constantinus  des  Grossen). 


340  Liliaceae. 

[18(>1].      0.    Roegneridnwm  1)    K.    Koch    Linnaefi    XXII.    24G    [1850])    auf 
der  Balkanhalbinsel  and  im  Orient.   —   0.  5korpili%)   (Velenovsky  Sitzb. 
Böhm.  Ges.  YViss.  1887.  463)   und   0.  Orhr  licum?>)  (Velen.  a.  a.  O.   1890. 
1.  .">7i  in   Bulgarien. 
iX.  a.   Bhithenstand   nur  oberwärts  doldenähnlicb,  die  unteren  Blüthen 

entfernt,  der  ganze  Blüthenstand  daher  eiförmig   oder  länglich. 

Blätter  ohne  weissen  Streifen,  am   Rande  gewimpert. 

838.  (1.)  0.  com 6 su in.  21 .  Zwiebel  eiförmig  bis  länglich-eiförmig, 
bis  etwa  2,5  cm  dick,  mit  weisslichen  bis  braunen  oder  fast  schwärz- 
lichen Häuten.  Stengel  meist  1 — 2  (bis  3)  dm  hoch.  Blätter  meist 
zu  ö — 6,  linealisch,  flach,  meist  nur  3 — 4  nun  (bis  über  1  cm)  breit, 
zugespitzt,  stumpflich,  graugrün,  an  den  Rändern  meist  undeutlich  ge- 
wimpert. Blüthenstand  meist  10 — 20-  (bis  30-)  blüthig,  ziemlich  locker, 
bis  weit  über  1  dm  lang.  Hochblätter  linealisch,  zugespitzt,  die  unteren 
lti-  aber  8,5  cm  lang.  Blüthenstiele  ziemlich  (die  unteren  bis  über 
4  cm)  lang,  stets,  auch  in  der  Frucht,  aufrecht  abstehend.  Perigon- 
blätter  länglich-lanzettlich,  meist  1,3  bis  fast  2  cm  lang  und  bis  5  mm 
breit,  stumpf.  Staubblätter  halb  so  lang  oder  auch  nicht  halb  so  lang 
als  die  Perigonblätter.  Griffel  etwa  2  mm  lang.  Frucht  meist  7 — 8  mm 
lang,  breit   verkehrt-eiförmig. 

Auf  trockenen  Wiesen,  an  grasigen  Abhängen,  auf  Hügeln.  Nur 
im  Gebiet  der  Pannonischen  Flora  und  der  Adria.  Ungarn !  Nieder- 
Oesterreich  (bis  Wien!  und  zum  Stcinfelde);  Küstenland!  Istrien! 
Kroatien.  Dalmatien.  Hercegovina.  Für  Bosnien  zweifelhaft  (Beck 
tihisuik  XV.  209.  Wiss.  Mitth.  IX.  492).  Steigt  im  Küstenlande  bis 
700  m  (Marchesetti  br.).     Bl.  April — Juni. 

0.  comosum  L.  Am.  acad.  IV.  312  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2. 
821.  Baker  Journ.  Liun.  S«.c.  XIII.  202  (1875).  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
216.  Nyman  Consp.  727.  Suppl.  304.  Richter  PI.  Eur.  I.  222.  Rchb. 
Ec.  X  t.  CCCCLXVIII  fig.   1021. 

Die   Blüthen  dieser  Art  sind   viel  kleiner  als  die  von   0.  umbellatum, 
In  der  Tracht  und  in  der  Grösse  einigermaassen  veränderlich,  mehrere  Hassen 
im    südlicheren  Mittelmeergebiet,   davon   in   Europa  noch  Tl.  Gargdnicum*)  (O. 
garganicum  Ten.   Ind.  Sem.  Neap.  1827.  3.  Fl.  Nap.   1 1 T.  371.    Nyman  Consp.  7_'7i 
mit  sehr  breiten,  last  krautigen  Hochblättern  in  Italien.  —  Bei  uns  nur  mit  ziemlich 
anbedeutenden    Abänderungen    in    der   Blattbreite,    Blüthengrösse    und    Gestalt    des 
Blütbenstandes.     Leicht  verkannt   werden 
15.  eontortnm.    Pflanze  niedrig.    Blätter  oft,  besonders  an  der  Spitze,  gewunden. 
Blüthenstand  armblüthig,    <>|'t    fast    völlig  doldenartig.  —  Selten    auf  trockenen 
Hügeln    im    Mittelmeergebiet.  —   0.  comosum   B.  contortum  A.  u.  G.  Svn.  III. 
240  (1905).     O.  rontorlum  Ten.  Fl.   Nap.   IV.  S.  V  t.  220  fig.  4  (18:50). 
<'.  sazätile.    Pflanze  ziemlich  kräftig.    Blätter  breiter  als  beim  Typus,  am  Rande 
deutlicher  gewimpert.    Blüthenstand  mehr  verlängert.  —  Auf  trockneren  Hügeln 


i)  Nach    dem    Hofgärtner   Rogner    in    Oreanda    (Krim),    welcher   K.    Koch 
Pflanzen  der  Krim  mittheilte  (Linnaea  XXI.  294). 

2)  Nach    d'-rn    Entdecker    Hermenegild    Skorpil,    *   S.   Febr.    1858    Hohen- 
niauth   (Böhmen,  (br.),   Professor  in   Yarna,  um  die   Flora  Bulgariens  verdient. 

3)  Nach  dem   Rilo-Gebirge  (im  Aiterthura  Orbelus)  in   Bulgarien. 
•J)  Auf  dem   Monte  Gargano  in   Apulien  gefunden. 


Ornithogalum.  241 

in  Dalmatien,  sicher  weiter  verbreitet.  —  0.  comosum  C.  saxatile  A.  u.  G. 
Syn.  III.  240  (1905).  0.  saxatile  Vis.  Flora  XII  (1829)  10.  Fl.  Dalra.  t.  4 
fig.  1.  Nyman  Consp.  727.  Suppl.  305. 
D.  H  ercego  vinu  m.  Pflanze  noch  kräftiger.  Blüthenstiele  zur  Fruchtzeit  bis 
8  cm  laug,  3  mal  so  lang  wie  die  Tragblätter.  —  Hercegovina.  —  O.  comosum 
f.  hereegovinum  Beck  Glasnik  XV.  209  [73]  (1903\  Wiss.Mitth.  IX.  492  [86j(1904). 

(Italien;  Balkanhalbinsel;  Nord-Africa.)  |~| 

b.  Blüthenstand  wenigstens    zur  Blüthezeit  deutlich  doldenähnlich,      b. 
1.  Blüthenstiele  auch  zuletzt  (in  der  Frucht)  aufrecht  oder  wage-     1. 
recht  abstehend,    selten   (bei   O.   diver gens   mitunter  schwach, 
nie  stark)  zurückgebogen  oder  zurückgebrochen. 

Gesammtart  0.  umbellatum  (839 — 842). 

a.  Blätter   fast    stets    über    1  cm    breit    oder   breiter,    seltener     a. 
die  breiteren  weniger  als  8  mm  breit. 

839.  (2.)  O.  moiitaiium.  9J .  Zwiebel  eiförmig,  bis  über  2  cm 
dick,  ohne  Nebenzwiebeln,  mit  weisslichen,  zuletzt  graubraunen  Häuten. 
Stengel  bis  über  1  dm  lang.  Blätter  zu  5 — 6,  linealisch,  meist 
0,8 — 1,5  cm  breit,  schwach  rinnig,  ohne  weisslichen  Mittel- 
streifen. Blüthenstand  meist  6 — 20bluthig.  Hochblätter  linealisch, 
bi>  über  3  cm  lang  mit  breitem  Grunde,  lebhaft  weiss.  Blüthenstiele 
stets  aufrecht  abstehend,  meist  bis  4  oder  die  untersten  bis  7  cm  lang. 
Perigonblätter  länglich  bis  fast  lanzettlich,  meist  etwa  1,5  (bis  1 ,8)  cm 
lang,  spitzlich  oder  spitz.  Griffel  etwa  2  mm  lang.  Frucht  verkehrt- 
eiförmig mit  etwa  gleich  weit  voneinander  abstehenden   Kanten. 

Ursprünglich  im  Gebiet  nur  in  Bosnien:  Gornje  Malovan  (Maly) 
und  in  der  Hercegovina  bei  Mostar  (Beck  Glasnik  XV.  209  [73].  Wiss. 
Mitth.  IX.  493  [97];  Capljina  [Maly  br.]).  Ausserdem  auf  Grasplätzen 
in   Schlesien    verwildert   und  stellenweise  eingebürgert!     Bl.  Mai,  Juni. 

0.  montanum  Cyr.  in  Ten.  Prodr.  Fl.  Nap.  XXII  (1811).  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  264  (1872).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  216.  Nyman 
flonsp.  7-27.  Richter  PI.  Eur.  I.  222.  (Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXX 
Gg.  1025?).  0.  pätulum  Raf.  in  Desv.  Journ.  bot.  IV.  271  (1814)? 
nach  Baker  a.  a.  O.  0.  cuspidätum  Griseb.  Spie.  Fl.  Rum.  Bith.  II. 
392  (1844).    0.  Huetii1)  Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  2.  IV.  108  (1859). 

Erinnert  in  nichtblühendem  Zustande  durch  ihre  breiten  Blätter  lebhaft  an 
0.  nntans. 

(Italien;  Sicilien;  Balkanhalbinsel ;  Vorder-Asien  bis  Armenien  und 
A -syrien.)  [*] 

')  Nach  Alfred  Huet  du  Pavillon,  *  I.Jan.  1829  Blain  (Loire-Infe'rieure), 
General-Güterdirector  des  Grafen  von  Chambord,  jetzt  des  ehemaligen  Herzogs  von 
Parma  in  Finhsdorf  (N.Oest.),  welcher  1851  in  den  Pyrenäen,  1854  in  Armenien, 
1855  und  1856  (mit  seinem  Bruder  Edouard,  *  1819  Blain,  bis  1870  Pensionats- 
Vorsteher  in  Genf),  1857  in  Sardinien  werthvolle  Sammlungen  machte.  (Br.  Mitth. 
des  Richters  und  Abgeordneten  E.  H.  du  P.  in  Petit-Lancy  bei  Genf,  Solines  von 
Edouard,  durch  Augustin  de  C and  olle). 

Aschersoli  u.  Grusinier.  Synopsis.  III.  16 


_»42  Liliaceae. 

840.  (3.)  0.  orthophyllum1).  2\-.  Zwiebel  eiförmig,  bis  etwa 
3  ein  dick,  meist  ohne  Nebenzwiebeln.  Stengel  kräftig,  meist  nicht 
über  1  dm  hoch.  Blätter  meist  zu  6 — 7,  über  1cm  breit,  selten 
wenig  schmäler,  anfangs  aufrecht,  rinnig,  mit  weisslichem 
Mittelstreifen,  meist  viel  länger  als  der  Stengel.  Blüthenstand 
anist  8 — l2blüthig.  Hochblätter  lanzettlich,  zugespitzt,  bis  über  3,5  cm 
lang.  Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,  die  untersten  bis  5  cm  lang. 
Perigonblätter  länglich,  bis  über  1,5  cm  lang,  die  äusseren  stumpf, 
etwas  ^tachelspitzig.  Staubblätter  nicht  halb  so  lang  als  das  Perigon. 
Griffel  2 — 3  mm  lang. 

0.  orthophyllum  Ten.  Syll.  594  (1831).  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XIII.  265  (1873).  Nyman  Consp.  727.  Richter  PI.  Eur.  I.  222.  0. 
etrüscum  Pari.  Fl.  It.  IL  443  (1852).  0.  Älgeriense  Jord.  u.  Fourr. 
Brev.  I.  52  (1866).  Ic.  t.  121.  0.  Bourgaeänum2)  Jord.  u.  Fourr. 
a.  a.  0.  (1866).    Ic.  t.   130.    Nyman  Consp.   727. 

Hierzu  gehört  uach  Baker  auch  0.  Bacticum  lioiss.  Elench.  84  (1838)  aus 
Spanien  (vielleicht  zu   0.  iimbellatum?).  —  Bei  uns  nur 

B.  acuminatum.  Zwiebel  fast  kugelig.  Blätter  schmäler,  sehr  zahl- 
reich. Stengel  1 — 1,5  dm  hoch.  Blüthen  zahlreich.  Perigonblätter 
oben  abgerundet  stachelspitzig. 

Siebenbürgen:  Kronstadt.     Bl.  Mai. 

0.    orthophyllum  B.   acuminatum   A.  u.   G.    Syn.  III.    242 
(1905).    0.  acuminatum  Schur  Enum.  pl.  Transs.  6(54  (1866). 
(Iberische   Halbinsel;    Italien;    Balkanhalbinsel?    Nord-Africa.) 

1*1 
b.   Blätter  schmal-linealisch,  bis  5,  höchstens  8  mm  breit. 

841.  (4.)  0.  teiiuiiolium.  2J_.  Zwiebel  eiförmig,  bis  3  cm  dick, 
meist  ohne  Nebenzwiebeln,  mit  weisslichen  oder  grauen  bis  bräunlichen 
Häuten.  Stengel  meist  nicht  über  1  dm  hoch.  Blätter  meist  zu 
5 — 6,  schmal-linealisch,  meist  1 — 3  (bis  4  mm)  breit,  fast 
gleichfarbig,  mit  undeutlichem  Mittelstreifen,  meist  graugrün, 
allmählich  verschmälert,  stumpflich  oder  spitz.  Blüthenstand  meist  5- 
bis  10-  (bis  12blüthig,  meist  etwa  ebenso  breit  als  lang.  Hochblätter 
aus  ziemlich  breit-lanzettlichem  Grunde  zugespitzt,  bis  fast  4  cm  lang. 
Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,  die  untersten  bis  über  3,5  cm  lang, 
zur  Fruchtzeit  an  der  Spitze  abwärts  gebogen.  Perigonblätter  länglich, 
meist  1,2  — 1,5  (selten  bis  2,5)  cm  lang,  die  äusseren  bis  4  mm  breit, 
stumpflich,  innere  schmäler,  mehr  spitz  mit  schmalem  grünen  Streifen. 
Staubblätter  meist  nicht  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Griffel 
deutlich,  etwa  2  min  lang.  Frucht  verkehrt-eiförmig,  an  der  Spitze 
stark  vertieft,  mit   zu  2  genäherten  Kanten. 

An  grasigen  Plätzen,  auf  Bergwiesen,  an  Abhängen,  an  trockenen 
Orten  im  südlichen  und  mittleren  Gebiet  zerstreut  bis  stellenweise  häufig, 


')  Von  öq&ös  gerade,  aufrecht  und  cpvAAov  Blatt. 
8)  S.   II.   1.  S.  344  Fussu.  2. 


Ornithogalutu.  243 

in  der  nördlichen  Ebene  nur  in  Folge  früherer  Cultur  als  Zierpflanze 
in  Gärten  und  auf  Culfcurland  eingebürgert:,  was  auch  stellenweise  im 
übrigen  Gebiet  der  Fall  sein  dürfte,  doch  seltener  als  bei  der  folgenden  Art, 
vini  der  die  Verbreitungsangaben  noch  nicht  genügend  geschieden  sind. 
Bl.  (April),  Mai,  Juni. 

0.  tenuifolium  Guss.  Prodr.  fl.  Siel.  413  (1827).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIII.  265.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  218  (1873).  Nyman  Consp. 
7l>8.  Suppl.  305.  Rchb.  Ic.  t.  CCCCLXVII  fig.  1020  nicht  Red. 
Ritschi  Fl.  Grossh.  Posen  237  (1850).  R.  v.  Uechtritz  50.  Jahresb. 
Schles.  Ges.  166  (1873).  Celakovsky  Prodr.  Fl.  Böhmen  1751  (1881). 
0.  Gussönii1)  Ten.  Fl.  Neap.  III.  337  (1824—29).  0.  ruthenicum2) 
P.  C.  Bouche  in  Kunth  Enum.  IV.  363  (1845).  Nyman  Consp.  727. 
Suppl.  3(.)3.  0.  umbellatum  a.  silvestre  Neilr.  Fl.  NO.  158  (1859). 
R.  v.  Uechtritz  Verh.  BV.  Brand.  III.  IV.   220  (1862). 

Tu  der  Breite  der  Blätter  einigerrnaassen  veränderlieh.  Den  oben  beschriebenen 
Typus  der  Art,  welchen  Kerner  ÖBZ.  XXXVIII  (1878)  47  mit  Unrecht  für  eine 
St.indortsform  von  842  erklärte,  nennt  G.  Beck  Fl  Niederösterr.  172  (1890). 
Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  493  (1905)  ct.  typicum.  —  Hierher  gehören 

B.  mill  egränum.      Zwiebel    mit  zahlreichen  Nebenzwiebeln       l.lätter  frühzeitig 
absterbend.     Blüthenstand    3  —  öblüthig.     Hochblätter   länger   als   die    Blüthen- 
stiele.    Blüthenstiele  bis  etwa  2,5  cm  lang.    Perigonblätter  länglich  bis  länglich- 
eiförmig,    spitzlich,    länger    bis   wenig  kürzer  als  die  Blüthenstiele.  —  Ungarn: 
Comit.  Biliar.  —   O.  tenuifolium  B.  mülegranum  A.  u.  G.  Syn.  III.  243  (1905). 
O.  praete'jclum  Neilr   Aufz.  Ung.  52  (18G6)  nicht  Steven.    O.  mülegranum  Janka 
Term.  Füz.  VIII.  29  (1884).    Nyman  Consp.  Suppl.  305. 
II.  trichophyllum?)  (Boiss.  Fl.  Or.   V.  219  [1882].     O.  (richophyllum   Boiss. 
u.  Heldr.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  2.  IV.   108  [1859]).      Blätter  sehr  schmal,  fast 
borstlich.    —    Typisch    nur    in    Nord-Africa,    annähernde    Formen    auch    an 
trocknen  Orten  im  Gebiete. 

Wichtiger  ist 

b.  Bosniacum.  Zwiebel  eiförmig,  nach  oben  verschmälert.  Stengel 
niedrig.  Blätter  schmal-linealisch,  nur  1  — 1,5  mm  breit,  gras- 
grün. Blüthenstand  nur  2 — 7  blüthig.  Perigonblätter  meist 
0,9 — 1,3  cm  lang,  schmal-länglich,  kaum  2  mm  breit. 

Auf  Alpentriften  der  Hochgebirge  in  Bosnien  und  der 
Hercegovina  bis   1800  m  mehrfach.     Bl.  Juni  bis  August. 

0.  tenuifolium  var.  0.  bosniacum  Beck  Ann.  Nat.  Hof- 
mus. Wien  II.  48  [70]  (1887).  Glasnik  XV.  210  [74]  (1903). 
Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  493  [87 1  (1904).  Nyman  Consp. 
Suppl.  305.  0.  umbellatum  var.  collinum  Murb.  Beitr.  Lunds 
Univ.  Arskr.  XXVU.  365  (1891)?  vgl.  Beck  a.  a.  O. 

(Verbreitung  der  Rasse:   Bisher  nur  im  Gebiete.)  |# j 

Hierher  gehört  die  Unterart 


1)  S.  II.   1.  S.  4G2  Fussn.  2. 

2)  Die  unter  diesem  Namen  beschriebene  Gartenpflanze  stammte  angeblich  aus 
Russland,   wo  die  Art  in  der  That   vorkommt. 

S)   Von   &oC^  Haar   und   (fvXXov   Blatt. 

10* 


2 1 1  Liliaceae. 

B.  O.  Ixoc/u'i 1).  Dem  Typus  sehr  ähnlich,  von  ihm  haupt- 
sächlich durch  Folgendes  verschieden:  Blätter  meist  zahlreicher,  meist 
zu  6—8,  ziemlich  aufrecht,  weil  rinnig,  oberseits  mit  deutlichem 
weisslichen  Streifen,  sehr  schmal,  meist  nicht  über  3  mm  breit 
Blüthenstand  meist  6 — lOblüthig.  Hochblätter  linealisch,  zugespitzt, 
bis  2,5  cm  lang,  untere  Blüthenstiele  bis  3  cm  lang.  Perigonblätter 
ganz  stumpf,  stachelspitzig.  Fruchtknoten  verkehrt-eiförmig.  Frucht 
verkehrt-eiförmig  bis  länglich. 

An  Abhängen,  an  Felsen.  Im  Gebiete  der  Adria  verbreitet.  Venetien. 
Kraih;  Küstenland!  Istrien!  Kroatien!  Dalmatien  (bis  1300  m)!!  Monte- 
negro.   Bosnien!    Bl.  April,  Mai. 

0.  Kochii  Pari.  Fl.  It.  IL  440  (1852).  Nyman  Consp.  728. 
Suppl.  305.  0.  collinum  vieler  Schriftsteller,  auch  Koch  Syn.  ed.  2. 
821.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  265.  Richter  PI.  Eur.  I.  '222 
z.  T.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLVIII  fig.  1022  .  nicht  Guss.  vgl.  Freyn 
Flora  LXVIII  (1885)  96.  O.  tenuifolium  ß.  Kochii  Beck  Fl.  NÖ. 
172  (1890).    Glasn.   IX.  Wiss.  Mitth.  Bosn.   Herc.  IX.  493  (1905). 

Bois.sier  betont  bereits  (Fl.  Or.  V.  218),  dass  O.  Kochii  nicht,  wie  Baker 
(Journ.  Linn.  Soe.  XIII.  265  [1875])  und  später  noch  Richter  (PI.  Eur.  I.  222) 
annehmen,  ein  Synonym  des  O.  collinum  (s.  S.  239)  ist,  sondern  neben  O.  tenuifolium 
gehört.  Von  O.  collinum  unterscheidet  es  sieh  sofort  durch  die  kahlen,  nicht  ge- 
wimperten   Blätter. 

Hierher  gehört  die  Rasse 

B.  monticola.  Zwiebel  eiförmig,  bis  über  2  cm  dick,  meist  mit 
Nebenzwiebeln.  Stengel  meist  1 — 1,5  dm  hoch.  Blätter 
meist  zu  3 — 6,  bis  4  mm  breit,  rinnig,  allmählich  in  Mein  sehr 
schmalen  Grund  verschmälert.  Blüthenstand  meist  6-  bis 
lOblüthig.  Blüthenstiele  sehr  dünn,  bis  5  cm  lang,  aufrecht-ab- 
stehend. Perigonblätter  bis  1,5  cm  lang,  abgerundet,  stumpf,  etwas 
stachelspitzig.  Fruchtknoten  kugelig-verkehrt-eiförmig.  Frucht  breit- 
verkehrt-eiförmig. 

Savoyen:  Salinen  bei  Mofttiers!     Bl.  Mai. 

0.  Kochii  B.  »lonticola  A.  u.  G.  Syn.  III.  244  (1905).  O. 
monticolum  Jord.  u.  Fourr.  Brev.  I.  54  (1866).  Ic.  t,  12!».  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  266  (1S73).  Richter  PI.  Eur.  I.  222.  A. 
tenuifolium  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  199  (185())  z.T.  A. 
sübalpinum  Gay  Herb.!    Baker  a  a.  <  >.  (1875). 

Hierzu  gehören  nach  Baker  (a.a.O.)  noch  folgende  von  Jordan  und 
Fourreau  (Brev.  I.  53  [1866],  le.  i.  123,  122,  127)  beschriebene  und  abgebildete 
Auen:  O.  alpc'stve,   O.  propinquum  und   0.  rigtduhim. 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  in  vielen  Theilen  die  Mitte  /.wischen  O. 
tenuifolium  und  0.  Kochii  hält,  andererseits  wieder  einen  sehr  selbständigen 
Bindruck  macht.  Von  0.  tenuifolium  ist  sie  durch  die  oberseits  deutlich  weiss 
gestreiften  Blätter,  die  Gestalt  des  Fruchtknotens,  der  Frucht,  der  Perigon- 
blätter etc.  verschieden.  In  diesen  Merkmalen  nähert  sie  sich  0.  Kochii.  von 
dem   sie   wieder  dnreli   die   uach  nuten  verschmälerten  Blätter,  die  noch  breiteren 

i)  S.  I.  S.  322  Fussn.  :;. 


Ornithogalum.  245 

Fruchtknoten  und  Früchte    verschieden  ist.      Wir  halten  sie  für  eine  westliche 
Rasse  dieser  Art. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Bisher  nur  im  Gebiete.)  [*] 

(Verbreitung  der  Unterart:  Serbien.  Bulgarien.)  j^jTf 

(Verbreitung  der  Art :  Mittelmeergebiet;  Frankreich ;  Russland.)  "^T 

842.  (5.)  0.  uinbellatum  (Stern  von  Bethlehem,  Juden-,  Sachsen-1), 
Morgenstern,  Ackerzwiebel;  niederl.  u.  vlaem.:  Morgenster;  franz.:  Dame 
d'onze  heures1);  ligur. :  Parache;  it.:  Cipollone  bianco,  Aglio  florido; 
kroat. :  Ptice  mljeko).  2\-.  Zwiebel  fast  kugelig  bis  etwas  eiförmig,  bis 
etwa  3  cm  dick,  meist  mit  zahlreichen  Nebenzwiebeln,  die  häufig  breite 
Blätter  erzeugen.  Stengel  meist  1 — 1,5  (bis  3)  dm  hoch.  Blätter  meist 
zu  6 — 9,  aufsteigend,  ziemlich  schmal-linealisch,  meist  etwa  2 — 5  (bis 
8)  mm  breit,  tief  rinnig,  oft  überwinternd,  deutlich  weiss  gestreift,  stumpf, 
meist  länger  als  der  Stengel.  Blüthenstand  meist  10 — 20blüthig;  meist 
wenigstens  anfangs  breiter  als  lang.  Hochblätter  linealisch,  zugespitzt, 
bis  über  3,5  cm  lang.  Blüthenstiele  kräftig,  ziemlich  (die  untersten  bis 
etwa  1dm)  lang,  zuletzt  sind  Fruchtstiele  wage  recht  ab- 
stehend oder  bei  0.  diver gens  schwach  zurückgebogen. 
Perigonblätter  länglich- verkehrt -eiförmig  bis  länglich -lanzettlich,  bis 
2,5  cm  lang  und  4 — 8  mm  breit,  stumpf,  etwas  stachelspitzig.  Staub- 
blätter etwa  1/3  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Griffel  etwa  3  mm 
lang.  Frucht  länglich-eiförmig  bis  keulenförmig,  mit  6  gleichmässig 
entfernten  Rippen.   . 

Auf  trockneren  Wiesen,  auf  Aeckern,  an  Wegrändern,  Abhängen, 
in  Gebüschen  meist  gesellig.  Im  grössten  Theile  des  Gebiets  wohl  nur 
in  Folge  früheren  Anbaus  als  Zierpflanze  eingebürgert,  aber  ziemlich 
verbreitet,  auch  auf  den  Nordsee-Inseln  Föhr  (Prahl  br.)  und  Helgo- 
land (Kuckuck!).  In  Wallis  bis  900  m  (Jaccard  348),  in  Tirol 
bis  1500  m  (Sarnthein  br.)  ansteigend.  Wirklich  ursprünglich  wohl 
nur  im  Süden  der  Alpen.  Mitunter  auch  jetzt  noch  als  Zierpflanze,  in 
Gärten  und  daraus  verwildert.     Bl.  Mai  bis  Anfang  Juni. 

0.  umbellatiim  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  307  (1753).  Koch  gyn.  ed.  2. 
822.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  266  (1833).  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
218.  Nyman  Consp.  827.  Suppl.  305.  Richter  PI.  Eur.  I.  222.  Rchb. 
1<\  X  t.  CCCCLXVII  fig.  1019.  Stettaris  corymbösa  Moench  Meth. 
304  (1794).    Scilla  campestris  Savi  Fl.  Pis.  I.  350  (1798). 

Ziemlich  veränderlich,  besonders  im  südlichen  Gebiete. 
A.  Zwiebel  meist  fast  kugelig    mit    mehr  oder  weniger  zahlreichen   Nebenzwiebeln. 
I.  hortense.     Blätter    meist   6 — 8  mm  breit.     Pflanze    ziemlich    gross.  —  Die 
bei    weitem    häufigste    Form   O.  umbellalum    var.  hortense  Neilr.  Fl.  Nieder- 
sten-. 158  (1859).    O.  hortense  Jord.  u.  Fourr.  Brev.  I.  54  (1866). 
JI.  minus.      Blätter    schmäler.      Pflanze    meist    kleiner.  —  Seltener,    besonders 
im    südlichen    Gebiete    verbreitet.  —   0.  umbellatum    A.  II.  minus    A.    u.  G. 
Syn.   III.  245   (1905).     0.  minus  L.    Mant.    II.  364    (1771).     0.  praete'xtum 

')  Sachsenstern  wegen  der  grün-weissen  Aussenseite  des  Perigons;  dame  d'onze 
heures  weil  dieselbe  sich  um  1 1  Uhr  öffnet,  weshalb  der  Pflanze  ein  Platz  in  einer 
ßlumenuhr  zukommt. 


Liliaceae. 

. .  in  Knnili  Enum  pl.  JV.  363  (1843).  0.  affine  Boreau  Fl.  Centr. 
France  ed.  3.  625  (1857).  Jord.  u.  Fourr.  Ic.  t.  124.  —  Hierhergehören  Dach 
Baker  a.  a.  < '.  auch  0.  Boraednum  i)  Jord.  u.  Fourr.  Ic  t.  131  (1866—68). 
0.  riisticitm  Jord.  u.  Fourr.  Brev.  I.  55  I  1866).  0.  caespitüium  Jon],  u.  Fourr. 
Brev.  1.  57  (1866).  0.  tardans  Jord.  u.  Fourr.  Ic.  t.  120  (1866—68).  -  Nicht 
hierher  gehör!  das  vorderasiatische  0.  nivdle  (Boiss.  Diaga.  ser.  I.  V.  65 
[1^4]  vgl.  Boissier  Fl.  Or.  V.  230. 
15.  Zwiebel  stets  oder  fast  stets  ohne  Nebenzwiebeln. 

.1  oa  n  n  6  n  is  2  |.  Zwiebel  eiförmig.  —  Selten.  —  0.  umbellalum  15.  II. 
Joannonis  A.  u.  G.  Syn.  111.  246  (1905).  O.  Joanvonis  Jord.  u.  Fourr.  Brev. 
1.  54  (1866).    Je.  t.  128. 

Hierzu   gehört  als  Unterart 

B.  O.  d-lvevgens.  Dem  Typus  sehr  ähnlich,  von  ihm  haupt- 
sächlich durch  Folgendes  verschieden:  Zwiebel  meist  mehr  kugelig,  bis 
über  3  cm  iliek.  mit  unbeblätterten  Neben  zwiebeln.  Stengel  meist  grösser 
und  kräftiger ,  bis  fast  3  <lm  hoch.  Blätter  linealisch,  weit 
rinnig,  bis  6  mm  breit,  wenig  länger  als  der  Blüthenstand. 
Blüthenstand  10 — 20blüthig.  Hochblätter  lanzettlich,  spitz,  nur  etwa 
-  3  so  lang  als  die  unteren  Blüthenstiele.  Blüthenstiele  bis  8  cm  lang, 
die  unteren  schwächer  zurückgebogen,  mitunter  nur  weit  abstehend. 
Perigonblätter  sehr  gross,  bis  über  2  cm  lang  und  bis  7  mm 
breit.  Griffel  bis  4  mm  lang.  Frucht  aufgerichtet,  elliptisch-verkehrt- 
eiförmig, mit  scharfen  Kanten. 

An  ähnlichen  Orten  wie  der  Typus,  nur  im  südlichen  Gebiet. 
Tirol:  Meran  (Sarnthein  br.).  Istrien.  Dalmatien.  Hercegovina. 
Montenegro.     Bl.  Mai. 

0.  divergens  Boreau  Fl.  Centr.  France  ed.  2.  IL  507  (1849)  ed.  :>. 
II.  625.  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  190.  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIII.  267  (1873).  Freyn  Fl.  Istr.  203.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  218 
Nyman  Consp.  727.  Suppl.  305.  Richter  PI.  Für.  I.  223.  Jord.  u. 
Fourr.  Ic  i.  125.  0.  refraetwm  Guss.  Fl.  Sic.  Prod.  Suppl.  101  (1832). 
Ten.  Fl.  Neap.  t.  225  fig.  1  nicht  Kit.  0.  umbellatum  ß.  divergens 
Beck  Glasn.  XV.  210  [74]  1903.  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  494 
[88]  (1904). 

Eine  sehr  kritische  Pflanze,  die  entschieden  nahe  Beziehungen  zu  0.  umbel- 
latum besitzt,  aber  aueb  deutliche  Anklänge  an  0.  refractum  zeigt. 

(Verbreitung  der  Unterart:  Frankreich;  Italien;  Corsica;  Sardinien: 
Sicilien;  Griechenland;    [nsel  ( 'hios.)  ~\ 

C.  O.  paterfamilias*).  -9|.  Zwiebel  kugelig,  gross,  bis 
über  3cm  dick,  mit  sehr  zahlreichen,  meist  z.T.  wieder  Blätter 
tragenden  Nebenzwiebeln.  Stengel  meist  0,6  bis  über  1dm  hoch. 
Blätter  zu  mehreren,    schmal-linealisch,  meist  nicht  über  3  mm  breit, 

i)  S.  II.  S.  596  Fussn.   1. 

-•)  Nach  Antonin  Joannon,  f  Lyon  1875,  früher  Landwirth  in  Bona  (Al- 
gerien),  Verf.  einer  gekrönten  Preisschrift  über  die  Verwerthung  salzhaltigen  Bodens. 
s.in  Eerbar,  reich  an  Pflanzen  aus  Frankreich,  Algerien  und  Triest,  vermachte  er 
der  8oo.   Bot.  de  Lyon  (St.  Lager  br.). 

3)  S.  S.  106  "Fussn.  5. 


Ornithogalum.  247 

rinnig,  ganz  oder  fast  ganz  ohne  weisslichen  Mittelstreifen, 
viel  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  meist  ziemlich  viel- 
(6  bis)  10 — loblüthig.  Hochblätter  lanzettlich,  zugespitzt,  bis  über 
3cm  lang,  kürzer  als  die  Blüthen stiele.  Blüthen stiele  in  der 
Frucht  z  u  r  ü  c  k  g  e  b  o  g  e  n ,  die  unteren  bis  5  cm  lang.  Perigon- 
blätter  bis  fast  2  cm  lang  und  5  mm  breit,  stumpflich.  Staubblätter 
nicht  halb  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Griffel  bis  3  mm  lang. 
Frucht  eiförmig,  mit  zu  2  genäherten  Kanten. 

Nur  im  südwestlichsten  Gebiet.  Provence:  Marseille;  Aix.  Riviera. 
Bl.  Mai,  Juni. 

0.  paterfamilias  Godr.  Not.  Fl.  Monsp.  27  (1854).  Gren.  u. 
Godr.  Fl.  France  III.  190.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  267  (1872). 
Nyman  Consp.  728.  Richter  PI.  Eur.  I.  223.  0.  proliferum  Jord. 
u.  Fourr.  Brev.  I.  57  (1866). 

(Verbreitung  der  Unterart :  Languedoc.)  |"#| 

(Verbreitung  der  Art:  Skandinavische  Halbinsel;  Dänemark;  Britische 
Inseln;  Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien  einschliesslich  der  Inseln; 
Balkanhalbinsel;  mittleres  und  südliches  Russland;  Kaukasus;  Vorder- 
Asien;  Nord-Africa.)  * 

2.  Untere  fruchttragende  Blüthenstiele  am  Grunde  plötzlich  stark      2. 
zurückgebogen. 
a.  Blätter  oberseits  weisslich  gestreift.  a. 

Gesammtart  0.  re  fr  actum   (843,  844). 

843.  (6.)  0.  refractum.  2J..  Zwiebel  eiförmig,  bis  3  cm  dick, 
mit  zahlreichen,  oft  gestielten  unbeblätterten  Nebenzwicbeln.  Stengel 
oft  niedrig,  bis  über  1  dm  hoch,  stets  deutlich.  Blätter 
zu  6 — 8,  schmal-linealisch,  rinnig,  mit  deutlichem  weissen  Mittel- 
streifen, kaum  über  3  (bis  5)  mm  breit,  anfangs  aufrecht,  viel 
(bis  über  3  mal)  länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand 
meist  5 — loblüthig,  weit  ausgebreitet,  sehr  locker.  Hochblätter  linea- 
lisch, zugespitzt,  etwa  so  lang  als  die  unteren  Blüthenstiele.  Blüthen- 
stiele verlängert,  sämmtlich  etwa  gleichlang,  die  unteren  sehr 
bald  herabgebogen  S-förmig,  bis  2,5  cm  lang,  zuletzt  zurückgebrochen. 
Perigonblätter  breit-elliptisch  bis  länglich,  bis  1,5  (bis  2)  cm  lang  und 
bis  6  mm  breit,  die  äusseren  verkehrt-lanzettlich,  stumpf  lieh.  Staub- 
blätter etwa  73 — 1/2  so  lang  als  die  Perigonblätter.  Griffel  bis  3  mm 
lang.  Frucht  wieder  aufgerichtet,  länglich-eiförmig,  mit  zu  2  ge- 
näherten schwach-geflügelten  Kanten. 

Auf  Sandhügeln,  Aeckern,  in  Weinbergen,  an  Eisenbahndämmen. 
Nur  im  Gebiet  der  Pannonischen  Flora  und  der  Adria.  Siebenbürgen. 
Ungarn!    Küstenland!    Istrien.    Hercegovina.     Bl.  April,  Mai. 

0.  refractum  Kit.  in  Willd.  Enum.  hört.  Berol.  Suppl.  18  (1813). 
Koch  Syn.  ed.  2.  822.     Baker   Journ.    Linn.   Soc.    XIII.  267   (1873). 


248  Liliaoeae. 

Boiss.  Fl.  Or.   V.   217.     Nvman  Consp.   727.    Suppl.    305.    Richter  PL 
Eur.  I.  223.    Rchb.  I«-.  X.  t.  CCCCLXIX  fig.  1024. 

(Rumänien;  Balkanhalbinsel;  Kaukasus.)  f^Tj 

844.  (7.)  0.  exscäpum.  °l.  Zwiebel  eiförmig,  bis  etwa  2,5  ein 
dick,  meist  ohne  Nebenzwiebeln.  Stengel  sehr  kurz,  der  unterste 
B 1  ü  t hen s ti el  meist  kau m  1 — 1,5  c m  über  de m  E  r d  b o d e n 
entspringend.  Blätter  schmal-linealisch,  meist  nicht  über  2 — 3 
(bis  4)  mm  breit,  oft  gebogen,  oberwärts  mit  schmalem,  öfter  undeut- 
lichem Mitttelstreifen,  meist  bis  etwa  doppelt  so  lang  als  der 
B 1  ü  t  h  e  n  s  t  a  n  d ,  frühzeitig  hinfällig.  Blüthenstand  meist  3 — 1 0  blüthig. 
Hochblätter  lanzettlich,  bis  über  2  cm  lang.  Blut  hen  stiele  sehr 
verschieden  lang,  die  unteren  stark  verlängert,  herab- 
gebogen und  wieder  aufgerichtet,  die  oberen  nach  der  Blüthe- 
z  e  i  t  kaum  verlängert,  daher  die  Früchte  ziemlich  in  gleicher 
Höhe  stehend.  Perigonblätter  länglich-lanzettlich,  bis  etwa  1,5  cna  lang 
und  bis  5  mm  breit,  stumpflich  oder  spitzlich.  Griffel  bis  3  mm  lang. 
Frucht  länglich-eiförmig,  mit  zu  2  genäherten,  oberwärts  ge- 
flügelten Kanten. 

Auf  Wiesen  und  Weiden,  nur  im  Gebiet  der  Adria :  Dalmatien 
und   Hercegovina.     Bl.  April,  Mai. 

0.  exscäpum  Ten.  Fl.  Nap.  I.  175  (1811 — 15).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIII.  268  (1872).  Beck  Wiss.  Mitth.  Bosn,  Herceg.  IX. 
494  [88]  (1905).  Nyman  Consp.  728.  Suppl.  305.  Richter  PI.  Eur.  1. 
223.  Rchb.  Ic.  X  t,  CCCCLXIX  fig.  1023.  0.  siculum  ücria  in  Rom. 
Arch.  I.  1.  67  (1796)?  C.  paueiflörum  Raf.  Prec.  14  (1814).  0.  WMr 
täbile  De  Not.  Fl.  Ligur.  407  (1844).  0.  Bertolönii1)  Jord.  u.  Fourr. 
Brev.  I.  58  (1866). 

Hierzu  gehört 

B.  biflörum  (0.  biflörum  Jord.  u.  Fourr.  Brev.  1.  58  [1*66]).  Zwergform  mit 
schmäleren  1  Müttern  und  kleineren,  nur  zu  2 — 3  im  Blüthcnstaude  stehenden 
Blüthen.  —  Corsica,  auch  bei  uns? 

(Süd-Spanien;  Italien  einschliesslich  der  Inseln;  nördliche  Balkan- 
halbinsel.) jljTj 

b.  Blätter  gleichfarbig,  oberseits  ohne  weisslichen  Mittelstreifen: 

845.  (8.)  0.  iianuin.  2f.  Zwiebel  rundlich-eiförmig  bis  fast 
kugelig,  bis  über  2  cm  dick,  meist  ohne  Neben  zwiebeln.  Stengel 
sehr  kurz,  der  unterste  Blüthenstiel  fast  am  Boden  entspringend] 
Blätter  zu  5  6  meist  2  1  mm  breit,  rinnig,  meist  gebogen,  mehrmals 
länger  als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  meist  3 — 10 blüthig,  breit 
Hochblätter  länglioh-laniettlich,  zugespitzt,  aufgeblasen*  bis  über  2  cm 
lang,  etwas  länger  als  die  Blüthenstiele.    Blüthenstiele  sehr  verschieden 


l)  S.  II.   1.  S.   142  Fussn.   1. 


Ornithogalum.  249 

lang,  die  unteren  herab-  und  wieder  aufwärts  gebogen,  bis  etwa  2  ein 
lang.  Perigonblätter  lanzettlich,  bis  etwa  1,5  cm  lang  und  bis  1,5  mm 
breit,  spitzlich  bis  stumpf  lieh.  Staubblätter  etwa  halb  so  lang  als  die 
Perigonblätter.  Griffel  bis  3  mm  lang.  Frucht  kugelig,  mit 
stumpfen,  oberwärts  geflügelten,  zu  2  etwas  genäherten  Kanten. 

An  Abhängen,  an  grasigen  oder  steinigen  Orten.  Bisher  nur  im 
Gebiet  der  Adria.     Bl.  April,  Mai. 

0.  nanum  Sibth.  u.  Sin.  Fl.  Graec.  IV.  28  t.  332  (1823).  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  268  (1872).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  220.  Nyman 
Consp.  728.     Suppl.  305.    Richter  PI.  Eur.  I.  223. 

Aendert  ab 
B.   longipes.     Blüthenstand    viel   lockerer.      Untere  Blüthenstiele   in 
der  Frucht  sehr  verlängert,    zuletzt  viel  länger,  bis  doppelt  so  lang 
als  die  Hochblätter  und  die  Perigonblätter. 

In  der  Hercegovina :  um  Stolac  (Fiala  in  Beck  Glasn. 
XV.  210  [74]  1903.  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herc.  IX.  494  [88J 
[1904]).    Ljubuski  (Fiala  nach  Maly  br.) 

0.  nanum  ß.  longipes  Boiss.  Fl.  Or.  V.  220  (1884). 

Diese  Rasse  ist  in  der  Tracht  dein  0.  exscapum  ähnlich,  aber  durch  die 
nicht  weissgestreiften  Blätter  und  die  Gestalt  der  Frucht  leicht  zu  unterscheiden. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Balkanhalbinsel;  Kleinasien.)      [TjTj 

(Verbreitung  der  Art:  Balkanhalbinsel;  Süd-Russland;  Vorder- 
Asien.)  jTjT 

IL  Garuelia1)  (Pari.  Nuov.  gen.  21  [1854]  als  Gatt.  Baker  Journ.  II. 
Linn.  Soc.  XIII.  259.  269  [1872].  Nat.  Pfl.  IL  5.  68.  Myänthe2) 
Salisb.  Gen.  of  pl.  34  [1866]).  Blüthenstand  doldentraubig 
oder  deutlich  doldig  mit  verlängerten  unteren  Blüthenstielen. 
Perigonblätter  meist  mehr  oder  weniger  einwärts  gekrümmt,  am 
Rücken  nie  mit  grünem  Streifen,  ganz  gleichfarbig,  weisslich  oder 
gelblich,  oder  oberwärts  oder  am  Grunde  mit  braunen  oder  schwärz- 
lichen Flecken.  Innere  Staubfäden  meist  verbreitert,  2  spitzig. 
Griffel  sehr  kurz  oder  fast  fehlend. 
In  Europa  nur  unsere  Art. 


1)  Nach  Theodore  Caruel,  *  27.  Juni  1830  Chandernagor  unweit  Calcutta 
f  4.  Dec.  1898  Florenz,  einer.  Professor  und  Director  des  Botanischen  Gartens  und 
Museunis  daselbst,  von  1862/3  in  Mailand,  1863  —  71  am  Hospital  S.  Maria  Nuova 
und  Giardino  dei  Seniplici  in  Florenz,  1871  —  80  an  der  Universität  Pisa,  verdient 
als  Florist,  Systematiker  und  Morpholog.  Seine  wichtigsten  Arbeiten  sind :  Pro- 
dromo  della  Flora  Toscana  Firenze  1860—64,  Suppl.  1865  u.  1870.  Statistica 
botanica  della  Toscana  Fir.  1871.  Epitome  Florae  Europaeae  Fase.  I— III.  Flor. 
1892 — 7.  Auch  führte  er  1886  —  9  die  Flora  Italiana  seines  Lehrers  Pariatore 
(s.  II.  1.  S.  246  Fussn.  3)  in  5  Bänden  zu  Ende.  Vgl.  Mattirolo  Maipighia 
XII.  533,  übersetzt  von  Seh  wen  den  er  DBG.  XVII  (201).  Ich  verdanke  C. 
werthvollea  Material  ans  der  Flora  Toscanas.  A. 

2 )  Von  pvg  Maus  und  äv&og  Blume. 


250  Liliaoeae. 

846.  (9.)  0.  Arabicum1).  -'| .  Zwiebel  eiförmig,  gross,  bis  über 
3  cm  dick,  mit  Nebenzwiebeln.  Stengel  kräftig,  ineist  3— 6  dm 
hoch.  Blätter  meist  zu  5 — 8,  ziemlich  dick-fleischig,  ziemlich  breit- 
linealisch  bis  etwa  1,5  cm  breit,  spitzlich,  kahl,  graugrün,  zuerst  auf- 
recht, dann  abstehend.  Blüthenstand  meist  6 — 12blüthig,  ausgebreitet, 
etwa  so  lang  als  breit.  Hochblätter  breit-dreieckig-lanzettlich,  bis  über 
2  cm  lang,  zugespitzt,  bleibend.  Untere  Blüthenstiele  bis  8  cm  lang. 
Perigonblätter  bis  fast  1  cm  breit,  einfarbig  weisslich,  die  äusseren 
gekielt,  stumpf,  mit  deutlicher  Stachelspitze,  die  inneren  stumpflich. 
Staubblätter  etwa  !  i  bis  lange  nicht  halb  so  lang  wie  die  Perigon- 
blätter, die  inneren  mit  viel  breiteren  Staubfäden.  Griffel  ganz  kurz, 
meisl  kaum  über  1  mm  lang,  mit  grosser  3  lappiger  Narbe.  Frucht 
verkehrt-eiförmig  mit  etwa  gleichweit  entfernten  Kanten. 

Steinige  Hügel,  Felsen  im  Mittelmeergebiet  selten:  Provence: 
Toulon,  Insel  Porquerolles  bei  Hyeres,  Cannes.  Riviera;  Nizza:  Zw. 
Si.  Helene  und  Carras  (St.  Lager  Cat.  699;  nach  Nyman  Consp. 
Suppl.  304  in  beiden  Gebieten  von  zweifelhaftem  Indigenat).  Dalmatien : 
Ragusa:  S.  Giacomo  (Neumayer  nach  Vis.  I.  145).     Bl.  Apr.,  Mai. 

0.  arabicum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  308  (1753)  z.  T.  Kunth  Enum. 
pl.  IV.  353.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  270  (1872).  Boiss.  Fl. 
Or.  V.  215.  Nyman  Consp.  727.  Suppl.  304.  Richter  PI.  Eur.  223. 
Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXX  fig.  1026.  0.  latiföUnm  Ucria  Hort. 
Pan.  155  (1789).  Caruelia  arabica  Pari.  Nuov.  gen.  22  (1854). 
Myanthe2)  arabica  Salisb.  Gen.  of  pl.  34  (1866). 

Hierzu  gehört 
B.  corymbosum.      Pflanze    sehr    kräftig.      Blüthen    sehr    gross.      Perigonblätter 
liis  über  3  cm  laug    und   1,5  cm  breit.  —  So   öfter   in  Gärten    und    in    solchen 
auch  in  Chile  eingeführt.  —    0.  Arabicum  B.  corymbo8V/m    A.  u.  G.    Syn.   III. 
250  (1005).    O.  corymbosum  Iluiz  u.  Pav.  Fl.  Peruv.  III.  G8  t.  300  (1*802). 

(Languedoc;  Iberische  Halbinsel;  Italien,  einschliesslich  der  Inseln; 
Balkanhalbinsel;  Chios;  Nord-Africa;  Madeira;  (anarische  Inseln;  die 
Angaben  aus  Chile  beziehen  sich  wohl  nur  auf  eingeführte  Gartenpflanzen 
«vgl-  B.).  f£j 

B.     B.    Blüthenstand    stets    eine  deutlich    verlängerte  Traube,    nie,    auch  an 

der  Spitze  nicht,  deutlich  doldenartig. 
I.  I.  Myögalum3)   (Link    Handb.    I.    163    [1829]    als    Gatt.    Baker 

Journ.    Linn.  Soc.  XIII.  272    [1871].    Nat.  Pfl.  IL   5.  als  Sect. 

Honorius4)  S.  F.  Gray  Nat.  arr.  Brit.  pl.  II.  177  [1821]  als  Gatt. 

Albucea*)    Rchb.    FL*  Germ.   exe.  110   [1830]   als   Gatt.     Koch 

•)  Der  Name  Arabiens  wurde  von  Linne  mehrfach  Arten  beigelegt,  die  nicht 
in  dem  dem  Babara-Gebiete  zugehörigen  eigentlichen  Arabien,  sondern  im  medi- 
terranen Theile  des  arabischen  Sprachgebiets,  besonders  in  Svrien,  vorkommen. 

i)  B.  s.  249  Fasan.  2 

:1)  Von   iii'v  und  ydXa  .Milch. 

i)  ol,  nach  dem  gleichnamigen  Weströmischen   Kaiser  (395 — 423)? 

5)  Von  Albuca  s>.  S.  224  Fussn.   1. 


Ornilhogalum.  251 

Syn.  ed.  1.  711  [1837]  als  Sect.  Brizöphile1)  Salisb.  Gen.  of 
])}.  34  1 186(3]).  Blüthenstand  zuletzt  einerseitswendig,  meist  ziem- 
lich reichblüthig.  Blüthenstiele  sämmtlick  kurz.  Blüthen  gross, 
hängend.  Perigonblätter  alle  mit  breitem  grünen  Mittelstreifen 
und  schmäleren  weissen  Rändern.  Staubfäden  breit,  blumenblatt- 
artig, ungleich,  wenigstens  z.  T.  jederseits  neben  dem  Staubbeutel 
mit  einem  aufrechten  Zahne.  Griffel  fadenförmig,  etwa  so  lang 
als  der  Fruchtknoten. 

In  Europa  ausser  unseren  Arten  auch  das  zu  derselben  Gesamintart 
gehörige  0.  Aseni'i)  (Velenovsky  Fl.  Bulg.  Suppl.  I.  273  [1898])  im 
Rhodope-Gebirge  in  Süd-Bulgarien  und  Thraeien. 

Gesammtart  0.  mit  ans  (847,  848). 
(A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flachl.  194  [1898]). 

847.  (10.)  (20.)  0.  liutans  (Stern  von  Neapel).  2J-.  Zwiebel  eiförmig, 
gross,  bis  etwa  3,5  cm  dick,  am  Grunde  abgestutzt,  kaum  verschmälert, 
mit  meist  zahlreichen  Nebenzwiebeln.  Stengel  meist  3 — 4,5  dm  hoch. 
Blätter  zu  4 — 6,  schlaff,  breit-lanzettlich,  bis  über  1  cm  breit,  etwas 
rinnig,  graugrün,  zur  Blüthezeit  noch  frisch,  so  lang  oder  etwas  länger 
als  der  Blüthenstand.  Blüthenstand  etwas  locker,  meist  3 — 12blüthig. 
Hochblätter  lanzettlich,  zugespitzt,  bis  3  cm  lang.  Blüthenstiele 
meist  bis  nicht  viel  über  1  cm  lang,  erheblich  kürzer  als  die  Hoch- 
blätter, zur  Blüthezeit  etwa  so  lang  als  der  Fruchtknoten. 
Perigonblätter  länglich,  bis  2,5  cm  lang,  bis  8  mm  breit,  stumpf.  Aeussere 
Staubfäden  gestutzt  oder  kurz  gezähnt,  die  inneren  mit  breitem  stumpf- 
lichen Zähnen,  bei  allem  die  Leiste  an  der  Innenseite  oben  nicht 
in  einen  Zahn  endigend.  Fruchtknoten  kürzer  als  der  bis 
etwa  5  mm  lange  Griffel.  Frucht  breit-eiförmig,  an  der  Spitze  tief 
gewalzt,  mit  etwa  gleich  weit  voneinander  entfernten  Kanten. 

Im  Orient  einheimisch,  früher  (jetzt  seltener)  als  Zierpflanze  in 
(Wirten,  aus  diesen  und  in  diesen,  besonders  in  alten  Parks,  seltener 
auf  Rainen  und  in  Gebüschen  ausserhalb  der  Gärten  verwildert  und 
völlig  eingebürgert,  oft  sehr  lästiges  Unkraut,  meist  sehr  gesellig.  Ver- 
breitet durch  den  grössten  Theil  des  Gebiets,  in  Tirol  bis  11 00  m 
(Samt  he  in  br.)  ansteigend,  bisher  nicht  beobachtet  auf  den  Nordsee- 
Inseln,  in  Siebenbürgen,  Bosnien,  Hercegovina,  Montenegro,  Dalmatien. 
Bl.  Ende  April,  Mai. 

0.  nutans  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  308  (1753).  Koch  Syn.  ed.  2.  822. 
Aschers.  Verb.  BV.  Brandenb.  VIII  (1867).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XIII.  272  (1872).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  212.  Richter  PI.  Eur.  I. 
223.  0.  hyälinum  Granier  in  Brouss.  El.  pl.  Monsp.  41  (1805). 
3fyogahim  nutans  Link  Handb.  I.  1(54  (1829).    Nyman  Consp.  728. 


!)  Von  Briza  (s.  II.   1.  S.  4:!9)   und  cpiAog  liebend;  weshalb? 

2)  Nach  Äsen  I.,  Zar  von  Bulgarien,  welcher  1194  Sardica  eroberte  und  die 
Gebeine  des  heil.  Johannes  als  Reichspalladiuni  nach  der  neuen  Hauptstadt,  Trnovo 
übertragen  liess  (Do  in  in   br.). 


252  Liliaoeae. 

Suppl.  305.    Albucea  nutans   Rchb.   Fl.  Genn.   exe.  110  (1830).    Ic. 
X  t.  CCCCLXXID   fig.   1031. 

Bei  uns  wenig  veränderlich;  die  Kleinasiatische  Rasse  B.  prasändrumi) 
(Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  272  [1875].  0.  praaaudrvm  Griseb.  Spie.  fl.  Rom. 
Bith.  390  [1844].  Myogalum  Thirkednum 2)  K.  Koch  Linnaea  XIX.  17  [1847]. 
M.  prasandrum  Nyman  Consp.  728)  in  Europa  noch  in  Griechenland.  Nach 
A.   v.  Degen  br.  neuerdings  in  Ungarn:  Ct.  Zeniplin  (Chyzer)  gefunden. 

Nach  Winkelmann  (B.  V.  Brand.  XVI  f.  1899  VII)  wurden  durch  die 
Blätter  dieser  Art  in  Hinterpommern  zum  Tode  führende  Vergiftungserscheinungen 
an  jungen  Gänsen  veranls 

(Schweden;  Dänemark:  Frankreich;  Iberische  Halbinsel;  Italien; 
Balkanhalbinsel;  Süd-Russland;  Krim;  Klein-Asien.)  * 

847.  X  848.    0.  nutans  X  Boucheanum  s.  S.  253. 

848.  (11.)  {21)  0.  Boucheanum3)  (mm.:  Gäinuse,  Cepa-Ciörei, 
Lusca,  Bäluscä).  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich 
durch  Folgendes  verschieden:  Stengel  meist  2 — 5  dm  hoch.  Blätter 
lebhaft  grün,  sieh  bald  lagernd  und  frühzeitig  absterbend.  Blütlien- 
stand  massig  dicht,  dichter  als  bei  den  vorigen.  Perigon blatte? 
länglich-lanzettlich,  zugespitzt,  am  Rande  meist  wellig.  Staubfäden 
alle  deutlich  spitz  gezähnt  (die  Seitenzähne  beim  Aufblühen  so  lang 
als  die  Staubbeutel)  mit  einer  in  einen  spitzen  Zahn  endigen- 
den Innenleiste.  Fruchtknoten  kugelförmig,  etwa  so  lang 
als  der  Griffel. 

An  ähnlichen  Orten  wie  vorige,  aber  meist  viel  seltener,  vielleicht 
öfter  übersehen,  nur  im  Gebiete  der  Pannonischen  Flora  anscheinend 
verbreiteter  oder  allein  vorhanden;  ob  dort  stellenweise  ursprünglich? 
Bisher  nachgewiesen  aus  Mecklenburg,  Pommern,  Brandenburg!!  Schlesien! 
Magdeburg!  Hannover,  Westfalen,  Rheinprovinz,  Hessen-Nassau.  Bayern, 
Ober-!  und  Nieder-Oesterreich !  Mähren!  Ungarn!  Siebenbürgen.  Süd- 
Tirol!    (liier  bis  785  m  beobachtet,    Sarnthein  br.).     Bl.   April,  Mai. 

0.  BoucManum  Aschers.  ÖBZ.  XVI  (1866)  191.  B.  V.  Brand. 
VIII.  XII  (1867).  A.  u.  G.  Fl.  Nordostd.  Flachl.  194.  Grecescu  Consp. 
Fl.  Rom.  561  (1808).  Myogalum  Boucheanum  Kunth  Enum.  pl.  IV. 
348(1843).  Nyman  Consp.  728.  Suppl.  305.  Ornith.  chloränthum*) 
Sauter  in  Koch  Taschenb.  508  (1844).  Koch  Syn.  ed.  2.  822.  Weiss 
Bonpl.  IV  (1856)  178.  Albncea  chlorantha  Rchb.  Ic.  X.  17  t. 
<<  CCLXXIII  fig.  1023  (1848).  Ornith.  nutans  ß.  Boucheanum 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.   XI 11.  272   (1872).     Richter  PI.  Eur.  I.  223. 

(Rumänien;   Bulgarien;   Kleinasieu.)  * 

1)  Von  Tigdaov  Lauch  und  äwfjQ  Mann,  «regen  der  an  AUium  erinnernden 
gezähnten  Staubfäden. 

2)  Nach  Thirke,  einem  deutschen  Arzte  aus  Bukarest  der  im  nördlichen 
Kleinasien  1839-1842  bei  Brussa,  z.  T.  mit  Grisebach  (s.  I.  S.  344  Fuasn.  1), 
1843  bei  Trebisond  und  im  Pontischen  Gebirge  bei  Samsun  botanisirte.  K.  Koch 
(VF.  1.  S.  311  Pussn.  3),  der  ihn  in  Trebisond  kennen  lernte,  hat  in  Linnaea  XIX. 
1  —  67  einen  Theil  Beiner  Sammlungen  bearbeitet. 

8)  Nach   Peter  Karl   Bouche,  s.   II.   1.  S.  758  Fussn.  2. 
*)  Von  %J.iüqÖs  grün  und  üvO-o^  Blume. 


Ornithogalutn.  253 

847.    X    848.    0.  nutans  X   Boucheänum  s.  unten. 

Bastard. 
B.  I. 

f  847.  X  848.  0.  nutans  X  Boucheänum.  4.  Wird  von 
Eigener  (DBG.  III  f.  1885  CXIX  [1886])  im  Schlossgarten  zu 
Biebrich  bei  Wiesbaden  angegeben;  von  uns  nicht  gesehen. 

0.  Boucheänum  X  nutans  Vig.  a.  a.  O.  (1886). 

IL  Beryllis1)  (Salisb.  Gen.  of  pl.  33  [1866]  als  Gatt.  erw.    Baker    II. 
Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  260,  273    [1872].    Nat.  Pfl.  II.  5.  68). 
Blüthenstand  wenig-  bis  sehr  vielblüthig,  oft  cylindrisch.    Blüthen 
meist  offen.      Perigonblätter  weiss  oder  gelb,    mit    schmalem  pur- 
purnen oder  braunen  Mittelstreifen  und  fast  stets  nur  3  —  4  Längs- 
nerven.    Staubfäden    etwa    halb    so    lang    als    die    Perigonblätter. 
Griffel  etwa  so  lang  als  der  Fruchtknoten  oder  kürzer. 
In  Europa  nur  unsere  Arten. 
a.  Blätter   bereits    während    der    Blüthezeit    absterbend.      Blüthen      a. 
gelb  bis  weisslich. 

849.  (12.)  0.  Pyrenaicuin 2)  (Franz.:  Aspergette;  it.:  Cipollaccio, 
Coda  di  sciattolo).  %.  Zwiebel  eiförmig,  bis  über  2  cm  dick.  Stengel  meist 
ziemlich  starr  aufrecht,  meist  3 — 6  dm  hoch.  Blätter  zu  5 — 6  ziemlich 
dick,  fleischig,  schlaff,  breit-linealisch,  bis  fast  1  cm  breit,  rinnig,  grau- 
grün, kürzer  als  der  Stengel.  Blüthenstand  sehr  reich-,  meist  30 — 50- 
(oder  mehr-)  blüthig.  Hochblätter  lanzettlich,  allmählich  zugespitzt, 
meist  nicht  über  7  mm  lang.  Blüthenstiele  abstehend,  in  der  Frucht 
East  aufrecht  angedrückt,  die  unteren  bis  fast  2  cm  lang.  Perigonblätter 
veikehrtdanzettlich  bis  länglich-linealisch,  etwa  6 — 8  mm  lang  und  kaum 
2  mm  breit,  stumpflich.  Staubfäden  ziemlich  gleichlang,  lanzettlich, 
plötzlich  zugespitzt,  etwa  halb  bis  '6U  so  lang  als  die  Perigonblätter, 
Griffel  dünn,  bis  etwa  3  mm  lang.     Frucht  eiförmig. 

Nur  im  westlichen,  südlichen  und  südöstlichen  Gebiet.   Bl.  Juni,  Juli. 

0.  pyrenaicum  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  306  (1753).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIII.  275  (1872).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  213.  Nyman  Consp. 
726.  Suppl.  304.  Richter  PI.  Eur.  I.  224.  Scilla  silvestris  Savi  Duo 
cent.  88  (1804).  Beryllis  pyrenaica  Salisb.  Gen.  of  pl.  33  (1866). 
0.  latifölium  L.  Herb,  nach  Baker  a.  a.  O.  (1872). 

Zerfällt  in   2   Rassen 

A.    sphaerocärpum 3).    Perigonblätter  weiss  oder  weisslich  mit  deut- 
lichem grünen   Kiel. 


')  Von  ßypvAÄog,  der  Edelstein  Beryll;   weshalb? 

2)  Die  Itasse  B.  wurde  von    Clusius    (Host,    stirp.    Cur.    post    21)    als    Orn. 
Jtyrenaicum  bezeichnet. 

3)  Von  atpalQa  Kugel  und   KaQnog  Frucht. 


254  Liliaoeae. 

Auf  Aeckern,  Wiesen,  wüsten  Plätzen,  Wegrandern  die  ver- 
breiterte Form.  Südtirol  (big  L300  ra  ansteigend)!  Venetien. 
Kärnten.  Krain!  Steiermark!  Nieder-  und  Oberösterreieh.  West- 
Ungarn.  Mähren  (nur  am  Fusse  der  Karpaten).  Bosnien!  Herce- 
govina.  Verschleppt  in  Schlesien:  Reichenbach:  Bertholsdorf  1855 
(Schumann  nach  Fiek   Fl.  v.   Schlesien    450).     Bl.   Juni,    Juli. 

O.  Pyrenaieum  A.  sphaerocarpum  A.  u.  G.  Syn.  III.  254 
(1905).  0.  pyrenaieum  Jacq.  Fl.  Austr.  IL  t.  103  (1774).  Koch 
Syn.  ed.  1.  711  (1837)  ed.  2.  820.  Reichenb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXXI 
fig.  228  (1848).  0.  sphaerocarpum  Kerner  ÖBZ.  XXVIII  (1878) 
15.  Xvman  Consp.  Suppl.  304.  0.  pyrenaieum  a.  typicum  Beck 
Fl.  Nieder-Oesterr.  171  (1890).  Glasnik  XV.  211  [75]  (1903).  Wiss. 
Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  494  [88]  (1904). 

(Verbreitung  der  Rasse:  Balkanhalbinsel.)  |"^T| 

B.  flavescens.  Perigonblätter  hellgrün  bis  gelbgrün,  mit  grünem 
Mittelstreifen. 

An  ähnlichen  Orten  wie  A.,  im  Südwesten  allein  vertreten, 
im  Südosten  seltener  als  A.  Provence;  Riviera!  Rhonegebiet!  auf- 
wärts bis  Naters  im  Wallis  (Jaccard  348),  längs  des  Jura!  bis 
Basel  und  Aargau,  Elsass,  Lothringen!  Luxemburg.  SO. Belgien. 
Piemont;  Tessin;  Süd-Tirol!  Lombardei.  Venetien.  Kärnten;  Krain. 
Küstenland.  Istrien !  Kroatien.  Dalmatien.  Bosnien!  Südwest-  und 
Süd-Ungarn!  (bis  1000  m  A.  v.  Degen  br.)  Siebenbürgen.  Ver- 
schleppt  in  Ober-Oesterreich  und  im  Schlossgarten  zu  Biebrich  bei 
Wiesbaden  (Vi gen  er  DBG.  III.  CXIX).     Bl.  Juni,  Juli. 

0.  Pyrenaieum  var.  flavescens  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII. 
275  (1872).  Beck  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  495  [89]  (1904). 
Richter  PI.  Eur.  I.  224.  0.  flavescens  Lam.  Fl.  Franc.  III.  277 
(1778).  111.  genr.  t.  242  fig.  2.  Anthericum  sulphüreum  Waldst. 
u.  Kit.  PI.  rar.  Hung.  I.  98  t.  95  (1802).  0.  pyrenaieum  Lam. 
u.  De  Cand.  Fl.  Franc.  III.  216  (1805).  Bertol.  Fl.  It.  IV.  101 
(1839).  Vis.  Fl.  Dalm.  III.  352  (1852).  Parlat.  Fl.  It.  IL  446 
(1852).  Gren.  u.  Godr.  Fl.  France  III.  189  (1855).  Kerner  ÖBZ. 
XXVIII  (187S)  15.  Crepin  Man.  Fl.  Belg.  ed.  5.  347  (1885). 
Simonkai  Enum.  525  (188(5).  Schinz  u.  Keller  Fl.  Schweiz  1.  Aufl. 
102  (1900)  2.  Aufl.  111  (1905).  Phalangium  sulphüreum  Poir. 
Encycl.  Suppl.  IV.  381  (1816).  0.  sulphüreum  Schult,  fil.  Syst. 
veg.  VII.  518  (1829).  Koch  Syn.  ed.  2.  820.  Nyman  Consp.  727. 

(Verbreitung  der  Rasse:   Wie  die  Art.)  "ijT 

(Verbreitung  der  Art :  Britische  Inseln;  Frankreich;  Nord-Spanien; 
Italien;  Balkanhalbinsel;  Krim;  Kaukasus;  Vorder-Asien  bis  Mesopo- 
tamien.) TjT 

b.  b.   Blätter  zur   Blüthezeit   noch   vollständig  erhalten. 

1.  1.  Staubfäden  am  Grunde  linealisch  (»der  lanzettlich. 


Ornithogalum.  255 

Gesammtart  0.  pyramidale  (850,   0.  arcuatum). 

850.  (13.)  0.  pyramidale  (in  Siebenbürgen  u.  a. :  Krohn- 
zwiebel,  Werbeskümmleng  genannt;  it.:  Cipollone  bianco  spigato).  '1\ . 
Zwiebel  eiförmig,  bis  etwa  3  cm  dick.  Stengel  meist  3 — 4  dm  hoch, 
meist  starr  aufrecht.  Blätter  zu  4 — 6,  ziemlich  derb  fleischig,  meist  0,6 
bis  etwas  über  1  cm  breit,  graugrün,  rinnig.  Blüthenstand  etwas  locker, 
meist  20 — 50  blüthig.  Hochblätter  lanzettlich  zugespitzt,  meist  1  bis 
fast  2  cm  lang.  Blüthen stiele  aufgerichtet  bis  3  cm  lang,  also 
viel  länger  als  die  Hochblätter.  Perigonblätter  verkehrt- 
lanzettlich,  bis  über  1  cm  lang  und  bis  3  mm  breit,  stumpflich,  mit 
4 — 6  Längsnerven,  weisslich  mit  grünem  Mittelstreifen,  Staubfäden 
nach  der  Blüthe  zusammengedreht.  Staubfäden  aus  lanzett- 
lichem Grunde  lang  zugespitzt,  kaum  halb  so  lang  als  die  Perigon- 
blätter. Griffel  kurz,  nicht  viel  über  9  mm  lang.  Frucht  eiförmig, 
dreifurchig. 

Auf  Aeckern,  an  unbebauten  Plätzen,  auf  trockneren  Wiesen  nur 
im  Gebiete  der  Adria  und  der  Pannonischen  Flora.  Istrien !  Kroatien ! 
Mittel-Ungarn!  (bis  160  m  Kern  er  ÖBZ.  XXVIII)  von  da  aus  ein- 
geschleppt in  Nieder-Oesterreich.  Siebenbürgen.  Bosnien:  Doboj  (Maly 
br.).  Hercegovina:  Mostar  (Pich ler  nach  Beck  Glasn.  XV.  211  [75] 
[1903].  Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  495  [89]  [1904]).    Bl.  Juni,  Juli. 

0.  pyramidale  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  307  (1753).  Kerner  ÖBZ. 
XXVIII  (1878)  9.  Beck  Fl.  Nieder-Oesterr.  171.  Wiss.  Mitth.  Bosn. 
Herceg.  IX.  495  [89]  (1904).  Jacq.  Ic.  t.  525.  Nyman  Consp.  726. 
0.  narbonense1)  Neilr.  Fl.  Niederösterr.  156  (1859)  und  anderer  Schrift- 
steller nicht  L.  0.  brevistißum  Wolfn.  ÖBZ.  VII.  230  (1857). 
Nyman  Consp.  726.  O.  Narbonense  ß.  pyramidale  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
214  (1844).  0.  narbonense  (J.  brevistylum  Richter  PI.  Eur.  I.  224 
(1890.) 

In  der  Grösse  und  Höhe,  der  Gestalt  und  Dichtigkeit  des  Blüthenstandes  und 
in  der  Länge  der  Blüthenstiele  etc.  ziemlich  wechselnd.  Besonders  im  Orient  lassen 
sich  verschiedene  Unterarteu,  Rassen  und  Formen  (vgl.  Baker  u.  Boi  ssier  a.  a. 
O.)  unterscheideu. 

In  Europa  nur  noch  die  Unterart : 

B.  O.  Narbonense1).  Dem  Typus  sehr  ähnlich,  aber  durch 
Folgendes  verschieden:  Pflanze  meist  kleiner.  Stengel  meist  niedriger. 
Blüthenstand  reichblüthiger,  länglich.  Hochblätter  lanzettlich,  in  eine 
lange  Spitze  vorgezogen.  Blüthenstiele  abstehend,  erst  später  auf- 
gerichtet, kaum  länger  als  die  Hochblätter.  Blüthen  sich  früher 
entwickelnd.  Perigonblätter  nach  der  Blüthe  nicht  zusammen- 
gedreht.    Griffel  länger. 

Auf  grasigen  Plätzen,  auf  Aeckern,  unbebauten  Plätzen.  Nur  im 
Gebiet  der  Adria:  Kroatisches  Küstenland ;  Dalmatien!  Für  Bosnien  und 
Hercegovina  zweifelhaft  (Beck  WTiss.  Mitth.  IX.  495  [89]).  Bl.  Mai,  Juni. 

!)  Nach  Narboune  (Aude),  im  Alterthum  Narbo  Marcius,  wo  die  Unterart 
zuerst  gefunden  wurde. 


25U  Liliaceae. 

0.  narbonnense  L.  Amoen.  acad.  IV.  312  (1759).  Spec.  pl.  ed. 
2.  Ilo.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XIII.  277  (1872).  Kerner  ÖBZ. 
XXVIII  (1878).  13.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  214.  Beck  Wiss.  Mitth.  Bosn. 
Herceg.  IX.  495  [89]  (1904)  Nyman  Consp.  726.  Suppl.  304.  Richter 
PI.  Eur.  I.  224.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLXXII  fig.  1029.  0.  läcteum 
Vill.  PL  Delph.  IL  272  (1787)?  nicht  Jacq.  0.  stachyo'ides1)  Ait.  Hort. 
Kew.  I.  441  (1789).  Koch  Syn.  ed.  2.  821.  Nyman  Consp.  726. 
Suppl.  304.  Rchb.  Ic.  t.  CCCCLXXII  fig.  1030.  Stellar is  erecta 
Moench  Meth.  302  (1794).  Scilla  montäna  Savi  Due  cent.  89  (1804). 
Beryllis  stachyoides  Salisb.  Gen.  of  pl.  33  (1866). 

Hierzu  gehören : 
B.  brach fislachysi)    (0.   brachystächys    K.    Koch    Linnaea  XXII.  248   (1849]). 
Blüthenstand  kurz.  —  So  an  sehr  trocknen  Orten. 

Eine  schmalblättrige  Form  ist  C.  stenophyllum  (Boiss.  Herb.). 
Zu  diesei   Unterart  gehört  als  Rasse : 

IL  Visian  icum8).  Zwiebelhäute  mehr  oder  weniger  zerfasernd. 
Blätter  graugrün.  Blüthen  meist  erheblich  grösser.  Perigon- 
blätter  elliptisch-linealisch,  flach,  3 — 7 nervig,  grünlichgelb 
einfarbig,  ohne  grünen  Mittelstreifen,  stumpf  oder 
ausgerandet.  Staubfäden  aus  fast  eiförmigem  Grunde  verschmälert. 
Fruchtknoten  eiförmig,  nach  der  Spitze  verschmälert. 

Bisher  nur  in  Dalmatien  an  felsigen  Orten  auf  der  Insel 
Pelagosa  (Tommasini).     Bl.  Mai,  Juni. 

0.  Narbonense  IL  Visianicum  A.  u.  G.  Syn.  III.  256 
(1905).  0.  Visianicum  Tommasini  in  Vis.  Mein.  real.  Ist.  Venet. 
XX.  176  (1876)  t,  II  fig.  1.  Nyman  Consp.  727.  Suppl.  304. 
Richter  PI.  Eur.   I.  224. 

Diese  Basse  ist  eine  der  Rasse  flavesoens  des  0.  Vyrcnaicum  analoge 
Form,  die  im  Wesentlichen  durch  die  gelbliche  Blüthenfarbe  abweicht. 

(Verbreitung  der  Rasse :  Mit  Sicherheit  nur  aus  dem  Gebiete, 
doch  scheinen  einige  uns  vorliegende  Pflanzen  von  Kreta  und 
anderen  griechischen  Inseln  hierher  zu  gehören.)  \*]? 

m.  trigynum*)  (0.  trigynnm  Red.  Lil.  t.  417  [zwischen  1809  und  1813]. 
Kuntli  Kimm.  pl.  IV.  357).  Griffel  3  und  öfter  auch  die  Fruchtblätter  ge- 
trennt, die  Frucht  meist  fehlschlagend. 

(Verbreitung  der  Unterart  und  Art:  Iberische  Halbinsel; 
Languedoc;  Italien;  Balkanhalbinsel;  Kaukasus;  Vorderasien  bis 
Persien;  Nord-Africa;  Canarische  Inseln,  für  die  einzelnen  Unter- 
arten  Daher  festzustellen.)  |lf| 

t  0.  arciiiitiini.  •>  .  Der  Leitart  sehr  ähnlich,  von  ihr  hauptsächlich  durch 
Folgendes  verschieden:  Stengel  sehr  kräftig,  höher.  Blätter  breit-linealisch-lanzett- 
lieli,    bis  über  2  cm  breit.     Blüthenstand  sein-  gross.      Hochblätter  knrz-lanzettlich, 


t)  Von  aiäyvg  Aehre. 

-)  Von  (iQa%vg  kurz  und  oiä%vg  Aehre. 

3)  S.  I.  S.  88  Fussn.    1. 

1 )  \'<>n   tqi-  3-  und   yrn]   Weib,  hier  Griffel. 


Omithogalum.     Galtonia.  257 

zugespitzt.  Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,  zuletzt  bogig  aufstrebend, 
bis  5cm  lang,  viel  länger  als  die  Hochblätter.  Perigonblätter  länglich- 
linealisch,  stumpf,  meist  mit  hellgrünen  Mittelstreifen.  Staubfäden  breit-lanzettlich, 
plötzlich  verschmälert. 

Im  Orient  heimisch,  im  Gebiete  in  Tirol:  Bozen,  am  Fusse  der  Mendel  und 
in  einem  Garten  bei  Steyr  in  Ober-Oesterreich  beobachtet,  aber  an  beiden  Stellen 
in  einzelnen  Exemplaren  wohl  nur  vorübergehend  verschleppt  bez.  verwildert  (vgl. 
Hausmann  Fl.  Tirol  1069,  1492.  B  ri  ttinger  Verh.  ZBG.  Wien  XV  [1865]  299). 
Bl.  Mai. 

0.  arcuatum  Stev.  Mem.  Soc.  Nat.  Mose.  VII.  271  (1829).  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
215.    Nyman  Consp.   727. 

Nach  Baker  das  Linne'sche  0.  latifolium  (Spec.  pl.  ed.  1.  307  [1753]) 
und  zur  Section  Cathissa  gehörig,  nach  Boiss ier  u.  A.  aber  mit  0.  Narbonnense 
nahe  verwandt. 

2.  Staubfäden    aus  dreieckigem  oder   fast  quadratischem  Grunde 
verschmälert. 

*  O.  candätum  (Falsche  Meerzwiebel,  in  der  Schweiz  Heilbölle).  0J.  Zwiebel 
Behr  gross,  eiförmig,  bis  etwas  kugelig,  bis  über  1  dm  dick,  grün,  wie  bei  Urginea 
maritima  weit  aus  der  Erde  hervorragend.  Stengel  kräftig,  aufrecht,  bis  1  m 
hoch.  Blätter  zu  5—6,  ziemlich  fleischig,  breit-linealisch-lanzettlich, 
bis  fast  4  cm  breit,  allmählich  zugespitzt,  spitz,  lebhaft  grün.  Blüthen  stand 
viel-  (etwa  50 — 100-  oder  mehr-)  blüthig.  Hochblätter  linealisch,  bis  2,5  cm 
lang.  Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,  die  unteren  bis  fast  2  cm  lang.  Blüthen 
duftend.  Perigonblätter  bis  über  1  cm  lang  und  3  mm  breit,  stumpflich, 
gelblich-weiss  mit  grünem  Mittelstreifen.     Griffel  bis  bis  3mm  lang. 

Vom  Caplande  bis  zum  Kilimandjaro  heimisch,  bei  uns  im  südlichen  Gebiete 
in  Gärten,  im  nördlichen  sehr  häufig  in  Zimmern,  besonders  bei  Landbewohnern 
gezogen,  irrthümlich  für  die  wahre  Meerzwiebel  (Urginea  maritima  S.  221)  gehalten. 

0.  caudatum  Ait.  Hort.  Kew.  I.  442  (1789).  Bot.  Mag.  t,  805.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XIII.  277  (1872).  O.  Massöni  <)  Gmel.  Syst.  I.  551  (1791).  Scilla 
maritima  vieler  Gärten  s.  oben  nicht  L. 

*   GALTONIA 2). 

(Decaisne  Fl.  des  serres  XXIII.  32  [1880].    Nat.  Pfl.  II.  5.  65.) 

S.  S  220.  Ansehnliche  ausdauernde  Kräuter  mit  wenigen  breit-linealischen, 
ziemlich  flachen,  grundständigen  Blättern.  Blüthenstand  eine  ansehnliche  lockere 
Traube.  Blüthen  gross,  hängend,  weiss.  Perigonröhre  ziemlich  weit,  etwas  glockig, 
mit   längeren  bis  doppelt  so  langen  abstehenden  Abschnitten.    Sonst  wie  Hyacinthus. 

2  Arten  in  Südafrica. 

*  G.  cändicans.  9] .  Stengel  meist  8  dm  bis  weit  über  1  m  hoch.  Blätter 
zu  4 — 5,  breit-linealisch,  bis  über  4  cm  breit,  graugrün.  Blüthenstand  meist  10  bis 
20 blüthig.  Hochblätter  lanzettlich,  etwa  so  lang  oder  etwas  kürzer  als  die  Blüthen- 
stiele. Blüthenstiele  abstehend,  nickend,  die  unteren  bis  etwa  4  cm  lang.  Perigon 
bis   etwa  3,5  cm    lang,    mit    länglich-spateligen,    die  Bohre  an  Länge    etwa    um  das 


i)  Nach  Francis  Masson,  *  Aug.  1741  Aberdeen  f  Dec.  1805  oder  Jan.  1806 
Montreal,  Gärtner  und  botanischer  Reisender  (der  erste,  der  von  Kew  ausgesandt 
wurde).  M.  erforschte  das  Capland,  die  Canaren  und  Azoren  und  Canada;  er  war 
Verf.  werthvoller  botanischer  und  gärtnerischer  Schriften.  S.  Britten  u.  Boulger 
Journ.  of  Bot.  XXVII.  370. 

8)  Nach  Francis  Galton,  *  1822,  welcher  1851  zuerst  das  (jetzt  deutsche), 
Owambo-Land  in  S.W.-Africa  bereiste;  er  hat  das  jetzt  zur  Wiedererkeuuung  von 
Personen  so  erfolgreich  angewendete  System  der  Fingerabdrücke  angegeben. 

Aschersoii  u.  Graebner,  Synopsis.  III.  17 


Liliaoeae. 

Doppelte  übertreffenden  aufrecht  abstehenden  Abschnitten.  Staubfäden  am  Grunde 
der  Perigonabschnitte  entspringend,  bis  über  l  cm  lang.  Frucht  länglich,  sitzend, 
stumpfkantig,  mit  3 kantigem  Samen, 

Im  Caplande,  Natal  und  im  Zululande  heimisch,  bei  uns  sehr  häufig  in  Gärten, 
Bl.  Juli — September. 

G.  canditans  Decne.  Fl.  des  Berres  XXIIL  ?>2  (1880).  Hyacintkua  ccmdicans 
Baker  in  Saund.  Ref.  Bot.  t.  174  (1870).    Journ.  Soc.  XI.  425  (1871). 


■-:-  CHIONODOXA1). 

(Boiss.  Diagn.  ser.   L.  V.  61  [1844].    Nat.  PH.  II.  V.  65.) 

(Schneeglanz.) 

S.  S.  220.  Ziemlich  kleine  Kräuter  mit  linealischen  einnervigen, 
grundständigen  Blättern.  In  der  Tracht  der  Gattung  Scilla  ähnlich 
und  ihr  auch  in  der  Mehrzahl  der  Merkmale  nahestehend.  Blüthen- 
stand  stets  eine  lockere  Traube  mit  wenigen  Blüthen.  Perigon  mit 
kurzglockiger  Röhre  und  viel  längeren,  trichterförmig  gestellten  oder 
meist  zurückgebogenen  Abschnitten,  meist  schön  blau,  am  Grunde  oft 
weiss.  Staubfäden  verbreitert,  alle  oder  nur  die  äusseren  blumenblatt- 
artig, alle  frei.      ( rriffel  kurz,   mit  kopfiger  Narbe. 

5 — 6  Arten  im  östlichen  Mittelmeergebiet,  besonders  in  Kleinasien.  In  Europa 
einige  Arten  auf  Kreta,  die  auch  mitunter  in  Gärten  gezogen  werden  und  sich  von 
C.  hucüiae  durch  gleichlange  Staubblätter  unterscheiden:  Die  oft  bis  4blüthige 
G  Forbesii^)  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  X.  436  [1869])  (in  Kleinasien)  mit  der 
dich  blühenden  Rasse  Idaia*)  (Baker  a.a.O.  [1875]).  G.  nana  (Boiss.  u. 
Heldr.  Diagn.  ser.  1.  XIII.  -24  [1853].  Hyacintfms  nanus  Rom.  u  Schult.  Syst. 
VII.  581  [1829])  mit  1  —  2  ziemlich  kleinen  Blüthen,  deren  Perigonabschnitte  mehr- 
mals länger  als  die  Röhre  sind.  ('.  Grätica  (Boiss.  u.  Heldr.  in  l'-niss.  Diagn. 
ser.  1  XIII.  24  [1853].  Hyacinthus  eretiem  Nyman  Syll.  Suppl.  64  41865])  mit 
grossen,  bis  1,5  cm  langem  Perigon,  dessen  Abschnitte  wenig  länger  als  die  Bohre  sind. 

-;-  C.  Luciliae*).  T)-.  Stengel  bis  etwa  1  dm  hoch.  Blätter  linea- 
lisch, bis  4  mm  breit,  etwa  so  hing  wie  der  Stengel.  Blüfheiistand 
meist  1 — 2-  oder  :'>  blüthig.  Perigon  bis  1.5  cm  lang,  mit  die  Röhre 
an  Länge  etwa  2  — 3  mal  übertreffenden  länglich -spateiförmigen  Ab- 
schnitten. Staubblätter  sehr  ungleich,  die  äusseren  etwa  2  mm 
hing  und   etwa    L,5  mm   breit,   die   inneren    '.'>  mm    lang   und    1  mm   breit. 

In  Kleinasien  heimisch,  bei  uns  häufig  in  Gärten,  leicht  ver- 
wildernd, so  >eit  längerer  Zeit  in  Görlitz:  Botanischer  Garten  (Barber 
Abh.  N<;.  Görlitz  XXIII.  143  [1901].  Hock  Beil..  Bot.  Centrbl. 
XV.  4<iü).    Berlin:  Gr.  Lichterfelde!!     BL  März. 

('.  hucüiae  Boiss.  Diagn.  ser.  1.  V.  61  (1844).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XI.  436  (1871).  ' 


i)  Von  y_ii',v  Schnee  und  ö6$a  Ruhm,    Zierde  «regen    des   alpinen  Standorts. 
-.   II. "_'.  s.  384    Fnssn.  1. 

3)   Vom    Berge    [da    auf    Kreta. 

Nach  Frau  Lucile  Boissier,  geh.  Butini,  geb.  1822  Genf  (dt.  Mitth. 
ihres  s.>hne>  Mr.  A.  Boissier)  f  !).  Juli  1849  Granada,  der  Gattin  von  Edm. 
Boissier  (8.  II.  1.  S.  535  Fussn.  1),  welche  ihn  auf  mehreren  Beiner  Reisen  be- 
gleitete. 


Galtonia.     Chionodoxa.      Puschkinia.      Hyacinthus.  259 

C.  Sardcnsis  i)  (Barr.  u.  Sugden  Cat.  1883.  Boiss.  Fl.  Or.  Suppl.  371  [1888]). 
Blatter  meist  zu  2.  Blüthenstand  1 — 2  blüthig.  Bliithenstiele  etwas  kürzer  als  die 
Blütheu.  Perigon  lebhaft  blau,  mit  die  Röhre  an  Länge  einmal  übertreffen- 
den linealisch-elliptischen  stumpfen  Abschnitten.  Staubfäden  eiförmig,  stumpf, 
gleich  lang,  etwa  V3  so  lang  als  die  Perigonabschnitte.  —  In  Kleinasien  heimisch, 
bei  uns  neuerdings  viel  in  Gärten.   —   Blüthe  viel  kleiner  als  bei  vorigen. 

*f  PUSCHKINIA 2). 

(Adams  Nov.  Act,  Ac.  Petrop.  XIV.  164  t.  B.  [1805].  Nat.  Pfl.  II.  5.  68.    Addmsia  3) 
Willd.  Magaz.  Ges.  Naturf.  Freunde  Berlin  II.   16  [1808].) 

S.  S.  221.  Gleichfalls  in  der  Tracht  Arten  der  Gattung  Scilla  sehr  ähnlich 
und  der  vorigen  Gattung  verwandtschaftlich  nahe  stehend.  Perigonabschnitte  meist 
weit  abstehend  oder  zurückgebogen.     Staubfäden  flach,  miteinander  verbunden. 

2  Arten  in  Kleinasien,  dem  Kaukasus  bis  Afghanistan.    Bei  uns  in  Gärten  öfter 

*f  P.  scillo'ides.  0{.  Stengel  dünn,  bis  über  2  dm  hoch.  Blätter  meist  zu 
2,  breit-linealisch,  bis  über  1  cm  breit,  am  Grunde  den  Stengel  lang  umfassend,  etwa 
so  lang  als  der  Stengel.  Blüthenstand  1 — 6  blüthig.  Bliithenstiele  aufrecht-abstehend, 
die  unteren  bis  fast  1  cm  lang.  Perigon  bis  über  1  cm  lang,  ganz  hellblau  bis 
weisslich  mit  deutlich  blauem  Mittelstreifen,  mit  kurzer  Röhre  und 
meist  2 — 3  mal  so  langen  stumpfen  Abschnitten.  Staubfädenkrone  mehrmals  kürzer 
als  die  Abschnitte  mit  ganzen  oder  ausgerandeten  Zähnen. 

Im  Kaukasus,  Armenien,  Kleinasien  und  Syrien  heimisch,  selten  verwildert. 
Prag:  St.  Prokop  ungefähr  seit  1860  (Celakovskv  Böhm.  S.  AViss.  1887.  209. 
IK.ck  Bein.  Bot.  Centrbl.  XV.  405).     Bl.  März,  April. 

P.  xcilloides  Adams  Nov.  Act.  Petrop.  XIX.  164  (1805).  Bot.  Mag.  t,  2244. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  424  (1871).  Addmsia  scilloides  Willd.  Enum.  pl.  hört. 
Berol.  Suppl.  16  (1813).  Puschk.  libanotica  Zucc.  Abh.  Phys.  Cl.  Münch.  Akad. 
111.  238  (1837—40). 

174.     HYACINTHUS4). 

([Tourn.  Inst.   344  t.  180].  L.  Gen.  pl.  [ed.   1.  96]  ed.   5.   149  [1754]. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.   423   [1871].    Nat.  Pfl.  II.  5.  68.) 

(Hyazinthe;   niederl.  u.  vlaem.:    Hyacint;    dän.:  Hyacinth ;    franz.:  Ja- 

finthe;    it.:  Giacinto;    nun.:  Zambilä;  poln. :  Hyacynt,  Jacynt;    böhm. : 

Hyacint;  kroat. :  Sumbul;  russ. :  rjuiiiHTR ;  ung. :  Jaczint.) 

S.  S.  221.  Mittelgrosse  bis  kleine  ausdauernde  Kräuter.  Zwiebel 
nieist  breit  bis  eiförmig.    Jeder  Jahrgang  derselben   beginnt  mit  einigen 

1)  Bei  Sardes,  der  alten  Hauptstadt  von  Lydien  gesammelt. 

2)  Nach  dem  Grafen  Apollos  Apollossowitsch  Mussin-Puschkin ,  f  1805, 
verdientem  Chemiker,  Physiker  und  Mineralogen,  der  von  1802  an  den  Kaukasus 
und  Ararat  bereiste  (Kupffer  br.)  und  dort  Pflanzen  sammelte.  Willdenow 
änderte  den  Namen  aus  dem  nicht  zutreffenden  Grunde  weil  er  dem  Grafen  selbst 
vorher  die  Compositengattung  Mu 8 sinia  (Spec.  pl.  III.  3.  1487.  2263  [1804]) 
gewidmet  hatte,  die  indess  durch  eine  Ironie  des  Schicksals  Synonym  von  Gazdnia 
(Gaertn.  De  Fruct.  II.  451   t.   173  [1791])  ist. 

3)  S.  VI.  1.  S.  887  Fussn.  1. 

4)  ixiziv&og,  Name  einer  aus  dem  Blute  des  getöteten  Hyakinthos  hervor- 
gesprossten  Blume  bei  Homeros  u.  Anderen.  Wird  auch  mit  der  aus  dem  Blute 
desAjas  entstandenen  {Dclphinium  Ajacis?)  identificirt.  Sie  sollte  auf  den  Blättern 
die  Schriftzeichen  YA  oder  AI  tragen.  In  der  That  zeigen  die  Blumenblätter  bei 
Delphininm  eine  Zeichnung,  die  etwa  den  Buchstaben  AIA  entspricht.  Auch  auf  die 
Flecke  auf  den  Perigonblättern  von   Gladiolus  wird   hingewiesen. 

17* 


260  Liliac 

Scbuppenblättern,  auf  welche  eine  Anzahl  Laubblätter  ohne  geschlossene 
Scheide  folgen.  In  der  Achsel  des  obersten  steht  die  Hauptknospe. 
Die  Schuppenblätter  und  der  untere  Theil  der  Laubblätter  werden  zu 
Nährblättern.  In  der  Zwiebel  finden  sieh  zur  Bltithezeit  noch  die 
Blätter  zweier  vorhergehender  Jahrgänge  in  fleischigem  Zustande.  Blätter 
Linealisch  bis  breit-linealisch,  kahl.  Blüthenstand  eine  nieist  vielblüthige, 
dichte  "der  lockere  Traube.  Hochblätter  klein.  Blüthen  mittelgross 
oder  klein.  Perigon  abfallend,  glockig-röhrenförmig  bis  fast  kugelig, 
mit  kürzerem  oder  bis  zur  Mitte  öspaltigem  abstehendem  Saume. 
Staubblätter  eingeschlossen.  Staubfäden  mit  der  Perigonröhre  verbunden, 
nur  an  der  Spitze  frei.  Griffel  kurz.  Narbe  stumpf.  Samen  meist 
in  jedem  Fache  2,  halbkugelförmig,  am  Nabel  mit  einer  fleischigen  An- 
schwellung. 

Ueber  30  Arten  meist  im  Mittelmcergebiete,  besonders  im  östlichen  Tlieile 
desselben,  wenige  im  tropischen  und  südlichen  Africa.  In  Europa  ausser  unseren 
Sectionen  Doch  Strang  we ja  ')  (Bertol.  Mem.  Soc.  It.  Mod.  XXI.  2  t,  1  [1835] 
als  Gatt.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  424  [1871]  als  Sect.  Fdaiia  '  i  Pari.  Nnov.  gen. 
Mi .ii.  17  [1854]|  mit  kleinem,  etwa  bis  zur  Mitte  gespaltenem  Perigon  and  breiten 
3 zähnigen  Staubfäden.  Hierzu,  nur  H.  spicdtua  (Smith  Prodr.  Fl.  Graec.  273 
[1806].  Strangweja  hyacintho'ides  und  S.  spicata  Bertol.  Mein.  Soc.  It.  XXI. 
•_'.  t.  1  [183f>]  Puwhkmia}  dubia  Kunth  Enum.  pl.  IV.  338  [1843].  Belli 
spicata  Boiss.  Diagn.  ser.  1.  VII.  110  [1846].  Foxia  spicata  Pari.  Nuov.  gen.  18 
[1854].  Strangweia  spicata  Boiss.  Fl.  Or.  V.  309  [1884])  in  Griechenland  und 
auf  den  Inseln  einschliesslich   Kreta.   —   Bei   uns  nur  folgernde  Sectionen: 

A.   Perigon   mitteluross    bis    klein,    mit    längerer  Röhre    und    besonders 
an  den  Arten  mit  kleineren  Blüthen   kürzeren   Abschnitten. 
I.  Euhyacinthus  (Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  423  ['1871]  z.  T. 
Benth.  in  Benth.  u.  Hook.  Gen.  III.  812   [1883].     Nat.  Pfl.  II. 
5.  68).    Perigon  mittelgross,  mit  trichterförmiger  l>is  cyBndrischer 
Röhre  und  kürzeren,  nach  aussen  gebogenen  Abschnitten.    Frucht 
gross,  stumpf  dreikantig. 
Nur  unsere  Art. 

851.  (1.)  {22.)  H.  Orientälis  (die  oben  mitgetheilten  Namen  beziehen 
sieli  speciell  auf  diese  Art).  %..  Zwiebel  mittelgross  bis  gross,  eiförmig 
bis  niedergedrückt-kugelig,  mit  purpurvioletten  bis  weisslichen  Häuten. 
Stengel  meist  1,5  —  3  dm  hoch,  kräftig  oder  etwas  dünn.  Blätter  zu 
4 — 6,  linealisch  bis  linealisch-lanzettlich,  meist  bis  nicht  viel  über  1 
(Ins  2)  cm  breit,  ziemlich  fleischig,  lebhaft  grün,  an  der  Spitze  etwas 
kappenförmig  eingezogen.  Blüthenstand  (an  wilden  Formen)  meist  5- 
bis  15-  oder  (an  Culturformen)  oft  vielblüthig.  Hochblätter  klein,  drei- 
eckig. Blüthensiiele  nieist  nicht  über  5  nun  lang,  in  der  Blüthe  nickend. 
Perigon  bis  etwa  2,5  cm  lang,  mit  trichterförmiger,  mitunter  bauchiger, 
bis  cvlindriseher  Röhre  und  länglich-spatelförmigen  bis  eiförmigen,  in 
der  Blüthe  abstehenden  oder  etwas  zurückgerollten  Abschnitten.  Staub- 
blätter  unter   der  .Mitte  der  Perigonröhre    etwa    in    gleicher  Höhe   ent- 


l)  S.  S.   199   Fussn.  1. 


Hyacinthus.  261 

springend,  mit  kurzen,  kaum  2  min  langen  Staubfäden.  Frucht  nieder- 
gedrückt-kugelig,  mit  je  8 — 12  Samen  in  den  Fächern. 

Beliebte  Zierpflanze,  im  östlichen  Mittelmeergebiet  einheimisch,  in 
dem  unserigen  an  sonnigen  buschigen  Abhängen,  auf  Wiesen  und 
Aeckern  eingebürgert.  Vgl.  auch  Hock  Beih.  Bot.  Centr.bl.  XV.  405. 
Provence!  Riviera!  Am  Gardasee!  Süd-Tirol.  Kroatisches  Küstenland. 
Dalmatien:  Spalato!  Lesina.  Im  übrigen  Gebiet  öfter  vorübergehend 
verwildert,  so  wohl  in  Bosnien.     Bl.  März  bis  Mai. 

H.  orientalis  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  317  (1753).  Baker  Journ.  Linn. 
Boc.  XL  426  (1871).  Bot.  Mag.  t.  973.  Nyman  Consp.  731.  Suppl. 
306.    Richter  PI.  Eur.  I.  225. 

Ausserordentlich  veränderlich,  besonders  in  der  Farbe  und  Form  der  Blüthen 
und  der  Gestalt  des  Blüthenstandes.  Die  grösste  Mehrzahl  der  Formen  wurde  in 
Gärten  cultivirt.  Die  Farbe  ändert  ab  vom  lebhaften  Blau  bis  fast  schwarz-blau 
und  weiss,  roth  uud  gelb.  In  der  Blüthenform  sind  besonders  solche  mit  grossem, 
kräftig  gebautem  und  solche  mit  kleinerem,  mehr  oder  weniger  krausem  Perigon 
zu  unterscheiden,  letztere  namentlich  sind  oft  in  sehr  dichten  Blüthentrauben  ver- 
einigt. Von  einfachen  Blüthen  bis  zu  solchen,  die  durch  Luxuriation  monströs  wie 
Kugeln  gefüllt  erscheinen,  finden  sich  alle  Uebergänge,  Mit  der  Farbe  der  Blüthen 
ändert  auch  die  Farbe  der  Zwiebelschuppen  ab,  so'  dass  man  imstande  ist,  an  der 
Zwiebel  die  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  Farbengruppe  ungefähr  zu  erkennen. 
Eine  auffällige  Abänderung  der  wildwachsenden  Pflanze  ist  1.  p  hy  lldnthus  ')  (Vis. 
Fl.  Dalm.  III.  352  [1852]).  Tragblätter  der  Blüthen  laubig,  länger  als  die  Traube. 
—  Insel  Lesina  (S  t  a  1  i  o).  —  Botanisch  wichtig  erscheinen  folgende  Formen  (H. 
orientalis  var.  brachijpodus  Borb.  Földmiv.  Erd.  X.  501  [1882]  =  H.  bracttypodus 
Borb.  a.  a.  0.  aus  Buccari  (Kroatien)  sahen  wir  nicht.) 

B.  älbulus.  Zwiebel  mittelgross  mit  weisslichen  Häuten.  Blätter 
starr  aufrecht,  meist  ziemlich  schmal.  Stengel  ziemlich  dünn.  Blüthen- 
stand  armblüthig,  sehr  locker.  Perigon  weiss  mit  verlängerter, 
cyli ndrischer,  am  Grunde  kaum  erweiterter  Röhre  und  ziem- 
lich schmalen,  länglichen  Abschnitten.  Staubbeutel  dreimal  so  lang 
als  die  Staubfäden.     Frucht  kugelig. 

Nur  im  südwestlichsten  Gebiete:  Provence:  Grasse  (Jordan!). 
Bl.  März. 

H.  orientalis  var.  y.  albulus  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI. 
426  (1871).  Richter  PI.  Eur.  I.  225.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCIX 
t'ig.  1005.  H.  albulus  Jord.  Pug.  140  (1852).  Ic.  t,  217.  Gren. 
u.  Godr.  Fl.  France  III.  216.  Nyman  Consp.   731. 

Eine  sehr  bemerkenswerthe  Form,  die  den  Eindruck  einer  eigenen  Art 
macht,  aber  wegen  zahlreicher  in  der  Cultur  vorkommender  und  aus  ihr  ver- 
wilderter, ähnlicher  Formen  nicht  höher  als  als  Rasse  zu  bewerthen.  In  den 
(läilcn  ist  sie  als  besonders  frühblühende  und  leicht  zu  treibende  Rasse  sehr 
geschätzt  und  wird  im  Winter  oft  in  ungeheueren  Mengen  blühend  aus  dem 
Mittelmeergebiete  nach  den  nördlichen  Grossstädten  eingeführt,  wo  sie  unter 
dem  Namen   „ Romaine  blanche*  allgemein  bekannt  ist. 

(Verbreitung  der  Rasse:  Nur  im  Gebiete.)  j"ijT| 

Von  den  übrigen  oben  erwähnten  Ganenformen  Hessen  sich  eine  Reihe 
weiterer  constanter  Formen  abtrennen,  die,  wenn  sie  verwildert  und  eingebürgert 
wären,  ebenfalls  mindestens  als  Rassen  aufgefasst  werden  müssten.  Jordan 
hat    einige    derselben    als    Arten   beschrieben,    so   H.   praecox   Jord.    Pug.    1-11 


Von  tpvÄÄov  Blatt  und  äv&og  Blume. 


262  Liliaoeae. 

2)  Ic.  i.  216.  TL  modcstus  Jord.  u.  Fourr.  Ie.  t.  218  (1868).  //.  rigüiulua 
Jonl.  u.  Fourr.  Ic.  t.  220  (1*68),  die  aber  willkürlich  herausgegriffene  Formen 
(Combinationen  von  Merkmalen)  darstellen.  —  Wichtiger  ist  die  der  Rasse 
albulus  nicht  unähnliche 

II.  Pro  vinciälis.  Blätter  weitrinnig,  schmäler.  Stengel  dünn. 
Blütbenstand  armblüthig,  locker.  Blüthen  kleiner  als  beim 
Typus.    Perigon  am  Grunde  am  Ende  der  Blüthezeil   aufgeblasen. 

Verwilderte  und  eingebürgerte  Gartenform,  besonders  in  Süd- 
frankreich und  am  Südabhange  der  westlichen  Alpen. 

H.  orientalis  var.  ß.  provineialis  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XL  426  (1871).  Richter  PL  Eur.  I.  225.  H.  provinciaUs  Jord. 
Pul:-.  139  (1852).    Ic.  t.  219.  Nyman  Consp.  731. 

Der  Staub  der  Zwiebelschuppen  veranlasst    ein    unangenehmes  Jucken. 
(Verbreitung  der  Art:    Italien;    Sicilien;   Sardinien;    Griechenland, 
Kleinasien;  Syrien;  Mesopotamien.)  |7jT| 

IL  IL  Hyac  int  hell  a  (Schur  ÖBZ.  VI.  227  [1856]  erw.  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XL  424  [1871].  Nat.  Pfl.  IL  5.  68.  CzeMia1) 
Schur  a.  a.  0.  237  [1856]  ohne  Beschr.)  Blüthen  klein  mit  ver- 
längerter Röhre  und  nur  etwa  12 — l/a  so  langen,  zuletzt  in  der 
Blüthe  meist  aufrecht-abstehenden  Abschnitten.  Fruchtknoten  mit 
je  2  —  4  Samenanlagen  in  den  Fächern.  Frucht  klein,  stumpf- 
dreikantig.     Samen  mit  aufgeblasen  fleischigem  Nabel. 

In  Europa  ausser  unseren  Arten  noch  die  dem  H.  Icucophaeus  nahe  stellen- 
den Tl.  RumeTicus  (Beck  Glasn.  XV.  212  [76]  [1904].  Wiss.  Mitth.  Boan. 
Berceg.  IX.  496  [90]  [1905],  Hyaeinthella  nmelica  Velen.  Fl.  Bulg.  f  54  [1891]) 
und  //.  longilobus  {Hyaeinthella  longiloba  Vel.  a.  a.  O.  [1891])  in  Bulgarien. 

a.  a.  Perigon  bis   1  cm  lang.    Staubfäden  ganz  kurz,  die  Staubbeutel 

daher  fast  sitzend. 

H.  amethystinus.  %.  Zwiebel  eiförmig  bis  länglich-eiförmig, 
meist  nicht  bis  2  cm  dick  mit  weisslichen  bis  grauen  oder  bräun- 
lichen Häuten.  Stengel  meist  1 — 2  (bis  3)  dm  hoch.  Blätter  zu  6 
bis  8,  aufrecht,  schmal-linealisch,  meist  nicht  über  5  mm  breit,  Blüthen- 
stand locker  oder  etwas  dicht,  meist  4 — 10-  (bis  15)blüthig.  Hochblätter 
linealisch,  bis  über  1  cm  lang,  spitz,  ganz  oder  am  Grunde  violett. 
Blüthenstiele  aufrecht  abstehend  oder  an  der  Spitze  nickend,  die  unteren 
so  lang  oder  etwas  kürzer  als  die  Hochblätter.  Perigon  lebhaft  blau 
mit  ziemlich  schmaler,  eylindrischer,  oberwärts  etwas  erweiterter  Röhre 
und  nur  etwa  1ls  so  langen  eiförmigen  Abschnitten.  Staubblätter  etwa 
in  der  Mitte  der  Röhre  angeheftet,  je  3  in  verschiedener  Höhe.  Frucht- 
knoten sitzend  mit  je  3 — 4  Sameidagen  in  den  Fächern.  Frucht  l,i-i 
kugelig,  etwa  5 — 8  mm  lang,  sitzend,  stachelspitzig. 

Auf  trockenen  Hügeln,  an  Abhängen.  Bisher  nur  in  Kroatien: 
Kapeln    und    Plisivica   (Por  tench  lag)    und    bei    Fiume    (Schlosser 

i)  Nach  Daniel  Czekelius,  *  12.  Dcc.  1806  f  17.  Oct.  1871  Hermann- 
stadt, zulei/.t  Leiter  der  Landes-Baudirection,  verdient  um  die  Landeskunde  Sieben- 
bürgens, besonders  die  Geologie.  S.  des  Siebenb.  V.  f.  Nat.  in  Hermannstadt. 
Heu,,.    1896.   s.   10. 


Hyacinthus.  263 

a.  Vu  k.  1140)  angegeben.  Letztere  Angabe  bezieht  sich  auf  H.  Orientalis 
illirc  br.),  erstere  bedarf  sehr  der  Bestätigung,  noch  mehr  die  vage  An- 
gabe Boue's  im  „Türkisch-Kroatien",  der  Kraina.     Bl.  Mai,  Juni. 

H.  amethystinus  L.  Spec.  pL  ed.  1.  317  (1753).  Baker  Journ. 
Linn.  Soc.  XL  427  (1871).  Nyman  Consp.  731.  Suppl.  306.  Richter 
PI.  Eur.  I.  225.  Bot,  Mag.  t.  2425.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCIX  fig.  1006. 
ffyac.  hispänicus  Lam.  Encycl.  III.  191  (1789).  Hyac.  angustifölius 
Medic.  in  Usteri  Ann.  II.  18  (1791).  Brimeura1)  amethystina  Salisb. 
Gen.   of  pl.   26  (1866). 

Eine  sehr  leicht  kenntliche  Art,  die  in  der  Tracht  an  H.  Orientalin  erinnert, 
aber  in  allen  Theilen  kleiner  ist  als  diese.  —  In  Garten  mitunter  weissblühend. 

Hierher  gehören  H.  montdnus  Jord.  u.  Fourr.  Brev.  II.  125  (1868)  und  H. 
pyrenaeus  Jord.  u.  Fourr.  a.  a.  O.  (1868). 

(Pyrenäen ;  Spanien.) 

b.  Perigon  kleiner,    meist  nicht  0,5  (bis  0,7)  cm  lang,    mehr   oder     b. 
weniger  kugelig  oder  glockig.      Staubfäden    deutlich    etwas    ver- 
längert.    Die  Blüthenstände  lebhaft  an  Muscari  erinnernd. 

1.  Staubblätter  am   Grunde  der  Perigonblätter  eingefügt.  1» 

*  H.  azüreus.  9\.  Zwiebel  eiförmig  bis  breit- eiförmig  mit  braunen  Häuten. 
Stengel  meist  1  —  2  dm  hoch.  Blätter  zu  2 — 5  ziemlich  fleischig,  ziemlich  breit 
linealisch,  in  der  oberen  Hälfte  am  breitesten,  stumpf,  rinnig.  Blüthenstand  dicht. 
Blüthenstiele  zur  Blüthezeit  nickend,  später  aufrecht.  Perigon  lebhaft  blau,  mit 
glockiger  bis  kugelig-glockiger  Röhre  mit  erweitertem  Schlünde  und  nur  halb  so 
langen,  vorwärts  gerichteten,  breit  eiförmigen  Abschnitten. 

In  Kleinasien  heimisch,  bei  uns  nicht  selten  in  Gärten.     Bl.  März,   April. 
H.  azureus  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  427   (1871)     Muscari  azureum  Fenzl 
Delect.  sem.  Hort.  Vind.  1858. 

2.  Staubblätter   (in  oder)    über    der  Mitte    der   Perigonröhre    ein-     2. 
gefügt. 

Gesammtart  H.  leucophaeus  (852,  853). 

852.  (2.)  H.  leucophaeus2).  2f_.  Zwiebel  eiförmig,  meist  nicht  viel 
über  1,5  cm  dick,  mit  weisslichen,  zuletzt  graubraunen  Häuten.  Stengel 
ziemlich  dünn,  meist  nicht  über  1,5  dm  hoch.  Blätter  zu  2,  linealisch 
bis  länglich-linealisch,  meist  nicht  bis  1  cm  breit,  von  der  oberen 
Hälfte  n  a  c  li  dem  Grunde  verschmälert,  oberwärts  plötzlich 
zugespitzt,  stumpflich,  von  sehr  deutlichen  Längsnerven  durchzogen. 
Blüthenstand  mehr  oder  weniger  cylindrisch,  etwas  dicht,  meist  15 — 30- 
(oder  mehr)  blüthig.  Hochblätter  dreieckig,  sehr  klein,  öfter  blau  gefärbt. 
Blüthenstiele  sehr  dünn,  aufrecht  abstehend,  die  unteren  bis  3  (bis  4)  mm 
lang.  Perigon  länglich-glockig,  bis  5  mm  lang,  hellblau  oder 
weisslich,  mit  eiförmigen,  etwa  die  Hälfte  der  Länge  der  Röhre 
erreichenden  vorgestreck  ten  Abschn  i  tten.    Staubblätter  fast 

•  )  Bedeutung  ans  unbekannt. 

-)  Von  AevKÖg  weiss  und  (paiög  schwärzlich,  svegen  der  Farbe  des  Perigoni- 
und  der  (schmutzig  violetten)  der  Staubbeutel. 


"_'(il  Liliaceae. 

in  gleicher  Höhe  über  der  Mitte  der  Perigonröhre  eingefügt,  mit  den 
Staubbeuteln  an  Länge  etwa  gleichkommenden  Staubfäden.  Frucht 
niedergedrückt-kugelig,  klein,  nur  etwa  2 — 2,5  mm  lang,   rief  3 furchig. 

An  grasigen  Abhängen,  in  Steppen,  zwischen  Gerolle  in  den 
Kalkvorlagen  im  südlichen  Karpaten  (56(5 — 961  m  A.  v.  Degen  hr.j. 
Im  südöstlichsten  Galizien  und  der  Bukovina  mehrfach.  Siebenbürgen 
Vajda-Hunyad :  Berg  Kazänyos  bei  Govasdia!  Kronstadt:  Kapellenberg 
(Römer  Dürfl.  Herb.  norm.  no.  3259!)  Kl.  Hangestein;  Lindenbusch 
zw.  St   Peter  und  Honigberg  (Simonk.   528).     Bl.  April,  Mai. 

H.  leucophaeus  Stev.  in  herb.  Berol.  nach  Kunth  Enum.  IV.  312 
(1848.  als  Syn.).  Ledeb.  Fl.  Ross.  IV.  156  (1853).  Baker  Journ.  Linn. 
Soc.  XI.  428  (1871).  Richter  PI.  Eur.  I.  225.  Rchb.  Ic.  crit.  IV.  27 
r.  511.  IL.  pallens  M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  I.  283  (1807)  z.  T.? 
Musculi  pallens  Besser  Hort.  Crem.  29  (1816)  nicht  der  übrigen 
Schriftsteller.  Botryanthus  pallens  Kunth  Enum.  pl.  IV.  312  (1843). 
Muscari  leucophaeum  K.  Koch  Linnaea  XXII.  25-1  (1849).  Bolr/t- 
änthus  stereophyllus  Herbich  Stirp.  rar.  Buk.  30  (1853).  ÖBZ. 
V.  152  (1S55).  Hyadnthella  leneophaea  Schur  ÖBZ.  VI.  228  (1856). 
Xyman  Consp.  753.  Suppl.  307,  374.  Czelcelia1)  transsilvanica 
Schur  ÖBZ.  VI  237  (1856).  Bellevalia  leneophaea  Boiss.  Fl.  Or.  V. 
305  (1882). 

(Rumänien;  Süd-Russland;  Kleinasien.)  ITjT 

853.  (3.)  H.  Dalmäticus.  2J-.  Der  Leitart  ähnlich,  von  ihr  haupt- 
sächlich durch  Folgendes  verschieden:  Pflanze  oft  kräftiger.  Zwiebel 
breit-eiförmig,  bis  über  2,5  cm  dick.  Stengel  meist  1  —  2  dm  hoch. 
Blätter  oft  breiter,  mit  zahlreicheren  oft  undeutlicheren  Nerven,  erst 
unterhalb  der  Mitte  verschmälert.  Blüthenstand  meist  reicher 
(bis  50-blüthig).  Hochblätter  sehr  klein,  oft  undeutlich.  Blüthenstiele 
bis  7  nun  lang,  Perigon  schlanker,  bis  7  mm  lang,  lebhaft  blau 
bis  blass  oder  etwas  violett  mit  dreieckig-eiförmigen  nur  etwa  lls  der 
Länge  der  Röhre  erreichenden  Abschnitten.  Frucht  fast 
kugelig. 

An  sonnigen  Abhängen,  zwischen  Gerolle.  Im  östlichen  Gebiete  der 
Adria.   Dalmatien :  Ragusa.    Bosnien:  Dinara.    Hercegovina.     Bl.  April. 

H.  dalmäticus  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL  428  (1871).  Richter 
PI.  Eur.  I.  225.  Beck  Glasnik  XV.  212  [76]  (1903).  Wies.  Mittk 
Bosn.  Herc.  IX.  495  (1904).  //.  pallens  Vis.  Fl.  Dalm.  I.  150  (1842) 
nicht  M.  Bieb.  Botryanthus  pallens  Kunth  Enum.  IV.  312  (1843) 
z.  T.  Nvniiin  Consp.  7:;;:.  Suppl.  307.  Bellevalia  pallots  Vis.  Mem. 
Lt.   Ven.  XVI.  67  [35]  (1872). 

Diese  An  ist  der  vorigen  zweifellos  nahe  verwandt,  von  ihr  alter  in  der  Tracht 
abweichend,  hauptsächlich  durch  die  am  Grunde  wenig  (nicht  laut;  und  schlank] 
verschmälerten  Blätter  and  die  etwa  '  3  der  Länge  der  Perigonröhre  messenden  Ab- 
schnitte verschieden.  —   Aendert  ab: 


l)  S.  S.  262  Fussn.   1. 


Hyacinthus.  265 

A.  typicus.  Zwiebel  eikugelförmig.  Stengel  kräftig,  meist  2  dm  hoch. 
Blätter  linealisch-lanzettlich,  2 — 6  mm  breit,  verlängert,  zugespitzt, 
fast  aufrecht  oder  etwas  gekrümmt,  ziemlich  flach,  am  Rande  etwas 
rauh.  Blüthen  heller  blau  bis  dunkelblau.  —  Dalmatien.  Bosnien. 
—  H.  dalmaticus  a.  typicus  Beck  Glasn.  XV.  212  [76]  (1903). 
Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  495   [89]  (1904)  erw. 

B.  Velezensis1).  Pflanze  niedrig.  Stengel  meist  nicht  1  dm  hoch. 
Blätter  zu  3,  länglich-linealisch,  7  — 8  mm  breit,  rinnig,  sichelförmig 
zurückgekrümmt,  glatt  oder  nur  unterwärts  etwas  rauh,  das  innerste 
sehr  schmal.     Perigon  kleiner,  lebhaft  blau. 

Bisher  nur  in  der  Hercegovina:  an  steinigen  Stellen  auf  der 
Velez  Planina   1600  m  (Beck).     Bl.  Mai. 

H.  dalmaticus  ß.  velezensis  Beck  Glasn.  VIII.  322  (1896). 
Wiss.  Mitth.  Bosn.  Herceg.  IX.  496   [90]  (1904). 

(Verbreitung  der  Rasse:  Bisher  nur  im  Gebiete.)  [*J 

(Verbreitung  der  Art:  Serbien.)  \$T\ 

B.  BeUevülia2)  (Lapeyr.  Journ.  de  phys.  LXVI.  425  [1808]  B. 
[BettevaUia]  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL  424  [1871].  Nat.  Pfl. 
II.  5.  68.  Busbequia3)  Salisb.  Gen.  of  pl.  25  [1866]).  Blüthen 
klein  oder  etwas  grösser.  Perigonabschnitte  etwa  so  lang  oder 
mehrmals  kürzer  als  die  Röhre,  vorwärts  gerichtet.  Samen  mit 
kleinem  nicht  aufgeblasenem  Nabel. 

In  Europa  ausser  unsereu  Arten  noch:  H.  Pouzd Izii*)  (Gay  in  Luis. 
Not.  15  [1810].  Scilla  fastigidta  Viv.  App.  iL  Cors.  1  [1825].  Sc.  verna  Moria 
Stirp.  Sard.  I.  47  [1827].  Hyac.  fastigiatus  Bert.  Ann.  St.  nat.  IV.  62  [1830]. 
Gkaristemma  ^)  fastigiata  Janka  Term,  füz.  X.  62  [1886])  in  Corsica  und 
Sardinien.  —  H.  cilidtus  (Cyr.  PL  Neap.  II.  23  [1792].  H.  sarmaticus  Fall. 
Nov.  Act.  Petr.  X.  309  [1797].  Muscari  ciliatum  Ker-Gawl.  Bot.  Reg.  t.  394 
[1819].  Hyac.  patuliis  Bert  Conim.  Bon.  V.  430  [1842].  hellevalia  ciliata 
Xirs  Gen.  IV.  t.  8  [1843])  im  südlicheren  Mittelmeergebiete  bis  zum  Orient 
und  Nord-Africa.  —  H.pallens  (M.  Bieb.  Fl.  Taur.-Cauc.  I.  183  [1808]  z. 
T.?  vgl.  S.  264.  H.  dalmaticus  Ave  Lall.  Ind.  sem.  hört.  Pctrop.  XL  71  [  184*3] 
nicht  Baker.  H.  Pallasiänus  6)  Stev.  Bull.  S.  Mose.  XXX.  3.  85  [1857])  iu 
Süd-Russland  uud  Vorderasieu. 

I.  Perigonabschnitte  etwa  so  lang  als  die  Röhre.  I. 

854.  (4.)  H.  Romänus  (it.:  Cipollaccia;  ligur. :  Becciciora;  kroat.: 
Carevac,  Lusanj).  %.  Zwiebel  gross,  eiförmig.  Stengel  meist  1,5 — 3  dm 
hoch.  Blätter  meist  4 — 5,  aufrecht  abstehend,  etwas  fleischig,  meist 
etwa  1  ((»,5 — 1,5)  cm  breit,  rinnig,  beiderseits  allmählich  verschmälert, 
grasgrün,  viel  länger  als  der  Stengel.    Blüthenstand  etwas  locker,  meist 


i )  Nach  dem  Fundorte  in  der  Hercegovina. 

'-')  S.  I.  S.  364  Fussn.  2. 

3)  Nach  Augherius  Ghislenius   Bousbekc    (Busbequius  s.  S.   196). 

4)  S.  IL   1.  S.  658  Fussn.   1. 

■r>)  Von  %ÜQi£  Reiz,  Anmuth   uud  aie\ufia  Kranz. 

6)  S.  I.  S.  214  Fussn.  3. 


266  Liliaceae, 

etwa  20 — 30blüthig.  Hochblätter  klein,  länglich-dreieckig.  Blüthenstiele 
aufrecht-abstehend,  die  unteren  bis  über  1  cm  lang.  Perigon  glockig, 
meist  etwa  0,8 — l  cm  lang,  hellblau  oder  weiss,  mit  lanzettlichen,  spitz- 
lichen Abschnitten.  Staubfäden  am  Schlünde  der  Perigonröhre  alle  etwa 
in  gleicher  Höhe  eingefügt,  zusammengedrückt,  etwa  2  nun  lang,  blau. 
Frucht  kugelig  bis  breit-verkehrt-eiförmig  bis  über  1  cm  lang  und  breit, 
stumpf  dreikantig  mit   je   1 — 2  kugeligen  Samen  in  den  Fächern. 

Provence.  Eliviera.  Oesterreichisches  Küstenland  mehrfach,  bei  Triest 
(früher)  wühl  nur  verwildert,    [strien.    Dalmatien!     Bl.  April. 

H.  romanus  L.  Mant.  II.  224  (1771).  Baker  Journ.  Lina.  Soc. 
XI.  431  (1871).  Richter  PI.  Eur.  I.  226.  Belleualia  romana  Rchb. 
Fl.  Germ.  exe.  105  (1830).  Ic.  t.  CCCCLVIII  fig.  1002.  Gren.  u. 
Godr.  PL  France  III.  217.  Boiss.  Fl.  Or.  V.  501.  Nyman  Consp.  732. 
Scilla  romana  Ker-Gawl.  Bot.  Mag.  t.  939  (1806).  Bellevalia  oper- 
culata  Lap.  Journ.  phys.  LXVII.  42ö  (1808).  Bellevalia  appendi- 
Cidäta   Lap.  Hist.  abr.  Pyren.   186  (1813). 

l  Süd- Frankreich ;  Iberische  Halbinsel;  Italien;  Balkanhalbinsel; 
Cypern;  Nord-Africa.)  7jT) 

II-         II.  Perigonabschnitte  höchstens  halb  so  lang  als  die  Bohre. 

855.(5.)  H.  trifoliatus.  %.  Zwiebel  dick.  Stengel  meist  2 — 4  dm 
hoch.  Blatter  meist  zu  3,  linealisch-lanzettlich,  etwa  2  cm  breit, 
am  (I  runde  den  Stengel  u mschliessend ,  oberwärts  lang  zu- 
gespitzt, viel  länger  als  der  Stengel,  an  den  Rändern  fein 
gewimpert.  Blüthenstand  sehr  locker,  meist  10 — 30blüthig.  Hoch- 
blätter klein,  dreieckig.  Blüthenstiele  aufrecht-abstehend,  meist  nicht 
über  6  (bis  15)  mm  lang,  öfter  oberwärts  nickend.  Perigon  länglich- 
glockig, bis  etwa  1,5cm  lang,  mit  etwa-  trichterförmiger  violetter 
Röhre  und  höchstens  ein  Viertel  so  langen  länglichen  stumpfen,  grün- 
lichen Abschnitten.  Staubfäden  dem  Schlünde  der  Perigonröhre  etwa 
gleich  hoch  eingefügt,  zusammengedrückt,  mit  violetten  Staubbeuteln. 
Fruchl  breit-elliptisch,  an  der  Spitze  abgerundet,  mit  je  1  —2  schwarzen, 
schwach   gestreiften   kugeligen   Samen. 

Im  Gebiete  nur  in  der  Provence:  Aux  Pradets  bei  Toulon.  Vemetien: 
Monti  Berici  bei  Vicenza  (Bizzozero  nach  Bolzon  Atti  Ist.  Yen.  7 
ser.   IX.    ir.o  [20]).     Bl.  Mai. 

//.  trifoliatus  Ten.  Fl.  Nap.  III.  376  t.  136  (1824—29).  Baker 
Journ.  Linn.  Soc.  XI.  431  (1871).  Richter  PI.  Kur.  I.  226.  Belle- 
valia trifoUata  Kunth  Enum.  pL  IV.  308  (1843).  Gren.  u.  Godr.  Fl. 
France  III.  217.  Nyman  Consp.  732.  Hyac.  abortives  Cavalier  Notes 
deux  pl.   France   14  t.   1    Gg.  a  i  L848). 

(Italien;   Balkanhalbinsel;  Cypern;  Rhodos;  Nord-Africa.)      [*] 

856.  (6.)  II.  (ltibiiis.  •>.  Zwiebel  ziemlich  klein,  rundlich-eiförmig. 
Stengel  meisl  2  1  dm  hoch,  meist  etwas  schlaff.  Blätter  zu  3 — 5, 
linealisoh,  mt»ist  etwa  (J  mm   bis  über  1  cm  breit,  etwa-  fleischig,  beider- 


Hvacinthus.     Muscari.  267 

seits  verschmälert,  kahl,  etwas  graugrün,  so  lang  oder  kürzer 

als  der  Stengel.  Blüthen stand  locker,  ineist  10 — 30blüthig.  Hoch- 
blätter sehr  klein,  dreieckig.  Blüthenstiele  weit  abstehend  oder  etwas 
zurückgebogen,  zuletzt  aufrecht-abstehend,  sehr  dünn,  die  unteren  meist 
bis  5  mm,  zuletzt  bis  etwa  1  cm  lang.  Perigon  länglich-glockig, 
nicht  bis  1  cm  lang,  blau  mit  eiförmig-dreieckigen,  nur  etwa  l/s  der 
Länge  der  Perigonröhre  erreichenden,  in  der  Blüthe  meist  abstehenden 
Abschnitten.  Staubfäden  etwa  gleichhoch  dem  Schlünde  der  Perigon- 
röhre eingefügt,  zusammengedrückt,  etwa  so  lang  als  die  Staubbeutel. 
Frucht  verkehrt-eiförmig,  bis  8  mm  lang,  scharf  dreikantig,  mit  je  1 — 2 
Samen  in  den  Fächern. 

An  sonnigen,  steinigen  Abhängen,  in  Gebüschen  im  Gebiete  nur 
in  Dalmatien.    Insel  Lesina  (Stalio).     Bl.  April,  Mai. 

H.  dubius  Guss.  Cat.  1821.  32.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XL 
432  (187!).  Richter  PI.  Eur.  I.  226.  Bellevalia  dubia  Rchb.  Fl. 
Germ.  exe.  109  (1830).  Ic.  X  t.  CCCCLVIII  fig.  1003.  Boiss.  Fl. 
Or.  V.  802.  Nyman  Consp.  732.  Suppl.  306.  Bei.  Gussoneäna1) 
Griseb.  Fl.  Rumel.  11.387  (1844).  Bei.  Webhiäna2)  Pari.  Nuov.  gen. 
19  (1854).  Fl.  It.  IL  489.  Hyac.  Webbianus  Nym.  Syll.  Suppl.  64 
(1865).    Consp.   732.    Suppl.  306. 

Von  der  vorigen  leicht  durch  die  viel  kleineren  Blüthen  und  die  am  Rande 
nicht  gewitnperten  Blätter  zu  unterscheiden.  —  Hierzu  gehört  die  Portugiesische 
Rasse:  B.  HackeliiS)  (Richter  PI.  Eur.  I.  226  [1890].  Bellevalia  Hackelii  Freyn 
ÖBZ.  XXVII.  289  [1877]). 

(Portugal;   Italien;  Sicilien ;  Balkanhalbinsel;   Kreta.)  \yT\ 

175.    MUSCARI4). 
([Tourn.  Inst.  347   t.  680].  Mill.  Gard.  Dict.  ed.  6   [  1752]  ed.  7   [1759]. 
Nat.  Pfl.    IL  5.  67.    Etheiränthus5)    Kostel.    Ind.    pl.    bort.  Prag.  56 
[1844].   Botryconum6)  Fourr.  Ann.  Soc.  Linn.  Lyon  n.  s.  XVII.   160 

[1869]). 

(Traubenhyazinthe,  Weinträubel;  niederl.  u.  vlaem. :   Druifhyacint ;   dän. : 

Perlehyacint ;    südfranz. :    Cougüou;    nun.:    Cepa-Ciorei ;    poln.:    Safirek, 

Spilanka;  böhm.:  Modrenec;  kroat. :  Preslicina,  Luzana;  russ. :  MbiniiiHbiit 

rauiniTii ;  ung. :  Gyöngyike.) 

S.  S.  221.  Meist  ziemlich  kleine,  in  der  Tracht  der  vorigen  Gattung 
ähnliche  Kräuter.  Zwiebel  der  von  Hyacinthus  ähnlich  gebaut,  aber 
das  oberste  Blatt  der  Zwiebel,  in  dessen  Achsel  die  Hauptknospe  stellt, 
nicht  selten  zu  einer  Schuppe  verkümmert.    Pflanze  stets   kahl.     Hoeh- 

1)  S.  II.   1.  S.  462  Fussn.  2. 

2)  S.  II.  2.  S.   496   Fussn.  3. 

3)  S.  IL   1.  S.  380  Fussn.  2. 

i)  Zuerst  bei  de  l'Ecluse,  eigentlich  Muskarimi  oder  Muschirumi  (griechischer 
Moschus),  der  Arabische  Name  des  bei  uns  mitunter  in  Gärten  gezogenen  M.  muscari. 

5)  Von   e&eiQct  Mähne,  wegen  des  Schopfes  unfruchtbarer  Blüthen. 

6)  Von  ßötQvg  Traube  und  xö/M],  hier  Schopf. 


268  Liliaceae 

blätter  des  Bluthenstand.es  meist  unentwickelt  Blüthen  klein,  die 
obersten  meist  unfruchtbar,  zuweilen  anders  gefärbt.  Perigon  abfallend, 
kugelig-eiförmig,  seltener  röhrenförmig,  am  Schlünde  stets  deutlich  krug- 
förmig  zusammengezogen;  mit  kurzem  6theiligen  Saum.  Staubblätter 
nichl  aus  dem  Perigon  hervorragend.  Griffel  fadenförmig,  mit  schwach 
3 lappiger  Narbe.      Frucht   eine    scharf    3  kantige   Kapsel    mit    meist   je 

2  Samen    in    den    Fächern.     Sa n    fast    kugelförmig,    ohne   oder   mit 

einer  kleinen  Anschwellung  am  Nabel. 

Gegen  50  Arten  besondere  im  Mittelmeergebiete.     Nur  unsere  Sectionea. 

A.  A.  Muscarimia1)  (Kostel.  Ind.  pl.  hört.  Prag.  [1844]  als  Gatt. 
Mosehäria2)  Salisb.  Gen.  öf  pl.  25  [1866]  als  Gatt,  nicht  Forsk. 
Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  412  [1871 1.  Nat.  Pfl.  II.  5.  68.) 
Perigonabschnitte  sehr  klein,  zahnartig,  abstehend.  Perigon  röhrig- 
krugf'örmig. 

2  Arten,  davon  bei  uns  in  Gärten. 

*f   M.  miiscäri   (Muskat-  oder  Bisamhyacinthe).    ?\-.    Stengel   meisl 

1 — 2  dm  hoch.  Blätter  meist  zu  5 — 6,  ziemlich  fleischig,  fast  flach, 
ziemlich  breit-linealisch,  meist  1  bis  fast  2  cm  breit,  etwas  graugrün, 
meist  länger  als  der  Stengel.  Blüthenstand  ziemlich  dicht,  meist  20- 
bis  50  blüthig,  kurz  cylindrisch.  Blüthen  alle  fast  sitzend  oder  die 
unteren  ganz  kurz  gestielt,  wagerecht  abstehend.  Perigon  der  frücht- 
baren Blüthen  cylindrisch-krugförmig,  bis  8  mm  lang,  gelblich- 
grün, mit  sehr  kurzen  fleischigen,  zuletzt  sternartig  ausgebreiteten  Ab- 
schnitten, das  der  unfruchtbaren  Blüthen  kleiner,  zierlicher 
(kurz  gestielt),  blau.  Staubblätter  wenig  über  der  Mitte  der  Perigon- 
röhre  eingefügt.  Frucht  bis  fast  2  cm  lang  und  breit  scharf  3 kantig, 
mit  kreisförmigen,  gestutzten   Klappen. 

In  Kleinasien,  dem  Kaukasus  und  Kurdistan  heimisch,  bei  uns 
hin  und  wieder  in  Gärten,  im  südlichen  Gebiete  (wie  in  Süd  Europa) 
leicht  verwildernd,  selten  im  nördlichen  (Proy.  Brandenburg:  Lehnin!!). 
Bl.  Apr.,  Mai. 

M.  muscari  A.  u.  G.  Fl.  Nordost.!.  FlachL  192.  Hyaeinthus 
Mnscari  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  317  (1753).  M.  ambrosiacum  Moench 
Meth.  637  (1794).  Nyman  Consp.  733.  Richter  PI.  Für.  I.  227. 
M.  Mwcarimi1)  Medic.  in  Usteri  Ann.  II.  15  (1791).  M.  moschätum 
Willd,  Enum.  bort.  Berol.  378  (1809).  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI. 
413  (1871).  Boiss.  Fl.  Or.  V.  288.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLVII  fig. 
louu.    Botryanthus  Saudi3)  Jaub.  u.  Spach  Ül-Or.  t.  329  (isöO— 3). 

Hierzu  ueluirt  die  Rasse 


i)  S.   S.   267   Fussn.   4. 

8)  Wegen  des  Moschusgeruchs  rler  LJlüthe. 

■'■)  Nach  .1.  B.  Casimir  Baul,  *  15.  Aug.  1801  Montpellier  f  18.  Mai  1850 
Nevers,  früher  [nspectenr  de  navigatioa  daselbst,  welcher  den  Grafen  Jaubert 
auf  seiner  Reise  in  Kleiuasieu  begleitete  und  in  Central-Fraukreich  werthvolle 
Sammlungen  machte  (Bore au  Fl.  Centr.  France  3.  ed.  I.  32). 


Muscari.  269 

B.  flava  in.  Blüthenstand  lockerer,  meist  länger,  armblüthig.  Blüthen 
meist  mehr  oder  weniger  hängend.  Perigon  der  fruchtbaren  Blüthen 
länglich-cylindrisch,  gelblich  mit  purpurnen  bis  fast  schwärzlichen 
Zähnen.  Staubfäden  meist  unterhalb  der  Perigonröhre  eingefügt. 
Frucht  grösser. 

So  selten  in  Gärten,  in  Südeuropa  einheimisch  (?)  oder  ein- 
gebürgert. 

M.  muscari  B.  ftavum  A.  u.  G.  Syn.  III.  268  (1905).  Rt/a- 
cinthus  moschatus  ß.  Lam.  Encycl.  III.  193  (1789).  M.  vnoscha- 
tum  ß.  flamm  Bot.  Mag.  t.  1565  (1813).  Baker  Journ.  Linn.  Soc. 
XI.  413  (1871).  M.  macrocärpum1)  Sweet  Flow.  gard.  t.  210 
(1829). 

B.    Perigon    verkehrt-eiförmig    bis  kugelig.     Perigonabschnitte  dreieckig,      B. 
fast  stets  zurückgeschlagen  (vgl.  jedoch  31.  commutatum). 
I.  Botryanthus'2)   (Kunth  Enum.    pl.  IV.  310    [1843]    als  Gatt.      I. 
Baker' Journ.  Linn.  Soc.  XL  412  [1871].    Boiss.  Fl.  Or.  V.  288 
als  Sect.     Pycnöbotrys3)   K.  Koch  Linnaea  XXII.   255    [1849]. 
Botrypile*)  Salisb.  Gen.  of  pl.  25   [1866])  (Weinträubel,  Maien- 
riesli,    Perlblümchen;     rum. :    Cocosei,    Porumbei).       Blüthenstand 
dicht,    Perigon  meist  2 — 4,  selten  bis  etwa  5  mm  lang.    Unfrucht- 
bare Blüthen    wenige,    nicht   an    der  Spitze    zu    einem    deutlichen 
Schopf  gedrängt    und  nicht  wesentlich    von    den  fruchtbaren  ver- 
schieden gestaltet.     Staubfäden  alle  etwa  in   derselben  Höhe  ein- 
gefügt.     Fruchtknoten   3  kantig. 

Ausser  unseren  Arten  in  Europa  noch:  M.  pulchellum  (Heldr.  u. 
Sart.  in  Boiss.  Diagn.  pl.  Or.  ser.  2.  IV.  109  [1859].  Botryanthw  Sartori i  ■>) 
Tod.  Hort.  Panorm.  t.  5  [1876]  nach  Boiss.  Fl.  Or.  V.  296.  B.  pulchelluis 
Nyman  Consp.  734  [1882])  in  Griechenland  und  Vorderasien.  —  ibf.  Mor- 
doonumb)  (Heldr.  ÖBZ.  XXVIII  [1878]  52.  Botryanthus  Mordoanus 
Nyman  Consp.  734  [1882])  auf  Corfu.  —  M.  He Idreichii 7)  (Boiss.  Diagn. 
pl.  Or.  ser.  2.  IV.  109  [1844].  Botryanthus  Heldreichii  Begel  Gartenfl.  X. 
[1863]  371.  M.  hymendphorum*)  Heldr.  Herb.  Norm,  nach  Nyraan  Consp. 
134  [1882])  in  Griechenland,  mit  mehreren  linealisch-fadenförmigen,  halbstiel- 
runden  Blättern,  dichtem  Blüthenstande  und  deutlich  krugförmigem,  bis  6  min 
langem   Perigon,  selten  in  Gärten. 

a.   Perigon    länglich-eiförmig,    doppelt    so    lang    als    breit,      Blätter     a. 
-ehr  schmal,  kaum  über  4  mm  breit,  oberwärts  deutlich  rinnig. 


l)   Von   f,iay.QÖg  lang,  gross  und   y.a.Q7i6g  Frucht. 
'-')  Von  ßÖTQvg  Traube  und  äv&og  Blume. 
3j  Von  nvv.vög  dicht  und  ßotQvg  Traube. 

4)  Von   ßöigvg  und   niÄog  Filz,  auch  Hut   und  Ball,   wegen  der  kugelförmigen 
Blüthen. 

5)  S.  II.   1.  S.  663  Fussn.   1. 

,;)   Nach   Lazaro  de  Mordo.  Arzt  in  Corfu,    Verfasser  der  1808  erschienenen 
wcrthviillcii   Schrift  Nozioni   miscellanee  intorno  a  Corcira. 
-)  S.  I.  S.  215  Fussn.  4.    II.  2.  S.  283   Fussn.   1. 
**)  Von  vfiijv  Haut  und  -cpögog  tragend. 


270  Lilinceae. 

Gesamintari   M.  racemösum  (857—859). 

1.  1.  Perigonabsclmitte  dreieckig,  etwas  zurückgesehlagen.    Blüthen 

duftend. 

S57.  (1.)  HI.  racemösum  (Katzentraube  [Elsass],  Parsiserli,  Trübli, 
A.priltrübli  (Schweiz),  Himmelsschlüssel  [Oesterr.],  Scbiulerweimercher 
[Siebenbürgen];  Iran/..:  Ail  <lu  chien;  ligur.:  Porrione).  -2J-.  Zwiebel 
eiförmig  bis  breit-eiförmig,  meist  nicht  über  2  cm  dick,  mit  zuletzt  roth- 
braunen Hauten.  Stengel  meist  1 — 5  dm  hoch.  Blätter  zu  3 — 6, 
sehr  seh  mal,  nur  2 — 3  mm  breit,  halbstiel  rund,  ober. sei  ts 
gefurcht/  oder  schmalrinn  ig,  schlaff,  zuletzt  bogenförmig  zurück- 
gekrümmt, etwa  so  lang  als  der  Stengel.  Blüthenstand  ineist 
10 — 30blüthig.  Blüthenstiele  bis  3  mm  lang,  nickend,  nur  die  un- 
fruchtbaren Blüthen  aufrecht.  Blüthen  im  Geruch  an  Pflaumen  er- 
innernd. Perigon  meist  4 — 5  mm  lang,  lebhaft  dunkelblau,  bereift, 
mit  weisslichen  Abschnitten.  Unfruchtbare  Blüthen  wenige,  kleiner, 
heller,  kürzer  gestielt.  Frucht  etwa  7  mm  lang,  an  der  Spitze  nicht 
ausgerandet,  mit  fast  kreisrunden,  an  der  Spitze  breit  abgestutzten 
Klappen. 

An  Abhängen,  auf  Aeckern,  Weinbergen,  in  jGrärten,  an  Zäunen, 
ursprünglich  wohl  nur  im  Gebiete  der  Mittelmeer-  und  Politischen  Flora, 
im  südlichen  und  mittleren  Gebiete  in  Folge  früherer  allgemeinerer  Cultur 
als  Zierpflanze  ziemlich  verbreitet,  spärlich  in  der  nördlichen  Ebene,  in 
Westfalen  überhaupt  nicht  beobachtet.  In  Wallis  bis  106*»  m  (Jaccard 
351),  in  Tirol  bis  ca.  1070  (Sarnthein   br.)  ansteigend.    Bl.  April,  Mai. 

M.  racemösum  Mill.  Gard.  dict,  ed.  8  no.  3  (1768).  Koch  Svn. 
ed.  2.  834.  Baker  Journ.  Linn.  Soc.  XI.  416  (1871).  Boiss.  Fl.  Or. 
V.  295.  Richter  PI.  Eur.  I.  227.  Rchb.  Ic.  X  t.  CCCCLVI  fig.  999. 
Hyacinthus  raeemosus  L.  Spec.  pl.  ed.  1.  318  (1753).  Hyac.  jwnci- 
fblius  Lam.  Encycl.  III.  194  (1789).  Botryanthus  odörus  Kunth 
Emmi.  pl.  IV.  31*1  (1843).    Nyman  Consp.  734.    Suppl.  307. 

In    Gärten    in    mehreren    Formen    cultivirt,    die    sich    namentlich    durch    die 

Blüthenfsrbe  auszeichnen.     Weissblühende   Formen    sind   nicht  selten.  —  Leicht   zu 

missdeuten  ist 

B.  braohyänthuni  !).   Perigon  kürzer,  eiförmig-krugförmig.  —  Selten  in  Gärten, 

—  M.  racemo&um